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Full text of "Jahrbuch des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts"

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JaH RBUC H 

DES' 
KAISERLICH DEUTSCHEN 

Archäologischen Instituts 



Band xv 

1900 



MIT DEM BEIBLATT ARCHÄOLOGISCHER ANZEIGER 



BERLIN 

DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER 

1901 '^ 




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m.6-fS- 



Inhalt 



Seite 
E. Bethe Die hellenistischen Bühnen und ihre Dekorationen. Mit 13 Ab- 
bildungen 59 

H. Blümner Die Gemälde des Panainos am Throne des olympischen Zeus 136 
J. Boehlau Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. Mit 32 Ab- 
bildungen 155 

L. Deubner EnAYAIA. Mit Tafel II 144 

H. Graeven Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. Mit 

9 Abbildungen 195 

H. Lucas Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. Mit 27 Abbildungen . i 

W. Passow Zum Parthenonfriese. Mit 4 Abbildungen 42 

E. Pernice Geometrische Vase mit Schiffsdarstellung. Mit einer Abbildung 92 
H. Schrader Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephos- 

frieses. Mit Tafel I und 18 Abbildungen 97 

S. Wide Geometrische Vasen aus Griechenland (Schlufs). Mit 19 Ab- 
bildungen 49 

F. Winter Studien zur älteren griechischen Kunst. II. Mit 6 Abbildungen 82 

Tafel I. Der Telephosfries. 
Tafel 2. Pyxis aus Eretria. 



IV 



Inhalt, 



ARCHÄOLOGISCHER ANZEIGER 



Seite 

K. Wernicke f l6i 

Jahresbericht über die Thätigkeit des 
Kaiserlich Deutschen Archäologi- 
schen Instituts 57 

Archäologische Funde im Jahre 1899 

(C o n z e) 60 

Archäologische Neuigkeiten aus Nord- 
afrika (A. Schulten). Mit 3 Abbildungen 62 

Bericht über die Arbeiten der Reichs- 
limeskommission im Jahre 1899 (E. 
Fabricius. F. Hettner. v. Sarwey). 
Mit einer Abbildung 79 

Römisch-Germanische Forschung 

(Conze) 10 

Die neuen Ausgrabungen auf dem 
Forum Romanum (Ch. Huelsen). Mit 
einer Beilage und 2 Abbildungen .... i 

Knossos (P. Wolters). Mit einer Beilage 

und 6 Abbildungen 141 

Bronzen aus Boscoreale (E. Pernice). 

Mit 27 Abbildungen 177 

Sitzungsberichte der Archäologischen 
Gesellschaft zu Berlin. 1900. Mit 4 
Abbildungen 18. 99. 151. 199 



Seite 
Archäologen- Tag in New-Haven (E. 

Riefs) 24 

Gymnasialunterricht und Archäologie 115 

Eduard-Gerhard-Stiftung 160 

Erwerbungen der Antikensammlungen 
in Deutschland. 

I. Die westdeutschen Altertumssamm- 

lungen (F. Hettner) 25 

II. Dresden (G. Treu. P. Herrmann). 

Mit II Abbildungen 106 

Erwerbungen des Louvre 1 899 .... 155 
Erwerbungen des Museum of Fine 

Arts in Boston im Jahre 1899 . . . . 216 
Erwerbungen des Ashmolean Museum 

zu Oxford 113 

Erwerbungen des British Museum im 

Jahre 1899 211 

Käufliche Gij^sabgüsse 32. 225 

Institutsnachrichten ... 34. 116. 160. 222 
Zu den Institutsschriften. Mit einer Ab- 
bildung • ... 35. 117. 224 

Bibliographie 35. 117. 161. 225 

Register 247 



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DIE RELIEFS DER NEPTUNSBASILICA IN ROM. 

Zerstreut im Museum von Neapel und in verschiedenen Museen und Palästen 
Roms finden sich eine Reihe von Hoch- und Flachreliefs, deren Zugehörigkeit zu 
einem einzigen Monument, der sogenannten Basilica Neptuni in Rom, längst er- 
kannt worden ist Die Hochreliefs stellen nach der allgemeinen Auffassung die 
Provinzen des römischen Reiches dar, die Flachreliefs Waffen oder Trophäen der 
von Rom unterworfenen Völker. Bei der Bedeutung, die diese Denkmäler nach 
verschiedenen Seiten haben, wäre es schon längst wünschenswert gewesen, einmal 
sämtliche Stücke zusammenzustellen und durch eine gemeinsame Besprechung 
weiteren Forschungen zugänglich zu machen. Da ferner eine Vereinigung der 
Monumente selbst bei den jetzt bestehenden Verhältnissen in Italien noch auf lange 
Zeit hinaus unmöglich erscheint, so empfiehlt es sich umsomehr, eine Vereinigung 
wenigstens auf dem Papier herzustellen. 

Der Gedanke eines solchen Unternehmens ist nicht neu. Schon C. L. Vis- 
conti plante eine zusammenfassende Publication ', von der jedoch nie etwas er- 
schienen ist. Dafs ich eine solche der Mitforschung hiermit vorlegen kann, schulde 
ich besonders der stets hilfsbereiten Förderung E. Petersens, dem an dieser Stelle 
zu danken mir eine angenehme Pflicht ist. Von seiner Hand rührt auch ein grofser 
Teil der benutzten photographischen Aufnahmen her. Für die Photographieen 
zweier Neapler Stücke bin ich A. Mau zu Dank verpflichtet, desgleichen der Ver- 
lagsanstalt F. Bruckmann für die gütige Publicationserlaubnis der dritten Neapler 
Provinz nach einer Arndt-Amelung'schen Einzelaufnahme. Endlich hat mich auch 
Chr. Hülsen durch wiederholte, liebenswürdigst erteilte Auskunft verpflichtet. — 
Noch sei bemerkt, dafs Verfasser sämtliche beschriebenen Monumente, soweit im 
Original vorhanden, selbst gesehen und geprüft hat. 

I. 

Die Zahl jener dekorativen Hoch- und Flachreliefs, welche einst die mit 
Recht oder Unrecht so genannte dasi/üa Neptuni oder das templum Neptuni^ schmückten, 

') Bull. com. VI (1878) p. 13. Gardthausen, Augustus u. seine Zeit 1,2 S. 756, 

=*) Litteraturnachweise zum Neptunstempel: Müller- 11,2 S. 424—426 n. 26-28; Kiepert u. Hülsen, 

Wieseler, Denkm. d. alten Kunst I. n375; Reber, Formae urbis Romae antiqtiae p. 14 (basilica Nep- 

Ruinen Roms S. 257—261; Strack, Baudenkmäler Umi), vgl. p. 56 (porticus Argonautarum) , p. 86 

des alten Rom S. 16 f. (vgl. 36 f.); Heibig, Führer (templum Neptuni in campo); Lanciani, Ruins ana 

durch die öffentl. Sammlungen in Rom I^ n. 552; excavations 0/ ancient Rome p. 492. 
Jahrbuch des archäologischen Instituts XV. I 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



beläuft sich, soweit sie uns erhalten sind, auf zweiundzwanzig. Dazu kommen weitere 
sieben Stücke, deren einstiges Vorhandensein sich nachweisen läfst. Das Material 
ist weifser Marmor'. Die Reliefs zerfallen nach ihrer Form, wie schon bemerkt, in 
zwei Arten. Zunächst sind da jene dickeren, aufrechtstehenden, mehr hohen als 
breiten Blöcke, bestehend aus einem Mittelstück fast quadratischer Form, einer weit 
vortretenden Basis mit kräftig geschwelltem, wulstartigem Glied und Platte und 
einem entsprechend, nur in umgekehrter Reihenfolge gebildeten Deckgliede. Vor 
der Fläche des Mittelfeldes steht, in Halbrelief gearbeitet, eine weibliche Figur 
ungefähr von Lebensgröfse. Diese durch charakteristische Waffen und Gewandung 
von einander scharf unterschiedenen Frauengestalten hat man schon seit alter Zeit 
als Provinzen bezeichnet, d. h. Personificationen der Landschaften des römischen 
Reiches. Diese Bezeichnung mag, obwohl nicht ganz zutreffend, vorläufig bei- 
behalten werden. Die Höhe der Blöcke mit den Provinzdarstellungen beträgt (bis 
zum obern Rand der Deckplatte) 2.08 m, die gröfste Breite 1.90, die gröfste Tiefe, 
also an Basis und Deckglied, 0.79. Das Mittelstück ist 1.33 — 1.35 hoch, 1.44 — 1.46 
breit und 0.57 dick. Die Höhe der Figuren beträgt etwas über 1.50 m. Von Provinz- 
reliefs lassen sich sechzehn Exemplare als vorhanden nachweisen, vier weitere als 
verloren. 

Die Reliefplatten der zweiten Gattung haben eine ursprünglich rechteckige 
Form; sie waren lang gestellt, so dafs sie mehr breit als hoch erschienen. Die 
Ecken sind durch Einschnitte von geschwungenem Profil abgestutzt. Die Mitte 
jeder Platte nimmt eine Darstellung in Flachrelief ein, enthaltend gekreuzte Waffen, 
Feldzeichen oder Trophäen, umrahmt von einem gefälligen Ornament, einer Weiter- 
bildung des lesbischen Kymation*. Die Trophäenplatten haben eine gröfste Breite 
von 2.33, eine Höhe von 1.97, Dicke von 0.59 m. Das vom Ornamentrahmen ein- 
geschlossene innere Feld ist 1.35 hoch und 2.00 breit. Trophäenreliefs sind uns 
sechs erhalten; von drei andern, die einst im Palazzo Odescalchi waren, sind noch 
Zeichnungen vorhanden. 

Da, wie zuerst Lanciani bemerkt hat, der seitliche Umrifs der Trophäen- 
reliefs vollständig mit dem der Provinzenstücke zusammenfällt, so ergiebt sich un- 
zweifelhaft, dafs immer eine Trophäenplatte zwischen zwei Provinzen eingefügt war, 
also Provinzen und Waffenreliefs abwechselten* (Fig. i). Die Richtigkeit dieser An- 
nahme macht die Aufstellung einiger Stücke auf dem Hofe des Conservatoren- 
palastes evident. Lanciani hat weiter erkannt, dafs die Entfernung von der Mitte einer 
Provinz bis zur Mitte der nächsten gleich ist der von Säule zu Säule, und hat danach 
angenommen, dafs die Folge von Provinzen- und Waffenreliefs einst den Sockel 

') Matz-Duhn (Ant. Bildw. in Rom III S. 84) be- Constantinsbogen unter dem Zahnschnitt des 

zeichnen ihn als griechisch, das Bull. com. von Gesimses. 

1878 (p. 283) und 1883 (p. 264) als lunesisch. ^) Bull. com. VI (1878) p. 13. Vgl. dort die Zeich- 

Ich wage keine Entscheidung. nung tav. Il/Illyf^. 3, die aber nicht ganz fehler- 



♦) Das Ornament findet sich öfter übereinstimmend, frei ist. 

so an der Sima des Concordiatempels und am 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



4 O-i).^ ^...oig— ^ 




Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



des Tempels zierte, die Provinzen genau unter den Säulen standen, die Trophäen 
den Intercolumnien entsprachen^. Dieser Ansicht hat sich auch Petersen an- 
geschlossen^, der auf den hadrianischen Zeustempel in Athen als Parallele hinweist 
(Paus. I i8, 6). Die Marmorschwelle über dem Relief kränze, constatierbar oben 
auf den zuletzt gefundenen Provinzblöcken in je zwei schief abgeschnittenen Stücken 
— die längeren Schwellenstücke über den Trophäenreliefs sind verloren — würde 
nach letzterem dazu gedient haben, ein Gitter zu tragen, welches die unter den 
Säulen des Tempels Wandelnden vor dem Hinabfallen schützte ^ 

Der Beschreibung der einzelnen Provinzen, die jetzt folgen soll, mögen einige 
Bemerkungen über stilistische Einzelheiten, die allen Figuren mehr oder weniger ge- 
meinsam sind, vorangehen. Die Stellung der Frauenfiguren ist, mit ganz geringer 
Variation, immer die gleiche: sie stehen auf einem Beine fest auf, das andere ist 
leicht zur Seite gesetzt — wir wenden dafür der Kürze halber die geläufigen Aus- 
drücke »Standbein« und »Spielbein« an — der Kopf blickt seitwärts, fast immer 
nach der Seite des freier gestellten Fufses hin. Wird auch bis zur Ermüdung das 
gleiche Motiv wiederholt, so wirken doch die Figuren im ganzen erfreulich durch 
die scharfe Charakteristik und die geschickte, wenn auch nur dekorative und zu- 
weilen etwas flüchtige Arbeit. An der Gewandbehandlung fällt das fast durch- 
gängige Vorkommen von Liegefalten auf, eine Eigentümlichkeit, die, schon an 
attischen Grabreliefs und an der Mausolos-Statue nachweisbar, uns besonders von den 
Gigantomachiereliefs des pergamenischen Altars^ geläufig ist, auch sonst sich vielfach 
findet, z. B. einige Male auf der Trajanssäule (Froehner IV 25 u. ö.). Die Franzen 
der Kleider und die Kopfhaare sind mit starker Anwendung des laufenden Bohrers 
gearbeitet, die tief eingebohrten Furchen wenig verarbeitet. Die Augen sind plastisch 
angegeben: die Pupille leicht umrissen, die Iris stark ausgebohrt mit Stehenlassen 
eines Stückchens am oberen Rande, das in der Entfernung den Eindruck des Licht- 
blitzes im Auge hervorruft. Endlich ist noch zu bemerken, dafs die Umrisse der 
Figuren auf dem Hintergrund verstärkt sind durch tief eingeschnittene, breite 
Furchen, ein Mittel, das vielleicht dazu bestimmt war, die Figuren besser aus dem 
Grunde herauszuheben und auf gröfsere Entfernung sichtbar zu machen. An Bei- 
spielen solcher Umrifslinien sind mir bekannt die Reliefs des Denkmals von St. Remy, 
einige Platten der Trajanssäule (z.B. Froehner IV 1—3. 14. 15. 22. 23), das Fries- 



«) a. a. O. p. 23 f. Er mufste aber 38 (2 X i5+8), 
nicht 36 Provinzen berechnen, da die beiden 
Ecksäulen der hinteren Schmalseite natürlich 
doppelt zu zählen sind. 

'•) Vom alten Rom S. 78. 

*) Petersen hat darüber gesprochen in einer Sitzung 
des röm. Instituts: Rom. Mitth. XII (1897) S. 85. 
Seine Aufnahmen der Schwellansätze habe ich 
einsehen dürfen. Doch giebt es einige Schwierig- 
keiten, die mir jener Sockel- Hypothese nicht 



E. Q. Visconti (Mus. Pio-Ckm. III p. 61 not. c) 
vorgebrachten Ansicht neige, dafs die Reliefs 
auf der Attica standen, welche sich auf den 
Längsseiten des Tempels über dem Gesimse er- 
hob (vgl. Palladio lib. IV cap. 15 und die heutige 
Ansicht der Borsa nach ihrer vom Ende des 
17. Jh. stammenden, wohl auf antike Spuren 
zurückgehenden Wiederherstellung). Vielleicht 
bietet sich einmal später Gelegenheit auf die 
Frage ausführlicher einzugehen. 



günstig scheinen, weshalb ich zu der schon von ^) Overbeck, Griech. Plastik IP S, 283. 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



5 



relief des Vatikans Heibig Führer I' n. 298, vielleicht hadrianischer Zeit, das Sockel- 
relief der Antoninssäule (Friedrichs-Wolters n. 1939), die Reliefs der Marcussäule, 
die Basisreliefs des Severusbogens in Rom, die skulpierte Säulenbasis auf dem 
römischen Forum Matz- Duhn III n. 3629'°- 

Wir wenden uns jetzt zur Beschreibung der Provinzen. 

A — C. Neapel, Museum, Saal der puteolanischen Basis; Inventar-Nr. 6753 
{A). 6757 (B). 6^62, [C). Unter Papst Paul III. in Rom auf der Piazza di Pietra ge- 
funden und im Palazzo Farnese aufgestellt, 1790 mit der farnesischen Sammlung 
nach Neapel gelangt. 

Abbildungen: Dosius, Urbis Romae aedificiorum illustrium reltquiae (1569), Titelblatt oben (im 
Gegensinne, B und C allein); Museo Borbonico III tav. 57. 58; Canina, Lantica Etruria niarittima I tav. 3 
n. 10 — 12; ders., GH edifizj di Roma aniica II tav. 147 n. 4 {^A allein); MUllcr-Wieseler, Denkmäler der alten 
Kunst I Taf. 68 n. 375. 

Photographie von B: Arndt-Amelung Einzelverkauf n. 529 (danach mit Erlaubnis der Verlags- 
anstalt unsre Abbildung). 

Beschreibung: Documenti inediti per servire alla storia dei nnisei d Italia I p, 77, IV p. 203 
n. 60—62; Gerhard imd Panofka, Neapels antike Bildwerke S. 94 f. n. 313 und 322, S. 58 n. 187. 

A (Fig. 2). Ergänzt die 1. Ecke des Aufsatzes, beide Ecken des Untersatzes; 
r. und 1. Rand des Mittelfeldes bestofsen. 
An der Figur ergänzt der untere Teil der 
Nase, die r. Hand bis auf die Finger- 
spitzen, ein kleines Stück von dem dazu- 
gehörigen Mantelzipfel, ein Stückchen des 
Schwertgrififes, drei kleine Stücke von den 
Mantelfalten über der Brust. 

Rechtes Standbein, 1. Spielbein, 
der Kopf nach r. (vom Beschauer). Die 
Bekleidung besteht aus Schuhen, langen 
Hosen, einem gegürteten Chiton mit dop- 
pelten Ärmeln und einem mit einer Spange 
auf der r. Schulter geknüpften Mantel. 
Die r. Hand lüpft den Zipfel des Mantels, 
die 1. hält ein Schwert mit Scheide am 
Bande. Ein eigentümlicher Ansatz, viel- 
leicht zur Anbringung eines Schwertgurtes 
bestimmt, ist an der Tunica, in der Mitte 

der Brust, zu sehen, gebildet aus zwei Ringen mit verbindendem, jetzt sehr be- 
schädigtem Streifen. 

Höhe der Figur 1.53 m. 

B (Fig. 3). Ergänzt der ganze Aufsatz, vom Untersatz die 1. Ecke des Wulstes 

Vorhandensein solcher Umrifslinien folge die 
einstige Anbringung in gröfserer Höhe. 




Fig. 2. 



'o) Mehrere dieser Beispiele widerlegen dievonHelbig 
zu Nr. 298 ausgesprochene Ansicht, aus dem 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom, 



und die 1. Hälfte der Plinthe. Neu ferner die Spitze der Nase, mehrere kleine Falten 
am Gewände — jetzt zum Teil wieder weggebrochen — r. Hand, Stück des r. 
Unterarmes, der gröfsere, vordere Teil des Pfeiles, 1. Hand und Unterarm, unterer 
Teil des Köchers. 

Linkes Standbein, Kopf fast geradeaus, nur ganz Wenig nach 1. gerichtet. 
Die Frau trägt Schuhe, Hosen, einen gegürteten doppelten Ärmelchiton mit eigen- 
tümlicher Draperie des oberen, sowie einen Mantel. Die R. ist mit einem Pfeil 
bewehrt, den Köcher dazu mit dem Band trägt die L. umgekehrt. Das in der 
Mitte leicht geteilte Haar ist anscheinend auf dem Hinterkopf zusammengefafst zu 
denken. Der Kopf trägt einen kantigen, nach oben sich verjüngenden Turban mit 
breitem Abfall nach den Seiten; am untern Rand eine feine Saumlinie. 

Höhe der Figur 1.54. 

C (Fig. 4). Ergänzt die 1. Ecke des Aufsatzes, ein Stück an der r. Ecke des 
unteren Wulstes. L. Rand des Mittelfeldes bestofsen. An der Figur ergänzt die 
Nase, der vordere Teil der r. Mützenlasche, kleine Stücke vieler Mantelfalten, 1. Hand 





Fig- 3- 



Fig. 4. 



und unterer Teil der Streitaxt, r. Hand und Unterarm, der ganze Speer bis auf das 
knopfartige untere Ende. Drei Puntelli für den Speer jetzt zum gröfsten Teil er- 
gänzt, die Ansätze antik. 

Das 1. Bein trägt die Körperlast, auch das r. steht fast ganz auf. Kopf nach 
r. Schuhe, deren Schlitz durch ein verziertes, ausgezacktes Lederstück verdeckt ist, 
Hosen, doppelt gegürteter Chiton, der r. Brust und Schulter entblöfst läfst; über 
der r. Hüfte ein eigenartiger Knoten. Ein Mantel, auf der 1. Schulter so geknüpft, 
dafs ein runder Bausch herabfällt, bedeckt die 1. Körperseite. Der Ergänzer hat 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



sinnlos die Gewandreste des r. Unterarmes zu einem Chitonärmel statt zu Mantel- 
falten vervollständigt. Die L. schulterte eine Doppelaxt, die R. war auf einen Speer 
gestützt. Der Kopf bedeckt von einer phrygischen Mütze mit Laschen; der Mund 
ist leicht geöffnet, das Haar reich, aber nicht lang gelockt. 
Höhe der Figur 1.52 m. 

D (Fig. 5). Rom, Palazzo Farnese, in der Halle hinter dem ersten Hofe. 
Gefunden zusammen mit A— C. 

Abbildung : Strack, Baudenkmäler des alten Rom Taf. 37 (vgl. Text S. 36 ; danach unsre Abb.). 
Beschreibung: Matz-Duhn, Antike Bildwerke in Rom III n. 3623». Vgl. Docuin. ined. I p. 77. 




Fig. 5- 

Nur die obere Hälfte erhalten; r. obere Ecke beschädigt. Keinerlei Er- 
gänzung. 

Der lockige Kopf, von einer phrygischen Mütze bedeckt, blickt nach r. 
Nase abgeschlagen, Mund bestofsen. Die Arme vor der Brust, der 1. Ellbogen 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



auf der r. Hand. Letztere jetzt weggebrochen; ebenso gröfstenteils die Finger der 
1. Hand, der Ansatz des Zeigefingers auf dem Gewand an der r. Schulter macht 
wahrscheinlich, dafs die Hand kein Attribut gehalten hat. Der Körper ist bekleidet 
mit einem Ärmelgewand, das die 1. Schulter blofs läfst, sowie einem Mantel, dessen 
Enden shawlartig nach vorn genommen und vor der Brust festgehalten sind. 
Höhe des erhaltenen Teiles der Figur 0.90 m. 



E. F. Rom, Palazzo Odescalchi, in einem der Säle des ersten Stocks, an 
zwei gegenüberliegenden Wänden eingemauert. (Schlechte Beleuchtung, worunter 
auch die Photographieen gelitten haben.) Gefunden auf Piazza di Pietra unter Papst 
Alexander VII. und von ihm seinem Neffen, dem Kardinal Chigi, geschenkt. Letzterer 
stellte sie in seinem Palast an der Piazza di SS. Apostoli auf der Treppe auf; der 
Palast gehörte später dem Herzog von Bracciano, dann dem Fürsten Odescalchi. 

Alte Handzeichnungen: Cod. Barb. XLVIII, loi f. 18 (E) und 22 (F). 

Abbildungen: Canina, Etruria marittima I tav. 3 n. 13. 14; Müller-Wieseler I Taf. 68 n. 375 '^•''. 
Beschreibung: Platner in: Beschreibung der Stadt Rom III 3 S. 178; Matz-Duhn III n. 3623. 
— Nicht aufgeführt im Inventar des Palastes vom Jahre 171 3 (Docum. ined. IV p. 329 — 345). 

E (Fig. 6). Die Zeichnung im Cod. Barb. zeigt noch die Platte mit ihrer voll- 
ständigen architektonischen Gestaltung wohlerhalten, 
nur waren die r. obere und die beiden unteren Ecken 
abgebrochen (der Bruch genau angegeben , ' rottd' ). 
Heutzutage ist die Platte seitlich, oben und unten so 
stark beschnitten und abgemeifselt, dafs sie die Form 
einer viereckigen Tafel mit Fufsleiste erhalten hat. 
An der r. unteren Ecke konnte ich ein neu einge- 
setztes Stück deutlich wahrnehmen. An der Figur 
fand ich ergänzt die 1. Hand mit dem Blumenzweig 
(auf der Zeichnung die Hand noch vorhanden, aber 
undeutlich gezeichnet) und den r. Unterarm mit dem 
Granatapfel (in Übereinstimmung mit der Hand- 
zeichnung, wo der Unterarm fehlt). Die Oberfläche 
ist an der Figur selbst, wie auch bei der folgenden 
Nummer besonders gut erhalten. 

Linkes Standbein, Kopf nach l. Langes Untergewand, dessen oberer Rand 
in seltsam schematischer Weise übergeschlagen ist, sowie franzenbesetzter Mantel, der 
den ganzen Körper aufser der r. Brust verhüllt, über den 1. Arm aber zweimal ge- 
schlungen ist. Der schöne lockige Kopf mit leichtgeöffnetem Munde ist geschmückt 
durch ein Diadem mit drei Rosetten. 

Breite der Platte 1.44 m. Der Zeichner des Codex giebt als Höhe des 
ganzen Blockes 97,, als Breite 87, pcihni an. 

F (Fig. 7). Die Platte in derselben Weise modern zugerichtet wie ihr Gegen- 
stück. Die Handzeichnung giebt sie wieder vollständig. Als abgebrochen werden 




Fiof. 6. 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



dort bezeichnet die beiden unteren Ecken, und zwar geht rechts der Bruch ziemlich 
hoch hinauf, wie auch heute an dieser Stelle sich ein grofses ergänztes Stück con- 
statieren läfst. Über den Erhaltungszustand der Figur bei der Auffindung belehrt 
uns ebenfalls die Zeichnung: es fehlte die r. Hand — 
heute ist der ganze r. Unterarm mit Ähren in der 
Hand ergänzt — und der 1. Unterarm nebst dem 
Griff der Sichel, beides gleichfalls heute ergänzt. 

Rechtes Standbein, Kopf nach r. Langes ge- 
gürtetes Kleid mit kurzem Ärmel, das von der r. 
Schulter herabfällt, Schulter und Brust freilassend 
(über der Hüfte ein Knoten wie bei C); Mantel mit 
befranztem Saum, über der r. Schulter geknüpft. 
Der r. Arm war vorgestreckt, der 1. angelegt, mit 
einem Sichelschwert bewaffnet. 

Die vertieften Umrifslinien fehlen nicht, wie 
Matz irrtümlich angiebt: sie sind im Gegenteil an 
der l. Seite des Körpers (aufser am Kopf) sehr 
scharf eingeschnitten; an der r. Seite ist nichts zu sehen. 

Breite der Platte 1.45 m. Die Mafse des ganzen Blockes nach dem Zeichner: 
974 palmi hoch, 87.^ breit. 




Fi?. 7. 



G (Fig. 8). Rom, Hof des Conservatorenpalastes. Auf Piazza di Pietra gefunden; 
seit 1679 im capitolinischen Museum, wo sie in dem Säulenhof des unteren Stockes 
(atrio) ihren Platz hatte; neuerdings (1878?) in den Hof des Conservatorenpalastes 
hinübergeschafft. 

Abbildungen: Foggini, Mus. Cap. IV /. 60 (Vi- y^s. — — — -. .;, .,_■- . -. — -_ — : — r-'. 

gnette); Re und Mori, Sctdture del nnis. Cap. I atrio tav. 16; 
Righetti, Descrizione del Campidoglio I tav. 113; Armellini, 
Scult. del Campidoglio I tav. 53 (Wiederabdruck des Stiches 
von Mori); Canina, Etruria marittima I tav. 3 n. 9; Müller- 
Wieseler I Taf. 68 n. 375 i). 

Photographieen: Tuminello (Rom) n. 1598; Spit- 
höver (Rom) n. 1759 (links). 

Beschreibung: Re u. Mori I p. 102; Righetti I 
p. 113. — Vgl. Gaddi, Roma nobilitata nelle sue fabbriche 
(1736) p. 151 (mir nicht zugänglich) ; Descrizione delle statiie, 
bassir Hievt etc. ne Palazzi di Campidoglio, ediz. terza (1775) 
p. lo; Forcella I n. 173; Michaelis, Rom. Mitth. VI (1891) 
p. 54 mit Anm. 178. 

Aufsatz und Basis an den Ecken glatt 
abgeschnitten. Ergänzt ein Stück an der r. obe- 
ren und unteren Ecke und eine grofse Partie an 
der r. Seite des Mittelquadrates. An der Frauen- 
gestalt neu die Nase, beide Lippen, Vorderseite Fig. 8. 




10 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



des Halses, Mittelfinger und Stück des Zeigefingers an der R., halber Daumen der 
L., Stiel und halbe Klinge der Axt, beide Füfse. 

Linkes Standbein, Kopf nach r. Dorischer gegürteter Chiton, auf der r. Schulter 
mit einer Spange befestigt, 1. Brust und Schulter blofs lassend. Füfse nackt. Die 
r. Hand ist in die Hüfte gestützt (der zweite und dritte Finger ausgestreckt), die 
L, hält eine Streitaxt am obern Ende. Kopf in einer Haube, aus der am Hinter- 
kopfe das Haar in drei aufwärtsstrebenden Locken heraustritt. Ein kleines Löckchen 
vor dem r. Ohr. 

Höhe der Figur 1.54 m. 

An verschiedenen Stellen moderne Inschriften eingegraben, auf der obern 
PHnthe: Imperii Romani provincia, auf der unteren: Ungariae. Auf dem Mittelfelde 
vier moderne Wappen mit bezüglichen Inschriften (vgl. Forcella a. a. O.). 

H (Fig. 9). Rom, Hof des Conservatorenpalastes. Gefunden auf Piazza di 
Pietra, seit 1672 an ihrer jetzigen Stelle, wo sie als Basis eines kolossalen Kaiser- 
kopfes (Heibig, Führer V n, 551) dient. 

Abbildungen: Piranesi, Raccolta de' tempj antichil Tafel hinter dem Titelblatt, r. unten; Canina, 
Etruria marittima I tcw. 3 n. 8; Müller-Wieseler I Taf. 68 n. 375 a; Lanciani, Pagan and Christian Rome 
p. 100; Petersen, Vom alten Rom S. 53. 

Photographieen: Tuminello (Rom) n. 1268 und 1595. 

Zur Geschichte: Forcella I n. 167; Michaelis, Rom, Mitth. VI p. 54. 

Bekrönung und Basis in derselben Weise 



beschnitten wie bei G (der Stich bei Piranesi 
zeigt diese GHeder noch vollständig). Beide Unter- 
arme abgebrochen, nichts ergänzt. 

Linkes Standbein, Kopf nach r. Das Ge- 
wand bedeckt die 1. Seite des Oberkörpers, 
Rücken, Unterkörper und ist über der Mitte des 
Leibes zu einem Knoten zusammengefafst. Der 
1. Arm war im Ellbogen erhoben, der r. gesenkt. 
Die verlorene r. Hand mufs ein stangenartiges 
Gerät, etwa eine Waffe, gehalten haben, von 
dessen Schaft ein Rest an der Innenseite des 
Ellbogens wahrnehmbar ist, während das obere 
Ende, eine ringförmige Öse, über der obern 
Randleiste des Hintergrundes in der Höhe des 
Kopfes erhalten ist. Das am Schädel glattanlie- 
gende Haar ist von einer breiten Binde um- 
schlossen und fällt unter ihr in starken Locken 
herab. Zwei kleine symmetrische Löckchen haben sich gerade über der Stirn los- 
gelöst (ähnlich wie bei dem Giustiniani'schen Apollokopf). 
Höhe der Figur 1.5 1. 
Auf der oberen Plinthe moderne Inschrift, bezüglich auf den daraufgesetzten 




Fig. 9. 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



II 



Kolossalkopf: Domitianus Caesar Augustus. Auf dem Mittelfelde vier moderne 
Wappen mit entsprechenden Consularinschriften eingeritzt (vgl. Forcella a. a. O.). 

J — L. Rom, Hof des Conservatorenpalastes. Im J. 1878 auf Piazza di Pietra 
gefunden, zuerst im Hofe der Dogana aufgestellt, dann nach dem Conservatoren- 
palast übergeführt. 

Abbildungen: Petersen, Vom alten Rom S. 82 (Ä' allein); Bull, com. VI (1878) tav. II/III n. 3; 
Schneider, Das alte Rom Taf. IX n. 10 (Z allein). 

Photographieen: Tuminello n. 1596 (K). 1597 (L). 1599 (J); Spithöver n. 1759. 1760. 
Beschreibung: Bull. com. VI (1878) p. 283f.; Bull. deW inst. 1878 p. 45. 107. 

J (Fig. 10). Die 1. obere Ecke des Blockes abgebrochen. Das Gesicht, die 1. 
Hand, Stücke der r. und der gröfste Teil der von letzterer gehaltenen Waffe waren 
abgebrochen und zuerst mit Gips ergänzt (diesen Zustand zeigt die Tuminello'sche 
Photographie). Jetzt ist der Gips wieder ausgefallen bis auf die Ergänzung des Ge- 
sichts. Für eine wieder verschwundene Ergänzung mag auch der kleine Eisenstift 
in den vorderen Falten des Mantels bestimmt gewesen sein. 

Linkes Standbein, Kopf nach 1. Gegürteter Ärmelchiton mit Überschlag, auf 
der r. Schulter geknüpfter Mantel. Die Füfse in Schuhen mit gitterartig durch- 
brochenem Oberleder. Die fehlende 1. Hand hielt irgend etwas, wie ein zu ihrer 
Stütze vorhandener Puntello beweist, die R. vermutlich eine Streitaxt, von der der 
Stil nebst einem Puntello für den obern Teil erhalten sind. Der Kopf mit lang 
herabfallenden Haaren trägt eine phrygische Mütze. 

Höhe der Figur 1.50. 





Fig. 10. 



Fig. II. 



K (Fig. 1 1). Grofses Stück der r. untern Ecke abgeschlagen. An der Figur weg- 
gebrochen nur die Spitze des Mittelfingers der 1. und die Finger der r. Hand, deren 



12 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



Ansatzspuren auf dem Gewände erhalten sind. Auch hier waren Ergänzungen mit 
Gips ausgeführt, die wieder verloren gegangen sind. 

Rechtes Standbein, Kopf nach r. Chiton mit langen Ärmeln und gegürtetem 
Überschlag, auf der r, Schulter geknüpfter Mantel. Die Füfse in eng anliegenden 
Schuhen. Die Arme gekreuzt, eine Waffe können sie nie getragen haben. Das 
reiche Haar ist nach hinten zurückgestrichen und senkt sich in zwei langen Locken 
auf die Schulter; zwei kleine Löckchen vor den Ohren. 

Höhe der Figur 1.5 1. 

L (Fig. 12). Der Block mit seiner ganzen architektonischen Gliederung vollständig 
erhalten. An der Figur ist nur der r. Unterarm gebrochen (der Bruch mit Gips ver- 
schmiert), und es fehlen an der r. Hand 
fast der ganze Daumen, zwei Glieder des 
Zeigefingers und das erste Glied des Mittel- 
fingers, sowie auch das von der Hand einst 
gehaltene Attribut. 

Linkes Standbein, Kopf nach 1. 
Die Frau trägt Schuhe mit halbrunden 
Laschen (hmulae), Hosen, einen bis unter 
die Kniee reichenden, schurzartigen Chiton 
mit Halbärmeln, über welchen kürzere, 
fellartige Ärmel sichtbar werden, einen 
Panzer und einen auf der r. Schulter ge- 
knüpften Mantel. Die L. ist zum Mantel- 
rand erhoben, die R. gesenkt; sie trug einst 
wohl eine Waffe. Das Haar ist nach hinten 
zurückgestrichen und von einem schmalen 
Bande zusammengehalten. 

Der Panzer zeigt reichen Schmuck. 
Die Achselstücke, zwischen die Brüste 
zusammengeschoben, sind mit einem sternartigen Ornament verziert. An den 
Brüsten Rankenwerk, darüber ein Adler. Den mittleren Teil des Panzers bildet 
eine dreifache Gürtung, der mittelste Gurt mit Blumenornamenten geschmückt. Nach 
unten folgt eine dreifache Reihe von Pteryges, deren oberste Folge mit Buckeln 
und Löwenköpfen, die zweite mit doppelten Palmetten verziert ist. 
Höhe der Figur 1.47. 

M. N. Rom, Hof des Conservatorenpalastes. Am 14. Febr. 1883 auf Piazza 
di Pietra gefunden. 

Beschreibung: Bull. com. XI (1883) p. 263 f.; Ann. dell' inst. 1883 p, 9; Notizie degli scavi 
1883 p. 81. 

M (Fig. 13). Der ganze Aufsatz mit einem grofsen Stück von der obern r. Ecke 
des Mittelstücks weggebrochen, ferner die 1. Ecke des Untersatzes. An der Figur 




Fig. 12. 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



13 



fehlen nur die Finger der r. Hand und das von derselben getragene Attribut; der 
r. Unterarm mehrfach gebrochen, die Brüche mit Gips verschmiert. 

Rechtes Standbein, Kopf nach r. Schuhe mit halbkreisförmigen Laschen, 
Hosen, langer gegürteter Chiton mit langen Ärmeln, endlich Mantel über 1. Arm, 
Rücken und r. Schenkel, von der L. vorn zusammengefafst. Die r. Hand (durch 
einen schmalen Piintello mit dem Körper verbunden) trug einen Gegenstand, für den 
etwas tiefer ein grofser Puntello vorhanden ist. 

Höhe der Figur 1.52. 





F'g- 13- 



Fig. 14. 



N (Fig. 14). Linke Ecke der Basis und ein sehr grofses Stück am Aufsatz rechts 
abgebrochen; auch die r. Kante des Mittelfeldes beschädigt. An der Frauengestalt 
die Lippen wenig, die Nase stark bestofsen und der 1. Unterarm weggebrochen. 

Rechtes Standbein, Kopf nach r. Die Bekleidung besteht in einem Chiton, der 
am Halse sichtbar wird, Mantel und Schuhen nebst hohen, vorn mit Knöpfen ge- 
schlossenen Ledergamaschen. Ein Köcher am Bande. Der 1. abgebrochene Arm 
war vorgestreckt (ein starker Puntello für die Hand erhalten), der r. trägt ein 
Vexillum. Die Haare sind vor der Stirn kurzgelockt, fallen aber an den Seiten und 
hinten in langen, gedrehten Locken herunter. 

Höhe der Figur 1.48. 



O (Fig. 15). Rom, Giardino della Pigna des Vatikans. Die Zugehörigkeit dieses 
Stückes zu den Provinzen der Neptunsbasilica ist von Chr. Hülsen erkannt worden. 
Über die Herkunft habe ich nichts erfahren können. 

Stark verstümmelt. Vorhanden der gröfste Teil der Provinzfigur selbst, aufser 
den Füfsen, Unterarmen mit ihren Attributen und dem Kopf. Die Epidermis noch 
recht gut konserviert. 



14 



Lucas , Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



Das 1. Bein stand fest auf, das r. war zur Seite gestellt. Die Bekleidung 
besteht aus einem Chiton mit doppelten Ärmeln sowie einem auf der r. Schulter 

geknüpften, franzenbesetzten Mantel. Auf der 1. Schulter 
und hinter der r. Achsel Reste langer Locken sichtbar. 
Der 1. Unterarm hob sich frei vom Reliefgrunde ab; von 
einem Gegenstand, den er gehalten, dürfte die Eintiefung 
herrühren, die in der Höhe der Hand auf dem Untergrunde 
bemerkbar ist. Die R. war vor die Brust gelegt und führte 
eine Waffe, deren Ansatzspuren in einer geraden Linie auf 
dem Gewände sichtbar sind. 

Höhe des erhaltenen Stückes i.ii m; Dicke der 
Grundplatte 0.26, höchste Relieferhebung 0.16. 




Fig. 15- 



P. Q. Rom, Villa Doria Pamfili, an der Südfagade 
des Casino als Gegenstücke eingemauert, P links, Q rechts. 
Unter Papst Innocenz X. bei Herstellung einer Wasserleitung (für den Springbrunnen 
auf Piazza Navona) gefunden und an seiner Villa vor Porta S. Pancrazio angebracht. 

Ältere Abbildungen nicht vorhanden. Unsre unzureichenden Abbildungen nach einer Photographie 
des Casino, Spithöver n. 685, die bei der Höhe der Objekte dieselben nur klein und undeutlich gab. 
Beschreibung: Matz-Duhn III n. 3529 (P). 3794 (Q). 

Die Angaben von Matz-Duhn sind, was bei der Anbringung der Reliefs sehr 
hoch über dem Boden entschuldbar, nicht ganz genau. Unsre Beschreibung beruht 
auf einer von Hrn. Petersen und mir gemeinsam vorgenommenen Besichtigung. 

Die Platten sind r. und 1. etwas beschnitten; die obere Plinthe ist ganz 
beseitigt, der obere Wulst, kenntlich noch als hellerer Streifen, weggearbeitet bis 
auf das Niveau des Mittelfeldes, doch so, dafs der Kopf, von der Seite betrachtet, 
stark vorgeneigt erscheint. Die Angabe von Matz-Duhn, dafs die Figuren über 
Lebensgröfse hoch seien, ist irrtümlich, beruht auch wohl nur auf einer Schätzung 
nach dem Augenmafs. 




Fig. 16. 



P (Fig. 16). Ergänzt der unterste Teil des Reliefs bis etwas 
oberhalb der Füfse, sowie einzelnes an den Falten. An dem un- 
zweifelhaft antiken und zugehörigen Kopfe das r. Auge beschädigt. 

Die Frau steht auf dem r. Bein fest auf, die Arme gekreuzt, 
und wendet den K^opf nach 1. Der etwas grofse Kopf ist sehr 
charakteristisch gebildet mit prächtig gelockten, wilden Haaren, 
vollem Gesicht und trotzigen, fast finsteren Zügen (Petersen fühlte 
sich bei seinem Anblick an den sog. Thumelicus in London er- 
innert). Die Bekleidung besteht aus einem doppelt gegürteten 
Chiton, der von der r. Schulter geglitten ist, und einem dünnen, 
shawlartigen Mantel, der 1. Schulter und Oberarm bedeckt und 
an der 1. Körperseite herunterfällt, auf der r. Körperseite den 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



15 




Oberarm einhüllt, über den Ellbogen etwas heraufgenommen ist zu einem kleinen 
Bausch und dann, zwischen Unterarm und Körper durchgehend, frei zur Seite flattert. 

Q (Fig. 17). Ergänzt Gesicht und Hals, ein Stück vom Kopftuch und ein sehr 
grofses Stück unten, etwa ein Drittel der Platte. Die Bruchlinie geht unter dem 
1. Mantelzipfel her, über das r. Knie hinweg, das modern ist, läuft über das Gewand 
höher hinauf und nimmt einen grofsen Teil des r. Mantelendes 
mit. Die r. Brust ist auch weggebrochen; in ihr steckt noch 
ein Eisenstift, wohl von einer früheren Ergänzung. Die r. Hand 
gebrochen, aber gewifs antik; darunter ein Puntello für einen 
grofsen Gegenstand. 

Linkes Standbein, Kopf nach r. Langer kurzärmeliger 
Chiton, der in der Mitte des Leibes von einem schmalen, 
shawlartigen Tuch umgürtet ist; ein Mantel bedeckt Rücken 
und Hinterkopf und fallt an beiden Seiten des Körpers herab. 
Die L. lüpft den Mantel, der r. gesenkte Arm scheint eine 
Waffe getragen zu haben. p. ^^ 

R — U. Vier Provinzen, welche im Mittelalter zwischen den Säulen der Vor- 
halle des Pantheon standen, wo sie u. a. Demontiosius sah (Gallus Romae hospes, 
1585, de Pantheo p. 2. 12. 13). Sie verschwanden unter der wachsenden Erdschicht, 
bis sie bei den Bauarbeiten Alexanders VII., der die Buden der Verkäufer an der 
Eingangsseite des Pantheon abreifsen liefs, wieder entdeckt wurden, aber fast gänzlich 
von den Salzvorräten zerstört (weitere Belege in Teil II). In diesem Zustande 
zeichnete sie der Künstler des barberinischen Skizzenbuches, Cod. Barb. XL VIII, loP^ 
(aber nur drei von den vieren, die er ankündigt: queste quattro figure erano nel 
portico della Rotondä). Die Provinzen verschwanden später spurlos. 

Die äufsere Form der Blöcke war bei den drei Stücken R — T nach der 
Zeichnung erhalten, dagegen müssen die Arme der Provinzfiguren abgebrochen 
gewesen sein; die Gesichter, in dem Umrisse des Kopfes nicht einmal angedeutet, 
dürften zerstört gewesen sein. An eine Flüchtigkeit des Zeichners ist nicht zu 
denken, da es derselbe ist, der die Odescalchi'schen Provinzen sorgfältig, selbst mit 
Angabe der Brüche, kopiert hat. 



") Dieses kleine, dünne Bändchen (21 X 29 cm) von 
Handzeichnungen in verschiedenem Format, an- 
scheinend alle desselben Künstlers, enthält drei 
Partieen von Sepiazeichnungen, die auf den 
Neptunstempel und seine Provinzen Bezug haben. 
Zunächst f. 15 — 24; fünf Blätter davon sind leer 
gelassen, 15 giebt zwei Architravbruchstücke 
des Tempels, 16 und 20 je eine Trophäenplatte, 
18 und 22 die Odescalchi'schen Provinzen. Fol. 15 
trägt die gemeinsame Fundangabe: traf ei t figure 
trovate in piazza di pietra in tempo di Alessandrq 



settimo. Später folgen zwei zusammengehörige 
Blätter, 31 (leer) und 32, Trophäenplatte, mit 
der Bezeichnung: trofeo trovato in Piazza di pietra 
il quak al presente sta nel Palazzo dei signori 
Ghigi. Endlich ein Fascikelchen von sechs zu- 
sammengehörigen Blättern, nämlich f. 55 — 57 mit 
unsern Pantheonprovinzen R-T und drei leere, 
nicht numerierte Blätter. — Die Kenntnis dieses 
Heftchens verdanke ich der Notiz bei Lanciani, 
Ruins and excavations of ancient Rome p. 492, der 
jedoch die Hs. nicht ausgenutzt hat. 



i6 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



R (Fig. i8). Cod. Barb. f. 55. Bekleidet mit langem Chiton und Mantel; der 
Kopf nach r. gewandt. Von einer in der R. gehaltenen Lanze ist der untere Teil 
des Schaftes angegeben. 





Fio-. iS. 



Fig. 19. 









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Fig. 20, 




Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. j- 

S (Fig. 19). Cod. Barb.f. 56. Kopf anscheinend nach 1. gewandt. Langer, 
unter der Brust gegürteter Chiton und Mantel. 

T (Fig. 20). Cod. Barb.f.sj. Das r. Bein anscheinend Standbein. Kurzer, 
gegürteter Chiton, der die 1. Brust freiläfst; Mantel, der Rücken und Schultern bedeckt 
und auf beiden Seiten lang herabfällt. 

U. Die vierte Provinz aus dem Pantheon wird, wie bemerkt, von dem 
Zeichner zwar angekündigt, aber nicht gegeben. Vielleicht war sie so stark zerstört, 
dafs der Künstler nachträglich seine Absicht, sie zu kopieren, aufgab. Dennoch 
haben wir geglaubt, diesem Stück eine besondre Nummer geben zu müssen. 

Dafür möge es erlaubt sein, an dieser 
Stelle die von Demontiosius p. 13 seines Buches 
abgebildete Pantheonprovinz ' ^ zu wiederholen 
(Fig. 21). Welches von den vier später so undeut- 
lich gewordenen Exemplaren R — U hiermit wieder- 
gegeben ist, läfst sich nicht feststellen. 

Aufser den beschriebenen zwanzig Pro- 
vinzen ist mir keine weiter bekannt. Jedenfalls p- 2^ 
ist die von Matz-Duhn aufgestellte Vermutung, 

der fragmentierte Reliefkopf einer Africa mit Elephantenhaut, der aufsen am Sena- 
torenpalast in Rom in der Strafse Via dell' arco di Settimio eingemauert ist (Ant. 
Bildw. III n. 3624), gehöre zu den Provinzen der Neptunsbasilica, als unrichtig ab- 
zuweisen. Denn: i) Die Mafse an dieser Africa sind andere. 2) Die Relief- 
erhebung ist geringer. 3) Der Relief grund ist flach, müfste aber doch an dem 
Hinterkopf bereits ansteigen. 4) gehört dieser häufige Africatypus mit seiner 
phantastischen Gestaltung nicht in die Reihe unsrer realistischen Verkörperungen 
von Provinzen oder Nationen, die in der originalen Tracht und mit den heimischen 
Waffen ausgestattet erscheinen. 



Ich wende mich jetzt zu den Flachreliefs mit Trophäendarstel* 
lungen, von denen mir folgende neun bekannt sind: 

I. Neapel, Museum, im Saal der puteolanischen Basis, mit dem Relief 
n. IV an der Wand eingelassen; Inventar-Nr. 6739. In Rom auf Piazza di Pietra 
zusammen mit IV und den Provinzen A — D gefunden, in den Palazzo Farnese, von 
dort nach Neapel gekommen, wo es zuerst im Hofraum aufgestellt war. 

Abbildung: Mus. Borb. III iav. 58 (oben links). 

Beschreibung: Docuni. ined. I p. 77, IV p. 199 n. 29; Finati im Text zu der Tafel des Mus. 
Borb.; Gerbard u. Panofka S. 52 n. 175. 

'^) Er bemerkt dazu p. 12: In priore pagina iinam ante acutum portictis ad dextratn conspicinntur: 

ex quaiuor caryatidibus , quae terra semiobrutae iinde figura integra exisiimari possit. 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XV. 2 



i8 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



Die ursprüngliche Form der Reliefplatte mit ihren charakteristischen Eck- 
ausschnitten ist beseitigt, indem die Platte ringsum gleichmäfsig abgeschnitten ist. 
An allen vier Ecken scheint, soweit man bei der schlechten Beleuchtung urteilen 
kann, etwas ergänzt, wie aus der Kalkverschmierung an jenen Stellen zu schliefsen. 
Sicher ist das an der oberen und unteren r. Ecke der Fall. 

Die Darstellung zeigt ein Tropaeum, gebildet aus einer auf eine Lanze 
gesteckten gegürteten, kurzärmeligen Tunica nebst Mantel, der durch eine Agraffe 
befestigt ist, und ein mit dem Tropaeum sich kreuzendes Feldzeichen. Letzteres 
besteht au? einem sich mehrfach um eine Stange windenden Drachen mit langen, 
spitzen Ohren und weit aufgesperrtem Rachen. Der Schlangenkörper des Drachens 
ist mit sechs flatternden Bändern umwickelt. 




Fig. 22. 



II (Fig. 22). Rom, Hof des 
Conservatorenpalastes. Im J. 1878 
auf Piazza di Pietra ausgegraben, zu- 
sammen mit V, VIII und den Pro- 
vinzen J — L. 

Abbildung: Bull. com. VII (1879) 
p. 140 (danach Tocilesco, Monument von 
Adamklissi S. 102). 

Photographie: Tuminello n. 1601. 

Beschreibung: Bull. com. VI (1878) 
p. 284 n. 6; Bull, dell' inst. 1878 p. 108. 

Die ursprüngliche Form des 
Reliefs noch deutlich; mehreres an 
den Rändern abgebrochen, namentlich 
gröfsere Stücke an der r. Seite. 

Die Darstellung ist eine ge- 
naue Wiederholung der unter voriger 
Nummer beschriebenen. 



III. Handzeichnung des Cod. Barb. XLVIII, loi f.20. Unter Alexander VII. 
auf Piazza di Pietra gefunden, zugleich mit VII, IX, E und F, und wahrscheinlich 
in den Palazzo Chigi-Odescalchi gebracht, was ja von E und F feststeht und zu VII 
von dem Zeichner ausdrücklich gesagt wird. Jetzt verschollen. 

Der Zeichner giebt den Rand der Platten aufserhalb des Ornamentbandes 
nicht. An unserm Stück die 1. untere Ecke als gebrochen ('rotto') bezeichnet; 
auch scheint am r. Rande etwas zu fehlen. Als Mafs der Höhe angegeben: pahni 
5 e mezzo, der Länge; pahni 8 e honce ^. 

Darstellung übereinstimmend mit I und IL 



IV. Neapel, Museum, im Saal der puteolanischen Basis neben I eingemauert; 
Inventar-Nr. 6738. Über die Herkunft das Nötige unter I. 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



19 



Abbildung: Mus. Borb. III tav. 58 (oben rechts). 

Beschreibung: Docuni. ined. IV p. 199 n. 30; Finati im Text zu der Tafel des Mus. Borb,; 
Gerhard u. Panofka S. 52 n. 199. 

Die Reliefplatte in derselben Weise beschnitten, wie oben von I bemerkt. 
Auch hier scheinen die vier Ecken ausgebessert zu sein, nach der Kalkverschmierung 
zu urteilen. 

Man sieht zunächst links ein Tropaeum, gebildet aus einem Panzer und 
durchgesteckter Lanze mit mehrfach geschweifter Schneide. Der Panzer ist mit 
einer Palmette in der Bauchgegend verziert. Blitzen auf den Achselklappen und von 
einem vorn verknoteten Gurte umwunden. Mit diesem Tropaeum kreuzt sich eine 
Fahne, deren eigentlicher Schaft in einen Speer mit Spitze und Sauroter hinein- 
gesteckt scheint. 




V (Fig. 23). Rom, Hof des 
Conservatorenpalastes. 1878 auf 
Piazza di Pietra gefunden; vgl. II. 

Photographie: Spithöver n. 1759. 
Beschreibung: Bull. com. VI (1878) 
p. 284 n. 4; Bull, dell' inst. 1878 p. 107 f. 

Stark beschädigt an der 1. 
oberen Ecke, wenig an der r. un- 
teren. 

Darstellung übereinstim- 
mend mit IV. 

VI. Rom, auf der Treppe 
des Palazzo Altieri hoch in der 
Wand eingemauert. 

Erwähnt von Lanciani, Ann. dell' 
inst. 1883 p. 8. Nicht bei Matz-Duhn. 

Von dem Ornamentrahmen, 
mit dem die Platte heut abschliefst, der r. und 1. Streifen modern. Aufserdem scheint 
ein kleines Stück an der 1. obern Ecke ergänzt. Oberfläche sehr gut erhalten. 

Das Motiv dieses Exemplares stimmt mit dem unter n. IV und V be- 
schriebenen überein, zeigt jedoch darin eine Abweichung, dafs die Darstellung zu- 
sammengeschoben ist und aus der Form des Hegenden Rechtecks in die eines 
stehenden übergegangen ist (vgl. die Mafsangaben bei der folgenden Nummer). 
Die Zusammenpressung äufsert sich auch darin, dafs die beiden hinter dem Panzer 
hervorkommenden Hälften der Fahnenstange aus ihrer gleichen Richtung gekommen 
sind, daher die Stange umgeknickt erscheint. 

Die Eigentümlichkeit dieses und des folgenden Stückes dürfte darin ihre 
Erklärung finden, dafs beide ihren Platz unmittelbar neben einer Eckprovinz hatten. 
Denn da die Ecksäulen näher an ihre Nachbarn gestellt zu werden pflegen, so sind 

2* 



Fig. 23. 



20 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



auch die der Ecke nächsten Intercolumnien enger als die übrigen. Dementsprechend 
mufs es, wenn unsre Reliefs wirklich den Sockel des Tempels einnahmen, sechs 
solcher schmaleren Trophäenreliefs — die eine Schmalseite des Tempels war von 
einer Treppe eingenommen — gegeben haben. 

VII (Fig. 24). Handzeichnung im Cod. Barb. XL VIII, loi f. 32. Unter 
Alexander VII. auf Piazza di Pietra gefunden (vgl. n. III) und in den Palazzo Chigi 
(später Odescalchi) gebracht C trofeo trovato in Piazza di pietra il quäle al presente 
sta nel Palazzo dei signori Ghigi,' Cod.). Jetzt verschollen. 

Der umschliefsende Ornamentrahmen hat die Form eines stehenden Recht- 
ecks: Höhe palmi 7, Breite palmi 5. Die Darstellung ziemlich entsprechend dem 
Altieri'schen Exemplar; Abweichungen: dem Fahnentuch fehlen die Franzen, der 
durch den Panzer gesteckten Stange die Speerspitze, endlich sind aus der geknickten 
Fahne zwei gekreuzte Gegenstände, Speer und Fahne, geworden. 



^J..,: . 


1^ 


<3 


W 



Fig. 24. 




Fig. 25. 

VIII (Fig. 25). Rom, Hof des Conservatorenpalastes. 1878 auf P. di Pietra 
gefunden. Vgl. zu II. 

Abbildung: Bull. com. VI (1878) tav. II/III n. 3. 

Photographie: Spithöver n. 1760. 

Beschreibung: Bull. com. VI (1878) p, 284 n. 5; Bull, dell' inst. 1878 p. 108. 

Die 1. untere Ecke abgebrochen. 

Die Darstellung, wieder im liegenden rechteckigen Feld, führt uns gekreuzte 
Schilde und Angriffswaffen vor: zu oberst ein ovaler Schild mit reicher Ornamentierung 
von Rankengewächsen, darunter ein länglich sechseckiger, schuppenbesetzter Schild, 
eine einschneidige Streitaxt, zwei Speere mit mehrfach eingebuchteter Schneide. 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



21 



IX (Fig. 26). Handzeichnung im Cod. Barb. XL VIII, loi f. 16. Unter 
Alexander VII. auf P. di Pietra gefunden; vgl. zu III. Verschollen. 




Fig. 26. 

Als Mafs der Länge angegeben: palmi 8 e honce 4., der Höhe: palmi 5 
e mezzo. 

Das Motiv ganz ähnlich wie bei VIII, nur im Gegensinne. Aufserdem ab- 
weichend die Dekoration des untern Schildes, der nicht mit Schuppen, sondern 
mit zwei grofsen Palmetten und am Rande mit einem Wellenornament verziert ist. 



n. 

Die Nachrichten über die Funde, durch welche die Bildwerke von der 
Neptunsbasilica ans Tageslicht gekommen sind, bedürfen noch einer Zusammen- 
stellung und kritischen Prüfung. Lanciani hat zwar [Bull. com. VI, 1878 p. 21 f.) den 
dankenswerten Versuch einer solchen Fundgeschichte gegeben, doch weist dieser 
noch manche Lücken und Unrichtigkeiten auf. 

Die frühste Erwähnung von Provinzstatuen findet sich bei Aldroandi (1556)^'. 
Darauf folgt der Bericht des Flaminio Vacca (1594)'*. Aus diesen beiden, ver- 
glichen noch mit den entsprechenden Angaben Bartoli's in seinen beiden unten (S. 22 f) 
abgedruckten Berichten, ergiebt sich zunächst, dafs unter Papst Paul III. aus dem 
Hause Farnese (1534 — 49) auf Piazza di Pietra, unbekannt aus welchem Anlafs, ge- 
graben und dabei vier Provinzen gefunden wurden, welche dann in seinem Palaste 
an der Via Giulia aufgestellt wurden. Es sind unsre Provinzen A — D. Als im 
J. 1790'^ behufs Gründung des bourbonischen Museums in Neapel die farnesischen 



'^) Presso il Palagio del Reverend. Farnese in strada 
yulia si veggono quattro grossissime tavole mar- 
vioree; ne le quali sono di mezzo rilievo iscolpite 
quattro bellissinie donne: Furono ritrovate in piazza 
di Pietra (p. 159. Der Bericht wiederabgedruckt 
bei Fea Mise. I p. CCXII n. 20). 

'*) La piazza, dove abitano gli Orfanelli, che oggi si 
dice Piazza di pietra, mio padre mi disse che si 
chiaviava di pietra per la gran quantita de' fram- 



menti antichi, che prima vi erano statt cavati. Mi 
ricordo vedervi cavare, e vi furono trovati piede- 
slalli con traf ei e Provincie prigioni di mezzo rilievo; 
ed al presente vi sono tornati a cavare e ne tro- 
vano degli altri, e sono compagni di quelli altri, 
che V. S. vidde nell' Antiquario di Farnese (Fea 
Mise. I p. LXIII f. n. 21). 
1^) Finati, II regal museo Borbotiico, I (3. Aufl. 1827) 
p. XII. 



22 Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 

Antiken nach Neapel überführt wurden, gelangten auch unsre Provinzen A — C dort- 
hin; die vierte, jetzt halbzerstörte, blieb zurück, vermutlich weil sie schon damals 
die Beschädigung erlitten hatte und der Transport nicht mehr lohnend erschien ^^ 
Desgleichen stammen aus diesen farnesischen Ausgrabungen die Trophäenreliefs I 
und IV, da ja Vacca ausdrücklich von piedestalli con ti'ofei spricht; sie sind eben- 
falls in dem genannten Jahr aus farnesischem Besitz in die Neapler Sammlung über- 
gegangen. 

Doch nennt Vacca in seinem Bericht aufser der früheren Ausgrabung, welche 
die farnesischen Stücke geliefert hatte und die er selbst mitangesehen, noch eine 
zweite aus den Tagen, wo er schrieb (1594, unter Papst Clemens VIII. aus dem Hause 
Aldobrandini). Wo die Provinzen oder Trophäen dieser Ausgrabung geblieben sind, 
ist unbekannt. Doch möchte ich eine Vermutung darüber nicht zurückhalten. 
Könnten nicht alle die Stücke, über deren Herkunft wir nichts oder nichts Rechtes 
wissen, aus diesem Funde stammen? Wir müfsten dann freilich annehmen, dafs er 
in verschiedene Hände zerstreut wurde. Dahin gehörten dann die beiden ältesten 
capitolinischen Provinzen G und H, die ja, ein Jahrhundert später allerdings, in 
verschiedenen Jahren (1672 unter Clemens X. Altieri und 1679 unter Innocenz XI. 
Odescalchi) und an verschiedenen Stellen des Capitols aufgestellt worden sind — 
sehr auffällig bei der herrschenden Ansicht über ihre Herkunft, wovon noch zu 
reden sein wird — das Trophäenrelief Altieri (VI) und die vatikanische Provinz O, 
die aus Aldobrandini'schem Besitz stammen mag, wie ja vieles von der Aldo- 
brandini'schen Sammlung in den Vatikan gelangt ist'^ 

Über die folgenden Ausgrabungen wissen wir durch die Berichte des Pietro 
Santi Bartoli (1635 — 1705). Um die Fragen, die sich an seine beiden Berichte 
(Fea Mise. I p. CCXLII n. 78 und p. CCLV n. 115) anknüpfen, besser verstehen zu 
können, empfiehlt es sich, beide Stellen nebeneinander vollständig abzudrucken. 

Meni. 78: Mem. 115: 

Eccetto li bassirilievi , che sono nel cortile 
di fuori (des Palazzo Farnese), ove sta 
il Toro, stati trovati in Piazza di pietra; 
ove si vedono ancora undici gran colonne 
di ordine corintio del portico ovvero basilica 
di Antonino; de* quali marmi ne fii trovato 
in tempo d'Innocenzo X., nel farsi il con- 

dotto dellafofitana di piazza Navona; come In Piazza di pietra, ove si pretendeva di 
anche ne furono trovati degli altri nel de- metter e li rivenditori de IIa Rotonda, fu fatta 
molirsi una chiesa, perche rendeva angusto demolire una chiesa, che vi era. Nelli 
il luogo, quäl dovea servire a tutti li riven- principj delli fondamenti piu bassi vi furono 
ditori della Rotonda, che cosi era V inten- trovati marmi smisurati del tempio di An- 

?^ Fea selbst sah die Vorbereitungen zur Weg- tnandarli a Napoli. Erano in numero di quattro 

Schaffung aller vier: Questi piedistalli con figure ben conservate h figure (Mise, I p. LXIV not. b). 

li ho veduti uliimamenie , che furono rivoltati per i'') Vgl. Matz-Duhn III S. 295. 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 2"? 

zione di papa Ales sandro VII., per nobilitare tonino imperatore; gran parte delli quali 
con piu spaziosa vista quel nobilissimo tem- rappresentavano le Provincie soggette allora 
pio; al portico del quäle facendo gittar delV imperio; parte delle quali, che non si 
via alcune case, che lo ingombravano , fu sacome, furotio trovate in tempodi Paolo III., 
trovato ne' fianchi del portico, quäl chiude- parte ne furofio scoperte di fianco al portico 
vano tra una colonna e /' altra, delle mede- della Rotonda, ma tutte consumate dal sale 
sime figure ovvero Provincie: che poi fu- per esser State cantine de' salumari; e le 
rono le piu conservate messe alle scale del altre ne' tempi di Alessandro VII. , che oggi 
Card, suo 7iipote; e quelle trovate in tempo si trovano alle scale de' Ghigi a' SS. Apo- 
d' Innocenzo fiirono murale alla facciata stoli, ed altre in Campidoglio. 
del palazzo nella sua villa fuori di porta 
s. Pancrazio; ed altre furono messe in 
Campidoglio. 

Hier hören wir also zunächst (n. 78), dafs der Papst Innocenz X. (aus dem 
Hause Pamfili, 1644—55) t)ei Gelegenheit der Herstellung einer Wasserleitung für 
die Fontäne der Piazza Navona — wo, wird nicht gesagt, es kann auch auf oder 
nahe der Piazza di Pietra gewesen sein — Provinzen fand. Diese wurden ein- 
gemauert an der Fagade seiner Villa vor Porta S. Pancrazio. So steht deutlich da 
zu lesen. Unter diesen Umständen ist es verwunderlich, dass man unsre Provinzen 
von der Villa Doria-Pamfili (P und Q) bisher noch nicht entdeckt hat. Ich habe 
zuerst auf jenen bisher übersehenen Bartoli'schen Passus Herrn Hülsen aufmerksam 
gemacht und nach dem Verbleib der dort genannten Provinzen gefragt. Ihm war 
es dann ein Leichtes, aus den am Casino der Villa eingemauerten Reliefs sofort 
die richtigen herauszufinden. 

Schwieriger steht es um die folgenden Ausgrabungen, von denen uns Bartoli 
nicht ganz klar erzählt. Um das Resultat gleich vorwegzunehmen: Alexander VII. 
aus der Familie Chigi (1655 — 1667) beabsichtigte die Front des Pantheon von 
den sie entstellenden Anbauten, namentlich Buden kleiner Verkäufer'*, zu reinigen 
und diesen zum Ersatz dafür an der Ecke der Piazza di Pietra neue Verkaufsräume 
einzurichten. Beim Abreifsen der alten Buden und Ausgraben des seit langem an- 
geschütteten Bodens fand man in der Vorhalle des Pantheon zwischen den Säulen 
vier Provinzreliefs, aber ganz zerstört von den Salzvorräten der Fleischhändler. 
Andrerseits fand man auf der P. di Pietra bei den Fundamentierungsarbeiten für 
die neuen Häuser, die für die vertriebenen Verkäufer bestimmt waren, in den Grund- 
mauern einer alten Kirche, in der Lanciani mit Recht die des S. Stefano del Trullo 
oder Truglio wiedererkennt'^, noch andere Provinzen nebst TrophäenreHefs , die 



'**) Vgl. die Ansicht des Pantheon in diesem Zustande so Marliani (1544)» Gamucci (1565) u. a. Alber- 

bei Alö Giovannoli, Vedute degli antkhi vestigj di tini (1509) berichtet: Ubi nunc visuntur ingentes 

Roma tav. 64 u. 65. columnae marmoreae: in quo loco noster Alexander 

•'') Bull. com. 1878 p. II. Die genannte Kirche Nero Florentinus habitat, corrupte diciiur lo Trullo 

erwähnen die ältesten Berichterstatter in unmittel- ad imitationes palatii Constant. in civitate regia 

barer Nachbarschaft der Ruine mit den elf Säulen, positi: ut patet in lectione beati Leonis Papae. 



2A. Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 

wohlerhalten waren und die der Papst daher in dem Palaste seines Neffen, des 
Kardinals Chigi (dem jetzigen Palazzo Odescalchi) aufstellen liefs. 

Wie man nun sieht, berichtet BartoH an beiden Stellen nicht in überein- 
stimmender Weise, begeht sogar anscheinend Widersprüche. Doch können diese 
unsres Erachtens leicht durch richtige Interpretation behoben werden. Eine be- 
sondere Betrachtung und kritische Würdigung verlangt der Schlufspassus über die 
capitolinischen Provinzen, was wir für einen späteren Ort aufsparen. In dem kurzen 
Bericht 115 ist zu beachten, dafs die Sätze parte delle quali che und parte ne furono 
sich zurückbeziehen auf provincie soggette und dann mit le altre (nicht altref) zurück- 
gekehrt wird zu den Funden aus den Trümmern der alten Kirche (auf Piazza di Pietra), 
die demnach unter Alexander zum Vorschein kamen und in den Pal. Chigi wanderten. 
Andrerseits ist es gestattet, in dem längeren Bericht den Relativsatz che poi furono le 
piu conservate messe etc. auf beide unter Alexander an den zwei verschiedenen Orten 
gemachten Funde zu beziehen, also: 'von denen die besterhaltensten' — das 
wären die an der Kirche gefundenen — in den Palazzo Chigi gekommen sind, 
während die schlechterhaltenen, wie man sich von selbst ergänzt, an Ort und Stelle 
belassen wurden (die Pantheonsprovinzen). Dann harmonieren beide Berichte 
Bartoli's aufs beste nicht nur miteinander, sondern auch mit einem dritten Zeug- 
nisse, den Angaben der barberinischen Handzeichnungensammlung, der wir die 
Stücke R — T und III, VII, IX entnommen haben (s. oben S. 15 mit Anm. 11). 
Der Zeichner des Skizzenbuches also giebt einerseits die beiden Odescalchi'schen 
Provinzen und drei Trophäenreliefs und bemerkt von ihnen: trofei e figure trovate 
in Piazza di pietra in tempo di Alessandro settimo (f. 15), womit die besondere Fund- 
angabe für n. VII (f. 32) ungefähr übereinstimmt, bei welcher noch hinzugefügt wird: 
sta al presente nel Palazzo Chigi. Andrerseits zeichnet derselbe Künstler auf 
f. 55 — 57 drei Provinzen in einem solchen Zustande, dafs man sie für stark zerstört 
halten mufs, und giebt an: queste quattro figure erano nel portico della Rotonda. 

Die Nachricht Bartoli's von der Auffindung von Provinzen in der Rotonda 
hat Lanciani früher {Bull. com. 1878 p. 22) für irrtümlich erklärt. Wir müssen einen 
Augenblick dabei verweilen. Hülsen hat ihm mit Recht widersprochen (Rom. Mitth. 
1891 S. 125 Anm. 2), unter Berufung auf zwei vor ihm unbeachtet gelassene Zeug- 
nisse, die das Vorhandensein von vier Provinzen in der Vorhalle des Pantheon be- 
stätigen, nämlich die Skizze des Pirro Ligorio im Cod. Taurin. vol. XIII f. jo und 
das einige Jahrzehnte später erschienene Buch des Demontiosius, Gallus Romae 
hospes (vergl. oben S. 15 und 17). Die Texte sind bei Hülsen abgedruckt. Dazu 
kommt drittens Duperac, / vestigi deW antichita di Roma (1575) Taf. 35^°. Auf 
diesem Stiche, den wir hier (Fig. 27) reproducieren, sieht man deutlich die vier Provinzen- 
reliefs mit den charakteristischen Linien der Bekrönung: zwei zwischen den drei 
letzten Säulen der Frontseite der Vorhalle rechts, zwei auf der rechten Flanke der- 
selben. Die Figuren stecken bis zum Hals in der Erde. Anscheinend sind immer 

2") Auch auf den Nachstichen nach Duperac: Sadeler (1606) Taf. 33, J. B. de Rossi (1653) Taf. 35. 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



25 




Fig. 27. 
je zwei Köpfe auf einer Platte; das ist natürlich ebenso unmöglich, als dafs wir 
etwa acht Reliefs anzunehmen hätten. Das Versehen darf man sich, wie wir auf bei- 
folgender Skizze (Fig. 28) zu veranschaulichen versucht 
haben, entstanden denken durch flüchtige Zeichnung 
des aus der Erde ragenden, von wallenden Haaren 
umgebenen Kopfes, der durch Mifsverständnis aus der 
Originalzeichnung falsch in denStichübertragen wurde". 




'"") Danach ist auch die Zeichnung des durch seine 
UnZuverlässigkeit berüchtigten Ligorio zu beur- 
teilen, der die scheinbaren beiden Köpfe will- 
kürlich zu je zwei stehenden Figuren auf einer 
Platte ergänzt hat. Auch die Säulenbasen auf 
seiner Zeichnung sind unmöglich. Jedenfalls kann 



er auch nicht mehr als den obersten Teil gesehen 
haben, wie er denn auch nur die zwei Reliefs der 
Vorderseite (mit vier Figuren) giebt {MM bei 
ihm), die tief eingegrabenen an der r. Flanke 
kaum noch wahrgenommen hat: d' esse cariatidi 
si vedono i vesiiggi ttel fiancho del portico signato T, 



20 Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 

Von gröfster Wichtigkeit ist natürlich ferner das Zeugnis des barberinischen 
Skizzenbuches, auf das wir nicht noch einmal eingehen wollen. Endlich möchten 
wir noch hinweisen auf eine Variante der mittelalterlichen Sage von der Salvatio 
Romae, einem der sieben Weltwunder *^ Diese Sage, offenbar erwachsen aus 
dunkler Kunde von der Porticus nationum des Augustus, erzählt, dafs auf dem Capitol 
die Statuen aller Nationen gestanden hätten, jede mit ihrem Namen versehen und 
einem Glöckchen, das beim Aufruhr einer Landschaft von selbst erklang. Die 
Gesta Romanorum nun der i. J. 1466 geschriebenen Münchener Handschrift Cgm 414 
verlegen das Wunderwerk in das Pantheon". Wie das Capitol dazu kam, der 
natürliche Mittelpunkt Roms, somit leicht Centrum der ganzen Welt, ist begreiflich. 
Beim Pantheon dagegen wäre es wohl schwer erklärlich, wenn man nicht annehmen 
will, dafs hier die Kunde von den die Rotonda umgebenden Nationenfiguren, durch 
frühe Reisende verbreitet, gewirkt hat. Dafs dort einst zwischen allen Säulen 
solche Reliefs gestanden, möchte man schon daraus vermuten, dafs die vier Platten, 
obwohl der Architektur angepafst, unsymmetrisch aufgestellt waren, nur auf der r. 
Hälfte, Dasselbe hat auch Ligorio gesehen, welcher sagt, vielleicht auf Tradition 
fufsend : d'esse figure erano chiusi tutti gli intercolunni, eccetti gli tre spatii di mezzo 
della montata, ch' erano aperti. 

Soviel von den Pantheonsprovinzen, über die zuerst Klarheit verschafft zu 
haben das Verdienst Ch. Hülsen's ist, der aber, veranlafst durch den scheinbaren Sinn 
des längeren Bartoli'schen Berichtes, annahm, zwei jener Provinzen seien später in den 
Palazzo Odescalchi gewandert (unsre Nummern E und F). Wir haben vielmehr oben 
gesehen, aus dem zweiten Bericht desselben Bartoli, einer andern Interpretation des 
ersten und der PI. noch nicht bekannten barberinischen Handschrift, dafs der Sach- 
verhalt ein andrer ist, die Provinzen der Rotonda verloren gegangen, die Provinzen 
Odescalchi dagegen auf der Piazza di Pietra ausgegraben sind. — Die Trophäen- 
reliefs Odescalchi sind verschollen. Es ist mir nicht bekannt, ob sie noch irgendwo 
im Palazzo ihr Dasein fristen. 

Was die Herkunft der beiden capitolinischen Provinzen angeht, d. h. der 
in dem alten capitolinischen Museum aufgestellten G und der in den Conservatoren- 
palast verbrachten H, so glaubt man allgemein (so auch Michaelis, Rom. Mitth. 1891 
S. 54), sie seien unter Alexander VII. auf Piazza di Pietra gefunden, wie ja das Mein. 115 
Bartoli's am Schlüsse anscheinend besagt. Ich kann dem nicht zustimmen. Ein- 
mal widerspricht der längere Bericht Bartoli's, aus dem man mit demselben Recht 
herauslesen könnte, die Provinzen stammten aus den Funden des Innocenz. Und 
dann ist mir, bei genauerer Betrachtung, ganz deutlich, dafs die beiden Berichten 
am Schlufs angehängten Worte ed altre — in Campidoglio ein späterer Revisions- 

22) Litteratur: Die Kaiserchronik, herausg. von Mafs- selben tempel waren als vil seilen als rechter f ur- 

mann, I V. 2i5fF., III S. 421 — 432; Piper, Mythol. stentum und reich waren in der werlt u. s. w. 

der Christi. Kunst I, 2 S. 629; Preller, Aufsätze (Beschr. der Hs., wie mir Hr. Dr. F. Bell freund- 

S- 507; Jordan, Topogr. II S. 366. 621 f. liehst nachweist, Caial. cod. ms. bibl. reg. Monac.\ 

■■'•'') Die Stelle abgedruckt bei Mafsmann III p. 423: p. 67 n. 414; Gesla Romanorum ed. Oesterley 

Der ander tetnpel was genant Pantheon . . . in dem p. 230 f.). 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 27 

Zusatz Bartoli's sind, dem die Existenz der capitolinischen Provinzen erst später 
bekannt geworden, und der sie nachträglich beiden Aufzeichnungen hinten an- 
gefügt hat, ohne zu bemerken, dafs er dadurch den Zusammenhang störte und beide- 
male in eine andre Gruppe hineingeriet. Demnach hat Bartoli nichts über die 
Herkunft jener Stücke gewufst. Eine Vermutung haben wir oben geäufsert (S. 22). 

Zwei Jahrhunderte dauerte es, bis der schätzereiche Boden der Piazza di 
Pietra, die ihren Namen den überaus zahlreichen dort gemachten Funden an 
Statuen, Architekturstücken u. s. w. verdankt'*, sich von neuem öffnete und von 
ihren Reichtümern den Altertumsfreunden spendete. Im Februar und März d. J. 1878" 
fand man bei Gelegenheit von Grabungen, die zum Zweck der Anlage eines Abzugs- 
kanales unternommen wurden {^ in un cavo aperto per la costruzione di una fogna'), 
an der nordöstlichen Ecke des Platzes, dort wo die Via de' Bergamaschi einmündet, 
aufser zahlreichen Architekturstücken auch sechs unsrer dekorativen Skulpturen von 
dem alten Neptunstempel. Und zwar waren es drei Provinzen (J — L) und drei 
Trophäenplatten (II, V, VIII). Sie wurden ausgegraben ganz nahe den Fundamenten 
der alten zerstörten Kirche S. Stefano del Trullo, derselben, aus welcher einst die 
Odescalchi'schen Provinzen und Trophäen hervorgezogen wurden (s. oben S. 23). 
Zu beachten ist noch, dafs die Reliefplatten nebeneinander, mit ihrer skulpierten 
Seite nach unten, gelegt waren, so dafs sie anscheinend einst ein zusammenhängendes 
Pflaster oder eine Decke für irgend eine Räumlichkeit gebildet haben". Nach pro- 
visorischer Aufstellung im Hofe der Dogana, jetzigen Borsa, fanden die sechs Stücke 
ihren dauernden Platz in dem Hof des Conservatorenpalastes. 

Endlich wurde i. J. 1883 die Zahl der Provinzen des Conservatorenpalastes 
noch um zwei vermehrt, die am 14. Februar des genannten Jahres ebenfalls auf 
Piazza di Pietra bei Ausbesserung der Kloakenanlagen i^ eseguendosi talune ripara- 
zioni alle cloache di piazza di P.') ausgegraben wurden (M und N)". 

Aus der Geschichte der Funde, die wir hiermit abschliefsen, scheint sich 
noch eine Beobachtung zu ergeben, die, wenn zutreffend, für künftige Ausgrabungen 
einen wertvollen Fingerzeig geben dürfte. Wir sahen, dafs Innocenz X. seine Funde 
machte beim Legen einer Wasserleitung. Die Provinzen von 1878 wie die von 
1883 verdanken ihre Entdeckung Arbeiten an Kloakenanlagen. Endlich zeigten 
die 1878 herausgezogenen Reliefs bei ihrer Auffindung, dafs sie einst die Decke 
irgend einer Anlage gebildet hatten. Hiernach liegt wohl die Vermutung nicht so 
weit ab, dafs einst im Mittelalter alle damals erhaltenen Provinzen und Trophäen- 

2<) S. die Stelle des Vacca oben S. 21 Anm. 14. Bull, de 11' inst. 1878P.43-46, 105—109; Notizie 

Palladio nennt den Platz (IV p. 55) piazza detta degli scavi 1878 p. 64f. 92f. 

volgarmente de i Preti, wie auch das Ritraiio di ^6) Lanciani Bull. com. 1878 p. 13 f.: Questi monu- 

Roma moderna (Roma, appresso Filippo de' Rossi, menti formavano una specie di lastricato irrego- 

1652, p. 323 f.) den Namen mit einem Hospitio lare, non so se di una piazza, diunavia, owero 

^(?'/öz/^W /V^// in Verbindung bringt. Doch vgl. deW ipogeo della chiesa. 

Urlichs, Beschr. d. Stadt Rom 111,3 S. 149 f. ") Ann. dell' inst. 1883 p. 8— lO; Bull. om. XI 

2^) Die Berichte darüber: Bull. com. VI (1878) (1883) p. 263/4 n. i. 2; Notizie degli scavi 1883 

p. 10—27. 283— 285 (vgl. p. 298 n. 2; 310 n. 2); p. 81. 



28 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



reliefs zur Bedeckung eines älteren Abzugsgrabens verwandt worden seien. Ein 
antiker Abzugskanal, der unter der Piazza di Pietra hindurchlief, ist übrigens nach- 
gewiesen. Es ist eine erweislich von Antoninus Pius angelegte Kloake, später be- 
nutzt bei dem von Gregor XV. begonnenen und von seinem Nachfolger Urban VIII. 
vollendeten Kloakensystem, das, unter dem Namen fogna della Rotonda, später della 
Giuditta bekannt, vom Tiber her über das Pantheon, die Piazza di Pietra und den 
Corso bis zur Piazza di S. Carlo al Corso geführt wurde und jetzt noch im Ge- 
brauch ist*^ Inwieweit der für die Verwendung unsrer Reliefs vorauszusetzende 
mittelalterliche oder antike Kanal mit der vorhandenen Kanalisationsanlage zu- 
sammenfällt, vermag ich nicht anzugeben. Jedenfalls bin ich überzeugt, dafs eine 
systematische Durchsuchung des »Steinplatzes« in der gedachten Richtung noch 
zahlreiche Provinzen zu Tage fördern würde. 

Es ist überhaupt bemerkenswert und schon von Lanciani richtig hervor- 
gehoben worden '*', dafs alles, was von dem ehemaligen Neptunstempel und seinem 
bildlichen Schmuck auf uns gelangt ist, sei es an Ort und Stelle erhalten, sei es 
ausgegraben, nördlich von der Längsachse des Tempels zu Tage gekommen ist, 
also auf der Piazza di Pietra und in ihrer nächsten Umgebung. Dagegen ist süd- 
lich vom Tempel jeder antike Rest radikal zerstört und verschwunden; auch die 
ältesten Zeichnungen und Stiche zeigen dort nicht die geringste Spur von Trümmern 
irgendwelcher Art^°. So ergaben auch die im Frühjahr 1898 an der Südostecke 
der heutigen Borsa, in der Via de' burro unternommenen Ausgrabungen, dafs dort 
bis über 5 m unter dem jetzigen Strafsenniveau die antiken Fundamente des Tempels 
gänzlich beseitigt sind. Nur in einer Tiefe von nahezu 6 m wurden noch Reste 
einer festen Gufsmörtelmasse [calcestruzzd) constatiert, die einst den Raum zwischen 
den beiden die äufsere Säulenreihe und die Cellawand tragenden Bruchsteinfunda- 
menten ausgefüllt haben dürften. Auch sonst sind die dort gemachten Funde von 
keiner grofsen Bedeutung^'. Jedenfalls mufs sich die Hoffnung auf neue Entdeckungen 
allein auf die Nordseite des Gebäudes richten. 

ni. 

Es bliebe noch hinsichtlich der von uns veröffentlichten Reliefbilder die 
Aufgabe zu lösen, die Namen der Personificationen im einzelnen zu bestimmen. Die 
Resultate können bei den besonderen Schwierigkeiten, denen die Aufgabe unter- 
Hegt, nicht auf Sicherheit, sondern höchstens Wahrscheinlichkeit Anspruch erheben. 



^^) Narducci, Sulla fognatura della ciita di Roma 
(Roma 1889) p. 28, Atlas tav. 3. Man sehe auch 
auf dem Plan von Lanciani, Forma urbis Romae 
fasc. 2 tab. 15 die 'scavi Urbano VIII? nördlich 
vom Neptunium. 

23) Annal. delV inst. 1883 p. 10. 
' 30) Doch wird uns wenigstens die Auffindung von 
Säulen an der Rückseite durch Marliani, Urbis 
Romae iopographia (1544) p. 95 berichtet. 

3') Vgl. Bull, com. 1898 p. 40ff. ; Notizie degli scavi 



1898 p. 163; Jahrb. d. Inst. 1899, Anzeiger S. 59. 
Von dem kolossalen labrum aus Porphyr, dessen 
octogonaler Fufs einst einen Durchmesser von 
2.40 m hatte, ist es wohl möglich, dafs es einst 
vor der dem Fundort ganz nahen Treppe der 
Ostseite des Tempels gestanden hat, wie ähnlich 
ein solches z. B. auf dem vatikanischen Relief 
Arch. Zeit. 1847 Taf. 4 (C. L L. VI, 4 n. 29816) 
zu sehen ist. 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 2Q 

Zuerst wäre die allgemeine Bezeichnung festzustellen, die unsern Frauen- 
figuren zukommt. Als Curiosum mag gleich erwähnt werden, dafs Ligorius und 
Demontiosius die Figuren für Karyatiden hielten (vgl. oben S. 24), entschuldbar, da 
sie von den Reliefs des Pantheon sprechen, nur diese kennen und Plinius gerade 
überliefert, dafs zwischen den Säulen des Pantheon Karyatiden gestanden hätten {Nat. 
hist. 36, 38). Dagegen nennt bald darauf Vacca (oben S. 21 Anm. 14) die seiner 
Zeit auf dem Pietraplatz ausgegrabenen Frauengestalten Provincie prigioni, und dieser 
Name Provinzen ist bis heute allgemein beibehalten worden. Ob er richtig ist, 
würde nur eine Prüfung derjenigen Denkmäler, die unzweifelhaft Provinzen des 
römischen Reiches darstellen, entscheiden können. Eine solche Untersuchung, so 
viel Interesse sie auch bieten würde, ist doch durch den Rahmen, den die vor- 
liegende Arbeit sich gesteckt hat, ausgeschlossen. Nur das Resultat wollen wir mit- 
teilen, dafs die Personificationen von Provinzen wie die von Ländern überhaupt'*'' 
durchaus dem Typus der Städtebilder gleichen, wie ihn die griechisch-römische 
Kunst geprägt hat, nämlich Frauen entweder in matronaler griechischer Ideal- 
gewandung, in Chiton und Mantel, oder in Amazonenkostüm, auf dem Haupte die 
Zinnenkrone, in den Händen Symbole friedlicher Thätigkeit oder der Herrschaft, 
oder seltener Waffen, dann aber ganz allgemeiner Art. Ganz anders die Frauen- 
gestalten der Neptunsbasilica: die Mauerkrone kommt kein einziges Mal vor, eben- 
sowenig irgendwelche friedlichen Attribute. Vielmehr erscheinen diese Frauen in 
ihrem nationalen, charakteristisch verschiedenen Kostüm und Waffenschmuck. Hier- 
nach ergiebt sich mit Gevvifsheit, dafs wir nicht Provinzen, sondern Nationen vor 
uns haben, Verkörperungen der dem römischen Reiche unterthanen Völkerschaften". 
Manchem wird der Unterschied zwischen beiden Kategorieen nicht grofs vorkommen, 
werden wir doch auch nachher unsere Figuren als Dacia, Germania u. s. w. zu be- 
nennen haben. Doch ist es unbedingt korrekter, diese Bezeichnungen als Inbegriff 
des Volkes statt des Landes zu verstehen, gemäfs der den Alten, besonders den 
Römern, eigentümlichen Anschauungsweise, die sich ja auch in den bekannten 
grammatischen Schulbeispielen in Persas proficisci, Samnites devastare u. a. ausspricht. 

Unsere Überlieferung weifs auch von mehreren Beispielen zusammen- 
gehöriger Bildergruppen, welche nationes darstellten, sei es für den kurzen Augen- 
blick einer Feier geschaffen, sei es einem für die Dauer bestimmten Denkmale an- 
gefügt. Wie die Bilder der besiegten Völker dem siegreichen Triumphator im Fest- 
zuge folgten^*, so geleiteten auch oft die Leiche des Kaisers die von ihm unter- 
worfenen oder ihm unterthanen Nationen: dies geschah nachweislich z. B. bei 

'2) Über Länderdarstellungen und Ortspersonificatio- II, 2 Sp.2081 — 2107. Vgl. noch Purgold, Archäol. 

nen überhaupt: K. O. Müller, Handb. der Archäo- Bemerkungen zu Claudian u. Sidonius S. 7— 20, 

logie d. Kunst § 199, 9. Piper, Mythologie der bes. I3ff., und P. Gardner, Journ. of Hell. Studies 

Christi. Kunst 1,2 S. 566 ff. Gerber, Naturpersoni- IX (1888) p. 47— 81. 

fication in Poesie und Kunst der Alten ^3) Vgl. die Kennzeichnung der e9v7] in den beiden 

(13. Supplementband der Jahrb. f. class. Philol. unten (Anm. 35 u. 36) abgedruckten Diostellen. 

S. 239 — 318). Baumeister, Denkmäler III S. 1295 ^i) Röscher, Lexikon II, 2 Sp. 2093. 
— 1 298. Steuding bei Röscher, Lexikon d. Mythol. 



20 Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 

Augustus'^ und Pertinax^®. Vierzehn Völkerschaften schmückten die Porticus ad 
nationes beim Pompeiustheater", sechzig gallische Stämme den dem Augustus zu 
Lugdunum geweihten Altar ^*. Diesen Beispielen reiht sich unser Tempelbau an, 
als der einzige Fall einer solchen ganzen Bilderserie, den uns der Zufall auf- 
bewahrt hat. 

Eine Umschau unter dem erhaltenen Denkmälervorrat liefert nicht viel Einzel- 
statuen, die wir mit Sicherheit als Nationen bezeichnen können. Zunächst lenkt 
sich unser Blick unwillkürlich auf die sog. Thusnelda in Florenz '^ die einen ganzen 
Typus zu vertreten geeignet ist. Wir sehen aufrechtstehend ein Weib in schmerz- 
versunkener Haltung: die Füfse gekreuzt, den einen Arm vor die Brust gelegt, den 
andern Ellbogen auf jenen aufgestützt, das Haupt etwas vorgeneigt, so dafs der 
Blick am Boden haftet. Schon bei dieser Statue ist es einigermafsen fraglich, ob 
sie eine natio darstellt oder eine einfache Barbarenfrau, eine Barbara. Die einstige 
Verwendung der Statue an einem Siegesdenkmal steht fest, nicht die besondere 
Art der Verwendung. Bereits Göttling (Ges. Abhandl, I S. 388) spricht die Mög- 
lichkeit aus, dafs die Thusnelda mit anderen ihres Geschlechtes längs der Attica 
eines Siegesdenkmales, wie ähnlich die Barbaren am Constantinsbogen, angebracht 
gewesen sein könne. Und dazu, ein einzelnes Weib aus dem Volke, nicht das 
ideale Bild der ganzen Nation zu erkennen , könnte auch raten die häufige Ver- 
wendung dieser Figur in einer gröfseren Gruppe. Wir sehen da drei Personen eines 
Volkes, eine Familie, vereinigt, der Mann mit gefesselten Händen, die Frau in der 
geschilderten oder einer ganz ähnlichen Haltung der Trauer, das Kind sich zärtlich 
der Mutter anschmiegend, von ihr aber in ihrem starren Schmerze nicht beachtet. 
Eine solche Gruppe findet sich viermal an den Basen des Constantinsbogens*°. 
Verkürzt, Mann und Weib allein, vor einem Tropaeum stehend, haben wir die 
Gruppe auf einem Sarkophag in der Vorhalle des Casino Borghese in Rom, einem 
solchen des Museums von Palermo (auf beiden Sarkophagen je zweimal, der Paler- 
mitaner mir nicht durch Augenschein bekannt), und auf dem Triumphbogen von 
Orange"". Das Motiv der Thusnelda, welches auf einem weiten Umwege aus der 
attischen Gräberplastik" in die römische Monumentalkunst gelangt ist, zeigt sich 

3=) Cass. Dio 56, 34, 3: TCt Te I&vk] ttcivS' 03a Ttpoa- mäler griech. u. röm. Skulptur Taf. 266, Hand- 

sxTT^aaTO, £7rij(u>pt(uj acp(!Jtv (bj ^'xaaTa d7n[jxaa[j.^va ausgäbe Taf. 40. 

in^fxcpiJif]. '"') Eine abgebildet bei Rossini , Gli archi trionfali 

3^) Cass. Dio 74, 4, 5 : xal [XETa toüto td eövrj Trdvxa tav. 72. 

xa bitriv.oa ^v ei'xoai yaXxats, i-nv/topiiü^ ocpt'atv *') Caristie, Monuments ant. a Orange pl. XIX c. d, 

iataXfx^va. XX b ; s. aucli Baumeister, Denkmäler III Ersatz- 

'0 Vgl. Hülsen -Kiepert Fortnae urbis Romae p. 57; tafel. — Ähnliche Paare, doch mit abweichendem 

Gardthausen, Augustus und seine Zeit II, 2 Typus der Frau, auf dem Bogen von St. Remy, 

S. 425. BaumeisterlllS. 1883, Springer-Michaelis, Handb. 

ä8) Röscher I, 2 Sp. 1592, 370". der Kunstgesch. I S. 252. 

39) Müller-Wieseler I Taf. 68 n. 376. Dütschke III ''^) Ähnliche Figuren auf dem sidonischen Sarkophage 

560. Friedrichs-Wolters n. 1563. Ämelung, Führer mit den Klagefrauen (Hamdy-Bey u. Reinach 

durch die Antiken in Florenz n. 6. Reinach, Necropole a Sidon pl. VI — XI), besonders überein- 

Repertoire II 507, 7. Brunn -Bruckmann, Denk- stimmend pl. IX, i, die dritte Figur von links. 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. ^I 

endlich auch an einzelnen Barbarenfrauen, beispielsweise auf der Marcussäule, 
Petersen-Domaszewski II Taf. 69 (A) und TJ (B). Nach diesen Beispielen mufs 
die Berechtigung zugegeben werden, die sog. Thusnelda für eine blofse Barbarin, 
etwa eine Germanin, zu halten (Friedrichs- Wolters lassen auch diese Deutung offen). 
Wer will, mag freilich auch die Verkörperung der ganzen Völkerschaft erkennen". 
Man würde dann anzunehmen haben, dafs das Einzelbild sich allmähHch aus der 
Gruppe gelöst und sich seine Bedeutung entsprechend vom Concreten zum Ab- 
strakten, vom Einzelwesen zur Gattung fortentwickelt habe. Eine ähnliche Ent- 
wickelung läfst sich ja an den Münztypen der gentes devictae verfolgen. Auf den 
bekannten Münzen mit Judaea capta sehen wir bald zu beiden Seiten einer Palme 
zwei Personen, einen gefangenen Mann mit auf den Rücken gebundenen Armen 
und eine sitzende trauernde Frau, offenbar Jude und Jüdin ^*, bald die sitzende Frau 
allein, die wir dann freilich als Judaea bezeichnen dürfen. 

Einen zweiten Nationentypus bietet eine bekannte Statue des Capitolsplatzes 
in Rom, die eine der beiden sog. Trophäen des Marius. Vor einem riesigen 
Tropaeum steht eine Frau mit gekreuzten Beinen und gesenktem Haupte, die Arme 
auf den Rücken gebunden. Zwei Kinder spielen zu ihren Füfsen; zwei geflügelte 
Genien stehen zu beiden Seiten". Dieses Frauenbild müssen wir schon wegen 
seiner Fesselung als Repräsentantin eines besiegten Volkes, nicht als Barbarenweib 
ansprechen, da sonst die römische Kunst nur die männlichen Barbaren gefesselt 
darstellt, das schwache Geschlecht aber der Fesseln ledig läfst. Die Kinder zu 
den Füfsen der Gefangenen beweisen diesmal nichts, höchstens dafs die Entwicke- 
lung von der menschhchen Mutter als Individuum zu der mütterlichen Darstellung 
des Volkes fortgeschritten ist. Auch werden ja auf Münzen und Reliefs die Pro- 
vinzen oft von Kindern begleitet abgebildet. 

Von einem dritten, aller Wahrscheinlichkeit nach einst sehr häufigen Typus 
vermag ich nur einen einzigen statuarischen Vertreter nachzuweisen in der Statue 
Reinach Repertoire I451, 2. Hier finden wir die Nation sitzend mit übereinander- 
geschlagenen Beinen. Von der einstigen Häufigkeit dieses Typus reden deutlich 
die zahlreichen Münzen", wie die mit der Judaea capta, und Reliefs. Als eins der 
schönsten Reliefs mag hier der Schlufsstein eines riesigen Triumphbogens im Hofe 
des Conservatorenpalastes*^ genannt, auch an die beiden sitzenden Figuren auf dem 

*2) Das Relief von Kula in Triest mit der Inschrift *=) Beschreibung d. St. Rom III, i S, 100; Jordan, 

Fepiiavta neben einer thusneldaähnlichen Figur Topogr. II S. 517; Rom. Mitth. VI (1891) p. 44 

(erwähnt von Urlichs in der Handausgabe der mit Anm. 136; Heibig, Führer P p. 259f. Ein 

Denkmäler griech. und röm. Skulptur S. 138 schöner Stich : Piranesi, 0/i?r; z/ar/> d^/ ar^/«Ar//Mra 

Anm. i) kenne ich leider nicht. etc. (Roma 17S0). 

") Die Aufschrift yWöifa fa//a bezeichnet nicht not- ••«) Vgl. Tocilesco-Benndorf, Das Monument von 

wendig die Frau als gefangene Judaea^- denn Adamklissi S. 92.- 

jene Wortform kann ebensogut Ablativ sein, wie ^^) Beschr. der Stadt Rom III, i S. iio; Röm. 

Aegypto capta auf einer Münze des Augustus mit Mitth. VI (1891) S. 56 m, Anm. 189. Abbildungen: 

einem Krokodil (Cohen I p. 62 f. n. 1 — 3, Pfeiffer, De Cavalleriis I/II tab. 19; Armellini II 136; 

Antike MUnzbilder n. 35), als Nominativ, wie in Stacke, Deutsche Geschichte P S. 13. 
Armenia et Mesopotamia in potestatem r. p. redcutae. 



22 Lucas, Die Reliefs d?r Neptunsbasilica in Rom. 

Panzer der Augustusstatue von Primaporta erinnert sein. In den meisten Fällen 
sitzt die Nation unter Waffen oder Trophäen. 

Vorwiegend dem ersten, seltener dem zweiten der bezeichneten Typen ge- 
hören die mir sonst noch bekannten Statuen oder Statuenreste von Nationen oder 
Barbarinnen an, die ich als bescheidenen Anfang einer bisher noch fehlenden um- 
fassenden Sammlung nachfolgend zusammenstelle. Um die drei bereits vorgeführten 
Hauptrepräsentanten mitzuzählen, so haben wir: 

4. Die Statuette einer Frau mit auf dem Rücken gefesselten Armen, welche 
ich in Villa Albani auf einer Säule aufgestellt bemerkt zu haben glaube. 

5. Iiine stark und geschmacklos ergänzte lebensgrofse Frauenstatue in dem 
Eingangszimmer des vatikanischen Antikenmuseums. Kopf und untere Hälfte des 
Leibes sind modern, doch lassen die langen Locken und ein grofser Teil der über 
der Brust gekreuzten Arme über die richtige Bedeutung der Figur keinen Zweifel. 
— Die Folgenden sind nur Köpfe derartiger Standbilder. 

6. Der schöne Kopf vielleicht einer Germanenfrau in St. Petersburg (Friedrichs- 
Wolters n. 1565; Vom Fels zum Meer III S. 655 Fig. 18 (Blümner); Baumeister, 
Denkmäler I S. 252 Fig. 234; Stacke, deutsche Geschichte I^ S. 69; Knackfufs- 
Zimmermann, allgem. Kunstgeschichte I S. 317). 

7. Ein Kopf des Museo Chiaramonti, n. 165: Heibig, Führer P n. 69. 

8. Ein Köpfchen ebendaselbst, n. 685 B im Compartiment XXVIII. 

9. Ein Kopf im Magazzino archeologico in Rom, im zweiten Saal. 

10. Kopf in Alger: Doublet, Muse'e d' Alger pl. 10 n. 3 (p. 79). 

11. Kopf in englischem Privatbesitz: P"riedrichs -Wolters n. 1564 (abgeb. Arch. 
Zeit. 1880 S. JJ u. Taf. 8; Titelvignette zu Jahn's Electra). 

12. Kopf in Cherchel: Gauckler, Muse'e de Cherchel pl. 14 (p. 137 als Isis 
bezeichnet). 

13. Vielleicht Matz-Duhn I n. 1200, Rom Stud. Carimini (mir nicht kon- 
trollierbar)**. 

Leider gewinnen wir aus diesen meist verstümmelten Nationen oder Barbaren- 
frauen nichts für die Besonderheiten in Tracht und Körperbildung der einzelnen 
Völker, was uns für die Deutung der Figuren jenes römischen Bauwerkes von Nutzen 
sein könnte. Die meisten Köpfe geben nur ganz wenig von allgemeiner Charakte- 
ristik, so dafs man sie an den langen, ungeordneten Haaren, soweit dies nicht auf 
Rechnung der Trauer zu setzen ist, und einem gewissen unrömischen Schnitt des 
Gesichts eben noch als Barbaren erkennen kann. Deutlicher individualisiert ist die 
Tracht in No. 11 und 12; doch ist es mir nicht möglich, jenen einen bestimmten 

*®) Im Vorübergehen will ich bemerken, dafs das kannt, einen männlichen Barbaren darstellt. Dies 

vatikanische Relief in dem Vorraum zum Museo beweist das Fehlen der Brüste, die sich auch in 

Etrusco, Heibig 12 n. 331 (abgeb. auch bei Stacke, dem dicken Fellgewand hätten andeuten lassen, 

Deutsche Geschichte I* Taf. S. 56 nach Zeichnung und der sehr kräftige 1. Arm, vielleicht sogar 

von Knackfufs), keine Personifikation eines be- das Fell selbst, 
siegten Volkes, sondern, wie auch Knackfufs er- 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. -i-i 

Völkernamen beizulegen. Dafs die schöne Statue der florentiner Loggien eine Ger- 
mania oder Germanin darstelle, davon bin ich mit vielen andern überzeugt. Doch 
glauben wieder andere an eine Gallia, ein Beweis, dafs die Charakteristik auch hier 
nicht eindeutig genug ist. 

Nun besitzen wir aber doch in dem Statuenbestande unsrer Museen, in den 
Reliefs der römischen Triumphbögen und Ehrensäulen zahllose Figuren männlicher 
Barbaren. Sollten diese uns nicht in den Stand setzen, die Besonderheiten der ein- 
zelnen Barbarentypen zu erkennen? Vielleicht wird sich einmal nach vollständiger 
Sammlung des ganzen bildlichen Materials" diese Aufgabe lösen lassen. Soweit 
vorläufig ein Urteil über diese Materie möglich ist, mufs ich bekennen, dafs ich die 
Kunst einer scharfen Wiedergabe von Völkerindividualitäten, die man bisher den 
Römern bereitwillig zugestanden hat, nicht in so grofsem Mafse anerkennen kann. 
Sehen wir uns z. B. die Markomannen der Marcussäule genauer an, so werden wir 
denken, ihr Kostüm habe bestanden aus enganliegenden Hosen, welche in Schuhen 
stecken, einem kurzen Rock mit zwei Ärmelpaaren (oder besser vielleicht einem 
Hemd mit langen und einem Rock mit kurzen Ärmeln) und einem kurzen Mantel. 
Dasselbe Kostüm haben aber auch die Sarmaten auf derselben Säule, es ist also 
nicht speziell germanisch. Die gleiche Tracht weisen weiter die Dakerfiguren der 
Trajanssäule auf, nur dafs der einfache lange Ärmel vor dem Doppelärmel über- 
wiegt". Wir finden sie auch an den beiden Statuen im Hofe des Conservatoren- 
palastes, die Heibig, vielleicht mit Recht, als Orientalen in Anspruch nimmt". Man 
sieht also, die scheinbar germanische Tracht ist in Wahrheit das allgemeine barba- 
rische Kostüm. Unser Respekt vor der Erfindungsgabe der römischen Künstler 
sinkt danach einigermafsen. Als das wirklich Unterscheidende ergiebt sich bei den 
Barbarenstatuen meist nur Kopf- und Gesichtstypus, allenfalls auch die Kopf- 
bedeckung. Der Grund der eben gekennzeichneten, natürlich bei fortschreitendem 
Verfall der römischen Kunst entsprechend zunehmenden Verflachung in der Charakte- 
ristik ist allem Anschein nach der erdrückende Einflufs der gewaltigen, charakter- 
vollen Schöpfungen der trajanischen Epoche gewesen , besonders der gefangenen 
Daker vom Trajansforum, die für die Folgezeit mafsgebend geblieben sind. 

Aus der Vergleichung der vorhandenen Statuen von Barbaren sowohl wie 
von Barbarenfrauen werden wir also für die Reliefs der Neptunsbasilica nichts 
gewinnen; wenig mehr aus den Münzbildern, welche meist nur zwei gleichgültige 
Idealtypen wiedergeben mit ganz unbezeichnenden Attributen. So treten wir von 

*^ Vorläufig ist für Barbarendarstellungen zu ver- Denkmäler, welche speziell die Germanen be- 
weisen auf die Aufsätze von Conze in Lützows treffen, zusammengestellt bei Stacke, Deutsche 
Zeitschr. für bildende Kunst VII (1872) S. 325 ff., Geschichte I * S. i - 132 (vgl. S. VII). Über 
wo die Grundlinien scharf und unverrückbar ge- Germanen und Sarmaten vgl. noch Petersen, 
zogen sind; Blümner in der Zeitschrift Vom Fels Marcussäule S. 46 — 51. 

zum Meer III, i S. 64off. ; Daremberg-Saglio, ^) Der Doppelärmel z. B. Cichorius Taf. XIX n. 59 

Dictionn. des antiq. I, i p. 670 ff. Eine Auswahl der Tote, n. 6i der Bogenschütze, Taf. L u. LH. 

von Barbarenstatuen bei Reinach, Repertoire I '•') Führer P n. 554/55, Reinach, Repert. I 517, 4 

167, 5 — 7. 515, 4. 5. 517 — 520. II 196—201. u. 6, besonders n. 6. 

Jahrbuch des archüolugischcii Iiiutituts XV. "t 



34 Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 

vornherein wenig zuversichtlich an die Untersuchung der NationenreHefs, denen die 
gegenwärtige Abhandlung gilt. Schon ein erster Blick auf diese lehrt, dafs jene 
allgemeine Barbarentracht nicht nur direkt vorkommt (in A mit doppelten Ärmeln, 
in J mit einfachen), sondern auch bei der Schöpfung der übrigen Typen vielfach 
zu Grunde gelegen hat. Trotzdem fehlt es auch an zahlreichen starken Unter- 
schieden in der Bildung der Einzelnen nicht. Wir müssen also den Versuch machen, 
mit den wenigen Hülfsmitteln, die uns verbleiben, soweit zu kommen, als es 
möglich ist. 

Die Namen der Nationen dürfen wir im wesentlichen als mit denen der 
Provinzen des römischen Reiches gleichlautend ansehen. Die Zahl der Provinzen 
betrug zu der Zeit, in welcher die Erbauung des Tempels anzusetzen ist, einige 
vierzig *^ Diese könnten wir teils vermindern, wenn wir die beiden Germanien, 
Pannonien, Moesien u. s. w, zu je einer Nation vereinigen, teils vermehren, indem 
wir aus den Provinzen die einzelnen Nationen besonders herausschälen, z. B. aus 
der Syria die Judaea absondern u. s. w. Im grofsen und ganzen bleibt demnach die 
Summe gleich, ob wir nach Provinzen oder Nationen rechnen. So können wir mit 
Bequemlichkeit die Zahl herstellen, die wir benötigen, 38 Nationen. Von den 
20 Nummern nun, die wir zu Anfang hatten aufzählen können, entfällt ohne weiteres 
U als gänzlich unbekannt, auch O, R, S und T müssen bei Seite treten, weil zu 
sehr verstümmelt, um ein wichtigeres, unterscheidendes Detail erkennen zu lassen. 
So bleiben noch 15 übrig, für welche die Benennung zu suchen ist. 

Es möge die allgemeine Bemerkung vorausgeschickt werden, dafs unsere 
Völkerbilder der Hauptsache nach nicht als nationes captae oder devictae aufzufassen 
sind, sondern dafs sie auftreten als vollberechtigte Glieder des Reiches, die im 
Schmucke der heimischen Waffen bereitstehen, die Feinde des römischen Volkes 
abzuwehren. Nur in verschwindender Zahl finden sich solche, die man als captae 
bezeichnen kann: waffenlos und in Trauer versunken. Das sind D, K und P. Diese 
Ausnahmen müssen ihre besonderen Gründe haben. Wir vermuten, dafs jener 
Typus gegeben ist einigen besonders wilden, kriegerischen Völkern, namentlich 
Grenzvölkern, die den römischen Waffen wiederholt zu schaffen gemacht und die 
daher oft als captae in den Triumphzügen figurierten oder auf öffentlichen Denk- 
mälern dargestellt wurden und so in dieser Gestaltung in dem Bewufstsein des 
römischen Volkes weiterlebten. Wenn diese Annahme richtig ist, so werden uns 
jene drei Nationen keine grofse Schwierigkeit bereiten. 

Wenden wir uns zunächst der Nation K zu. In ihr haben Pellegrini und 
Petersen eine Germania vermutet". Die Möglichkeit solcher Deutung läfst sich 
nicht bestreiten, doch ist sie nicht notwendig. Wir vermissen die Tracht, welche 
die alten Schriftsteller als charakteristisch für die germanischen Frauen anzugeben 
wissen, die Nacktheit beider Arme und die Entblöfsung der einen Brust, wie sie 

**) Marquardt, Rom. Staatsverwaltung I' S. 330 — 337 *^ Vz\itgx\m,Bull.dell' inst. 1878 p. 107 (' la provincia 
zählt die 45 Provinzen auf, die im J. 117 den sembra puramente germanica' ) ; Petersen, Vom 

Bestand des römischen Weltreiches bildeten. alten Rom S. 79. 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. -ic 

sich in der That an der Thusneldastatue, die man wohl mit dem meisten Recht als 
Germania auffafst, vorfindet **. Schlagend ist freilich ein aus diesem Umstände her- 
genommener Einwand nicht. Man wird schon von vornherein die Möglichkeit zu- 
gestehen müssen, dafs um die Mitte des zweiten Jahrhunderts bei manchen 
germanischen Stämmen, besonders in den von den Römern occupierten Landstrichen, 
die Frauen römischer Sitte folgend zur vollen Bekleidung übergegangen waren. So 
sehen wir denn auch thatsächlich die germanischen Frauen auf der Marcussäule 
vollbekleidet, mit Ärmeln (meist Doppelärmeln) und bedeckter Brust". Wer also 
durchaus will, kann immerhin in der Figur K eine Germania erbHcken. Das Ein- 
fachste und Natürlichste ist es aber, die eine der Pamfili'schen Nationen, welche 
vollkommen der Beschreibung des Tacitus entspricht, nämlich P, als Germania in 
Anspruch zu nehmen. 

Dann bleibt für K ein anderer Name zu suchen. Wir möchten Gallia vor- 
schlagen*". Die langen Haare sprechen wohl nicht dagegen. Zwar weist die 
Haarbildung der getöteten Gallierin von der Ludovisi-Gruppe bedeutende Unter- 
schiede auf: das Haar fällt mäfsig lang in den Nacken und ist vorn halblang 
geschnitten, in eigentümlichen steifen Strähnen, nicht so struppig wie bei dem 
Manne. Ziemlich kurz ist auch das Haar der gefangenen Gallierin auf der Münze 
Pfeiffer, Ant. Münzbilder n. 27 = Babelon, Julia n. 12. Dagegen finden wir es wieder 
langgelockt an den Keltinnen auf dem Deckel des Ammendola-Sarkophages"; dies 
beweist, dafs die römische Kunst gallische Frauen auch mit langen Haaren dar- 
stellte*', und das genügt uns völlig. Wir verharren also bei unsrer Benennung 
Gallia, zwar Vermutung blofs, aber wohl nicht unwahrscheinlich, namentlich wegen 
der Darstellung als devicta. 

**) Besonders Tacitus, Germ. 17: Feminae saepius wahrscheinlicher. Schon Wolters weist darauf 

lineis amictibus velantur eosqiie purpura variant, hin (Gipsabgüsse n. 1563), dafs viele Göttinnen 

partemque vestitus superioris in tnanicas non ex- des Gigantenfrieses von Pergamon solche Schuhe 

tendunt, nudae brachia ac lacertos ; sed et proxima tragen (vgl. Leto , illustr. Beschreibung von 

pars pectoris patet. Zuerst hat auf diese Stelle 1895 S. 23, Nyx S. 33, Gorgo S. 35). Dieselben 
mit Nachdruck hingewiesen Göttling in seiner Schuhe finden sich an Statuen pergamenischer 
Erklärung der Thusneldastatue. Weniger im Priesterinnen des Berliner Museums, auch an 
Recht ist er, wenn er auch die durchbrochenen einer Frauenstatue an der Bühne des Dionysos- 
Schuhe als echt germanisch in Anspruch nimmt. theaters zu Athen, also ganz nahe der Stoa des 
Denn die von ihm gesammelten Stellen (Ges. Eumenes. — Über germanische Tracht vgl. im 
Abhandl. I 386 f.; vgl. jetzt die bei Tocilesco- allgem. noch Forbiger, Handb. der alten Geo- 
Benndorf, Monument von Adamklissi S. 91 graphie III S. 338 ff. 

Anm, I angeführte Litteratur) beweisen nur =^) z. B. Petersen Taf. 23. 50. 69. 95 (vgl. Text 
den Gebrauch der Bundschuhe bei vielen ger- S. 47 f.). Anders dagegen, der Tracht der Thus- 
manischen Stämmen im frühen Mittelalter, nicht nelda sich nähernd, Taf. 28 u. 82. 
für die ältere Zeit, wo wir uns die Germanen ^^) Über gallische Tracht vgl. Forbiger, Handb. der 
noch barfüfsig denken mögen. Die Gitter- alten Geographie III S. 146 f.; Purgold, Archäol. 
schuhe der Thusnelda machen vielmehr den Bemerkungen zu Claudian u. Sidonius S. 18 f.; 
pergamenischen Ursprung dieses Typus, der Oehler, Bilderatlas zu Caesar S. 29 ff. 
bereits aus kunsthistorischen Gründen vermutet ") Heibig, Führer I- n. 430; Stacke, Deutsche Ge- 
worden war (Urlichs in der Handausgabe der schichte I^ S. 9; Springer -Michaelis, Handb. d. 
Denkmäler griech. u. röm. Skulptur S. 139) noch Kunstgesch. I S. 270. 



* 



20 Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 

Glücklicher sind wir bei der dritten trauernden Nation daran, dem farnesischen 
Fragment D. Die phrygische Mütze verrät die Orientalin. Wer könnte also diese 
Gestalt anders sein als die ewig rebellische, immer zu fürchtende Judaea? Zahlreiche 
Münzen der flavischen Kaiser und vermutlich manche Siegesdenkmäler verbreiteten 
die Vorstellung der Judaea capta allgemein. Erst neuerdings hatte es wieder unter 
Hadrian, unter dem oder dessen Nachfolger die Erbauung unsres Tempels anzusetzen 
ist, langer und erbitterter Kämpfe bedurft, um die Juden zu unterwerfen. So zweifeln 
wir nicht, dafs der antike Beschauer in dieser Figur sofort eine Judaea erkannte. 

Es mögen hier gleich die andern orientalischen Nationen behandelt werden. 
Als hierher gehörig erweist sich C durch die phrygische Mütze. Welcher Name 
dieser Gestalt zukommt, wagen wir nicht zu sagen. Man kann an eine Bithynia 
denken, doch ist die Zahl der MögHchkeiten unerschöpflich. Die Doppelaxt ist für 
orientalische Völker öfter bezeugt. So führen die Barkaner im Heere des Darius 
Codomannus die bipennis (Curt. III 2, 5) ^^ 

Nach Kleinasien dürfte auch die Nation B gehören. Wir erkennen in ihr die 
Armenia, da die eckige Tiara mit den Seitenlaschen, die sie auf dem Haupte trägt, 
nach unserm Dafürhalten dieselbe ist wie die auf den Münzbildern armenischer 
Herrscher ^°. Auch die Bewaffnung, Pfeil und Bogen, pafst, da nach Xenophon 
[Anab. IV 3,18) die Armenier mit dem Bogen schiefsen*^'. Hinderlich scheint einen 
Augenblick die Thatsache zu sein, dafs Armenien, von Trajan dem römischen 
Reiche als Provinz einverleibt, bereits von Hadrian wieder aufgegeben wurde. Aber 
nur als Provinz aufgegeben; die Souveränetät über Armenien und das Recht, seine 
Könige zu ernennen, hat Rom nie aus den Händen gegeben, und um diesen Punkt 
drehten sich die Kämpfe der nächsten Jahrhunderte. Marc Aurel hat auch Armenien 
zeitweilig zurückerobert ^^ Bei dieser Sachlage wird man sich nicht wundern, dafs 
die Römer auf die Armenier als eine ihnen gehörige Nation Anspruch machten und 
daher Armenia an der Neptunsbasilica erscheint. 

Noch könnte man meinen, dafs die Nation J dem Osten angehöre. Hat sie 
nicht die phrygische Mütze auf? Aber diese Mütze eignet auch einem europäischen 

^^) Übrigens folgt aus der Bezeichnung Gallia comata Schwert des Tiberius eine Vindelicia hat erkennen 

nicht, wie man wohl gemeint hat, dafs die wollen (Baumeister, Denkm. III S. 2073. Röscher, 

Gallierinnen sich alle durch vollen Haarschmuck Lexikon II, 2 Sp. 2094). 

auszeichneten. Denn dieser Name, welcher der ^') z.B. Imhoof-Blumer, Porträtköpfe auf ant. Münzen 

gröfsten der gallischen Provinzen im Gegensatz hellen. Völker Taf. IV 13. VI 7. 8. ii; Pfeiffer, 

zur Gallia bracata und G. togata beigelegt worden Ant. Münzbilder n. 32 = Babelon, Antonia 94. 

ist, bezieht sich natürlich wie bracata ViUA togata <") Mit Lanze, Köcher und Bogen ausgerüstet ist 

auf die Männer, die wir uns demnach mit der Armenier auf der Augustusmünze Pfeiffer, 

lang herabwallenden Haaren zu denken haben. Ant. Münzbilder n. 38 = Cohen I, Augustus 56 

(Sil. Ital. XV 674: Rhodanique comas intonsa (vgl. 57), doch hat er die gewöhnliche orienta- 

iuventus). lische Mütze auf dem Kopf, nicht die armenische 

59) Über die Streitaxt vgl. Guhl u. Koner « S. 40of. Königstiara. Vgl. die Nachweise bei Röscher 11,2 

Von europäischen Völkern führten die Dopjiel- Sp. 2101. 

axt die Vindeliker nach Horaz Od. IV 4, 18 ff., '''') Mommsen, Rom. Gesch. V S. 403flf. 
weswegen man in der Amazonengestalt auf dem 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. ^7 

Volke, den Dakern^', mit der Abweichung jedoch, dafs bei der dakischen Mütze 
die Spitze sich sofort über dem Scheitel flach nach vorn überlegt, während die 
phrygische meist noch mehr in die Höhe strebt, ehe die Spitze sich umlegt, wie 
besonders deutlich an unsrer Figur C zu sehen. J hat nun eine ausgesprochen 
dakische Mütze. Auch die Kleidung stimmt vollkommen mit der der Daker auf der 
Säule überein (Doppelärmel sind, wie schon oben S. 33 bemerkt, auf der Säule 
ziemlich selten). Eine Axt, wie sie unsre Figur in der Rechten schwingt, brauchen 
die Daker nun allerdings auf den Reliefs der Trajanssäule niemals im Kampfe. Das 
will aber nicht viel besagen, da sie dort fast immer in den Kampfscenen nur mit 
Steinen werfend dargestellt sind (einmal ein gerades Schwert, Taf. XXXI n. 105 Cich.), 
während die Trophäendarstellungen desselben Monumentes zahllose Angriffswaffen 
verschiedenster Art vorführen. So finden wir denn auch die Streitcixt auf den 
Basisreliefs (Taf. II Cich. oben, III oben) und in dem Trophäenhaufen Taf. LVII 
n. 206. Wir können fügHch die Figur J als eine Dacia erklären, denn wir finden 
in ihr lauter Stücke vereinigt, die wir an Dakern nachweisen können, nur ist eine 
weibliche Gestalt daraus gemacht worden. Dies ist beachtenswert; zuweilen geben 
die Nationenbilder die Tracht von Barbarinnen wieder, wie bei unserer Germania P, 
die wie der Nachklang einer berühmten Statue erscheint; noch öfter dagegen ist 
es der Fall, dafs die männliche Tracht einfach auf die weibliche Figur übertragen 
wird, natürlich mit den nötigen Änderungen. Wer das beherzigt, wird daran 
keinen Anstofs nehmen, dafs die dakischen Frauen auf der Trajanssäule ganz anders 
kostümiert sind als unser Reliefbild". 

Die Nachbarin der Dacia, Moesia, dürfte vielleicht erhalten sein in der 
Figur des Odescalchi'schen Reliefs F mit der Sichelwaffe. Sichelschwerter finden 
wir bei den Barbaren des Trophäenmonuments von Adamklissi in der Dobrudscha". 
Dieses Denkmal ist, wie durch die an die verdienstvolle Publication von Tocilesco, 
Benndorf und Niemann sich anknüpfende Kritik und Polemik nunmehr festgestellt 
ist, errichtet zur Erinnerung an einen Sieg Trajans zu Beginn des dacischen Feld- 
zuges in dieser Gegend, im nördlichen Mösien. Die an dem Denkmal in Relief 
dargestellten Barbaren sind also die Einwohner jener Landschaft. Wie der Barbaren- 
stamm zu benennen, darüber sind die Meinungen geteilt. Petersen sieht mit grofser 
Wahrscheinlichkeit einen sarmatischen Stamm darin *^ und möchte ihn am liebsten 
Rhoxolaner benennen, von denen Tacitus [Hist. I 79) berichtet, dafs sie sehr lange 
Schwerter führten, welche sie mit beiden Händen regieren mufsten, ganz so wie 
man es in den Schlachtscenen des Monuments abgebildet findet; die Sichelform 
des Schwertes bezeugt freilich Tacitus nicht. Es ist übrigens derselbe Stamm, 

^') So oft auf den Reliefs der Trajanssäule (z. B. namentlich die Haare, welche ganz eigenartig 

Taf. XXIII, XLV, XLVII Cichorius), an Statuen am Nacken aufgekämmt und wulstartig zusammen- 

(z. B. Reinach, Repert. I 518,7. 519,6) und Köpfen genommen sind. 

(z.B. Heibig P n. 60 [hier als »Parther« be- «5) z. B. Tocilesco S. 52 ff. Fig. 65. 66. 68, 70, S. 60 f. 

zeichnet] = Friedrichs-Wolters n. 1569). Fig. 81 — 83. 

6*) Cichorius Taf. XXII. XXX. XXXIV. LVI. Man ««) Rom. Mitth. XI (1896) S. 105 Anm. 

beachte den Bausch unterhalb des Gürtels und 



■sg Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 

der auch auf der Trajanssäule wiederkehrt, hier aber nicht mehr als Feind der 
Römer, sondern in einem mehr freundschaftlichen, etwa Bundesverhältnisse zu ihnen 
stehend. Das Sichelschwert, welches auf den Reliefs der Säule, in dem Trophäen- 
haufen Taf. LVII n. 204 (Cich.) wiederkehrt, darf demselben Stamm beigelegt werden. 
Da also die Sichelwaffe bei einem Teile der Bewohnerschaft Mösiens nachgewiesen 
ist, so ist die vermutungsweise Deutung der Figur F auf Moesia gewifs nicht zu 
kühn. Sonst kenne ich das Sichelschwert nur bei asiatischen Völkern ®^ die aber 
hier natürlich nicht in Betracht kommen. Die Gewandtracht der Figur stimmt 
übrigens sonst nicht mit den Barbaren von Adamklissi überein®*; doch waren jene 
ja nicht der einzige Stamm Mösiens und ihre Tracht nicht für das ganze Land 
. mafsgebend. 

Eine markantere Bildung, die einen Deutungsversuch unterstützen kann, 
besitzt auch noch die Nation N. Lanciani hat ihr bereits einen Namen gegeben, 
Parthia®^ Fragt man sich nach dem Grunde dieser Benennung, so kann er allein 
in der Fahne liegen: Lanciani dachte gewifs an die R.ückgabe der römischen Feld- 
zeichen an Augustus durch die Parther, Parthien daher hier mit Bezug auf jenes 
Ereignis dargestellt. Diese Annahme ist aber aus den verschiedensten Gründen 
unmöglich. Zuerst fällt die wichtigste Voraussetzung L.'s zu Boden, dafs die Reliefs 
der Neptunsbasilica aus der Zeit des Augustus stammen; sie gehören nach Stil und 
Reliefbehandlung unzweifelhaft der zweiten Hälfte des zweiten nachchristlichen 
Jahrhunderts an. Zweitens ist zu bemerken, dafs das Vexillum ebensogut barbarisch 
als römisch sein kann. Genau übereinstimmend so findet sich die Fahne auf der 
Trajanssäule unter den erbeuteten Trophäen (Taf. II und III Cich.) und als Feld- 
zeichen der kämpfenden Daker (Taf. XLVIII. LV; etwas anders LVII)^°. Drittens 
sehen wir auch andre Provinzen häufig mit Fahnen in der Hand dargestellt ^\ 
Weiter fällt ins Gewicht des Fehlen jedes besondern Zuges, der auf den Orient 
deutete; endlich erweist die Haartracht unsre Figur auf das bestimmteste als eine 
afrikanische Völkerschaft. Hier müssen wir etwas länger verweilen. 

Das Eigentümliche der Haarbildung sind die gedrehten Locken, die über 
der Stirn kürzer, an den Seiten des Kopfes lang niederfallen. Zahllose, im einzelnen 
variierende Beispiele erweisen diese Haartracht als afrikanisch". Es ist im wesent- 
lichen dieselbe, die wir noch heute bei einigen afrikanischen Stämmen, beispiels- 
weise den Nubiern und Abessiniern, antreffen. Besonders oft begegnet die Frisur 

6') Bei Lykiern (Baumeister III S. 2040) und Persern '''>) Über die vexilla vgl. im allgem. Domaszewski, 

(Friederichs-Wolters n. 1408; Baumeister II S. 1244 Die Fahnen im römischen Heere S. 76 flf.; Tocilesco- 

Fig. 141 5). Benndorf, Monument von Adamklissi S. 78 ff. 

**■) Die Männer sind entweder nur mit Hosen be- ^i) So die Münzen mit Cappadocia (Cohen II 

kleidet oder mit Hosen und gegürteter Ärmel- Hadrian n. 200 ff.), Dada (ebd. Antonin n. 347), 

tunica; die Tracht der Frauen ist ersichtlich aus Pannonia (ebd. Aelius n. 24 f.) und Bilder in 

den Reliefs S. 48 Fig. 57, 67 Fig. 96, 68 Fig. 97. den Handschriften der Notitia dignitatum, {Pa- 

^3) Ann. deW inst. 1883 p. 9 ('setnbra raffigurare la laestina I p. iio Böcking, Campania II p. 123). 

nazione partica). Notizie dtgli scavi 1883 p. 81 "''^ Von den Mauren berichtet dies Strabo XVII 3, 7: 

C rappresenta forse un tipo della Regione Partica ). x'3tX)vU)7r(^0VTai S'^cu; xo[a^; ifJiTtXox^ x. x. X. 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 



39 



in der ägyptischen Kunst". Aus dem Bereiche der hellenistisch-alexandrinischen 
Kunst ist das bekannteste Beispiel der schöne Bronzekopf der sog. Berenike aus 
Herculaneum, dessen aus Streifen Bronzeblechs gedrehte Locken zwar modern, 
aber im wesentlichen richtig ergänzt sind ^*. Die genauesten Parallelen dazu bieten 
ein ältlicher Porträtkopf aus schwarzem Granit zu Wien", sodann die Mittelfigur 
der Tazza Farnese in Neapel' ^ endlich ein bekannter Bildtypus von Ptolemäer- 
münzen" wie von römischen Münzen republikanischer Zeit", für den eine sichere 
Deutung noch nicht gefunden ist". 

Weiter reihen wir an einige andere plastische Darstellungen mit afrikanischen 
oder speziell ägyptischen Haarlocken: eine Gemme, Jahrb. d. Inst. IV Taf. 2 n. 2 
(vgl. S. Soff.); eine gräcisierende ägyptische Statue im Museo Egizio des Vatikans 
(wohl der bei Massi, Descrizione p. 241 genannte Outa-Hor-Senet); die Antinousbüste 
des Vatikans Heibig V n. 307; mehrere Isisstatuen, z. B. Reinach, Rupert. I 156, 2. 3. 
II 420,7. 421,3 (der Oberteil einer solchen im Magazzino archeologico zu Rom); 
zwei kleine Bronzebüsten in Paris, Babelon u. Blanchet, CataL des bronzes n. 639. 641; 



^3) Einige Beispiele Perrot-Chipiez, Gesch. d. Kunst 
im Altert. I Aegypten (deutsch v. Pietschmann) 
S. 77- 577. Taf. S. 578/9. 637. 681. 698 (vgl. 
S. 731); meist handelt es sich hier nicht um 
natürliches Haar, sondern um Perrücken. Sehr 
charakteristisch die Libyer und Aethiopen 
S. 734 f. — Vgl. Erman, Aegypten im Altertum 
S. 302 ff. 

''*) Die Litteratur bei Arndt-Bruckmann, Griech. u. 
röm. Porträts Taf. 99/100. Hinzuzufügen etwa 
noch die Abb.: v. Sybel, Weltgesch. der Kunst 
S- 335; Collignon, Hist. de la sculpture gr. II 563 
(deutsche Ausg. II 610). Photographieen: Alinari 
11248/49. Vgl. jetzt noch Six, Röm. Mitth. IX 
(1894) S. iiyff., der aus dem Fundbericht er- 
weist, dafs die Drahtlocken modern ergänzt sind, 
in seinen übrigen Aufstellungen aber weit fehl- 
geht. Unzweifelhaft waren die bei der Auffindung 
noch erhaltenen Haarreste von der Art wie die 
ergänzten, wie schon aus der Beschreibung hervor- 
geht. Nur ist die Ergänzung darin zu tadeln, 
dafs die Locken der Stirn etwas schlichter, 
sämtliche Locken viel dicker hätten gebildet, 
auch die Spiralen mehr zusammengedreht werden 
sollen. War es schon an sich selbstverständlich, 
dafs der Ergänzer sich nach den Spuren des 
Vorhandenen richtete, so liefern einen weitern 
Beweis für die Richtigkeit die noch heut vor- 
handenen Reste, nämlich die massiven, mit dem 
übrigen Kopf gegossenen Haarrollen am Nacken 
und an den Ohren (wenigstens am 1. Ohr deut- 
lich zu sehen), sowie die feinen Einritzungen 
gewellter Haarlinien an der Stirn, und länger 



an der Schläfenseite bis fast zur Mitte der Wange 
(auf der Photogr. Alinari auf der 1. Seite sehr 
gut zu erkennen). Die Einritzungen sowohl wie 
die massiven Haare dienten dazu, die Verbindung 
der frei gearbeiteten und angelöteten Haarrollen 
mit dem Untergrunde zu vermitteln. Danach er- 
übrigt es sich, näher einzugehen auf die hier 
unmögliche Frisur der ehrsamen pompejanischen 
Bäckerin (jetzt auch Engelmann, Pompeji S. 55), 
die Six dem Bronzekopfe geben will. 

^^) Jahrb. d. Inst. VI (1891), Anzeiger S. 175 n. 34; 
v. Schneider, Album der Antikensamml. des 
a. h. Kaiserhauses Taf. 13. Schwerlich dieselbe 
Persönlichkeit wie die herculanische Bronze. 

'•') Abgeb. Visconti, Museo Pio-Clem. III tav. C n. i ; 
Mus. Boro. XII tav. 47 ; Babelon, La gravure en 
pierres fines p. 141. Photogr. Sommer (Neapel) 
n. II 188. Vgl. Gerhard u. Panofka S. 391 ff.; 
K. O. Müller, Handb. d. Archäol. d. Kunst § 315 
Anm. 5. — Ich möchte die in der Mitte auf 
einer Sphinx gelagerte Figur, welche bald auf 
Isis, bald auf Alexandria u. s. w. gedeutet worden 
ist, vielmehr in Übereinstimmung mit einigen 
Münzbildern und andern Darstellungen für 
Aegyptus erklären. 

^^) Catalogue of gi-eek coins in the brit. Mus., the 
Ptolemies pl. VI, 7—10. XVIII, 4—7. 9. XIX, 4. 
XXI, 3. XXII, 5. 6. 

^8) Litteratur bei Röscher, Lexikon II, 2 Sp. 2038 f. 

^9) Ich bin geneigt das Münzbild für eine Dar- 
stellung der Aegyptus zu halten, zumal der 
Lockenkopf manchmal mit Ammonshörnern ver- 
sehen ist (z. B. Babelon, Calpurnia n. 27). 



AO Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. 

die Bronzebüste einer Africa, Babelon u. Blanchet n. 619; die Dea Maurd! des 
Museums von Oran, Blanchere, Musee d' Oran p. 36; ein etwas roh gearbeiteter Kopf 
aus Kalkstein im Museo Papa Giulio in Rom, Mon. ant. della r. Accad. dei Lincei IV 
p. 507 Fig. 202; eine Bronzestatuette des brit. Museums, Jahrb. d. Inst. I S. 85 
= Reinach, Repert. II 200,4. Beachtenswert auch Reinach I 521,6 (mir nicht kon- 
trollierbar, der Kopf wohl nicht zugehörig?). Endlich seien genannt die vorzüg- 
lichen numidischen Reiter der Trajanssäule, Taf 44. 45 Cich. 

Aus den angeführten Beispielen, die Kundigere leicht vermehren könnten, 
wird sich zur Genüge ergeben haben, dafs die Nation N durch ihre Haartracht als 
afrikanisch^" erwiesen wird. Wir schlagen für sie den Namen Numidia vor. 

Weniger durch den Haarwuchs, obwohl dieser eine gewisse Analogie auf- 
weist, als in einer andern Beziehung erinnert an Ägypten die Nation H. Das Ge- 
wand ist hier vor dem Unterleibe zu einem Knoten zusammengerafft, wie es sich 
meines Wissens nur in der alexandrinischen Kunst*' wiederfindet und in den Werken 
römischer Kunstübung, die sich mit Wahrscheinlichkeit auf alexandrinische Vorbilder 
zurückführen lassen. Meist ist allerdings das so geknotete Gewand mit voller Be- 
kleidung verbunden; es ist dann der Mantel, welcher von hinten her um den Unter- 
leib gelegt, vorn geknüpft ist. So namentlich bei den Frauen; bei Männern findet 
sich dagegen oft der geknotete Mantel allein. Ich verweise auf das Neapler Relief 
mit Komödienscene (Baumeister II S. 827, Schreiber, Hellenist. Relief bilder Taf 83); 
das Relieffragment der dornausziehenden Alten in Neapel (Mus. Borb. IV tav. 53, 
Rhein. Mus. 39 Taf. 2 n. 2, Schreiber, Hellen. Relief bilder Taf 81); die Priapos-Ara 
aus Aquileja (Arch.-epigr, Mitth. I Taf 6); das Pariser Relief Reinach, Repertoire I 
107,2 (Müller -Wieseler II 49,608); den Ikaros-Cameo in Neapel (Mi4s. Borb. II 
tav. 28, i); die Attachenreliefs von Metallgefäfsen Schreiber, Alexandrinische Toreutik 
S. 350. 372. 374; Stuckreliefs der römischen Villa bei der Farnesina, Mau u. Lessing 
Wand- und Deckenschmuck eines röm. Hauses Taf 14 u. 15*^; einige Campanareliefs, 
über deren Herkunft*' allerdings das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen ist 
(z.B. Campana tav. 13.43 — 45. iii). Von Statuen nenne ich besonders den Typus 
einer stehenden Alten, der gewifs auf die alexandrinische Genreplastik zurückgeht, 

*<>) Es soll nicht unerwähnt bleiben, dafs eine ahn- häufig ähnliche Lockenringel zeigen (Terrakotta- 

liche Haarfrisur auch zuweilen den Indern gegeben relief Campana n. 99 = Baumeister I S. 521), so 

wird, so auf dem schönen, aber sehr beschä- wird der Zusammenhang ohne weiteres verständ- 

digten bacchischen Sarkophag in dem Laokoon- lieh sein. 

zimmer des Vatikans (n. 75), ferner den Sarko- s') Dafs diese Motivs originaler ägyptischer Tracht 

phagenVisconti, i^j. /"w-C/. IV 23, Zoega^amr. entnommen ist, zeigen die Holzlöffel Perrot u. 

ant. I 7 (vgl. Ann. deW Inst. 1879 p. 76 f.) Von Chipiez, Gesch. d, Kunst im Altert. I (deutsch) 

den Indern her mag es dann entlehnt sein, wenn S. 777f., besser Rayet, Monum. de l'art. ant. I 11. 

einige Dionysosbüsten solche Haarlocken tragen, ^^) Auch Revue de l'art ancien et moderne 1897, II 

wie z.B. eine bacchische Doppelherme in der p. 104 — 106, wo CoUignon p. 106 f. mit Recht 

Kandelabergalerie des Vatikan (Pistolesi VI auf alexandrinische Vorbilder schliefst. 

tav. 104), eine andre im brit. Museum (Daremberg *^) Bei einigen Platten ist der ägyptische Ursprung 

u. Saglio, Dictionn. des antiq. I, i p. 638). Wenn ganz deutlich, wie Campana tau. 113 — 115. 
dann weiter Theatermasken, namentlich tragische. 



Lucas, Die Reliefs der Neptunsbasilica in Rom. j^j 



Z.B. im Vatikan, Kandelabergalerie n. 145, Chiaramonti n. 580, eine Statue des 
Palazzo Doria (Raoul-Rochette, Moti. ined. pl. ^6, 2, Reinach, Repert I 459, 5, Matz- 
Duhn I n. 1208). Andrerseits haben wir freilich einen solchen Knoten auch bei 
einem in zahlreichen Varianten vorliegenden Venustypus, wo er den Mantel um die 
Hüften der oberhalb nackten Göttin zusammenfafst ". Über die Herkunft dieses 
Typus, ob er ebenfalls alexandrinischen Ursprung haben kann, wage ich kein Urteil 
abzugeben. Bei alledem, trotz der Vorsicht, mit der wir uns auf diesem noch nicht 
genügend beleuchteten Gebiet bewegen müssen, halten wir es doch für möglich, 
dafs der Künstler des Nationenreliefs H eine Aegyptus hat darstellen und dies durch 
das angewandte Kleidungsmotiv zum Ausdruck bringen wollen. Die Haare könnten 
uns ja freihch wieder stutzig machen, da sie nicht genau so gebildet sind, wie wir 
sie oben als charakteristisch für Africa, besonders für Ägypten gefunden haben. 
Dagegen liefse sich aber wieder einwenden, dafs diese Bildung durchaus nicht 
consequent stattfindet. Der Isis z. B. wird öfter die gewöhnliche griechische, leicht 
gelockte Haartracht verliehen (Reinach, Repert. I 609 ff., II 420 ff.) als die ägyptische. 
Eine gewisse Verwandtschaft aber der Haarbildung unsres Reliefs mit der ägyptischen 
läfst sich nicht abstreiten. Die Locken sind kräftig geringelt, ziemlich kurz und 
fallen nicht bis auf den Nacken nieder. Es ist also wohl nicht ausgeschlossen, dafs 
unser Künstler, vielleicht ein anderer als der des Reliefs N, in seiner Weise die 
ägyptische Frisur hat zur Erscheinung bringen wollen. 

Bei der Figur L hat Petersen an eine Britannia gedacht. Das ist gewifs 
möglich. Doch würde ich mir dieses Volk des hohen Nordens lieber barbarenhaft 
wild vorstellen, wie unsre Germania P, wie sie denn auch bei Claudian tätowiert 
und mit den Exuvien eines Bären erscheint^*. Unsre reichgeschmückte Nation L 
dagegen macht einen kultivierteren Eindruck; ich möchte in ihr ein entwickelteres 
Volk erkennen, das schon lange zum festen Bestände des Reiches gehört, am 
liebsten eine Hispania^*', die ja dem römischen Reiche schon mehrere vortreffliche, 
kriegerische Kaiser geschenkt und der daher die volle Rüstung wohl anstehen 
würde. Dann darf man in dem härenen Unterkleid, das an den Schultern zum 
Vorschein kommt, eine Anspielung auf den Schafreichtum und die berühmte Woll- 
industrie Spaniens*' finden. 

Für die ReHefs AEG (welches in früherer Zeit ganz unberechtigter Weise 
den Namen Dacia trug), M und Q sind wir nicht im stände, einen irgendwie zu 
begründenden Namen vorzuschlagen. Zum Schlufs mögen noch einmal die Namen 



**) Wohl am bekanntesten Heibig, Führer 1 2 n. 260. Martial de spect. 7, 3) von einem Bären ver- 

Zahlreiche Beispiele bei Reinach, Repert. I 321 bis standen. Über die Britannier vgl. noch Forbiger, 

330. II 339- 340- 357- 358. Handb. d. alten Geographie III 273 f., Purgold, 

-=) Car»/. XXII 247 ff.: Archäol. Bern, zu Claudian u. Sidonius S. 19. 

Inde Caledojiio velata Britannia monstro, *'') Eine Hispania beschreibt Claudian c. XXII, 228 ff. 

Ferro picta genas, cuius vestigia verrii Über die Hispanier Forbiger a. a. O. S. 23 ff. 

Caerulus Oceanique aestum mentitur amictus. ^~') Plin., Nat. hist. 8, 191 ; Blümner, Maximaltarif 

Das Caledonium niottstrum wird am besten (nacli des Diocletian S. 167. 



42 



Passow, Zum Parthenonfriese. 



zusammengestellt werden, die wir für die andern Figuren in Vorschlag gebracht 
oder wahrscheinHch gemacht haben: 

B Armenia, C Bithynia(?), D Judaea, F Moesia, H Aegyptus, J Dacia, K Gallia, 
L Hispania, N Numidia, P Germania. 

Charlottenburg. Hans Lucas. 



1^ 



O-XX^'VNy-r 



"xjiX^X^^^^ 



ZUM PARTHENONFRIESE. 

Betrachtet man Parthenon Westfries III. (Michaelis 4 — 6. Fr[iederichs]- 
W[olters] 608) genauer, so wird man sich der Wahrnehmung nicht verschliefsen 
können, dafs diese Gruppe bisher in eigentümlicher Weise in ihrem eigentlichen 
Zusammenhang zerrissen und widerstrebend verbunden worden ist. Der Umstand 
nämlich, dafs der erhobene Kopf des Pferdes sich mit den gleichfalls erhobenen 
Händen des vor ihm stehenden und zweifellos zu ihm gehörigen Jünglings berührt, 
hat zu der Annahme geführt, dafs er eben damit beschäftigt sei, sein Pferd aufzu- 
zäumen^; Bedenken dagegen äufserte allein Hawkins (Atic. Marbles VIII 133). 
Spricht auch der erste Augenschein dafür, so zeigt doch eine genaue Interpretation 
des Details, von dem gerade noch genug erhalten ist, dafür, dafs zwischen ihm und 
dem Pferde keinerlei directe Verbindung anzunehmen ist. 

Hülfsmittel der Reconstruction sind: 

1. das Original, am Parthenon befindlich. 

2. der (vollständigere) Elgin'sche Gipsabgufs ■= Berliner Gips^ 

Es ergiebt sich nun zunächst, dafs Newton irrt, wenn er (Guide to the Elgin 
Room p. 49) sagt: »n. 4 raises both hands as if to open his horses inouth for the 
Insertion of the bit<s.. Denn das weifs man aus Xenophon tt. itttt. VI. 7 und auch 
jeder Reiter aus der Praxis, — dafs man beim Aufzäumen zuerst mit der Linken 
das Gebifs einlegt und danach das Kopfgestell überstreift, wie man es auch auf dem 
Westfriese Mich. 28. Fr.-W. 608 dargestellt sehen kann. Nur ist dort die Linke — 
mit dem Gebifs bereits fertig — nunmehr gleichfalls oben beim Ordnen der Mähne 
beschäftigt ^ Nichts dergleichen thut der in Rede stehende Jüngling, kann es auch 
nicht; denn der Zaum liegt bereits, wie die vom Maul bis hinter das Ohr ver- 
laufenden Bohrlöcher, fünf an der Zahl, beweisen. 

Aber auch mit dem Zügel kann er sich nichts zu schaffen gemacht haben. 



Vgl. als letzte Behandlung: Winter Jahrb. des 
arch. Inst. 1893 S. 135. 

') Durch freundliches Entgegenkommen des Herrn 
A. S. Murray in London gelang es mir, die ver- 
mutete Identität der beiden zu constatieren. 

3) Diese Hand ist bisher noch von niemand (auch 
nicht von Corbould in den Anc. Marbles) be- 
merkt worden; wahrscheinlich, weil man sie als 



Mähnenzacken ansah. Doch kommen selbst am 
Gipsabgufs deutlich alle vier Finger zum Vor- 
schein. Eine Untersuchung des Originals, welche 
Herr Professor Wolters unter Benutzung des 
Baugerüstes vorzunehmen die Freundlichkeit 
hatte, bestätigte diese Beobachtung; und zwar 
ist auf dem Original auch der Daumen noch 
sichtbar. 



Passow, Zum Parthenonfriese. 



43 



Müfste man in diesem Falle die Hände von vorn herein unter dem Kinn des Pferdes 
erwarten (vgl. Nordfr. 66) und nicht eine Handbreit vor der Schnauze, so zeigt auch 
hier das Bohrloch am Widerrist deutlich genug, dafs der Zügel anders verlief; wir 
werden später sehen, wohin. 

Befremdend wäre weiter der abgewendete Kopf des Jünglings. Man sieht 
doch in der Regel nach der Richtung, wo man mit den Händen zu thun hat. Es 
ist nur ein Notbehelf, wenn man sagt, er sah sich vielleicht zufällig gerade einmal 
für einen Moment um, und Lob verdiente der Künstler nicht, der auf diese Weise 
beide Handlungen vereinigte und somit keine zum klaren Ausdruck bringt. 

Entscheidend aber sind die Hände, die freilich von den Zeichnern recht 
verschieden wiedergegeben sind. 

Carrey(?) (Laborde, Parthenon II //. IX; Omont, Äthenes au XVII siede) 
dreht beide völlig herum, als wenn sie das Pferd anfafsten. Pars (Stuart-Revett, 
Ant. of Athens IV. chap. 4 pl. XVI) vermeidet zwar diesen Fehler, giebt aber doch 
auch nur einen undeutlichen Stumpf. Im Museum Worsleyanum ist die Rechte nach 
dem Pferde, die Linke nach dem Reiter zu geöffnet. Nach Corbould (Anc. Marbles 
VIII pl. XXIII) ist der Daumen der Rechten dem Beschauer zugewendet, so dafs der 
Handrücken nach dem Pferde zeigt. 

Diese Auffassung ist einzig und allein richtig. Ja, man gewahrt sogar auf 
dem Elgin'schen Abgufs hinter dem Daumen noch die gekrümmten Finger der 
übrigen Hand. Für die L. ist die nämliche Haltung aus der Drehung des Unter- 
arms ersichtlich. 

So waren beide Hände vom Pferde ab- und 
dem Jüngling zugewendet. Es führt uns demnach 
die Stellung des Kopfes sowie die der Hände vom 
Pferde fort, was auch Hawkins schon richtig bemerkt 
hat (a. a. 0. /. 133). i>At first sight he appears to be 
putting on the bridle, and the position ofthe horses he ad 
seems to favour that idea; but we cannot reconcile the 
action of his hands with that supposition, nor do tve 
think the averted he ad suited to such an action, or 
that it is a Position, which the artist would have 
selected.^ Seinem Vorschlage freilich, dafs der Jüngling 
sich auf einen Speer gelehnt habe, kann ich nicht beipflichten. 

Was aber thut er dann? Die Antwort kann nicht schwer sein: nimmt man 
nur einmal die fragliche Stellung ein, so ergiebt sich, dafs er sich etwas um den 
Kopf band. 

Doch ist hier eine kleine Digression unumgänglich. Bekanntlich nahmen 
Chr. Petersen und Bötticher das Fehlen des Kopfschmuckes als. Hauptargument 
gegen die Deutung des Frieses als Panathenaeen-Festzug. Doch liefs sich schon 
Overbeck (Rh. M. XIV S. 198) trotz Petersen nicht davon abschrecken, hier ergänzend 
die Farbe eintreten zu lassen. Michaelis seinerseits betonte (Parthenon S. 207 f. 227) 




AA Passow, Zum Parthenonfriese. 



den idealen, kleinliche Genauigkeit durchaus verschmähenden Grundzug des Kunst- 
werkes und nimmt an, dafs wie in andern Fällen so auch beim Kopfschmuck nur 
gelegentlich angebrachte Kränze oder Binden den Beschauer darauf haben führen 
sollen, ihn bei den übrigen Figuren zu ergänzen. 

Gewifs eine feine Bemerkung; und doch vielleicht zu fein. Für die Thallophoren 
zumal (Südfr. XXXIV— VII. Nordfr.IX.X), für die Leitseile der Kühe (Südfr. XXXVIII— 
XLII. Nordfr. I— III), für die halben und ganzen Stäbe (Ostfr. 19 — 21), für all diejenigen 
Zügel endlich, bei denen die Bohrlöcher fehlen, möchte man denn doch wohl lieber 
die Hülfe der Malerei in Anspruch nehmen. 

So wird sie denn auch beim Kopfschmuck nicht gefehlt haben. Denn dafs 
er wirklich in ausgedehntem Mafse vorhanden war, ist ja schon längst als durch 
MichaeHs selber erwiesen anzusehen. Er constatiert zunächst (S. 208) eine Reihe 
von Bohrlöchern — aufser bei Apollon Ostfr. 39 — bei den Reitern Westfr. 2. Südfr. 35; 
ferner hat er (S. 240) einer Anregung Viscontis [Mem. 82) folgend diejenigen Figuren 
zusammengestellt, deren Handbewegung nur mit dem Festdrücken des Kopfschmuckes 
zu erklären ist: Westfr. 2. Südfr. 121. Nordfr. 38. 97? 125. 131? In der Einzelerklärung 
finden wir weiter notiert eine Binde oder schmales Band zu Südfr. 33. 35 (letzteres 
mit Löchern, vgl. oben) Nordfr. 38. 39. 97. 121. Ostfr. 42 (Eros). Stuart sah aufserdem 
Tänien (oder glaubte sie doch zu sehen) Nordfr. 13. 14. 45. 46. Ostfr. 18. 23. 26. 27. 
Kappen zeichnete er Ostfr. 24. 25. Die sind natürlich verkehrt; doch wird immerhin 
dadurch der vertiefte Streifen erwiesen, der für ein Band spricht. Eine Tänie 
giebt Cavedoni dem Kopfe Nordfr. 82 (indic. dei princ. mon. d. Cataio p. 51). 
Bei Poseidon endlich (Ostfr. 38) fiel Michaelis noch ein durch das Haar sich 
ziehender, vertiefter Streifen auf, der einst wohl als Tänie bemalt gewesen sei. Und 
diesen merkwürdigen Streifen bemerkt man auf den Gipsabgüssen noch öfter, besonders 
auffällig Westfr. 23. 24. So scheint mir weit durchgehender Kopfschmuck aus Metall 
oder Farbe erwiesen. Man mag sich die Enden lang herabhängend auf dem Grunde 
gemalt denken, so dafs sie wirkungsvoll den lebhaft bewegten Reitern nachfiatterten. 

Um solch eine Tänie handelt es sich auch hier. Wohl kennen wir den 
Diadumenos in einer andern Stellung: beide Arme bei gerader Kopfhaltung sym- 
metrisch zur Seite erhoben. Doch was für eine freie Figur geeignet war, braucht 
es nicht zugleich für die Reliefcomposition zu sein. Man vergleiche den bärtigen 
Mann Nordfr. 38. Fr.-W. 640, der seine Arme henkelartig absperrt, und man wird 
sehen, wie unschön eine solche Linienführung wirkt. ' Da war es ein glücklicher 
Einfall, ihm diese gefällige Seitenwendung zu geben. Wir haben es offenbar mit 
dem ersten Stadium des Umbindens zu thun: er legt eben die langgefafste Tänie, 
deren Mitte genau über der Mitte der Stirn sein mufste, messend an, um dann die 
gleichgemachten Enden nach abermaliger Umführung zum Knoten zu verschlingen*: 

*) Für die Länge vgl. aufser Gerhard IV. 34 u. 35 denn sie reicht von der Mitte des Oberarms, 

Jüthner, Jahresh. des Ost. Inst. I42. Ich würde sie um den sie gebunden ist, mit dem einen Ende 

besonders auf Grund der ebenda abgebildeten fast bis ans Knie, mit dem andern gar eine 

Münchener Hydria 377 gut auf 2 m. schätzen; Handbreit darunter. 



Passow, Zum Parthenonfriese. 



45 



Die Enden fielen lang herunter, wie die Löcher am linken Arm beweisen; ob die 
an der Hüfte etwa auch noch damit zu thun haben, möge offen bleiben. 

Man beachte nun, wie vortrefflich auch sachlich dieser Tänienbinder in 
den Zusammenhang des Westfrieses pafst, der bekanntlich Vorbereitungen zum 
Festzug in den verschiedensten Variationen enthält: da wirft sich einer die 
Chlamys um (Mich. 30. Fr.-W. 595), andre binden sich grade die Sandalen unter 
(Mich. 12. 29. Fr.-W. 605. 596); ihnen reiht sich als dritte Toilettenscene der Dia- 
dumenos an. 

Was aber wird aus dem Pferde, das nunmehr frei geworden, wenn der 
Jüngling es nicht hält? — Es würde, wenn es nicht gehalten wird, unfehlbar den 
andern folgen, welche schon in lebhafter Bewegung voraus sind. Und es wird ge- 
halten! Nicht, wie man vielleicht meinen könnte, von dem bärtigen Mann, etwa 
mit seiner r. Hand, die vom Pferdehals verdeckt ist. Wir finden zwar wenige 
Platten weiter (Mich. 15. Fr.-W. 603) einen ähnlichen Mann, der ein Pferd vorzuführen 
scheint ^ Indessen dürfte die allgemeine Auffassung, wonach er als Festordner gilt, 
die richtige sein. Das ganze Aufsere, sein weiter Mantel spricht dafür; er eilt mit 
weitausholenden Schritten an der stehenden Gruppe vorbei, sich somit aus diesem 
Zusammenhang lösend. E)ie ausgestreckte Rechte gab wohl nur die Richtung des 
Zuges an. So werden wir denn auf den hintenstehenden Knaben geführt. Seine 
linke Faust, die auf Elgins Gips noch vollständig erhalten ist, hielt zweifellos den 
Zügel; das Bohrloch am Widerrist des Pferdes führt genau zu diesem Punkte. 
So hat ihn auch Michaelis aufgefafst (S, 230: »der Bursche, der den Zügel in den 
Händen gehalten zu haben scheint«), dessen Freundlichkeit wir auch die Mitteilung 
verdanken, dafs im Original ein Bohrloch von oben in die Faust hinein ging. 
Wenn er sich a. a. O. immerhin nur mit einer gewissen Reserve dafür erklärte, 
so hat es wohl seinen Grund darin gehabt, dafs er den Jüngling vorn »noch 
mit dem Anschirren seines Rosses beschäftigt« glaubte, was freilich die Situation 
nicht eben klar erscheinen liefs. Wir geben ihm den Zügel ohne Reserve. In 
der Rechten bemerkt man eine rundlich-spitze Vertiefung; hier mag er die Peitsche 
gehalten haben. Der Stiel ragte unten hervor, das obere Ende war, wie so 
häufig, auf dem Grunde in Farbe angegeben (vgl. den Sonnenschirm des Eros 
Ostfr. 42, die beiden Stäbe ebda. 23. 27 und dazu Michaelis S. 227). Was die 
ungewöhnliche Länge des Zügels angeht, so darf uns das nicht befremden; sie 
waren eben bei den Griechen länger, als wir es gewohnt sind. Der Fries selber 
giebt die Belege dafür. Es begegnet uns auf der Nordseite (und zwar auf dieser 
allein) viermal das Motiv, dafs der Reiter mit der freien Hand spielend das Zügel- 
ende gefafst hielt: 88. 96. in. 118. Bei 88 äufsert es Michaelis als Vermutung, 
bei III mit Bestimmtheit, weil ein Bohrloch in der Hand ist. Aber auch bei 96 

^) Ich meine nämlich im Gegensatz zu Michaelis, (Fr.-W. 605) zuführt, der an den beiden Reitern vor- 

dafs nicht er der Reiter selber ist, sondern das über nach seinem bäumenden Pferde ausschaut. 

Pferd nur dem schönen Sandalenbinder No, 12 



46 



Passow, Zum Parthenonfriese. 



und ii8® kann — meiner Ansicht nach — die zierliche Haltung der gespitzten Finger 
garnicht anders aufgefafst werden. Nun ist aber bei iii und ii8 die Hand sehr weit 
zurückgestreckt, dafs dadurch ein aufsergewöhnlich langer Zügel erwiesen ist^ 
Einen Reiter in der fraglichen Haltung zeigt das Vasenbild Coli, jfatta, Ruvo n. 141 8 
(abgeb. Bidl. Nap. N. S. V. I, Reinach, Rep. d. vas. peints I 484 n. 74)- 

Die Situation ist so bis in jede Einzelheit klar: das temperamentvolle Pferd 
setzt, ungeduldig über seines Herrn Säumigkeit, zu lebhafter Bewegung mit den 
Hinterbeinen an, wird aber in diesem Streben durch den Zügel gehindert und erhebt, 
zurückgezogen, unmutig den Kopf. 

Auch möge man nicht einwenden, dafs die Darstellung dann doch der er- 
forderlichen Klarheit entbehre, da jedermann durch die eigentümliche Gruppierung 
darauf geführt werden müsse, zwischen Pferd und Jüngling einen directen Zu> 
sammenhang anzunehmen. Ergänzt man sich nämlich die Bronceteile in der 
gedachten Weise, so kommt meines Erachtens der Vorgang in unzweifelhafter 
Deutlichkeit zum Ausdruck, wie man aus der Abbildung Fig. 2 ersehen mag, die 
Herr Hartig, ein junger Maler, nach meinen Angaben angefertigt hat. 




Es fehlt auf dem Friese auch nicht an Parallelen zu unsrer Zügelhalter-Gruppe. 
Doch müssen sie freilich auch erst zurechtgerückt werden. 

Da ist zunächst Westfr. XII. 23, 24. Fr.-W. 599. Dort steht ein Pferd, das 
sich eben die Schnauze am Vorderbein reibt, — es mag sich eine Fliege vertreiben. 

«) Wenn Urlichs (Furtwängler-Urlichs , Denkmäler, 

Handausg. S. 47) meint, der Reiter schnalze mit 

den Fingern, so dürfte die Probe ergeben, dafs 

dies mit dem Zeigefinger doch schwerlich aus- 
führbar ist, 
') Keine Beweiskraft dagegen hat Xen. tt. Xt.-k. VI. 5 

To 8 aü EfA7rpo38ev (Jiaxpü) toT dycoyel TrpoWvTa 

otSaaxeiv ücprjyeTaOat töv itttiov . . Denn der äycuyeüs 

(Leitseil) ist mit der ifjvfa nicht zu verwechseln ; 

ihn brauchte man ausschliefslich zum Führen, 



niemals den Zügel, da die Pferde dadurch auf 
der einen Seite hartmäulig wurden (tt. \tztz. VI. 9). 
So sind denn auch die Darstellungen von ge- 
führten Pferden für die Länge des Zügels ohne 
Beweiskraft. Zusammengestellt findet man das 
Material hierfür bei Pernice, Griech. Pferde- 
geschirr (Berl. Winckelmannsprogr. 1896 S. 14) 
gelegentlich seiner Untersuchung über den Maul- 
korb der Pferde. 



Passow, Zum Partbenonfriese. 



47 



Neben ihm (vom Beschauer aus davor) steht der dazu gehörige Reiter; er hält in 
der linken Hand die Peitsche, deren unteres Ende aus Marmor gebildet ist, während 
zwei Löcher am Arm erkennen lassen, dafs das Oberende freiragend aus Bronze 
angefügt war, wie das Scepter des Zeus Ostfr. 30. Die rechte Hand war hoch er- 
hoben vorwärts gerichtet, wohl als Ausdruck lebhafter Unterhaltung; genau dieselbe 
Geste finden wir Ostfr. 47 wieder. Am Schwanzende des Pferdes steht ein müfsiger 
Knabe, welcher mit einer durchaus unverständlichen Bewegung den Zeigefinger der 
rechten Hand ausstreckt. Hawkins {Anc.Marbl. VIII. 155) meint, er sowie der vor dem 
Pferde stehende Jüngling 22 machten abfällige Bemerkungen über dasselbe, die von 
dem Besitzer mit erregter Drohgeberde zurückgewiesen würden; ja, er rechnet dem 
Tier eine Reihe von Schönheitsfehlern nach, die in der That gerechten Spott ver- 
dienten! Ich glaube, dafs eine einfachere Lösung auf der Hand liegt. Beobachtet 
man nämlich die Haltung der Hände bei den Reitern wie auch bei den Wagen- 
lenkern, so wird man bemerken, dafs der Zeigefinger überall mehr oder weniger 
gelockert dem von oben in die Hand hineingehenden Zügel folgte; besonders 
schlagend ist die Ähnlichkeit Südfr. 29. 35. 42. 43, wo wir genau demselben aus- 
gestreckten Zeigefinger begegnen. So dürfte denn auch hier die Handhaltung der 
Knaben aus der Zügelführung zu erklären sein. Von Bohrlöchern findet sich keine 
Spur, weder in der Hand noch am Pferdekopf selber; der Zügel war also in Farbe 
ausgedrückt, wie auch an den Wagen die Bohrlöcher häufig fehlen (Mich. S. 225). 
Ich denke ihn mir etwa am Knie des Pferdes oder auch an der Brust hervor- 
kommend, wie es bei der off"enbar momentanen Bewegung — man beachte die 
Mähne — nicht unmöglich ist. Da nun 
die Falten des 1. Armes und der stehen 
gebliebene Rest der Masse für diesen 
Arm die gleiche Haltung wie bei dem 
rechten erschHefsen lassen (vgl. Overbecks 
Abbildung, Gesch. d. Griech. Plastik^ 
Fig. 118,21), so hatHerrHartig den linken 
Zügel in die linke Hand gegeben (die 
Peitsche hat ja der Herr selber), während 
der andere Zügel über den Rücken des 
Pferdes herüberkommend in die rechte 
Hand liefe. Somit haben wir hier den 
zweiten Knaben als Zügelhalter (Fig. 3). 
Was den Jüngling 22 angeht, von 
dem Newton (Guide p. 50) meint, er 
scheine den Zügel zu halten, so hat er 
ofi"enbar garnichts mit diesem Pferde zu 

thun, da er aber durch seine Tracht als Reiter charakterisiert ist, so mag ihm eins 
der folgenden Platte gehören, wo neben zwei Pferden nur ein Jüngling erscheint. 
Der geneigte Kopf, die bequeme Haltung des Spielbeins läfst ihn als einen Wartenden 




48 



Passow, Zum Parthenonfriese. 



erscheinen. Der linke Ellenbogen ist auf die Hüfte gestützt; der rechte Unter- 
arm ist horizontal gebeugt, die Muskeln dieses ganzen Armes sind weich und los- 
gespannt; er ruht wie aufgelegt; die Hand hängt lässig gebreitet herab. Unter 
dem Handgelenk wird, von hinten herauskommend, die linke Faust sichtbar; in ihr 
befindet sich eine Rille von oben nach unten, mit einer kleinen Abweichung nach 
rechts, wie die genaue Nachprüfung ergeben hat, die auf meine Anfrage von Herrn 
Professor Wolters freundlichst vorgenommen ist. Da man dem Zuge dieser Rille folgend 
etwa 42 cm über der Unterkante der Friesplatte (den kleinen freien Raum unter dem 
ReHef mitgemessen) auf den Hals des Pferdes treffen würde, Ansatzspuren aber 
weder dort noch weiter unten vorhanden sind, so ist ein Stab, an den ich ursprüng- 
lich gedacht hatte, ausgeschlossen. Man wird sich den Jüngling daher, wie 23, mit 
einer Peitsche zu denken haben, die zu dem Reiter auch besser pafst. 

Wir kommen nun zur dritten Gruppe Nordfr. XLII. Fr.-W. 612. Auch diese 
mufs freiHch wieder erst getrennt und auf andere Weise verbunden werden. 




Fig. 4. 

Hier fällt neben dem Pferde stehend eine eng verbundene Gruppe ins Auge, 
die von dem Reiter mit seinem Knaben gebildet wird (Fig. 4); sie wirkt durchaus als ge- 
schlossenes Ganzes und zwingt förmlich zur engsten Verbindung. Man hat diese da- 
durch hergestellt, dafs man den Jungen seinem Herrn bei der Toilette behülflich sein 
läfst, sei es, dafs er ihm hinten den Chiton zurechtzupfe oder ihm etwa den Gürtel 
schliefse. So müssen es auch alle Zeichner aufgefafst haben, da sie sämtlich die 
Hand über die Contouren des Jünglings hineinschneiden lassen. In Wirklichkeit 
ist dem keineswegs so, die Hand setzt vielmehr klar und deutlich davor ab, freilich 
scharf davor. Aufserdem war sie geschlossen, und mit der Faust könnte er die 
geforderte Verrichtung nicht leisten. Wir finden für ihn eine andre Verwendung, 
wenn wir das Pferd beachten. Es ist das allerletzte an der ganzen Nordseite, alle 
andern sind in lebhafter Gangart voraus; man müfste auch hier, wie schon oben 
zu Westfr. III bemerkt war, erwarten, dafs es den andern nachstrebt. Hawkins, 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



49 



welcher annimmt, dafs es trotzdem ruhig stehen bleibt, findet dies Wohlverhalten 
bewundernswert {Anc. Marbl. VIII 128), Aber es wird gehalten, es ist so eng bei- 
gezäumt, dafs es mit dem Kinn sogar den Hals berührt. Der Jüngling ist mit beiden 
Händen beim Ordnen des Gewandes beschäftigt: er kann es nicht halten. Dagegen 
kommen wir, dem Bohrloch eine Handbreit unterm Widerriste folgend, auch hier 
wieder zu dem Knaben, der es hielt: auch er that Reiter-, keine Kammerdienste. 
So hätten wir in ihm den dritten Zügelhalter gewonnen. 

Hirschberg i. Schi. Wolfgang Passow. 



\>Jv_Aju ^ ^&^^vN>>xft^ Y^^,^JL O-^yJuUA 



GEOMETRISCHE VASEN AUS 
GRIECHENLAND. 

(Schlufs.) ' 

Von der mykenischen Kunst beeinflufste geometrische Vasen 
aus Attika und anderen Gegenden. 
Dafs die mykenische Kultur in Attika und an anderen Orten mit einem 
Schlage vernichtet worden sei, glaubt wohl jetzt niemand mehr. Vielmehr ist an- 
zunehmen, dafs das mykenische Kunsthandwerk sowohl auf dem Festlande wie auf 
den Inseln einen Einflufs auf die Decoration der geometrischen Vasen ausgeübt hat. 
Zwar scheint der geometrische Stil in Hellas selbständig und autochthon gewesen 
zu sein, wie ich in meinem Aufsatz 'Aphidna in Nordattika' (Athen. Mittheil. 1896 
S. 3856".) vermutet habe. Dies scheint aber nicht auszuschliefsen, dafs jnehrere 
geometrische Decorationsmotive aus der mykenischen Ornamentik herübergenommen 
sind. Athen. Mittheil. 1897 S. 233 ff. ist ein mykenischer Einflufs auf die Decoration 
der Vasen von den Inseln, besonders Kreta, nachgewiesen worden. Die im Herbst 
1893 gemachten Grabfunde auf Salamis zeigen einen geometrischen Vasenstil, der 
sich direkt aus dem mykenischen entwickelt zu haben scheint. Leider ist die von 
Wolters versprochene Veröffentlichung dieser Funde noch nicht erfolgt. In der 
oben gegebenen Darstellung habe ich gelegentlich auf einzelne Elemente hingewiesen, 
die auf die mykenische Ornamentik zurückgehen. Es scheint mir jedoch angemessen, 
hier einige Gefäfse, deren Decoration nicht die gewöhnlichen geometrischen Elemente 
hat, sondern vielmehr der mykenischen Ornamentik näher steht, in einer besonderen 
Gruppe zusammenzufassen, 
l) Fig. 103. Athen, Nat.-Mus. (ohne Nummer, im Jahre 1895 in einem Magazin 

aufbewahrt), aus Attika. Heller gelblicher Thon, rotbrauner Firnis, H. 0,55. 

Dm. d. Mündung 0,17. Gr. Umf. 1,16. 

Was Thon und Firnis betrifft, gehört diese Vase zu den Dipylongefäfsen. 

Die Form, welche an die bei Furtwängler-Loeschcke, Myken. Vasen Taf. XVIII 

126 abgebildete attische Vase aus Haliki erinnert, bildet einen Übergang zu 

•) Vgl. Jahrbuch Bd. XIV (1899) S. 26 ff. 78 ff. 188 ff. 
Jnbrbuch des arcliUologischen Instituts XV. A 



50 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



den unter Attika I A abgebildeten Amphoren, nur ist der Bauch mehr 
kugelig und der Hals geht allmählich in den Rumpf über. Ganz mykenisch 
ist die Doppelspirale als Decoration. Jeder Henkel ist mit einem gemalten 
sog. Andreaskreuz versehen, wie es auf den Dipylonvasen häufig vorkommt. 





Fig. 104. 




Fig. 103. 



Fig. 105. 



2) Fig. 104. Athen, Nat.-Mus. Nr. 3758 (mykenischer Saal). H. 0,20. Dm. d. 

Mündung 0,08. Gr. Umf. 0,50. 

Gefunden von Stais bei Markopulo unter mykenischen Vasen. Hellgrauer 
Thon, schwarzbrauner Firnis. Der Firnis scheint von dem der zusammen 
gefundenen mykenischen Vasen verschieden zu sein. Der Form nach steht 
diese Vase der vorigen ziemlich nahe. 

3) Fig. 105. Athen, Nat.-Mus. 195, aus dem Kerameikos. Hellgelber Thon, gut 

geglättete Oberfläche, schwarzer Firnis. H. 0,33. Dm. d. Mündung 0,13. 
Gr. Umf. 0,71. 

Die Henkel sind drei, ein verticaler und zwei horizontale. Der Hals, der 
untere Teil des Gefäfses und ein breiter Streif oben am Bauche sind mit 
schwarzem Firnis ganz gefüllt. Die Ornamente sind auf die Schulter gemalt: 
es sind die in der mykenischen Kunst häufigen Halbkreise, die hier mit 
Cirkel aufgetragen sind, und zwischen ihnen sind oben blattartige Ver- 
zierungen. 

Diese Verzierungen, die grade an der Grenze zwischen Hals und Schulter 
sitzen, scheinen mir auf eine primitive Decorationsweise zurückzugehen, die 
wir schon an den alttroischen Gefäfsen beobachten können. Durch die 
neuesten Funde aus Troia ist dargelegt worden, dafs die ursprünglichen 
Gefäfsformen dem menschlichen Körper nachgebildet sind, und dafs unsere 
heutigen Benennungen der verschiedenen Theile des Vasenkörpers, Hals, 
Schulter und Bauch, auf ursprüngliche Thatsachen zurückgehen. Da die 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



51 



Sitte Hals und Brust zu schmücken in den ältesten Zeiten, wie heut zu Tage, 
üblich war, wird es uns nicht wundern, wenn auch die älteren Vasen, als 
Nachbildungen des menschlichen Körpers, grade an dieser Stelle solche Ver- 
zierungen tragen. Dasselbe läfst sich auch häufig an den kretischen Vasen 
mykenisch- geometrischer Gattung und ebenso an den rhodischen Vasen 
beobachten. 

4) Fig. 106. Athen, Nat.-Mus. 857, aus dem Kera- 

meikos. Heller gelblicher Thon, geglättete 
Oberfläche, dunkler glänzender Firnis. H. 0,42. 
Dm, d. Mündung 0,16. Gr. Umf. 0,96. Die 
Halbkreise auf der Schulter sind in der 
späteren mykenischen Kunst nicht selten. 
Auch die Wellen- oder Schlangenlinien 
zwischen den Henkeln haben Analogien auf 
den mykenischen Vasen, vgl. Furtwängler- 
Loeschcke, Myken. Vasen Taf. XXII 160, vgl. 
auch Taf. XX 143 und XXVIII 242. 

5) 6) 7) Zu derselben Gruppe gehören auch drei 

im Berliner Museum aufbewahrte Vasen aus 

Rhodos (Fig. 107). Wir finden an diesen 

dieselben einfachen an die mykenische Kunst 

sich anschliefsenden Ornamente, Schlangenlinien und flüchtig hergestellte 

Spiralen. Auch finden wir hier die primitive Verzierung oben an der Schulter, 

wovon oben die Rede war. 

Über das Alter dieser Vasen wissen wir nichts bestimmtes. Da sie von 




Fig. 106. 




Fig. 107. 



52 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



der mykenischen Ornamentik beeinflufst sind, könnte man vermuten, dafs sie 
in verhältnismäfsig alte Zeit zurückgehen. Wenn dem so ist, müssen sie sich 
lange erhalten haben, denn ein ähnliches, von Furtwängler veröffentlichtes 
Gefäfs (Arch. Jahrbuch 1886 S. 149) trägt eine griechische Inschrift — was 
jedenfalls auf jüngere Zeit hinweist. 

Zu demselben Übergangsstil scheinen auch folgende Gefäfse zu gehören. 

8) Fig. 108. Museum von Eleusis, nach Angabe des Herrn Philios aus Amorgos. 

Gelblicher Thon, ins Rötlich spielend, schwarzbrauner Firnis. H. 0,16. 
Dm. d. Mündung 0,07. 

Der Hals und der untere Teil des Gefäfses ist mit Firnis ganz überzogen. 
An der Schulter concentrische Halbkreise. 

9) Fig. 109. Museum von Eleusis, aus Eleusis. Gelbbrauner Thon, schwarzbrauner 

Firnis. H. 0,15. Dm. d. Mündung 0,07. 

Neben den concentrischen Halbkreisen erscheinen hier als Decoration 
auch Dreiecke mit Doppelschraffirung im Inneren. Vielleicht sind diese nur 
eine eckige Stilisirung der concentrischen Halbkreise. 
10) Fig. HO. Smyrna, Sammlung der EuctyYsXixT] ^//)Xr^ 951, aus Lemnos. 

Roter Thon, heller Überzug, schwarzer Firnis. Auf der in der Zeichnung 
sichtbaren Seite ein Ansatz, der nur von einem zweiten, damit verkoppelten 
Gefäfs herrühren kann (Zeichnung und Notiz von Alfr. Brückner). 



II 





Fig. 108. 



Fig. 109. 




Fig. 110. 



Fig. III. Berlin, Museum für Völkerkunde, Schliemannsammlung Nr. 8768, 
wahrscheinlich aus Argolis. 

Hellgelber, bräunlicher Thon, glänzend schwarzer Firnis. 
12) Fig. 112. Berlin, Museum für Völkerkunde, Schliemannsammlung Nr. 8767, 
wahrscheinlich aus Argolis. Gelbbrauner Thon nicht so hell wie bei dem 
vorigen Gefäfs, glänzend schwarzer Firnis. 

Vasen unbekannter Herkunft. 
i) Fig. 113. Athen, Nat.-Mus. 231. H. 0,255. Dm. d. Mündung 0,28. 

Sowohl an Form und Gröfse wie auch an dem Decorationsprincip stimmt 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



53 



diese Vase mit dem melischen Gefäfs im Athenischen Nationalmuseum Nr. 877 
(oben unter Melos Nr. 2) so sehr überein, dafs ich als Fundort Melos vermute. 
2) Fig. 1 14. Athen, Nat.-Mus. 897. Grauer, etwas ins braunrötlich spielender 
Thon, Dipylonfirnis. H. 0,51. Dm. d. Mündung 0,19. Gr. Umf. 0,90. 

Diese Vase, welche in der Form an die unter Attika I A aufgeführten 
Geföfse sehr erinnert, hat im Allgemeinen die gewöhnlichen Dipylonmotive. 





Fig. III. 



Fig. 112. 



Dem Dipylonstil fremd sind die beiden Streifen mit den laufenden Thieren 
— ein Motiv, das der mykenischen oder protokorinthischen Kunst entlehnt 
zu sein scheint. Trotzdem möchte ich mit Rücksicht auf die Form und den 
ornamentalen Stil das Gefäfs für attisch halten. 





F'g- 113- 



Fig. 114. 

3) Fig. 115. Athen, Nat.-Mus. 909. H. 0,16. Dm. d. Mündung 0,165. Das Gefäfs 
scheint nicht attisch zu sein. Wegen des wiederholten Motives der concen- 
trischen Kreise, das besonders in Boiotien heimisch ist, vermute ich, dafs 
es aus Boiotien stammt. 



54 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



4) Fig. 116. Athen, Nat.-Mus. 851. H. 0,10. Dm, d. Mündung 0,12. Die Gefäfs- 
form ist aus der mykenischen Keramik hergeleitet. Das zwischen den 
Henkeln befindliche Feld wird durch Gruppen von senkrechten Linien in drei 





Fig. 115. Fig. 116. 

Abschnitte geteilt. Im mittleren Feld sind zwei Mäanderhaken, die Felder 
rechts und links werden durch ein der protokorinthischen Ornamentik ent- 
lehntes Motiv ausgefüllt. 




Fig. 117. 





Fig. 118. 



Fig. 119. 



Fig. 120. 

5) Fig. 117. Athen, Nat.-Mus. 879. Rötlicher Thon. H. 0,14. Dm. d. Mündung 0,165. 
Die Form ist die der vorigen Vase. Die Decoration hat nichts, was 
gegen den attischen Ursprung sprechen könnte. 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 



55 




6) Fig. Il8. Athen, Nat.-Mus. 131. Der Thon ist bräunlicher wie der Dipylonthon, 

der Firnis stumpfer, wie der Dipylonfirnis. H. 0,21. Gr. Umf. 0,41. 

7) Fig. 119. Athen, Nat.-Mus. 132. Thon und Firnis wie am vorigen Gefäfs. 

H. 0,21. Gr. Umf. 0,45. 

8) Fig. 120. Athen, Nat.-Mus. 133. Thon und Firnis wie an den beiden nächst 

vorangehenden Gefafsen. H. 0,20. Gr. Umf 0,38. 

Diese drei Vasen scheinen aus derselben Fabrik hervorgegangen zu sein. 
Sie stehen den Gefafsen der vorhergehenden Gruppe am nächsten. Sowohl 
die SchlangenHnie zwischen den Henkeln von Nr. 7, wie das wiederholte 
protokorinthische Motiv an Nr. 8 sind Ornamente, welche für den eigentlichen 
Dipylonstil nicht gerade charakteristisch sind. Trotzdem könnten diese drei 
Geföfse attisch sein, wenn sie auchanThon 
und Firnis von den gewöhnlichen Dipylon- 
gefäfsen abweichen. 

9) Fig. 121. Athen, Nat.-Mus. 878. Schwarz- 

dipylonstil. 

Zwischen den Henkeln ist eine vier- 
eckige Fläche ausgespart. In dieser sind 
zwei parallel laufende Zickzacklinien 
gelamt. Das Gefäfs stammt wahrscheinlich ^'^* '^^" 

aus Attika. 

Schlufsbemerkungen, 
Wir haben nun die verschiedenen Gattungen des geometrischen Stiles in 
Griechenland kennen gelernt und haben gesehen, wie jede Landschaft oder Insel 
ihren einigermafsen eigentümlichen geometrischen Vasenstil gehabt hat. Meine 
Ansichten über den Ursprung des geometrischen Stils in Griechenland habe ich in 
dem Aufsatz »Aphidna in Nordattika« (Athen. Mittheil. 1896, S. 385 ff.) dargelegt. 
Der geometrische Stil ist danach in Griechenland uralt und hat sich dort schon in 
der vormykenischen Zeit entwickelt. Von der mykenischen, fremden Kunst in den 
Schatten gestellt, hat sich der geometrische Stil gegen das Ende der mykenischen 
Periode kräftig entwickelt in der Gestalt, die uns in den mit Firnis bemalten Dipylon- 
gefäfsen entgegentritt. Andererseits habe ich in einem anderen Aufsatz »Nachleben 
mykenischer Ornamentik« (Athen. Mittheil. 1897 S. 233 ff.) darauf hingewiesen, dafs 
ein Teil der geometrischen Ornamentik sich aus der mykenischen Kunst ent- 
wickelt hat. 

Im Betreff der Zeit des geometrischen Stiles wissen wir, dafs er später ist 
als die mykenische Epoche oder wenigstens in die letzten mykenischen Zeiten fällt, 
und dafs er älter ist als die frühattischen Vasen. Leider wissen wir aber nicht, 
wann die mykenische Epoche auf dem griechischen Festlande aufgehört hat. 
Nach dem Funde der bemalten Grabstele in Mykenai, die Tsuntas in der 'Ecpr^jA. 
otp/. 1896 Taf. I, 2 veröffentlicht hat, dürfen wir annehmen, dafs die mykenische Kunst 
auf dem Festlande länger gedauert hat, als man früher anzunehmen geneigt war. 



r5 Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 

In Folge des Mangels an Fundnotizen fehlt es uns an einem genügenden 
Anhalt, um den attisch geometrischen Stil, den Dipylonstil, chronologisch zu fixiren. 
Sehr beachtenswert ist indessen die Beobachtung von Furtwängler (Bronzen von 
Olympia S. 28). Die Stilisirung der Pferde und der Menschen auf den Dipylonvasen 
ist nämlich von den aus Bronzeblech gehämmerten Figuren abhängig, die in 
Olympia und an anderen Orten gefunden sind. Nach Furtwänglers Beobachtung 
fehlen jene gehämmerten Figuren in den Schichten unter dem Heraion in Olympia. 
Wir wissen freilich nicht, wann das Heraion gebaut wurde, aber Dörpfeld verlegt 
dessen Erbauung in das 11. oder 10. Jahrhundert v. Chr. Wenn dem so wäre, so 
würden die mit Figuren verzierten Dipylonvasen frühestens dem 9. Jahrhundert an- 
gehören und die mit nur linearen Elementen versehenen würden etwas höher in die 
Zeit heraufrücken. Allein auch diese Zeitbestimmung läfst vieles zu wünschen übrig. 
Indessen entsteht die Frage, ob der Dipylonstil wirklich so lange gedauert 
hat, wie man gewöhnlich vermutet. Riegl schreibt in seinem bekannten Buch 
»Stilfragen« S. 150 über den Dipylonstil: »Dieser Stil ist nicht der geometrische 
schlechtweg, kann auch keineswegs als Muster eines rein-geometrischen Stils gelten. 
Namentlich in Bezug auf die Gesamtdecoration fehlt ihm die Naivetät der primitiven 
Stile. Es ist etwas Raffinirtes in der Verteilung der Ornamente. Es herrscht zwar 
die elementare Einteilung in Streifen: also ein Schema, über welches die myke- 
nische Kunst weit hinausgekommen war. Aber die Abwechslung der Streifen nach 
der Breite, die hierbei beobachteten »tektonischen« Rücksichten, die Einfügung 
figürlicher Scenen, dies Alles verrät eine vorgeschrittenere, überlegtere Decorations- 
kunst, als wir sie in den rein geometrischen Stilen — den nordischen, den ältesten 
kyprischen, den amerikanischen, den polynesischen — anzutreffen gewöhnt sind. 
Der Dipylonstil läfst sich überhaupt nicht mit einer kurzen Formel abthun.« 
Diese Behauptung stimmt mit der Thatsache überein, dafs der Dipylonstil, d. h. der 
attisch geometrische Stil mit Firnismalerei, die letzte Stufe in der Entwicklung des 
seit Alters her in Griechenland einheimischen geometrischen Stils bildet. Riegl, 
der nach seinem Stilgefühl den Dipylonstil beurteilt, findet darin etwas Raffinirtes. 
Ein raffinirter Stil kann aber nicht sehr lange gedauert haben. 

Wir haben für Attika vier verschiedene Decorationsprincipien an den 
geometrischen Vasen kennen gelernt: 

I. Gefäfse (Amphoren), deren Körper fast vollständig mit Firnis bedeckt 

ist und deren einzige Decoration am Halse sitzt. 
II. Die Schwarzdipylonvasen, deren Körper zum gröfsten Teil mit Firnis 

überzogen ist, aber viel mehr decorirte Flächen hat, wie die Vasen 

der ersten Gruppe. 

III. Gefafse, die ganz oder gröfstenteils mit linearen Verzierungen (oder 
Figuren) bedeckt sind, welche in fortlaufenden horizontalen Streifen 
rings um das Gefäfs laufen. Horizontaldecoration. 

IV. Gefäfse, die ganz oder gröfstenteils mit linearen Verzierungen be- 
deckt sind, an denen aber die horizontalen Streifen durch verticale 



Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. c^ 



Trennungsglieder in metopenartige Felder geteilt sind. Vertical 
oder Metopendecoration. 

Man könnte leicht vermuten, dafs hier eine stilistische und geschichtliche 
Entwicklung vorläge. Die erste Gruppe hat sehr einfache und primitive Verzierungen. 
Etwas mehr entwickelt scheint die zweite Gruppe (Schwarzdipylon), In der dritten 
Gruppe streckt sich die Decoration über das ganze oder beinahe ganze Gefäfs und 
in der vierten Gruppe beginnt man, um die horizontalen Streifen zu beleben, sie in 
metopenartige Felder zu teilen. Das wäre ja eine anschauliche und verständliche 
historische Entwicklung. Leider stimmen die wenigen sicheren Fundnotizen, die 
wir besitzen und die von Stais' Ausgrabungen im Jahre 1891 stammen, mit dieser 
Theorie nicht überein. 

Oberhalb des Grabes III stand als Grabmal, a^aa lTn-ü[xßiov, das bei Brückner- 
Pernice, Athen. Mittheil. 1893 S. 92 abgebildete Gefäfs, das der Decoration nach 
zu der dritten Gruppe gehört. Dies Gefäfs kann nicht sehr lange nach dem Begräbnis 
errichtet worden sein. Im Grabe selbst befand sich unter den Beigaben das oben 
unter Attika Nr. 4 aufgeführte Gefäfs mit dem am Halse gemalten Vogel als einziger 
Verzierung. Dies Gefäfs gehört der ersten Gruppe an. Ferner wurde unter den 
Beigaben eine Büchse gefunden, deren Bauch durch verticale Abgrenzungen in 
metopenartige Felder geteilt ist. Dies Gefäfs gehört also zu der vierten Gruppe. 
Endlich wurde in demselben Grab eine Kanne gefunden, die oben unter Attika Nr. 43 
abgebildet ist und der Technik nach den Schwarzdipylonvasen (Gruppe 2) am nächsten 
steht. Wir finden also in diesem Grab Vasen zusammengestellt, die man, nach der 
Decoration zu urteilen, verschiedenen Zeiten zuschreiben möchte. So viel man 
weifs, war in diesem Brandgrab nur ein einzelner Mensch beerdigt. Die wenigen 
Beigaben, die dort gefunden sind, dürften nur einem Menschen gelten. Also ist 
die Vermutung ausgeschlossen, als wären die Beigaben zu verschiedenen Zeiten ins 
Grab gesetzt. Da dies Grab das einzige bei Stais' Ausgrabungen gefundene Brand- 
grab aus der Dipylonepoche war, dürften wohl die dazu gehörigen Vasen aus der 
späteren Dipylonzeit stammen. 

Zu demselben Ergebnis führt uns auch eine Betrachtung des Inhalts vom 
Grab XIII. Unter den Beigaben dieses Grabes war die oben unter Attika Nr. i 
abgebildete Amphora, die am Halse mit primitiven Verzierungen, am Bauche mit 
einfachen Firnisstreifen verziert ist und also der ersten Gruppe angehört. In dem- 
selben Grab befand sich auch eine Kanne (oben unter Attika Nr. 29 abgebildet) mit 
durchgeführter Metopeneinteilung, also der vierten Gruppe angehörig. In demselbefi 
Grab wurde endlich auch eine Büchse mit metopenartiger Decoration gefunden. 

Diese Thatsachen belehren uns, dafs die verschiedenen Gruppen des Dipylon- 
stiles in Attika etwa gleichzeitig nebeneinander bestanden haben, und wir dürfen 
daraus den Schlufs ziehen, dafs dieser Stil in Attika eine verhältnismäfsig kurze 
Dauer gehabt hat. 

Aus ästhetischem Gesichtspunkt lässt sich dies auch gut erklären. Betrachten 
wir genau die riesengrofsen Grabamphoren, in welchen man die höchste Entwicklung 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XV. ^ 



cg Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 

des Dipylonstiles sehen will, so werden wir finden, wie öde und einförmig die 
Decoration ist, und wie gering an Zahl die dort verwendeten linearen Ornamente 
sind. Fast scheint es, als hätte der Maler diesen Übelstand gefühlt und hätte ver- 
sucht, durch Verwendung von Mäandern in verschiedenen Spielarten die Abwechs- 
lung zu erreichen, welche den Decorationsmotiven fehlte. Ein Stil, der über einen 
so beschränkten Formenschatz verfügt, der Pflanzenmotive gar nicht und Tiermotive 
spärHch verwendet, kann sich auf die Dauer nicht vor Langweile schützen. Ein- 
förmigkeit und Langweile haben wahrscheinlich den Dipylonstil zu Grunde gerichtet. 
Jedenfalls war dieser verfeinerte Bauernstil nicht fähig, sich in Attika zu behaupten 
gegen die von Osten eindringende Ornamentik mit ihren Blüten, Ranken, Palmetten, 
Spiralen und fremden Tiergestalten. Der Dipylonstil ist zu Grunde gegangen in 
dem stets sich erneuernden Kampf zwischen dem Orient und dem Occident, als die 
vom Osten her kommende Ornamentik gegen das griechische Festland wiederum 
ihren Siegeslauf begann. 

Lund. Sam Wide. 



Archäologischer Anzeiger 1900. 







Ansicht der Ausgrabung. 




Plan der Ausgrabung. 



Die archaische Inschrift 



Zu S. I ff. 




Zwei Ansichten des Cippus. 

vom ~Forum Romanum. 



Die Inschrift. 



"'^^xx^:^^ , ^i^-^ 



DTE HELLENISTISCHEN BÜHNEN UND IHRE 

DECORATIONEN. 

i. 

Erste Abbildung einer tragischen Bühne. 

Die Madrider Assteasvase (Fig. i) stellt eine Bühne mit tragischer Scene 
dar. Einfache Interpretation ergiebt das; jetzt deutlicher, da die alte ungenaue 
Zeichnung nach einer Revision des Originals wenigstens in den Architekturtheilen 
berichtigt hier vorgelegt werden kann^. 

Die Umrahmung des Bildes dürfte einzig sein. Sie erinnert an die aedicidae, 
die oft in der Mitte apulischer Amphorengemälde des 4. Jahrhunderts erscheinen. 
Auf einer Stufe zwei schlanke ionische Säulen mit Architrav; über ihm geht zu- 
rück in die Tiefe des Bildes eine perspektivisch gezeichnete Balkendecke, die auf 
der Hinterwand ruht; diese aber ist ganz abweichend von jenen Kapellen als zwei- 
stöckige Säulenhalle gebildet. Innerhalb des so gebildeten, nur nach vorn in ganzer 
Breite geöffneten Gehäuses ist Herakles beim Kindermorde dargestellt. Seine Gattin 
entflieht seitlich zu einer Thür; in der oberen Gallerie der Hinterwand werden sicht- 
bar des Helden Mutter, Gefährte und die Mania. 

Also Theaterbühne mit tragischer Scene. Die Deutung bestätigt sich. 
Die Terrakotte der Sammlung Sant' Angelo (Fig. 2), nach Petersens sorgfältiger 
Untersuchung auch von DörpfeW als Nachbildung einer Bühne anerkannt, zeigt 
dieselbe zweistöckige Decorationswand ebenfalls allseitig eingerahmt. Nur die zwei 
überschlanken Säulen dort sind hier durch thurmartige schmale Flankenbauten 
ersetzt. Der zwischen diesen eingespannte Giebel schliefst die Rahmenarchitektur 
befriedigend ab. Die Madrider Zeichnung entbehrt des Giebels; aber die ganze 
tempelartige Construction scheint ihn zu fordern ^ 

Auffallend ähnlich, ja identisch ist die zweistöckige Säulendecoration der 
Terrakotte und der Vase. Je vier Säulen verschiedener Ordnung (bei Assteas, 
ionische und dorische, hier ionische und »korinthisirende«) stehen auf beiden Monu- 

das aber schon Philon von Byzanz construirt 
hatte, also sicher in hellenistischer Zeit üblich 
war: derö; TcpoaTtOeTat ohrr^ xaSairep Vi\ vais/qj 
Heren Ttspt a'jTOu.aT07:otrjTiX7i; 27. 3. Vgl. die 
Reconstruction dieses Automatentheaters von 
Querfurth (in der Ausgabe Herons von W. 
Schmidt S. 409) mit der Zeichnung des Assteas 
und des Terrakotte. 

6 



') Mein Basler College Herr Heinrich Wölflflin 
hatte die Güte, Ostern 1899 das Vasenbild in 
Madrid zu untersuchen und die Correcturen der 
Architekturtheile auf einer Bause einzutragen. 
Nach dieser ist die Abbildung i hergestellt. 

2) Athen. Mitth. XXIII 355. 

') Man darf wohl an das Automatentheater er- 
erinnern , das Heron um 50 n. Chr. beschrieb, 
Jahrbuch des Archäologischen Instituts 'XV. 



6o 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 



menten derartig übereinander, dafs die oberen über dem Intercolumnium der unteren 
schweben, je eine auf beiden Seiten, zwei in der Mitte*. 

Andrerseits hatte schon der erste Herausgeber Hirzel {Ann. d. Inst. XXXVI 
1863. S. 329) erkannt, dafs Assteas von einer Tragödie angeregt war. Freilich ist's 
nicht der Herakles des Euripides. Das Gemälde steht zu ihm vielmehr in dem- 




Fig. I. 

Vasenbild des Assteas in Madrid. 

Nach Baumeister, Deukm. d. kl. Alt. Fig. 732, verbessert nach Eevisiou von H. Wülfflin. 

selben Verhältnifs wie die Münchener Amphora aus Canosa^ zur euripidischen Medea; 
beide illustriren spätere von diesem Dichter abhängige Tragödien ^ Und wie jener 
Tarentiner Maler in die Mitte eines Medeabildes die entscheidende Scene, den Tod 
der Tochter Kreons, gesetzt hat, obgleich er sicher von einem Boten erzählt werden 
mufste, so hat auch Assteas den Kindermord in den Rahmen der Bühne hinein- 
gemalt, ob er ihn gleich doch auf der Bühne nicht gesehen haben konnte. Wie 
dort reichHch, sind hier wenigstens einzelne Spuren theatralischen Costüms: so 
der bunte senkrechte Streifen an den Chitonen der Megara und Alkmene, den noch 
die hellenistische Elfenbeinstatuette eines Tragöden zeigt'', so der groteske Helm 



^) Assteas hat flüchtig oder unbeholfen von den 
unteren Säulen nur eine gezeichnet. Die in 
Figur 5 gegebene Reconstruction ergiebt sich 
nothwendig, da nach Analogie aller antiken 
Scenenwände in ihrer Mitte eine breite Thür 
war, hier also keine Mittelsäule möglich ist. 

^) Arch. Ztg. 1847 Tf. 3 == Wien. Vorlegebl. Ser. I 
12 = Baumeister S. 903. 

') J. Vogel, Scenen eurip. Trg. auf Vasenb. 143 f., 
146, meine Prolegomena zur Gesch. d. Theaters 
148, und die Dissertation von Loeschckes Schüler 



Watzinger, de vasculis Tareniinis, Bonn 1899, 
S. 42ff. , der treffend die Unabhängigkeit der 
unteritalischen Theatervasen von attischer Malerei 
und attischer Bühne nachgewiesen hat. 
'') Aristophanes läfst 425 in den Acharnern den 
Camachos mit genau solchem Helme auftreten: 
er hat 3 Büsche (v. 1109) und 2 Federn (v. 1104 
vgl. V. 584). Den dreibuschigen Helm trug die 
Parthenos des Phidias, einzelne Federn als Helm- 
zier sind in unteritalischen Bildwerken häufig. 
Die Verbindung von Busch und Feder ist über- 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 



6i 



des Helden, der auf der attischen Bühne des ausgehenden fünften Jahrhunderts 
nachweisbar ist. 

So war denn längst erfüllt, was kaum Jemand erhofft: seit 36 Jahren war 
die Abbildung einer griechischen Tragödienbühne, von einem zeitge- 
nössischen Griechen gemalt, in aller Händen. 

Es gilt, von diesem uner- 
schütterlich festen Boden aus unsere 
Vorstellungen von der Geschichte 
der Bühne noch einmal zu prüfen. 

Zunächst werde ich die 
Decoration der Bühnenhinterwand 
durch eine mehrstöckige Säulen- 
architektur, wie sie im Gemälde des 
Assteas und an der Terrakotte er- 
scheint, verfolgen. Es wird sich 
zeigen, dafs sie im Westen und 
Osten seit der hellenistischen Zeit 
bis an's Ende der Antike die übliche 
war, natürHch allmählich aus- und um- 
gebildet. Weiter (III) ist zu unter- 
suchen, ob die Bühne des Assteas 
in der Form eines nach vorn ge- 
öffneten Gehäuses nicht auch schon 
seit dem 4. Jahrhundert allgemein 
angenommen war, wie sie in der 
Kaiserzeit sicher herrscht. Dann (IV) 
soll in möglichster Kürze die leidige 
Frage erörtert werden, ob diese 

Bühne hoch oder niedrig im hellenistischen Theater gestanden habe. Über Zeit und 
Ort ihrer Entstehung handelt der V. Abschnitt. Zum Schlufs (VI) einiges über den 
Spielplatz der antiken Oper. 

IL 
Bühnendecoration seit dem IV. Jahrhundert. 

Die Bühnendecoration römischer Kaiserzeit (Fig. 3) ist durch zahlreiche gut 
erhaltene Ruinen im Westen und Osten des Reiches wohl bekannt. Sie ist eine 
massive Architektur von zwei oder drei Stockwerken übereinander, jedes mit Säulen, 
Nischen, Statuen, ReHefs, Bildern geschmückt, durch starkes Aus- und Einspringen 




Fig. 2. 

Terrakotte S. Angelo (vgl. Fig. 8). 

Nach Köm. Mitth. Xll S. 140. 



ladener Prunk, wie ihn die tragische Bühne auch 
sonst nicht verschmäht hat. Denn Aristophanes 
hat sich den Spafs geijiacht, dem Lamachos den 
Theaterhelm des tragischen Helden aufzusetzen, 
wie ihn auf Assteas Bilde Herakles trägt. Parodie 



der Tragödie ist's auch wohl, wenn auf dem 
Phlyakenbilde des Britischen Museums IV F 269 
(Baumeister III S. 1752 fg., i828)'Ev'jcitXio; solchen 
Helm mit Busch und Feder trägt. 



62 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 



ZU effectvoUster Licht- und 
war also eine constante und 



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S- S- o* 



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Schattenwirkung barok ausgestattet. Die Decoration 
indifferente. Wann und wo ist sie aufgekommen? 

Schon im ersten Jahrhundert vor Chr. 
ist sie in Rom und in Kleinasien nachweisbar. 
58 V. Chr. hat der Aedil Aemilius Scaurus* 
in dem für seine Spiele aufgeschlagenen 
ungeheuren Theater die Scenenwand in 3 
Stockwerken mit 360 Säulen und 3000 Statuen 
geschmückt: sie wird weniger barok in den 
Einzelheiten gewesen sein als die erhaltenen 
Decorationen, aber die Anordnung ist die 
gleiche. 

Vielleicht um dieselbe Zeit, vielleicht 
schon früher hatte der Maler Apaturios von 
Alabanda^ für die Bemalung der Scene eines 
kleinen Theaters zu Tralles dasselbe System 
der mit Säulen, Nischen, Statuen ge- 
schmückten mehrstöckigen Fagade phan- 
tastisch umgestaltet: er ist Vorläufer oder 
Begründer jenes von Vitruv verurtheilten, in 
Pompeji zwischen 50 und 79 angewandten 
Decorationsstiles geworden, dessen Herkunft 
und Zusammenhang mit der Bühne auch 
damals noch den Malern bewufst war, wie 
Puchstein gezeigt hat'". 

Dasselbe System der Decoration der 
Bühnenwand beschreibt Vitruv V6, aber in 
einfachster Form; unentscheidbar, ob nach 
etwas antiquirter Vorlage oder im Bestreben, 

**) Plinius NH XXXVI 114 scaena ei triplex in altitudinem 
CCCLX columnarum . . . ima pars scaenae e marmore 
Juii, fnedia e vitro, summa e tabulis inauratis; columnae 
duodequadragenum pedum. signa aenea inter columnas 
fuerunt III numero. 
") Vitruv VII 5. 5 etenim etiam Trallibus cum Apaturius 
Alabandeus eleganti manu finxisset scaenam in minus- 
culo theatro , quod ixxXrjaictcJTi^piov apud eos vocitatur, 
in eaque fecisset columnas signa Centauros susiinen tes 
epistylia, tholorum rotunda tecta, fastigiorum pro- 
minentes versuras, coronasque capitibus leoninis ornatas . . 
praeterea supra eam nihilominus episcaenium, in quo 
tholi pronai semifastigia omnisque tecti varius picturis 
fuerat ornatus ... 
'0) Vgl. Puchsteins Vortrag am Bjerliner Winckelmanns- 
feste 1895. 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. ß-i 

nur die HauptHnien um so klarer anzugeben. Diese Auseinandersetzung findet 
sich im allgemeinen Theil: sie gilt also für das Theatrum Graecoi'um ebenso 
wie für das römische. »Die Länge der Bühne mufs doppelt so grofs werden 
als der Durchschnitt der Orchestra. Die Höhe des Säulenunterbaues von der Hori- 
zontale der Bühne an mufs mit Kranzgesims und Kehlleiste der zwölfte Theil des 
Orchesterdurchmessers sein. Über dem Unterbau die Säulen mit Capitellen und 
Basen so hoch wie der vierte Theil desselben Durchmessers. Die Epistylien und Orna- 
mente gleich dem fünfte Theil der Höhe dieser Säulen. Die Brüstung darüber mit 
Welle und Kranzgesims gleich der Hälfte des unteren Säulenunterbaues. Die Säulen 
über dieser Brüstung sollen um den vierten Theil geringere Höhe haben als die unteren. 
Die Epistylien und Ornamente gleich dem fünften Theil dieser Säulen. Ebenso wenn 
ein 3. Stockwerk werden soll, so sei die höchste Brüstung gleich der Hälfte der 
mittleren. Die obersten Säulen sollen um den vierten Theil weniger hoch sein als die 
mittleren. Die Epistylien mit den Kranzgesimsen sollen ebenso den fünften Theil der 
Höhe dieser Säulen haben.« 

Es bedarf nur der Aufforderung, diese Vorschriften mit den erhaltenen 
Scenenwänden römischer Kaiserzeit (Fig. 3) einerseits, andererseits mit der Terrakotte 
Sant' Angelo (Fig. 2) und der Madrider Vase (Fig. i) zu vergleichen, um Jeden zu 
überzeugen, dafs sie alle das Schema der von Vitruv beschriebenen Decoration zeigen. 
Die Terrakotte wird von Reisch dem 2. oder i. vorchristlichen Jahrhundert zuge 
wiesen; Assteas hat sicher im 4. gemalt '\ Seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. 
ist also die Ausstattung der Bühnenhinterwand mit einer mehrstöckigen 
Säulenarchitektur trotz mancher Wechsel in Stil und Anordnung die 
gleiche geblieben bis in die Kaiserzeit. 

Dies Resultat stimmt gut zu der Thatsache, dafs Tragödie und Komödie 
zu derselben Zeit ihre letzte feste Form gefunden haben. 

Dies mehrstöckige Decorationssystem der Scene ist, wie bekannt, in der 
Kaiserzeit durch das ganze Reich verbreitet; im südlichen Kleinasien stehen solche 
Schmuckwände aus frühester Kaiserzeit noch aufrecht''. Schon diese Thatsache 
macht es höchst unwahrscheinlich, dafs es dahin aus Rom importirt sei, da doch 
Rom die höhere Cultur von Osten, zumal aus Kleinasien erhält. Es war vielmehr 
nachweisbar schon lange dort einheimisch. Denn da es zu Tralles bereits im letzten 
vorchristlichen Jahrhundert von einem kleinasiatischen Künstler geistvoll phantastisch 
umgebildet wurde, so ist es als absolut sichere Thatsache zu betrachten, 
dafs seine einfache Form damals dort schon langweilig, also seit beträchtlicher 
Zeit und allgemein verbreitet war. Mit gutem Recht darf es daher auch für 
den Osten'* in der hellenistischen Zeit, ja wohl schon im 4. Jahrhundert angenommen 

") ^S^- Robert in Pauly-Wissowa's Realencyclo- werden, da es in der von Heron beschriebenen 

pädie. Form {Heronis op. I p. 409 ff. ed. W. Schmidt, 

'2) S. Lanckoro6ski, Städte Pamphyliens und Lpzg. 1899), wie er selbst sagt, schon von Philon 

Pisidiens. von Byzanz oder noch früher, sicher in helle- 

'3) Auch das Automatentheater darf angeführt nistischer Zeit hergestellt war. Denn ohne das 



64 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 



werden, für das es im griechischen Italien durch Assteas bezeugt ist. Mir ist kein 
Beispiel dafür bekannt, dafs in dieser Zeit der Westen auf irgend einem Gebiete 
den Ton angegeben habe. Weiter ist der Schlufs unumgänglich, dafs sich auch 
Hellas desselben Decorationssystems damals bedient habe, zwischen beiden gelegen, 
das Mutterland auch des Dramas und Theaters. 

Örtlich verschiedene Entwicklung des griechischen Dramas und seiner Bühne 
— mit Ausnahme der alten localen Posse — giebt es seit dem fünften Jahrhundert nicht. 
Denn allein in Athen geschaffen und dauernd weiter gebildet hat sich das Kunst- 
drama und seine Scene von diesem einen Punkte aus verbreitet zum Allgemein- 
besitz aller Griechen. Die unteritalischen Theaterscenen zeigen die Abhängigkeit 
von der attischen Tragödie des fünften Jahrhunderts so stark, dafs man sie auf diese 
beziehen konnte'*. Euripides und Menander sind in den Repertoirs aller Griechen- 
theater und der Römer und Parther gleichermafsen anzutreffen. Die hin und her 
wandernden, eifersüchtig concurrirenden dionysischen Techniten haben früh durch 
ihre Vereine die scenischen Spiele monopolisirt. 

Die Programme, die Stücke, Theater, Bühnen sind in allen Culturstaaten des 
vierten und der hellenistischen Jahrhunderte so ähnlich, ja gleich gewesen, wie heute in 
Deutschland, Frankreich, England, Italien, Amerika nicht nur die aufgeführten Dramen 
dieselben oder gleichartige sind, sondern auch Bühnen und Theater. Für das 
Kunstdrama jener Zeit darf mit Sicherheit behauptet werden: in einer Bühne kennen 
wir alle, — natürlich nur in den Grundzügen, die Ausgestaltung variirt. 

Mit andern Worten: die Decorirung der Bühnenhinterwand durch eine 
mehrstöckige Säulenhalle war seit dem vierten Jahrhundert bei allen Griechen üblich. 
In Italien und Kleinasien sind die Beweise erbracht; Bestätigung für Hellas geben 
die Rechnungen über den Theaterbau zu Delos'\ Nach Homolle's Vorgang ist 
schon mehrfach der evidente Schlufs gezogen und gebührend hervorgehoben, dafs 
diese Scene drei Stockwerke hatte und von ebenso hohen Paraskenien flankirt war. 
Sie war also ebenso angelegt wie die von Assteas gemalte zweistöckige Bühne. 
Die delische Scene nebst Paraskenien, sonst fertig gestellt, bemalen zu lassen 
{'(pd<yxi Tot? csy.r^A<; xai xa rapctaxr^via), hat man im Jahre 276 v. Chr. nicht weniger als 
2500 Drachmen gezahlt: eine riesige Summe im Vergleich zu den 6 Drachmen 
2 Obolen, die 282 für 4 Ttivaxe; ek xo 7:poax7]viov bezahlt sind. Man darf vermuten, 
dafs es sich um eine künstlerische Leistung bei der Decorationsmalerei handelte, 
wie denn auch für diese zwei andere Männer genannt sind, als die Handwerker, die 



Vorbild der grofsen Bühne wird man es 
schwerlich denken können. 

^■*) S. oben Anmerkung 6. 

'^) Die Rechnungen über den deliscben Theaterbau 
sind zusammengestellt und richtig verwerthet 
von Homolle Bul/. de Corr. hellen. XYlll 162 ff. 
Vgl. meine Prolegomena z. Gesch. d. Theaters 
234 ff. Werthvoll sind die uns leider nur in 
Auszügen (Wochenschrift f. kl. Philologie 1896 



No. II und 1897 No. 39, 1898 No. 9 und 20) 
zugänglichen Abhandlungen von Fr. Groh: 
Progr. des böhm. Obergymnasiums zu Prag 1895, 
und in Listy filologicke XXIV (1897) S. 241 ff. 
und 321 ff., der mit selbständigem Urtheil und 
scharf gedachten Beweisen die Verwendung des 
hohen hellenistischen Proskenions gegen Dörpfeld 
verficht. 



Bethe, Die hellenistischen Buhnen und ihre Decorationen. 



65 



die Pinakes bemalt hatten. Und zweifellos war dieser prächtige Bühnenschmuck 
nicht für ein Stück gemacht, sondern sollte den dauernden Hintergrund bilden 
ebenso wie die Scenenwand römischer Kaiserzeit. 

So ist in Italien, Kleinasien, Griechenland die mehrstöckige Säulenhalle als 
übliche und allgemeine Decoration der Bühnenhinterwand für die hellenistische 
Zeit sicher'® und es ist nachgewiesen, dafs die massive Prachtdecoration der 
römischen Kaiserbühne nichts ist als die baroke Ausgestaltung des hellenisti- 
schen Baues. 



i 



m'i^/yyAy//yAmyyj^y/y^yy/yy//'y/y'//^^ ^^^^ 




Fig. 4. 

Grundrifs der Bühne des grofsen Theaters in Pompeji. 

Nach Overbeck-Mau, Pompeji S. 166 Fig. 91. 



S^ 



. ^ -^ . 



Fig. 5. 

Bühnengrundrifs nach der Madrider Vase des Assteas (Fig. i) reconstruirt. 

Die Säulen des zweiten Bühnenstockwerks sind schrafflrt. An der Vorderseite gestrichelt ist das Säulenproskenion 

nuter der Bühne (vgl. Fig. 9 10. 11. 12) eingezeichnet. 



'^) Die Theaterreliefs der Campana-Art (Dörpfeld- 
Reisch S. 330 Fig. 83) und das Neapler Comödien- 
relief (D-R. S. 327 Fig. 81) stellen das unterste 
Stockwerk dieser Bühnendecoration dar, nicht 
wie Dörpfeld und Reisch meinten, die Säulen 
eines hellenistischen Proskenions: das ist durch 
die Doppelsäulen, ihre Verkröpfung, vor allem 



durch die Giebel, Vasen, Statuetten über dem 
Architrav gänzlich ausgeschlossen (vgl. meine 
Ausführungen Herrn. XXXIII 321). Wenn Reisch 
für die Campanareliefs etwa augusteischer Zeit 
ältere Vorbilder annimmt und das Neapler sogar 
hellenistischer Zeit, mit Reserve dem 3. Jahr- 
hundert zuschreibt, so fügen sich diese Datirungen 



56 Bethc, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 

III. 

Die geschlossene Bühne im hellenistischen Theater. 

Die seit dem vierten Jahrhundert nachgewiesene mehrstöckige Hallendecoration 
bildet in der Kaiserzeit die Hinterwand einer auf allen Seiten geschlossenen, nur 
vorn geöffneten Bühne (Fig. 3). Es ist dies ihre in das moderne Theater über- 
nommene Form. Sollte sie nicht ebenso alt sein wie ihr hinterer decorirender Ab- 
schlufs? Die Assteasvase überhebt uns vager Vermuthungen. Sie zeigt dasselbe 
Decorationssystem wie die Kaiserzeit, sie zeigt die gleiche Bühnenform, ein nur 
vorn geöffnetes Gehäuse (Fig. i); auch springt der Fufsboden hier wie da nicht über 
die Seitenwände nach vorn hinaus, so dafs also die Schauspieler nur innerhalb des 
Schaukastens, genau wie auf der modernen Bühne auftreten und agiren konnten. 
Figur 4 und 5 machen die Identität der Bühnen des Assteas und der Kaiserzeit 
im Grundrifs deutlich. 

Die moderne Bühne reicht also bis ins vierte Jahrhundert vor Chr. 
zurück. Darüber ist kein Wort weiter zu verlieren: Jeder sieht es. Auch darüber 
kann bei Vorurtheilslosen nach den vorgelegten Monumenten und Erwägungen 
(S. 63) ein Zweifel nicht mehr bestehen, dafs auf eben dieser modernen Bühnenform 
in allen griechischen Theatern seit derselben Zeit gespielt wurde; nur Lokalpossen 
machen eine Ausnahme, weil sie das Alte zäher bewahren. Aus hellenistischer Zeit 
und zwar aus dem Osten haben wir für diese moderne Bühnenform ein Beispiel an 
dem Automatentheater, das schon älter ist als Philo von Byzanz. Es ist nur im 
Kasten denkbar, der vorn geöffnet wird. Aber natürlich folgt das Puppenspiel dem 
Menschenspiel und selbstverständlich brauchte der Byzantiner das Vorbild nicht 
aus dem damals barbarischen Italien zu holen: er ahmt — Heron befolgt seine 
Vorschriften über die Anlage — in seinem naiskosförmigen Puppentheater die ge- 
schlossene Bühne der grofsen Theater nach. Wer weitere Beweise wünscht, findet 
sie in den folgenden Abschnitten. 

Diese Bühne ist durch ihre allseitige Umrahmung ganz abgeschlossen, eine 
W^elt für sich, losgelöst von Ort und Zeit. Nur mit Auge und Ohr des PubHkums 
steht sie in Verbindung, selbst unnahbar, unzugänglich. Wer sie erfand, hat diese 
Wirkung erzielen wollen. Assteas hat sie empfunden, wie jedes Kind sie auch heute 
empfindet, und unter diesem Eindruck hat er das Schrecklichste aus einer Tragödie 
vom rasenden Herakles im Bühnenrahmen gemalt. 

Merkwürdiger Weise ist trotzdem zur Kaiserzeit zunächst im lateinischen 
Culturgebiete, später auch vereinzelt im Osten diese Bühne durch ein oder zwei 
Treppen an der Vorderwand des Podiums mit den Zuschauern verbunden, deren 
Honoratioren hier in der Orchestra fafsen. Diese Treppen wurden benutzt: so 
schritt an den Triumphspielen Cäsars D, Laberius nach der Aufführung seines 
Mimus diese Stufen hinab, um einen Platz unter den Rittern gemäfs der ihm eben 

gut in die Entwickelung ein, die oben durch sicher fixirte und sicher gedeutete Monumente 

aufgezeigt ist. 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 



67 



verliehenen Würde einzunehmen, ebenso Nero "^ ; auch die Theaterpolizei soll sie ge- 
legentlich beschritten haben. Durch diese Verbindung zwischen Schein und Wirk- 
Hchkeit wird der schöne Gedanke des Erfinders der geschlossenen Bühne zerstört: 
wir sehen römische Barbarei — nicht schlimmer und nicht besser als die hie und 
da bis fast in unser Jahrhundert geübte Unsitte, dafs bevorzugte Zuschauer auf der 
Bühne bei den Spielern safsen. Die vordere Treppe gehört also nicht zu der ge- 
schlossenen Bühne. Assteas giebt auch in der That noch keine Spur von ihr. 




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Fig. 6. 
Grundrifs der Phyakenbühne nach der Vase von Lentini reconstruirt. 

Andrerseits ist das niedrige (^ 
römische Pulpitum mit Treppchen 
an der Vorderseite als die uralte 
süditalische Possenbühne erkannt 
und auf den Phlyakenvasen oft 
dargestellt^*. An der Chironvase'^ 
sehen wir den Zweck der Treppe: 

sie dient den Schauspielern als Zugang zu ihrer Bühne. Diese selbst aber ist nichts 
als ein erhöhter Bretterboden, der vor einer Hinterwand ganz frei ohne Seitenwände 
vorspringt. Figur 6 zeigt den Grundrifs der Phlyakenbühne. Sie ist, wie die 
Shakespearesche, eine mitten in die Zuschauer hineingeschobene, über sie erhöhte 
freie Estrade; dagegen die hellenistische ein gegen das Publikum vollkommen ab- 
geschlossenes Gehäuse in der Form des Naiskos, das, wie die attischen Grabmäler 



Fig. 8. 

Buhnengrundrifs nach der Terrakotte S. Angelo (Fig. 2). 

Nach Rom. Mitth. XII S. 140. 



'^) Sueton Divus Julius c. 39, Nero c. 12. 

'*) Diese von mir Prolegomena S. 293ff. dargelegte 
Entwickelung zu vertheidigen, habe ich keine 
Veranlassung, da auch nicht ein schwacher 
Versuch der Widerlegung gemacht ist. Hier ist 
anschauliche, dem Gange der Cultur ent- 



sprechende, durch Monumente und Litteratur 
belegte historische Entwickelung — davor ver- 
schwindet graue Theorie. 
1^) Abgebildet bei Dörpfeld-Reisch Figur 77 S. 322 
= Baumeister II Figur 963 S. 820. 



68 



Bethe , Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 



vierten Jahrhunderts und die ähnlichen architektonischen Rahmen des Quattrocento 
ein Gemälde oder Relief, die Schauspieler vor der Decoration agirend fest um- 
rahmt und abgesondert bildmäfsig darbot. 

Die Römer haben die früh aufgenommene niedere, von vorn auf einigen 
Stufen zugängliche, ganz offene Phlyakenbühne mit der völlig geschlossenen 
hellenistischen Bühne äufserlich und verständnislos verbunden. Das entspricht dem 
Gange der Geschichte: auf locale italische Erzeugnisse wird das allgemein- 
hellenistische aufgesetzt. Zwei glücklich erhaltene Monumente italischer Kunst 
zeigen uns, wie das allmählich geworden ist. Eine Imitation der hellenistischen 
Hallendecoration sehen wir nämlich wenigstens in einem Stockwerke und ohne 
Rahmenarchitektur auf die gewöhnliche niedere Possenbühne gesetzt schon in dem 
als Figur 7 abgebildeten Gemälde des Phlyakenkraters von Lentini. Die ausgebildete 




Fig. 7. 

Phlyakenkrater aus Lentini. 
Nach Jahrbuch Bd. I S. 279. 

mehrstöckige Halle mit flankirender Architektur und Giebelabschlufs auf einer 
schwerlich höheren Bühne, die wie die Phlyakengerüste vorn mit Kränzen (?) ge- 
schmückt ist, zeigt die Terrakotte Sant' Angelo (Fig. 2). In der That stellt sie — 
darin hat Dörpfeld Recht — die localitalische Bühne dar: denn sie springt vor der 
hellenistischen Hinterwand als ein auf drei Seiten freies Pulpitum vor. Der hier als 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 5q 

Figur 8 nach Petersens Zeichnung wiederholte Grundrifs des kleinen Thonwerkes 
zeigt das noch deutlicher als seine Ansicht (Fig. 2) und überzeugt unmittelbar durch 
Vergleichung mit dem Grundrifs der Phlyakenbühne (Fig. 6) einerseits und den Grund- 
rissen der römischen (Fig. 4) und der Assteas-Bühne (Fig. 5) andrerseits, dafs die in 
der Terrakotte nachgebildete Bühne die der hellenistischen und römischen Bühne 
eigenthümlichen, bis an den vordersten Rand des Podiums vorstofsenden Seitenwände 
nicht hatte. Wenn ihr die vordere Treppe der Phlyakenbühne fehlt, ist das wohl 
weniger Zufall, sondern zeigt eher, dafs die Campaner zu dieser Zeit, d. h. »im 
zweiten oder ersten Jahrhundert v. Chr.« richtiger als die Römer, diese unnöthige, 
ja störende sichtbare Verbindung zwischen Bühne und Publikum nach Annahme der 
hellenistischen Decoration aufgegeben hatten. 

So scheint mir die Entwickelung der Bühne auf italischem Boden klargestellt; 
wichtiger noch ist die Erkenntnifs, dafs das noch heute benutzte fest umrahmte 
geschlossene Bühnengehäuse der Kaiserzeit schon dem griechischen Theater des 
vierten Jahrhunderts eignet. 

IV. 

Lage der hellenistischen Bühne. 
An welcher Stelle des Theaters hat nun diese moderne, bis auf die Vorder- 
seite geschlossene Bühne mit ihrer mehrstöckigen Hallendecoration als Spielhinter- 
grund gestanden, wie sie seit dem vierten Jahrhundert v. Chr. unter den Griechen all- 
gemein war? Wir sehen sie noch heute in hochragenden Ruinen in der prächtigen 
Ausgestaltung der Kaiserzeit. Sie steht stets und ausnahmslos über die Orchestra 
erhoben, im Westen '^^ auf dem 5' niedrigen römischen Pulpitum, in Kleinasien" 
auf einem 8 — 10' hohen Podium. Dafs also die identische, nur einfacher decorirte 
Bühne der hellenistischen Zeit einen entsprechenden Standort eingenommen, also 
auf dem 8V^ bis höchstens 12' hohen, mit Säulen und Pinakes geschmückten 
Proskenion gestanden habe, das ist ein Schlufs, der sich von selbst ergiebt. Und 
weil er aus gesicherten Prämissen geflossen ist, stimmt er ohne Deuteln, ohne 
Biegen und Brechen mit den schriftlichen Zeugnissen überein: da oben auf dem 
Proskenion der Schauplatz (axriVTJ, lo'ieXov genannt) liegt, so heifst bei PoUux die 
unter ihr befindliche, von ihm gut und ohne Möglichkeit eines Irrthums beschriebene 
Säulenwand *^ uttooxt^viov und Vitruv^^ sagt mit dürren Worten, dafs im Theatrum 

20) z. B. Pompei: Overbeck-Mau S. i54ff., Pläne ^2) pdlux IV 124 xö II Onoaxi^vtov -/{oat xai dyaX- 
S. 157, 166, Reconstruction 170. — Faleria (j-aTtots ixexdaixTjxo 7:p6« xö ö^axpov xexpa[i.[i.ävo[«, 
Mon. d. Inst. 1839 Tfl. i = Wieseler Theater u;r6 xö Xoyetov zeiV-evov. 

u. Bühnend. II 15. — Orange: Wieseler Theater 23) vitruv V 7. 2 habent Graeci scaenam recessiorem 

u. Bühnend. II 19, Reconstruction nach Caristie minoreque latitudine pulpitum, quod Xoyeiov appel- 

bei Baumeister Denkm. Tfl. 68. lant, ideo quod eo se tragici (eos tr.: HG, eo 

21) Vgl. Dörpfeld, Athen. Mitth. XXII 443. 5. str.: S) et comici actores in scaena peragunt, re- 
z. B. Termessos : Lanckoroiisky, Städte Pamphyl. liqui autem artifices suas per orchestram praestant 
u. Pisidiens II Tfl. 11. — Aspendos: a. a. O. I actiones itaque ex eo scaenici et thymelici graece 
Tfl. 22. — Aizani: Baumeister Denkm. Tfl. 67. separatim nominantur. eius logei altitudo non minus 
— Priene: Athen. Mitth. XXIII Tfl. 11. debet esse pedum X, non plus XII. — Wie soll dies 



70 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 



Graecorum — nicht Asianorum — die Bühnenkünstler [scaenici artifices im Gegen- 
satz zu den thymelici in der Orchestra) auf einer höheren und schmaleren Bühne 
[scaena, Xo-j-siov genannt) spielten, als die römische war^\ 

Giebt es denn überhaupt eine andere Möglichkeit, die mehrstöckige Hallen- 
decoration im hellenistischen Theater unterzubringen? Ich sehe keine. Das Säulen- 
proskenion ist mit ihr nicht zu identificiren, denn es hat überall und stets nur ein 
einziges Stockwerk. Dörpfeld selbst hat festgestellt, dafs der obere Abschlufs keiner- 
lei Oberbau getragen hat. Er hat weiter an den Ruinen bewiesen, dafs das Proskenion 
vielmehr durch eine horizontale Balkendecke ^^ die auch er als Bühne — wenigstens 
für einzelne Fälle — gelten läfst^^ mit der 2,50 — 3 m zurückliegenden Scenenwand ver- 
bunden war, die selbst aber wie in Oropos so überall in ein oder mehreren Stockwerken 
höher aufstieg^'. Es kann nun nicht Dörpfelds Hypothese, dies Säulenproskenion sei 
der Spielhintergrund für dramatische Aufführungen gewesen, dadurch gerettet werden, 
dafs man das Proskenion als unterstes, die Decoration der höheren 2,50 — 3 m zurück- 




Fig. 9. 

Bühnengrundrifs der Skene von Sekyon. 

Nach DörpfeldKeisch, Das griech. Theater Fig. 46. 

Nur die schrafflrten Thüren sind ergänzt für das dargestellte Stockwerk über dem Proskenion. 

liegenden Scenenwand als die oberen Stockwerke der nachgewiesenen Hallendeco- 
ration erklärt: denn die Terrakotte von S. Angelo und die Madrider Vase zeigen so 
wenig wie die römischen Bühnenarchitekturen die leiseste Spur einer Estrade über dem 
unteren Stocke, sondern sie alle steigen senkrecht auf. So durchschlagend wie diese 
Beobachtung, so einleuchtend ist der auf der Hand liegende Schlufs: eben die von 
Dörpfeld nachgewiesene über und hinter dem Proskenion um eine oder mehrere 
Stockwerke ansteigende Scenenwand hat die von Assteas gemalte mehrstöckige 
Hallendecoration getragen. 

Diese mehrstöckige Säulendecoration steht aber nicht allein, sondern ist seit 
dem vierten Jahrhundert mit der seitlich und oben geschlossenen, architektonisch um- 



auf das »kleinasiatische Theater« passen, dessen 
Bühne nicht schmal ist und in dessen Orchestra 
die thymelici nicht spielen konnten (vgl. Cp. VI 
Anmk. 41)? 
■') Ich kann mir nicht versagen, die hübsche Be- 
merkung von Groh (Wochenschr. f. kl. Philol. 



alle Späteren von oxt] voypacpt'a reden, aber 
Niemand von Ttpoaxrjvoypa'ffa, vi^as man doch 
nach Dörpfelds Theorie erwarten müfste. 

-=') Dörpfeld-Reisch, Das Dionysos-Theater S. 104, 
128 u. s. w. 

26) Dörpfeld-Reisch S. 383. 



1896 Sp. 286) anzuführen, dafs Aristoteles und ") Dörpfeld-Reisch S. 61, io6ff., 378. 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 



71 



rahmten Bühne verbunden. Eine solche hat in keiner hellenistischen Orchestra vor 
dem Proskenion gestanden, wie die Ruinen lehren. Sie ist auch nicht anzubringen — 
selbst wenn man die Unwahrscheinlichkeit hinnehmen wollte, dafs sie in diesen 
praktisch eingerichteten Theatern für jede scenische Aufführung neu errichtet sei, denn 
die Parodoi würden versetzt werden. Es kann diese Bühne im hellenistischen Theater 
nur aufserhalb des Orchestrakreises gelegen haben, also jenseits des Proskenions. In der 
That zeigen die Grundrisse hellenistischer Skenengebäude (Fig. 9) fast immer zwischen 
Proskenion und Skenenwand (scaenae frons) auf jeder Seite abschliefsende Querwände 
nicht anders als die Grundrisse der römischen Bühne (Fig. 4) und der Bühne des Assteas 
(F'g- 5)' Es werden also doch diese hellenistischen Fundamentmauern wie die 
römischen oben entsprechende Seitenwände getragen haben, die Bühne seitlich ab- 
zuschliefsen. Das Theater von Delos hat diese Paraskenien oben auf der Bühne 
gehabt sogar ohne Fundamentmauern für sie — also aus Holz. Die Baurechnungen 
bezeugen nicht nur ihren Bau in mehreren Stockwerken, sondern auch ihre Be- 
malung wie die der Scene selbst^l 




Fig. 10. 

BUhnengrundrifs nach der Phlyakenvase zu London (Fig. ii). 

Ergänzt sind nur die schrafflrteu Thüreu. 

So bestätigt sich der Schlufs aus den Ruinen und den Urkunden: im 
hellenistischen Theater stand die moderne, nur vorn offene, hinten durch eine mehr- 
stöckige Säulendecoration abgeschlossene Bühne auf dem 8'/^ — 12' hohen Proskenion. 

Es ist bemerkenswerth, dafs erst durch Aufsetzen der mehrstöckigen De- 
coration auf das Proskenion die urkundlich überlieferte Höhe der Skene erreicht 
wird: Vitruv verlangt nämlich, sie solle den höchsten Zuschauerring überragen". 

Die Wirkung dieser Bühne kann nur eine erfreuliche gewesen sein. Sie 



28) Bull, de Corr. hellen. XVIII S. 163, meine 
Prolegomena S. 235. Vgl. Groh. 

^9) Dies hat F. Groh Wochenschrift f. kl. Philologie 
1898 Sp. 237/8 (== Listy filologicke XXIV 1897) 
gebührend hervorgehoben. Vitruv sagt V 6. 4: 
das Dach der über den Zuschauersitzen herum- 



geführten Halle müsse eben so hoch sein wie 
die Bühne: tecium porticus, quod futurum est in 
summa gt-adatione, cum scaenae altitudine lihratum 
perfiniatur ideo quod vox crescens aequaliter ad 
summas gradattones et tectum perveniet. 



72 



Bethe, Die hellenistischen Buhnen und ihre Decorationen. 



isolirte das Schauspiel durchaus von Zuschauern wie Umgebung, und öffnete eine 
vertraute, aber gesteigerte Architektur, die die Proskenionsäulen unter ihr stilgemäfs 
fortsetzte, eine Halle über der andern. Zu schwer konnte die Decoration nicht 
wirken, so lange sie nicht überladen wurde, zumal sie hinter dem Proskenion und 
der Umrahmung der Bühne nicht unbedeutend zurücktrat und durch das Dach be- 
schattet wurde. Häufig wird ihr Schmuck nur gemalt gewesen sein, wie zu Tralles 
und Delos. Ihr massiver Ausbau in der Kaiserzeit — auch er schwerlich in Rom 
zuerst durchgeführt — mit dem effectvollen Aus- und Einspringen der Säulen und 
Säulenpaare, Giebel, Nischen, mufste allerdings das zierliche hellenistische Proskenion 
erdrücken, trotzdem die Decoration nun weiter zurückgelegt und also noch mehr 
beschattet wurde. So wurde die Umwandlung des Proskenions in eine breit ge- 
lagerte Base eine ästhetische Nothwendigkeit; gleichzeitige Veränderung in der Be- 
stimmung von Orchestra und Bühne ^° begünstigten sie. Und doch ist sie nicht 
überall vollzogen: so in Priene nicht. 

Dadurch ist diese Ruine von eigenthümlichem Interesse, das freiHch die 
glücklichen Entdecker objectiv nicht zu würdigen wufsten. Es leuchtet hier un- 
mittelbar ein, dafs die römische Decorationswand nur die alte einfachere aber 
gleichartige aus hellenistischer Zeit ersetzt, die wie sie selbst den hinteren Ab- 
schlufs der auf dem Proskenion ruhenden damals schmaleren Bühne gebildet hat. 



^) Auf den verbreiterten Bühnen fanden sämmt- 
liche Aufführungen, die 0'j|J.eX[-/O[ dydüve; wie die 
axTjVtzoi statt, während die Orchestra für 
Gladiatoren und Thierkämpfe diente, weshalb 
die Wand unter der Bühne, das frühere Proskenion, 
statt der hohen Thüren kleine Lucken erhielt, 
die zur Verbindung der Orchestra mit den unter 
der Skene liegenden Thierkäfigen dienten. 
Schon 1894 hatte Christ (N. Jahrb. f. Philol. 
149 S. 31) beobachtet, dafs mit Beginn der 
Kaiserzeit die früher scharf auseinandergehaltenen 
Begriffe öufA^XTj, öufieXixof und a-ATi^-fi, axTjvtxoi 
sich vermischen — der Grund ist eben der, 
dafs diese Spiele nicht mehr auf den getrennten 
Localen der Orchestra (&u[jiXT)) und Bühne statt- 
fanden. Wer sich das klar gemacht hat, kann 
nicht aus der Verlegung der Proedrie von der 
Orchestra auf den 5. Ring Capital schlagen 
für Dörpfelds Theorie. Ferner sollte man all- 
mählich beherzigen, was nicht genug betont 
werden kann, dafs die griechischen Theater 
ursprünglich ausschliefslich für Chortänze ein- 
gerichtet sind — überall gleich, nicht blofs in 
Athen — und dafs, als man im 4. Jahrhundert 
begann die Theater massiv auszubauen, man sich 
nicht ausschliefslich, auch nicht einmal vor- 
nehmlich für die scenischen Spiele (Tragödie, 
Komödie) baute, sondern in erster Linie für 



den alten Zweck, die Chortänze und alles 
was von Virtuosenthum an sie sich ansetzte, in 
zweiter für die praktischen Zwecke der Volks- 
versammlung. (In Athen haben seit Fertig- 
stellung des Theaters die Volksversammlungen 
dort vornehmlich oder ausschliefslich stattgehabt. 

— In Megalopolis ist das riesige Theater für 
die Versammlung aller Arkader gebaut, wie das 
Rathhaus ihrer Bule, das Thersileion, an Stelle 
der Skene, die gar nicht existirte, über jeden 
Zweifel stellt. — Das Theater in Thorikos hat 
nie eine Skene gehabt. — Das Theater im 
Amphiaraion hatte vermuthlich im 4. Jahrhundert 
keine, wenn es damals schon bestand, da die 
'Afx'^iapctia nach /. G. 5. I 414 zwischen 366 und 
338 nur thymelische Spiele hatten. — In manchen 
Theatern ist noch im 4. Jahrhundert oder länger 
nur eine hölzerne Bühne jedesmal aufgeschlagen.) 
Wer aus diesen Thatsachen die nothwendigen 
Consequenzen gezogen hat, kann nicht einmal 
in die Discussion eintreten über die Versuche, 
aus der Anordnung der Sitzreihen und dem 
Convergiren ihrer Sehlinien auf den Schauplatz 

— des Dramas zu schliefsen. Zudem kann ich 
nur meine Aufforderung wiederholen, dieselbe 
Methode auf die Sitze des modernen Normal- 
theaters anzuwenden: ihre Resultate würden sehr 
komisch sein. 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 



73 






Wie wir in Priene noch eine unbestrittene Bühne oben auf dem 
hellenistischen Säulenproskenion sehen, so besitzen wir auch eine Abbildung 
etwa aus dem vierten Jahrhundert einer seitlich geschlossenen, alsohellenistischenBühne, 
die über Säulen steht: es ist das Bild der in Figur ii wiedergegebenen Londoner 
Phlyakenvase'\ Trotz der rohen Zeichnung unbezweifelbar deutlich stofsen die 
Seitenwände der arg zusammengeschobenen Bühne bis an ihren vordersten Rand vor. 
Wie die Bühne selbst nicht getreu gezeichnet, sondern nur in ihren hauptsächlichsten 
Elementen auf's Einfachste skizzirt ist — das ist augenfällig: denn eine so enge 
Bühne ist unmöglich — so ist auch die Säulenwand, auf der sie ruht, nur flüchtig 
und unzulänglich angedeutet. So wie sie gezeichnet ist, kann niemals irgend eine 
Säulenwand ausgesehen haben: denn es fehlt der Stylobat, und so kurze dicke 
Säulen existiren in der antiken Architektur 
nicht'*. Es kann die gemeinte Bühnen- 
gattung aber nicht zweifelhaft sein: denn 
jeder Gedanke an die frei vorspringende, 
stets an den Seiten offene Phlyakenbühne 
ist schon durch die hier gezeichneten 
Seitenwände gänzlich ausgeschlossen; auch 
fehlt die vordere Treppe. Es bleibt 
also nur die hellenistische Bühne übrig: ihr 
geschlossenes Gehäuse (Fig. lo) erkennen 
wir in der rohen, doch das Wesentliche 
gebenden Zeichnung ebenso leicht wieder 
wie das Säulenproskenion. 

Wer jetzt die in Figur I2 zum ersten 
Male richtig wiedergegebene Zeichnung 
des Berliner Assteas - Kraters betrachtet, 
kann doch wohl, selbst wenn es ihm früher 
möglich war — es gab Einige — nicht 
mehr im Unklaren sein, dafs auch hier wie 
auf dem Londoner Bilde (Fig. ii) eine 
Phlyakenscene über dem hellenistischen 
Proskenion" dargestellt ist. Doch ist sie 
für diese Untersuchung weniger interessant, 

weil sie weder die seitlichen noch den oberen Abschlufs der Bühne giebt. Welche 
Art von Bühne man auch immer hier annehmen mag, immer mufs man zugeben, dafs 




Fig. II. 

Phlyakenvase in London. 
Nach Jahrbuch I S. 295. 



^') British Museum F 189 (Abbildung nach Arch, 
Jahrb. I S. 295). Der Catalog IV p. 97 be- 
schreibt: A high stage is represented , supported 
by three Doric columns (the centre one white); 
from it hang two purple taeniae and four vine- 
branches : on either side of the scene is a poste 
representing the s idewall. 



2'') Dafs die kurzen Säulen unter der Bühne nur 
Andeutungen sind und für Herstellung eines 
richtigen Bildes um das 2 — 3 fache verlängert 
werden müssen, wie ich Prolegomena S. 284 
dargelegt hatte, darf ich jetzt trotz Dörpfelds 
beweiselosem Widerspruch (Athen. Mitth. XXIII 
S. 353) als wissenschaftlich gesichert betrachten 



74 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 



nur ein Theil von ihr gezeichnet ist. Und so unvollständig wie sie, ist auch die sie 
tragende Säulenwand dargestellt. Die alte falsche Zeichnung täuschte; in der That 
ist das ganze Bild durch einen umlaufenden breiten rothen Rahmenstreifen als ein 
Ausschnitt charakterisirt. Wir haben, wie schon sofort bei Entdeckung des Proskenion 
von Epidauros behauptet wurde, Phlyaken auf der hellenistischen lo' hohen Bühne 
in diesem Bilde anzuerkennen. Soll nun etwa die moderne Bühne, die derselbe Maler 
Assteas mit der tragischen Herakles - Scene gemalt hat, auf einem anderen Podium 
gestanden haben? Ich wüfste nicht welcher Art: denn es ist damals dort aufser 
der hellenistischen nur die Phlyakenbühne nachweisbar; und die ist sicher ausge- 
schlossen. Assteas hat höchst wahrscheinlich in Paestum gemalt: das dortige Theater 
soll über seinem schönen Proskenion Phlyaken haben agiren lassen, Tragöden 
aber nicht? 




A iir e A i 



e r p AQE 




Fig. 12. 

Phlyakenkrater des Assteas im Berliner Museum. 

Nach Baumeister, Denkm. d. klass Alt. S 1754 Fig. 18.S0. 

Verbessert nach Revision von Pernice. 



durch die mir durchaus zustimmenden Gutachten 
der Herren Dr. Pernice und Dr. Schrader, die 
um so werthvoller sind, als ich mich in den 



Theaterfragen bisher ihrer Zustimmung nicht 
rühmen durfte. Sie gestatteten mir, öffentlich 
von ihrem Unheil Gebrauch zu machen. 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen, 



75 



V. 

Alter der geschlossenen Bühne, ihre Einrichtung. 

Die geschlossene, architektonisch umrahmte Bühne, an ihrer Hinterwand durch 
eine mehrstöckige Säulenarchitektur abgeschlossen und decorirt, eignet dem hellenisti- 
schen Theater und hat über dem S'/.^ — 12' hohen Säulenproskenion gestanden: das 
ist die bedeutende Thatsache, deren Erkenntnifs wir vor allem dem Madrider Bilde 
des Assteas verdanken. Ob er es Ende oder Mitte des vierten Jahrhunderts gemalt hat, 
seine Bühne glaube ich für Griechenland noch früher ansetzen zu müssen, ohne 
bisher sagen zu können, in welcher Höhe sie damals gestanden habe. Für das 
Drama geschaffen, mufs sie mit diesem entstanden und ausgebildet sein. Ende des 
fünften Jahrhunderts ist die Tragödie als Kunstform in Athen vollendet worden: das 
ganze spätere Altertum hat sie, vom Chor abgesehen, nicht verändert. Die Komödie 
ist im Laufe der nächsten hundert Jahre nach ihrem Muster umgebildet. Wann und 
wo kann also die hellenistisch-römische Bühneneinrichtung entstanden sein, wenn 
nicht in Athen? 

Dafs in der That diese geschlossene Bühne noch im fünften Jahrhundert in 
Athen entstanden ist, das hatte ich vor vier Jahren" aus den Dramen dieser Zeit 
gefolgert, indem ich an ihnen consequent fortschreitende Entwickelung aufzeigte des 
schildernden Bocksgesanges zur Handlung, des naiven Spiels im offenen Tanzplatze 
zur Darstellung vor einem Hintergrund, der dann mit Thüren versehen, ein Haus 
abgab, und schliefslich zu einem gegen die Zuschauer abschliefsbaren Gehäuse aus- 
gebildet worden sei. Keine dieser z. Th. schon von Andern gemachten Beobachtungen 
ist widerlegt worden, kaum ein Versuch ernstlicher Bekämpfung ist gemacht. Sie 
stehen nach wie vor fest. 

Seit Anfang der zwanziger Jahre des fünften Jahrhunderts schweben Götter und 
Heroen in den Lüften, ja über des Hauses Dach, während sie früher nur auf ebener 
Erde erschienen; Landschaften oder bestimmte Gebäude werden portraithaft aus- 
geführt statt der früheren indifferenten Hausfagade; fertige lebende Bilder sind sofort 
im Anfange auf der Bühne sichtbar, statt dafs die Personen wie früher auftreten^\ 
Diese Beobachtungen drängten mich damals zu eigener Überraschung zu der Über- 
zeugung, dafs zu jener Zeit die Bühne in unserem Sinne geschaffen sei. Seitdem 
ich eine solche Bühne auf der 70 — 100 Jahre später gemalten Assteasvase erkannt 
habe, ist meine Überzeugung Gewifsheit geworden. Wer ferner behaupten will, eine 
Bühne habe es in Athen des fünften Jahrhunderts nicht gegeben, wird statt Spottes 
und Ästhetik schmiedeeiserner Gründe bedürfen, um zu erhärten, dafs aufserhalb 

^^) Prolegomena S. 204 ff. der König kommt und zu reden beginnt. Mit 

^*) Diese Aufstellung hat Robert umzustofsen ver- solchem einfacheft Aufzuge ist doch aber nicht 

sucht durch den Hinweis auf den Anfang von glaublich zu machen, dafs einige Theaterdiener 

Aeschylos' Septem, der die Thebaner schon zur die Andromeda vor Augen der Zuschauer an 

Anhörung der Rede des Eteokles versammelt den Fels befestigt hätten; hat doch dies schon 

zeige. Das ist richtig. Aber Niemand kann Aeschylos im Prometheus vermieden. Vgl. 



daran Anstofs nehmen, dafs Statisten sich Prolegomena S. 192. 

schweigend auf den Schauplatz begeben, wenn 
Jahrbuch des archäologischen Instituts XV. 



1^ 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 



Athens ein nicht attisches Drama das Bedürfnifs erweckt hat, die von Assteas ge- 
zeichnete Bühne zu erfinden. Ob sie zunächst hoch oder niedrig stand, ist eine 
andere Frage: die Entstehung des geschlossenen Bühnengehäuses ist durch die 
Dramen auf die zwanziger Jahre des fünften Jahrhunderts datirt. 

Hohn hat meine Vermuthung hervorgerufen, gleichzeitig mit Schöpfung der 
modernen Bühne um 427 sei in Athen auch der Vorhang eingeführt ^^ ja er ist 
überhaupt den Griechen abgesprochen worden: gäbe es doch kein griechisches 
Wort für ihn. Ich würde mir erlauben, auch ohne Zeugnifs das lateinische aulaeum 
für ein griechisches Lehnwort zu halten; aber das Grammatikerzeugnifs dafür steht 
jetzt fest^^ Es fragt sich also gar nicht, ob die Griechen den Vorhang gekannt 
haben, sondern nur, wann sie ihn einführten. Den frühesten sichern Anhaltspunkt 
bietet Cicero pro Caelio 65 aus dem Jahre 56 v. Chr.: da ist aber schon das Empor- 
ziehen des aulaeum am Schlüsse des Stückes so selbstverständlich wie bei uns das 
»Vorhang fällt«. Mit Recht hat daraus auch Reisch geschlossen, dafs er in helle- 
nistischer Zeit bereits üblich war. Da nun aber die Kaiserbühne, für die er sicher 
ist, im System nicht verschieden ist von der hellenistischen, die ihn sehr wahr- 
scheinlich hatte, und diese wieder identisch mit der von Assteas gemalten und der 
von den attischen Tragödien vom Ausgange des fünften Jahrhunderts vorausgesetzten, 
so eröffnet sich auch von dieser Seite die Möglichkeit, ja die Wahrscheinlichkeit, 
dafs der Vorhang schon damals in Athen eingeführt sei. Diese Wahrscheinlichkeit 
wird zur Gewifsheit durch den von mir in den Prolegomena Cap. X geführten 
Nachweis, dafs die Tragödien etwa von 427 an im Gegensatz zu den früheren 
Decorationen verschiedenster Art erfordern und mit Scenen beginnen, die nicht 
ohne Lächerlichkeit unter den Augen des Publikums vorbereitet werden konnten, 
und in allen früheren Tragödien vermieden worden sind. Wer den Vorhang dem- 
nach ferner bestreiten will, hat die Verpflichtung, erstens die Möglichkeit der In- 
scenirung z. B. der Hiketiden und der Andromeda des Euripides in Vergleich mit 
dem Prometheus, und die Aufrichtung der Decorationen für diese Stücke, für den 
Ion, Philoktet, Oedipus Coloneus, die nur für das einzelne Stück allein passen, 



2^) Wenn die Bemerkungen gegen den Vorhang im 
5. Jahrhundert, der von Vielen lange vor mir 
behauptet ist, an meine persönliche Adresse 
gerichtet werden, so kann ich nur für die 
ehrende Anerkennung danken, dafs ich mit 
besseren Gründen als meine Vorgänger gefochten 
habe. Man versuche doch, ob sie sich vertilgen 
lassen. Bisher ist's noch nicht geschehen. 

^'^) v. Wilamowitzens Vermuthung, Herm. XXXIV 68 
Anmk. 2, dafs der letzte Theil der Hesych-Glosse 
ai)Xa(a • bt auX^jj Siaxpfßouaa • yj xo t^s oxtjv^; 
Trotpa7r^Taa(j,a , den ich als Zeugnifs für den 
Theatervorhang erwähnt habe, auf Cyrill zu- 
rückgehe und dafs dieser den Vorhang der 
israelitischen Stiftshütte damit erklärt habe, ist 
unrichtig. Einer freundlichen Mittheilung von 



S. Wentzel verdanke ich die Berichtigung: 
»v. Wilamowitz hat sicher Unrecht. Die Cyrill- 
glosse lautet im Vallicellianus E ii: 
auXai'a • xa x^; axTjv^i; irotpaTrexaajjiaxa • xejrpTjXat 
81 aüxö (sie) TTr£pi8rjS. Also von der Stifts- 
hütte keine Rede. Derselbe Vallicellianus 
hat aufserdem noch getrennt (3 Glossen vorher) 
diese Glosse: auXaia * ^v cüXt]' otaxptßouaa. Aus 
diesen beiden ist die Hesychglosse entstanden. 
Vgl. Schol. Gregor. Naz. or. 42 c. 7 in Herm. 
XXVII 621 aüXalat 8^ xä zapaTrexdaaaxa X^yovxat 

Xrj? SXTjVYjS . . . « 

Demnach steht die Thatsache fest, dafs »die 
antike Gelehrsamkeit« auXot'a = Theatervorhang 
gekannt hat. 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 77 

ohne Vorhang nachzuweisen, und zweitens zu zeigen, dafs später die Entwickelung 
des Dramas oder ich weifs nicht welcher Vorführungen auf der Bühne die Erfindung 
des aulaeuni erzwungen hat. 

Ich vermuthe, dafs für die Dramen des peloponnesischen Krieges von 427 
an der Vorhang weniger entbehrt werden konnte als auf der hellenistisch- 
römischen Bühne. 

Puchstein hat, gestützt auf pompeianische Wandmalereien, die die Bühne in 
der Art des Apaturios imitiren, gezeigt, dafs häufig die Schauspieler hinter und 
zwischen der Architektur der Decorationswand erscheinen; dafs also nicht blofs vor 
ihr, auf der eigentlichen Bühne, sondern auch in und hinter der Decoration den 
Zuschauern sichtbar gespielt ist. 

Denn wie auf den pompeianischen Wandbildern die Figuren oft zwischen 
den Säulen der oflTenen Halle erscheinen, die Lundström" mit Evidenz als das 
vestibulum TrpoOupov bezeichnet, so hat auch Assteas auf der Madrider Vase (Fig. i) 
Personen in der entsprechenden Säulenhalle gemalt, die den Hintergrund der Bühne, 
also die Vorhalle des Palastes darstellt, und zwar im ersten Stockwerk, wie das die 
Situation erfordert. Dagegen sind an den erhaltenen Scenen der Kaiserzeit die 
Wände der Prachtdecoration massiv ausgeführt, z. B. in Aspendos, Tralles, so dafs 
wohl ein Schauspieler in einer der breiten Pforten erscheinen konnte; aber ein Spiel, 
wie es Plautus fordert, zwischen Hauswand und Strafse (d. i. Bühne) ist nicht mög- 
lich, weil eine ausgedehnte Vorhalle fehlt. Wir werden daher anzunehmen haben, 
dafs um den Beginn der neuen Zeitrechnung eine Änderung in der Einrichtung der 
Decoration und der Inscenirung eingetreten ist, wozu die gleichzeitige bedeutende 
Vertiefung der »hellenistischen« Bühne gut pafst. Die pompeianischen Bilder würden 
dann weniger die gleichzeitige Bühnenpraxis nachbilden, als Reminiscenzen der 
hellenistischen geben, wie ja der Gedanke, der ihrem Decorationsprincip zu Grunde 
liegt, aus hellenistischer Zeit stammt, nämlich von Apaturios von Alabanda. 

Sichere Darstellungen der offenen hellenistischen Bühnendecoration wüfste 
ich aufser der Madrider Vase höchstens das Phlyakenbild von Lentini (Fig. 7) an- 
zuführen, das nur 4 Säulen ohne Thüren zw^ischen ihnen zeigt. Die Terrakotte 
Sant' Angelo erlaubt kein Urtheil. Doch will es mir scheinen, als ob die aediculae 
auf unteritalischen Theatervasen des vierten Jahrhunderts, die schon mehrfach als 
Reminiscenz an einen Teil der Bühne gedeutet sind, in dieser Zusammenstellung 
neues Licht gewinnen. Besonders interessant sind mir die aediculae mit drei Säulen 
an der Vorderwand, weil sie wirklich eine Halle, wie wir erwarten, nicht blofs einen 
Rahmen bieten: so auf dem Medeabild von Canosa in München, so auf der Meleager- 
vase in Neapel (Fig. 13), so auf dem Neapler Orestesbilde^'. 

3^) Prolegomena S. 311, dazu berichtigend und er- S. 903 Fig. 980. — Meleagerbild : Arch. Zeitg. 

weiternd Lundström in der schwedischen Zeit- 1867 Tfl. 226. — Orest am Omphalos: erst von 

Schrift Eranos I S. 95 ff. (deutsch). Huddilston Greek tragedy in the lighi 0/ vase 

3*») Medeabild: Arch. Zeitg. V 1847 Tfl. 3 = Wien. faintings (London 1898) S. 6i nach Photographie 

Vorig. Bl. Ser. I Tfl. 12 = Baumeister Denkm. zuverlässig publicirt. 

7* 



78 



Bethe, Die hellenistisclien Bühnen und ihre Decorationen. 



^SI^^ZI^Z^SZS 




kj^ 



Fig. 13, 

MittelstUck der Meleagervase in Neapel. 

Nach Ai-ch. Ztg. 18C7 Taf. 220. 

Vielleicht gewähren die im Theater zu Ephesos hinter der römischen 
Decorationswand von den österreichischen Archäologen entdeckten älteren Reste nach 
dieser Richtung Auskunft; vielleicht liefse sich so auch die Bühne zu Pergamon 
mit ihren weiten Zwischenräumen zwischen den Pfeilern besser verstehen. 

Immerhin bleibt hier noch viel aufzuklären. Wird doch jetzt erst recht 
unklar, wie denn bei solcher constanten und indifferenten Prachtdecoration der 
Bühne specifische Decorationen wie Landschaften, Höhlen, Felsen, Bauernhäuser 
angebracht worden seien. Vitruv V 6. 9 giebt nur 3 verschiedene Decorationsarten 
an, ohne zu sagen, wie sie angebracht wurden. Vielleicht ist die Vermuthung 
erlaubt, dafs diese Decorationen hinter der offenen Halle der constanten Bühnen- 
architektur angebracht wurden, so dafs man sie nur durch diese hindurch sah, wie 
Palladio im Theatro Olimpico zu Vicenza durch die drei Pforten der römischen 
Prachtscene hindurch in eine Strafse und Höfe sehen läfst: Gesch. der neueren 
Baukunst, Renaissance in Italien von J. Burckhardt-Holtzinger ' S. 383 Fig. 288. 

Ich kehre zurück zu der Bühne des Assteas. Auf dem Heraklesbilde wie 
auf dem Berliner Phlyakenkrater hat er nur je eine Thür gezeichnet und zwar an 
der Seite. Wo ist sie zu denken? Ich vermuthe, Assteas habe eine Seitenthür im 
Sinne gehabt. Solche gab es auf der rings geschlossenen Bühne selbstverständlich: 
die Theaterruinen römischer Zeit zeigen sie und Pollux IV 127 meint sie vielleicht, 



Bethe, Die hellenistischen Bühnen und ihre Decorationen. 7g 



obgleich er von TrapoSot redet. Für solche Seitenthür spricht auf der Heraklesvase 
das in Seitenansicht aufgenommene Thürdach, die weit vorspringende Stufe, schliefslich 
der Platz unmittelbar neben dem rechten Abschlufs der Bühne. Auch die auffallende 
Schmalheit der Thür könnte als Versuch perspektivischer Verkürzung aufgefafst 
werden. Da nun die Thür auf dem Berliner Phlyakenkrater ebenso gezeichnet ist 
und der Altar links vom Beschauer zu stehen pflegt (so auf dem Phlyakenbilde 
von Lentini Figur 7, so auf dem Campanarelief Dörpfeld-Reisch S. 330, 329, vgl. 
Petersen über die Terrakotte S. Angelo Rom. Mitth. XII S. 142), so könnte auch 
diese für eine Seitenthür erklärt werden. Wir gewinnen so einen Grundrifs der 
hellenistischen Bühne, der abgesehen von der Tiefe mit dem der römischen über- 
einstimmt: ich sehe darin eine neue Bestätigung. 

VI. 

Decoration für die Dithyramben. 

Zum Schlufs will ich auch öffentlich antworten auf die öfter gestellte Frage: 
wozu hatte das hellenistische Proskenion Säulen und zwischen ihnen eine, auch 
wohl drei Thüren" und leicht herauszunehmende Pinakes, wenn diese so geschmückte 
Wand nicht den Hintergrund für ein Spiel abgeben sollte? Auch nach meiner An- 
sicht fanden, wie ich wiederholt ausgesprochen, vor ihr Aufführungen statt, aber 
nicht durch axrjvixot', Tragöden und Komöden, sondern durch OufjtsXixoi aller Art. 
Unter den thymelischen Spielen ist von besonderer Bedeutung der Dithyrambos, 
von 50 Männern oder Knaben einer Phyle zu Athen nicht nur an den grofsen 
Dionysien aufgeführt, in Sicilien beliebt, sogar in Arkadien zur Zeit des jungen 
Polybios allbekannt und viel gespielt. 

So gering die Reste dieser Kunstgattung sind, sie genügen doch, uns eine 
ungefähre Vorstellung von der Aufführung wenigstens eines Theiles ihrer Werke 
zu machen. Die dramatischen Elemente, die im Chorliede seit Alters liegen, habe 
ich in meinen Prolegomena S. 28 f. aufgezeigt. Inzwischen sind Dithyramben des 
Bakchylides dem Lichte zurückgegeben. Von ihnen ist das 18. Gedicht ganz 
dramatisch: ein Dialog zwischen dem Chor und dem König Aigeus. Es ist — 
wenn für die Dionysien gedichtet — in derselben Orchestra gesungen, in der 
Aischylos seine Tragödien vorführte. Der Schauplatz ist nicht charakterisirt, kann 
aber nur der Markt sein — wie in Aischylos Sieben gegen Theben — oder der 
Platz vor dem Königshause — wie in der Orestie. Nimmt man das Letzte an — 
und es steht nichts im Wege, das Gedicht nach 465/0 anzusetzen — , so dürfte die 
für die nachfolgenden Tragödien hergestellte Palastdecoration an der Scenenwand 

39^ Wiegand, Athen. Mitth. XXIII 313 und Andere und V stehen mit dem Text und dem That- 

scheinen auf die Dreizahl der Thüren im bestände im Widerspruch!), im Piräus (S. 99 

Proskenion Werth zu legen. Dagegen brauche ich und Fig. 34), Oropos (S. 103 und Fig. 35), in 

nur aufDörpfeld zu verweisen, der nur eine einzige Eretria (S. 115 und Fig. 44) constatirt hat. Also 

Mittelthür im athenischen Theater (ev. noch ein waren 3 Thüren weder Regel noch noth- 

Seitenpförtchen, S. 77 vgl, Pläne auf Tafel III, wendig. 
IV und S. 80; die Reconstructionen auf Tafel II 



gQ Bethe, Die hellenistischen BUhnen und ihre Decorationen. 

derart von Bakchylides benutzt worden sein, dafs nach dem Aufzuge des Chors 
König Aigeus aus der Pforte seines Hauses heraustrat. Jedenfalls ist für die Dar- 
stellung dieses dialogischen Dithyrambos eine den Rollen entsprechende Costümirung 
unabweislich. Wenn nun schon so früh sich ein Sprofs der Chordichtung nach 
dem tragischen Vorbilde dramatisch ausbildet, darf man annehmen, dafs diese 
Entwickelung nicht mehr unterbrochen ist, obgleich es auch später noch rein 
referirende Dithyramben gab, wie solche Piaton Republ. III 394 C im Sinne hatte und 
vielleicht das »Seittvov« des Philoxenos gewesen sein dürfte. 

Am besten kenntlich ist der berühmte Dithyrambos »Kyklops oder Galateia« 
des Philoxenos aus dem ersten Jahrzehnt des vierten Jahrhunderts. Durch seine 
Parodirung in Aristophanes Plutos von 388 steht fest, dafs der Kyklop selbst mit 
Ranzen und Kithara aufgetreten ist, sich rüpelhaft benommen und zu seiner Heerde 
gesungen hat. Das bestätigen andere Fragmente. Der hauptsächlichste Inhalt seiner 
SoH war die berühmte, oft nachgeahmte Liebesklage an die Meermaid Galateia. 
Aber auch Odysseus ist aufgetreten^*^ und hat gesungen: ein zum geflügelten Worte 
gewordener Vers aus seiner Rolle ist erhalten (Fig. 9). 

öwp {10 oat'pitov Tspaxi au^xctOiTpSev. 

Auch die Blendung Polyphems kam vor, wie im Scholion zu Aristophanes 
Plutos 290 bezeugt ist. Neben diesen beiden Solisten hat der Chor gesungen als 
Instrument des Dichters (Fig. 6), und vermuthlich zwischen den Soli, auch ver- 
bindende Erzählung (wie im Kyklops des Timotheos Fig. 5). Es ist demnach 
begreiflich, wenn hie und da dieser Dithyramb ein Drama genannt worden ist. 

Über die Aufführung der Galateia des Philoxenos stehen zwei Thatsachen 
durch die Überlieferung fest: i. der Kyklop war costümirt, das sagt Aristophanes 
V. 298; selbstverständlich war es auch Odysseus. 2. die Orchestra — denn nur 
auf ihr kann eine Chordichtung aufgeführt sein — war für dies Stück mit besonderer 
Decoration ausgestattet: Odysseus wurde nämlich von Polyphem in seine Höhle 
eingesperrt. Die oben angeführten Worte hat der Held, wie die Erklärung des 
Sprichwörtersammlers (Zenob. V 45) besagt, der sie erhalten, recitirt usp-cf/eösk x«> xou 
KuxXtuTTo; aTryjXoti'oi. Dies Zeugnifs bestätigt die niedliche Erzählung des Synesius 
Epist 121, die Bergk auf dies Werk des Philoxenos, vielleicht durch eine frühere 
rhetorische oirj-j-r^atc vermittelt, zurückgeführt hat, evident richtig, da sie dem 
Charakter des Gedichtes vorzüglich entspricht und seine beiden scheinbar nicht 
zusammenhängenden Elemente, des Kyklopen Liebesklage und seine Überlistung 
durch Odysseus, auf's geistreichste und anmuthigste verbindet. Danach hat Odysseus 
den Riesen dadurch überredet, ihn aus seiner Höhle herauszulassen, dafs er ihm 



^0) Wenn J. Reich (»Die ältesten berufsmäfsigen vauayov 'Oouaaea aoXoixt'Covxa eingeführt, auf den 

Darsteller des griechisch - italischen Mimus«, Kyklops des Philoxenos mit Recht bezieht — 

Königsberg i. Pr. 1898) die Notiz bei Athenaeus und Niemand wird die Wahrscheinlichkeit läugnen 

I 19 Ff., der italische Mime Oinonas habe — so werden auch von dieser Seite meine Auf- 

Kitharöden imitirt und xjxXcura TepeTt'Covta xat Stellungen bestätigt. 



Bethe, Die hellenistischea Bühnen und ihre Decorationen. 



8i 



durch Zaubermittel und andere Anweisungen die Liebe der Galateia zu ver- 
schaffen versprach. 

Denkt man sich dies und andere Werke derselben Art im hellenistischen 
Theater aufgeführt — und sie sind da wirklich aufgeführt worden : Polyb. IV 20. 9 
— so ist klar, dafs das Proskenion als Hintergrund diente und je nach Bedürfnifs 
durch Ausheben und Einsetzen von Pinakes verändert wurde, die Solisten gelegent- 
lich auch innerhalb dieser Decoration agirten. Realistisch war sie freilich nicht, die 
mehrstöckige Säulendecoration der hellenistischen und römischen Bühne aber ebenso 
wenig. Bei beiden ist dasselbe Princip verwendet, das uns durch die starke Stilisirung 
befremdet: eine erfreuliche Bestätigung beider unabhängig geführter Untersuchungen. 

Wir haben also im hellenistischen Theater zwei Spielplätze anzuerkennen: 
I. einen in der Orchestra (ÖufisXrj) mit dem variabeln, durch Thüren zugänglichen 
Säulenproskenion als Hintergrund, 2. ein hoch über diesem gelegenes, nur nach 
vorn geöffnetes, architektonisch umrahmtes Gehäuse, hinten durch eine mehrstöckige 
Säulendecoration geschlossen. Dieser diente als Bühne (ffxvivr]) den Tragöden und 
Komöden, jene den nicht weniger beliebten Dithyramben. 

Dieser localen Tennung entspricht, und nur aus dieser localen Trennung 
erklärlich ist die Bezeichnung der tragischen und komischen Vorführungen als 
axTjVixot d^oivs? und der Wettkämpfe lyrischer Chöre und Virtuosen aller Art als 
OujieXixol d^uivs?. Seit dem vierten Jahrhundert nachweisbar — früher unbekannt — 
bleiben diese Namen in strenger Unterscheidung gebräuchlich bis in die Kaiserzeit*\ 
Da beginnt die Vermischung, weil damals allmählich die OuixsXixot auch im griechischen 
Theater auf die verbreiterte Bühne überzusiedeln begannen — die Chöre waren ab- 
gestorben, nur Virtuosen noch übrig — um die Orchestra für Gladiatoren und 
Bestien frei zu machen. E. Bethe. 



") Diese urkundliche Scheidung (vgl. meine Prole- 
gomena S. 265 — 277) ist bei Dörpfelds Theorie 
unbegreiflich, zumal die Solisten der Dithy- 
ramben genau da agirt haben, wo nach D. die 
Schauspieler, und auch der Dithyrambos seine 
axTjvi^ hatte, wie eben gezeigt. Dörpfelds Hilfs- 
hypothese vom »kleinasiatischen Typus«, die 
trotz meiner Widerlegung (Herm. XXXIII Sißff.) 
und Roberts (22.Hall. Winckelmprgr. S. 26Anmk.) 
scharfem Proteste immer noch einige Gläubige 
hat, ist auch von diesem Gesichtspunkt aus 
unmöglich. In Vitruvs iheatrum Graecum, in 
dem Dörpfeld sein »kleinasiatisches Theater« sieht, 
treten die thymelici in der Orchestra auf; das 
war im »kleinasiatischen Theater« aber nicht 



mehr möglich, da an Stelle des hellenistischen 
Proskenions der schweren Barokdecoration zu 
Liebe (mit seltenen Ausnahmen wie Priene) eine 
massive thürlose, oder nur mit Lucken versehene 
Steinwand unter der Bühne aufgeführt ist. 
Dithyramben konnten da also nicht aufgeführt 
werden und kein Virtuos anders als durch die 
seitlichen Parodoi auftreten. Zudem war durch 
die Steinwand die Akustik verschlechtert (vgl. 
Vitruv V 6 § 7: in Rom nur »lignea iheatra« 
die ttabulationes habent compltires quas nee esse 
est sonare. hoc vero licet animadvertere etiam ab 
citharoedis , qui super iore iono cum volunt canere 
avertunt se ad scaenae valvas et ita recipiunt ab 
earum auxilio consonantiam vocis.« 



\/0 C^^Xq^ , ^ :^-'^"^-N5 



STUDIEN 

ZUR ÄLTEREN GRIECHISCHEN KUNST 

n. 

Je entschiedener die Arbeiten, die in neuerer Zeit unsere Kenntnifs der 
altertümlichen griechischen Vasenmalerei erweitert haben, darauf ausgehen, aus 
einer bis ins Einzelne und Kleinste gehenden Vergleichung der Dekorationen der 
Gefäfse die Kriterien zu gewinnen, die zur Feststellung der Gattungen und zur Er- 
mittelung der Entstehungszeit und der Fabrikationsstätten führen können, um so 
mehr scheint mir eine Erinnerung daran am Platze zu sein, dafs gerade in der älteren 
Zeit der Zusammenhang des Handwerks und der grofsen Kunst ein sehr enger war 
und dafs eine in weiterem Umfang als bisher auch an den erhaltenen Denkmälern 
der grofsen Kunst, also an den Sculpturwerken geübte Berücksichtigung dieses Zu- 
sammenhanges der Vasenforschung von Nutzen sein kann. 

Für Vergleichungen mit plastischen Werken werden immer die künstlerisch 
hervorragenden Vasen in erster Linie ins Auge zu fassen sein, an diesen wird es 
aber auch nicht selten möglich und erlaubt sein, den Entsprechungen selbst bis in 
die Einzelheiten der Formenbehandlung hinein nachzugehen. 

Ein Beispiel dafür ist die bekannte altattische Netosvase ', in ihrer Art ein 
Stück ersten Ranges. Sie findet in der Sculptur ihr Analogon in dem Bildwerk 
des Typhongiebels von der Akropolis, dessen wuchtiger breiter Formengebung ihre 
Malerei im Gesamteindruck ebenso sehr entspricht, wie sich in allen Details, in 
der Profilirung der Gesichter, in der Zeichnung der grofsen Glotzaugen, des Bartes, 
des Haupthaares, in der überaus starken Entwicklung der Oberarme und Schenkel, 
in der Anlage der Figuren in grofsen ungeteilten Flächen und in dem Verzicht auf 
reichliche, zierliche Innenzeichnung alle charakteristischen Züge der attischen Poros- 
sculptur wiederholen. Aus diesem Verhältnifs dürfte entgegen der bisher geltenden 
Annahme'' der Schlufs zu ziehen sein, dafs die Netosvase nicht wol früher als in 
der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts entstanden sein kann. 

Ahnlich wie in diesem Falle scheint eine engere Beziehung erkennbar 
zwischen den Malereien der Klazomener Sarkophage und den Friesreliefs des früher 

') Antike Denkmäler 1 Taf. 57. fällt die Entstehung dieser Typen — denn um 

^) Über ihre Datirung hat sich zuletzt Boehlau, den Typus allein handelt es sich natürlich, nicht 

Aus ionischen und italischen Nekropolen S. 122 um das Exemplar — schon ins 6. Jahrhundert, 

geäufsert: »Wie tief wir mit der Netosamphora denn die aeginetische Schüssel und die Netos- 

und den ihr gleichzeitigen rotthonigen Vasen amphora können unmöglich durch lange Jahr- 

mit Tierfriesen (Vurvavasen) heruntergehen zehnte geschieden sein.« 
müssen, bleibt vorläufig fraglich, keinesfalls aber 



Winter, Studien zur älteren griechischen Kunst. II. 



83 




Fig. I. 

den Siphniern, neuerdings den Knidiern zugeschriebenen Schatzhauses von Delphi l 
Hier ist es neben der stilistischen Verwandtschaft ^ für die aus dem Wenigen, was 
bisher von den Reliefs veröffentlicht worden ist^ namentlich auf die Bewegung und 
Bildung der Pferde, aber auch auf die Behandlung der menschlichen Figuren hin- 
gewiesen werden darf, die Neigung zu streng symmetrischer Composition^ die auf- 
fällig hervortritt. Man könnte versucht sein, die Frage nach einem etwaigen Zu- 
sammenhange der Delphischen Sculpturen mit der bei Herodot I 51 vorliegenden 
Überlieferung aufzuwerfen, nach der neben anderen auch die Klazomenier ein Schatz- 
haus in Delphi hatten ^ wenn es nicht geboten erschiene, vorläufig dem besseren 
Wissen der Entdecker dieser Bildwerke gegenüber mit Vermutungen zurückzuhalten. 
Den angeführten Parallelen möge sich im Folgenden in ausführlicherer 
Erörterung der Versuch anschliefsen, auf demselben Wege zur Bestimmung des 
Ursprunges der Caeretaner Hydrien neue Anhaltspunkte zu gewinnen. Die bis 
jetzt bekannten zwanzig Exemplare dieser Gattung hat zuletzt J. Endt, Beiträge zur 
ionischen Vasenmalerei (Prag 1899) S. i zusammengestellt. Die meisten sind durch 



3) Gazette des Beaux-Arts 1895 S. 328. Archaeol. 
Anzeiger 1895 S. 100. Vgl. Pomtow, Archaeol. 
Anzeiger 1898 S. 40 ff. 

*) Ich habe die Gipsabgüsse im Louvre betrachten 
können, war aber freilich nicht in der Lage, 
mit Hülfe yon Abbildungen der Sarkophage vor 
den Abgüssen selbst eine genauere Vergleichung 
anzustellen. 



^) Vgl. aufser den neueren Abbildungen auch die 
Wiedergabe des schon längst bekannten Bruch- 
stückes Annali deW instituto 1861 Tav. d'agg. B. 

<») Vgl. Archael. Anzeiger 1898 S. 176. 

') Pausanias erwähnt das Schatzhaus nicht. Ich 
verhehle mir nicht, dafs darin eine Schwierigkeit 
gegen "den angedeuteten Zusammenhang liegt. 



84 



Winter, Studien zur älteren griechischen Kunst. II. 




Fig. 2, 



Abbildungen bekannt gemacht, am besten das im Jahre 1894 erworbene Stück des 
Berh'ner Antiquariums durch die farbige Reproduction in den Antiken Denkmälern II 
Taf. 28 (danach unsere Abbildungen Fig. i und 2). Da mir dieses letztere Gefäfs 
im Original genau bekannt ist, so gehe ich für die stilistischen Betrachtungen von 
ihm aus. Es kann, gleich ausgezeichnet durch gute Erhaltung wie durch vorzügliche 
Ausführung, als Musterbeispiel für die ganze Gruppe dienen. 

Die bildliche Darstellung, in grofsem Mafstab ausgeführt, zeigt auf der einen 
Seite des Gefäfses ein Zweigespann, das zur Abfahrt bereit ist. Ein Jüngling besteigt 
den Wagen. Er scheint im Gespräch mit einer weiblichen Figur, die hinter den 
Pferden steht, und sich mit lebhafter Gebärde, die Arme erhebend, zu ihm zurück- 
wendet. Das Bild der anderen Seite schildert, wie ein Maultier von einem Löwen 
angefallen ist. Ein Mann eilt herbei und zielt mit einer Lanze auf den Löwen. 

Die Figuren sind auf den roten Thongrund des Gefäfses im sogenannten 
Silhouettenstil aufgemalt. Aufser schwarzer Firnifsfarbe ist Weifs und ein tiefes 
Kirschrot verwendet und zwar fast ebenso reichlich wie das Schwarz, so dafs die 
drei Töne hier, wie ebenso in dem rein ornamentalen Teil der Dekoration, wie 
gleichwertig nebeneinander stehen. Von diesen Farben ist das Schwarz und Rot in 
voller Frische erhalten, während das Weifs fast gänzHch verschwunden und an den 
meisten Stellen nur aus der unregelmäfsigen Untermalung mit dünnem Firnifs zu 
constatiren ist. Ahnlich wie auch auf manchen anderen Vasen aus dem ost- 
griechischen Gebiete sind die nackten Teile aller, auch der männlichen Figuren mit 



Winter, Studien zur älteren griechischen Kunst. II. 



85 



Weifs abgedeckt gewesen '. Die Conture und die 
Linien der Innenzeichnung sind mit einem spitzen 
Instrument sehr sicher und fein eingeritzt. Die Gesamt- 
dekoration mufs in ihrem ursprüngHchen Zustand den 
Eindruck einer glänzenden Buntheit gemacht haben. 

Die Malerei ist von grofser Schönheit und 
Lebendigkeit, breit und fliefsend im Vortrag. In der 
Gruppe des Löwen mit dem Maultier erregt jeder 
Strich Bewunderung. Der Löwe ist ein wirklicher 
Löwe, nicht ein heraldisches Tier. Wie er sich in 
den Rücken seines Opfers hineinbeifst, mit den Franken 
zufafst und mit dem Schweif schlägt, und wie die 
Erregung den ganzen Körper bewegt, das alles ist 
mit erstaunlich guter Beobachtung der Natur wieder- 
gegeben. Ebenso vollendet ist die Zeichnung des 
zusammenknickenden, schreienden Maultieres und der 
beiden unruhigen Pferde des anderen Bildes. Von 
den männlichen Figuren ist die der einen Seite halb 
von vorn, die der anderen in halber Rückenansicht 
gezeichnet; in beiden Fällen erscheint die Bewegung 
ungezwungen. Die Körperformen sind rundlich und 
voll und werden überall von geschwungenen Linien 
begrenzt. Auch alle Innenzeichnung ist in schwellen- 
den, in freiem Schwünge bewegten Linien ausgeführt. 
Nirgends in den beiden Bildern ist etwas Kleinliches 
oder Angstliches, alles ist frei und sicher hingesetzt. 
Dem Charakter der Zeichnung entspricht auch der 
grofse Mafsstab der Figuren. Man hat den Eindruck, 
dafs dessen Wahl für den Maler nicht ein Wagnifs, ^'»-o- 

sondern eine natürliche Äufserung seines Könnens war- 

Suchen wir für diese Malerei nach einer Parallele in der Plastik, so bietet 
sich, wie mir scheint, als stilistisch und in der Stufe der künstlerischen Vollendung 
nächst verwandt das Säulenrelief des alten Artemistempels von Ephesos' dar. 

Übereinstimmende Züge, in der Formenbehandlung der beiden erhaltenen 
Figuren des Reliefs und der Figuren des Vasenbildes machen sich auf den ersten 
Blick bemerklich. Für die hinter den Pferden stehende Figur der Vase kann die 
männliche Figur des Reliefs (Fig. 3) zur Vergleichung dienen. Wie bei dieser liegt das 
Gewand gespannt am Körper an und ist an der einen Seite heraufgezogen, so dafs 
aufser den Füfsen auch die Unterschenkel sichtbar werden. Die Falten sind gleich- 




*) Vgl. Zahn, Athen. Mittheilungen 1898 S. 49. 59. 
^ Journal of hell, studies 1889 Taf. III. ßrunn- 



Bruckmann, Denkmäler Taf. 148. Collignon, 
Histoire de la sculpture grecque I S. 180. 



86 



Winter, Studien zur Ulteren griechischen Kunst. II. 





Fig. 5- 



Wie an den beiden Köpfen des Reliefs 



Fig. 4. 

artig in langen geschwungenen, nach oben 
zusammenlaufenden Linien gezeichnet. Be- 
sonders deutlich ist die Verwandtschaft in 
den geschwungenen Umrissen der weichen 
Körperformen. In dem Profil des weib- 
lichen Kopfes auf der Vase wiederholen sich 
die Züge des weiblichen Kopfes der Säule 
(s. Fig. 4 und 5). Auch die Entsprechung 
in der Haaranordnung ist bemerkenswert^", 
liegt das Haar bei den Figuren des Hauptbildes sehr voll auf und ist von vorn nach 
hinten zurückgestrichen; es fällt breit in den Nacken in welligen, nebeneinander 
hegen den Strähnen, die dem Umrifs des Hinterkopfes folgend über den Scheitel 
herübergeführt sind. Man findet in Malereien der anderen Vasengattungen des öst- 
lichen Gebietes den einen oder anderen Zug wohl ähnlich, aber nicht gleichartig 
wieder und nirgend das Ganze in derselben Vereinigung. Das gilt auch von den 
Klazomener Sarkophagen, die im Ganzen den Caeretaner Hydrien ja nahe stehen, 
wie oft betont worden ist". Wie weit ihre Malerei aber in den Einzelheiten der 
Durchführung von der der Hydrien verschieden ist, kann gerade die Vergleichung 
der Ephesischen Reliefs recht deutlich machen. 

Es bieten sich auch aus weiteren Resten des Ephesischen Tempels Anhalts- 
punkte für die Vergleichung dar. Der Kopf des Löwen auf der Vase (Fig. 6) hat in 
der Zeichnung der Formen mit dem Löwenkopfe von der Sima des Tempels (Fig. 7) 
ebenso grofse JVhnlichkeit, wie sie die menschlichen Köpfe beider Darstellungen auf- 
weisen. Auch hier geht die Übereinstimmung, wie z. B. an der Ausführung der 
Zotteln der gesträubten Mähne erkennbar ist, bis ins Einzelne. Überall aber beruht 
das Gemeinsame nicht in der äufserlichen Formengebung allein, sondern in gleichem 



'0) Auch Hartwig macht in der Beschreibung der 
Berliner Hydria, Antike Denkmäler II Heft 3 S. 5, 
auf diese Übereinsimmung aufmerksam und führt 



noch einige andere Beispiele ähnlicher Art an. 
') Zuletzt von Endt, Beiträge zur Jonischen Vasen- 
malerei S. 5. 67 f. 



Winter, Studien zur älteren griechischen Kunst. II. 



87 





Fig. 6. 



Flg. 7. 

Mafse in der Grund auffassung, aus der die Werke hervorgegangen sind. In der 
Natürlichkeit und Lebendigkeit der Darstellung fanden wir an der Figur des Löwen 
auf der Vase einen besonders bezeichnenden Zug. Dasselbe gilt von dem Löwen- 
kopfe der Sima, er hat, obwohl er als Ornament in die Architektur eingefügt ist, 
in seiner Formenbehandlung nichts Ornamentales. 

An dem Ephesischen Relief ist die eigentümliche, fast karikirt aussehende 
Bildung des Kopfes der männlichen Figur (Fig. 3) auffallend. Zu diesem Typus 
bieten wieder die Caeretaner Hydrien Analogien, die überraschendste, soweit 
ich nach den Abbildungen urteilen kann, die Busirishydria des Österreichischen 
Museums in Wien'" in der Zeichnung der Negerphysiognomien, aber auch in dem 
Herakleskopfe mit seinem spitzen Schädel, der flachen Stirn, dem breiten Munde und 
dem weit vorgerückten Untergesichte. Hier schliefsen sich dann weiter die zahlreichen 
ähnlich karikirt aussehenden Darstellungen der Kentauren, des Polyphem und nament- 
lich der Silene an und führen uns zu einer anderen Gruppe von Denkmälern herüber, 
in der verwandte Typen gleich häufig und in entsprechender Ausführung als eine 
charakteristische Eigentümlichkeit hervortreten. Es sind die Bes-artigen hockenden 
Gestalten", bald in rein menschlicher Form, mit fettem gerillten Bauch und dickem 
Hinterteil, bald als langbärtige Silene gebildet, die in der Gattung von Terrakotten, 



^^) Monumenit äe/r Im^. Ylll Tai. XVI. XVll. Bau- '3) Beispiele bei Salzmann, Necropoh de Camiros 

raeister, Denkmäler I S. 367. Masner, Die Taf.XXIß. Monumenti aniicki (Lmcei)lT3ii.\l6 

Sammlung antiker Vasen und Terracotten im VII 7. Boehlau, Aus ion. und ital. Nekropolen 

Oesterr. Museum Taf. II. n. 217. Taf. XIII 4 XIV 4. 



38 Winter, Studien zur älteren griechischen Kunst. II. 



für die ich im vorigen Artikel (Jahrb. 1899 S. 73 ff.) auf Grund stilistischer und 
technischer Merkmale und der Fundstatistik Samos als Ursprungsort annehmen zu 
dürfen glaubte, eine bezeichnende Typenreihe bilden. Diese Typen treten in der 
Thonplastik hier zum ersten Mal auf, aber sie finden von hier aus nach allen 
Richtungen hin eine weite und rasche Verbreitung. Ebenso haben die entsprechenden 
Figuren, bewegt dargestellt als tanzende Zecher, Dämonen, Satyrn, Silene, in der 
griechischen Vasenmalerei des sechsten Jahrhunderts allenthalben Eingang gefunden. 
Aber nirgend, wenn ich mich nicht irre, als nur in den Caeretaner Hydrien, erscheint 
die karikirende Darstellungsweise den Malern als etwas so Geläufiges, man möchte 
sagen Selbstverständliches, dafs sie sie auch da anwendeten, wo der Gegenstand 
an sich keine Veranlassung dazu bot. Die merkwürdige Vorliebe für solche Art 
derb komischer Charakteristik scheint sich mir am einfachsten durch die Annahme 
zu erklären, dafs die Bilder dort entstanden sind, wo dieses Element zum ersten 
Male als etwas Neues und — wie man trotz des wahrscheinlichen Einflufses vom 
Orient oder Aegypten her sagen darf — Originelles in die Kunst aufgenommen wurde. 

So scheint von dieser Seite eine wenn auch nur schwache und nicht sichere 
Spur, die jedoch immerhin in der Fundstatistik eine Stütze findet'*, für die Caeretaner 
Hydrien nach Samos hinzuweisen. In dieselbe Richtung führt möglicherweise der 
Zusammenhang mit den Ephesischen Sculpturen hin, aber freilich über Möglichkeiten 
gestattet uns hier die Überlieferung bisher nicht hinauszukommen. Was von 
archaischer Plastik als stilistisch nahestehend mit ihnen zu einer gröfseren Gruppe 
zusammengestellt worden ist, gehört dem Gebiet von Milet und Samos an^\ In der 
That liefse sich der Formencharakter der Ephesischen Reliefs sehr wol aus einer 
Kunst heraus entwickelt verstehen, wie wir sie in ihren Anfängen durch die älteren 
Sitzfiguren vom heiligen Wege einerseits und durch die Samische Figur des Louvre 
andrerseits kennen lernen und vielleicht bietet diese letztere, zugleich als künstlerisch 
höher stehendes Werk, noch mehr als die Sitzbilder bestimmte Anhaltspunkte dar, 
die sie wie eine unmittelbare Vorstufe zu den Ephesischen Reliefs erscheinen lassen 
können. Auch kann die Überlieferung, nach der Theodoros von Samos zu der 
ersten Einrichtung des Baues des Artemision herangezogen wurde '^ in Verbindung 
mit den Nachrichten über die Beziehungen des Künstlers zu Kroesos, aus dessen 
Weihung eine Anzahl der Säulen des Tempels herrührten," die Vermutung nahe- 
legen, dafs die Samische Kunst gerade auch an der Herstellung des plastischen 
Schmuckes des Heiligtums beteiligt gewesen sein mag. 

Wüfsten wir Sicheres über den Ursprung der Ephesischen Reliefs, so wäre 
uns auch damit die Heimat der Caeretaner Hydrien bekannt. Bei dem bisherigen 
Stande unseres Wissens werden wir uns aber damit bescheiden müssen, den Zusammen- 

") Die Terrakotten haben sich in mehreren Exem- 1^) Vgl. CoUignon, Histoire de la sculpiure grecque 
plaren in Caere, aufserdem aber auf Etrurischem S. iSofif. 

Boden nur in einem einzelnen Exemplare in "^) Diogenes Laertius II 103. Overbeck, Schrift- 
Orvieto gefunden. quellen 282. » 

''^) Herodot I 92. 



Winter, Studien zur älteren griechischen Kunst. II. gn 

hang festgestellt zu haben; was dieser schon jetzt als festes Ergebnifs für die Hydrien 
ergiebt, beschränkt sich auf eine genauere Zeitbestimmung: Die Reliefs sind durch 
die Kroesosinschrift datirt; wie diese Sculpturwerke, so werden auch die Vasen um 
die Mitte des sechsten Jahrhunderts entstanden sein.'* Denn dafs wir möglichst 
enge Grenzen zu ziehen haben, wo es sich um der Stufe der Entwicklung nach 
gleichartige Schöpfungen der grofsen Kunst und des Handwerks der Plastik und 
Malerei handelt, dürfte heute kaum mehr irgend welchem Widerspruche begegnen. 

Wenn im Vorstehenden auch ausdrücklich davon Abstand genommen ist, 
aus der Vergleichung mit den Ephesischen Reliefs bestimmte Schlüsse auf den 
Entstehungsort der Caeretaner Hydrien zu ziehen, so wird doch, da wenigstens die 
Möglichkeit Samischen Ursprungs in erster Linie in Betracht gezogen wurde, eine 
kurze Erörterung darüber am Platze sein, ob diese Möglichkeit durch die bisherigen 
Ergebnisse der Vasenforschung eine Unterstützung findet oder ob ihr von hier aus 
entscheidende Schwierigkeiten im Wege stehen. 

Mit Samos und Milet hat die jüngste Vasenforschung einige Gruppen von 
Gefäfsen in Verbindung gebracht, die früher gewöhnlich als Rhodisch — ihrer Haupt- 
fundstelle nach — bezeichnet wurden, Boehlau's Untersuchungen wird die sehr 
wahrscheinliche Bestimmung einer dieser Gruppen, der sogenannten Fikelluragattung, 
als Samische Waare verdankt." Diese erscheint jetzt nicht mehr als Abzweigung 
der »Rhodischen« Classe, sondern als selbständige Gattung. Für den Charakter 
ihrer Dekoration ist es, wie Boehlau ausgeführt hat, bezeichnend, dafs die Horizontal- 
teilung in Streifen zurücktritt gegenüber einer die Fläche in ihrer gesamten Aus- 
dehnung frei überziehenden Ornamentirung, die nicht selten in grofsem Stile an- 
gelegt ist, immer leicht, offen, lebendig bleibt. Nach der Ausscheidung dieser 
Gattung bleibt als geschlossene Gruppe die Masse der sogenannten Rhodischen 
Vasen übrig und diese führt eine von Loeschcke aufgestellte Hypothese, die Boehlau 
eingehender zu begründen versucht hat,^° auf Milet zurück. Im Gegensatz zu der 
Samischen Sorte ist hier die Streifenanordnung streng durchgeführt, die Dekoration 
in den Ornamenten mäfsig, gedrungen, überladen, in den Tierstreifen einförmig und 
von einer gewissen Dürftigkeit der Motive. 

Die Samischen Gefäfse und die Milet zugewiesenen Vasen sind in der 
älteren an den sog. Mykenischen Stil anschliefsenden Technik und Dekorationsart 
behandelt, während die Caeretaner Hydrien in der schwarzfigurigen Technik, deren 
Aufkommen, wie angenommen wird, etwa gegen Ende des siebenten Jahrhunderts 
für die Keramik eine neue Epoche einleitete, ausgeführt sind und zwar diese neue 
Technik nicht etwa in einem Übergangsstadium aus der älteren, sondern bereits zu 
völliger Durchbildung gebracht zeigen. Die Verschiedenheit des neuen Stils von 

'^) So datirt auch Endt, Beiträge zur ionischen kleinasiatischen Vasenmalerei« bezeichnet sie 

Vasenmalerei, während sich Karo, Berliner Masner, Die Sammlung antiker Vasen S. XV. 

philologische Wochenschrift 1900 n. 12 S. 368 i^j Aus ion. und ital. Nekropolen S. 52fif. 

für eine um mehrere Jahrzehnte frühere Datirung ^o) Ebenda S. 73flf". 
ausspricht. Als »den Abschlufs der ionisch- 



QO Winter, Studien zur älteren griechischen Kunst. II. 



dem älteren liegt nicht nur in der Veränderung des Malverfahrens, sondern dazu in 
einer gänzlichen Umgestaltung der Dekorationsweise. Die rein ornamentalen Motive 
und Tierstreifen werden zurückgedrängt und an untergeordnete Stellen der Gefäfse 
verwiesen, sie werden ersetzt durch bildliche Darstellungen und in den Flächen 
dieser Bildfelder werden die früher beliebten Streuornamente aufgegeben. Bei 
dieser völligen Neugestaltung der dekorativen Ausstattung dürfte, wenn es sich 
darum handelt, Vasen des bereits voll entwickelten neuen Stils (wie es die 
Caeretaner Hydrien sind) und solche noch ganz in der alten Manier ausgeführte auf 
gemeinsamen Ursprung zu prüfen , ein möglicher Zusammenhang mehr in all- 
gemeinen Zügen der Behandlung, als in Besonderheiten der Einzelformen sich 
kenntlich machen. Spuren eines solchen Zusammenhanges scheinen nun die 
Caeretaner Hydrien mehr als mit irgend einer der übrigen älteren Vasengattungen 
mit den Samischen Vasen zu verbinden. In der Bevorzugung einer möglichst weit- 
räumigen Bildfläche und in der Art, wie in diese Fläche die Figuren frei und grofs 
hineingesetzt sind, könnte die den Samischen Vasen eigentümliche Raumbehandlung 
nachwirken. Boehlau hat an den Ornamentformen der Samischen Vasen aus- 
geführt", dafs hier das Gefühl für die natürliche Gestaltung der Pflanze, wie es in 
der Mykenischen Kunst lebendig gewesen war, sich erhalten hatte. Die Caeretaner 
Hydrien aber stehen in der Verwendung völlig naturalistischer Pflanzenmotive einzig 
unter den ihnen in der Stufe der Entwickelung entsprechenden Vasengattungen da. 
Auch die Linienführung des stilisirten Ornaments, der breite Fächer der Palmetten, 
die offene Form der Lotosblüten, vor allem die Gröfse und der freie Schwung in 
den Palmettenbändern weist auf die Samischen Vasen, von denen Gefäfse wie die 
bei Boehlau S. 54, 55 und 57 abgebildeten die unmittelbare Vorstufe bieten, zurück. 

Die Klazomener Sarkophage mit ihren verschiedenartigen Malereien an den 
Kopf- und Fufsstücken zeigen deutlich, dafs die alte Dekorationsart nach dem Auf- 
kommen der neuen nicht sofort verschwunden, sondern neben ihr fortgeführt worden 
ist. Wir werden ein ähnliches Nebeneinanderhergehen des Alten und Neuen in 
gewissen zeitlichen Grenzen für alle Vasenfabriken annehmen dürfen. Daher würde 
für die angedeutete Zuweisung der Caeretaner Hydrien durchaus keine Schwierigkeit 
aus dem Umstände erwachsen, dafs die Samischen Vasen nach dem von Boehlau aus 
den Fundergebnissen der Nekropole geführten Nachweis ^' bis in die zweite Hälfte 
des sechsten Jahrhunderts herabgehen, dafs also in der Zeit, der die Caeretaner 
Hydrien angehören, auf Samos noch Vasen dieser älteren Sorte verfertigt worden sind. 

Dagegen können aus anderen Gründen Bedenken geschöpft werden. Die 
Nekropole von Samos, die neben den Gefäfsen der Fikelluragattung Bruchstücke 
von Vasen anderer verschiedenartiger Gattungen enthält, hat keine einzige Scherbe 
von der Sorte der Caeretaner Hydrien geliefert. Das kann Zufall, es kann auch 
darin begründet sein, dafs die Hydrien — wie ihre bisher ausschliefsliche Fundstätte 
Caere nahelegt — wesentlich als Exportwaare vertrieben worden sind. Auch 



-•) Ebenda S. 68 f. 22) Ebenda S. 30. 



Winter, Studien zur älteren griechischen Kunst. II. qI 

dürfte zu berücksichtigen sein, dafs es sich bei der Samischen Nekropole um Gräber 
mit im Ganzen dürftigen Beigaben handelt. Schwerer wiegt ein anderes Bedenken. 
Auf einigen der Fikelluravasen (Boehlau S. 55 n. 10. 11 S. 56 n. 14. 18 vgl. S. yof.) 
finden sich menschliche Figuren, lebhaft bewegte Männer, in die ornamentale 
Dekoration eingestreut, auf einer Vase dieser Gattung, der Amphora in Altenburg 
(Boehlau S. 56 n. 19) ist die Darstellung zu einem um das ganze Rund des Geföfses 
herumgeführten Chore von Tanzenden erweitert. Diese Figuren, Eindringlinge des 
schwarzfigurigen Stils, sind den Figuren der Caeretaner Hydrien zwar im Ganzen 
verwandt, aber nicht stilistisch gleichartig. Karo hat in einem Aufsatze über »Amasis 
und Ionische schwarzfigurige Keramik« " eine zuerst von Pottier'* zusammengefafste 
Gruppe von Gefäfsen der Altenburger Amphora als nächste Verwandte angereiht. 
Er sieht in dieser Gruppe den Übergang von dem Altenburger Gefäfse, das nach 
ihm »die höchste Entwickelung der Samischen Keramik in der dem wirklichen 
schwarzfigurigen Stil unmittelbar vorangehenden Stufe« bezeichnet, zu dem voll- 
entwickelten schwarzfigurigen Stil. Wie dieser sich in derselben Richtung aus- 
gebildet hat, zeige dann die kleine aus der Northampton Amphora (Gerhardt A. 
V. 317. 318) und zwei Münchener Amphoren (573, Wiener Vorlegebl. 1890/91 Taf. XII 
und 583, Lau, Griech. Vasen X 7 XI 4, Studniczka, Arch. Jahrb. 1890 S. 142) gebildete 
Gruppe und an diese schliefse sich die Gruppe der y>affected Tyrrhenian vasesv- an, 
die weiterhin durch mancherlei Berührungspunkte in die Nähe der Vasen des 
Amasis hinführe, für dessen Herkunft Loeschcke an Samos gedacht hat". So 
läge uns nach Karo eine Entwickelung von dem alten Fikellurastil bis zum Ausgang 
der schwarzfigurigen Malerei in einer zusammenhängenden Reihe vor, in der die 
Caeretaner Hydrien, wiewohl sie der Gruppe der Northampton Amphora nicht sehr 
fern stehen, keinen Platz haben. Karo läfst es ungewifs''^ ob als Entstehungsort 
der zusammengestellten Vasen oder genauer der unmittelbar an die Altenburger 
Amphora angeschlossenen Gruppe, von der ja aber die übrigen als nächst verwandte 
abhängig sind, Samos selbst anzunehmen sei, sie könnten »auf einer der Ionischen 
Inseln oder in einer Kolonie an der Asiatischen Küste« ihren Ursprung haben. Sie 
müfsten dann also, wenn ich recht verstehe, wol als Abzweigung von der durch 
die Fikelluragattung vertretenen Samischen Keramik zu betrachten sein. Ich halte 
das Letztere für das Wahrscheinlichere, aus dem Grunde, weil die Malereien dieser 
Vasen, wie Karo selbst hervorhebt, ohne Frische und Lebendigkeit und einförmig 
in den Motiven durch die Epoche des schwarzfigurigen Stils hindurch eine schwäch- 
liche Entwicklung zeigen, wie man sie für eine Kunststätte wie Samos schwerlich 
wird voraussetzen können. Die Heimat der Caeretaner Hydrien sucht Karo", eine 
frühere, meines Wissens zuerst von Studniczka''* ausgesprochene Vermutung wieder 

") Journal of hellenic studies 1899 S. 135 flf. '■'0 Berliner Philologische Wochenschrift 1890 n, 12 

^*) Bulletin de correspondance hellenique XVII S. 368. 

S. 423 ff. 28) 'Ecpr](xepU äpxatoXoYtZT^ 1886 S. 127. YgX.Bull. dell 

") Pauly-Wissowa I 1748 s. v. Amasis. Vgl. yournal inst 1887 S. 64. Masner, Die Sammlung antiker 

of hell. stud. 1899 S. 143. Vasen S. XV. 
•-i«) A. a. O. S. 145. 

Jahrbuch des archäologischeu Instituts XV. 8 



92 



Pernice, Geometrische Vase mit Schiffsdarstellung. 



aufnehmend, in einer Kolonie an der Afrikanischen Küste »wegen der zahlreichen 
Anklänge an Ägypten«, Die Beispiele ähnlicher Anklänge in Werken, die sicher 
in Kleinasien und Griechenland entstanden sind, beweisen, dafs dieses Argument 
zur Ursprungsbestimmung nicht ausreichend ist, Endt meint auf Grund einer Ver- 
gleichung mit den Klazomener Sarkophagen, in der er, wie mir scheint, den Zu- 
sammenhang dieser mit den Hydrien zu eng fafst, es sei wahrscheinlich, »dafs ein 
Ort am Golfe von Klazomenae der Ursprung der Caeretaner Hydrien ist«^'. Meines 
Erachtens dürfte ihr Entstehungsort nicht irgendwo, sondern nur in einem gröfseren 
Kunstcentrum gesucht werden, wie denn Dümmler^" an Samos oder Milet dachte. 
Denn die Bilder dieser Vasen reden so deutlich wie möglich die Sprache einer 
hochentwickelten Kunst und es geschieht ihnen schwerlich zuviel Ehre, wenn man 
ihnen unter allem, was uns von Ionischer Vasenmalerei erhalten ist, die erste Stelle 
einräumt. Fr. Winter. 



YiiJN-rt-ajU». , "^^^-^-^-cJr^ 



\ \ 



GEOMETRISCHE 
VASE MIT SCHIFFSDARSTELLUNG. 




In dem letzten Hefte des Journal ofhellenic stiidies v. J. 1899 hat A. S. Murray 
auf Tafel VIII eine wertvolle Neuerwerbung des British Museum, ein geometrisches 
Geföfs aus der Nähe von Theben bekannt gemacht. Von den beiden Bildern, die dem 
Gefäfs zum Schmuck dienen, stellt das eine^ ein vollausgerüstetes und bemanntes 
Schiff dar, links davon einen auf das Schiff zu schreitenden Mann, der eine Frau 
am linken Handgelenk gefafst hält. 

Das Schiff ist, wenn auch nicht das einzige, auf den Vasen geometrischen 
Stils vollständig erhaltene, so doch dasjenige, an welchem die Einzelheiten am aus- 
führlichsten und verhältnismäfsig mit grofser Sorgfalt behandelt sind, und aus diesem 



2^) Beiträge zur ionischen Vasenmalerei S. 18. 
30) Römische Mittheilungen III 1888 S. 169 ff. 



1) Über den Text in stark verkleinertem Maafsstabe 
mit freundlicher Erlaubnis des Herausgebers 
wiederholt. 



Pernice, Geometrische Vase mit Schiffsdarstellung. q^ 

Grunde für die Frage nach der Einrichtung der Schiffe jener Zeit von grofser Be- 
deutung. Murray bezeichnet es S. 200 als das erste Beispiel einer Bireme. » The 
ship is the first complete instance of a bireme, so far as I knozu, on the Dipylon vases. 
There are hoivever one or two fragments of hir eines, and curiously enoiigh they also 
show only the oars of the lower bank tonching the water. The oars of the Upper 
bank are but partly visible as if they were to be understood as being on te further 
side of the ship, a view which the painter zvas perfectly entitled to adopt so as to 
avoid the confusion of two sets of oars crossing each other. But this has naturally 
raised some small doubt as to whether the upper row, as we are calling it, is not 
simply the rowers on the further side of a galley of one bank, represented in the 
poor perspective of primitive times. But one of the fragments Just referred to, 
appears to be conclusive on that point because there the lower bank of rowers are 
visible each trough a Square opening in the ship's side while those of the Upper 
bank have nothing of the kind. Had these latter been merely the rozvers on the 
further side of one bank, they would necessarily have been framed in like the others. 
Besides I do not see hozu the elaborate construction of our ship can be explained 
otherwise than as that of a bireme with two banks of oars.«. Die beiden Ruderer- 
reihen werden also als übereinandersitzend gedacht. 

Angesichts der Abbildung der neuen Schiffsdarstellung bin ich zu einer 
Murray's genau entgegengesetzten Ansicht gelangt. 

Auszugehen ist bei der Betrachtung von geometrischen Vasen überhaupt, 
besonders aber einer so complicirten Darstellung, wie sie hier vorliegt, von der Er- 
wägung gewisser, in jener Zeit fast durchgängig beobachteter, malerischer Gewohn- 
heiten, wie sie in den Athenischen Mittheilungen 1892 S. 292 näher bezeichnet sind. 
Das Wesentliche ist dabei, dafs es den Malern unmöglich ist, die Tiefe des Raumes 
perspektivisch wiederzugeben. Horizontale Flächen werden, wie aus der Vogel- 
perspective gesehen, in voller Gröfse und Ausdehnung so gezeichnet, dafs sie nach 
dem Beschauer zu aufgeklappt erscheinen. Figuren oder Gegenstände, die sich im 
Raum hintereinander bewegen, müssen entsprechend, wie auf den Denkmälern der 
ägyptischen Kunst, über einander dargestellt werden". Am besten zu beobachten 
und allgemein als geltend anerkannt ist die Gewohnheit bei den grofsen Bestattungs- 
scenen, aber sie gilt überall. So werden, um bei den Schiffsdarstellungen zu bleiben, 
die beiden grofsen Steuerruder zur rechten und linken Seite des Schiffs, die im 
Raum hintereinander liegen, stets übereinander gezeichnet, die Leichen auf den 
Vasen MonumentiYK., Taf. 40,3 oder Monuments grecs 1886 S. 51, die im Schiffe neben- 
einander hingestreckt sind, erscheinen übereinander. Wenn man die Aufgabe stellen 
würde, mit den Mitteln der in jener Zeit geläufigen Vorstellung von Perspective ein 
Schiff zu zeichnen, in welchem zwei Reihen Ruderer nebeneinander auf beiden 
Seiten sitzen, müfsten die Ruderer übereinander sitzend wiedergegeben werden. 

Bei den Ruderern der unteren Reihe sind nun die Ruder in ihrer ganzen 



^) Vgl. R. Delbrück, Beiträge zur Kenntnis der Linienperspektive in der griechischen Kunst S. 6. 



QA Pernice, Geometrische Vase mit Schiflfsdarstellung. 

Länge bis hinab zu den Schaufeln sichtbar, bei den oberen nur so weit, als sie 
über die Bordwand herüber reichen. Die oberen Ruderer mufs man sich also an 
der entgegengesetzten linken Bordwand sitzend denken. Denn dafs der Maler des 
Bildes aus künstlerischen Rücksichten y><2s to avoid the confusion of tzvo sets of oars 
crossmg euch other<s. die Wirklichkeit verdunkelte und zwei genau übereinander 
sitzende Rudererreihen auf die beiden Längsseiten des Schiffes so verteilte, dafs 
er die untere an der rechten, die obere an der linken Bordseite sitzen liefs, ist mir 
bei der philiströsen Aufrichtigkeit der Dipylonmalerei unwahrscheinlich. Sitzen da- 
her die Ruderer wirklich in zwei Etagen, so müfste man auch annehmen, dafs 
die untere Reihe wirklich an der rechten, die obere wirklich an der linken Bord- 
seite des Schiffes untergebracht war, was gewifs nicht der Fall war. 

Um zwei Rudererreihen in einem Schiff übereinander anzuordnen und einzu- 
richten, bedarf es starker und dauerhafter Stützvorrichtungen. Das Vergnügen an 
der Detailmalerei, das für die Maler der geometrischen Periode bezeichnend ist, 
würde in der Wiedergabe einer verzwickten Stützvorrichtung eine sehr willkommene 
Aufgabe gesehen haben. Aber man kann nicht erkennen, dafs die obere Ruder- 
bank überhaupt gestützt oder wie sie getragen wird. An keiner Stelle ist eine Ver- 
bindung mit dem unteren Schiffsteil hergestellt, die scheinbaren Stützen rechts sind 
deutlich obere Ruderenden — ja nicht einmal an den beiden Schiffsenden Hegt die 
Ruderbank in verständlicher Weise auf Vorder- und Hinterschiff auf. 

Endlich sitzt zwischen den beiden Rudererreihen in halber Höhe, das Gesicht 
nach rechts gewendet, der Steuermann. Kann sein Platz in Wirklichkeit so ver- 
steckt gewesen sein, dafs er tiefer safs als die obere Rudererreihe? Sein Amt 
verlangte einen ungehinderten Überblick über das Schiff und die Ruderer hinweg 
auf das Meer. 

Wenn wir nun annehmen, dafs der Maler, seinen Vorstellungen von Perspective 
folgend, die eigentlich rechts neben der unteren auf einer ganz gleichartigen Bank 
sitzenden Rudererreihe einfach über die untere setzte, weil sie doch dargestellt 
sein mufste, so ist das Schiffsbild verständlich. Die Ruder sind dann richtig ge- 
zeichnet, Stützvorrichtungen giebt es überhaupt nicht und der Steuermann erhält 
seinen Platz über den Ruderern. 

Von diesem Schiffsbilde ausgehend gelangt man weiter zu dem Ergebnis, 
dafs die Maler der geometrischen Vasen weder eine Bireme noch überhaupt ein 
mit. einem hochliegenden Verdeck ausgestattetes Schiff dargestellt, also auch nicht 
gekannt haben ^ Das Kriegsschiff jener Zeit war nichts anderes als ein ziemlich 
tiefes, sehr schlankes offenes Boot mit erhöhtem und in seinen Endigungen phan- 
tastisch gestaltetem Hinter- und Vorderteil, das mit dem Rammsporn versehen war. 



3) Anders Athenische Mitteilungen 1892 S. 285 fg. schaft IV, i. S. 299 Anm. 2) bereits aus, dafs 

und in der sonstigen Litteratur. Dagegen sprach die von Cartault, Monuments grecs II (1886) 

Bauer in den griechischen Kriegsaltertümern veröffentlichten Schiffe auf Vasen des Dipylon- 

(J. Müllers Handbuch d. klass. Altertumswissen- Stiles nicht als Dieren aufzufassen seien. 



Pernice, Geometrische Vase mit Schiffsdarstellung. qc 



In dem Raum dieses Bootes, in welchem eine gerade Bodenfläche hergestellt war, 
safsen an beiden Bordseiten entlang die Ruderer, etwa zur Hälfte von der Bordwand 
verdeckt. Der Wirklichkeit sehr nahe kommt das Monumenti IX Taf. 40,3, am 
nächsten das Monuments grecs II 1886 S. 44 Fig. i abgebildete Schiff". 

Der Murray'schen Vase sehr verwandt ist das in den Monuments grecs 
Taf. 4,3 (vgl. auch Taf. 4,2) abgebildete Ruderboot. Die beiden Steuer liegen 
übereinander; die Ruder der unteren Reihe sind völlig, die der oberen nur zum 
Teil sichtbar. Der Steuermann aber ist nur zur Hälfte sichtbar, er sitzt oder 
steht zwischen den beiden Reihen auf seinem erhöhten Posten am Hinterschiff". 
Der früher als Verdeck, Balkenzug oder Längsbrücke erklärte breite Streifen ist 
also nichts anderes, als die zweite (rechtsseitige) Ruderbank, nach den Gesetzen 
der Dipylonperspective über die erste gezeichnet. Genau derselbe Fall liegt vor 
bei dem Monuments grecs S. 51 abgebildeten Schiff". Hier ist die rechte »obere« 
Ruderbank von Leichen eingenommen und deswegen sind die Ruderer hier fort- 
gelassen, aber der Steuermann steht wieder zwischen beiden Ruderbänken. Endlich 
bieten auch die von Murray herangezogenen Akropolisscherben Athenische Mit- 
teilungen 1892 S. 298 keine Schwierigkeit. Zum Schutz der exponirten Ruderer ist 
hier auf beiden Bordseiten eine Vorrichtung geschaffen, die von den Ruderern nur 
wenig sehen liefs; das mufste bei der dem Beschauer zunächst sitzenden Ruderer- 
reihe deutlich gemacht werden, dagegen die an der anderen Seite sitzenden Ruderer, 
nach der Gewohnheit des Vasenmalers in senkrechter Staff"elung über die untere 
gesetzt, waren für den Beschauer nicht verdeckt, sie hatten die Schutzvorrichtung 
auf der dem Beschauer abgewandten Seite. Ihre Ruder sind natürlich nur zum 
Teil sichtbar. 

Auch für die grofsen Segelschiff"e gilt die vorgeschlagene Erklärung. Denn 
jedesmal, wo in einem solchen Schiff" der Steuermann erhalten ist (Athenische Mit- 
teilungen 1892 S.289), erscheint er von dem grofsen »Balkenzuge« oder dem »Verdeck« 
durchschnitten, mit anderen Worten, er steht zwischen den beiden an den Längs- 
seiten hinlaufenden Bänken. Die hochgeklappten hinteren Bänke sind aber bei 
den Segelschiff"en breiter gemacht als bei den Ruderschiffien, weil hier keine Ruderer 
im unteren Teile Platz beanspruchen. Ebenso deutlich wird der Sachverhalt bei 
Betrachtung des Bildes Monuments grecs S. 47 Fig. 2. Hier ist an der oberen, 
d. h. der an der rechten Schiff"sseite liegenden Bank genau dieselbe Rudervorrichtung 
wie an der linken unteren Bank angebracht und zwischen beiden Bänken stehen 
zwei Kämpfer so verdeckt wie sonst die Steuermänner. 

Schliefslich läfst sich gegen die bisherige Aufi"assung von der Construction 
der Dipylonschiff"e vielleicht noch Folgendes anführen. Ein Ruderschiff", wie das 
neue Beispiel insbesondere, dann aber auch alle anderen Dipylonschiff"e kann, 
wenn die Ruderer wirklich übereinander safsen, nicht so ausgesehen haben. 
Die Ruderer müssen viel tiefer im Schiff"sraum gesessen haben und die unteren 
.können überhaupt gar nicht sichtbar gewesen sein, denn sonst wäre die Stabilität 
der Schiff"e mehr als gefährdet gewesen. Die Maler hätten also, um alles, was 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XV. 9 



QÖ Pernice, Geometrische Vase mit Schiffsdarstellung. 

unten im Schiffe war, zur Anschauung zu bringen, das Schiff gewissermafsen als 
durchsichtig dargestellt, was schwer glaublich ist*. 

Die Darstellung selbst erklärt Murray mit folgenden Worten: » The rowers 
are bent at the oars, but the place of the steers7nan is still empty. The steersvtan is 
in the act of stepping on board and grasping the wrist of a zvonian who holds out 
away front him what appears to be a wreath. But obviously there is no room in the 
ship for a steersman of such gigantic proportions. Therefore the scene must not be 
taken too literally. The vasepainte)' fortunately had a large Space at his disposal 
behind the stern of the ship and he took advantage of this Space to give more impressive- 
ness to his two principal figures. As a group these two figures niay be called a 
prototype of the parting scenes on the Athenian stelae of later times, and this element 
of melancholy is just what is wanted to give the key to the whole composition. That 
is to say, the male figure is stepping on board to steer his ship in a race and to win 
the crown held up by the luoinan, thus anticipating the honours that in due time zvould 
be done to himself« 

Da der Steuerman bereits im Schiffe sitzt, kann diese Deutung nicht zu- 
treffend sein. Der grofse, links von dem Schiff gemalte Mann ist vielmehr der Herr 
des Schiffes. Er ist an Land gestiegen und läfst sein Schiff fertig zur Abfahrt am 
Strand. Jetzt kehrt er hastig zurück und führt seine Beute, eine Frau, an der Hand 
dem Schiffe zu, um sich nun schnell davonzumachen. Also nicht eine Abschieds- 
scene, sondern einen Frauenraub glaube ich dargestellt zu sehen. Als nächst ver- 
wandte Darstellungen lassen sich nicht die Abschiedsscenen der attischen Grabreliefs, 
sondern von den älteren attischen Vasen diejenigen heranziehen, welche einen 
Frauenraub oder die Wegführung einer Frau zum Gegenstand haben \ Wenn aber 
ein Frauenraub dargestellt ist, so ist es nicht unmöglich, dafs dem Dichter ein mytho- 
logischer Stoff vorgeschwebt hat, den er zur Anschauung bringen wollte ^ An eine 
mythologische Deutung dachte zuerst auch Murray, liefs sie aber wieder fallen, weil 
>~>the old Heroes did not act as their oivn steer sinen, and their ships had Space eitough 
for others than roivers on the decks, as lue see front the ship of Theseus on the 
Frangoisvase. « 

Berlin. Erich Pernice. 



*) Dafs bei der merkwürdigen Perspektive, die '") Vgl. O verbeck, Gallerie heroischer Bildwerke 

man dazu — wie wir an den Dipylonvasen er- Taf. XIII, 3; XXVI, 14; XII, 4; VIII, 6; XV, 4. 

kennen können — dauernd zu verbessern bemüht '^) Gegen die mythologische Deutung des Bildes 

war, Manches unklar bleiben mufs oder auf erklärten sich in der Februarsitzung der archäo- 

verschiedene Weise gedeutet werden kann, ist logischen Gesellschaft die Herren von Kekule 

einleuchtend. Beispielsweise ist mir das auf- und von Wilamowitz, die beide die Erklärung 

fallend flüchtig gezeichnete Schiff, Monuments des Bildes als Darstellung einer Begebenheit de 

grecs 1886 Taf. 4,1 nicht völlig verständlich täglichen Lebens für wahrscheinlich hielten, 
geworden. 



C^,^;3K^n>i<ii^ ,\V-Ns^ 



DIE ANORDNUNG UND DEUTUNG 
DES PERGAMENISCHEN TELEPHOSFRIESES. 

(Tafel I.) 

Die folgenden Studien über den pergamenischen Telephosfries gingen aus 
von dem Versuch, die Reihenfolge der erhaltenen Platten und Plattenreste unabhängig 
von ihrer Deutung, möglichst auf Grund äufserer Merkmale zu ermitteln. Bei dem 
traurig verstümmelten Zustande des Frieses, und bei dem Mangel einer Hilfe, wie sie 
für die Gigantomachie in den Versatzmarken des mit den Götternamen bezeichneten 
Deckgesimses gegeben ist, mufste man voraussehen, dafs das Ziel auf diesem Wege 
nicht zu erreichen war. Immerhin scheint sich mir an manchen Punkten ein Fort- 
schritt über die erste vorläufige Anordnung der Platten, wie sie im Pergamon-Magazin 
durch die Bildhauer Freres und Possenti getroffen worden ist, zu ergeben und 
danach wird sich auch die Deutung hier und da anders gestalten, als von C. Robert 
in seinen eingehenden Untersuchungen über den Fries ^ angenommen worden ist. 

Die erste Aufgabe war, sich über den Oberbau des grofsen Altars zu ver- 
gewissern, um eine sichere Vorstellung über Ausdehnung und Anordnung des 
Frieses zu gewinnen. R. Bohn hat die architektonische Reconstruction des Altars, 
das erste Ziel seiner Thätigkeit in Pergamon, von dem ihn in der Folge immer 
neue und neue Funde und Arbeiten abdrängten, nicht mehr zu Ende führen können 
— ein beklagenswert früher Tod hat den rastlos Thätigen abgerufen, ehe er seine 
Pläne und Zeichnungen zum Altar hat vollenden oder zum erläuternden Text die 
Feder ansetzen können. Es mufste der Versuch gemacht werden, seiner Recon- 
structionsskizze, welche — unter allem Vorbehalt seinerseits — in C. Roberts 
Aufsatz mitgeteilt ist^ auf Grund seiner zahlreichen Aufnahmen und Notizen aus 
Pergamon und der im Berliner Museum befindlichen Bauglieder vom Altar nachzu- 
kommen. Diese Nachprüfung und eine Durchmusterung der vielen in Pergamon zurück- 
gebliebenen Reste des Altars hat in allen Hauptsachen Bohns Annahmen bestätigt, 
aber auch einiges Neue und gerade für die Anordnung des Telephosfrieses Wichtige 
ergeben. Mufs im Einzelnen noch vieles einem erneuten eingehenden Studium an 
Ort und Stelle vorbehalten bleiben — das Wesentliche steht schon jetzt fest und 
läfst sich — freilich nicht ohne genaueres Eingehen auf manche Punkte — darlegen. 

') Beiträge zur Erklärung des pergamenischen ebenda III 1888 S. 45 bis 65, VI. VII. S. 87 

Telephosfrieses I. II: Jahrbuch des Kais. Deut- bis 105 — citiert Jahrb. III. 

sehen Archäolog. Instituts II 1887 S. 244 bis 2) Jahrb. III S. 100, danach verkleinert in der 
259 — weiterhin citiert: Jahrb. II; III. IV. V. Beschreibung der Skulpturen aus Pergamon I 

Gigantomachie S. 3, 
Jahrbuch des archäologischen Instituts XV. lO 



gg Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 

I. 

Der Oberbau des Altars. 
Schon für die Gliederfolge der äufseren Verkleidung des Altarpodiums, 
deren Hauptstück der Gigantomachi^-Fries bildete, hatte Bohn nur wenige Anhalts- 
punkte an dem erhaltenen Kernbau gehabt. Für alles, was sich einst auf dem 
Podium erhob, war er ganz allein auf die in grofser Masse verstreut und verbaut 
gefundenen Bauglieder angewiesen; denn der erhaltene Fundamentkern erreicht an 
seiner höchsten Stelle (2.85 m über dem antiken Boden) nur etwa die Hälfte der 
Höhe des Podium (rund 5.25 m) und das regelmäfsige Netzwerk der Substructions- 
mauern läfst keinerlei Schlufs auf den einst darauf ruhenden Oberbau zu. Aus den 
Baugliedern hat Bohn die Hauptzüge der Anordnung von vornherein richtig erkannt, 
indem er annahm, dafs das obere Planum des Altars »ein nach oben offener, aber 
seitlich mit Ausnahme der Eingangsstelle von einer Wand, mit einer nach aufsen 
vorgelegten zierlichen Säulenhalle umschlossener Raum war, innerhalb dessen der 
eigentliche Altar stand« (Jahrbuch der Kgl. Preufsischen Kunstsammlungen I S. 162 
= Die Ergebnisse der Ausgrabungen zu Pergamon I. S. 43). Das System der 
Säulenhalle und ihre Verbindung mit der Wand beschreibt er in demselben 
Bericht — der einzigen zusammenhängenden Darlegung, welche er über den Altar- 
bau hinterlassen hat — folgendermafsen: »Ionische Säulenschäfte mit vierundzwanzig 
Canneluren und von verhältnismäfsig gedrungenem Verhältnis, mit unterem und 
oberem Rundstab, ruhen auf hohen, ähnlich wie in Priene aus rundem Plinthus, 
doppeltem Trochilus mit Spira darüber gebildeten Basen und sind gekrönt von 
einem Capital ionischer Version, welches in seiner hochvollendeten Feinheit an die 

Propylaeen und den Tempel der Nike Apteros zu Athen erinnert Auch 

die zu den Säulen gehörige durchgehende Stereobatplatte mit den runden Stand- 
spuren der Säulen ist uns erhalten Ein nach aufsen dreifach fascierter 

Architrav mit nur roh angelegtem Kyma verbindet die Säulen; die Länge der 
einzelnen Balken läfst sich mehrfach bestimmen, daraus also die Axweite; sie beträgt 
genau 1.40 Meter. Die Innenseite ist glatt, mit einem kleinen Kyma und Abacus 
nach oben abgeschlossen. Auf diesem Architrav ruht ohne Fries direkt das aus 
Zahnschnitt, kleiner Kehle und Hängeplatte bestehende Geison, an dem die Sima 
mit den Wasserspeiern angearbeitet ist, nach der Innenseite zu glatt mit einfachem 
Ablauf. Mit diesen beiden Gebälkstücken correspondieren nun die entsprechenden 
GHeder der den Säulen zugewendeten Wandfläche, ein Architrav, darüber ein Block 
mit dem gleichen Ablauf wie das Geison, welcher durch seine beiderseitige 
Profilierung die Wandstärke mit 0.59 m angiebt. Überdeckt ist die Halle durch 
eine Cassettendecke der einfachsten Form; Platten von 0.70 Meter Breite und 
1.40 Meter lichter Spannung liegen beiderseitig auf der Geison-Oberfläche und dem 
entsprechenden Wandglied auf, ohne Verdübelung, leicht nach aufsen geneigt, durch 
einen rinnenförmigen Einschnitt eine durchgehende wulstartige Erhöhung auf dem 
Geison deckend und dadurch gegen Verschiebung gesichert; die seitlichen Stofsfugen 
sind durch Überblattung gebildet, mit leicht nach oben gebogenen Rändern, ohne 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. gg 

dafs jedoch besondere darauf gehörige Deckziegel nachweisbar wären. Die Unter- 
ansicht dieser Deckplatten zeigt zwei meist quadratische, doppelt fascierte Ver- 
tiefungen, im Grunde derselben eine einfache schmucklose Fläche.« 

Als wichtig für die Reconstruction der das Altarplanum umschliefsenden 
Mauer erwähnt Bohn, dafs ihre Dicke »durch beiderseits profilierte Quadern bestimmt 
zu werden scheint und dafs eine Anzahl vorgefundener gepaarter Dreiviertelsäulen 
mit Basen-Plinthus, doppelter Spira mit Trochilus dazwischen und sehr zierlichen 

Capitälen mit Öffnungen dieser Mauer zusammenhängen werden An der 

Innenseite der Mauer werden wir das zweite kleinere Relief, von dessen Darstellung 
sich bis jetzt erst einige Scenen der Telephossage haben erkennen lassen, voraus- 
setzen müssen. Dasselbe besteht aus Platten von 1.58 Meter Höhe, nicht glatt 
endigend wie die Gigantomachie-Reliefs, sondern oben und unten mit kleinem 
Profil. Dafs es nach innen, d. h. also dem eigentlichen Altarraum zugewendet war, 
beweist der Fugenschnitt einiger vorhandener Eckstücke, aber in welcher Weise es 
mit der Wand verbunden war, worauf es ruhte und wie es gekrönt war, darüber 
fehlt noch jede Sicherheit.« 

Ebenso ungewifs läfst es Bohn, wie man sich den Mittelpunkt der ganzen 
Anlage, den auf der Plattform vorauszusetzenden Opferaltar zu denken habe: Ȇber 
seine Gestaltung giebt uns das Vorhandene gar keinen Anhalt. Wohl ist es möglich, 
dafs einige in der Nähe gefundene Reste dazu gehören, jedoch erscheint der Versuch 
einer Reconstruction noch nicht angebracht.« Bohn beschliefst seine Darlegung mit 
der Vermutung, dafs die grofse Freitreppe in die Südseite des Altars — noch 
ungewifs in welcher Breite — eingeschnitten habe. 

Die nächsten Fortschritte über diesen ersten Versuch hinaus ergaben sich 
aus der immer weiter geförderten Zusammensetzung des Gigantomachie-Frieses und 
dem immer vollständigeren Verständnis seiner Composition, wie es auf Grund der 
von Bohn sorgsam beobachteten Versatzmarken des Deckgesimses Puchstein gelang. 
Am wichtigsten war die Gewifsheit, dafs die grofse Treppe nicht an die südliche 
Schmalseite, sondern an die westliche Langseite des Altars zu setzen und die 
Treppenwangen weit schmäler anzunehmen seien, als Bohn auf der jenem Bericht 
beigegebenen reconstruierten Ansicht gethan hatte. In dem Maafs von 5.15 m für 
die Breite des Frieses an der PVont der linken (nördlichen) Treppenwange (am 
Reliefgrund gemessen) ist das einzige genaue Längenmafs für den Oberbau gegeben, 
denn die Gesamtmafse von Länge und Breite des Altars sind bei der starken 
Zerstörung und der Unregelmäfsigkcit des mit der Südseite aus dem Rechteck 
weichenden Fundamentkernes nicht völlig genau zu bestimmen. 

Auf Grund dieser neuen Daten und einiger eigentümlich gestalteter Werk- 
stücke des Oberbaus, deren in jenem Bericht keine Erwähnung geschieht, hat Bohn 
seinen vorläufigen Plan gezeichnet, der hier vergröfsert, doch — bis auf die Ein- 
tragung des inzwischen in seiner allgemeinen Gestalt gesicherten Opferaltars — nur 
unwesentlich abgeändert wiederholt wird. Zur Erläuterung des Plans ist folgendes 

zu sagen. 

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Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 



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Abb. I. 



I. Der das Podium umschliefsenden Wand ist nur nach aufsen, nicht auch, wie 
in der Bildhauerwerkstatt der Museen lange geglaubt und auch sonst gelegentlich 
vermutet worden ist^ nach innen eine Säulenhalle vorgelegt. Die äufsere Halle 
ist, entgegen Bohns erster Annahme, auch auf der Eingangsseite, vor der von 
Öffnungen durchbrochenen Westwand durchgeführt. Wie man an eine Halle auf 

3) z. B. von Wickhoff, Wiener Genesis S. 42. 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 



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beiden Seiten der Wand denken konnte, lehrt ein Blick auf den Durchschnitt der 
Halle in Abb. 2*. Der Deckstein der Wand (D) hat auf beiden Seiten genau das 
gleiche einfache Cornichenprofil wie der Geisenblock (B); diente dies Profil auf der 
Aufsenseite der Wand wie am Geison sicherlich dazu, den Übergang von der 
verticalen Fläche der Wand und des Säulengebälkes zur horizontalen Decke zu 
vermitteln, so fragt man sich, ob es nicht auf der Innenseite der Wand den gleichen 
Zweck erfüllt habe. Die Frage kann bestimnit verneint werden. An dem im 
Berliner Museum bewahrten Decksteinblock mit angearbeiteter Ecke (Abb. 3) hat 
zuerst Dörpfeld beobachtet, dafs die Oberfläche nur in der nach aufsen liegenden 
Hälfte gerauht und als Auflager für die Cassettenplatten hergerichtet, in der nach 




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Abb. 2. 
innen liegenden Hälfte dagegen glatt gearbeitet und von der Witterung stark an- 
gegriffen ist — zum deutlichen Zeichen, dafs dieser Teil immer frei gelegen, niemals 
eine Decke getragen hat. Zahlreiche Stücke des Decksteins, die ich in Pergamon 
untersuchte, zeigen dieselbe Bearbeitung und ungleiche Verwitterung auf der Ober- 
seite, ein Auflager auf beiden Seiten nur einige, welche sich aufserdem durch be- 
trächtlich gröfsere Tiefe, 0.92 statt 0.59 m, von den übrigen unterscheiden. Sie 



*) Der Platz, welcher an der Wand dem Telephosfriese gegeben ist, wird weiterhin begründet werden 

(S. 107 unter 5). 



J02 Schrader, Die Anordnung und Deutung des Perganienischen Telephosfrieses. 






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Abb. 3. 

gehören, wie sogleich (unter 2) näher auszuführen ist, zu den auf den Treppen- 
wangen vorauszusetzenden dickeren Mauerschenkeln, um welche die Halle herum- 
geführt war. 

Fällt hiermit die innere Säulenhalle weg, so ist die Annahme einer Halle 
vor der westlichen, der Eingangswand notwendig. Nur diese kann mit den auf den 
Treppenwangen herumgeführten Hallen, welche ihrerseits durch die Auflagerspuren 
des Hallen-Stereobats auf den hierher gehörigen Eckstücken des Gigantomachie- 
Gesimses* gefordert werden, innere, concave Ecken bilden, wie sie für die beiden 
in Pergamon vorhandenen concaven Eckstücke des Zahnschnittgeison der Halle 
vorausgesetzt werden müssen. 

2. Die Gestaltung der Säulenhallen auf den Treppenwangen ist das 
schwierigste Problem, das der Plan des Oberbaus zu lösen giebt. 

Auszugehen ist von dem Breitenmafs der Treppenwangen, welches am 
Giganten-Friese der linken, nördlichen Wange, am Reliefgrunde, zu 5.15 m gemessen 
ist. Die Vorderflucht der auf dem Deckgesims auflagernden Stufe verläuft genau 
bündig mit dem Reliefgrunde; für die Breite der Säulenhalle auf den Treppenwangen 
samt den Stufen ist also das Mafs von 5.15 m gesichert. Bei einer Axweite der 
Säulen von 1.40 m ergiebt dies drei Intercolumnien und noch Raum für eine Stufe 
unter dem Stylobat von 0.215 m Auftritt. (3 X 140-1-0.52 (= zwei Halbmessern der 
Säulenbasis) +2X0.215 = 5.15). Zwei Stufen sind, wie ein Blick auf den Durch- 
schnitt Abb. 2 lehrt, durchaus nötig, damit nicht für die Ansicht von unten der 
Säulenfufs durch das weit vorkragende Deckgesims unschön weggeschnitten wird. 
Die Säulenreihen auf den äufseren Seiten der Treppenwangen waren somit von 
denen auf den inneren, der Treppe zugekehrten Seiten durch drei Intercolumnien, 
4.20 m, getrennt; das flache Cassettendach kann nicht von der einen Säulenreihe zur 



*) AE, ^E, ME, HE auf dem Plan II in der Beschreibung der Gigantomachie. 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 



103 



andern hinüber gespannt gewesen sein ohne eine mittlere Unterstützung. So ist 

Bohn dazu gelangt, die nördliche und südliche Kurzwand des Altarhofes auf den 

Treppenwangen als etwa um die Hälfte stärkere Schenkel — 0.92 statt 0.59 m — 

weiterzuführen. Dies Mafs ergaben die erwähnten Decksteine der Wand, von denen 

hier ein in Pergamon zurückgebliebenes Exemplar abgebildet wird (Abb. 4). Man 

bemerkt auf der Oberfläche auf beiden Seiten die 

Auflager für die von der Wand zu den beiden 

Säulenreihen hinübergelegten Cassettenplatten , die 

nicht etwa, wie man erwarten sollte, dicht gegen h oax. 

einander gestofsen waren, sondern einen an der 

starken Verwitterung des Decksteins kenntlichen 

Zwischenraum liefsen. Bohn hat den Deckstein der 

westlichen Endigung eines der beiden Mauerschenkel 

skizziert, auf dessen Oberfläche zu jenen beiden 

seitlichen Auflagerspuren noch eine dritte auf der 

Stirnseite hinzukommt, welche von den nach Westen, 

zu den vier Säulen der Front hinübergestreckten 

Cassettentafeln herrühren mufs. Man würde nun er- Abb. 4. 

warten, die Dicke der Mauer so bemessen zu finden, dafs sie genau in der Mittelaxe 

der Treppenwangen errichtet und von den beiden Säulenreihen gleichweit entfernt 

gewesen wäre. Dies war nicht der Fall, wie sich ergiebt, wenn man versucht, unter 

dieser Voraussetzung die massenhaft erhaltenen Cassettenplatten unterzubringen. 

Wäre nämlich die Mauer in der Mittelaxe der Treppenwange errichtet, so wären 

ihre Aufsenseiten von den Säulenmitten um 17.^ Axweiten weniger '/^ Mauerstärke, 



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Abb. 5. 

2.10 — 0.46 m = 1.64 m entfernt, die lichte Spannung der Cassettenplatten müfste 
also, wie ein Blick auf Abb. 7 zeigt, 1.64 m vermindert um den halben Durchmesser 
der Säule über der Basis, 0.20 m, 1.44 m betragen. Unter den von Bohn sorgfältig 
aufgenommenen Cassettenplatten lassen sich nun zwei Gruppen von merklich ver- 
schiedenen Mafsen scheiden. Die einen, bei weitem zahlreicheren, sind 0.69 bis 0.72, 



I04 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 





ausnahmsweise 0.65 oder 0.75 m breit; ihre lichte Spannweite läfst sich an zwei 
vollständig erhaltenen Exemplaren zu 1.27 m messen (vgl. Abb. 5), an den ver- 
stümmelten nach den genau gleichen Mafsen der Cassetten — 0.42 bis 0.43 m in 
der Längsrichtung, 0.48 bis 0.50 m in der Querrichtung der Platten — als mit den 
vollständig erhaltenen übereinstimmend berechnen. Aufser den beiden vollständigen 
Exemplaren sind 14 Bruchstücke von der auf den Säulen ruhenden, 17 von der auf 

der Wand ruhenden Seite, 9 aus der 
Mitte der Platten erhalten. Die Platten 
der zweiten Gruppe sind 0.79 bis 0.83 m 
breit; ihre lichte Spannweite läfst sich, 
da ein vollständiges Exemplar fehlt, 
nur nach den Mafsen der Cassetten — 
0.50 m in der Längsrichtung, 0.57 bis 
0,585 m in der Querrichtung der Platten 
— zu rund 1.52 m berechnen. (Vgl. 
die Aufnahme des gröfsten Bruchstücks 
Abb. 6.) Vorhanden sind 7 Bruchstücke 
von der auf den Säulen, 3 von der 
auf der Wand ruhenden Seite der 
Abb. 6. Platten. 

Das oben berechnete Mafs von 1.44 m für die Entfernung der Säulenmitten 
von der Wand — noch zu verringern um 3 — 4 cm für die Ausladung des Wanddeck- 
steins — stimmt weder zur ersten Gattung der Cassettensteine (lichte Spannweite 
1.27 m) noch zur zweiten (lichte Spannweite 1.53 m); dagegen ergiebt eine einfache 
Rechnung, dafs der gegebenen Entfernung von der Längsaxe der einen zur Längs- 
axe der andern Säulenstellung (4.20 m) fast genau genügt wird, wenn man auf der 
Mauer von 0.92 m Dicke einerseits Cassettenplatten der ersten Gattung, andererseits 
solche der zweiten Gattung aufruhen läfst: 

72 Säulendurchmesser über der Basis = 0.20 m 

Lichte Spannweite der Cassettenplatten der L Gattung =1.27 , 

Ausladung des Decksteins der Wand = 0.035 > 

Wandstärke = 0.92 , 

Ausladung des Decksteins der Wand = 0.035 > 

Lichte Spannweite der Cassettenplatten der II. Gattung = 1.53 , 

7j Säulendurchmesser über der Basis = 0.20 , 




Zusammen = 4.190 m 

Der in Abb. 7 mitgeteilte Durchschnitt durch die Hallen auf einer der Treppen- 
wangen wird die Rechnung klar machen und die Verschiebung der Wand aus der 
Mittelaxe und ihre Lage zu den beiden mittleren Säulen der Front verdeutlichen". 



^) Über die auf der Zeichnung angedeutete Ver- 
zierung der einen Wandseite mit dem Telephos- 



friese ist weiterhin zu handeln (vgl. S. 109 
unter 6). 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 



105 



Es entsteht nun die Frage, ob die um rund 21 cm breiteren Hallen den Aufsen- 
seiten des Altars oder der Treppe zugekehrt waren. 

Die Cassettenplatten der I. Gattung, von 0.69 bis 0.70 m Breite, gehören zu 
den durchaus in der Überzahl gefundenen Architraven von 1.40 m Länge, 
derart, dafs auf jedes Intercolumnium zwei Cassettenplatten kamen. Den Cassetten- 
platten der II. Gattung von 0.79 bis 0.83 m Breite entsprechen Architrave von 1.62 m 
Länge, von denen Bohn nur 4 Exemplare — gefunden sämtlich auf der unterhalb 




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Abb. 7. 

der Westseite des jAltars sich hinziehenden Terrasse — constatiert hat. Sie lehren, 
dafs in den um 21 cm breiteren Hallen auch der Abstand der Säulen um etwa 
ebensoviel, 22 cm gröfser war. Danach ist sicher, dafs die Hallen an der Front der 
Treppenwangen die kleineren Intercolumnien, also auch die geringere Breite hatten, 
denn drei Intercolumnien von 1.62 m würden eine Stylobatlänge von 3X1-62 + 0.52 m 
= 5.58 m erfordern, während nur 5.15 m zur Verfügung stehen. Dafs die breiteren 
und weitsäuHgen Hallen rings um die Treppe, die schmäleren an den drei Aufsen- 
seiten des Altars anzuordnen sind, darauf führt — abgesehen von dem Fundort der 
längeren Architrave im Westen, unterhalb der Treppe — zunächst die grofse Über- 
zahl der kürzeren Architrave und der dazu gehörigen Cassettenplatten der L Gattung; 



Io6 Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telepliosfrieses. 

entscheidend ist, dafs nur bei dieser Anordnung die Unregelmäfsigkeit der Anlage 
verständlich wird. Offenbar wünschte man die Eingangshalle, in welcher sich die 
Opferversammlung verteilte, um durch die Reihe der Öffnungen in den umhegten 
Raum einzutreten, geräumiger und weitsäuliger zu gestalten, gerade wie man, um 
die Thüröffnungen der Eingangswand möglichst zu verbreitern, die Zwischenpfeiler 
dünner angelegt hat, als die entsprechenden Säulen der vorgelegten Halle (gröfster 
Durchmesser hier 0.25, dort 0.36 m). Die Hallen an den drei Aufsenseiten des Altars 
hatten dagegen rein decorative Bedeutung und waren vermutlich niemals zugänglich, 
sondern mit einer Reihe teils stehender teils sitzender Colossalfiguren besetzt, von 
denen eine grofse Anzahl wiedergefunden ist. Die hierauf hindeutenden Umstände 
des Befundes sind an anderer Stelle'' aufgeführt; hier mag eine Skizze des dort er- 
wähnten Fragments einer Eckplatte des Stylobats (im Berliner Museum) folgen, an 

r •;:.--=----•-:.- - welchem das bei der Auflagerspur der Ecksäule hin- 

:/ laufende und umbiegende Auflager für die vorauszu- 

.': ^•^ ^ -:^=rr"?S ^ setzende bankartige Basis jener Figuren deutHch erkenn- 

:\ I . * ^\ bar ist. Dafs man die breitere Halle der Eingangsseite 

: ■ • .. I . ■< \ , '. \ in gleicher Breite und Weitsäuligkeit zu beiden Seiten 

• K- s CJ \ ^^^ Treppe fortsetzte — woraus sich die Verschiebung 

' ^-^K^ - \ V der Wand aus der Mittelaxe ergab — mag sich aus 

1 f °" ': der Absicht erklären, diese Räume mit zur Vorhalle 

zu ziehen und dem Publikum offen zu halten. Wie 
der Übergang vom breiteren zum schmäleren Raum 
an der Cassettendecke vermittelt war, läfst sich aus dem bisher bekannten Material 
nicht entscheiden. Auch die Zahl der Säulen auf jeder Seite ist einstweilen nicht 
mit völliger Sicherheit festzustellen, da, wie erwähnt, Länge und Breite des Altars 
nur mit annähernder Genauigkeit bestimmt werden können. Als einigermafsen 
sicher kann gelten, dafs zu den Seiten der Treppe je 6 Säulen von 1.62 m Axweite 
standen. Die Unterstufe der Eingangshalle bleibt dann hinter der Vorderkante der 
obersten (24.) Treppenstufe um 1.15 m zurück, es entsteht also ein Absatz, welcher 
angeordnet sein mag, um die Stufen der Halle nicht als Fortsetzung der beträchtlich 
höheren und breiteren Stufen der Treppe (Höhe 0.225, Breite 0.40 m gegen 0.165 
und 0.215 m) erscheinen zu lassen. 

3. Den Öffnungen der Eingangswand hat Bohn die in seinem ersten Bericht 
erwähnten schmalen, beiderseits mit ionischen Dreiviertel-Säulchen verkleideten, in 
der Tiefe mit der Wanddicke übereinstimmenden Pfeiler zugewiesen, von denen 
zahlreiche Stücke wiedergefunden sind. Auf seinem Plan sind 10, auf dem oben 
mitgeteilten 12 den Intercolumnien der vorgelegten Halle entsprechende Öffnungen 
angenommen. Es wäre wichtig für die Schätzung der einstigen Ausdehnung des 
Telepliosfrieses, ihre Zahl genau zu bestimmen, doch sehe ich einstweilen kein 
Mittel dazu; dafs sie zahlreich waren, lehrt die Thatsache, dafs die im Berliner 

'') Sitzungsberichte d. Kgl. Akademie d. Wissenschaften 1899 S. 622. 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 



107 



Museum vorhandenen Bruchstücke von Capitälen dieser Pfeiler nach der Verschieden- 
heit der Decoration und der Arbeit mindestens 7 verschiedenen Exemplaren zu- 
gehören*. Sicher ist andererseits, dafs die Wand nicht in ihrer ganzen Ausdehnung 
in eine Pfeilerstellung aufgelöst war, sondern von den beiden Ecken her eine Strecke 
weit geschlossen vorsprang. Denn die 6 vom Telephosfriese erhaltenen Eckstücke 
setzen 3, also an einem symmetrischen Bau, wie dem Altar, 4 Ecken voraus, so 
dafs der Fries notwendig von den drei geschlossenen Wänden auf die vierte, die 
Eingangswand übergegrifien haben mufs. 

4. Die Gestalt des Opferaltars, des eigentlichen Mittelpunktes der ganzen 
Anlage, ist an anderer Stelle ausführlich begründet^ Er hatte die Form eines 
länglich-rechteckigen, etwa 3— 4 m hohen, mit einem reichen ionischen Gebälk ab- 
gedeckten Podiums, auf das von der einen Langseite, vermutlich der Westseite her 
zwei Treppenaufgänge hinaufführten. Die genauen Mafse von Länge und Breite 
sind unbekannt, aber nach der grofsen Zahl der wiedergefundenen Gebälkstücke 
schwerlich geringer anzusetzen, als auf dem Plan geschehen ist (rund 14 zu 7 m) *". 

5. Wie der Telophosfries an der Innenseite der die Altarplattform um- 
schliefsenden Wand angebracht war, hatte Bohn zweifelhaft gelassen. Folgende 



8) Die von Robert (Jahrb. III S. loi f.) hervor- 
gehobene Möglichkeit, die Westwand bis auf 
eine mittlere Öffnung von ca. 2 m Breite ge- 
schlossen zu denken — wofür die Ära pacis 
Augustae verglichen werden kann — wird 
durch diesen Thatbestand abgeschnitten. 

') Die Opferstätte des pergamenischen Altars, 
Sitzungsberichte der Kgl. Akademie der Wissen- 
schaften 1899 S. 612 — 25. 
■o) In dem jüngst von Puchstein gegen meine Dar- 
legung erhobenen Widerspruch (Koldewey und 
Puchstein, Die griechischen Tempel in Unter- 
italien und Sicilien I S. 189 Anm.) erkenne ich 
als berechtigt an, dafs in der That die von 
mir angenommene Lage des Aufgangs auf den 
eigentlichen Opferheerd an seiner Ostseite 
auftällig und anstöfsig erscheint. Natürlicher 
ist es zu glauben, dafs die in der Westseite des 
Unterbaus einschneidende gewaltige Treppe sich 
unmittelbar fortsetzte in den beiden kleineren 
auf die Höhe des Opferheerdes führenden 
Treppen. Diese Anordnung läfst sich in der 
auf dem Plane angedeuteten Art mit den uns 
erhaltenen Eckstücken des Gebälkes vereinigen. 
Man mufs nur annehmen, dafs beide Treppen 
rechtwinklig umbogen, wie am grofsen Altar 
des Hieron zu Syrakus, und dafs das Gebälk 
nicht an der Rückseite des Opferheerdes, wie 
ich damals glaubte, sondern an den Treppen 
hin in der Ausführung vernachlässigt war. Dann 



behalten die Eckstücke den ihnen damals zu- 
gewiesenen Platz, nur die an beiden Seiten 
vernachlässigte Architravecke y mufs statt an 
eine der beiden Ecken des Podiums zwischen 
den Treppen an die eine der beiden inneren 
Ecken, um welche die Treppen umbiegen, gesetzt 
werden. 

Für unberechtigt und irreleitend mufs ich 
Puchsteins Forderung erklären, dafs der perga- 
menische Altar, wenn er in manchem den 
sicilischen Altarbauten ähnlich gedacht werde, 
nun auch in allen Einzelheiten ihnen entsprechen 
müsse, z. B. unmöglich den Schmuck von 
Statuen auf der Höhe des Opferheerdes getragen 
haben könne, den ich für wahrscheinlich halte. 
Die Überstimmungen mit dem sicilischen Altar- 
typus erklären sich aus der Gleichheit des 
Zweckes. Die grofse Verschiedenheit ist ebenso 
deutlich — auch an dem Unterbau des perga- 
menischen Altars, dessen Gestalt ganz sicher 
steht. Die sicilischen Altäre sind langgestreckt, 
der pergamenische quadratisch, jene, auch die 
stattlichsten, wie der des Hieron, sind nur 
riesige Vergröfserungen kleiner Altäre, dieser 
ist eine baulich reich ausgestaltete, mit Reliefs 
und Rundsculpturen fast überreich geschmückte 
Anlage, weit ähnlicher den prächtigen asiatischen 
Grabbauten, z. B, dem Maussolleum zu Halikarnafs, 
als den sicilischen Altären. 



io8 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 





Abb. 9. 



Beobachtung giebt darüber, wie mir scheint, ausreichende Sicherheit. Der Fries, 
an seiner Sohle ohne Profil oder Fufsplatte — Bohns entgegengesetzte Behauptung 
(vgl. vorher S. 99) ist irrtümlich — ist oben mit einem einfachen Kymation unter 
einer Leiste abgeschlossen. Dieselbe Verbindung eines Kymation mit einer Leiste 
kehrt nun, genau in den gleichen Mafsen, wieder als oberer Abschlufs der Innenseite 

der Säulenarchitrave wie der Wandarchitrave, welche 
Bohn richtig an der Aufsenseite der Wand, . dem 
Säulenarchitrav gegenüber angeordnet hat. (Vgl. 
Abb. 9.) Erwägt man nun, dafs die Wand an ihrem 
Deckstein auf der Aufsen- wie auf der Innenseite 
dasselbe Cornichenprofil zeigt, so ergiebt sich von 
selbst, dafs das obere Profil des Telephosfrieses dem 
des Wandarchitravs entsprochen haben mufs, mithin 
in gleicher Höhe auf der Innenseite der Mauer anzu- 
ordnen ist. Die Sohle des 1.58 m hohen Relief- 
bandes liegt dann 1.38 m über dem Boden, also nicht 
viel unter Augenhöhe des Beschauers. Der untere Teil der Wand, unter dem Friese, ist 
als die gewöhnliche Orthostatenschicht aufzufassen; deren Deckplatte scheint, nach aller- 
dings spärlichen Resten, zu einem zierlichen Zahnschnittgesimse ausgestaltet gewesen 
zu sein, auf welchem die F'riesplatten aufstanden. Von einem profilierten Sockel, 
wie ihn Bohn an der Aufsenseite der Wand auf seiner reconstruierten Ansicht der 
nördlichen Treppenwange (Jahrbuch der Kgl. preufs. Kunstsammlungen I S. 163 
= Die Ergebnisse der Ausgrabungen zu Pergamon I S. 44) andeutet, mag die eine 
der beiden Arten von Sockelprofilen herrühren, welche in Pergamon auf der ganzen 
Fundstätte der Altarreste reichlich vorkommen, die einen, 0.22 m hoch, aus Hohl- 
kehle, Torus, Apophysis, die andern, 0.365 m hoch, aus zwei durch eine Kehle ge- 
trennten Toren und Apophysis bestehend. Die andere Gattung wird dann dem 
Opferaltar zuzuweisen sein — eine genauere Untersuchung der Eckstücke wird 
vielleicht die Entscheidung ermöglichen ^^ 

Wir sind jetzt in den Stand gesetzt, uns den Gesamteindruck des Frieses 
in seinem architektonischen Rahmen zu vergegenwärtigen. Wer durch eine der 
Öffnungen der Westwand eintrat, fand sich alsbald in einem verhältnismäfsig 
schmalen Umgang um den rechteckigen, mit glatten Wänden aufsteigenden Opfer- 
altar, der die äufsere Umfriedigungsmauer des Umgangs von 3.50 m Höhe noch 
überragt haben mag. Diese Umfriedigungsmauer mufs im Verhältnis zu ihren 
Längenmafsen — rund 15.50 m an den kurzen, rund 26.50 m an den langen Seiten — 
niedrig erschienen sein. Das Abschliefsende ist ihr genommen durch den Fries, 
der ihre ganze obere Hälfie einnahm. Über den Köpfen der zum Opfer ver- 
sammelten Gemeinde erblickte man da in wechselnder landschaftlicher Umgebung 
die Heldengestalten aus der Vorzeit des pergamenischen Volkes. Über der ge- 

") Für die reconstruierte Ansicht des Aufbaues des Opferaltars (a. a. O. S. 612) ist versuchsweise 

die zweite Gattung benutzt. 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. log 



waltigen, sich drängenden Fülle von Figuren, die in ununterbrochenem Strome, in 
leicht sich von einander abhebenden Scenen vorüberziehen, ist breiter Raum gelassen, 
in den in flachem Relief Bäume und Felsen, leicht angedeutete Bauten und von 
Säulen getragene Götterbilder wie in freie Luft aufragen. Es entspricht ganz der 
Art, wie sich die Reliefdarstellung, in ihrer unteren Hälfte gedrängt, nach oben hin 
auflöst, dafs sie nicht durch ein stark betontes architektonisches Abschlufsglied 
belastet ist, vielmehr die ideale Landschaft des Frieses nur durch eine schmale 
Leiste und eine gelind sich vorwölbende Corniche vom Himmel abgegrenzt wird 
— in bezeichnendem Gegensatz zum Gigantomachie-Friese, welchen das dicht über 
den Köpfen der Figuren mächtig vorkragende und schattende Deckgesims so fest 
in den Körper des Unterbaus hineinzieht. 

6. Für die Abschätzung der einstigen Länge des Telephosfrieses und 
die Anordnung der erhaltenen Reste im Bau ist es wesentlich zu wissen, ob der 
Fries nur den Umgang um den Opferaltar auf der Nord-, Ost- und Südseite "^ind 
auf der Innenseite der geschlossenen Schenkel der Westwand schmückte — das ist 
die nächste und natürlichste Annahme — oder ob er etwa auch auf die äufseren, 
der Treppe zugewandten Seiten dieser Mauerschenkel und auf die Zungenmauern auf 
den Treppenwangen übergriff. Die leztere, auch von Robert'^ in Betracht gezogene 
Möglichkeit war wenig wahrscheinlich, so lange das Altarplanum als weiter Hof 
gelten mufste, in welchem der Fries in mehr oder minder vollständiger Ausdehnung 
übersehen werden konnte. Jetzt, wo wir annehmen müssen, dafs der Opferheerd 
den weitaus gröfsten Teil des Innenraumes, bis auf einen schmalen Umgang, ein- 
nahm, erscheinen die Bedingungen, unter denen der Fries in der Vorhalle gesehen 
werden konnte, nicht mehr gar zu verschieden von der Art, wie man ihn im Innern 
sah. Nun waren die drei die Treppe umgebenden Hallen von gleicher Breite und 
Säulenaxweite, die Eingangshalle selbstverständlich, die seitHchen Hallen höchst 
wahrscheinlich dem Publikum geöffnet und frei von dem Schmuck von Colossal- 
figuren, welchen wir für die schmäleren Hallen auf den Aufsenseiten des Altars an- 
nehmen. Sollten die der Treppe zugekehrten für das Publikum von dort und von 
der Halle aus bequem sichtbaren Wände jeden Schmuckes bar gewesen sein, während 
doch der Gigantomachie-Fries, ungeachtet der gröfseren räumlichen Schwierigkeit, 
die Treppe beiderseits begleitet? Wenn man den Reichtum an plastischer Decoration 
bedenkt, der am ganzen Bau verschwendet ist, so wird man eine solche Vernach- 
lässigung der Aufgangsseite für sehr unwahrscheinlich halten und den Anzeichen für 
eine so grofse Ausdehnung des Frieses, die sich wie Robert so uns bei dem Versuch 
einer Verteilung der Friesplatten ergaben, um so mehr Bedeutung beimessen, als 
die Möglichkeit, sich den Fries an der Innenseite der Eingangswand zur Rechten 
und Linken der Öffnungen weit ausgedehnt zu denken, durch die grofse Zahl der 
Zwischenpfeiler jener Öffnungen ausgeschlossen wird. In dem Abb. 7 mitgeteilten 
Durchschnitt durch die Hallen auf der rechten (südlichen) Treppenwange ist deshalb 



'2) Jahrb. III S. loi ff. 



I jO Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 

versuchsweise der Fries auf der der Treppe zugewandten Seite der Wand angedeutet 
worden. Sichere äufsere Merkmale für die vorausgesetzte Anordnung haben sich 
leider bisher nicht auffinden lassen. Ein Versuch, die Art der Befestigung der 
Platten an der Wand dafür zu verwerten, ist nicht geglückt. Immerhin sind hier einige 
Worte darüber am Platz, da sich daraus — jene Anordnung als richtig vorausgesetzt 
— ein negatives Kriterium für den Platz einiger Platten des Frieses entnehmen läfst. 

Die Friesplatten sind, gleichviel ob roh oder mehr oder minder vor- 
gearbeitet, versetzt, auf ihrem Lager verdübelt, oben untereinander verklammert 
worden, ehe noch die Aufsenseite der Wand aus Quadern zu gleicher Höhe empor- 
geführt war. Denn in einer Höhe von rund 0.90 m finden sich an vielen, nicht 
allen, Platten, an ihrer roh hergerichteten Rückseite, meist ungefähr in der Mitte, 
wagrechte Löcher, 5 — 6 cm breit, 2 cm hoch, 4 — 5 cm tief, nach innen ein wenig, 
etwa wie schwalbenschwanzförmige Klammerlöcher, verbreitert. In manchen sieht 
man noch Blei stecken. Ohne Zweifel waren darin flache Eisen vergossen, welche 
klammerartig von oben in die dahinter liegende Quaderschicht eingriffen. Erst 
nachdem dieser Verband hergestellt war, kann die Quaderwand weiter in die Höhe 
geführt worden sein. Nur in seltenen Fällen sind dann die Friesplatten mit der 
obersten Quaderlage verklammert worden. Die Beobachtung, dafs nicht alle Platten 
mit dem Klammerloch in 0.90 m Höhe versehen sind, legte die Annahme nahe, 
diese möchten von den geschlossenen Teilen der Westwand herrühren, welche, wie 
wir voraussetzen, auf beiden Seiten mit dem Friese verziert war, in ihrem oberen 
Teil also aus zwei Rücken gegen Rücken stofsenden Friesplatten bestanden haben 
mufs — denn die durchschnittliche Stärke der Platten beträgt 0.30 m, die Hälfte 
der Wanddicke (vgl. den Durchschnitt durch den nördlichen Schenkel der Westwand 
Abb. 18 S. 135). Eine Verklammerung der Platten untereinander, an ihren Rückseiten, 
war natürlich unmöglich. Näheres Zusehen lehrte jedoch, dafs diese Art der Ver- 
klammerung keineswegs regelmäfsig durchgeführt war, vielmehr von mehreren an- 
einander schliefsenden Platten die einen so verklammert waren, die andern nicht. 
Z. B. von den drei Telephos im Kreise der Argiver darstellenden Platten 38. 39. 40 
zeigen 38 und 39 Klammerlöcher, 40 kein Klammerloch. So ergiebt sich anstatt 
eines Beweises für die fragliche Anordnung des Frieses nur die Forderung, dafs — 
die Richtigkeit der Anordnung vorausgesetzt — Platten mit Klammerloch auf der 
Rückseite nicht zu einem der beiden beiderseits mit Relief verzierten Schenkel der 
Westwand gerechnet werden dürfen. Auf dem Übersichtsblatt ist deshalb unter 
jeder Platte angegeben, ob an ihrer Rückseite ein Klammerloch vorhanden ist 
(KL.) oder nicht (KL. O.) oder ob der Erhaltungszustand eine Entscheidung darüber 
nicht erlaubt (KL. ?). Bei der Bestimmung des Platzes einer der Fries-Ecken wird 
es nötig sein, hierauf zurückzukommen (S. 134). 

II. 

Die Anordnung der erhaltenen Reste des Telephosfrieses. 

Wir vergegenwärtigen uns zunächst die zur Lösung der Aufgabe zur Ver- 
fügung stehenden Hilfsmittel. 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. m 



Ein vergleichender Blick auf das Übersichtsblatt in Puchsteins Beschreibung 
der Gigantomachie (T. I) und die Beilage zu diesem Aufsatze lehrt, wie viel mehr 
vom Telephosfriese verloren ist als von der Gigantomachie. Ist deren Composition 
nur hier und da — auf die längste Strecke in der Mitte des Ostfrieses — unter- 
brochen, so ist vom Telephosfriese kaum die eine oder andere Scene vollständig auf 
uns gekommen, eine längere Reihe zusammengehöriger Scenen nur an wenigen 
Stellen erhalten. Der Eindruck trauriger Verstümmelung ist beim ersten Anblick 
fast niederschlagend, die Mannigfaltigkeit jäh abgeschnittener Scenen fast ver- 
wirrend. 

Die Gesamtlänge der erhaltenen Platten und gröfseren Plattenreste — die 
Menge vom Grunde losgebrochener Teile der Reliefs bleibt natürlich aufser 
Rechnung — beträgt rund 34.80 m, die einstige Gesamtlänge des Frieses — unter 
der Annahme, dafs er sich auf den eigentlichen Altarhof beschränkte — rund 65.50 m 
(44- 15.50+26.50+ 15.50+4 m), falls er, wie wir annehmen, auf die Aufsenseite der 
geschlossenen Schenkel der Ostwand und auf die der Treppe zugewandten Seiten 
der Zungenmauern auf den Treppenwangen übergriff, rund 89.70 m (65.50 + 3.60 + 
8,50 + 3.60+8.50 m). Im ersteren Falle wäre etwas mehr als die Hälfte, im letzteren 
etwas mehr als ein Drittel des Ganzen erhalten. Offenbar haben die verhältnis- 
mäfsig handlichen und für Bauzwecke brauchbaren Friesplatten das Schicksal der 
einfachen Werkstücke des Aufbaus geteilt, von deren manchem, nach Bohns 
Angabe, bei einer durchschnittlichen Länge des Umfangs von 120m in Summa 
noch nicht einmal mehr als 10 m vorhanden sind''. 

Den Fundort der Friesfragmente bei der Bestimmung ihres einstigen Platzes 
zu verwerten, hat gelegentlich Robert versucht^* — gewifs in Erinnerung an den 
Nutzen, den bei der Wiederzusammensetzung der Gigantomachie die Beachtung der 
Fundstellen gehabt hat. Dagegen darf man einwenden, dafs beim Abbruch des 
Altars die Gigantomachieplatten ganz anderen Bedingungen unterlagen, als die des 
Telephosfrieses. Während jene auf den antiken Fufsboden stürzten und dort un- 
gestört liegen blieben, soweit sie nicht für Bauzwecke verschleppt wurden, fielen 
diese, losgerissen von der Wand, an der sie befestigt waren, auf die Altarplattform, 
welche in der Folge fast auf die Hälfte ihrer Höhe, 2.85 statt 5.25 m, abgetragen 
wurde, wobei unmöglich die Falllage der einzelnen Platten gewahrt geblieben sein 
kann. Wenn trotzdem mehrere zusammengehörige Platten an derselben Stelle ge- 
funden worden sind, so darf dies um so weniger verwundern, als es an der Nord- 
Ost-Ecke des Altars geschehen ist, der Hauptfundstätte für die Friesfragmente, 
welche hier im Mittelalter bei der Anlage dürftiger Wohnhäuser verbaut worden 
sind. Dabei sind gelegentlich auch zusammengehörige Platten von weither heran- 
geholt worden und haben sich mit ursprünglich weit von ihnen getrennten zusammen- 
gefunden. So sind in dieser Gegend, auf einem Flächenraum von etwa 15 Qm die 
drei gröfsten Stücke der aus drei Platten (38. 39. 40) bestehenden Scene, welche auf 

' ^) Jahrbuch der Kgl. Preufs. Kunstsammlungen I S. 1 60 = Die Ergebnisse der Ausgrabungen zu Pergamon I S. 4 1 . 

1*) Jahrb. III S. 98. 104. 



112 Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 

Telephos, Heilung suchend im Kreise der Argiverfürsten, sicher gedeutet ist, und 
die Platte mit der an das Kultbild der Athena gelehnten Auge (20) zu Tage ge- 
kommen, also eine Scene, welche dem Schlufs des ganzen Cyclus nahe stehen mufste 
neben einer aus der Jugendgeschichte der Helden. 

Von dieser Seite ist, wie mir scheint, keine Hülfe zu erwarten; wir bleiben 
angewiesen auf die Merkmale, welche die Platten selbst darbieten. Gewifs haben 
sie einst, gleich allen andern Werkstücken des Altars, Versatzmarken getragen, als 
sie, sei es unbehauen, sei es bossiert, versetzt werden. Sie werden auf den Vorder- 
seiten der Platten gestanden haben, so dafs sie bei der Fertigstellung des Reliefs 
verschwanden. Keinerlei Spur ist jetzt davon zu bemerken. Dafs die Art der 
Verklammerung der Platten an ihren Rückseiten den erhofften Anhalt für ihren 
Platz am Bau nicht ergeben hat, wurde schon bemerkt. Es bleibt, als einzige Hülfe, 
der stilistische Charakter der einzelnen Platten. Nun wird man sich die Herstellung 
des Telephosfrieses nicht anders vorstellen als die der Gigantomachie, welche, 
offenbar einheitlich in der Composition, mindestens der einzelnen Seiten, nach den 
erhaltenen Inschriften von einer gröfseren Anzahl von Künstlern ausgeführt worden 
ist, sicherlich — darauf deuten doch die Inschriften — mit grofser Freiheit in den 
Einzelheiten, vielleicht nach einem viel kleineren und sehr viel weniger ausgeführten 
Modell. Ob es je gelingen wird, den Anteil der einzelnen Hände am grofsen Friese 
zu bestimmen, wird sich erst entscheiden lassen, wenn einmal alles Erhaltene unter 
gleichen Bedingungen aufgestellt ist. Die Schwierigkeit der Aufgabe, durch die 
Ungleichmäfsigkeit der Erhaltung schon für die Gigantomachie grofs genug, wird 
für den Telophosfries noch gesteigert durch die geringe Zahl gröfserer, in sich 
zusammenhängender Stücke, durch die Verschiedenheit der bald aufs Feinste ge- 
brachten, bald nur eben angelegten Arbeit und durch die Mannigfaltigkeit der Gegen- 
stände der Darstellung. Mir scheint — nach mehrfachen Versuchen — eine 
Gruppierung der erhaltenen Reste des Telephosfrieses, allein nach stilistischen 
Rücksichten, aussichtslos, um so mehr, als die Möglichkeit nicht auszuschliefsen ist, 
dafs derselbe Künstler oder Steinmetz an verschiedenen Stellen des Frieses ge- 
arbeitet haben könnte. Dagegen kann, in Fällen, wo durch die Darstellung die 
Zusammengehörigkeit nicht unmittelbar aneinander schliefsender Plattenreste zu einer 
und derselben Scene nahe gelegt wird, das Kriterium der stilistischen Verwandtschaft 
die letzte Entscheidung geben. Ich glaube auf diesem Wege zwei Scenen herstellen 
zu können, welche an zwei Ecken gehören und — bei gesicherter Deutung — als 
feste Punkte für die Einordnung der übrigen Scenen und ihre Verteilung am Bau 
dienen können, soweit deren Bedeutung klar ist. Vorausgesetzt ist dabei, dafs der 
Fries einzig die Schicksale des Telephos, des berühmtesten Helden von Pergamon, 
schilderte und nicht etwa noch andere Lokalsagen in die Darstellung einbezogen 
waren, wie Conze sehr mit Recht als möglich annimmt". Die Möglichkeit darf 
aufser Spiel bleiben, seitdem — wesentlich durch Roberts Bemühungen — eine 

1*) Jahrbuch der Kgl. Preufs. Kunstsammlungen I S. 184 = Die Ergebnisse der Ausgrabungen zu 

Pergamon I S. 67. 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 



"3 



ganze Reihe von Scenen mit einiger Sicherheit auf die Telephossage, keine auf eine 
andere Sage bezogen worden ist, überdies an mehreren Stellen die Ausführlichkeit 
der Schilderung deutlich hervortritt. 

Scene links von einer Ecke: 
Bau der Arche, in welcher Auge ausgesetzt werden soll. 

(5-8-). 









Abb. lo. 

Die Deutung der an einander schliefsenden Platten 5 und 6 ist schon in 
Pergamon gefunden worden '^ Vier Arbeiter sind mit Säge und Drillbohrer, mit 
Meifsel und Zimmermannshacke beschäftigt, einen muldenähnlichen Kahn und einen 
gewölbten Deckel dazu herzustellen, offenbar die Arche, in welcher Auge dem 
Meere überantwortet werden soll. Diese sitzt im Hintergrund auf einem Felsen, 
zusammengekrümmt, kummervoll auf einen flachen Kasten starrend, welchen eine 
Dienerin ihr vorhält, während eine zweite den aufgeklappten Deckel fasst. Links 



"^ Die Ziffern verweisen auf die Nummern, welche 
den einzelnen Platten oder eine Platte consti- 
tuierenden Fragmenten auf dem Übersichtsblatt 
gegeben sind. Die von Robert den Scenen ge- 
gebenen Buchstaben werden in den Anmerkungen 
citiert mit der Hauptstelle seiner Ausführungen. 
Jahrbuch des archäologischen Iiistitats XV'. 



— 5. 6 = Robert B (Jahrb. II S. 244 f.) 8 = Y 
(Jahrb. III S. 97). 
"■) Conze im Jahrb. d.Kgl.Preufs.Kunstsammlungenl 
S. 184 ==r Die Ergebnisse der Ausgrabungen zu 
Pergamon I S. 67. Pilling (Qitomocfo Telephi 
fabulani et scriptores et artifices veteres tractaverint, 

II 



IIA, Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses, 

steht, den Bau anordnend, ein Mann im langen Königsgewand e, Aleos, Auges 
Vater oder Nauplios, dem jener, nach verbreiteter ÜberHeferung (vgl. Paus. VIII 
48.5, Apollodor Biblioth. III 9.1, Pilling a. a. 0. S. 68 f.) seine Tochter zur Be- 
strafung übergeben hatte. 

Die Scene ist links so gut wie vollständig; rechts mufs die Hälfte des mit 
dem Schlägel ausholenden Arbeiters eine jetzt fehlende Platte enthalten haben. 
Den Abschlufs nach rechts bildete, wie ich glaube, erst die Platte 8: in einem 
hohen dreibeinigen Gestell hängt ein grofser Kessel, unter dem eine kauernde 
Dienerin das Feuer schürt; von Gestell und Kessel enthält die Platte nur die eine 
Hälfte neben ihrem linken Rande, die andere Hälfte ergänzte die links anstofsende 
Platte, von der die Figur einer jener Dienerin ähnlichen, nur nach rechtshin be- 
schäftigten Magd losgebrochen sein mag. Das Fragment (7) ist daher versuchsweise 
zwischen 6 und 8 eingeordnet worden, obgleich die Tracht, ein um die Beine 
geschlagener Mantel ohne Untergewand, für eine Dienerin ungewöhnlich erscheint. 
Die Figur würde zusammen mit dem fehlenden Teil des Arbeiters von 6 eine Platten- 
breite von 0.70 m gerade ausfüllen^^ 

Der Felsen im Hintergrunde von 5 und 6 setzt sich auf 8 fort und dient 
einer reich gewandeten Frau als Sitz, welche ruhig nach links blickt, offenbar un- 
bekümmert um das Treiben der Mägde zu ihren Füfsen — gewifs eine Bergnymphe, 
welche dem Bau der Arche zuschaut. In dem mächtigen Kessel wird, so möchte 
man denken, das Pech flüssig gemacht, mit dem die Arche gedichtet werden 
soll. Das wäre ein Zug episch-behaglicher Schilderung, dergleichen im Friese so 
häufig begegnen, dafs der Schlufs auf ein ausführliches Epos als unmittelbare Vorlage 
des Frieses sehr nahe liegt. 

Die Zugehörigkeit von 8 zu 5 und 6 hängt nicht an der Deutung der Dar- 
stellung allein; ebendahin drängt die Gleichheit des Stils und der technischen Aus- 
führung, welche schon Freres und Possenti veranlafst hat, 8 neben 6 zu rücken, 
während Robert keine Rücksicht darauf nimmt, übrigens auf 8 die Bereitung eines 
Mahles im Gebirge unter Aufsicht der auf dem Felsen sitzenden Frau dargestellt 
findet. Die ruhig sitzende Nymphe und die knieenden Mägde wie die bekümmert 
sich zusammenkrümmende Auge sind einander überaus ähnlich in der schlichten und 
ausdrucksvollen Natürlichkeit der Bewegung und der leichten und fliefsenden Be- 
handlung des Gewandes. Wenn es schwer ist, dies in Worten deutlich zu machen, 
so läfst die mitgeteilte Photographie erkennen, was mir entscheidend dünkt: dafs 
die Unfertigkeit der Arbeit, welche in der untern Hälfte von 6 und den angrenzenden 
Teilen von 5 über die erste Anlage mit Flach- und Zahneisen kaum hinausgebracht 
ist, genau so wiederkehrt in der linken unteren Hälfte von 8, besonders an dem . 
Kessel samt. Gestell und am linken Arm der Dienerin, während die Platte weiter 

Hallische Dissertation 1886 S. 82) und Robert Kante gemessen — gehen unter jenes Mafs 

haben die einleuchtende Deutung übernommen. herab (8 = 0.58; 35^=0.67; 36 = 0.47; 47 = 

18) Die Plattenbreite schwankt zwischen 0.67 und 0.72; 48 = 0.57 m). 
1.07 m. Nur die Eckplatten — bis zur schrägen 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. II5 

rechts und in ihrem oberen Teil gerade wie der gröfsere Teil von 5 und die obere 
Hälfte von 6 einen fertigen Eindruck macht'^ Offenbar ist hier im unteren Teil 
des Frieses gleichsam eine Insel unfertiger Arbeit stehen geblieben, die von 6 aus 
nach links und rechts übergrifft". 

8 ist am rechten Rande auf Gehrung geschnitten, wie sich an einer kleinen 
Stelle, an der linken Hand der Nymphe sicher erkennen läfst. Ein Teil der Hand 
und des Felsens war aus der im rechten Winkel anstofsenden Platte gearbeitet. 
Dieser Umstand schliefst die Zugehörigkeit zweier unter den drei erhaltenen rechten 
Eckplatten aus: 36 und 48 zeigen an der entsprechenden Stelle glatten Grund. So 
bleibt nur übrig, dafs entweder eine uns fehlende Eckplatte hierher gehöre, oder 
Platte 9^\ deren Oberfläche am linken Rande leider abgesplittert ist. Für 9 spricht, 
dafs darauf im Hintergrunde rechts neben dem nackten Körper Fels angegeben 
scheint, welcher den auf 8 sichtbaren fortsetzen würde. Zu einer Deutung reicht 
das wenige Erhaltene nicht aus: ein straff aufgerichteter nackter Mann nach rechts, 
sehr hoch im Relief; daneben links, sehr flach, die Spur des Umrisses eines Mannes 
in Vorderansicht, mit Gewand am Rücken und Bauch. Die Zugehörigkeit des in 
der Zeichnung bei Robert angefügten mir rätselhaften Fragments, in welchem Robert 
den Kopf des nackten Mannes und einen von ihm auf dem Rücken getragenen Krug 
erkennt, scheint mir unsicher. 

Scene zu beiden Seiten einer Ecke: 
Telephos' Landung und Empfang bei den Argivern. 
(34-40^^). 
In der vorläufigen Aufstellung sind die Platten 36 — eine rechte Eckplatte 
— und 37 neben die aneinander schliefsenden Platten 16 — 18^^ gerückt, welche in 
zwei Scenen zeigen, wie ein gepanzerter Krieger von zwei Frauen mit Schild, 
Helm und Lanze gerüstet wird, dann einer jetzt fehlenden Person, wohl zum Ab- 
schiede, die Hand reicht. Statt dieses offenbar jugendlich -kräftigen Mannes — sein 
Kopf fehlt leider in beiden Scenen — erscheint auf 36. 37 von links heranschreitend 
und von zwei Doryphoren begleitet ein in einen langen Mantel gehüllter Mann, der 
sich schwer auf einen in die linke Achsel gestemmten knotigen Stab stützt, ganz 

") Das Fragment von 7 ist zu sehr verwittert, um jungen Orest bedrohenden Telephos (42) das 

ein Urteil über den Grad der Vollendung zu Schwert immer gefehlt hat, so möchte ich lieber 

erlauben. annehmen, dafs man vergessen habe, es einzu- 

20) Spuren von Unfertigkeit finden sich noch an setzen, als mit Robert glauben, dafs Telephos 

manchen Stellen des Frieses. Auf 11 ist über »die rechte Hand zur Faust balle, als ob er 

den Köpfen der Frauen eine grofse rechteckige den Kopf des Kindes zerschmettern wolle« 

Bosse stehen geblieben, auf welcher nur rechts (Jahrb. IL S. 245). 

einige Platanenblätter ausgearbeitet sind. Der 21) ßgi Robert Z (Jahrb. III S. 97); auch von ihm 

rechte Rand derselben Platte durchschneidet eine neben 8 gesetzt. 

nur im Rohesten angelegte sitzende Gestalt mit 22^ 34. 35 = L (Jahrb. III S. 51) 36. 37 = K, 

erhobenem rechten Arm. Auf 20 fehlt bei (Jahrb. III S. 48) 38. 39. 40 = F (Jahrb. II 

beiden Figuren die letzte Vollendung; am S. 251). 

weitesten zurückgeblieben ist der Kopf des ^3) jg. 17. 18 = Kg K3 (Jahrb. III S. 48ff.). 



Mannes. Wenn in der rechten Hand des den 



II' 



ii6 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 



in der für ältere Männer traditionellen Haltung. Mit der Rechten fafst er die Hand 
einer vor ihm stehenden Person. Diese wäre bei der jetzigen Aufstellung der 
Platten in dem am linken Rande von 16 in lässiger Haltung nach links stehenden 
Manne zu erkennen". Doch die Zusammenordnung trügt. Wenn die Umrifs- 
zeichnung bei Robert den Anschein erweckt, als setze sieh das rechte Bein des 
eben erwähnten Mannes auf 37 fort, so ist dies Täuschung: das hier angefügte 




Abb. II. 



Stück des Oberschenkels samt dem Knie ist völlig rund herausgearbeitet und hängt 
an keiner Stelle mit dem übrigens sehr verscheuerten Reliefgrunde von 37 zu- 
sammen ^^ In keinem Punkt setzt sich die Darstellung von 16 auf 37 fort, auch ist 
der rechte Rand von 37 nicht alte Kante, sondern Bruch — die Platte, jetzt 50 cm 
breit, ein Mafs, das nur an P^ckstücken vorkommt, war einst beträchtlich, mindestens 
etwa um 30 cm breiter. Dafs aber die Platten 36. 37 der Reihe 16 — 18 fremd 
sein müssen, lehrt ein vergleichender Blick auf die Arbeit beider Gruppen. Trotz 
aller Zerstörung der Oberfläche von 36. 37 erkennt man deutlich, dafs hier das Ge- 
wand einfach und streng, fast nüchtern, in wenigen geradlinigen Falten angelegt 
war, während die Figur am linken Rande von 14 wie alle in dieser Plattenreihe zu 
den Gestalten des Frieses gehören, an welchen das Gewand bis ins Einzelste, mit 
üppigem, fast übertriebenem Reichtum an Motiven durchgebildet ist. 

Nun ist die rechte Hälfte einer Ceremonienscene wie die, von welcher 36.37 



^*) So Robert. Er erkennt darin die Begrüfsung '^^) Für die photographische Aufnahme (Abb. 11) 
des jugendlichen Telephos durch König Teuthras. ist das Stück abgenommen worden. 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 



117 



die linke Hälfte darstellen, erhalten am linken Ende der Plattenreihe 38—41, welche 
sich aus der Masse der Friesreste durch die gleiche sichere und schlichte, fast alter- 
tümliche Behandlung des Gewandes heraushebt wie 36. 37. Den beiden Doryphoren, 
welche den auf den Stab gestützten Alten begleiten, entsprechen hier drei, ihnen 
entgegen, nach links gewandte, ruhig wie sie, stehende Männer; der Fürst, dessen Ge- 
folge sie bilden, nahm die rechte Hälfte der links anstofsenden Platte ein — der 




Abb. 12. 



Platte 37, wie wir annehmen, welcher rechts ein beträchtliches Stück fehlt. Ein 
kleiner an 38 links anpassender Rest hat dieselbe, nicht gewöhnliche Dicke von nur 
10 cm wie die Platte 37. 

Ein Blick auf die auf 38 r. beginnende, auf 39. 40 fortgesetzte Nachbarscene 
(vgl. das Übersichtsblatt) giebt der neuen Gruppierung der Platten eine erfreuliche 
Bestätigung. Der auf den Stab gelehnte Alte, in jenem Zusammenhange unverständlich, 
ist hier gefordert: es ist Telephos, der als bejahrter Mann, Heilung von seiner Wunde 
suchend, zu den Argivern kommt und — zunächst nicht erkannt — wohl von Agamemnon 
begrüfst wird. Die folgende Scene zeigt ihn, wie er, bärtig, nur mit dem Mantel 
bekleidet, im Kreise von vier argivischen Helden sitzt, welche neben einander auf 
einer mit einer herabhängenden Decke belegten Bank Platz genommen haben, 
während ihm selbst ein Stuhl herangerückt ist. Im Hintergrunde steht ein Doryphoros. 
Man hat eben gespeist; ein Knabe bringt von rechts auf einer Schüssel Früchte und 
Kuchen zum Nachtisch, ein zweiter von links schenkt den Wein. Ganz in homerischer 
Weise wird der Gast, erst nachdem er gegessen hat und man zum Nachtisch und 
zum Wein übergegangen ist, nach Namen und Begehr gefragt. Telephos steht 



jjg Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 

darauf Rede, indem er den Mantel zurückschiebt und die Wunde am linken Ober- 
schenkel entblöfst. Der ihm gegenüber sitzende Fürst scheint mit lebhafter Hand- 
bewegung zu antworten. Man mag denken, dafs er die Weigerung der Argiver, 
dem Feinde zu helfen, ausspricht. Leider ist das linke Bein des Gastes soweit 
fortgebrochen, dafs die Binde nicht erhalten ist, welche auf 42 (Telephos mit dem 
kleinen Orest auf dem Altar) um den linken Oberschenkel geschlungen die Wunde 
andeutet. Doch ist die Art, wie der Gast gerade diese Stelle entblöfst, so 
charakteristisch, dafs die von Robert vorgeschlagene Deutung auf Telephos im 
Kreise der Argiverfürsten als sicher gelten darf. Roberts Deutung weicht von der 
eben vorgetragenen in sofern ab, als er eine spätere Scene dargestellt findet, die 
Beratung der Argiverfürsteh, nachdem sich Telephos durch die Bedrohung des 
kleinen Orest Agamemnon willfährig gemacht hat. Die drei ruhig stehenden Männer 
links müfsten dann als Zuschauer bei jener aufregenden Scene, in der Telephos die 
Waffe gegen das geraubte Kind erhebt, gedacht werden — eine Annahme, deren 
Bedenklichkeit Robert selbst nicht entgangen ist. 

Die Scene ist links und rechts von den benachbarten durch je einen in 
flachem Relief angedeuteten Pfeiler mit Akroter gesondert. Von der rechts folgenden 
Scene ist nur der Oberkörper eines vornüber gebückten, mit einem Mäntelchen be- 
kleideten Mannes erhalten, nicht genug, um einen Schlufs auf die Bedeutung des 
Vorgangs zuzulassen. Besser steht es um die der Begrüfsung des Telephos voraus- 
iiegende Scene. Die an 36 im rechten Winkel anstofsende Platte ist von Freres 
und Possenti einleuchtend richtig in 35 erkannt worden, woran sich links 34 an- 
schliefst. Hier ist das Hinterteil eines ans Land gezogenen Schiffes dargestellt, aus 
welchem zwei Männer aussteigen, der eine mit einem zusammengerollten zottigen Fell 
auf den Schultern. Ein Dritter scheint beschäftigt, den Mast niederzulegen. Links vor 
dem Schiff steht ein behelmter Speerträger; von einem nach links forteilenden zeigt 
die Platte nur den zurückgesetzten Unterschenkel und den Umrifs eines kraterförmigen 
Gefäfses, das er auf den Schultern getragen zu haben scheint. Die Zusammen- 
gehörigkeit der beiden Eckplatten 36 und 37 kann als sicher gelten, obwohl an 36 
der gröfste Teil des Randes fehlt. Aber am linken, schräg geschnittenen Rande 
von 37 zeichnet sich der bauchige, nach unten eingezogene Schiffsrumpf deutlich 
ab und zwar genau bis zu der zu erwartenden Höhe von 66 cm; das Vorderteil des 
Schiffes verschwindet hinter der im rechten Winkel etwa an die Mitte des Schiffes 
sich anschliefsenden Gruppe des Telephos und seiner Doryphoren. Den Rand des 
aufgebogenen Vorderteils darf man wohl in der leicht gekrümmten flachen Erhebung 
über dem Kopfe des Doryphoros neben der Ecke erkennen, welche in der Richtung 
zu sehr von dem darunter sichtbaren Speerschaft des zweiten Doryphoros abweicht, 
um als dessen Fortsetzung gelten zu können. 

Mit epischer Ausführlichkeit wird, wie in 36 — 40 Telephos' Empfang bei 
den Argivern, so hier seine Landung in Argos geschildert. Homerische Verse 
schweben uns vor, wenn wir sehen, wie der Mast niedergelegt, der Reisevorrat 
herausgetragen wird. Selbst die Lagerstatt des wunden Fürsten ist nicht vergessen 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. ijq 



— denn als solche haben wir doch wohl das gewaltige zottige Tierfell aufzufassen, 
das zusammengerollt herausgetragen wird^^ 

Wir überblicken nunmehr mit Hülfe des Übersichtsblattes die erhaltenen 
Reste des Frieses, indem wir die eben reconstruierten Eckscenen zu einer Einteilung 
in drei Gruppen benutzen: 

I. Scenen, welche dem Bau der Arche (5 — 8) vorausliegen: i — 4. 
II. Scenen, welche zwischen dem Bau der Arche (5 — 8) und Telephos' 

Landung und Empfang bei den Argivern (34 — 41) einzuordnen 

sind: 9—33. 
III. Scenen, welche Telephos' Empfang bei den Argivern (34 — 41) 

folgen: 42 — 51. 

Vorauszuschicken ist, dafs die Scenen von links nach rechts auf einander 
folgten, wie die eben zusammengerückten Scenen von Telephos' Landung und 
Empfang und die Platten mit den Scenen der Rüstung und des Abschiedes eines 
Helden (16 — 18) beweisen. 

Die folgenden Bemerkungen zu den einzelnen Scenen sind möglichst kurz 
gehalten in allen Fällen, wo die von Robert gegebene Deutung gesichert schien; 
sie mufsten ausführlicher werden, wo Schwierigkeiten hervorzuheben, Abweichungen 
von seiner Deutung zu begründen oder neue Bruchstücke einzuführen waren. 

I. Scenen, welche dem Bau der Arche (5 — 8) vorausliegen. 

1—4. 
i". 

Nach Robert König Aleos, orakelsuchend vor einem auf hoher Basis auf- 
gestellten Idol des Apollo — vermutlich die erste Scene des Frieses, indem durch 
den Orakelspruch, der Aleos gebietet, seine Tochter unvermählt zu lassen, alle 
späteren Verwickelungen heraufgeführt werden. 

Dafs das bis auf die eng geschlossenen Beine zerstörte Idol Apollo gehöre, 
beweist der Lorbeerzweig, welcher über dem betend erhobenen rechten Arm 
des Königs erscheint — offenbar der Rest eines Baumes, neben dem das Götterbild 
stand. Nicht klar ist die Handlung des neben dem Betenden vor der Bild-Basis 
knieenden Mannes in Doryphoren-Tracht; die rechte, der Basis genäherte Hand hält 
zwischen Daumen und Zeigefinger einen schmalen, schräg aufwärts gerichteten 
Gegenstand, der Robert als Rest eines Griffels erschien, mit dem der Mann auf der 
von der abgebrochenen Linken einst gehaltenen Schreibtafel das Orakel aufgezeichnet 
habe. Nach der Richtung jenes Restes könnte er aber nur auf die Basis geschrieben 
haben, auch würde man die Schreibtafel auf dem 1. Knie ruhend denken, an welchem 
davon keine Spur sichtbar ist. R. Schoene dachte an die Befestigung einer Binde 



26) Roberts Deutung der Platten 36. 37 auf die zieht die Deutung von 34. 35 auf seine Landung 

Begrüfsung der jungen Telephos durch Teuthras notwendig nach sich. 

27) I =P (Jahrb. III S. 59 f.). 



I20 Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 

an der Basis, deren eines Ende jene Spur in der Rechten zurückgelassen habe. 
Wie dem auch sein mag — die Deutung auf ein Orakel wird man aufrecht erhalten 
können und bei der Wahl zwischen den beiden in der Sage wichtigsten Orakel- 
befragungen, jener des Aleos und der des Telephos nach seiner Verwundung, auf 
welche die berühmte Antwort: 6 Tpwaa? WasTat erfolgte, kann nur die erste in 
Betracht kommen, da Telephos an der einzigen Stelle, wo sein Kopf erhalten ist, 
in der Scene, die ihn im Kreise der Argiverfürsten zeigt (40), mit kurz geschnittenem 
Vollbart und Haar erscheint, während hier der Betende lang wallenden Bart und 
feierlich, nach Frauenart geordnetes, auf Schultern und Rücken herabfallendes Haupt- 
haar trägt. Die Kleidung ähnelt der des Fürsten — Aleos oder Nauplios — , 
welcher auf 5 den Bau der Arche anordnet. Kopf und Hals sind hier leider so 
zerstört, dafs ein Urteil über Haar- und Barttracht nicht möglich ist. 

2. 3'*- 

Zwei zusammengehörige Platten. In der Mitte der rechten ist durch einen 
Pfeiler Scenentrennung bezeichnet; links ist, wie Vorhänge im Hintergrunde andeuten, 
ein Gemach oder Saal, rechts steht ein Eichbaum mit reich belaubter Krone, an 
welchem Herakles, nach r. gewandt, vom Löwenfell umwallt sich festhält, indem er 
mit der Linken einen Ast umklammert. Gedenkt man der Sage, dafs er berauscht 
Auge im Reigentanz im heiligen Hain der Athena Alea erblickt und sich ihrer be- 
mächtigt habe, so wird man die Scene so ergänzen, wie es Pilling^'^ angedeutet und 
auch Robert angenommen hat: rechts ist Auge zu denken, sei es noch ahnungslos, 
dafs sie belauscht werde, sei es angstvoll fliehend vor der wilden Gestalt, welche 
sich zwischen den Bäumen zeigt. 

In der links sich anschliefsenden Scene ist dann die vorhergehende gastliche 
Aufnahme des Herakles in Aleos Haus zu erkennen^". Rechts in der Tiefe des 
Gemaches sitzt, nach links gewandt, eine Frau in reicher Kleidung, auf erhöhtem 
Sitz. Ein Mann in Chiton und kurzem Mantel steht vor ihr, wie sie nach links ge- 
wandt; von einem zweiten links, mehr im Hintergrunde folgenden ist nur ein geringer 
Rest vorhanden. Man wird auf der links anstofsenden Platte Herakles eintretend, 
Aleos ihn begrüfsend ergänzen; sein Gefolge bilden die beiden erhaltenen Männer. 
Die Königin bleibt auf ihrem Sitz, indem sie mit der Rechten das Gewand vor das 
Gesicht zieht — ganz wie im Homer: d'vxa Trapstatov tj^^ofxsvyj Inzapa xpr^osfxva^'. 

.32 

4 • 
Weiterhin, zu 1 1 und 12 wird ausgeführt werden, dafs 4, die rechts unvoll- 
ständige obere Hälfte einer Platte (vgl. Abb. 15), von Freres und Possenti mit Unrecht 
links neben 12 (Auffindung des Telephosknaben durch Herakles) gesetzt worden ist, 
dafs der Platanenzweig, welcher sich auf 4 über den Köpfen zweier in flachem Relief 
gehaltener Figuren nach links oben streckt, nicht zur Krone der Platane gehören kann, 

28) 2. 3 = O (Jahrb. III S. 58). der Annbewegung. Robert deutet sie als einen 

29) a. a. O. S. 80. Gestus der BegrUfsung. 

30) So auch Robert. 32) 4 = M (Jahrb. III S. 54). 
3') Der Zug der Mantelfalten fordert diese Erklärung 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telepbosfrieses. 



121 



unter welcher Herakles sein ausgesetztes Söhnchen findet. Roberts Deutung von 4 
auf die Landung der Arche in Mysien, allein auf die Nachbarschaft von 4 und 12 
gegründet, wird damit hinfällig. 

Da die landschaftliche Scenerie im ganzen Friese sehr bescheiden und nur 
zur Verdeutlichung der Handlung auftritt, darf man voraussetzen, dafs durch die 
Platane in beiden Fällen derselbe Wald angedeutet wird, dafs also wahrscheinlich, 
wie dort Telephos' Auffindung, so hier seine Aussetzung dargestellt sei. Von der 
Handlung ist leider so gut wie nichts übrig; die beiden Figuren im Hintergrunde 
— nur der Oberkörper ist erhalten — sind Nebenfiguren, etwa Dienerinnen der 
Auge^^ Ein vom Plattenrande durchschnittenes Kinderköpfchen — nach der Richtung 
des Schnittes liegend dargestellt — ist von Robert wohl mit Recht für den kleinen 
Telephos in Anspruch genommen worden^*. 

II. Scenen, welche zwischen dem Bau der Arche (5 — 8) und 

Telephos' Landung und Empfang bei den Argivern (34 — 41) einzuordnen 

sind: 9—33. 

9''. 

Dafs 9, der Rest einer rechten Eck- 
platte, möglicherweise mit der 1. Eckplatte 8 
zu vereinigen ist und dafs das Erhaltene zu 
einer Deutung nicht ausreicht, ist schon be- 
merkt (S. 38). 

Die Platte, eine der vollständigsten, 
zeigt einen König mit seinem sich um ihn 
drängenden Gefolge, das er anGröfse überragt, 
heftig nach links eilend (Abb. 1 3). Sein Begleiter 
zur Rechten weist nach vorwärts, vorwärts, in 
die Ferne ist der Blick des Königs gerichtet; 
der Doryphoros zu seiner Linken beschattete 
mit der jetzt abgebrochenen Hand die Augen, 
in der bekannten Haltung der in die Ferne 
Spähenden. In der Ferne, vor ihnen, mufs 
ein Ereignis ihre Aufmerksamkeit fesseln, 
das doch nicht bedrohHch sein kann, denn 
der König wie seine Begleiter — bis auf 
den Doryphoros im Hintergrund — sind 
waffenlos. Die langen Röcke nicht blofs des 




Abb. 13. 



^) Die rechts stehende, den Kopf zur andern um- 
wendende, ist nach der Haartracht weiblich; bei 
der zweiten — von Robert für männlich erklärten 
— halte ich die Entscheidung für unmöglich. 



3*) Jahrb. III. S. 55 unter N*. 

35) 9 = z (Jahrb. III S. 97). 

36) 10 = Q (Jahrb. III S. 87 f.). 



122 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 



Fürsten — bei ihm könnte man an die Tracht der Theaterkönige denken — sondern 
auch der beiden ihm vorauseilenden Begleiter mag am ehesten als asiatische Tracht 
gelten. Sie erinnern lebhaft an die langwallenden Chitone der Krieger auf den 
Friesen des Nereidenmonuments von Xanthos. Auch die bis zu den Waden hinauf- 
reichenden am oberen Rande mit herabhängenden Laschen versehenen Schuhe des 
Königs und zweier seiner Begleiter, scheinen auf dem Friese nur Asiaten zu tragen, 
z. B. der Doryphoros auf i6 links, der durch seinen mit phrygischer Mütze be- 
deckten Begleiter als Dienstmann eines Asiaten, des Teuthras, wie wir sehen werden, 
gekennzeichnet ist; ein ähnlicher am rechten Rande von i8. Das hohe Riemen- 
werk der von den Griechen getragenen Sandalen ist davon deutlich verschieden, 
vgl. 36 und 38. Alles zusammengenommen führt dahin, König Teuthras zu 
erkennen, der herbeieilt, das Wunder der ans Land treibenden Arche zu schauen. 

In dem einzigen Fall, wo König Teuthras 
mit ziemlicher Sicherheit zu erkennen ist, 
auf 20", ist er jenem Könige an Haar- 
und Barttracht etwa gleich, trägt ähnliche 
Schuhe, jedoch unter dem gleichen auf 
der rechten Schulter mittels Spange ge- 
nestelten Mantel einen gewöhnlichen kurzen 
Chiton. Daraus ist, wie mir scheint, 
kein Bedenken gegen die Identificierung 
der beiden Figuren zu entnehmen, vielmehr 
die Lehre, dafs im Friese keine pedanti- 
sche Sorge darauf verwandt ist, derselben 
Person auch immer ein völlig gleiches 
Kostüm zu geben, dafs vielmehr, soweit es 
die Deutlichkeit zuliefs, Abwechselung und 
Mannigfaltigkeit gesucht wurde. So trägt 
auch der Doryphoros des Teuthras auf 16 
seinen Chiton nicht lang herabwallend, wie 
auf 10, sondern hoch aufgeschürzt^*. 

In welcher Weise in der linken, jetzt 
fehlenden Hälfte der Scene die Landung 
der Arche dargestellt war, läfst sich nicht 
erraten *^ 




Abb. 14. 



^0 ^S^- di^ Bemerkungen über 20 S. . , . 

3^ Robert deutet 10 auf König Korythos, der auf 
die Kunde von der Ermordung der Aleaden 
durch seinen Pflegesohn Telephos herzueile. Es 
beirrt ihn in seiner Deutung der lange 
»Königsrock« des rechts neben dem Könige 
Hereilenden. Dasselbe Kleid trägt aber auch 



der ganz am linken Rande nur zum Teil er- 
haltene Begleiter, es kann also kaum als Königs- 
tracht gelten. 
3^) Robert teilte die Überzeugung der Bildhauer, 
dafs 4 links neben I2 gehöre und bezog die 
Platte auf die Auffindung der Arche (Jahrb. III 
S. 54). 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 12^ 

II. 12". 

Auf der nur wenig beschädigten Platte 1 1 (Abb. 14) sind vier mit einer religiösen 
Ceremonie beschäftigte Frauen dargestellt. Die erste links hat den rechten Fufs auf 
eine niedrige profilierte Basis gesetzt und hält, vornüber gebeugt, in der Rechten 
ein Gewandstück, das bis auf die Basis herabfällt. Eine zweite steht, von ihr zum 
Teil verdeckt, hinter ihr, offenbar auf der Basis und macht sich mit einem neben 
dem linken Rande der Platte lang und schmal herabhängenden, leider sehr ver- 
stofsenen Gegenstande zu schaffen. Darunter sieht man neben dem Plattenrande 
einige flache Stoffalten gerade herabfallen bis zur rechten Hand der zuerst be- 
schriebenen Frau. Dann folgen zwei ruhig dastehende, die Gesichter einander zu- 
wendende Frauen, die eine eine lange Binde, die andere eine Dose tragend. Am 
rechten Plattenrande erkennt man mit Mühe den Rest einer nur ganz roh angelegten 
Figur, die nach links sitzend den rechten Arm lebhaft erhebt. Die Basis mufs, in 
ihrer Verlängerung auf der linken Nachbarplatte, einen hohen, bis zum oberen 
Plattenrande hinaufreichenden Aufbau getragen haben, an welchem Stoffe herab- 
hängen oder befestigt werden, sicherlich eine Ädicula mit einem Götterbilde, 
welche die Frauen im Begriff sind, mit Draperieen und vielleicht mit Guirlanden — 
so könnte man den langen schmalen Gegenstand am Plattenrande deuten — zu 
schmücken. Die Binde in den Händen der dritten, die Büchse — doch wohl für 
Weihrauch — in denen der vierten weisen mit Bestimmtheit auf eine Kulthandlung. 

Die ganze rechte obere Ecke der Platte 1 1 nimmt eine viereckige Bosse ein, 
auf welcher dicht am rechten Plattenrande die letzten Spitzen eines Platanenzweiges 
sorgfältig ausgearbeitet sind. Platanenlaub finden wir noch zweimal im Friese dar- 
gestellt, auf 12 (Telephos' Auffindung durch Herakles) und auf der oben besprochenen 
Platte 4 (vgl. Abb. 15 und 14). Den reich belaubten Platanenzweig von 4 haben 
Freres und Possenti für die Fortsetzung des auf 12 am linken Plattenrande sicht- 
baren Astes gehalten. Mit Unrecht, wie ein Vergleich der Arbeit hier und dort 
lehrt. Auf 4 sind die Blätter reicher und tiefer ausgezackt und durch Unterbohren 
der Ränder zu einer kräftigen, unruhigen Wirkung gebracht, während die auf 12 
erhaltenen Blätter weit bescheidener, flach aufliegend gebildet sind — genau wie 
auf II. Ich halte es daher für so gut wie sicher, dafs an 12 links nicht 4, sondern 
eine uns fehlende Platte und an diese 11, mit dem letzten Ausläufer des Platanen- 
wipfels sich anschlofs. Auf der fehlenden Platte mögen noch weitere Teilnehmer an 
der Ceremonie von 11 dargestellt gewesen sein. 

Gegen diese Anordnung der Platten wendet Robert ein, dafs dann, da die 
Scene von Telephos' Findung Unks abgeschlossen sei, die Platanenkrone sich über 
eine Scene mit vermutlich anderem Lokal erstrecken würde. Derselbe Vorwurf 
trifft aber seine eigene These, wonach links neben 12 Platte 4 gehört, die er auf 
die Landung der Arche in Mysien deutet. Es ist auch unvermeidlich, dafs, wenn 
ein Baum mit reicher Krone am Rande einer Scene dargestellt ist, der Wipfel sich 

*o) n = N (Jahrb. III S. 55ff.) 12 = A (Jahrb. II S. 244). 



124 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenisclien Telephosfrieses. 



Über einen Teil der Nachbarscene ausbreitet. Eine Beobachtung der Bildhauer, 
welche Robert für seine Deutung der einst links an die Findungsscene anschliefsenden 
Darstellung anführt, scheint mir nicht stichhaltig: zwischen dem linken Plattenrande 
von 12 und dem Baumstamm sieht man in Hüfthöhe des Herakles einen 
Ansatz, an welchem man unter einer rundlichen Masse zwei flache, etwa wagrechte 
Stäbe unterscheidet. Freres und Possenti haben darin das Ende eines Kahnes er- 
blicken wollen. Ich kann keine Ähnlichkeit mit einem solchen finden — allerdings 
auch keine befriedigende Erklärung angeben. 

Was bedeutet nun, der Scene der Auffindung des jungen Telephos voraus- 
gehend, die Schmückung eines Kultbildes? 

Nach pergamenischer Überlieferung hat 
Auge ihren heimischen Athenadienst nach Pergamon 
gebracht (Inschriften von Pergamon I 156 Z. 23: 
TÖ ispov [t^?] 'A{>rjVa? [r^v tSpuaato Au^yj). An ein 
altertümliches in einer Aedicula aufgestelltes Idol 
der Athena — sehr ähnlich dem auf pergamenischen 
Münzen häufigen*^ — lehnt sie sich auf 20, Schutz 

suchend vor 
Teuthras, der sie 
zurEhemitTele- 
phos zwingen 
will. So liegt 
nichts näher, als 
auf II die feier- 




Abb. 15. 



liehe Inthronisation des Athenabildes in Pergamon 

durch Auge zu erkennen^^ Damit ist im Leben 

der Auge ein vorläufiger Abschlufs erreicht; die 

Bilderchronik kehrt nunmehr zum Kinde der Auge 

zurück und schildert seine Auffindung im Walde 

durch Herakles*\ 

13-19**. 

Roberts einleuchtender Deutung von 16 — 

18 habe ich, berichtigend oder ergänzend, einiges 

hinzuzufügen. Telephos kommt, seine Mutter 




Abb. 16. 



*i) Vgl. Robert, Jahrb. III S. 46. 

*^ Das Bruchstück eines altertümlichen dem auf 
20 ganz gleichen Kultbildes ist unter den Frag- 
menten — es wird von der links neben 11 
fehlenden Platte herrühren. Ein Athenaidol von 
abweichender Gestalt (abgeb. Jahrb. III S. 57) 
kann, wie Robert annimmt, das der Athena Alea 
bedeuten und einer früheren, in Arkadien 
spielenden Scene zugehören. 

**) Robert deutet 11, einen Gedanken von U. v. 



Wilamowitz aufnehmend, auf die Geburt des 
Telephos im Tempel der Athena Alea. Die 
Thätigkeit der beiden Frauen an und auf der 
Basis findet dabei keine Erklärung. Die Nach- 
barschaft der Scene mit der Darstellung von 
Telephos' Auffindung macht die Deutung vollends 
unmöglich — mindestens der Bau der Arche 
müfste dazwischen liegen. 
*) 14 r. = U* (Jahrb. III S. 92) 16 — 18 = K 
(Jahrb. III S. 48 fif.). 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. I2C 

suchend, als junger Held nach Mysien, wird von Teuthras freundlich empfangen 
(i6 links), von Auge zum Kampf gegen den Landesfeind gerüstet (i6 rechts, 17) und 
nimmt Abschied (18). 

Dafs 36. 37 (bei Robert K, links) der ersten Scene (16 links) fremd sind, ist 
schon begründet worden (S. usf.); dafür werden hernach die Plattenreste 13. 14 auf 
Telephos' Landung in Mysien bezogen werden; von der links an 16 anstofsenden 
Platte (15) ist nur ein kleines Bruchstück vorhanden, das vom Kopfe des am linken 
Rande von 16 erhaltenen Mysers die phrygische Mütze erhalten hat. Vorn, an 
ihrem überhängenden Teil, bemerkt man das Stück eines Stabes, vermutlich die 
Lanze, auf die sich die Figur stützte. Der lässig, mit übergeschlagenem rechten 
Bein dastehende Mann — von Robert für Teuthras gehalten — ist vielmehr mit 
seinem dicht an ihn gedrängten, ebenfalls die phrygische Mütze tragenden Begleiter 
zusammenzunehmen und beide sind als das Gefolge des weiter links zu ergänzenden 
Königs aufzufassen. 

Platte 18, auf der man Telephos, vollgerüstet, einer jetzt fehlenden Person 
die Hand hinstrecken sieht, ist rechts unvollständig; das Fehlende ergänzt vielleicht 
der untere Teil einer Frauenfigur in Vorderansicht, neben der man noch spärliche 
Reste eines auf einen Speer gestützten Mannes, den linken Fufs, das rechte Knie 
und ein Stück des Lanzenschaftes erkennt (19). Eine Plattenfuge durchschneidet 
die Frauenfigur; deren linke Hälfte, 0.18 m breit, würde mit 18 zusammen (Breite 
jetzt 0.70 m) das durchschnittliche Breitenmafs der Platten (0.86 m) gerade voll 
machen. Auch glaubt man am linken Bruchrande der Frauenfigur einen Ansatz zu 
bemerken, welcher von dem linken zurückgesetzten Bein des Doryphoros auf 18 
herrühren könnte. Die Frau, von zwei Doryphoren umgeben, wäre Auge zu be- 
nennen und die Scene als unmittelbare Fortsetzung der vorangehenden Waffnung 
zu deuten. 

Nach pergamenischer Tradition kam der junge Telephos mit arkadischen 
Genossen nach Mysien; von dieser Colonie wollten die Pergamener abstammen 
(Paus. L 4. 6: 'Apxaoes löaXouaiv etvai xtov ofxou TrjXscp«) Siaßavxmv i; ttjv 'Aaiav). Vielleicht 
sind aus der Schilderung der Landung dieser Auswanderer die unter 13. 14 zu- 
sammengestellten Fragmente übrig geblieben. 14 rechts ist ein Fragment des 
Vorderteils eines reich verzierten Schiffes. Von zwei darin stehenden Figuren in 
langem Gewände ist der Unterkörper zum Teil erhalten. Als an den linken Rand 
der gleichen Platte gehörig betrachte ich ein Fragment (14 links; linker Rand erhalten), 
das rechts neben einem senkrechten, glatten und schlanken Stamm, der sich oben 
ein wenig verdickt, den Oberkörper einer Frau mit lang in den Nacken fallendem 
Haarschopf zeigt, dicht am Stamm, etwas tiefer, einen arg beschädigten Kopf — wohl 
eines Kindes. Die Kleinheit der Figuren weist darauf hin, dafs sie nicht auf einer 
Linie mit der Masse der P'iguren des Frieses gestanden haben, sondern höher; der 
glatte Stamm ist am ehesten als Mast zu erklären. Ich erkenne hier das Schiff mit 
den arkadischen Auswanderern, darunter auch Frauen und Kinder. Diese stehen 
auf Deck und schauen nach dem Strande, wo eben Telephos von Teuthras begrüfst 



120 Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 

wird. Indes sind die Männer um das ans Land gezogene Hinterteil beschäftigt. 
Das Bruchstück 13 (links Rand erhalten) zeigt gerade noch einen kleinen Ausschnitt 
aus den aufstrebenden Rippen der üblichen Verzierung des Hinterteils (vgl. 34), 
davor, dem Schiffe zugewandt, den Leib eines nur mit einem Schurz bekleideten 
Mannes und, vom Schiffe abgekehrt, den Kopf eines zweiten, so tief, dafs er knieend 
zu denken ist. Für die Zugehörigkeit des Fragments zu dem Vorderteil von 14 
kann man die Verzierung jener Rippen mit Flechtband und Knospenreihe geltend 
machen, welche dem prächtigen Schmuck des Vorderteils mit Wellenband, Kymation 
und Zahnschnitt entspricht, während die Schiffshinterteile von 34 und 32. 33 ohne 
jedes Ornament geblieben sind. Gegen die von Robert behauptete Zugehörigkeit 
von 14 r. zu 32. 33 spricht ganz entschieden auch der Umstand, dafs das Schififs- 
bord an jenem Vorderteil um 10 cm höher ist als an diesem Hinterteil (0.65 gegen 
0.55 m). 

Auffallen könnte an der reconstruierten Darstellung, dafs das ans Land ge- 
zogene Schififshinterteil nach links gewandt, also der Scene der Begrüfsung des 
Telephos durch Teuthras abgekehrt ist. Vielleicht schien die Richtung der Fahrt 
deutHcher ausgedrückt, wenn sich das Vorderteil des Schiffes dem Lande zuwandte, 
in dem es eben angelangt war. Ähnlich ist es bei Telephos' Landung bei den 
Argivern geschehen (34 — 37), nur dafs hier das Schiff rechtwinklig zur Begrüfsungs- 
scene steht, das Vorderteil hinter dieser verschwindet. 

20. 21 *\ 

Die Platten 20 und 21 sind von Robert neben einander gerückt und nach 
Hygins fab. 100 gedeutet worden. Danach wird Auge dem siegreich aus dem Kriege 
mit den Feinden des Teuthras heimkehrenden Telephos als Siegespreis zugesprochen, 
sie aber, den Sohn in ihm nicht ahnend, zückt im Brautgemache das Schwert gegen 
ihn, um nicht die Umarmung eines Sterblichen zu leiden. Eine Schlange, von Athena 
gesandt, trennt beide. Es folgt die Erkennung. Robert betrachtet 20 als die rechte 
Hälfte einer die Vermählung der Auge mit Telephos darstellenden Scene: Auge, 
tief verhüllt, gegen das Kultbild der Athena gelehnt, wird fast gewaltsam von einem 
bärtigen Manne fortgezogen; auf 21 erkennt Robert, wie schon Pilling (a. a. O. 
S. 90 Anm. 6), jenen dramatischen Vorgang im Brautgemache. Erhalten ist, 
und zwar im Umrifs auf dem Plattengrunde, der Oberkörper eines nackten, vor 
einer gewaltigen Schlange jäh zurückfahrenden Mannes. Die Erklärung wie die Zu- 
sammengehörigkeit beider Platten scheint mir, trotz der Zerstörung des ganzen 
Unterteils von 21, so gut wie sicher. Am rechten Rande von 20 ist durch einen 
Pfeiler Scenentrennung angegeben; es folgte offenbar das Brautgemach; das Ende 
einer reichgeschmückten Kline wird neben dem Pfeiler eben noch sichtbar. Und 
gerade in deren Höhe kommt der Sitz, welchen wir unter dem halb sitzend ge- 
dachten Manne von 21 ergänzen müssen. 

Zur Deutung von 20 möchte ich noch bemerken, dafs ich in dem bärtigen 

45) 20 = J (Jahrb. III S. 45); 21 = C (Jahrb. I S. 245). 



Schrader, Die Anordnung uud Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 127 

Manne, welcher an Auge herantritt und, ihren Unterarm fassend, sie vom Bilde ihrer 
Göttin hinweg vermutlich dem Bräutigam zuführt, statt, wie Robert, einen Doryphoros 
des Königs Teuthras, lieber den König selbst erkennen möchte. Die Struppigkeit 
von Haar und Bart, welche Robert auffiel, kommt auf Rechnung der nur im Rohesten 
angelegten Arbeit; fertig ausgearbeitet würde der Kopf etwa so aussehen wie der 
des Königs auf lo. Die Doryphoren aber sind, so weit ihre Köpfe erhalten sind, 
sämtlich jugendlich unbärtig gebildet (PI. lO. i6. 36. 38. 51). 

22—33". 

Dafs die Schlacht in der Ebene des Kaikos, die einzige grofse Heldenthat, 
welche die Pergamener aus ihrer Vorzeit zu rühmen fanden*^, im Friese ausführ- 
lich geschildert war, ist vorauszusetzen und lehrt ein Blick auf die grofse Fülle von 
Fragmenten kämpfender Krieger, welche sich erhalten haben. Merkwürdig, dafs 
gerade von diesen Scenen am allerwenigsten in vollständigen Platten auf uns ge- 
kommen ist. 

Zu den von Robert in diesen Zusammenhang gerückten Fragmenten habe 
ich folgendes zu bemerken. 

Die Deutung der beiden Scenen 23 — 24 und 25 wird man zunächst nicht 
ohne einiges Misstrauen lesen**. Sie ist hergenommen aus Philostrats Heroikos, einer 
Schrift, deren Pointe ist, allbekannte Sagen in möglichst sonderbarem Aufputz, vor 
allem aber abweichend von Homer zu erzählen, die neben seinen Lieblingen, 
Achilleus und Odysseus, zurücktretenden Helden zu erheben und mit grofsen Thaten 
zu schmücken. So spricht er selbst seine Absicht unverhohlen aus (S. 145, 22fr. 160. 
31 ff. ed. Kayser). Die Erzählung kleidet sich bekanntlich in das phantastische Ge- 
wand von Offenbarungen aus dem Munde des Heros Protesilaos. So wird die Schlacht 
in der Kaikosebene, die einzige, an welcher Protesilaos teilgenommen hat, zur 
gröfsten, welche je Griechen und Barbaren ausgefochten haben (S. 157. 13 ff.). 
Telephos, von der Absicht der Griechen, in Mysien zu landen, vorher unterrichtet, 
hat sein Kriegsvolk versammelt und Bundesgenossen gewonnen, darunter den Ares- 
sohn Haimos und die skythischen Helden Heloros und Aktaios, Söhne des Flufs- 
gottes Istros (S. 157. 20 ff.). Auch die mysischen Frauen, amazonengleiche Weiber, 
voran Hiera, Telephos' Weib, nehmen zu Pferd am Kampfe teil; Hiera fällt von 
Nireus' Hand (S. 160. i ff.). Heloros und Aktaios, die zu Wagen kämpfen, müssen, 
da die Rosse scheuen, vom Wagen springen und fallen von Aias' Hand (S. 159 
I ff.). Nun ist in der That auf den sichtlich zusammengehörigen Resten dreier 
Platten 22 — 24 der Kampf zweier Krieger mit einer berittenen Amazone dargestellt" 

4C) 22 — 24 = G (Jahrb. II S. 253—59), 25 = H 'AyafJ-^IJivovi TrjXecpou 'z6X^^.r^^xa, ote "EUtjve? a(j.ap- 

(ebenda), 28 = T (Jahrb. III S. 91), 30. 31 = E xdvTe« 'IXfou xö i:e8{ov ikft]\dTOW x6 Müatov tb; 

(Jahrb. II S. 249 fF.), 32. 33 = U (Jahrb. III y^jv TpijiaSa. 

S. 91 f.). *8) Jahrb. II S. 253-259. 

*0 Vgl. Paus. I. 4. 6: xpto ol yvcupifxuixaxa etpyac- *^) Das kleine Stück einer auf felsigem Boden 

xcti a-fiai, x^c xe '"Aaloa dp^^rj xrjc xa'xu) xal i] liegenden weiblichen Brust (rechts ist Platten- 

FaXaxüiv diz oüxf/C dvaj((upT)at? xal xö I« xou? auv rand) wird gleichfalls hierher gehören. 



J28 Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 

und die fast vollständig erhaltene untere Hälfte einer Platte (25)*° zeigt zwei über 
ein gefallenes Wagenpferd" stürzende Krieger, welche die Feinde sich anschicken 
ihrer Waffen zu berauben. Robert findet, dafs diese beiden langgelockten Jünglinge 
»durch die vollkommene Ähnlichkeit der Gesichtszüge als Brüder charakterisiert 
seien«. Ich möchte, wenn die arge Beschädigung der beiden Köpfe ein Urteil zu- 
liefse, hier wie in anderen Fällen, wo Robert Familienähnlichkeiten bemerkt, nur 
die Ähnlichkeit des dem Künstler geläufigen Typus anerkennen. Aber die Zu- 
sammengehörigkeit der beiden ist in der That deutlich ausgedrückt durch die fremd- 
artige, ihnen allein eigne Rüstung, einen eng anliegenden Lederkoller, und bestimmt 
auf skythische Heimat deutet der Goryt, der skythische Köcher, der dem einen 
eben vom Rücken genommen wird. Man wird danach nicht leugnen können, dafs 
die beiden Scenen den von Philostrat geschilderten so entsprechen, dafs ein Zufall 
ausgeschlossen scheint. Es bleibt dann kaum ein anderer Weg der Erklärung als 
der von Robert eingeschlagene offen: dafs diese Scenen von Philostrat nicht frei 
erfunden, sondern — wir wissen nicht, auf welchem Wege — vermutlich aus einer 
pergamenischen Dichtung übernommen sind. Darin mochte der von der älteren 
Sage offenbar sehr knapp behandelten Schilderung der Schlacht durch allerhand 
Erfindungen mehr Fülle und Bedeutung gegeben sein. 

Roberts Deutung der Plattenreste 30 auf die Verwundung des Telephos 
durch Achill ist gesichert durch das Weinlaub, das man auf dem Reliefgrunde 
zwischen den Beinen der Kämpfer angedeutet sieht. Denn nach der Sage wurde 
Telephos durch Rebzweige, welche Dionysos aufspriefsen liefs, in der Bewegung ge- 
hemmt und dem Gegner preisgegeben. Auch die Zugehörigkeit des Torsos eines 
nach links vorstürmenden Dionysos (31) ist danach sehr wahrscheinlich. 

Der Flucht der Argiver zu den Schiffen hat Robert mit Recht die spärlichen 
Trümmer zweier Platten (32. 33) zugewiesen, welche einen nackten Jüngling zeigen, 
der, die Schififstreppe emporkletternd, den rechten Arm lebhaft einem im Schiff 
stehenden Manne entgegenstreckt. Dafs das Vorderteil der PI. 14 (U*), das Robert 
damit verbindet, wohl in einen andern Zusammenhang gehöre, wurde schon be- 
merkt (S. 126). 

Bei PI. 28 schwankte Robert, ob sie der Kaikosschlacht oder etwa dem früheren 
Kampfe des Telephos mit Teuthras' Feinden zuzuzählen sei. Seitdem ist sie durch 
die untere Ecke der links anstofsenden Platte erweitert und um einen charakteristischen, 
für die Deutung entscheidenden Zug bereichert worden. Ein an der rechten Seite 
schwer verwundeter Held bricht über der Leiche eines behelmten Kriegers zu- 
sammen, von hinten her, wie es scheint, gestützt durch einen Genossen, der, nach 
einer Ansatzspur zu schliefsen, sein Knie unter jenes rechte Achsel gestemmt hat 
und vielleicht auch seinen gehobenen linken Arm hält. Rechts ein nackter Krieger 
nach rechts davoneilend. Von jenem Toten hat sich nachträglich der am Boden 

^0) Die Zugehörigkeitdes links angefügten Fragmentes ^') Man erkennt, wie Robert bemerkt, den das Joch 
eines vorgebeugten männlichen Oberkörpers ist haltenden Gurt und vielleicht einen Rest des 

zweifelhaft. Joches. 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. I2g 

ausgestreckte rechte Oberarm gefunden. Er berührt sich mit einem zweiten, im 
Ellenbogen gekrümmten Arm , wiederum natüriich eines Toten oder Verwundeten. 
Dazu ist in der rechten unteren Ecke der linken Nachbarplatte ein Stück des 
Rückens erhalten, daneben der Fufs und angrenzende Teil des Unterschenkels eines 
niedrig, wahrscheinlich am Boden rechtshin sitzenden Mannes mit um die Beine ge- 
schlagenem Mantel. Geringe Reste zweier aneinander schliefsender Platten (26. 27) 
zeigen, von der Aufsenseite eines Schildes sich abhebend, den Umrifs eines ruhig 
nach links gewandten lockigen Kopfes. Der Schild wird zum Teil überschnitten 
von einem zweiten, von innen sichtbaren — offenbar gehören sie zwei im Nahkampf 
auf einander prallenden Kriegern. Der Kopf befindet sich danach etwa in der Höhe 
eines am Boden Sitzenden. Seine ruhig-aufrechte Haltung verbietet, an einen Ver- 
wundeten zu denken — der um ihn tobende Kampf berührt ihn nicht, es ist ein 
zuschauender Gott. Die Zusammengehörigkeit jenes Kopfes mit jenem Fufse ist 
danach sehr wahrscheinlich. Von einem Gegenstück ist auf dem Unterteil einer Platte 
(29, beiderseits Plattenrand, Breite 0.75 m) ein Rest erhalten: die in den Mantel ge- 
hüllten Beine eines nach links am Boden Sitzenden. Im Hintergrund die Unter- 
schenkel einer mit einem Chiton bekleideten, nach rechts forteilenden Figur. Setzt 
man 29 rechts neben 28, so erhält man für den nach rechts stürmenden nackten 
Krieger von 28 den Feind, den er verfolgt, und für den zuschauenden Gott von 27 
ein genau entsprechendes Gegenüber. Der Vergleich mit den beiden sich gegen- 
übersitzenden Flufsgöttern von 50 Hegt nahe und die Vermutung bietet sich von 
selbst an, dafs hier der Kaikos mit einem Nebenflufs der Schlacht an seinem Ufer 
zuschauend gemeint sei. Die Zugehörigkeit der Plattenreste 26 — 29 zur Kaikos- 
schlacht ist damit so gut wie gesichert. 

Über die Reihenfolge der erhaltenen Kampfscenen und über die zwischen 
ihnen anzunehmenden Zwischenräume ist leider nur soviel mit Bestimmtheit auszu- 
machen, dafs die Flucht zu den Schiffen den Abschlufs nach rechts hin gebildet 
hat und dafs nach Ausweis der grofsen Zahl vereinzelter Fragmente von Kämpfenden 
sehr weite Lücken klaffen müssen. Auf dem Übersichtsblatt ist die Verwundung 
des Telephos dicht an die Scene der Flucht zu den Schiffen gerückt, da Telephos 
als der gewaltige Vorkämpfer dargestellt sein mufste, der die Argiver in die Flucht 
gejagt hat. Für die Anordnung der übrigen Scenen fehlt jeder Anhalt. 

III. Scenen, welche Telephos' Empfang bei den Argivern folgen: 

42—51. 
Diesem Abschnitt läfst sich mit Bestimmtheit nur eine Scene zuteilen (42. 43); 
die übrigen — nicht völlig sicher gedeutet — haben hier ihren Platz erhalten, da 
es sich bei einem Versuch der Verteilung der Friesplatten auf die verschiedenen 
Wände, wovon zum Schlufs ausführlicher berichtet wird, als unmöglich herausstellte, 
diese Platten an einer früheren Stelle unterzubringen, gleichzeitig aber für alle 
aufser 47. 48 wenigstens eine Möglichkeit der Deutung in diesem Zusammenhange 
zu bestehen schien. 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XV. 12 



j -jQ Schrader, Die Anordnung und Deutung des Perganienisclien Telephosfrieses. 

42. 43". 

Die Platte 42 ist nach bekannten Analogieen schon in Pergamon richtig 
gedeutet worden". Telephos hat sich des jungen Orest bemächtigt und auf den 
Altar im Hause Agamemnons geflüchtet Die Magd, der er das Kind entrissen hat, 
ist am Altar in die Kniee gesunken. Links naht Agamemnon. Sein Blick richtet 
sich nicht auf den Altar, wo eben Telephos drohend die Waffe gegen den Knaben 
erhebt^*, sondern darüber hinweg nach rechts — offenbar ist dort Klytaemnestra 
zu suchen, welche Telephos zu der verzweifelten That angestiftet hat (vgl. Hygins 
fab. lOi). Versuchsweise ist deshalb rechts neben 42 das oberste Viertel einer 
Platte (links und rechts Rand erhalten; Breite 0.76 m) gerückt worden, auf welcher 
man rechts neben einer Säule den nach links gewandten, halb vom heraufgezogenen 
Mantel bedeckten Kopf einer Frau erkennt. Die Säule wird, da dahinter keine 
Vorhänge erscheinen, nicht einen Innenraum bezeichnen, sondern das den Hof um- 
ziehende Peristyl. Der Kopf befindet sich in solcher Höhe, dafs unter den Füfsen 
eine Schwelle, vielleicht der Stylobat der Säule anzunehmen ist. Auf den Lärm, 
der sich auf dem Hofe erhebt, tritt Klytaemnestra heraus, in ruhiger Haltung, da 
die Scene, welche sie vor sich sieht, von ihr selbst herbeigeführt ist. 

44—46". 

Die drei aneinander schliefsenden Platten, vielleicht die schönsten des ganzen 
Frieses und verhältnismäfsig wohl erhalten, haben bisher keine einleuchtende 
Deutung gefunden. Es sind zwei Scenen, geschieden durch eine zur oberen Hälfte 
canellierte dorische Säule, die ein Tier aus dem Katzengeschlecht oder vielleicht 
eine Sphinx trägt. Sie gehört zur linken Scene — dahin blickt das Tier — und 
bezeichnet den Schauplatz als ein Heiligtum. Darin geht sichtlich eine religiöse 
Ceremonie vor, von deren Teilnehmern nur zwei erhalten sind. Ein stattHcher 
bärtiger Mann in langem, nur die Brust und den rechten Arm freilassenden Mantel, 
mit einer Binde und dickem Blätterkranz um die Stirn, steht ruhig mit nach links 
gewandtem Antlitz da; von rechts tritt ein schlankes, nur leicht mit einem Mäntelchen 
bekleidetes Mädchen mit zwei mächtigen brennenden Fackeln heran, eine biegsame 
Gestalt, deren aufserordentliche Schönheit mit Recht von Conze gepriesen worden 
ist*^ Von der linken Hälfte der Scene ist nur ein Stück wehenden Gewandes über 
dem Kopfe des Mannes übrig. Die Tracht der Fackelträgerin — an die der schönen 
tanzenden Maenade des Berliner Museums erinnernd — legt den Gedanken an 
bakchischen Dienst nahe und die Nachbarscene verstärkt diesen Eindruck durch die 
beiden kräftigen jugendlichen Gestalten, welche auf Felsen und vor einem als Felsen- 



") 42 = D (Jahrb. II S. 245). ^^) »Eine Platte des kleinen Frieses enthält die Ge- 

") Vgl. Conze Jahrb. der Kgl. preufs. Kunst- stalt eines bei einer Cerimonie Fackeln tragenden 

Sammlungen I S. 183 ^Vorläufiger Bericht I S. 66. Mädchens von höchster Anmut im Sinne der 

^) Es wurde schon bemerkt (S. 115 Anm. 20) dafs hellenistischen Kunst, und ist damit sogar von 

das Fehlen eines Schwertes in Telephos' Faust selbständigem Werte.« (Jahrbuch der Kgl. 

vermutlich durch die Unfertigkeit des Frieses preufs. Kunstsammlungen III S. 79 = Vorläufiger 

zu erklären ist. Bericht II S. 43). 
") 44-46 = S (Jahrb. III S. 89 f.). 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. I^I 

wand charakterisierten Hintergrunde sitzen. Beide gleichen sich so sehr, dafs die 
Deutung auf Satyrn, welche für den einen durch seine Spitzohren gegeben ist, auch 
für den andern, dessen Kopf leider fehlt, gelten mufs". Über dem Kopfe 
des linken Satyrs ist noch der Umrifs des Fufses einer auf dem Felsen des 
Hintergrundes sitzenden Figur, offenbar des Berggottes zu erkennen. Unbekümmert 
um diese göttlichen oder dämonischen Wesen reichen sich zwei stattliche, reich- 
gewandete Frauen, einander ruhig gegenüber stehend, die Hände. Dafs es Sterbliche, 
nicht Göttinnen sind, lehrt die kleine Magd, welche, in der Rechten eine Dose 
tragend, mit der Linken das Gewand lüpft und in bescheiden-sittsamer Haltung der 
Rechten der beiden folgt — auch diese eine der anziehendsten Gestalten des Frieses. 
Der bärtige Mann der linken Scene, vermutlich hier die Hauptperson, gleicht 
in der Tracht weder der priesterlichen Erscheinung des Aleos auf i noch dem 
Könige Teuthras auf lo, sondern dem Telephos von 36. 37 und den Argiver- 
fürsten von 38 — 40. Ist es wirklich, wie man glauben möchte, Telephos, der 
hier in einer Kulthandlung im Heiligtum des Dionysos erscheint, so liegt die Deutung 
nahe, dafs er, nach seiner endlichen Heilung, den Groll des Gottes zu besänftigen 
sucht, dem er seine schwere Verwundung zuschreiben mufs. Vielleicht geschah die 
Versöhnung durch die Gründung eines Kultes — des Kultes des Dionysos xotör^- 
7stji(juv, der aus pergamenischen Inschriften als bedeutend bekannt ist — eine Scene, 
die Robert in der von ihm als Mahl im Gebirge aufgefafsten PI. 8 vermutet 
hat. Wenigstens die Gründung des Athenacultes war, wie wir sahen, sicher im Friese 
dargestellt — für andere Culte, soweit sie in Beziehung zu Telephos und seinem 
Geschlecht gesetzt werden konnten, dasselbe anzunehmen, liegt nahe und es scheint 
sich noch in einem weiteren Falle erweisen zu lassen (49. 50). Die beiden sich 
die Hand reichenden Frauen im Gebirge bleiben freilich unverständlich^*. 

47. 48". 
Die beiden Platten, 47 am rechten Rande, 48 am linken Rande auf Gehrung 
geschnitten, werden von Robert, wie ich glaube, mit Recht als Teile einer Ecke 
betrachtet. Leider fehlt an 47 der ganze untere Teil des schräg geschnittenen 
Randes, an welchem sich das Ende der auf 48 bis an den linken Rand reichenden 
Kline abzeichnen müfste. Für die Zusammengehörigkeit der Platten läfst sich an- 
führen, das beide in ihrem oberen Teil glatten Grund, keinerlei Andeutung von 
Landschaft zeigen und dafs sich die Action der auf ihnen dargestellten Figuren gut 
zusammenschliefst. Auf 47 ist ein Mädchen dargestellt, in rechts offenem »dorischem« 
Gewände mit langem Überschlag, heftig nach rechts eilend, doch den Kopf zurück- 
wendend und, wie zum Schutz, mit beiden Händen den Mantel vorhaltend. Auf 



=•0 Roberts Deutung des Rechten der beiden auf die Entsühnung des mit dem Blute seiner 

den »jugendlichen, nach hellenistischer Weise Oheime befleckten Telephos im Heiligtum des 

ganz menschlich gebildeten Pan« läfst die Ahn- Dionysos Mystes am Fufse des Parthenion. 

lichkeit der beiden Gestalten unberücksichtigt. Die Überlieferung weifs jedoch von dieser Ent- 

^ä) Robert hält die Felsen für Pans Lieblingssitz, sUhnung nichts. 

das Parthenion, und deutet die linke Scene auf '^^) 47 = W (Jahrb. III S. 96 fif.), 48 = X (ebenda). 

12* 



I'3 2 Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 

48 eine weibliche Figur in reichem Gewände, die wie jene nach rechts eilt und 
zurückblickt, neben einer Kline, auf der eine Figur gelagert ist. Die Platte giebt von 
dieser nur die mit dem Mantel bedeckten Unterschenkel, so dafs das Geschlecht 
unsicher bleibt. Die Frau setzt den linken Fufs auf das Schemelchen vor der Kline 
und erhebt wie in lebhafter Rede die Rechte. Die angeredete Person auf dem Lager 
scheint sich halb aufgerichtet zu haben und erregt jener die Rechte entgegen- 
zustrecken — zwei Finger der Hand werden dicht am rechten Plattenrande sichtbar. 

Ich vermag so wenig wie Robert anzugeben, welches aufregende Ereignis 
das Mädchen dort in Schrecken setzt, die Frau hier wie zu rascher Meldung an 
das Lager treibt. Auszuschliefsen ist jedenfalls, woran man doch denken könnte, 
die Vergewaltigung der Auge durch Herakles. Denn, wie überhaupt die Liebes- 
abenteuer der Götter in der Heimlichkeit geschehen, so bleibt auch das Erlebnis der 
Auge ihrem Vater unbekannt, bis sie schwanger wird oder — denn die Sage 
schwankt in diesen Einzelheiten*'" — bis sie Telephos geboren hat. 

Die äufseren Gründe, welche mich veranlassen, die Platten gerade hier an- 
zuordnen, werden weiterhin angeführt werden (S. 135). 

49. 50«'. 

Diese Platten, beide von gleicher Frische der Oberfläche, 49 leider nur im 
oberen, 50 in den beiden unteren Dritteln erhalten, sind von Freres und Possenti 
wegen der Ähnlichkeit der sehr eingehenden, fast harten Arbeit nebeneinander 
gerückt worden. In der That ergeben sie zusammen ein verständliches, wie ich 
glaube, von Robert richtig gedeutetes Bild. 

Auf 50 sind zwei Jünglinge, der eine nackt, der andere in Chiton und 
Chlamys, im Begriff, auf einen basisähnlichen niederen Bau eine Platte zu legen. 
Ein dritter, in die Exomis gekleideter, von dem am rechten Plattenrand nur eben 
die Hälfte sichtbar wird, scheint mit hoch erhobenem und rechtwinklig gebogenem 
Arm eilig nach links weg zu schreiten. Am Boden lagern zwei Figuren einander 
gegenüber; die rechte sitzt, die Beine in den Mantel gehüllt, halb aufrecht, stützt 
sich mit der Rechten auf einen Stab und wendet das langlockige bärtige Haupt 
nach rechts^^ Von seinem Gegenüber sind nur die nackten Beine übrig. Darauf 
sitzt ein Wasservogel, den die linke Hand wie liebkosend umfafst. Es sind ohne 
Zweifel Flufsgötter. 

Auf 49 war in einem leichten aedicula-artigen Bauwerk eine Frau nach 
rechts hin thronend dargestellt, nur der Kopf mit Diadem und schleierartig empor- 
gezogenem Mantel und der Oberkörper sind erhalten. Von der Aedicula aus fliegt 
ein Vogel nach rechts auf die Gruppe der Jünglinge zu. 

Robert deutet das Ganze als eine Scene aus der Geschichte der Gründung 
von Pergamon durch Telephos. Vor den Augen einer Göttin — vielleicht der 
Hera — von der glückverheifsend ein Vogel ausfliegt, wird ein Altar errichtet. 

^) Vgl. Pilling a. a. O. S. 11. 24 f. 68 ff.). Fels gestemmte Hand samt Unterarm kann nicht 

C) 49. 50 = V (Jahrb. III S. 93). hierher gehören. 

^^) Die von Robert mit abgebildete linke auf einen 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. i'i-i 

Die beiden Flufsgötter, Ketios und Selinos zu benennen, bezeichnen die charakte- 
ristische Lage der Stadt zwischen den beiden tief eingeschnittenen Flufsbetten. 
Ungelöst bleibt die Frage, wie sich die Scene nach rechts hin fortgesetzt haben 
möge. Dafs sie nicht beendet ist, lehrt die Bewegung des am rechten Plattenrande 
erhaltenen Mannes nach rechts und die Wendung des bärtigen Flufsgottes nach 
derselben Richtung. 

51". 
Zwei Männer in der Tracht der Doryphoren stehen am Kopfende einer Kline; 
der eine trägt in beiden Händen einen grofsfen Kasten. Hinter ihm auf dem Relief- 
grunde ist, um das Bild von der Nachbarscene abzugrenzen, ein Pfeiler angedeutet. 
Am linken Bruchrande der Platte, schon zur Nachbarscene gehörig, ist der schmale 
Rest vom Unterkörper einer lang bekleideten Figur erhalten. Auf dem Kissen der 
KHne ist, vom Plattenrande abgeschnitten, der Hinterkopf der auf dem Lager aus- 
gestreckten Figur sichtbar. Die mäfsig langen Locken verraten deren männliches 
Geschlecht — ob es ein Jüngling ist, wie Robert glaubte annehmen zu müssen, 
oder ein bejahrter Mann, bleibt unsicher, da auf dem Friese auch den Alten die 
Fülle reichen Haares nicht fehlt. Offenbar ist die feierliche Aufbahrung und 
Schmückung eines Toten gemeint. An Teuthras zu denken, dessen Tod insofern 
in diesem Sagenzusammenhange Bedeutung hat, als er Telephos das Reich als 
Erbe liefs, verwehrt die griechische Tracht der Doryphoren. Es bleibt kaum 
jemand anders übrig als Telephos selbst. 51 müfste dann als eine der letzten 
Platten des Frieses gelten. 

Versuch der Verteilung der erhaltenen Platten auf die Wandabschnitte. 
Ich gehe aus von den beiden zu Anfang besprochenen, zwei Ecken ein- 
schliefsenden Plattenreihen 5 — 9 und 34 — 40, deren Deutung — dort der Bau der 
Arche, in welcher Auge ausgesetzt werden soll, hier Telephos' Landung und Empfang 
bei den Argivern — sicher steht. Zwischen diese beiden Ecken haben sich von 
den 51 erhaltenen oder mit Sicherheit zu reconstruierenden Platten 26, also fast 
genau die Hälfte, einordnen lassen, zusammen fast genau 20 laufende Meter. Es 
bedarf nur der Erwägung, dafs die allermeisten dieser Platten unvollständig sind und 
einer oder mehrerer Platten zu ihrer Ergänzung bedürfen, um einzusehen, dafs diese 
26 Platten selbst auf der längsten zu Gebot stehenden Wand von 26.50 m Länge 
nicht Platz finden. Es mufs also wenigstens noch eine der beiden Schmalwände 
von 15.50 m Länge hinzugenommen werden. Nun ist als Platz der Platten 34 — 40 
die Ecke F des naclistehenden Schemas unter allen Umständen mit Sicherheit nach- 
weisbar, mag der Fries sich auf den geschlossenen Innenhof beschränkt haben oder 
nicht. Von vorn herein kann für jene Platten nur eine der drei Ecken F, G oder I 
in Betracht kommen, da die Scenen ihrer Bedeutung nach nur gegen das Ende des 
Frieses gesetzt werden können. Nimmt man an, dafs der Fries über H nicht hinaus- 
reichte, so ist der Raum G H (angenommen zu 4 m und schwerlich um mehr als 

63) 51 =R (Jahrb. III S. 88). 



134 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenisclien Telephosfrieses. 



eine Säulenweite von 1.62 m zu vergröfsern; vgl. vorher S. 106 f.) für die Platten 
36 — 40 (= 4 m), an welche sich mindestens noch eine Platte rechts anschlofs, nur 
gerade ausreichend, nicht ausreichend aber für die folgenden Scenen, von welchen 

eine, Telephos mit Orest auf dem Altar 



f 



KU 



t- 



Abb. 17. 



im Hause Agamemnons, völlig sicher 
steht (42. 43 = 1.7 1, links unvollständig). 
Griff aber der Fries über H hinaus auf 
die Aufsenseite der Wand und die Zungen- 
mauer über, so ist die Anbringung von 
34. 35 an der Wand G F, 36 — 40 an der 
Wand G H unmöglich wegen der rück- 
wärtigen Verklammerung der Platten 36. 
38. 39, ebenso aber auch die Anbringung 
von 34. 35 an der Wand I H, von 36 — 40 
an der Wand I K wegen der rückwärtigen 
Verklammerung der Platten 34. 35 (vgl. 
vorher S. 26 fr.). Die Ecke F bleibt also 
allein übrig. Da nun die Wand F E nicht 
ausreicht, die Platten 9 — 35 zu fassen, 
mufs die von 8 und 9 gebildete Ecke bei 
D oder bei B angesetzt werden. Die 
Entscheidung läfst sich mit Sicherheit treffen und es ergiebt sich gleichzeitig ein 
sicherer Beweis dafür, dafs der Fries über den Innenhof hinaus griff. Setzen wir 
8. 9 an die Ecke D, so nehmen 5 — 8 (= 2.80 m) von der Wand C D (= 4 m) den 
gröfsten Teil in Anspruch und lassen nicht genügenden Platz für die sicher voraus- 
liegenden Scenen von Herakles' Empfang bei Aleos (2), von Auges Liebesabenteuer 
(3), von Telephos' Aussetzung (4), welche, sämtlich unvollständig, allein schon 2,20 m 
füllen. Der Fries mufs also über C hinaus gereicht haben. Die Platten 5 — 9 sind 
aber bei D zu belassen, nicht etwa bei B anzusetzen; denn auch AB (= 8.50m) 
bietet kaum genügenden Raum für 5 — 8 samt den vorher anzuordnenden Scenen, 
zu denen auch das Orakel des Aleos (i) mit einiger Sicherheit gerechnet werden 
darf; als entscheidend tritt hinzu ein technisches Merkmal, das der folgende Plan 
dieser Ecke in gröfserem Mafsstabe, mit Andeutung der einzelnen Reliefplatten, 
verdeutlichen soll. Die Platten 5 und 6 — von 7 ist nur ein Bruchstück vorhanden — 
zeigen keine Spur rückwärtiger Verklammerung, wodurch ihre Anordnung an der 
beiderseits mit Relief geschmückten Wand CD möglich wird; die Platte 8 aber hat 
auf ihrer Rückseite ein Klammerloch an ungewöhnlicher Stelle, nur 0.47 statt rund 
I m über der Sohle und sehr weit gegen die Eckkante geschoben. Die Zeichnung 
(Abb. 18) lehrt, wie eine so angebrachte Klammer, vermöge der Verstärkung der 
Zungenmauer sei es in die eine Eckplatte der Zungenmauer, sei es in deren Hinter- 
mauerung, eingreifen konnte. 

Damit ist die von uns, meist im Anschlufs an Robert, aufgestellte Platten- 



Schrader, Die Anordnung und Deutung des Pergamenischen Telephosfrieses. 



135 




OvS-J, ] 




f 0.v5Ä. 




reihe an zwei Punkten, an der Nord-Westecke und der Süd-Ostecke des Innenhofes, 
festgelegt. In welchen Zwischenräumen vor, zwischen und hinter diesen Eckpunkten 
die erhaltenen Platten anzuordnen sind, mufs mehr oder minder dem Gutdünken 
des Einzelnen überlassen bleiben. Ich hebe nur zweierlei hervor. Die Scene der 

Aussetzung des Telephos (4) 

kann nicht, wie mancher wün- 
schen mag, näher, als auf dem 
Übersichtsblatt geschehen , an 
die Scene des Archenbaues her- 
angerückt werden, weil sie wegen 
des Klammerlochs auf der Rück- 
seite der Platte an der Wand 
AB verbleiben mufs und nicht 
an die Wand B C gesetzt werden 
darf. Die zwischen den Bau der 
Arche und Telephos' Landung 
in Argos eingereihten Platten 
bedürfen augenscheinlich sehr 
bedeutender Ergänzungen, selbst 
ganzer Scenen. Ich erwähne 
nur, dafs von Telephos' Kampf 
mit Teuthras' Feinden, welcher 
auf die Wappnungs- und Ab- 
schiedsscene (17. 18) notwendig 
folgen mufs, kein Rest wieder- 
erkannt ist. Ich entnehme daraus 
die Nötigung, die Scenen fried- 
licher Thätigkeit des Telephos, welche ich in den Platten 44 — 46 und 49. 50 
erkennen möchte, auf die Heilung seiner Wunde folgen zu lassen und auch die nicht 
sicher zu erklärende Eckscene 47. 48 hier einzureihen. Ihr den Platz bei G zu 
geben, nötigt dann das Klammerloch auf der Rückseite von 47. Diese Anordnung 
der Platten 44 — 50 hat zugleich den Vorzug, dafs dadurch auf die drei durch D 
und F bezeichneten Abschnitte des Frieses verhältnismäfsig gleich viele Platten 
entfallen, auf die Strecke ABCD = i6m: 8 Platten, auf D E F = 42 m: 26 Platten, 

auf FGHIK -= 31.60m: 16 Platten. 

Hans Schrader. 




Abb. 18. 



""^^Jj^^j^^s^^-Jk-^r- ^^^^r^kj^ 



DIE GEMÄLDE DES PANAINOS 
AM THRONE DES OLYMPISCHEN ZEUS. 

Bekanntlich haben die Ausgrabungen im olympischen Zeustempel die That- 
sache ergeben, dafs die vor dem Kultusbilde befindlichen Innensäulen durch 
Schranken untereinander verbunden waren, und zwar (vom Eingang her gerechnet) 
die zweite bis fünfte. Von diesen steinernen Schranken, die die Breite einer Furche 
haben, haben sich noch Stücke erhalten; »sie sind von oben zwischen die Säulen 
eingeschoben worden, als letztere bereits verputzt waren. Die ehemalige Höhe 
der Schranken kennt man nicht« (Dörpfeld, Olympia, Textbd. II 12); trotzdem wird 
jetzt in der Regel angenommen, dafs dieselben solche Höhe hatten, dafs Wand- 
gemälde darauf angebracht werden konnten, was immerhin eine Höhe von 1,50 m 
nötig machen würde, wie sie in der Rekonstruktion ebd. Tafelbd. I Taf. XI 
angenommen ist. Allein es will mich bedünken, dafs diese Höhe von 1,50 m doch 
sehr klein ist, wenn man darauf die Wandgemälde des Panainos unterbringen will. 
Die Figuren, für die man doch unten und oben noch etwas freien Rand von 
mindestens 0,25 m anzunehmen hat, wären dann nur i m gross gewesen, also er- 
heblich unter Lebensgrösse; um sie ordentlich zu sehen, hätte man sich bücken 
müssen. Denn wenn wir auch die Möglichkeit, dafs die Figuren des Panainos unter 
Lebensgrösse waren, nicht bestreiten wollen, so mufsten sie doch auf alle Fälle so 
angebracht sein, dafs man sie ordentlich betrachten konnte. So komme ich zu dem 
Resultat: wenn die Schranken zur Aufnahme von Gemälden bestimmt waren, so 
müssen sie höher gewesen sein als 1,50, mindestens 2 m, vielleicht sogar 2,50. 
Nun wird eine ebensolche Schranke als Querverbindung zwischen den beiden zweiten 
Säulen vorausgesetzt; vorhanden ist diese Querschranke nicht mehr; »es finden sich 
nur geringe Standspuren von ihr rechts und links an den beiden Säulen und aufser- 
dem ein einziges Loch etwa in der Mitte der Cella.« Die deutschen Gelehrten 
von Olympia hatten schon im Jahre 1880 die Existenz dieser östlichen Schranke 
angenommen und dieselbe in der Weise in drei Teile geteilt, dafs in der Mitte 
eine doppelflügelige Thür, zu beiden Seiten aber unbewegliche Schranken waren. 
Da auch bei dieser Querschranke die gleiche Höhe wie bei den Längsschranken 
vorausgesetzt werden mufs, so wäre der olympische Zeus für alle Besucher, die nicht 
das Glück hatten, in den von den Schranken umgebenen Raum treten zu dürfen, 
so gut wie unsichtbar gewesen. Zwar sagt Trendelen bürg Arch. Anz. 1897, 25, 
»die Entfernung, aus der diese Besucher das Bild betrachten mussten, sei grofs genug 
gewesen, um den Gesamteindruck des gewaltigen Werkes zu geniefsen, und doch 
auch wieder klein genug, den mit verschwenderischer Hand darüber ausgestreuten 



Blümner, Die Gemälde des Panainos am Throne des olympischen Zeus. 1^7 

Bilderschmuck zu seinem Recht kommen zu lassen.« Allein wenn er diesen Abstand 
auf 9,50 m angiebt, d. h. die Entfernung vom Bilde bis zur Querschranke, so war 
nur dann eine Betrachtung aus dieser Entfernung möglich, wenn der Besucher über 
die Schranke hinwegsehen konnte, diese also nur 1,50 m hoch war; war sie aber 
2 — 2,50 m hoch, so konnte er in unmittelbarer Nähe der Schranke das Bild über- 
haupt nicht sehen, sondern erst, wenn er in solche Entfernung getreten war, dafs 
die Schranke kein Hindernis mehr bildete, das Bild wenigstens in seinen obern 
Teilen über den Rand der Schranke hinweg zu sehen. Das ist ja nun selbstver- 
ständlich ganz undenkbar; die Schranken müssen also so niedrig gewesen sein, dafs 
man darüber hinwegsehen konnte: darf man dann aber wirklich noch an' Schmuck 
einer so niedrigen Barriere durch einen der ersten Künstler denken? Und nötigen 
uns die erhaltenen Schrankenreste durchaus, eine feste Schranke anzunehmen, 
oder könnte man nicht auch an ein metallenes oder hölzernes Gitter denken, das 
auf den Schrankenplatten ruhte? Der Zweck der Abschliefsung des Platzes vor 
dem Götterbilde wäre auch so erfüllt, dafür aber der Blick darauf unbehindert. 

Nun haben aber alle diejenigen feste Schranken voraussetzen müssen, die 
auf die inneren Wände dieser Schranken die Gemälde des Panainos verteilen; nach 
den Archaeologen von den olympischen Ausgrabungen, die zuerst auf diese Idee 
kamen (vgl. Dörpfeld a. a. O.), hat das vornehmlich Murray gethan, Ath. Mitth. 
VII 274 (vgl. dens., Hist. of Greek sculpt. II 125); ihm hat sich Overbeck, Plastik 
P 360 rückhaltlos angeschlossen, ebenso Trendelenburg a. a. O. (der schon un- 
abhängig von Murray auf die gleiche Verteilung gekommen war), während CoUignon, 
Hist. de la sculpt. grecque I 530 der früheren Annahme treu bleibt, wonach die 
£pu[xaxa des Paus, auf allen vier Seiten des Thrones unten von Fufs zu Fufs gingen. 
Nach dieser Hypothese stellt sich die Sache folgendermafsen (wir bezeichnen die 
Bilder mit Zahlen, also i Herakles und Atlas, 2 Theseus und Peirithoos, 3 Hellas 
und Salamis, 4 Herakles und der Löwe, 5 Aias und Kassandra, 6 Hippodameia 
und Sterope, 7 Herakles und Prometheus, 8 Achill und Penthesileia, 9 Zwei 
Hesperiden): Die Vorderseite der Querschranke (oaov dTCavxixpu täv OupSv lan'v) war 
nur blau bemalt; die Innenseiten aller drei Schranken trugen die Bilder des Panainos. 
Wer durch die Flügelthür diesen umfriedeten Raum betrat, hatte, wenn er sich 
umdrehte, links von der Thüre Bild i; Murray wie Trendelenburg nehmen an, 
dafs Paus, hier seine Beschreibung begann und, von links nach rechts gehend, 
wieder zur Thür zurückkehrte, wobei die Basis des Zeusbildes, die den Raum 
westlich begrenzte, die Reihenfolge der Bilder unterbrach. Uanis 

Die Anordnung war also nach Murray nebenstehende, 
wobei Paus, vom Throne herkpmmt und wieder dorthin 
zurückkehrt. 

Diese Anordnung hat verschiedene Vorteile für sich. 
Man hat von jeher angenommen, dafs die neun Bilder, die 
jedes aus zwei Figuren bestehen, in drei Gruppen zu je drei zu 
zerlegen wären. Nun sind bei jeder Gruppe zwei mehr oder '^ Ttuir 




1^3 Blümner, Die Gemälde des Panainos am Throne des olympischen Zeus. 

weniger bewegte Bilder mit bestimmter Handlung, nämlich i und 2, 4 und 5, 6 und 7; 
dagegen sind die dritten Bilder 3, 6 und 9 durchaus gleichartige Darstellungen von 
zwei Frauengestalten, offenbar nicht in Handlung begriffen, vielleicht nicht einmal 
durch engere Gruppirung verbunden. Es lag nahe, anzunehmen, dafs diesen letzteren 
Bildern in jeder Gruppe ein bestimmter, charakteristischer und im Verhältnis der 
drei Gruppen zu einander symmetrischer Platz angewiesen war; 
■^ einen solchen hatten sie aber bei den früheren Anordnungs- 
^ versuchen, die die Schranken des Panainos zwischen den Füfsen 
des Thronsessels annahmen, nicht, wie die Skizze zeigt. 

Hier ist jedesmal das Zweifrauenbild rechts in der Drei- 
bildergruppe: damit ist aber nicht das erreicht, was man als 
Forderung aufstellen möchte, die Symmetrie in jeder einzelnen 
BiaiuicmaLt ^ Gruppe Und in den drei Gruppen untereinander. Denn wenn in 
jeder einzelnen Gruppe die beiden ersten Bilder bewegter kom- 
ponirt waren, das dritte aber nicht, so mufste dies folgerichtig in der Mitte stehn, nicht 
auf der rechten Seite ; nur so war ein Respondiren möglich. Bei allen Anordnungs- 
versuchen, die die Bilder in die Gruppen i — 3, 4 — 6, 7 — 9 zerlegen, bleibt dies Be- 
denken, auf das wir unten noch einmal zurückkommen müssen, bestehen; nur bei 
Murray sind die Gruppen 2 — 4, 5 — 7, 8, 9 und i : da sind in der That die Zweifrauenbilder 
3, 6 und 9 jedesmal in der Mitte; ja die Annahme einer Flügelthür hat es sogar er- 
möglicht, auf jedem Thürflügel eine Hesperide anzusetzen. — Ein zweiter Vorteil der An- 
ordnung ist folgender: Paus, sagt K. 11,6 nach Anführung von Bild 7: TsXsuTaia 6e Iv 
Ti(] 7pacp^ risvösatXsia etc., führt also als letztes Bild nicht 9, sondern 8 und 9 an. 
Sieht man sich Murrays Rekonstruktion an, so begreift man das recht gut; mit 
No. 8 kommt Paus, in der That so gut wie zum letzten Bilde der ganzen Reihe, da 
die beiden Figuren von 9 auf der Flügelthür mehr als eine Art Zugabe erscheinen. 
Allein nichtsdestoweniger ist Murrays Anordnung unmöglich, weil die 
Schranken vor dem Tempelbilde nicht die ipup-axa des Paus, sein können; und zwar 
nicht blofs aus dem vorhin angeführten Bedenken wegen der Höhe dieser Schranken, 
denn das könnte als unbegründet abgewiesen werden, sondern auch aus anderen, 
schwerer wiegenden Bedenken, die Gardner im Journ. of hellen, stud. XIV 233 
dargelegt hat, unter Zustimmung von Frazer zu Pausanias Bd. III 538 und Petersen, 
Rom. Mitteil. XIV 159. Es sind das, etwas erweitert, vornehmlich folgende: i. Paus. 
sagt, die Schranke der Thür gegenüber sei blau bemalt gewesen, tot os XoiTia auiSiv 
mit Gemälden des Panainos. So konnte er sich ausdrücken, wenn von den epufxaxa 
eins oder ein Teil derselben blau bemalt war, nicht aber, wenn die eine Schranke 
auf der Vorderseite blau, auf der Rück- oder Innenseite aber mit Figuren bemalt 
war. 2. Es ist kaum denkbar, dafs man die Vorderschranke, auf die der Blick des 
Eintretenden zuerst fallen mufste, einfarbig blau angestrichen haben wird. 3. Paus, 
sagt, die epofActTa verhinderten es, unter den Thron zu treten, wie man in Amyklai es 
könne. Allein diese Schranken verhindern das für den, der das Recht hatte, den 
umfriedeten Raum zu betreten, durchaus nicht; diese Schranken verhinderten vielmehr 



Blümner, Die Gemälde des Panainos am Throne des olympischen Zeus. 



139 



jedes Nähertreten an die Figur. Nun ist wohl kaum denkbar, dafs die Statue für 
das gesamte Publikum beständig durch diese Schranken abgeschlossen war und etwa 
nur die Priester den Raum betreten durften oder, wie Trendelenburg S. 27 will, die 
Sieger in den Spielen; es hätte ja sonst nur ein kleiner Bruchteil der Besucher von 
Olympia die Details der Basis und die Gemälde auf den Innenwänden der Schranken 
aus der Nähe betrachten können. Auch Paus, hat jedenfalls den abgeschlossnen 
Raum betreten; selbst wenn man das gewöhnliche Publikum nicht zuHefs, so wird 
man doch mit Fremden und Reisenden wie Paus, sicherlich eine Ausnahme gemacht 
haben, etwa wie man sich heut in Kirchen als Fremder die Gitter zum Chor oder 
zu den Kapellen öffnen läfst, wenn da besondere Sehenswürdigkeiten sind. Gardner 
nimmt freilich an, dafs die Schranken auch für Paus, geschlossen blieben, und ent- 
nimmt hieraus einen weiteren Grund gegen die Anordnung Murrays, da Paus., wenn 
er die Bilder nur von aufsen über die Schranken weg sah, nicht mit dem Bilde links 
von derThüre begonnen hätte; allein ich halte das, wie gesagt, für ausgeschlossen, 
dafs Paus, den olympischen Zeus von vorn nur aus der Entfernung von 9,50 m ge- 
sehen habe. War nun Paus, innerhalb der Schranken, so konnte er nicht sagen, 
die Schranken machten es unmöglich, unter den Thron zu treten; das mufste also 
durch eine andere Vorrichtung verhindert werden. 4. Paus, beschreibt § 2 — 8 ganz 
ausführlich die Details des Thrones; es würde seiner ganzen Methode widersprechen, 
wenn er sich hier plötzlich im § 4 unterbräche, von den eben erwähnten xiove? 
unterhalb des Sitzbrettes auf einmal zu den vor dem Thron befindlichen Schranken 
ginge (und noch dazu nicht seine Beschreibung bei einem dem Throne zunächst 
liegenden Bilde, also etwa bei Murray No. 4, beginnend und nun der Reihe nach 
von Bild zu Bild gehend, sondern den ganzen Raum quer durchschreitend und mit i, 
neben der Thür anfangend), um dann in § 7 ebenso unmotivirt wieder zur Be- 
schreibung des Thrones zurückzukehren. Zu welcher wunderlichen Wanderung das 
führt, habe ich auf der Skizze oben angedeutet. 

So völlig ich mich nun Gardners Ablehnung der neuen Schranken-Hypothese 
anschliefsen kann, so wenig kann ich dem Vorschlag zustimmen, den er selbst ge- 
macht und den Frazer angenommen hat. Gardner kehrt zur alten Ansetzung der 
Schranken zwischen den Thronfüfsen zurück und zur Verteilung der Bilder auf die 
drei Gruppen i — 3, 4 — 6, 7—9; er stellt aber die unseres Erachtens richtigen 
Forderungen, dafs erstlich die Zweifrauenbilder 3, 6 und 9 symmetrisch angeordnet 
werden, und zweitens, dafs die Anordnung die Worte xeleuraXa 8s sv x"^ Yp«'-?"^ er- 
klärlich macht. Um dies zu erreichen, ordnet er die Bilder so an: 



I 


2 


4 


5 


7 


8 


3a 


3b 


6a 


6b 1 9a 

j 


9b 



Es ist demnach jede Schranke in vier, statt in drei Teile zerlegt, von denen 
jeder der beiden oberen zwei Figuren enthält, während die darunter befindlichen, in 



I^O Blümner, Die Gemälde des Panainos am Throne des olympischen Zeus. 

der Gröfse entsprechenden Felder nur je eine Figur enthalten. Indem die Frauen- 
gestalten isolirt an allen drei Seiten die unteren Felder füllen, sind sie allerdings 
symmetrisch angeordnet; und da mit Bild 8 in der That die obere Reihe aufhört, 
so hatte Paus, durchaus Anlafs, schon hier sein TsXsuxaTa h t^ ^potcp:^ zu schreiben, 
trotz des Widerspruchs von Petersen a. a. O., der meint, dafs diese Wendung, wie 
»sonnenklar« sei, zu Gardners Anordnung viel weniger passe, als wenn die letzten 
beiden Bilder in einer Linie hegen. Paus, hätte mit seinem »schliefslich« die halbe 
obere und die ganze untere Seite angereiht! Die Wand war aber doch mit 8 zu 
Ende, das untere Bild mehr eine Zugabe, die an Bedeutung sich mit den oberen 
nicht messen konnte. — Allein so sehr ich diese Vorteile der Gardnerschen An- 
ordnung anerkennen mufs, mufs ich ihr doch aus anderen Gründen widersprechen. 
Zunächst ist schon undenkbar, dafs, wie Gardner will, die horizontale Teilung der 
Schranken in obere und untere Bilder durch die xavovs? des Thrones, und die senk- 
rechte Teilung durch die xi'ovs? erfolgt sein soll. Die xavove; trugen bekanntlich 
Rundfiguren (Agonisten und Amazonenkampf), nicht Reliefschmuck, sonst würde 
Paus, nicht von ct^aXfjtaia sprechen (§ 3); damit ist aber unvereinbar, dafs die xctvove; 
die Ipufxaxa in der Mitte durchbrachen, wie denn überhaupt jede solche Trennung 
der Schrankenwände äufserst unwahrscheinlich ist. Ebensowenig ist es zulässig, die 
xtovs?, deren technischer Zweck neben den eigentlichen Thronbeinen auf der Hand 
Hegt, zwischen je zwei Beine unter den äufseren Rand des Sitzes zu verlegen; sie 
lagen vielmehr sicherlich, wie das Petersen, Adler u. a. annehmen, unterhalb des 
mittleren Sitzbrettes, wo die Hauptlast des Bildes zu stützen war; denn auch so 
standen sie [xsiaju täv ttoocuv (§4). Ein anderer Einwand, den Petersen erhebt, 
ist der, dafs durch Gardners Anordnung der Aufbau des Throns vernichtet, der 
Thronsitz statt ungefähr ein Würfel vielmehr ein Pfeiler werde, wenn schon die 
Schranken allein ein Rechteck bilden, das höher als breit ist. Auch würden, füge 
ich hinzu, die unteren Felder, auf denen nur je eine Figur befindlich ist, den oberen 
gegenüber einen etwas leeren Eindruck gemacht haben. So thut man denn, alles 
in allem genommen, gut, auch den Gardnerschen Vorschlag abzuweisen; auf die 
inneren, von den Beziehungen der Gegenstände der Bilder entnommenen Gegen- 
sätze, denen Petersen ganz besonderen Wert beilegt, gebe ich jedoch nicht viel. 

Petersen in seinem Exkurs in den Rom. Mitteil. a. a. 0. verteidigt aufs 
neue die alte, von ihm in der Kunst des Pheidias 359 ff. näher dargelegte Anordnung 
der Bilder in den drei Triaden i — 3, 4 — 6, 7 — 9. Er hält wegen der deutlichen 
Responsion in diesen Triaden jede andere Anordnung für völlig ausgeschlossen und 
geht dabei über die wunden Punkte dieser Responsion ziemHch souverän hinweg. 
Bei den Triaden sollen sich die äufseren Bilder, also i und 3, 4 und 6, 7 und 9 in- 
haltlich und der Composition nach entsprechen; inhaltlich folgendermafsen: »jedes- 
mal stellt das erste dieser Paare die That des Helden dar, das letzte den Sieges- 
preis, jenes den Mann, dieses das Weib.« Also Herakles und Atlas — Siegespreis 
Hellas und Salamis; Herakles und Löwe — Siegespreis Hippodameia und Sterope; 
Herakles und Prometheus — Siegespreis die Hesperiden. Das begreife wer kann. 



Blümner, Die Gemälde des Panainos am Throne des olympischen Zeus. 14 1 

selbst wenn man all das hinzuzieht, was Petersen Kunst des Ph. 362 ff. über die 
tiefere Bedeutung der gewählten Scenen sagt. — »Das mittlere Bild stellt den 
Mann dar in Beziehung zum Weibe, der Liebe Gewalt, die bei Aias und Peirithoos 
entschieden zum Frevel an der Gottheit führt, Achilleus nur dem Tadel des Thersites 
aussetzt.« Nun, der Frevel des Aias an der Kassandra pflegt sonst nicht gerade 
als Exempel von der Gewalt der Liebe betrachtet zu werden, — indefs zugegeben, 
woher aber wissen wir, dafs das Bild des Theseus mit Peirithoos ebenfalls auf die 
Liebe ging, da doch Paus, kein Wort über die Handlung sagt? Petersen selbst deutet 
in der Kunst des Ph. 367 die Situation ganz anders: als Anfang der Freundschaft 
beider Helden, ihre erste Begegnung, die eine feindliche war, aber zu einer freund- 
lichen wurde. Nunmehr scheint er seine Meinung geändert zu haben, er denkt 
sicherlich an Theseus und Peirithoos in der Unterwelt. Im übrigen kann man ja 
gewifs zugeben, dafs i, 4 und 7 sich entsprechen, als drei Thaten des Herakles, 
und 2, 5 und 8 in irgend welcher andern inhaltlichen Beziehung stehen, mag man 
nun als solche mit Petersen die Liebe oder mit Trendelenburg die Mahnung zum 
Mafshalten erkennen. Aber worauf es Petersen vornehmlich ankommt, das sind ja 
die Beziehungen von i und 3, 2 und 6, 7 und 9, die sich dann auch in der Com- 
position erkennen lassen sollen, und zwar dadurch, dafs sie beide ruhig gruppirte 
Paare zeigen. Das pafst auf Herakles und Atlas; es pafst vielleicht auch auf 
Herakles und Prometheus, aber sicherlich nicht auf den Löwenkampf. Von den 
Zweifrauenbildern sagt Petersen selbst, man könne sie nicht anders als ruhig stehend 
denken, wobei es einerlei sei, ob sie sich anfafsten oder sonst irgendwie verbunden 
waren oder ob sie ganz getrennt standen. Nun, mag man in Herakles mit Atlas und 
Hellas mit Salamis, in Herakles mit Prometheus und Hippodameia mit ihrer Mutter 
Pendants finden, — in Herakles' Löwenkampf und den Hesperiden wird doch kein 
Mensch Gegenstücke vermuten! Darüber hilft auch Petersens Bemerkung, »Panainos 
habe durch Abwechslung Monotonie vermieden, nur die erste Triade rein gestimmt, 
die folgenden mit Dissonanz je im ersten Bilde«, nicht hinweg; noch weniger die 
kategorische Erklärung, der aus dem Thema und der Composition hergenommene 
Grund gegen die frühere Anordnung sei »absolut nichtig«. Und ebenso komme ich 
von den oben berührten Bedenken betreffs der Wendung xsXsuTata iv x% i'potcp'fl nicht 
los. Petersen verteidigt dies damit, dafs auch in der Beschreibung des Bathrons 
der Statue bei den Worten xotl t^Stj tou ßaöpou irpö; xo) irepait nicht die letzte Figur, 
Selene zu Pferde, sondern auch das letzte Götterpaar davor angeführt werde. Aber 
hier handelt es sich doch um die Beschreibung einer einzigen, figurenreichen Scene; 
da kann man sehr gut, wenn man sich dem Ende nähert, dies schon bei der vor- 
oder drittletzten P'igur bemerken; bei den Schranken aber sind getrennte, nicht 
zusammenhängende Bilder, die nicht beschrieben, sondern aufgezählt werden. Man 
nehme als Analogie Giebelfelder und Metopenreihen des Zeustempels; im Giebelfelde 
könnte man xal t^ot] tou aexoGi irp^? T(j> icspaxt schon vor der Figur des sog. Alpheios 
sagen, die benachbarte Figur mit dazu ziehen; bei den Metopen aber wäre xsXsuxato? 
0= (von Herakles) nicht möglich bei der Hydra-, sondern erst bei der Löwenmetope. 



142 



Blümner, Die Gemälde des Panainos am Throne des olympischen Zeus. 



Nach alledem mufs ich bei der Meinung verharren, dafs die Zweifrauen- 
bilder nicht als den andern gleichwertig gelten können, denn sie sind blofse 
Gruppirungen von Figuren, ohne eine zu Grunde gelegte Handlung, die andern 
sechs Bilder aber sind Darstellungen von Handlungen von bestimmten Scenen des 
Mythus; denn dafs dies auch bei Theseus und Peirithoos nicht der Fall ist, dafs 
diese beiden Helden blofs ohne jede innere, äufserlich angedeutete Beziehung 
nebeneinander gestellt waren, hat noch niemand behauptet. Wären zwischen den 
Zweifrauenbildern und den anderen innere Beziehungen da, dann müfsten wir die 
beiden Hesperiden doch offenbar an derselben Schranke finden, wie Herakles und 
Atlas, das ist aber nicht der Fall, — sie liegen an gerade entgegengesetzten 
Schranken. Es gehört ein starker Glaube dazu, gerade darin, dafs die Hesperiden 
vom Atlasbilde durch das vordere, bildlose Ipufxa getrennt sind, mit Petersen »einen 
gewissen Zusammenschlufs der ersten und der dritten Triade« zu erkennen. — Ist 
dem nun so, nehmen die Zweifrauenbilder in jeder Bildergruppe eine gesonderte 
Bedeutung in Anspruch, so mufs das auch an ihrem Platze zu erkennen sein; und 
dann können sie nicht, wie beim alten Schema, jedesmal an der dritten Stelle der 
Gruppe, ganz rechts, angebracht gewesen sein. Sie in der Mitte anzusetzen, wie 
Murray und Trendelenburg thun, verbreitet der Wortlaut des Paus.; sie in einer 
anderen Reihe der Schranken unterzubringen, mit Gardner, mufsten wir ebenfalls 
ablehnen; so bleibt denn nur noch folgende Möglichkeit: 



3a 


I 


2 


3b 



6 a 


4 


5 


6b 



9a 


7 


8 


9b 



Ich nehme also an, das jede Schranke in der Mitte zwei mythische Dar- 
stellungen enthielt, dafs aber die Frauengestalten einzeln rechts und links davon die 
Vorstellungen mehr ornamental einrahmten. So wird die steife und immer langweilige 
Nebeneinanderstellung ruhig und ohne Aktion stehender Figuren glücklich vermieden, 
die Frauenfiguren sind auf allen drei Schranken symmetrisch angebracht und corre- 



Blümner, Die Gemälde des Panainos am Throne des olympischen Zeus. ia"! 

spondiren an jeder einzelnen Schranke wiederum unter sich. Wir hätten in der 
ersten Gruppe links Hellas, rechts Salamis, in der zweiten links Hippodameia, rechts 
Sterope, in der dritten links und rechts je eine Hesperide. Man wird gegen diese 
Trennung der Bilder 3, 6 und 9 vielleicht einwenden, dafs Paus, dann anders auf- 
gezählt haben würde, nämlich: Hellas, Herakles und Atlas, Theseus und Peirithoos, 
Salamis u. s. f. Allein wenn die Innenbilder die Hauptscenen ausmachten, was 
sich schon äufserlich jedem Betrachter ergeben mufste, da sie zwei Figuren hatten, 
die beiden äufsern Streifen aber nur je eine, und wenn diese äufsern Figuren durch 
Stellung und Behandlungsweise sich mehr als eine, wenn auch immerhin bedeutungs- 
volle Umrahmung kennzeichneten, — war es da nicht ganz richtig, jedesmal erst 
die beiden Hauptbilder und dann erst die der Randstreifen aufzuzählen? — Jeder 
moderne Beschreiber, der vor eine derartige Aufgabe sich gestellt sieht, würde es 
so machen, nur würde er der Deutlichkeit halber »zu beiden Seiten« hinzufügen; 
dafs Paus, dies unterläfst, wird niemandem auffallen, der seine Art kennt. Auch 
dafs er 'iTTTioSafi-sta ts t; Oivo\idou auv x-^ H-^i^p' sagt, wird man wohl nicht als Einwand 
gelten lassen; denn wenn schon räumlich getrennt, gehörten diese Randfiguren doch in- 
haltlich zusammen, und ich berufe mich darauf, dafs auch wir ebenso gut sagen 
könnten: »die einrahmenden Figuren sind Hippodameia mit ihrer Mutter.« Endlich 
pafst auch hier das xsXsuTaTa: von den Hauptbildern ist in der That das Penthesileia- 
bild das letzte, da die Hesperiden nur ornamentale Bedeutung haben. Ein Beispiel: 
wer den vatikanischen Sarkophag mit dem Leukippidenraube beschreibt (Mus. Pio- 
Gem. IV 44. Baumeister 452 Fig. 499), wird die äufsersten Figuren der Darstellung 
als die letzten bezeichnen (wie z. B. Baumeister selbst vom »linken Ende« der Dar- 
stellung spricht), obschon noch links und rechts die Flügelfiguren (Niken oder Hören) 
die Darstellung begrenzen. 

Analogieen zu der von mir vorgeschlagenenen Anordnung kann ich freilich 
nicht beibringen. Wie wäre das auch möglich, da uns die Erzeugnisse der Malerei 
verloren gegangen sind und unter den uns erhaltenen Beschreibungen von Gemälden 
Aufgaben, wie die hier vorliegende, je 2 — 3 kleine Scenen zu Gruppen zusammen- 
zustellen, gar nicht vorkommen? — Auch die Sculptur der klassischen Periode 
bietet nichts Verwandtes, höchstens die Reliefs des Harpyien-Denkmals, wo die 
Harpyien rechts und links symmetrisch die Mittelscene umrahmen; nur sind diese 
nicht rein ornamental, sondern gehören inhaltlich zu den andern Vorstellungen dazu. 
Die meisten Analogieen bieten sonst die römischen Sarkophage, bei denen ab- 
schliefsende allegorische oder mythologische Figuren in ornamentaler, daher auch 
meist streng symmetrischer Behandlung, an den Ecken der vordem Langseite häufig 
sich finden; ich verweise, abgesehen von dem schon oben angeführten Beispiel, auf 
Clarac 117 A, 232 A; 126, 108; 164, 227. Mus. Pio-üem.V 100. Ann. d. Inst. 1873 
tav. EF. u. dgl. m. Selbstverständlich sind diese Analogieen keine Stütze für 
meine Hypothese, aber sie zeigen doch, dafs ähnliche Aufgaben auch zu ähnlichen 
Lösungen führen. Die Sarkophagbildner mochten es manchmal als unkünstlerisch 
empfinden, ihre Scenen bis zu den Ecken zu führen, zumal sie hier mit den Seiten- 



144 Deubner, EHATAIA. 



darstellungen zusammenstiefsen; so gaben sie ihnen durch die Eckfiguren einen 
ornamentalen Abschlufs. Für Panainos war vielleicht Anlafs zu seiner Anordnung 
der Gedanke, die mehr oder weniger bewegten Scenen der Sage von den tektonisch 
sie begrenzenden Beinen des Thrones durch die ruhigen, lediglich dekorativ 
wirkenden Frauengestalten zu trennen. 

Zürich. H. Blümner. 



SljLMJ>N-^>-r 




v-AAKft'^>-Jr' 



EnAYAlA. 

(Tafel 2.) 

Die abgebildete attische rotfigurige Pyxis ist eine neuere Erwerbung des 
Berliner Antiquariums aus Eretria^. Sie besteht aus zwei Teilen auf je drei (horizontal 
gerillten) Füfsen: der obere kleinere Teil wiederholt genau die Form des Haupt- 
gefäfses und war wie dieses zur Aufbewahrung von Schminke u. dgl. zu benutzen. 
Die Wandung beider Teile ist nach oben und unten von einem Rande mit Eierstab- 
ornament begrenzt, dessen rippenartige Stäbchen als Unterlage für Vergoldung dienten. 

Der Technik nach gehört das Gefäfs zu der Gruppe von Vasen mit Gold- 
schmuck, für die nach O. Jahn^ das Material bei Furtwängler zu Taf. LXII der 
Sammlung Saburoflf verzeichnet ist. Es sind jene zierlichen Erzeugnisse, auf denen 
Lebensgenufs und Frohsinn die anmutigste Darstellung finden. Intime Scenen 
des täglichen Lebens, zumeist aus dem Bereiche des Weibes, werden uns vor Augen 
geführt, und mitten unter den Menschenkindern treiben vor allem die Liebesgötter 
ihr Wesen ^ Toilettenscenen sind es denn auch, die uns die Bilder des Deckels 
und der kleinen Pyxis zeigen: auf beiden sehen wir Frauen*, die sich unter Assistenz 
ihrer Dienerinnen und goldgeflügelter Eroten^ den Freuden des Putzes hingeben. 

') Inventar-Nummer 3373. Höhe 31 cm. Durch- ^) Vgl. Jahn a. a. O. S. 27. 

messer: innerer 1272 cm, mit Rand 17 cm. *) Sitzende Frauen mit Spiegel, Alabastron, Kette 

Die Erlaubnis zur Publikation ist mir durch (oder Band?). Herzueilende Dienerinnen mit 

Herrn Geheimrat Kekule von Stradonitz in zu- Kästchen, Spiegel, Alabastron, Deckelgefäfs, 

vorkommendster Weise erteilt worden. — In Kette, Tänien. In den Zwischenräumen einige 

archäologischen Fragen bin ich Herrn Dr. Pernice Ornamente. 

für freundliche Unterstützung zu lebhaftem Danke ^) Auf dem Aufsatzstreifen zwei schwebende Eroten, 

verbunden. einer mit Kette; auf dem Deckel ein schweben- 

^) O. Jahn, Über bemalte Vasen mit Goldschmuck. der Eros mit Perlenschnur, ein anderer, das 

Leipzig 1865. — Goldschmuck ist verwendet linke Bein auf eine Erhöhung gestützt, mit der 

für die Flügel der Eroten, Stirnbänder, Arm- linken Hand einer vor ihm sitzenden Frau einen 

Spangen, Halsketten, Perlenschnüre, Ohrringe, Vogel (?) hinreichend, ein dritter Eros sitzend. — 

Thürnägelköpfe und die plastischen Stäbchen Vögel sind im Frauengemach häufig, z. B. 

des Randornaments. Stephani Compte-rendu 1860 T. i. 



Deubner, EDATAIA. 



145 



Die Zeichnung des Hauptbildes ist flott und überaus graziös*. Es ist auf 
den ersten Blick klar, dafs wir es mit einer Hochzeitsdarstellung zu thun haben, 
wie ein Vergleich mit den von Benndorf in den Wiener Vorlegebl. 1888 Taf. VIII 
zusammengestellten Abbildungen lehrt: zwischen zwei Thürflügeln steht die Mutter 
des Bräutigams in dorischem Gewände, mit Kopfbinde, Ohrringen, Halskette und 
Armspangen geschmückt^; sie hält in jeder Hand eine Fackel und blickt dem auf 
sie zukommenden Paare entgegen, das sie an der Schwelle seiner Behausung er- 
wartet*. Der Mann hat mit der Rechten die linke Hand seiner Frau gefafst, in der 
Weise wie es als für die Heimführung charakteristisch zuletzt von P. Sticotti mit 
Recht hervorgehoben worden ist^; die durch Schleier und Perlenschmuck ausge- 
zeichnete junge Frau wird von Eros geleitet. So weit stehen uns parallele Dar- 
stellungen zur Verfügung. Etwas Neues hingegen bietet der von einem Jüngling 
geführte Zug Gefafse tragender Mädchen: Hochzeitsgeschenke sind es, die dargebracht 
werden, das ist deutlich; aber es erregt Befremden einmal, dafs der Hochzeitszug 
durch die auf dem Stuhl sitzende Frau unterbrochen wird, dann aber auch, dafs die 
vom Zuge losgelöste, am Schlufs der Darstellung mit dem Rücken gegen die Gefäfse 
tragenden Mädchen ebenfalls auf einem Stuhl sitzende Gestalt vollkommen unorganisch 
placiert erscheint. Die Schwierigkeit löst sich durch die Anerkennung einer Drei- 
teilung des Bildes: die eben erwähnte, bis auf Kopf und Hals völlig verhüllte, 
sitzende weibliche Figur ist die Braut ^'', deren Vorbereitung und Schmückung zur 
Hochzeit durch die von dem Eros getragene Perlenschnur symbolisiert wird; man 
darf in dieser wohl dieselbe Perlenschnur erkennen, die im zweiten Teil des Bildes 
das Haar der Braut ziert. Das vor ihr stehende Thymiaterion, im Kreise Aphrodites 
überaus häufig", findet seine Parallele auf dem Seitenrelief des Ludovisischen 
Thrones, das eine räuchernde Braut vorstellt ^^ Der zweite Teil giebt uns im engen 
Rahmen einen Ausschnitt des ganzen Hochzeitszuges ^': das Brautpaar selbst^\ das 

'') Reiche Innenzeichnung mit feinen Pinselstrichen, Furtwängler Samml. Sab. T. LVIII. Studniczka 

Körper der Eroten mit weifser Deckfarbe, Haare Beiträge zur Geschichte der altgriechischen 

und Innenzeichnung der Eroten mit verdünntem Tracht S. 126. Heibig, Das homerische Epos 

Firnis. Eine dünne gelbliche Farbe ist verwendet aus den Denkmälern erläutert 2. Aufl., S. 216 ff. 

für den Stuhl der vor dem Thymiaterion sitzen- '*') Ueber die Verhüllung der Braut bei Indo- 

den Frau, für das Kästchen der einen Dienerin germanen und Finnen s. L. v. Schroeder, 

und das Innere des von dieser getragenen Korbes, Hochzeitsbräuche der Esten (Verhandl. der 

vereinzelt auch aufs Gewand aufgesetzt. gelehrten estnischen Gesellschaft zu Dorpat 

') Derselbe Schmuck findet sich mehr oder weniger B, XIII) Dorpat 1888 S. 220 ff. 

bei allen weiblichen Personen. Ein Haarband ") E. Petersen Rom. Mitth. VII (1892) 57. 

tragen auch die männlichen Gestalten und Eroten '2) Ebd. S. 55 — An der Deutung Petersens wird 

des Bildes. der Widerspruch Fritzes (Rauchopfer bei den 

**) Vgl. Wien. Vorlegebl. a. a. O. Nr, i. Samml. Griechen S. 30) nichts ändern. 

Sab. a.a.O. u. Schol. zu Eur. Phoen. 344. '^) Eine ähnliche Beschränkung auf das Wesentlichste 

^) »Zu griechischen Hochzeitsgebräuchen« in der zeigt die Darstellung von Anfang und Ende des 

Festschrift für Benndorf S. 184. Ebenda S. i8i Hochzeitszuges auf der Vase der Samml. Sabou- 

eine Uebersicht über das literarische Material. — roff (Taf, LVIII). Vgl. den Text dazu von Furt- 

Vgl. Wien. VIgbl. a. a. O. Nr. 17; für die wängler. 

Schleierfassung noch Arch. Zg, 1882 T, V. '*) Man mag hier wie auf der Pyxis des Louvre 

Jahrbnch des archäologischen Instituts XV. Iß 



146 Deubner, EflATAlA. 



Ziel des Zuges: das Haus des Mannes mit der fackeltragenden Mutter in der Thür, 
den Ausgangspunkt des Zuges: die im Hause der Braut zu denkende Brautmutter, 
die auf sonstigen Darstellungen am Zuge beteiligt ist, und zwar ebenfalls mit Fackeln 
in der Hand'\ Indem so das Brautpaar zwischen den beiden Müttern erscheint, 
erhält dieser Teil der Darstellung eine schöne und sinnvolle Symmetrie. Der dritte 
Teil endlich giebt, wie erwähnt, einen Zug Geschenke tragender Mädchen. Die 
geringe Anzahl Vasen, die in Betracht kommt, bietet dafür nichts Analoges; so sind 
wir an die literarische Überlieferung gewiesen. 

Über Geschenke, die den Neuvermählten zu ihrer Hochzeit gemacht werden, 
liegen uns bei Pollux und den Lexicographen verschiedene Nachrichten vor; in- 
dessen ergeben sich aus ihnen anscheinend derartige Widersprüche, dafs man ent- 
weder darauf verzichtete, eine endgiltige Lösung zu suchen und sich mit der Aus- 
sichtslosigkeit solcher Versuche tröstete, oder nur für diesen und jenen Punkt, was 
nützlich schien, notierte. Gleichwohl läfst sich, wie ich glaube, bei näherem Zu- 
sehen eine gewisse Ordnung hineinbringen '^ 

Aus dem Wirrwarr der lexicographischen Notizen scheinen sich zunächst 
zweierlei Bezeichnungen für Hochzeitsgeschenke als von einander verschieden deut- 
lich herauszuheben, nämlich die iTiauXta und die dvczxaXuTrtT^piot. Beider Etymologieen 
sind klar. Das Wort iizauXioL, das nicht nur von bestimmten Geschenken, sondern 
auch von dem Tage, an dem diese überreicht werden, gebraucht wird, leitet Hesych 
u. d. W. ab azo xou iTrauXt'Cesöai xtjv vu[xcpr^v. Deutlicher ist Eustathius (aus Pausanias) 
zu ß 29 p. 1337 (S. 335, I Stallb.); luauXta xa (jiexa xöv -[a'jxov .... xai>' r^v (sc. Tjfxspav) 
h T^ xou vüfxcpiou ofxia yj vufAcpyj Trpojxov iTrr^uXisxai. Vgl. Suid. u. STrotuXta. Es ist also 
der Tag nach der Brautnacht gemeint, der Tag, an dem das eirauXtCeaöat schon 
etwas vollendetes ist: das Perfectum hat seine volle Kraft. Für auXi'Cofiai in der 
direkten Bedeutung 'schlafen' liegen uns bei den Lexicographen mehrere Be- 
lege vor; vgl. auXrCexotf xotfxaxat Suid. auXtCexai'xotfxaxai . . xoixaCstai Hes. auXt'Csxotr 
TÖ iv aöX-^ Siaxpißst xotl Jöicus xo xotfj-äxai 'EutcoXi? cprjatv • k-^m 8' aSsnrvo? idTrspa? auXiCo|JL7jv'^ 
Bekk. Anecd. I 463,18. otuXi'Csaöai* xö hrX x^? auXr^ Biavuxxspeustv ebd. 22. auXtC''j[A2vot • 
dvxi xou xot;i.a>[Aevot 'Avxicpaiv Trspi ofxovotot? Harpocr. vgl. Zonaras S. 347 Suid. u, 
auXi'Cexai Bekk. Anecd. a. a. O. Zeile 24. auXtCo[Ji£vda>v • z\z xotxvjv iXauvofjLSvcov Hes. 
aöXiCo[j.£vdo)V • dq. xoi'xtjv TrapotY^vofxsvouv Schol. V zu (j. 265. auXia[j.6? • Siavuxxs- 
psuai? Hes. auXi; • tj xoi'xyj Suid. u. d. W. Vgl. ebd. u. sTrauXi; = Schol. zu 
Lucian "Ovo? 17 (zu B. II S. 423,6 Jacobitz) Hes. u. auXi'v (sie!). Wir 
werden wohl die Eustathius - Notiz dahin corrigieren dürfen, dafs wir die im 

(Wiener Vorlegeblätter a. a. O. Nr. 7) die '5) Vgl. "Wien. Vorlegebl. a. a. O. Nr. i. Archäolog. 

vüfxtfT] /a[i.afj:o'j; erkennen (Pollux III 41: t\ %i Ztg. a. a. O. Samml. Sab. a. a. O. 

tteCt) d^t'xoiTO, fj v'jfjicpT] )(a[j.ai'rro'J? IX^yeto), vgl. "•) Hiller v. Gärtringen verspricht andeutender Weise 

Sticotti in der Festschrift für Benndorf S. 182 f. eine Erledigung der Frage für den Artikel »Hoch- 

Ebenso gut kann die Beschränkung auf einen zeit« in Pauly-Wissowas, Real-Encyclopädie. Vgl. 

kleinen Raum den Fortfall des Wagens veran- ebenda I 2 u. Anakalypteria S. 2032 b 8 flf. 

lafst haben. '^) Tj'jXtCo.tiTjV schreibt mit Meineke Kock Frg. com 

Gr. I 344 Frg. 322. 



Deubner, EUATAIA. jAy 



Worte litauXia steckende Partikel srl nicht aus dem Verbum iTrauXtCofxcti herleiten, 
sondern in ihr die Zeitbestimmung der Folge erkennen und iizoLoha etwa umschreiben 
durch ta km rq auXiSi, umsomehr als Pollux III 39 die Gegenüberstellung macht: 
TtpoauXia 85 7j Tjpö Tuiv Yotfioiv Tjfjispa xal STrauXia tj |i,£x' auxr^v. Wie hier und bei Eusta- 
thius (resp. Suid.), so sind auch sonst die iTratSXia als der Tag nach der Hochzeit 
oder der zweite Tag des Hochzeitsfestes bezeugt; so bei Hesych u. k-naoha: 
7j osuxepa ttöv '(d\i.(siv r^iiipa outw? xaXsiTat, iv tj) xo[xrCouat 8o>pa 01 o?x£toi T(i) Ye^aiAr^xoTi 
xal -qj vufxcpTQ, und wenn wir bei demselben Hesych u. ^a'fxoi lesen: tj upturrj rj|j,Epa 
TÖiv 70[i(ov. r^ oz Ssutipa «TrauXta, so ist dieses aTrauXia unbedenklich in iirauXta zu 
ändern'*. Eine willkommene Ergänzung zu diesen antiquarischen Zeugnissen bildet 
die Stelle aus dem Parasiten-Briefe des Alciphron (III, 49), dessen Verfasser eine 
Einladung zum Hochzeitsfest erwartet: laxat ^afxo; Xapitou? xat Aseüxpaiou; . . . ., et? 
3v ira'vTtos Ti TTctpa ttjv rpcuxTjv TjfAspav 7) tot? iTiauXiois xsxXn^aofxcxt. An diesem zweiten 
Festtage also wurden von den Verwandten dem jungen Paare Geschenke überreicht, 
die denselben Namen iuotuXta trugen. Pollux III 39: 01 8e xal xa 8t86}X£va 8«)pa x^ 
vu|xcpTg xaXoujiv iTrauXta: begeht den Fehler, die Geschenke allein auf die junge Frau 
zu beziehen, was nicht angeht, vgl. die oben citierte Stelle des Hesych u. iTrauXia. 
Ein Versehen ist hier dem Pollux um so eher zuzutrauen, als auch die Trennung 
von STiauXia - Tag und STrauXia - Geschenke durch die Anm. 18 citierte Bemerkung 
über die ctTrauXia die Flüchtigkeit der Compilation beweist. Ein Weiteres 
haben wir zu corrigieren: wir haben oben für die Etymologie von ^TrauXia eine 
Eustathius- Stelle benutzt, mit der Suid. u. STrauXta zu vergleichen war. Auch hier 
knüpft sich an die Erklärung des iTiauXia- Tages eine Erörterung über die iTuauXia- 
Geschenke, aber mit einer offenbaren, schon von Bernhardy (zur Suidas- Stelle) ge- 
rügten Verderbnis. Ich mufs noch einmal die ganze Notiz geben und verzeichne 
unter dem Strich die Abweichungen des Suidas: xal STrauXta xa [xsta xov Yapiov . . . ., 
xaö' TjV ^^ (sc. Tjfispav) iv x^ xou vuficpiou oixta, tj vuficprj"") Trpöüxov iTrr^uXtaxat, xal iTraüXia'^ 
xa (Jiexa (siel) xtjv d)^o[x£vif]v f^jj-spav xoö ^afioi)^^ 8a>pa^^ Tiapa xou xr^? vujicprj? Traxpo? 
cpsp6[ji£va xoi? vi»[jL(ptot?". Es sind hier als Empfänger der Geschenke ganz richtig 
beide Eheleute bezeichnet, als Geber blos der Vater der Braut, was sich indessen 
wohl mit der Angabe von den Geschenken der Verwandten vereinigen läfst. Un- 
möglich aber ist richtig, was hier über den Termin dieser Geschenke zu lesen ist, 
nämhch, dafs sie einen Tag nach dem der Hochzeit folgenden Tage dem Ehepaar 
gebracht worden seien, also einen Tag nach den £7:a6Xta, mit denen sie doch der 
gleiche Name verbindet, abgesehen davon, dafs man zu sagen pflegt: an dem zweiten 

'*) über die äitaüXia bringt Poll. III 39 die ver- 16 überliefert wird, ist unverdaute, verworrene 

einzelte Notiz : duauXia M, ^v ■jj 6 \0[L^loi eii to'j Compilation und nicht zu brauchen. 

Titvöepoü dirauXfCexai izo tt)? vü|j,^rj;. Diese Über- 1^) iizaüXia Kiitxai 7,<x%6<io-J Suid. 

Siedlung des jungen Ehemannes in das Haus des 20^ Nach v'j[ACpr) fügt S. tote hinzu. 

Schwiegervaters mag an einem der späteren Tage 21) -/aXeiTOii 8' iizdöha. xctt S. 

stattgefunden haben. Vgl. auch Poll. III 40. 22^ ^^^^ idp-iüy S. 

Was im Etymologicum Magnum u. djraöXta p. 119, ^^) Suipa setzt S. nach Traxpö?. 

^*) TU) v'j[Vf{u) xal Tijj v6[x^rj S. ' 



148 Deubner, EHATAIÄ. 



Tage darauf *^ und nicht: an dem Tage nach dem Tage, der jenem Tage folgt. So 
hat denn schon Bernhardy sein ' immo -mifx! in die adnotaiio gesetzt, und wir dürfen seine 
Conjectur getrost in den Text einstellen, da wir den Grund der Verderbnis noch deut- 
lich zu erkennen vermögen; man vergleiche in der Eustathius-Stelle die Worte xat 
^TcauXia xa [iexa xbv \6.\i.rt^ und: xal irauXta xa fisxa xr^v h/ji^ivr^ yjfjispav xou 
Yctfxou: es ist ersichtlich, dafs das erste [xsxa das zweite hervorgerufen hat. Die 
^irauXia sind also der zweite Hochzeitsfesttag, der Tag nach der Brautnacht, an 
ihm sandten der Vater der Braut, resp. die Verwandten, dem jungen Paar ihr An- 
gebinde gleichen Namens. 

Eine andere Gattung Geschenke, von der wir hören, wird mit dem Namen 
avaxaXu7rx>5pia bezeichnet. Vgl. Pollux III 36: xa 6k Ttapa xou av8po$ oioojxsva ISva xal 
ÖTCXT^pta xal dvaxaXuTCXT^pia • ou "^ap [aovov f^ '/jjAspa, iv ^ ixxaXuirxei xtjv vupicpr^v, ouxo) xaXoix' 
av, oXXa xal xa It: aurjj Soipa. Also auch hier entspricht der Name des Tages oder 
der Feierlichkeit dem der dabei überreichten Gaben, und zwar sind es hier die 
Geschenke des Bräutigams an seine Braut. Die Bezeichnung avaxaXurcxr^pia erklärt 
noch deutlicher Harpocration u. d. W. S. 17, 20 (vgl. den nur in Unwesentlichem 
abweichenden Suidas u. d. W.): SSpa SiSotisva xai? vufx^a'.^ Ttapa xs xou dvopos xal xoiv 
ofxstcDV xal ötXcüv, oxav xo Trpoixov dvaxaXuTtxwvxat wsxe opaO^vai xot? dvSpa'cfi. Es ist also 
die Feier der ersten Enthüllung der Braut, bei der ihr der Bräutigam seine Ge- 
schenke überbringt, nach Harpocration auch die Verwandten und Freunde, ein Zu- 
satz, der an sich keinen Widerspruch einschliefst, wahrscheinlich aber auf dieselbe 
Rechnung zu setzen ist, wie das, was am a. O. folgt: xaXetxai S'auxa xal iTtauXaia (siel). 
Harpocration wirft also die InauXta mit den dvaxaXu7rxr]pia zusammen, und daraus 
erklärt sich wohl auch die Vermischung der schenkenden Personen. Hingegen 
ist der Schlufs der Harpocration-Stelle wieder in Ordnung: xauxa S'e?al xa rao' vj[jiTv 
Ostopsxpa. Oöfupsxpa ist Synonym zu ÖTrxT^pta, was neben dvaxaXuTcx7)pia vorkommt; 
vgl. aufser der angeführten Stelle des Pollux denselben II 59: si'pyjxat h\ xal ÖTuxr^pia 
xa Sojpa xa Trapa xou Trpuixov {(Jovxo? xtjv vujicpTjv vuixcpio'j St^ofjisva. Moeris Att. S. 205 > 
24 Bekk. : öirxi^pia 'Axxtxot, dvaxaXüTrxT^pia"EXXT^v£?. Hes.: ^Trxrjpia • xa ht xoT? dvaxaXuTCXTjptoi? 
8i8o(x£va o&pa x^ VüfAcp^. Die an den dvaxaXuTxxr^pia überreichten Geschenke heissen 
also auch ÖTCxi^pia oder Oswpsxpa, weil der Bräutigam bei dieser Feier seine Braut 
zum ersten Mal ' zu sehen bekommt' '''^ Die Angaben über Empfänger und Geber 
der Geschenke stimmen zum Vorigen: der Bräutigam beschenkt die Braut. Dafs 
die betreffenden Geschenke speziell der Braut gemacht werden, bestätigt endlich 
das bei Theon (Progymnasm. 2 S. 69, 6 Spengel) erhaltene Thema einer Lysianischen 
Rede: (wc xs irspl xaiv dvaxaXuTrxr^piwv iTiqpacpofxevo? Auaiou (sc. Xo^oc) xal 6 uspl x^? 

■^^) So heifst es am Schlufs des Artikels: ol 8^ ^aaiv Sinne und 2. der Tag der ehelichen Ver- 

iTra'iXta (^TrauXfav Etym. Magn. S. 354) xt^ bindung. 

SeuT^pav {AETti xoijj yaixou; f^fji^pav xotXEla&at, was 2^) So heifst es von den dvaxaXuTiTi^pia der Köre 

wohl aus Missverständnis solcher Stellen wie im Scholion zu Eur. Phoen. 682 (aus Euphorion ; 

Hesych u. ^TtaüXta • t^ Seux^pa täv yctfjiwv f/fiepa vgl. Meineke Anal. Alex. 8. 87 f.): 8v YafAEXTjv 

zu erklären ist. yaiAöt hat also eine doppelte ote Trpüixov ÖTrtuTr/jOaaöai e,ULeXXe vujx'f iSt'o'j dTretpoio 

Bedeutung: i. das Hochzeitsfest in weiterem irapaxXt'vaaa xaXünxpr^v. 



Deubner, Ell ATM A. j^q 



afißXtüSsu); • £v [xev ^ap OaT£pt|) C^xeixai, et toc SoOsvxa dvaxaXüTixr^pia -pvatxl YajJLOUjisvTQ 
ßspatü)? e/siv auxTjv 021 xxX. 

Es fragt sich nun, auf welchen Tag diese dvaxaXuTCxr^piot zu verlegen sind. 
Den richtigen Weg" weist Bekk. Anecd. Gr. I 200,6 (= ebd. 390,26 = Anecd. 
Bachm. I 83 = Zonar. S. 189): dvaxotXuTtxr^pia Stupa oiSofisva xaic vu(xcpott?, oxav irpwxov 
dvaxaXuTTXwvxoti Iv x*^ laxidcret^® xtöv Yotfitov, xoT? dvSpdat xal xoT? ioxKujAevon; 
6p(ü,u£vat. Die erste Enthüllung erfolgte also bei dem Hochzeitsmahl, das der Braut- 
vater am Tage der Hochzeit in seinem Hause zu geben pflegte. Hierzu stimmt 
vortrefflich die von dem Verfasser Trepl 5(|;ou? " aus Timaeus bezeugte Nachricht 
von dem Raube der einem Andern verlobten Nichte des Agathocles durch diesen 
selbst, wo sx xtuv dvaxaXuTrx/jprojv (sc. dpTrdaavxa dreXÖEiv) als ziemlich identisch mit ix 
xoiv ^dptwv gebraucht ist '". Wir können schliefslich das bei Athenaeus erhaltene 
Fragment aus der 'AvotxaXuTtxojisv/j des Euangelus'' heranziehen, in dem der Braut- 
vater dem Koch für das Hochzeitsmahl Anweisungen giebt: das Ssitcvov solle evxeXk 
sein xal tiTjosvi iXXnri; (V. 2), denn: XctfAupou^ -^svsaöat ßouXofjisaOa xou» '^dfxoü? (V. 3). 
Beachtet man den Titel, so wird es in hohem Mafse wahrscheinlich, dafs das dva- 
xaXuTTxsaöai nicht vom Hochzeitsmahle zu trennen ist; in Verbindung mit den obigen 
Zeugnissen darf man das als gewifs betrachten. Der Augenblick der Enthüllung ist 
wohl im Zusammenhang zu denken mit den Libationen und Opfern, die den Be- 
schlufs des Hochzeitsmahles bildeten, bevor das Paar in feierlichem Zuge nach seiner 
Wohnung geleitet wurde; wenigstens meldet Lucian Conviv. 8, dafs die Braut beim 
Mahle selbst völlig verschleiert (Trdvu dxpißw? l-j'xsxaXujxjxsvrj), von Weibern umgeben, 
ein besonderes Speisesopha (xXivxvjp) einnahm ^"^ Es stimmt denn auch endlich, da 
der Ausdruck oTrxT^p'.a auf ein Enthüllen des Gesichtes weist, dazu die Thatsache, 
dafs auf allen Vasendarstellungen, die den Hochzeitszug oder den Aufbruch dazu" 
schildern, das Antlitz der Braut unverhüllt ist". 

Ich habe bisher die viel besprochene Hesychstelle aus dem Spiel ge- 
lassen , der zufolge die dvaxaXuTrxr^pia auf den dritten Tag des Festes fallen : 
dvaxaXuTTXTfjptov, oxs xrjv vuficpyjv Trpoixov eJa'YooGtv x^ "^P^'^XI "^if*^??' ^^"^^ Notiz, 
welche die eben gezogenen Schlüsse zu gefährden scheint, um' so mehr, als sie 
durch das vor einigen Jahren gefundene Fragment aus der Pentemychos des 
Pherekydes gestützt wird. Dieses Fragment, in dem uns eine Götterhochzeit ge- 

'"') Ihn hat auf Grund jener Stelle schon Caillemer Vermählung des Zeus mit Demeter. Auch 

eingeschlagen in dem Dictionnaire des antiquith scheinen die in Sizilien gefeierten riepaecpovr^; dv. 

V. Daremberg u. Saglio u, Anakalypteria I (Schol. Find, Ol. VI 160) und Kdpir)« deoYap.ta 

S. 261. (Poll. I 37) auf ein und dasselbe Fest bezogen 

^*) bi IjTtaaei Anecd. Bekk. I 390. Anecd. Bachm. werden zu müssen. 

a. a. O. 31) Keck Frg. com. Gr. III 376. 

29) VI 5 S. 8, 9 Vahlen = FHG I 231. 32) Vgl. Schroeder, Hochzeitsbräuche d^er Esten 

30) Vgl. Hiller v. Gärtringen u. Anakalypteria in S. 221, 
Pauly-Wissowas Realencyclopädie. — Ähnlich 33) Archäol. Ztg. a. a. O. 

versteht Foerster, Raub und Rückkehr der Per- 3») Auszunehmen ist, wie es scheint, das Fragment 
sephone S. 20 die Ai^|xr]Tpo? dv. (Synesius Calv des ovo; Wien. VIgbl. l888 Taf. VIII 6. 

encom. 7. B. 66 S. 1180 B Migne) von der 



150 Deubner, EfJATAIA. 



schildert wird, lautet bei Diels (in den Abhandl, d. Berl. Akad. d. Wiss. 1897 phil.- 
hist. Kl. S. 145) von Zeile 11 ab folgendermassen: xaTreiÖTj xpitTj r^\j.iprj ^qvstai xSii 
YocfAtot, Tots Za? TTOiei cpapo? \i.i'(a xs xal xaXov xal h auTo)[t ttoixi'XXsi It^v] xotl 'ß"f/;[vbv 

xat xä 'öj^r^vou [Swfxaia] m [(aufißat'vsi] ^ap aio xous -("«[lous sTvai), 

xouxwi as xt[i[(ü]. a6 82 jxoi X^'^P^ ''''''^ • P* ^'^^^ • '^^^'^o^ ootaiv dv[a]xaXu7rxY]pta Trpoixov 
Y2V£<jOat • Ix xouxou 5[s] 6 vofio? Iy^^^W'^ ''^^'^ Osotai xal dvi)p[(u7r]oi(3tv. Am dritten Tage 
also des Hochzeitsfestes überreicht Zas der Chthonie ein grofses und schönes'* 
9i5po;, damals, so sagt man, wurden die dvotxotXuTcxVjpia zum ersten Male begangen, 
seitdem ist es Brauch geworden unter Göttern und Menschen. Also auch hier der 
dritte Tag! Das isolierte Zeugnis des Hesych hätte man als unbrauchbar ignorieren 
dürfen, zumal von Geschenken an der betr. Stelle überhaupt nicht geredet wird, 
das Zeugnis des Pherekydes fordert unbedingt Berücksichtigung. Es ist nun m. E. 
sicher, dafs in keinem Falle die dvaxotAUTixTQpia den dritten Tag jener Reihe repraesen- 
tieren können, deren erster und zweiter durch ^dfi-ot und iTuauXia vertreten werden (vgl. 
oben), weil es mir unmöglich erscheint, dafs die Braut erst am zweiten Tage nach 
der Brautnacht dem Bräutigam ihr Antlitz enthüllt haben sollte, während doch schon 
am zweiten Festtage die IrauXia vom jungen Paare in Empfang genommen wurden. 
Vielmehr lassen sich die widerstreitenden Nachrichten auf ganz natürliche Weise 
in Einklang bringen. Das Zeugnis des Pherekydes stammt aus der zweiten Hälfte 
des 6. Jahrhunderts. Es ist begreiflich, dafs in älterer Zeit die Hochzeits- 
feier eine grössere Ausdehnung hatte, und wenn man drei Tage vor der Heim- 
führung mit den Festlichkeiten begann, so ist eben der dritte Tag mit dem Tage 
identisch, den wir oben für die dvaxaKuTiiripia erschlossen haben — dem Tage der 
förmlichen ehelichen Verbindung'". Die Stelle des Hesych mag auf ein altes Scholion 
zurückgehen, das irgendwie auf eine feierliche Ausführung der jungen Frau am 
dritten Tage nach der Hochzeit Bezug nahm. 

Wir haben gesehen, dafs die dvaxaXüTTTif^pta speziell Geschenke des Bräutigams 
an seine Braut sind, und dieses findet in dem Pherekydes-Fragment seine Bestätigung, 
da der schenkende Zas in der That der Gatte ist". Allein auch hier haben wir 
uns mit einer widersprechenden Ueberlieferung auseinanderzusetzen. Es wird mehr- 
fach berichtet'*, dafs Zeus seiner Tochter Köre aus Anlass ihrer Vermählung mit 
Pluto die Insel Sizilien (nach anderen Akragas, Theben oder Cyzicus) als dvaxaXurcxrjpta 
oder zu den OLvaxotXoTzxripia geschenkt habe. Der schenkende ist also hier der Vater der 
Braut. Ich glaube nicht, dafs diese Annahme gegen die Regel beweisen würde: man 
könnte unter dvxdXuTrxT^pia allgemeiner die Hochzeitsfeier verstehen, ähnlich wie in der 
Stelle aus rspl u^J^ou?, oder, soweit die Geschenke bezeichnet werden, das Wort ein- 
fach als einen Ausdruck für Mitgift ansehen", man könnte auch die ideale Sphäre 

^) Vgl. für diese typisch idealen Eigenschaften auch 37) Vgl. Diels a. a. O. S. 154. 

meine Dissertation De incubatione S. 12. ^^) S. die Stellen bei Hiller u. Anakalypteria. 

3'') So ist bei den Lappen der dritte Tag der 39^ Von Cyzicus ist direkt l{ji;tpotxtov gesagt bei 



Haupttag der Hochzeit, an dem die Heimführung Appian Mithrid. 75. 

stattfindet, Schroeder a. a. O. S. 223. 



Deubner, EHATAIA. , 151 



in Rechnung ziehen und betonen, dafs auf den Vater der Menschen und Götter 
keine derartigen Regeln Anwendung finden dürften — indessen sind, glaube ich, 
auch hier die Widersprüche durch die Verschiedenheit der Zeiten bedingt. 

Es hat allen Anschein, als wenn die iitauha. eine spätere Differenzierung zur 
Voraussetzung haben, und man in älteren Zeiten überhaupt nur eine Feier gekannt 
hat, an der Geschenke überreicht wurden — die dvaxaXuTrxrjpia, und dies ist vielleicht 
mit ein Grund für derartige falsche Contaminationen, wie bei Harpocration u. dvaxoXuit- 
TT^pia, die auch neuere Gelehrte zu der Annahme verleitet haben, iizaoha und oyorm- 
XuTTTT^pia seien nur dem Worte nach unterschieden*". 

Wie dem auch sei, die antiquarische Überlieferung, die uns bei Pollux und 
den Lexicographen vorliegt, wird durch jene einer älteren Zeit zuzuweisenden That- 
sachen in ihrem ziemlich einheitlichen Grundstock nicht gefährdet, Ihr zufolge also 
sind die avaxaXuTrnjpta die Brautgeschenke des Bräutigams, überreicht im Hause 
des Schwiegervaters bei der Enthüllung des Antlitzes der Braut am Schlufs des 
Festmahles. Es ergiebt sich die hübsche Gegenüberstellung, dafs der Bräutigam 
seine Geschenke der Braut in dem Hause des Schwiegervaters überreicht, wo er 
der Gast ist, der Schwiegervater hingegen, resp. die Verwandten, ihre Gaben wiederum 
in das Haus des jungen Paares senden. 

Wir kehren zu der Darstellung der Vase zurück, um zu sehen, ob die dritte 
Szene des Bildes mit den dvaxa^vUir-iQpia oder iTrauXiot in Verbindung gebracht werden 
kann. Es ergiebt sich, dafs sie fast wie eine Illustration zu der Beschreibung der 
iirauXta bei Eustathius (resp, Suidas*') aussieht. Ich lege wieder den Eustathius- 
Text zu Grunde und notiere die Abweichungen des Suidas und des Et. Magn. 
unter dem Strich*': xotl STiauXia xa xata*' trjv ij^ofisvrjv 7)[xspav xo5 "Yocftoo Soipa Trapa 
xou xr^; vupicprjc iraxpo; cpep6[X£va xoT? vujAcpioi;** ev o/i^fi-axi ttdixt:^?** . TraT? ^dp, 
«pr^ai'v*" (sc. Pausanias), -fj^sixai /XctviSa Xsuxtjv lym xotl XafjnrdSa xatO[A£vrjV, eixstxa 
rat? Ixspa*'' xavr^cpöpoc • eixa *^ XoiTrat *' (pepouaat ^^ XsxaviSa?, OfxiJYpiaxa, cpopsTa, 
xxevas, xotxa?, dXctßdaxpou; ", aavodXta, Or^xa?, fiüpa, vixpa*'. ivt'oxe <frfli^^ xal xtjv TrpoTxa 
d[xa x(o vu[xcpio) cpipouatv. Eine feierliche TrofATcv^ ist es in der That, die uns das 
Bild der Pyxis vor Augen führt, insbesondere charakterisiert durch die im 
Zuge einherschreitende Flötenbläserin, wie auch die Darstellung der Lutrophorie- 
Prozession auf der Athener Lutrophoros *^ ein flötenspielendes Mädchen aufweist 
An der Spitze des Zuges schreitet der die Fackel tragende Jüngling (1:01?) mit 

*") Vgl. J. F. Ebert 2ixeXi(uv S.S. Bergk zu Suid. *'') TraTclT^p« ausgelassen, fxeTok toütov zugetUgt S. Et. 

u. iiza'Aii. GöU zu Becker Charikles III 379. *») eT&' al S. Et. 

^') Dazu Etym. Magn. p. 354. *^) Nach Xoinal fügt S. hinzu dxoXouSoüatv l<p£5^;, 
■*") Vgl. für den Anfang der Stelle die unter 2i ff. Et.: dxoXo68(uc. 

angemerkten Varianten. ^) Nach cpäpouaat fügt S. j^puata ein, Et, ^puafo'J. 

") Vgl. oben. si) dXaßaaxo-j; Et. 

*^) Mit xal TT] V'j[i.^7j setzt auch der Text des Ety- ^^ fjtupdXemxpa S. pnjpaXiTTTpa Et. 

mologicum ein. ^^) cpTjCt ausgelassen, 8^ zugefügt S. Et. 

*^) dv rouTT^? 3-/jfi(jLaTt S. Et. ") Vgl. Wiener Vlgbl. a, a, O, Nr, 2, 
*^) (pr,a^ fehlt bei S, Et. 



152 Deubner, EnATAIA. 



einem Mantel (/Xavi?) bekleidet ". Ihm folgt ein Mädchen (Trai? eTspa), dessen Jugend 
durch kurzes Haar angedeutet scheint; sie trägt in der linken Hand einen Korb, 
und man versucht sie mit der xavr/^opo? obiger Stelle zu identifizieren. Allein dem 
widerspricht die Form des Korbes: das xavouv ist ein flacher Korb, in dem die 
Opfergaben getragen werden, der von dem Mädchen gehaltene ist der im Frauen- 
gemach übliche Spinnkorb. Dagegen stimmt es wieder zu der Bezeichnung XoiTral 
cpspouaai, dafs sonst nur Mädchen am Zuge teilnehmen. 

Betrachten wir die Geschenke etwas näher. Von den Gefäfsen, die an den 
iirauXia dem jungen Paar gesandt wurden, nennt Photius u. Xexavt? zwei Gattungen: 
iv Toi; ETrauXiots ot iratspe; xai? vufxcsats*^ 8(opa lirsijnrov, iv [ikv Tai; xotn'ai )(pu(Jia, iv oh, 
tat; Xexotvt'tJt Trap&svixa ■Kar(vioi. Vgl. Hesych u. Xsxavtos? • xspapisai Xottocos?. xat ev aU 
dvOpuTCta*' l^pspov ToT? v£OYa[xot? (so richtig!). Die Xsxavios?, die auch in der Eustathius- 
Stelle unter den Geschenken erwähnt werden, sind somit flache Schüsseln (XoTiaSe;), 
und zwar anscheinend mit zwei Henkeln ^^; wir werden eine solche in der Hnken 
Hand des zweiten Mädchens wiedererkennen dürfen. Die xoniös? hingegen, die in 
der oben citierten Photius-Stelle neben den XsxaviSs; als Behälter von Goldschmuck 
genannt werden und ebenfalls in dem Eustathius-Artikel verzeichnet sind, können 
wir vielleicht mit der Gattung Kästchen identifizieren, von der das erste Mädchen 
ein Exemplar in der rechten Hand an einer Schnur trägt; wenigstens stimmen 
dazu die Erklärungen der Lexicographen : Hesych u. xom'; • rj jjLtxpoTö'pa xta^rj, Iv fj 
^uvatxsToi; xosixo? direitOeio. Suid. u. xoTxi? ( = Änecdot. Cram. II 456, 7 = Etym. Magn. 
524,15 = Etym. Gud. 333,15) y\ fiixpa xi'atyj, 'Attixäc^'. ttjv -^ap xibtr/v'^*' xotiiv^' Xs-^ou- 
cjtv. IsTt^^ 8s iv oXc,^^ xoitaCo[i.£vai at -j-uvauc? dTrsxtdevxo ®* xa -/pua[a''\ Ein Kästchen 
zur Aufbewahrung weiblicher Schmucksachen kann in dem betreff'enden Gegenstand 
sehr wohl erkannt werden. Dafs er im Frauengemach seine Stelle hat, beweisen 
die Darstellungen einer attischen Schale bei Stephani Compte-rendu 1860 T. i und 
einer apulischen Aryballos, Elite ceram. IV 83, wo dasselbe hausförmige Kästchen, 
mit Bildern verziert, an der Wand hängt. Ein gleiches ohne Bilderschmuck hält 
auf der apulischen Pelike El. cer. IV 71, ein Mann in der rechten Hand an einer 
Schnur, ganz wie das Mädchen aus dem iTrauXia-Zuge. Dieselbe Form spielt, wie 
mich Loeschcke aufmerksam macht, im Totenkult eine Rolle und dient vorzugsweise 
zur Aufnahme von Asche. Ein solcher Behälter aus der Nekropole von Vetulonia 
(7. Jahrh.) ist abgebildet in den Notizie degli scavi 1887 Taf. XVIII, ein altapulisches 

5^) Die weisse Farbe konnte nicht angedeutet werden, s^) Xexctviov xol XexavfSa dyyeia wx« l/ovxa upö; ÜTtoi- 

Vgl. Sticotti in der Festschrift für Benndorf So/tjv oii(ov xal xotoüxcuv xivöiv Photius u. 

S. 182. Weifses Gewand für den Bräutigam Xexdvr]. 

bezeugen: Plut. Amat. 26 p. 771 D/E PoUux ^9) 'AtrixA; vor r; [x. x. A. C; E. M.; E. G. 

IV 119; für die Braut: Eur. Alcestis 923 und ''O) xüaxrjv E. G. 

die Aldobrandinische Hochzeit; rotes für die ^') xot'xTjV AC, EM. EG. 

Braut: Achill. Tat, II 11 S. 65, 24 Hercher. 62) ig^-iv AC. 

^•^) Incorrect, vgl. oben. ''3) rat; AC. 

'•''') Vielleicht ev&pUTixa (eine Art Kuchen), wie *'') ärroxOevTat EM. 

mehrere Gelehrte veriiiuten. ''^) ypifj(i.oiTC( EM. 



Deubner, EnATAIA. ,53 



Stück derselben Form in der Collection Greau Taf. I. Vielleicht ist Ägypten die 
Heimat dieser Gattung; wenigstens ist sie dort in Gräbern zahlreich vertreten und 
zum Teil mit Grabinschriften oder Darstellungen von Opfern, die die Familie dem 
Toten darbringt, versehen, vgl. Wilkinson, Manners and customs of the ancieni 
Egyptians vol. III second ed. (London 1842) S. 175 ff. Grab und Hochzeit gehen 
hier ähnlich zusammen, wie im Gebrauch der Lutrophoros. Wie die Schüssel und 
das hausförmige Kästchen, so finden wir auch die übrigen Geschenke des Zuges 
im Frauengemach wieder. Für den Spinnkorb ist das schon oben angedeutet; statt 
zahlreicher Belege verweise ich auf EL cer. IV 83, Stephani Compte-rendu 1863 T. i 
und Sammlung Sabouroff T. LXIV. Das von dem zweiten Mädchen in der rechten 
Hand getragene Gefäfs kehrt wieder Compte-rendu 1863 T. i; besonders interessant 
aber ist es, dafs ein in der El. cer. IV 36 abgebildetes apulisches Exemplar dieser 
Gattung ganz wie die Berliner Pyxis mit einem Aufsatz versehen ist, der die Form 
des Hauptgefäfses genau wiederholt". Für die von dem letzten Mädchen des Zuges 
getragenen Gefäfse auf hohem postamentartigem Fufs vgl. Compte-rendu 1863 T. i; 
ein Exemplar der Samml. Saburoff ist abgebildet auf Taf. LXVIII. Die Lutrophoros 
im Arm des Eros hat symbolische Bedeutung; Zweige sind hineingesteckt, wie auf 
der Abbildung in den Athen. Mitth. XVI (1891) S. 382". 

Es liegt nahe, die Frage aufzuwerfen, ob nicht der Zug der Götter zu der 
Hochzeitsfeier des Peleus und der Thetis mit der i-auXia in Verbindung gesetzt 
werden kann. Gaben bringen Chiron und Dionysos auf der Frangoisvase und die 
Nereiden nach Loeschckes Deutung** auf dem obersten Streifen des Kypseloskastens. 
Noch etwas nähersteht der Frage das römische Sarkophagrelief aus der Villa Albani^^ 
auf dem Hephäst, Athena und vier Hören, also ein Mann und sonst lauter Frauen, 
mit Geschenken dem Paare nahen; auch ist ein kleiner fackeltragender Knabe gegen- 
wärtig. Indessen bleiben dieselben Einwände zu Recht bestehen, die schon Weiz- 
säcker im Rhein. Mus. XXXII gegen die von Stephani ausgesprochene Deutung des 
Vasenbildes auf die dvotxaXuTcr/;pta erhoben hat. Die Hochzeit des Peleus und der 
Thetis findet unter ganz aussergewöhnlichen Umständen statt: Peleus hat die Meerfei 
bezwungen, und die Götter erscheinen zur Feier des Bundes, um diesen zu be- 
stätigen. Dafs sie Gäste sind, ist wesentlich, nicht dafs sie Geschenke bringen ^°, 
geschweige denn, dafs eine Prozession in der Art der iTrauXia vorläge. Überhaupt 
sind diese, wie oben bemerkt worden ist, einer jüngeren Zeit und speciell Attika 
zuzuweisen. Dafs die Götter Peleus und Thetis ihre Gaben bringen, hat nichts mit 
den £-auXta zu thun: so lange man Hochzeit feierte, so lange ist geschenkt worden. 



<^«) So macht auch das in der Samml. Sab. T. LXI henklige Lutrophoros, von einem Eros gehalten, 

oben links abgebildete Stück durchaus den auch Compte-rendu 1860 T. i. 

Eindruck des Aufsatzes einer gröfseren Pyxis, ^^') Dorpater Programm 1880 S. 5 ff. 

nicht den eines selbständigen Gefäfses. ß») Overbeck, Bildwerke des thebischen und troi- 
^') Diese Lutrophoros hat nur einen langen Henkel, sehen Heldenkreises T. VHI 8. 

dafür zwei kleine an den Seiten, ist also der^ ™) Weizsäcker a. a. O. S. 37. 

Form nach Hydria, nicht Amphora. Eine ein- 
Jahrbucb des archäologischen Instituts XV. 14- 



154 Deubner, EÜAYAIA. 



Somit haben wir auf der Berliner Pyxis die erste Darstellung der sTcauXia 
erhalten; freilich nicht unverkürzt, denn die Kanephore fehlt. Auch müfste bei einer 
vollständigen Darstellung das Ziel der -ofjnrv; angegeben sein, das Haus der jungen 
Eheleute oder diese selbst. Es verhält sich mit der iTTotuXta- Szene des Bildes nicht 
anders, als mit dem Hochzeitstage, der ebenfalls stark, zusammengeschnitten ist; 
auch die Schmückung der Braut ist an sich in der Weise isoliert nicht denkbar. 
Trotzdem entbehrt die oben betonte Dreiteilung des Bildes nicht einer sinnvollen 
Anordnung. Wir können sie schärfer präzisieren durch die Nebeneinanderstellung: 
vor der Hochzeit, die Hochzeit selbst, nach der Hochzeit. Für die Thatsache der 
Dreiteilung aber scheint noch eine weitere Bestätigung. vorzuliegen: auf dem Bilde 
sind drei Eroten verwendet, und zwar so angeorgnet, dafs jeder Teil seinen Eros 
erhält. Damit ist für die Gesamtinterpretation der Schlufsstein geliefert. 

Bonn. Ludwig Deubner. 



Archäologischer Anzeiger 1900. 



Zu S. 141 ff. 






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Inschrift-Tafeln aus Knossos. 



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DIE GRABFUNDE VON PITIGLIANO IM 
BERLINER MUSEUM. 

Das Antiquarium der Königlichen Museen hat im Jahre 1899 den voll- 
ständigen Inhalt von sechs Gräbern erworben, welche in den letzten Jahren in 
der Nähe des heutigen Pitigliano westlich des Sees von Bolsena im Thale der Fiora 
geöffnet worden sind '. Den überwiegenden Bestandteil der Funde bilden Thon- 
gefäfse von vorzüglicher Erhaltung und grofser Mannichfaltigkeit der Formen, welche 
die Entwickelung der altetruskischen Töpferei unter dem Einflüsse griechischen 
Importes sehr anschaulich vor Augen führen. Dadurch rechtfertigt sich die folgende 
ausführliche Besprechung dieser Funde, welche ich auf eine Aufforderung des 
Direktors des Antiquariums, Herrn Geheimrats von Kekule, unternommen habe. Die 
allgemeinen Erörterungen, welche ich der Beschreibung der Funde und Formen 
folgen lasse, beschränken sich auf Probleme der altitalischen Keramik; über die 
griechischen geometrischen Decorationsstile in' Mittelitalien hoffe ich bei anderer 
Gelegenheit mich äufsern zu können. 

G. Pellegrini hat in den Notizie degli scavi von 1896 (S. 263 ff.) und 1898 
(S. 429ff.) über die Ausgrabungen bei Pitigliano berichtet. Bei Anlage neuer Wein- 
berge stiefs man auf Gräber, systematische Grabungen ergaben das Vorhandensein 
einer ausgedehnten Nekropole, und schliefslich fand sich auch die dazugehörige 
etruskische Stadtanlage. Man vermutet in ihr mit vieler Wahrscheinlichkeit das alte 
Statonia". Die Stadt lag auf einem Felsen, der auf drei Seiten nach den Thälern 
der Fiora und zweier ihrer Nebenflüsse steil abfällt, auf der vierten mit dem Hügel- 
lande zusammenhängt. Hier führt die Hauptstrafse aus der Stadt, und der erste 
Hügel vor der Stadt, Poggio Buco genannt, ist beiderseits der Strafse mit Gräbern 
bedeckt '. 

Die ältesten Gräber finden sich vor dem Thore an der Strafse. Je weiter 
man sich von der Stadt entfernt, um so jünger werden die Gräber. 

Sogenannte Pozzi, Schachtgräber, auf deren Boden die Urne mit den Resten 
des verbrannten Leichnams meist in einer Steinpackung beigesetzt ist, fehlen ganz. 
Die ältesten Gräber sind tombe a fossa, d. h. rechteckige in den Felsen eingearbeitete 
Gruben zur Aufnahme des unverbrannt bestatteten Toten, häufig mit einer oder 
zwei nischenartigen Vertiefungen in den Längswänden (loctdi): tombe a cassone, wie 



') Amtliche Berichte aus den kgl. Kunstsamm- ^) S. die Kartenskizze Notizie 1896 S. 264 und die 

lungen 1899 S. XIX. photographischen Ansichten ebenda 1898 S. 432, 

-') Notizie 189S S. 429f. 433. 

Jahrbuch des archäologisrhen Instituts XV. 15 



I c5 Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 

man diese Spielart der Fossa-Gräber zu nennen sich gewöhnt hat. Auf diese folgen, 
wie überall in Etrurien, die tombe a camera, Kammergräber mit seitlichem Zugange, 
dem opofjioc. Sie gehen bis ins 6. Jahrhundert hinab*. 

Im 6. Jahrhundert mufs die Stadt verlassen worden sein. In keinem Grabe 
hat sich eine Spur rotfiguriger attischer Ware gefunden, und auf die Gräber der 
archaischen Periode folgen unvermittelt römische Grabanlagen, die vom dritten bis 
ins erste vorchristliche Jahrhundert reichen. Den vollständigen Inhalt eines römischen 
Grabes hat das Berliner Museum erworben; sein Hauptstück ist ein Teller aus terra 

sigillata von 46,5 cm Durchmesser mit dem Stempel des a cpcT^y 

Die Freude an den klaren chronologischen Verhältnissen, wie wir sie der 
Gunst der Umstände und der sorgsamen Arbeit der Erforscher der Nekropole, 
Pellegrini und Mancinelli, verdanken, wird durch den Umstand etwas getrübt, dafs 
die Gräber grofsenteils beraubt zu sein schienen. Der Name des Hügels, auf dem 
die Totenstadt angelegt ist, Poggio Buco, mag ihm damals gegeben sein, als die 
Umwohner ergiebige Nachforschungen hielten. 

Von den Funden, deren im folgenden keine Erwähnung gethan wird, mögen 
eine samische Amphora der sog. Fikelluragattung — meines Wissens die vierte sicher 
italischer Provenienz* — und die Reste einer attischen innen und aufsen bemalten 
Augenschale mit dem Lieblingsnamen des Auxo? hervorgehoben werden". Der 
Boden der Stadt hat die wohl erhaltenen ThonreHefs gespendet, die Pellegrini in 
Milanis Studie e materiali I 1899 S. 87 ff. veröffentlicht hat. 

Bei der Beschreibung bediene ich mich zur Bezeichnung der Gräber der 
Nummern des Ausgrabungsprotokolls, die sie auch in Berlin behalten habend 

I. Grab XVI. 
Tomba a fossa. 
Grundrifs, Durchschnitt und Aufsicht dieses den ältesten Grabtypus der 
Nekropole repräsentierenden Grabes s. Fig. i — 3. Die viereckige in den Tuff des 
Felsens gehöhlte Grube war durch Tuffplatten von 40 cm Dicke geschlossen, die 
auf Absätzen im Felsen an den Längsseiten und auf einem in die beiden Schmal- 
seiten eingefalzten Balken ruhten. Von dem Leichnam fanden sich Reste in der 
östlichen Ecke. Als der Balken, von dem sich keine Spur mehr vorgefunden hat, 
verfault war, ist die Decke ins Grab gestürzt. Glücklicherweise war der Inhalt 
damals schon durch eine ca. 50 cm mächtige Schicht eingedrungener Tufferde 
geschützt. Mancinelli hatte den Eindruck, dafs vor dem Zusammenbruch der Decke 
das Grab schon einmal geöffnet und beraubt worden sei. 

■*) Eine höchst lehrreiche Übersicht über die in S. 5 7 f. No. 20, 29, 30. No. 3 und 19 könnten 

der Nekropole vorkommenden Grabtypen hat aus Italien stammen. 

Mancinelli zu den Akten des Berliner Museums ••) Notizie 1896 S. 273 Fig. 9 und 1898 S. 55 Fig. 8. 

geliefert. '') Die Beschreibungen beruhen auf den aufser- 

'"') Böhlau, aus jonischen und italischen Nekropolen ordentlich exakten Angaben Riccardo Mancinellis, 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 



157 



Von den Metallbeigaben waren nur noch bronzene Kahnfibeln und eine 
Eisenfibel, ein Bronzearmband von rundem Querschnitt und ein geriefeltes mit einem 
Knopf an jedem Ende, Gürtelschliefsen und Fragmente dünner silberner Drahtringe 
vorhanden (Mise. Inv. 8655 — 8671); aufserdem fanden sich runde und viereckige 
Bernsteinperlen und zwei Perlen von blauem Glase (Mise. Inv. 8672—8673). 



I 



i 



I 



Fig. I. 




Fig. 2. 



Die einheimischen Thongefäfse dieses wie der anderen Fossagräber gehören 
drei Gattungen an. Nebeneinander findet sich in allen dunkelthonige Ware, rot- 
thonige und solche mit weifsem Überzuge. Dazu kommt griechischer Import, sei 
es aus dem Mutterlande, sei es aus den Kolonien^. 

Über die Technik der einheimischen Gattungen und ihre unterscheidenden 
Eigentümlichkeiten hat in klarer und sachverständiger Weise Barnabei in den Momi- 
menti antichi IV S. 173 ff. gehandelt. 

Die dunkelthonige Gattung ist uns von Troja her geläufig. Die Gefäfse 
sind aus dunkelgefärbtem Thone ohne Hülfe der Drehscheibe geformt. Um das 
Reifsen und Springen während des Trocknens und Brennens zu verhüten, ist dem 
Thone ein y>materiale magro« , Basalt- oder Trachytgrus, oder auch Quarz bei- 
gemischt. Nach dem Brande, der nicht im geschlossenen Ofen vor sich geht, sind 
die Gefäfse mit einer Schicht Harz oder Wachs überzogen, die wieder durch Zusätze 
dunkel gefärbt war. Die Oberfläche ist dann geglättet. Ihre Farbe geht vom 
schwärzlich Braunen bis ins reine Braun. Seltener ist sie grau. Die Ornamente 
sind eingraviert oder in den feuchten Thon vor dem Brennen eingedrückt oder 
bestehen aus einer kalkartigen Masse, die auf das fertige Gefäfs mit dem Pinsel 
aufgetragen ist. 

Bei den rotthonigen Vasen fehlt jeder schwarzfärbende Zusatz im Thon, da- 
gegen ist dem nach dem Brennen gegebenen Überzug Eisenoxyd beigemischt, so dafs 
sie statt einer dunkeln eine rotglänzende Oberfläche erhalten. Barnabei führt die 



dessen Skizzen die Zinke Fig. i — 3, 15 — 17, 

27 und 28 wiedergeben. 
*) Vasi ad impasio artificiale — im Gegensatze zur 



argilla figulina der griechischen Vasen 
coptrtura nerash'a, rossastra und biatua. 



15' 



jcg Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 

Färbung auf eine bewufste Nachahmung der Kupfergefäfse zurück, Ornamente 
werden seltener verwandt, und dann immer aus kalk- oder kreideartiger Masse mit 
dem Pinsel aufgetragen. 

Die Gattung mit weifsem Überzuge endlich bekommt diesen ebenfalls meist 
nach dem Brennen. Auf diesem sind die Ornamente mit roter Farbe gemalt. 
Barnabei führt a. a. 0. S. 260 ff. vortrefflich aus, wie diese Gattung des Impasto 
italico bei Gleichbleiben des Materials und des technischen Verfahrens eine 
Neuerung in der italischen Keramik ist, die durch die helle Thonware des östlichen 
Imports veranlafst wurde. Barnabei vergleicht die Versuche, die anfänglich in Italien 
gemacht wurden, um es den spanisch-maurischen Fayencen gleich zu thun, in Persien 
um das chinesische Porzellan nachzuahmen. Das Material der fremden Ware ist 
unbekannt: »/« qualita adunque da doversi principahnente imitare, per dare alle 
produzioni fittile paesane Vaspetto della inerce estera della figulina nuova, era la 
bianchezza« (S. 261). 

Das Material, der reine Töpferthon, ohne Beimischung, ist das unter- 
scheidende Merkmal der griechischen Vasen. Dazu kommt die vollendete Technik 
der Herstellung: vielleicht thatsächlich das einzige Erbe aus der mykenischen 
Kunstübung, deren Traditionen auf anderen Gebieten für unseren Blick abzubrechen 
scheinen. 

Ich gehe nunmehr zur Beschreibung der im Grabe gefundenen Vasen über. 

Dunkelthonige italische Ware. 
I. 2. Inv. 3478. 3479. Vgl. die Figuren S. 175 Fig. 18,2,6. Bauchige Am- 
phora 35,5 und 34,5 cm hoch mit kelchartig umgebogener niedriger Mündung, zwei 
Henkeln und zwei abwärtsgebogenen hornartigen Zapfen zwischen den Henkeln. 
Nicht tief unterhalb der Mündung läuft ein Grat um das Gefäfs, der Hals und 
Körper scheidet. Von diesem Grat aus gehen scharf profilierte Rippen beiderseits 
der Henkel nach unten; über den hornartigen Zapfen sind bogenförmige Rippen 
angeordnet. Der Raum über den Henkeln wird durch kreuzförmig gestellte Tupfen 
gefüllt, deren unterster von ringförmigen koncentrischen Furchen umgeben ist. Die 
Mündung ist innen gerieft; die Henkel sind an der Wölbung eingedrückt ^ Dunkel- 
braune, glatte Oberfläche. — Die Amphora kommt im wesentlichen in derselben Form 
und mit derselben Dekoration in den beiden anderen Fossagräbern und in einem der 
Kammergräber wieder vor'". Exemplare aus diesem Kammergrabe zeigen die 
Lockerung und schliefsliche Beseitigung der Dekoration. Verwandt sind im Aufbau 
der Form die bemalten hellthonigen Amphoren wie Fig. 9 und 13, die oft noch Reste 
der alten Ausstattung mit sich führen, z. B. die Rippe um die Schulter. Das Gefäfs 
ist in Etrurien seit der Periode der Fossagräber aufserord entlich beliebt". Die 

^) Vgl. Barnabeis Behandlung der Form Monum. Gregor. II T. 94, Monum. Antichi IV T. 7. 7. 

Antichi IV S. 238 ff. Sehr instruktiv Pottier, Vases du Louvre, T. II: 

•0) XII, 1—3 (4), XXV 12 (13, 14), XXIII S die Ansicht des etruskischen Saales C mit einer 

") Schöne Beispiele aus Pitigliano, Notizie 1898 reichen Fülle von Amphoren — im Schranke 

S. 442. 443 Fig. 7 und 8. Aufserdem Museo rechts — und den verwandten Pithoi. 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 



159 




Fig. 4. 



Dekoration bleibt sich, von der Vereinfachung an jüngeren und an geringeren 
Stücken abgesehen, gleich. Der Raum über den Henkeln wird statt durch Tupfen 
häufiger durch zwei auf den Rippen aufsitzende, sich mit dem Scheitel berührende 
Halbkreise wie auf Fig. 18,6 gefüllt '^ Die Zapfen werden gelegentlich als Tier- 
köpfe gestaltet, die Henkel gedoppelt. Statt der F"ufsplatte wird oft ein hoher Fufs 
angefügt. Das Gefäfs wird damit seinem ursprünglichen Gebrauche entfremdet. 
Zu ihm gehört nämlich ursprünglich, wie zahlreiche Funde lehren, ein eigener 
Untersatz. Der Zahl der Amphoren entsprechend enthielt unser Grab zwei solcher 
uTTOxpatrjpßia: 

3. 4. Inv. 3480. 3481. 23 und 23,8 cm hoch. Fig. 4,3. Graubraune Ober- 
fläche. Sie zeigen uns die typische, auch bei reichster Ausgestaltung selten auf- 
gegebene Form des Gerätes in einfachster Ausführung: den hohen, kegelförmigen 
Fufs, der stets durch dreieckige Schlitze durchbrochen ist, den dicken kugelförmigen 
Knauf und den Kelch zur Aufnahme des Gefäfses '^ 

Um uns über die Herkunft der Amphorenform zu vergewissern, dürfen wir 
von dem eng mit ihr verbundenen Untersatz ausgehen. Er ist uns in Metall in zwei 
Exemplaren aus dem cäretaner Regulini- Galassi-, und dem pränestiner Bernardini- 
grabe bekannt; beide sind sicher östlicher Import, aber ihre Heimat ist noch strittig'*. 



'2) XII. I. 2; bei 3 an derselben Stelle bogen- 
förmige Rippen wie über den Zapfen. Das 
Motiv der an zwei Vertikalen ansetzenden, mit 
den Scheiteln sich berührenden Kreissegmente 
findet sich häufig in ältester griechischer Orna- 
mentik, wie z. B. an dem geometrisch dekorierten 
Becher aus Agina ('E'fTjfx. dpyatoX. 1895 riv. 10. 4), 
auf frühattischen Fragmenten in Eleusis u. ö. 
Hier könnte es aus der mykenischen Ornamentik 
entlehnt sein. Bei der häufigen Verwendung 
der ansetzenden Halbkreise in der Ornamentik 
der Terramare wäre eine selbständige Entstehung 



des Motivs in Italien nicht undenkbar. Aber 
bei den vielfachen Anklängen der altitalischen 
Keramik an die des ägäischen Meeres sind 
derartige Beziehungen jedenfalls in Acht zu 
behalten. 

13) Gute Beispiele in reicher Ausstattung s. Berliner 
Vasenkatalog No. 1635 (= Fig. 5) 1636; Monu- 
nienti antichi IV T. 7. 7. 

1*) Mus. Gregor. I T. XI, I und Monuni. ddl' Inst. XI 
T. 2 u. 7, zu denen nach Furtwänglers Ver- 
mutung (Olympia IV S. 125) die Kessel aus 
denselben Gräbern {Mus. Greg. I T. XVl, 1 und 



j5o Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 

Für Griechenland wird er durch ein Bronze-Fragment aus Olympia '\ und ein thönernes 
Miniaturexemplar mit spätgeometrischer Dekoration nachgewiesen, das ich 1885 im 
Polytechnion zu Athen skizzierte; aufserdem durch das Bild auf einer neuerworbenen 
feinen protokorinthischen Lekythos des Berliner Museums, auf der er einem Dreifufs 
des olympischen Typus gegenübergestellt ist'*. 

Von Osten her ist folglich auch die Form des Kraters nach Italien ge- 
kommen. Wir dürfen uns zwar nicht darauf berufen, dafs sie ohne Anknüpfung 
in der älteren italischen Keramik ist. Die Anwendung dieses Arguments verbietet 
sich bei diesen Untersuchungen ein für alle Mal durch die spärliche keramische 
Ausstattung der den tombe a fossa vorhergehenden tombe a pozzo, die sich der Natur 
der Sache nach auf kleine Gefäfse beschränkt. Andrerseits dürfen wir uns durch die 
Dekoration nicht beirren lassen, die Tupfen, Furchen und die aufgelegten bogen- 
förmigen Rippen, die wir aus der griechischen Keramik nicht belegen können, wohl 
aber aus der der italischen Bronzezeit '^ Sie könnte sehr wohl das einheimische 
Gewand sein, das man der fremden Form anhing, wie wir umgekehrt wissen, dafs 
die alteinheimische Form des Ossuars vom Villanovatypus im Mäander einen aus 
der Fremde entlehnten Schmuck bekam. Wo die Amphora und der Untersatz in 
hellthoniger Ausführung auftreten, zeigt die Ornamentik rein griechische geometrische 
Elemente und oft auch noch gute griechische Syntaxis^l Ausschlaggebend für 
die örtliche Herkunft des Kraters ist dagegen, dafs er in allem Wesentlichen der 
Form so genau mit dem der von mir zusammengestellten Gruppe der schwarzbunten 
Vasen übereinstimmt^®, dafs ein Zufall ausgeschlossen ist. Wie den Untersatz, so 
haben die Griechen auch die Kraterform nach Italien gebracht. 

Barnabei veröffentlicht in den Monuin. anficht IV T. VII. 8 ein reiches 
Exemplar unseres Kratertypus, das uns dessen Zusammenhang mit dem Osten 
deutlicher macht. Auf seiner Schulter sind nach aufsen gewandte Greifenprotomen 
angebracht, den flachen Deckel krönt ein von vier Bügeln getragener Knopf. Bügel 
und Greifen zeigt auch das Fig. 5 abgebildete Berliner Exemplar (1635), nur dafs 
die Protomen stilloserweise am Deckel angebracht sind. Über das Motiv der ^pu-Äv 
xsccaXal Trpoxposaot als evident östliches Lehngut brauche ich kein Wort zu verlieren. 

Man. XI T. 2) gehören. Zur Herkunft vgl. Imola T. XV. i — 6. Für die Furchen, wie sie 

DUmmler, kleine Schriften III S. 190 ff. XII. 4 zeigt: Scarabelli, T. XV. 7-8, XVI, 

lÄ) Olympia IV T. XLVIII n. 810. Vgl. die Er- Montelius T. XXXVIII. 14 (Casinalbo) 5. Für 

gänzung T. XLIX; das Stück ähnelte dem die Tupfen Scarabelli T. XIV. 4, XIII. 14. 

Pränestiner. )«) Vgl. Monum. Antichi IV T. VII, 18, 19, und 

'*) Herr Geheimrat von Kekule hat mir das besonders den Untersatz ebenda S. 262 Fig. 124, 

Stück zu demnächstiger Publikation gütigst dessen Dekoration Barnabei a. a. O. richtig mit 

überlassen. Geometrischem aus Kypern vergleicht. Nur ist 

1') Für die bogenförmigen Rippen vgl. Montelius, gewifs nicht an Import aus Kypern zu denken: 

La civilisation primitive en Italic 1 T. XLI. 21 der geometrische Stil auf Kypern ist griechischer 

(Bismantova), T. XVIII. 13, 15 (Gorzano), Abkunft. Dümmler, Kleine Schriften III S. 160 fi". 

T. XXXIX. 6 (Crespellano). Für die aufgelegten i^) Aus ionischen und italischen Nekropolen S. 92 

Streifen: Montelius T. XVIII. 18, Scarabelli, Fig. 45. 

Stazione preistorica sul t/tonte del Castelluccio presso 



Boehlau , Die Grabfunde von Pitigli.ino im Berliner Museum. 



i6i 





Fig. 6. 

Zweifelhaft mufs heute leider die Erklärung 
des eigentümlichen Deckelknaufes bleiben. 
Er erinnert ja auffällig an die Deckel mit 
den Kronen aus der 3. Stadt Troias, wie 
Fig. 6 deutlich macht (= Schliemann S. 419 
Fig. 328) ^". Die Ähnlichkeit wird dadurch 
noch schlagender, dafs die Mündung des 
Berliner Kraters nicht kelchartig umgebogen 
ist, sondern vertikale Wandungen hat zur 
Aufnahme eines mützenförmigen Deckels mit 
Fig. 5. gleichfalls vertikaler Basis und flacher Wölbung 

darüber. Ein unverziertes Beispiel dieser Form 
kommt im Kammergrabe XXIII S. 182 Fig. 23,7 vor. Bei dieser Form stimmt auch die 
Gestalt des Deckels mit der troischen überein, und wie bei den troischen, so wechselt 
auch bei diesen italischen mit dem mehrfachen Bügelhenkel der einfache Griffhenkel, 
wie er auf dem Deckel von Fig. 23,7 angebracht ist. 

Man wird entgegenhalten, dafs die Bügelkronen auf den italischen Deckeln 
nur flüchtige andeutungsweise Wiedergaben einer offenen Blume seien, wie sie auf 
einigen Exemplaren zweifellos zu erkennen ist, und die in der Metallurgie jener 
Zeit als Krönung von Stangen u. dgl. gern verwandt wird *\ Ich will dagegen nicht 
einzelne Deckelexemplare anführen wie z. B. Pottier, Vases du Louvre T. 22 C 12, 
T. 34 D 149, Berlin 1501, deren Bügel auch nicht die geringste Erinnerung an eine 



^0) Schliemann, Ilios S. 414, No. 304, 419, No. 328 ff., 
426, No. 349 ff., 444, No. 419 u. s. \v. 

■'") Falchi, Vetulonia T. X. i. Vgl. den von einer 
offenen Blume gekrönten Kandelaber aus Vetu- 
lonia ebenda T. IX. 21 und das schöne Berliner 
Becken aus der Sammlung Ancona, Archäol. 
Anzeiger 1893 S. 99 Fig. 15; vor allem aber ist 
die meines Wissens noch unpubliciertc Amphora 



auG dem Orvietaner Kammergrab Notizie 1885 
S. 504 ff. in Florenz zu vergleichen, deren Deckel 
durch eine offene Blume mit hohem Griffel ge- 
krönt wird. Sie ist mit figürlichen Darstellungen 
orientalisierenden Charakters umzogen, während 
die Pferdeköpfe an den Henkeln noch geometrisch 
stilisiert sind. Aus Norditalien (Bologna, Nekro- 
pole Arnoaldi) stammt Montelius T. LXXXVI. I. 



l52 Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 

Blume bewahren. Principiell möchte ich bei den Gefäfsen unserer Zeit die tektonische 
Form für früher halten als die naturalistische Interpretation. Wohl finden wir grade 
auf den Deckeln unserer Kratere mitunter Tierfiguren (Pferde, Sphingen u. dgl.), aber 
sie sind so gewählt und so geformt, dafs sie den Griff ersetzen ". Unsere Amphoren 
mit ihren Untersätzen sind bekanntermafsen Nachbildungen von Metallgefäfsen. 
Wir besitzen sowohl Untersätze wie Arriphoren aus Metall". Dafs dies nicht Zufall 
ist, beweist die Verzierung der Untersätze mit Ringen, Ketten, Buckeln''^*, beweist 
die Ausschmückung der Amphoren mit Greifenköpfen und die Rippung ihrer 
Wandungen. Wie alle Metallgefäfse dieser Zeit wurden auch diese ursprünglich aus 
einzeln getriebenen und dann zusammengenieteten Teilen gefertigt: daran erinnern 
unzweideutig die dreieckigen oder trapezförmigen Durchbrechungen der Untersätze, 
die entstehen, wenn der Mantel nicht aus einem zusammengebogenen Stücke — wie 
bei den cäretaner und pränestiner Exemplaren — , sondern aus mehreren viereckigen 
Blechstücken zusammengenietet wird". So sind auch die Stangen gleichzeitiger 
italischer Dreifüfse und Kandelaber aus einfachen Blechstreifen gebogen und ver- 
nietet". Im Stile einer solchen Metallurgie liegt nun die Herstellung eines Griffes 
aus drei zusammengebogenen und durch einen Niet mit breitem Kopfe zusammen- 
gehaltenen Bügel durchaus. Dafs man dagegen von anderen Geräten die Blume als 
Krönung auf den Deckel übertragen und, im Interesse der Brauchbarkeit als Handhabe, 
ihr den Stiel genommen und sie nur mit den Blätterspitzen auf dem Grunde hätte 
aufsitzen lassen, das ist ein nicht ohne Weiteres glaublicher Vorgang. Dem 
Schmuckbedürfnis standen zahlreiche organische Formen zu Gebote, die den 
gewollten Zweck erfüllten, ohne dafs ihm wesentliche Teile der gewählten Form zum 
Opfer gebracht werden mufsten — ein Opfer, das doch nicht ganz ausreichte, wie 
das baldige Aufgeben der eben erst gewählten Naturform zeigt '■^^ Ich bin weit 
davon entfernt, den Zusammenhang zwischen den etrurischen und den troischen 
Mützendeckeln mit »Bügelkronen« erklären oder irgend welche Schlüsse aus ihm 
ziehen zu wollen. Die verbindenden Fäden zwischen der alttroischen Keramik und 
der etrurischen dieser Zeit sind noch sehr fein und nicht bei jeder Beleuchtung 
kenntlich, und so lange sind Täuschungen nicht ausgeschlossen, aber die Möglichkeit 
des Zusammenhanges muss in jedem Falle erwogen werden. 

22) Z. B. auf einem Chiusiner Krater unserer brechungen an den bzoxpaxr^pihia der geometri- 
Form im Museum zu Florenz, der auf der sehen Periode aus Griechenland mögen die gleiche 
Schulter rings mit je vier Hahnen- und Stein- Entstehung haben, doch ist bei der gröfseren 
bockköpfen geschmückt ist. Den Griff des vSelbständigkeit der griechischen Keramik ihren 
flachen Deckels bilden zwei aneinanderstofsendc Vorbildern gegenüber der Zusammenhang nicht 
Pferde, deren Vorderbeine, Hälse und Köpfe die deutlich. 

Griffform wiedergeben. ^6) Monum. Antkhi IV T. VIII li, 13; Falchi, 

23) Falchi, Vetulonia T. IX 22, X. i. Die Unter- Vetulonia T. IV. X, XIV— XVI. 

Sätze s. Anm. 14. 27j Auch Furtwängler im Berliner Vasenkatalog zu 

2*) Monum. Antkhi \N S. 243f. Fig. 106, 107, Atlas 1635 erkennt keine Blume in der Krönung, 

T. VII. 7. sondern nennt sie einen »hohlen und durch- 

25) Vgl. für die Amphoren die lehrreiche Skizze brochenen Knopf«. 

Monum. AniüAi IV S. 212 Fig. 95 a. Die Durch- 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 



163 




Fig. 7- 



Unter diesem Vorbehalte bilde ich 
unter Fig. 7 einen Kanopendeckel mit 
menschlichem Gesichte aus Kypern ab. 
Löschcke hat ihn für sein auserlesenes 
keramisches Museum in Bonn erworben 
und mir die Veröfifentlichung des über- 
raschenden Stückes gütigst überlassen. Man 
kann die Übereinstimmung mit den be- 
kannten troischen und etruskischen Deckeln 
für Zufall halten: dafs dieselbe Deckelform 
gewählt ist, dafs das Gesicht in derselben 
Weise angebracht ist. Aber unmöglich ist 
ein Zusammenhang keineswegs, nur sind wir 
heute noch aufser Stande, ihn zu rekon- 
struieren und den auf uns gekommenen Gliedern der Reihe ihre richtige Stelle an- 
zuweisen: ob das kyprische Exemplar sich aus troischen Kreisen ableitet und so 
die zeitlich weit zurückliegende troische Form der griechischen Keramik vermittelt 
hat, von der die etruskische abhängt, oder ob beide, kyprische wie etruskische 
Kanopen, Ausstrahlungen einer kleinasiatisch -griechischen Form sind, in der die 
troische fortlebte ^^ 

Wie es aber auch mit der Herkunft dieser Motive stehen mag, mit Sicherheit 
können wir die Form der Amphoren, wie sie uns die I^iguren 18,2,6 und 23,7 zeigen, 
die mit der steilen Mündung und hohem Deckel sowohl wie die mit kelchartig 
umbiegender Mündung und flachem Deckel, dem Formenschatze der nachmykenischen 
griechischen Metallurgie einreihen. 

Die Dekoration der griechischen Originale haben die italischen Handwerker, 
wie wir oben sahen, offenbar nicht genau gewahrt. Wahrscheinlich ist es indes, 
dafs schon auf jenen die Riefelung der Wandungen häufig war, sei es in eng 
nebeneinander herausgetriebenen Rippen, sei es in breiterer Modellierung. Bei 
unseren Amphoren häufig, ist diese Dekoration der Wandungen ständig bei den cäre- 
taner Pithoi, die sich durch ihre Mündung als engste Verwandte unserer Amphoren 
und als gleichen Ursprungs ausweisen. Dafs auch Reliefs den griechischen Amphoren 
nicht gefehlt haben, möchte man aus dem gut nachmykenischen Relief der itaHschen 
Amphora Monum. antich. IV S. 239 Fig. 105 mit dem Manne zwischen zwei Pferden 
schliefsen. Um die Heimat der griechischen Originale zu bestimmen, wäre es von 
gröfster Wichtigkeit, wenn es gelänge, ihre ursprüngliche Ornamentik festzustellen. 



f**) Über die etrurischen Kanopen vgl. Milanis Arbeit 
im Museo italiano di antichita classica I S. 289 flf. 
mit V. Duhns Bemerkung in den Bonner Studien, 
S. 34 (und Anm. 74). v. Duhn nennt sie eine 
»Kreuzung von etruskischem Können mit ita- 
lischem Empfinden«. Die Änderung »griechisch 
geschultem etruskischen Können« scheint mir 



nötig. Auch das von den Buccherovasen her uns 
so geläufige Anbringen von Masken am Halse 
der Gefäfse ist durch den böotischen Krug der 
Sammlung Habich in Kassel (Archäol. Anzeiger 
1898 S. 191 Fig. 5) jetzt für die geometrische 
Periode der griechischen Keramik bezeugt, 



l54 Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 

Die cäretaner Pithoi haben eine ausgesprochene Vorliebe für die Bogenfriese. Und 
wo unsere Amphoren gravierte Ornamente tragen, da ist deren Hauptelement wieder 
der Bogenfries. Überhaupt steht die etruskische Ornamentik aus der Zeit jener Am- 
phoren bis ins 6. Jahrhundert hinein fast ausschliefslich unter der Herrschaft des Bogen- 
frieses und der umschriebenen sog. phönikischen Palmette -^ Nun findet sich der 
Bogenfries aber an genau entsprechender Stelle auch an der schwarzbunten Am- 
phora, die wir oben als griechisches Beispiel der Gefäfsform anzogen, und in der 
Gattung, der diese Vase angehört, ist die umschriebene Palmette gleichfalls das 
Hauptmotiv. Das würde also auf den kleinasiatischen Osten als Heimat weisen. 

Nun sind aber die Metallgefäfse , die sich in den ältesten Gräbern finden, 
ausschliefslich mit schmalen Streifen einfachster geometrischer Muster verziert^". 
Ferner zeigen Amphoren und Untersätze, sobald sie in Nachahmung griechischen 
Thongeschirrs in der oben S. 158 geschilderten hellthonigen Ausführung auftreten, 
ausschliefslich geometrische Ornamente, und zwar gelegentlich in so gut griechischer 
Auswahl und Anordnung, dafs die Annahme einer willkürlichen Übertragung seitens 
der italischen Töpfer nicht leicht wird. Wir stofsen hier auf den Gegensatz, der 
den ganzen griechischen Import, soweit er in Originalen und zuverlässigen Kopien 
vorliegt, in der Zeit der Fossagräber kennzeichnet. Geometrisches und Orientali- 
sierendes liegt nebeneinander, ja ist öfters, wie in unserem Falle, an dieselbe 
• Form geknüpft, doch aber nicht in der Art, dafs sich das Orientalisierende aus 
dem Geometrischen entwickelte, so dafs man die gesamte Masse des Imports einer 
in einer Übergangsperiode begriffenen Kunstübung zuschreiben könnte. Es müssen 
also zwei Centren mit ihren Erzeugnissen hier vertreten sein, die, obwohl nicht 
ohne Beziehung zu einander, doch in derselben Zeit auf verschiedener Stufe der 
Ornamentik standen ^\ 

Die historische Überlieferung über die Besiedelung der italischen Küste 
giebt uns in den Gründern von Kyme, den Chalkidiern und Kymäern, zwei Namen 
dafür an die Hand, die unseren Vorstellungen von der Geschichte der ältesten 
griechischen Kunst entsprechen würden. Ob wir sie in die Gleichung einsetzen 
dürfen, kann nur eine Analyse der geometrischen Stile in Mittelitalien lehren. 

Wenn sich wirklich der archäologische Befund mit der Überlieferung 
decken sollte, so würde es eine lohnende Aufgabe sein, die Gefäfse aus italischen 
Gräbern zusammenzustellen, die auf griechische Metallgefäfse desselben Stiles wie 
unsere Amphoren zurückgeführt werden können. Hier will ich nur zwei kurz er- 
wähnen, die in den Gräbern von Pitigliano zufällig nicht vorkommen. Das eine ist 
das kuglige Gefäfs mit breiten Bandhenkeln, das Fig. 8 wiedergiebt^". Es kommt 



2') Monum. Antichi IV T. VI Fig. 2; vgl. 6 und 7. Ware zusammen auftreten. Sie lösen hier also 

30) Monum. deW Inst. XI T. 59. 60, Monum. Antichi die geometrischen Vasen ab. Anders in Corneto, 

IV T. VIII, S. 213 — 219 Fig. 95 ff. in den falisker Nekrojjolen u. a., wo sie noch 

") In Pitigliano fanden sich nach Mancinelli und in der Periode der Fossagräber eingeführt werden. 

Pellegrini a. a. O. schwarzbunte Vasen nur in Das Verhältnis in Pitigliano ist also lokal bedingt. 

den Kammergräbern, wo sie mit korinthischer ^-) Berlin, Vasensammlung No. 1407. 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 



165 




in ganz italischer Dekoration 
vor, mit Furchen, Warzen und 
aufgelegten Streifen, einmal 
ganz ähnlich dekoriert wie 
unsere Amphoren ". Dafs 
seine Form in Metall gedacht 
ist, beweist sein Vorkommen 
in Silber und Bronze^*, und 
Exemplare wie das Pariser 
Stück, Pottier a. a. O. T.XXIII 
c. 16, dessen Wandungen von 
breit modellierten vertikalen 
Rippen gegliedert werden. 
Und zu unserer Amphora stellt 
es sich durch die Verwendung 
der gebogenen und vernieteten 
Blechstreifen für die Henkel, 
die wir an dem Untersatze 
beobachtet haben. Seine 
typische Verzierung, die 

Doppelspirale von hängenden Dreiecken umgeben mit Füllmotiven darüber oder 
darunter leitet Barnabei a. a. 0. S. 230 f. wohl mit Unrecht aus der italischen 
Kunst her; mir scheint es eine hochaltertümliche östliche zu sein, in der Auf- 
fassung des zu dekorierenden Raumes kyprischen Vasen entsprechend, in den 
Elementen noch halb im Mykenischen steckend, ein sehr wertvolles Bruchstück 
aus dunklen Perioden der Ornamentgeschichte. Sie ist nur an der klein- 
asiatischen Küste denkbar. — Dahin gehört auch ihre etwas jüngere Verwandte, die 
Amphora Mon. Antichi IV S. 267 Fig. 127 T. VI, i mit den identisch gebildeten 
Henkeln, die gelegentlich zu viert angeordnet werden, so dafs man an die Deckel 
mit den Bügelkronen zurückerinnert wird". Wie die Amphora, von der unsere 
Besprechung ausging, tritt sie in der Gruppe der schwarzbunten Vasen auf, mit der 
sie zuweilen sogar in der Typik des Tierfrieses übereinstimmt^*. Sie ist in Klein- 
asien bis ins 6. Jahrhundert in Gebrauch gewesen, um dessen Mitte Nikosthenes sie 
von dort nach Attika einführt". 

5. Inv. 3485. Fig. 4,5. 13 cm hoch. Eine grobe, braune Schale des 
echten Villanovatypus, wie sie nördlich und südlich des Appemiin als Deckel — 



Fig. 8. 



33) Pottier, Vases du Louvre T. XXII. C 5—7; 

Monum. A?itkhi IV S. 231 Fig. 10 la. 
3') Afus. Gregor. I T. 62. 8, und Monum. Antichi IV 

S. 213 Fig. 95 — mit etwas verschiedener 

Henkelbildung. 



3') Pottier, a. a. O. T. XXV C 552; Monum. Antichi 

IV T. VI. I. 
3ß) Aus ionischen und italischen Nekropolen S. 92 

Fig. 47; Pottier, Vases du Louvre T. XXV C 552. 
37) Wiener Vorlegeblätter 1890/91 T. I; vgl. Pottier 



im Bullet, de corresp.- hellen. 1893 S. 433 ff« 



l56 Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 

TTföfia'* — der grofsen Urnen benutzt wurde, die die Knochen des verbrannten 
Leichnams in den tombe a pozzo bargen*'-'. 

Die Urne wird nach dem Übergänge zur Beerdigung zwecklos, und der Ver- 
such, sie in der hellthonigen Technik mit Nachahmung griechischer Ornamente 
wiedereinzuführen*", scheitert, vielleicht weil ihre frühere ausschliefsliche Verwendung 
als Ossuar die Vase für den Gebrauch des Lebens mali ominis gemacht hatte. 
Der Bucchero kennt sie nicht mehr. Ihr Ursprung reicht jedenfalls weit über die 
Pozzogräber, über die Eisenzeit hinaus in die Bronzezeit Italiens, die der Terramare 
und Palafitte. Mit Recht nimmt sie Pigorini als Eigentum altitalischer Keramik in 
Anspruch*'. Die grofsen Bronzegefäfse dieses Typus" sind nicht als dessen 
ursprüngliche Träger, sondern als Nachahmungen anzusehen, Erzeugnisse der fremden, 
für die lokalen Bedürfnisse arbeitenden Metallurgie oder des erstarkten einheimischen 
Handwerks. Wohl aber haben diese Metallnachbildungen ihrerseits einen unverkenn- 
baren Einflufs auf die Gestaltung des Gefäfses gewonnen, wie Barnabei glücklich 
nachgewiesen hat": ein lehrreiches Beispiel für die Regsamkeit der italischen 
Industrie und die lebendigen Wechselwirkungen zwischen ihr und dem Import. 

Was von der Urne gilt, gilt auch von der schon durch den Gebrauch und 
Namen eng verbundenen Schale. Mit rundlicher wie mit geknickter Wandung 
kommt sie schon in frühster Zeit vor. Man hat die letztere Form auf den Ein- 
flufs von in Metall ausgeführten Exemplaren zurückführen wollen: vielleicht mit 
Recht, obwohl ähnliche Schalen aus Troia, Aphidna und den Terramare zu warnen 
scheinen, nicht für jedes scharf absetzende Profil den Töpfer durch Metallvorbilder 
inspiriert zu denken *^ In beiden Formen geht die Schale durch die Zeit des Iin- 
pasto italico in die des Bucchero hinein. Über ihre mannigfachen Schicksale in der 
Zeit des Impasto orientiert Barnabeis Behandlung a. a. O. S. 191 ff. Es ist überaus 
charakteristisch, wie das rührige einheimische Handwerk fremde, dem Import entlehnte 
Details zur Ausgestaltung und Belebung der alt überkommenen Gefäfsform verwendet: 
es fügt ihr einen Fufs an, versieht den Henkel mit einem Widderkopf, schmückt 
ihn durch figürliche Gruppen — geometrischer Herkunft — und stattet die Wandung 
mit Rippen, Zacken, Ringen in barbarischer Häufung aus. In den Berliner Gräbern 
aus Pitigliano kommt die Schale nur in vereinfachter Form als Napf ohne Henkel 
und ohne die beiden Vertikalrippen vor; vgl. No. 6 unseres Grabes. In dieser 
Form hat sie sich auch bis in den Bucchero hinein gehalten. 



»8) Jahrbuch III 1888 S. 348 A. 12. ") Monum. Antichi IV S. 182 ff.; vgl. besonders 

3^) Montelius, La civilisaiion primitive en Italic, die Skizzen S. 185, 186. 

T, LXXV II — 13. <*) Schliemann, Ilios S. 247 No. 37, 38: Wide, 

^") Gsell, La Necropole de Vulci T. I, 2, 4: Monuin. Aphidna, in den Athen. Mitteil. XXI 1896 

Antichi \M 6,263 F'g- 125, S. 283 Fig. 137; T. XV; Scarabelli, a. a. O. T. XVIII. 6. Sehr 

Notizie 1896 S. 54 Fig. 4 (Pitigliano). merkwürdig ist, dafs sich aus dem alten troischen 

*') Pigorini \m Bullettino Ji palctnologia italianaXlil Napf eine den Villanovaschalen sehr ähnliche 

1887 S. 79ff. Form entwickelt: Dörpfeld, Troja S. 93 Fig. 35. 

*2) Momim. Antichi IV S. 217: Schuhmacher, Karls- 36, mit dem gleichen Henkel wie die italische Form 

ruher Bronzen T. I No. 432. und der gleichen Riefelung des oberen Randes. 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. ißy 

6. Inv, 3483. 7,5 cm hoch. Ein Napf tief rotbrauner Färbung von der 
Form der Villanova-Schale nur ohne Henkel. Wie die Schale kommt er mit rundem 
und mit geknicktem Wandungsprofil vor. 

7. Inv. 3484. 6,5 cm hoch. Fig. 4,2. Durch die glänzend schwarze Ober- 
fläche schon ein Vorläufer des Bucchero. Die Form ist die eben besprochene. Die 
Verzierung wird wohl nur zufällig an die Perlmotive italischer j-eä wäre und klazo- 
menischer Sarkophage erinnern. Von italischen Stücken ist Falchi Vetulonia, T. XV. 
No. 38 die beste Parallele, nur fehlen die Vertikalen. 

7 a. Inv. 3486. Schale wie unten XII, 5 ff. (S. 175 Fig. 19 und 20). 12 cm hoch, 
1 5 cm Durchmesser, rötlich brauner Färbung, von äufserst sorgfältiger Technik, wie 
die meisten dieser häufiger vorkommenden Schalen. Über die Form und Dekoration 
s. unten zu XII, 5. Die Bemalung ist an unserem Stücke fast ganz verschwunden. 
Der Wulst unterhalb der Lippe hat sich zu einem selbständigen Gliede entwickelt. 

8. Inv. 3487. Zweihenklige Schale wie XXV 5; Fig. 1,4; desselben Baus wie 
die Schale No. 7, Statt der gekerbten Rippe hier zwei Warzen, die von gravierten 
bogenförmigen Rändchen überhöht sind, dasselbe Motiv, dem wir auf den Am- 
phoren I ff. begegnet sind. Reste der Bemalung sind eben noch zu erkennen. 

9. Inv. 3488. Flacher Napf, 14,8 cm Durchmesser, dunkelbraun, in Nach- 
ahmung getriebener Metallschalen, wie sie uns aus den reicheren Kammergräbern 
erhalten sind*', ist seine Wandung in breite lange Buckel aufgelöst, die von der 
Standfläche ausgehen und bis an die Schulter laufen. Durch Eindruck in die Stand- 
fläche ist ein fj}x'^'x\o^ hergestellt. 

10. Inv. 3489. j,'j cm hohes Miniatur- 
Exemplar eines zweihenkligen Bechers wie unten 
XXV 4, Fig. 12,4. Glänzend schwarze Oberfläche. 

11. Inv. 3482. 9 cm hoher roher Napf, 
mit glatter nach oben auseinander gehender 
Wandung. Die Oberfläche des grauschwarzen 
Thons ist unpoliert. 

Rotthonige italische Ware mit 
hellem Überzug, 
iia. Inv. 3544. Fig. 9. 29,5 cm hoch. Die 
Form geht auf die oben besprochene der Amphoren 
No. i zurück. Im Osten entsprechen ihr die 
kleinen Kugel- Gefäfse aus Samos, Sardes u. s. w., p,. 

die vielleicht für den Grabgebrauch gearbeitete 
Miniaturausgaben sind, die die grofsen Gefäfse des täglichen Lebens nur vertreten". 
Interessant ist die Bemalung, die die weifse Bemalung rotthoniger Vasen ohne 

*^) Falchi, Vetulonia T. IX 15, 25 — 12 Bronze- Vgl. über diese ciotole con baccellature Barnabei, 

exemplare aus der toniba del Dtice —; Monum. Monuin. Antichi IV S. 257 f. 

delV Inst. XI T. 2. 5; Annali 1866 T. G. 11. 5. <*•) Aus ionischen und italischen Nekropolen S, 145fr. 




i68 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 




Fig. lo. 



Überzug mit der roten der weifs über- 
zogenen vereinigt. Man hat nicht das ganze 
Gefäfs weifs überzogen, sondern nur die 
untere Hälfte, oben dagegen hat man erst 
die Dreiecke mit ihrer kreuzweisen Striche- 
lung weifs auf den roten Grund gemalt, 
darauf die übrige Oberfläche weifs über- 
zogen und weiter rot bemalt. 

12. 13. Inv. 3494 Fig. 10, 3495. 32 
und 33,5 cm hoch. Rotthonig und mit 
Weifs bemalt. Das Schachbrettmuster ist 
typisch für diese fufs- und henkellosen 
Gefäfse, ebenso wie die grofsen Dreiecke 
und die schmalen Streifen mit Mäander- 
motiven für die mit Fufs versehenen wie 
No. 11; wie diese sind natürlich auch sie 



eine Spielart der Amphoren No. i ff. Für die Verwandtschaft mit der cäretaner 
red wäre ist der Vergleich mit der auf Pottiers Tafel II im Vordergrund stehenden 
kleinen Amphora bezeichnend, die gleichfalls durch aufgelegte Streifen schachbrettartig 
gemustert ist; jedes Feld wird hier aber durch eine Figur in Relief gefüllt. Man wird 
für das barbarisch plumpe Ornament keine Vorbilder suchen, am allerwenigsten die 
auf griechischen Werken innerhalb der gewiesenen Grenzen auftretenden Schach- 
brettmuster verantwortlich machen. Es ist eine Improvisation der einheimischen 
Kunst, deren dekorativem Gefühl sie freilich kein glänzendes Zeugnis ausstellt. 

14. Inv. 3493. 19 cm hoher Eimer mit graden Wandungen und hoch- 
stehendem Henkel, ähnlich wie Monum. Antichi IV S. 269 Fig. 128. Die weifse 
Bemalung auf dem roten Grunde scheint wesentlich in einem grofsen Zickzackmuster 
bestanden zu haben. 

15. Inv. 3490. 9 cm hoher Napf mit steiler Wandung und absetzender 
Mündung, rohester Arbeit, von ungefärbtem Thone, mit dicken Wandungen. 

GriechischeVasen. 

16. Inv. 3498. 20,8 cm hoch. Tiefer Napf auf hohem Untersatze mit 
geometrischer Ornamentik wie Fig. 21,3. Fufs und Unterteil des Napfes mit braunem 
Firnis überzogen, oben zwei Zickzacklinien übereinander zwischen zwei Gruppen 
paralleler Vertikalen. Die Form kommt auch in einheimischer Ware und in Metall 
vor*^, fehlt dagegen im Bucchero, 

17. Inv. 3496. 8,7 cm hohes Gefäfs, ähnlicher Form wie 16, aber der 
Napf ist von kleinen Abmessungen, ganz flach, und hat einen breiten Rand, so dafs 



^"^^ Monum. 'Antichi \S T. VII. 11 (rotgefärbter Thon) 23 (mit weifsem Überzug) T. VIII 3 

(Bronze). 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 



169 



man eher an einen Untersatz denkt. Die Verzierung besteht aus Firnisringen. An 
der Lippe zwei Durchbohrungen. 

Die Form kommt in der polychromen Gattung wieder vor, s. unten S. 184. 

18. Inv. 3497. Zweihenklige Schale 13,2 cm hoch wie S. 178 Fig. 21,5. Die 
archaische griechische Schalenform, heute gewöhnlich korinthisch genannt, weil die 
korinthische Keramik die meisten und reichsten Beispiele bietet, aber keineswegs 
auf Korinth beschränkt. Die Herkunft der Form aus dem geometrischen Napf habe 
ich Athen. Mitteil. XXV S. 65 f. nachzuweisen versucht, 

19. Zu dem griechischen Import rechne ich auch die beiden Schalen 
Inv. 3491 (= Fig. 4,1) und 3492 — , 14,5 und 14,7 cm Durchmesser — von feinster 
Technik aus hellem, gelblichem Thon, früher weifs überzogen. Die Henkelchen unter 
dem Rande sind gekniffen und angedrückt. Die Form ist griechisch; in Silber kommt 
sie z. B. im Regulini-Galassigrabe Mus. Greg. I T. LXII, I vor. Aber nicht deshalb, 
sondern wegen der von der italischen deutlich verschiedenen keramischen Technik 
möchte ich die Schälchen für Import halten. Weifs überzogene kleine Thonware 
ohne Bemalung hat sich z. B. auch in der samischen Nekropole gefunden. 

Grab XXV. 

Tomba a fossa. 

Die Gestalt des Grabes stimmt mit der von XVI völlig überein. In gleicher 
Weise wie dort war nach Verfaulen des Balkens die Decke eingestürzt, ohne die 
durch die vorher eingedrungene Erde geschützten Beigaben wesentlich beschädigt zu 
haben. Auch dies Grab ist nach Mancinellis Überzeugung schon vorher besucht und 
seiner wertvollen Beigaben beraubt worden. 

Von den Metallbeigaben fanden sich noch 5 Kahnfibeln vor (Mise. Inv. 
8643 — 8647), ein Gegenstand wie eine Reibe (8648), kleine zweigliedrige Ketten 
(8650), ein Armband und eine Perle (8651, 8649), alles von Bronze. Aufserdem eine 
Bernsteinperle und zwei Spinnwirtel aus Thon (Mise. Inv. 8652 — 8654). 

Folgendes sind die gefundenen Gefäfse: 



Dunkelt honige italische Ware. 
I. Inv. 3459 Fig. II. 11,5 cm hoch. Die sauber 
polierte Oberfläche hat eine schöne kastanienbraune 
Färbung, auf der die weifs aufgesetzten Ornamente zu 
vortrefflicher Wirkung kommen. Die Henkel sind am 
unteren Ansätze breit, bekommen aber kurz vor der 
Biegung rundliche Querschnitte. Die runden Teile sind 
mit weifsen Streifen umzogen, die breiten an den Rändern 
von weifsen Streifen eingefafst. Die Standfläche ist £ib- 
geplattet^l 




Fig. II. 



•'S) Klein abgebildet Notizie 1898 S. 447 Fig. 9 rechts. 



I70 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 




4 
Fisr. 12. 



Die Form entspricht der oben S. 164, 165 besprochenen, von der sie sich 
nur durch den etwas niedrigeren Hals und durch die Henkel unterscheidet, die 
die Mündung überhöhen und die Form der breiten Metallblechhenkel mit der der 
Keramik mehr eignenden der rundstabförmigen Henkel verbinden. Die Überhöhung 
kommt auch an Metall gefäfsen der Zeit vor^**. Die Verwandtschaft dieser oben 
zu der Gruppe der Amphoren XVI. i f . gestellten Form mit diesen wird durch den 
etwas kurzen Hals besonders deutlich. 

Die Ornamentik ist echt italisch. Die Vierecke — ineinandergestellt oder 
mit anderen Ornamenten gefüllt — sind von den Ossuaren des Villanovatypus 
nördlich wie südlich des Appennin bekannt, auf denen sie mit grofser Regelmäfsig- 
keit am unteren Teile zu finden sind. Da sich der Mäander, der das stehende 
Ornament des oberen Teiles ist, mit grofser Wahrscheinlichkeit aus der griechischen 
Ornamentik ableiten liefs, so habe ich in ihr auch den Ursprung der Vierecke ge- 
sucht". Kaum mit Recht. Das Motiv kommt schon in der italischen Bronzezeit 
vor*', und das Nebeneinander von eigenartig verarbeiteten fremden und von ein- 
heimischen Zierformen ist ein Zeichen, wie aufnahmebedürftig zugleich und wie 
durchaus selbständig das italische Handwerk war. — Die Mäanderrudimente zwischen 
den Vierecken auf unserer Amphora haben ihre Anknüpfung gleichfalls in der 
Ornamentik der früheren Eisenzeit, in deren verzerrten Umbildungen des griechischen 
Mäanders". 

2. Inv. 3460. Fig. 12,2. 10 cm hoch. Fast schwarze, der der Bucchero- 
ware ähnliche Oberfläche. Die Ornamente sind weifs aufgesetzt, die hängenden 



*^ Momim. Antichi IV S. 211 Fig. 95. 

*") Zur Ornamentik der Villanovaperiode, Fest- 
schrift der Stadt Cassel zur XXVI. Jahres- 
versammlung der anthropolog. Gesellschaft 1895 
S. 96. 

5') Montelius, a. a. O. T. XVIII 15 (Gorzano), Ein 
Beispiel aus frühster Bronzezeit aus dem 
Laibacher Moore bei Much, Die Kupferzeit 



Europas S. 153 Fig. 71. Etwa aus der Epoche 
der Gräber von Pitigliano wird das Gefäfs aus 
einem Pozzetto von Vetulonia sein, Falchi, 
T. III. 7. 
*2) Zur Ornamentik der Villanovaperiode, Beilage 
n. n, 18, 20. Vgl. die Schalen aus Grab 
XII 5—8. 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. I7I 

Mäanderhaken sind durch Tupfen in den feuchten Thon hergestellt und dann weifs 
übermalt. Innen am Rande noch weifse Ringe. Im Boden ein kleiner Eindruck ". 
Die Dekoration ist italisch. Die Gefäfsform mit der engeren Mündung und dem 
nach unten zu sich verbreiternden Körper ist eine echte Metall-Treibeform, die sich 
aller Orte unabhängig von einander findet. In Italien kommt sie im 7. Jahrhundert 
häufig unter der fremden Metallware vor, nur etwas breiter und niedriger. Die 
typische Dekoration dieser fremden Exemplare ist ein breiter Schuppenstreifen un- 
mittelbar unter dem Rande^\ Es ist im ganzen Zusammenhange wohl kaum zweifel- 
haft, dafs die italischen Töpfer nach diesen Metallvorbildern gearbeitet haben. 
Lehrreich bleibt aber doch der Vergleich unseres Gefäfses mit dem gleichgestalteten 
vormykenischen aus Thorikos, Athen. Nationalmuseum No. 8, das zu der von Stais 
in der 'Ecprjfjtspk 1895 S. 193 ff. (T. X 1 — 7) behandelten Gruppe gehört". 

3. Inv. 3462 Fig. 12,6. 10,5 cm hoch, von stumpfer schwärzlicher Oberfläche. 
Die Form ist dem geometrischen Napfe wie unten XII No. 32 (S. 178 Fig. 21,9) oder 
importierten metallenen Exemplaren wie Annali 1866 T. G. H. i (Präneste) nachgebildet, 
aber mit einem den griechischen Vorlagen fremden Ornament versehen worden. 

4. Inv. 3463. Fig. 12,4. 21,5 cm hoch. Metallisch glänzende schwarze 
Oberfläche: ein erstes Buccherogefäfs wie oben XVI, 7. Die Henkel sind auf der 
Rückseite gerieft, vorn dreieckig durchbrochen, ihre Ränder sind aufgebogen. Ein 
Miniaturexemplar fanden wir in XVI (10). In der Behandlung der Gefäfswände 
stimmte die flache Schale XVI, 9 überein. 

Die Einflüsse einer sehr entwickelten Metallurgie sind in dieser von dem 
heimischen Handwerke offenbar wenig alterierten Form deutlich, und wenn wir sie 
auch in Metall nicht nachweisen können — wie die flache Schale XVI, 9 — , so 
werden wir doch auch für sie fremde Vorbilder voraussetzen, die sie ziemlich getreu 
wiedergiebt. Über die Henkelbildung vgl. das zu den Schalen XII, No. 8 ff. 
Bemerkte. 

5. Inv. 3465. 9,5 cm hoch, 14,5 cm Durchmesser. Eine Schale wie XII, 
5 ff., von denen sie sich nur durch die etwas verschiedene Henkelbildung unter- 
scheidet. Diese sind nämlich nicht gleichmäfsig gebogen, sondern knicken oben 
und dann nochmals oberhalb des Mündungsrades um. Die Knickstellen sind mit 
aufgelegten gekerbten Streifen bedeckt. Eben solche Streifen (vertikal) auf der ge- 
riefelten Schulter. 

6. Inv. 3467. Fig. 12,7, 9 cm hoch. Graue Oberfläche. Unten leicht ein- 
gedrückt. Wie die folgenden Nummern 7 und 8 eine italische Napfform, die von 
fremden Einflüssen eben nur so viele Spuren zeigt, wie sie bei einem von Import 

*ä) Vgl. die kleinere Abbildung Notizie 1898 S. 443 ruher Bronzen T. VIII. 3 ff. 

Fig. 8 rechts. ") Eine einhenklige Thonkanne derselben Bildung 

5^) Silberne Exemplare aus Vetulonia: Falchi wie die Silberschalen, mit niedriger gradrandiger 

T. XIV. 13, XVI. 3; aus Cäre: Mus. Gregor. I Mündung und demselben Schuppenstreifen steht 

T. LXII. 10; aus Pränestc: Annali de W Inst. \va Coxneizner Museo civico. Uas Ornament wie 

1866 T. G. H. 7. — Vgl. auch die jüngeren die Form weist Schale und Kanne in die Nähe 

flacheren Bronzebecken wie Schuhmacher, Karls- der Heimat der schwarzbunten Ware. 

Jahrbuch des archäologischen Instituts XV. lO 



172 Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 

Überschwemmten Markte unvermeidlich waren. Die Dekorationsmotive der ver- 
tikalen Rippen und der bogenförmig überwölbten Warzen sind dieselben wie auf 
den Amphoren XVI, i ff. und für unsere Näpfe typisch. Die gebrochene Henkel- 
form könnte wie die einfachere von 5 durch Metallvorbilder veranlafst sein. 

7. Inv. 3468. Fig. 12,5. 8 cm hoch. Graue glänzende Oberfläche. Unten 
abgeplattet. Unten breite, oben zusammengedrückte Henkel wie bei XV i, sonst 
6 entsprechend. 

8. Inv. 3466. Fig. 12,3. 10,5 cm hoch. Unten Vertiefung. Schwärzlich 
graue Oberfläche; mäfsige Technik. Die Bildung des Halses erinnert an die oben 
zu 5 besprochenen Gefäfse, und die geflochtenen Henkel sind von geometrischen 
Näpfen wie unten No. 18 entlehnt; an diesen, deren italischen Nachbildungen und 
eben unseren Näpfen vermag ich die Form allein nachzuweisen. 

9. Inv. 3458. Einhenklige Schale vom Villanovatypus, 17,5 cm im Durch- 
messer. Vgl. zu XVI, 5. 

10. Inv. 3464. Kleiner graubrauner Napf mit hohem Henkel; mit ihm 
8 cm hoch. Die Form ist griechisch und erinnert an die Bildung böotisch-geometrischer 
Näpfe mit niedrigem Körper und hoher Wandung — wie Jahrbuch III 1888 S. 339. 
Fig. 16, 340 Fig. 17 — , ohne dafs genau entsprechende Exemplare nachzu- 
weisen wären. 

11. Inv. 3461. 9,8 cm hoch. Schwerer, tiefer schwarzgrauer Napf ohne 
Henkel, im Aufbau entfernt an die griechischen Skyphoi erinnernd, aber ohne Zu- 
sammenhang mit diesen. Die leicht einwärts gebogene Mündung ist horizontal ge- 
rieft, eine Lieblingsdekoration der italischen Keramik für gradwandige Mündungen. 
Vgl. XII, No. 26. 

Rotthonige italische Ware ohne hellen Überzug. 

12. Inv. 3469. Amphora wie XVI, i ff. 37 cm hoch. 

13. 14. Inv. 3470. 3471. Zwei 17,5 und 11 cm hohe kugelförmige Töpfe 
ohne Fufs und Henkel, mit umbiegender Mündung wie XVI, i ff., als deren Ver- 
wandte sie sich dadurch ausweisen. 

Rotthonige italische Ware mit hellem Überzuge. 

15. Inv. 3474. Fig. 13. 40,5 cm hoher Topf von der Form wie XVI, 11, 
der ebenfalls zu der grofsen Gruppe gehört, die sich an XVI, i angliedert. Die 
Ornamente sind rot auf den weifsen Überzug gemalt. Deutlich verrät sich in den 
Gruppen paralleler vertikaler Zickzacklinien, zwischen denen die gestrichelten Vier- 
ecke stehen, der Einflufs griechischer geometrischer Ornamentik, und vielleicht 
sind die Vierecke nichts als eine Erinnerung an die gänzlich mifsverstandenen 
strichgefüllten Rhomben, die auf griechischen Gefäfsen an ähnlicher Stelle 
stehen. Die massive Zickzacklinie dagegen, sowie die dicken Striche an Fufs und 
Unterteil — etwa Rudimente von Strahlen? — sind echt italische Dekorations- 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 



173 



versuche. Gsells Urteil bewährt sich durchaus", dafs der Ornamentschatz dieser 
Gefafse aus Motiven der Villanova-Dekoration und der geometrischer griechischer 
Vasen zusammengesetzt sei. 

16. Inv. 3475. Fig. 14. 15,5 cm hoher Topf. Über die Ornamente s. zu 15. 





Fig. 14. 



''ig- 13- 

Griechische Vasen. 

17. Inv. 3476. Schale wie XVI, 18 und XII 33 (= Fig. 21,5), von 14 cm 
Durchmesser. Auf der Schulter sigmaförmiges Ornament zwischen Gruppen 
von Verticalen. 

18. Inv. 3477. Fig. 12,1. 9,5 cm hoch. Diese Form des Napfes mit dem 
breiten Recipienten und dem kurzen konischen Halse, meist mit den geflochtenen 
Henkeln ausgestattet, ist überaus häufig in den italischen Gräbern, während sie, so- 
viel ich weifs, auf griechischem Boden bisher nicht nachgewiesen worden ist". 
Von ihrer Beliebtheit zeugen auch die zahlreichen Nachahmungen in einheimisch 
italischer Technik. 

Die Verwandtschaft der Form mit der oben S. 172,8 besprochenen ist unleugbar. 

19. 20. Inv. 3472. 3473. Zwei Schalen wie XVI, 19 (= Fig. 4,1). 13 cm 
Durchmesser. An der einen noch Spuren des weifsen Überzugs. 

Grab XII. 
Totnba a fossa. 
Der Bau des Grabes unterscheidet sich von XVI und XXV durch die An- 
ordnung zweier loculi an den Längsseiten. Grundrifs, Durchschnitt und Aufsicht 

^ß) Fouilles dans la nicropole de Vulci S. 400. 
") Vgl. Gsell, a. a. O. S. 352. Zahlreiche Exemplare sah ich 1890 in Corneto. 

16* 



174 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 



zeigen Fig. 15—17. Die Deckblöcke ruhten auf den Absätzen im Felsen und auf zwei 
Balken, die in die Querwände eingefalzt dicht an den Längswänden entlang liefen. Die 
Eingänge in die loculi waren durch genau gearbeitete Platten verschlossen, von denen 
sich aber nur noch Reste vorfanden. Der Leichnam scheint im linken loculus beigesetzt 
gewesen zu sein, bei ihm war der Topf mit Schachbrettmuster und einige Vasen. 
In der Grube standen nur die zwei Amphoren i und 2 und einige Vasen; die 




Fig. 15- 




Fig. 17. 



Fig. 16. 

Metallbeigaben und die Masse der Vasen war in dem gegen- 
überliegenden loculus eingeschlossen. Das Grab schien Man- 
cinelli im Altertume und noch einmal in neuerer Zeit besucht 
und beraubt worden zu sein. 

An Metallbeigaben haben die Plünderer nur zwei 
Kahnfibeln aus Bronze, (Mise. Inv. 8641. 8642), Reste einer 
eisernen Lanzenspitze und des Lanzenschuhes (Mise. Inv. 8640) 
und eine Reihe von Teilen eines bis jetzt nicht bestimmbaren 
Geräts (Stuhl, Tischgestell oder dgl.) von Eisen gefunden; 
die Füfse waren gedreht und etwa 40 cm lang. 

Desto ergiebiger war das Grab an keramischen 
Beigaben. 

Es fanden sich: 



Dunkelthonige italische Ware. 
I — 3. Inv. 3420. 3421 = Fig. 18,2.6, 3423. Drei Amphoren wie XVI, i, 
von 40, 41 und 23 cm Höhe. Dunkelbraune Färbung. Der Raum über den Henkeln 
ist hier, wie häufig bei diesen Amphoren, durch zwei sich berührende Kreissegmente 
gefüllt, die an die vertikalen Rippen ansetzen. Ein interessantes Detail der Technik 
lässt 3 erkennen: hier sind Stücke der aufgelegten Rippen abgesprungen, und man 
sieht, dass, um diesen besseren Halt zu geben, auf deren ganzer Länge vorher 
Riefen in den noch feuchten Thon geschnitten wurden, i und 2 werden ein Paar 
gebildet haben, wie es diese Amphoren auch in XVI bilden. 3 gehört dann als 
Pendant zu 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 



175 



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Vig. 18. 



4. Inv. 3422. Fig. 18,4. 21,5 cm hoch. Eine Spielart der Form 1—3, ohne 
Henkel und verziert mit wellenförmigen Furchen, die zu dritt dicht übereinander 
um das Gefäfs herumlaufen. Die Zacken an dem Rande, die äufseren Furchen und 
die Blütenmotive in den Windungen sind eingestempelt. Wir lernen damit eine neue 
Art der Verzierung kennen, die gegen Ende des 8. Jahrhunderts in Italien bekannt 
geworden sein mufs, die südlich des Appennin nur eine geringe Rolle spielt^*, eine 
desto gröfsere dagegen im Norden im Bologneser Kulturkreis". 





Fig. 19. 



Fig. 20. 



5 — 8. Vier grofse einhenklige Trinkschalen von brauner Farbe in ver- 
schiedener Nüancierung; Fig. 19: Inv. 3424. Höhe (mit Henkel) 18,5, Durchmesser 
23 cm; Fig. 20: Inv. 3425. Höhe 17,5, Durchmesser 20,5 cm; Inv. 3426. Höhe 16,3, 
Durchmesser 19,5 cm; Inv. 3427. Höhe 15,5, Durchmesser 20,5 cm. 



5**) Pottier, Fases du Louvre T. XXIV C. 546. 

^*) Gozzadini, Iniorno agli scavi fatti dal Sig. Arno- 



aldi Veli T. Iff. 
T. XCII. 



Proben bei Montelius a. a. O. 



176 Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 

Dazu kommt 

9. Inv. 3443. Ein 6,5 cm hohes Miniaturexemplar. 

Diese häufig auftretende Schale, die wir in derselben Form und in Varianten 
bis in die Kammergräber hinein wiederfinden ^°, besteht durchgehends aus drei scharf 
von einander absetzenden Teilen — vom Henkel abgesehen — : Mündung, Schulter 
und Körper. Die Mündung ist steil und niedrig, unmittelbar über dem Ansätze an 
die Schulter wulstartig ausgebogen, wie um zu dem ausbiegenden Kontur der 
gewölbten Schulter überzuleiten. Aus diesem Wulst wird dann gelegentlich ein 
selbständiges Glied. Die Schulter fällt mehr oder weniger steil ab, ist leicht ge- 
wölbt, und ihre Oberfläche wird durch flache vertikale Furchung belebt. Der eigent- 
liche Körper, in spitzem Winkel von der Schulter absetzend, verjüngt sich rasch mit 
graden, eher eingezogenen als ausbauchenden Wandungen zur schmalen Stand- 
fläche, die gewöhnlich leicht nach innen gewölbt ist. Der Henkel ist hoch und 
als breites Band gebildet, dessen Ränder auf der Höhe umgebogen sind, und der 
oberhalb des Ansatzes an die Mündung durch einen breiten dreieckigen Schlitz 
durchbrochen ist. 

Fast alle Schalen tragen weifs aufgesetzte Ornamente. Schmale Streifen 
begleiten den Henkelrand bis zum Ansatz an die Mündung der Schale, um dann diese 
im Inneren zu umziehen. Auf No. 8 ist dieser Streif mit einem Zickzackornament 
besetzt — ähnlich wie die Furchen auf No. 4 mit den gestempelten Dreiecken. 
Öfters ist das Innere der Schale durch ein Kreuz aus mehreren (je 5 — 6) Linien 
verziert, in dessen Winkeln je ein Hakenkreuzmotiv angebracht ist. So bei No. 7 
und 8. Auf der Aufsenseite ist für die Schulter ein Mäander die Regel. Die 
Mündung pflegt auf dem wulstartigen unteren Teile einen Zickzackstreifen zu tragen, 
darüber laufen parallele Linien oder wieder ein Mäandermuster. 

Die Ornamentik steht also völlig auf der Stufe der Villanovazeit. Die Aus- 
stattung des Inneren ist schon in der Keramik der Terramare vorbereitet"', wo wir 
wiederholt die kreuzförmige Ausschmückung finden, und ist häufig in der Villanova- 
periode für das Innere der Schalen, die das Ossuar decken. Der Mäander und die 
sonstigen Motive der Aufsenseite sind als altitalisch bezw. als altitalische Ent- 
lehnungen aus der griechischen Ornamentik bekannt. Wir haben aber bei der 
Analyse der Vasen von Pitigliano wiederholt die Erfahrung gemacht, dafs die 
Ornamentik keinen Schlufs auf den Ursprung der Gefäfsform gestattet, dafs man 
auf fremde Formen heimische Ornamente überträgt und heimische umgekehrt mit 
fremden Motiven schmückt. Das trifft auch hier zu. Die Schale ist die aus- 
gesprochene, sehr getreue Nachbildung eines Metallgefäfses*^ Charakteristisch dafür 

60) Vgl. XVI. 7 und zweihenklig, XII. 10; XVI. 8; Gorzano I 1871 T. XXII. 2. Vgl. auch Montelius 

XXV. 5; XXIII T. XVIII. 17. 

^') Kreuzförmig vom Omphalos ausgehende Furchen : •>-) Einfache Beispiele (der Henkel als breites Band 
Scarabelli, a.a.O. T. XVI. 5, anders Montelius, geformt, ohne Durchbrechung und Auf biegung): 

a. a. O. T. XXV. 8, Coppi, Terramare di Monum. Antichi IV S. 202, Monuin. deW Inst. XI 

T. 59, 7; 60, i: XII T. 3, 6. 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 177 



ist namentlich die Bildung des Henkels. Die Aufbiegung an seinen Seiten er- 
möglicht ein bequemes Anfassen des breiten Blechbandes, dessen man bedarf, um 
den Henkel an den Ansätzen möglichst stark zu befestigen. Der dreieckige Schlitz, 
der die breite Fläche unten unterbricht, geht auf die Verwendung zweier Streifen 
zurück. Man kann sich alles dies nur in Metall erfunden denken, und die Art, 
wie den tektonischen sowohl wie den ästhetischen Anforderungen Rechnung getragen 
wird, ist so überlegt und sicher, dafs man sie der einheimischen Metallurgie nicht 
zutrauen kann. Diese mufs man sich, ganz anders wie die Keramik, aufnehmend 
und nachbildend vorstellen. Wir haben keine Spur, dafs in der italischen Bronze- 
zeit die Treibetechnik bekannt und geübt war*''\ Als der Handel die technisch 
schon sehr vervollkommneten Metallgefäfse und Geräte bringt, und zweifellos auch 
yoikxriz<; avSps; längst vor Begründung der ersten Kolonien als geschätzte Fremde 
ihre Werkstätten an den mittelitaHschen Kulturcentren eröffnen, ist das einheimische 
Handwerk, das auf diesem Gebiete keine Tradition hat, dem fremden ausgeliefert. 
Es mufs die fremde Sprache sprechen, da es keine eigene ausgebildet hatte. 
Daher auch die auffällige Erscheinung, dafs die Metallware der italischen Gräber 
durchgängig eine Ornamentik zeigt, die der griechischen vollkommen entspricht, 
während wir in der Keramik, was die Gefäfsformen sowohl wie die Dekoration 
betrifft, auf Schritt und Tritt altem Erbgut und Umbildungen fremden Stoffes 
begegnen. Übrigens ist die Henkelform für den Osten wenigstens in der Keramik be- 
zeugt. Schon an so alten Gefäfsen wie dem Becher des Theozotos ist der Rand 
des breiten Bandhenkels umgebogen, und an Bechern, die zu der von Endt zu- 
sammengestellten ionischen Gruppe gehören", ist die Aufbiegung Wie an unseren 
italischen auf die Höhe des Henkels beschränkt. Auch die kurze steile Schulter 
der Schale ist der früheren italischen Keramik fremd, findet sich dagegen ganz 
ähnlich an den wohlbekannten Situlae wieder, deren östlicher Ursprung nach 
Ghirardinis eindringenden und auf breitester Grundlage ruhenden Untersuchungen 
feststeht". 

10. Inv. 3444. Fig. 21,1. Ein zweihenkliges 8,5 cm (mit Henkel) hohes 
Schälchen rotbrauner Färbung derselben Formgebung wie 5 — 9. Auch die weifse 
Bemalung stimmte nach den im Inneren und an den Henkeln erhaltenen Resten mit 
der dieser einhenkligen Schalen überein; innen ein Linienkreuz mit Hakenkreuzen in 
den Winkeln. 

11. Inv. 3440. Fig. 22, Höhe (bis zum Henkel) 11,5 cm. Graubraune 
Färbung. Die Standfläche ist leicht eingehöhlt. Die Ränder des Henkels sind 
nicht umgebogen, sondern an der entsprechenden Stelle nur leicht eingedrückt. 
Trotzdem ist die Verwandtschaft mit den Schalen im Profil unverkennbar^®, an die 
auch die Bemalung mit Mäandern und Zickzack erinnert. Der hochgeführte Henkel 
sieht hier wie bei No. 10 nach griechischen Vorbildern aus. 

") Pigorini, Bul/. dt paletnologia italian. XIII 1887 T. III 26; vgl. Athen. Mitteil. XXV S. 98 a i. 

S. 79 ff. 65) Monum. Antichi II S. 222. 

^<) Endt, Beiträge zur jonischen Vasenmalerei **') So auch Barnabei a. a. O. S. 204. 



178 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 





Fig. 22. 



3 4 56 78 9 10 

Fig. 21. 

12. Inv. 3437. Fig. 21,10. 8,5 cm hoch. Graubraune 
Oberfläche. Die Henkel sind geflochten und ruhen auf 
Stützen. Das Ornament ist eingraviert. Der Boden innen 
ist mit zwei eingeprefsten konzentrischen Kreisen verziert, 
von denen sechs gleichfalls eingeprefste Linien strahlenförmig 
ausgehen. 

Hier klingt schon der griechische Kantharos durch, 
der dann im Bucchero zur ausschliefslichen Herrschaft kommt. 
In der Zeit des Impasto italico wiegt eine andere, in unseren 
Gräbern zufällig nicht vertretene kantharosartige Form vor, 
die sich hauptsächlich dadurch unterscheidet, dafs der obere 
Teil des Gefäfses nach oben schmäler wird, statt breiter". Grade für diese sind 
die geflochtenen und aufgestützten Henkel charakteristisch, die sie mit einem, seinem 
Aufbau nach nicht so verschiedenen griechischen geometrisch dekorierten Gefäfse 
gemein haben***. Ich würde es vorziehen, auch diese Pseudo-Kantharoi von einer 
importierten Form abzuleiten, als ihren Ursprung in der lokalen Keramik zu suchen. 
Beachtenswert ist in dieser Hinsicht die Fufsplatte, die in der italischen Keramik 
nicht ursprünglich ist. Die einheimische Keramik plattet ihre Gefäfse ab, oder höhlt 
den Boden leicht aus, um ihnen Standfestigkeit zu geben. 

13. Inv. 3438. Fig. 21,2. Höhe (mit Henkeln) 10 cm. Dunkelbraun. Die 
Punkte an der Schulter sind in den feuchten Thon eingedrückt, die Linie zwischen 
Hals und Körper ist graviert. Abgesehen von dem Fufsplättchen ist nichts an der 
Form, was fremden Einflufs verriete. 

14. Inv. 3439. Fig. 21,6. 7,2 cm hoch. Graubraun. Ein Miniaturgefäfs 
identischer Form im Kammergrabe III (S. 186 Inv. 3587). Dies Gefäfs ist ein typisches 



^'} Monum. Antichi IV S. 205 Fig. 94. Bei den die Einziehung der Mitte der Wandungen gröfser, 

Exemplaren ebenda S. 207 Fig. 94 a und 209 doch aber ist der Unterschied vom griechischen 

Fig. 94b erscheinen zwar die Mündungen durch Kantharos auch hier deutlich. 

68) Oben XXV, 18. 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. jyg 

Beispiel für das in der italischen Bronzezeit für Schalen und derartige Gefäfse be- 
liebte Profil. 

15. Inv. 3441. Ein 8 cm hohes No. 14 ähnliches Schälchen von schwarz 
glänzender Färbung, buccheroartig, dessen leicht gerippte Oberfläche an eine Deko- 
ration wie auf XXV No. 4 erinnert. 

16—20. Inv. 3428—3432. Fig. 18,1.7 (3428.3432). Fünf henkellose Näpfe 
von der oben besprochenen Form der Villanovaschale in den beiden bis in den 
Bucchero hinein geläufigen Varianten, mit geknicktem und mit gerundetem Profil. 
Die Höhe schwankt zwischen 8,2 und 10,2 cm, der Durchmesser zwischen 12,8 und 
16,6. Mehrere haben zwei Löcher zum Aufhängen nahe dem Rande. 

21. 22. Inv. 3435 (= Fig. 18,5) und 3436, 9 und 8,2 cm hoch. Beide Becher 
waren auf dem schwarzbraunen Grunde weifs bemalt mit einem breiten Streifen 
aufsen unter der Lippe und auf dem Rande mit nach innen gekehrten Zacken. Man 
wird trotz der etwas verschiedenen Profilierung die Form nicht wohl von der 
griechischen, aus der geometrisch dekorierenden Keramik bekannten Fig. 21,3 trennen 
können. Die Dekoration ist aus heimischem Fühlen hinzugethan. Der rotthonige 
oben zu XVI, 16 angezogene Becher Motium. Ant. IV. T. 7. il bietet mit seiner 
von den Amphoren XVI i ff. (XII i ff.) entlehnten Verzierung ein lehrreiches Bei- 
spiel, wie wenig für den italischen Handwerker Form und Dekoration zusammenhing. 

23. Inv. 3433. Fig. 18,3. 21,5 cm hoch. Rotbraun. Die Spitze der 
Mündung ist ergänzt. Die Kanne war bemalt, doch ist die Bemalung fast ganx ver- 
schwunden. Sicher zu erkennen ist nur ein Zickzackband am Halse, ferner dafs ein 
Ornamentband um den Körper lief, dessen obere Kante wiederum durch eine Zick- 
zacklinie ausgefüllt zu sein schien. 

Die Form ist bekanntlich im östlichen Mittelmeerbecken schon in den ältesten 
uns erreichbaren Zeiten heimisch, in der troischen und kyprischen wie in der Insel- 
keramik. Die in Marseiller Gräbern gefundenen Beispiele machen es wahrscheinlich, 
dafs die Form bis ins 6. Jahrhundert in der ostgriechischen Keramik geläufig war®". 
Auch ohnedem würden wir nicht anstehen dürfen das Auftreten der Kanne in Mittel- 
italien auf griechischen Einflufs zurückzuführen, da sie mit den übrigen fremden 
keramischen Formen am Beginn der Periode der Fossagräber dort erscheint. Sie 
ist nicht die einzige troischen Angedenkens. Das tonnenförmige Gefäfs Schlie- 
mann Ilios S. 451 Fig. 439 kommt in Corneto in dunkelgefärbtem Impasto italico 
vor. Die eigentümlichen eingerollten Füfse Schliemann Ilios S. 402, Fig. 256 u. ö. 
(Brückner und Dörpfelds Troja S. 91 Fig. 32) lassen sich an Gefäfsen unserer 
Periode aus Capodimonte und Corneto nachweisen'". Gut troisch-kyprisch ist ferner 
das ringförmige Schlauchgefäfs mit aufgebogenem Halse und drei Beinen, das Falchi 
in seinem öfters citierten Werke T. III 5 aus Vetulonia publiciert. Auch Bildungen 
von der Art des sog. Kernos kommen gelegentlich vor. Endlich ist auf die Mög- 

*") Bumont, Ceramu^ues äe laGrece propre US. 120 f. ™) Notizie 1894 S. 138 Fig. 27; die Cornetaner 
Über das Nachleben von Formen der Insel- Gefafse sind meines Wissens nicht publiciert. 

keramik s. Nekropolen S. 64. 



I 



igO Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 

lichkeit des Zusammenhangs der Bügelhenkel und der Kanopendeckel mit Erzeug- 
nissen der troisch-kyprischen Keramik hinzuweisen, die oben S. i6i ff. erörtert wurde. 
Die Kanne ist nicht selten in den Gräbern unserer Periode. Ein Beispiel 
aus rotgefärbtem Thone veröffentlicht Barnabei in der Monumenti Antichi IV T. V 
VII. 13; sehr schöne unpublicierte stehen im Museum zu Corneto mit einge- 
stempelten Ornamenten und mit aufgelegten Vertikalstreifen in der Art der Ver- 
zierung von XVI, I ff., aber auch bemalte. 

24. Inv. 3434. Fig. 21,8. 18,8 cm hoch. Die Ornamente sind graviert. 
Dafs die Form griechisch ist, bedarf keines Wortes. Sowohl die geometrische 
Keramik wie die schwarzbunte verwenden sie, und das Verhältnis von Hals zu 
Körper läfst für unsere Kanne das Vorbild in der geometrischen suchen; die 
schwarzbunt dekorierten Kannen haben durchweg einen kurzen gedrungenen Hals. 

25. Inv. 3442. Fig. 21,7. 7,5 cm hoch. Grauschwarz. Das Käntchen unten 
am Fufse ist graviert. Über die Entlehnung kann auch hier kein Zweifel sein; die 
nur ungefähre Wiedergabe der griechischen Formen ist dafür charakteristisch. 

Rotthonige italische Ware mit weifsem 
Überzug und Bemalung. 

26. Inv. 3451. 32 cm hoch. Ein Topf wie XVI, 11 a mit dem typischen 
breiten Streifen mit einem plumpen, weitstrichigen Zickzackmuster, darunter drei 
schmälere Streifen, die statt mit den üblichen Mäandermotiven mit weit gestellten 
Vertikalstrichen sehr eintönig verziert sind. Die der obersten Reihe setzen an die 
Stellen an, wo die Zickzacklinie die GrundHnie berührt, die der unteren sind auf 
die Zwischenräume der oberen orientiert. 

27. Inv. 3452. 30,5 cm hoher Topf von derselben Form wie 26. Oberhalb 
und unterhalb des breiten Zickzackstreifens je eine schmale Kante mit Zickzacklinien, 
unten Mäandermotive. 

28. Inv. 3453. Ein Topf von eiförmigem Durchschnitt, 36,5 cm hoch, wie 
XVI. 12. 13 (Fig. 10). Die für diese Form meist gebräuchlichen Quadrate sind so her- 
gestellt, dafs das Gefäfs mit breiten weifsen Linien karriert ist, zwischen denen der 
rote Grund schachbrettförmig stehen geblieben ist. 

Einheimische Ware aus ungefärbtem Thone. 

29. Inv. 3445. Ein grob gearbeiteter dickwandiger Vorratstopf mit zwei 
Henkeln. 20 cm hoch. 

30. Inv. 3450. Ein Skyphos, der die griechische Urform weit besser wieder- 
giebt als oben No. 25; die Proportionen sind schlanker, die Henkel fast horizontal. 
Die Oberfläche war mit einem sehr dünnen weifsen Überzuge gedeckt. 

Griechische Vasen. 

31. Inv. 3454. Fig. 21,3. 18,5 cm hoch. Über die Form vgl. zu XVI. 
16 und oben XII. 21, 22. 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. jgj 

32. Inv. 3456. Fig. 21,9. 10 cm hoch. Der Schale unten No. 34 nächst 
verwandt, mit der sie auch in der Ornamentik übereinstimmt. 

33. Inv. 3455. Fig. 21,5. Mit XVI. 18 und XXV. 17 im Ornament über- 
einstimmend. Innen breite Firnisringe. 

34. Inv. 3457. Von gleicher Form wie 32, aber ungleich feiner in der 
Technik und auch von ganz anderer Farbe des Thons und des Firnisses, wie die 
sonstige geometrische Ware: das Gelb des Thons ist sehr tief, der Firnis rotbraun. 

35 — 38. Inv. 3446—3449. Fig. 21,4. Vier, 5 cm hohe, flache, breite Schalen 
mit gebuckelten Aufsenwänden und kleinem o[x9a>^o; in der Mitte des Inneren. Die 
Oberfläche ist wie beim Skyphos weifs überzogen. Zur Form vgl. das über XVI. 9 
Bemerkte; die Schalen unseres Grabes unterscheiden sich von jener nur dadurch, 
dafs bei ihnen die Buckel nicht bis zur Mitte der Standfläche verlaufen, sondern nur 
den oberen sichtbaren Teil der Wandung kerben. 

Grab XXIII. 
Tomba a camera. 

Das Grab hatte eine ähnliche Form wie III, die unten Fig. 27 und 28 
veranschaulichen. Nur waren die Wände senkrecht, und die Grube an der Hinter- 
wand fehlte. 

Die zwei Amphoren mit den Tierfiguren standen in den Ecken der kleinen 
rechteckigen Eintiefung vorn im Grabe. In dieser standen auch korinthische Ge- 
fäfse. Die übrigen Beigaben standen und lagen an den Wänden. Die Beobachtung 
wurde nicht wenig durch den Umstand erschwert, dafs das Grab bis zur Hälfte mit 
Schlamm gefüllt war. Von Metallbeigaben fanden sich drei eiserne Speerspitzen 
von 50, 43 und 28 cm Länge mit den dazu gehörigen eisernen Lanzenschuhen (M. 
Inv. 8674—8679), ein Schwert (8680), eine Hacke (M. Inv. 8681}, Fragmente eines 
Schuhbeschlags (8683) und eines Gerätes mit vier gedrehten Füfsen (8682). Dies 
alles von Eisen. Aufserdem Reste dünner Bronzedrahtringe (8684) und von Thon 
eine Perle (8705), ein Spinnwirtel (8704) und zwölf 5,1—7 cm hohe massive Cylinder. 

Unter den reichen Beigaben an Thongefäfsen scheiden wir drei Gruppen: 

Ware altetruskischer Technik. 

Schon innerhalb dieser Gruppe spüren wir deutUch, das wir uns in einer 
jüngeren Zeit als der der Fossagräber befinden. Die dunkelgefärbte Ware wird 
seltener; statt der braunen Färbung wird wie früher eine graue vorgezogen. Weifs 
überzogene Vasen sind nur in zwei Exemplaren vertreten. Dagegen mehrt sich die 
ungefärbte Ware. Der Formenreichtum wird geringer, und an der alten Amphora vom 
Typus XVI, I, XII I ist eine Lockerung der Dekoration bemerkbar. 

Das Grab enthielt zwei Amphoren wie XVI. i, eine davon aus rotge- 
färbtem Thone: die Rippen sind an ihr zu je einer zwischen Henkel und Knopf zu- 
sammengeschmolzen, auch werden Henkel und Knopf nur von je einem Bogen 
überwölbt. Aufserdem fanden sich zwei kugelförmige Töpfe aus rotgefarbtem Thon 



I82 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 




4 
Fig. 23. 



ohne Henkel, der Amphorenform ähnlich, eine graue Schale wie XII 5 — 8, ein 
grauer zweihenkliger Napf wie XII 10, 5 henkellose Villanova-Näpfe wie XII 
16 — 20, zum Teil von grauer Farbe, einige davon mit entwickeltem Fufse^'. Eine 
Spielart unserer Amphoren ist Fig. 23,7 (Inv. 3506; 20 cm hoch) aus dunklem Thon, 
auf dem Deckel und auf der Schulter ist ein doppelter Bogenfries graviert. Neu 
ist die Form einer flachen Schüssel von 21 cm und eines Napfes von 12,5 cm 
Durchmesser mit glatter Wandung, die in fast grader Profillinie mit sehr starker 
Verjüngung von der Mündung zum Fufse verläuft. Beide sind aus grauem Thon. 
(Inv. 3502. 3503). 

An weifs überzogenen Gefäfsen sind nur zwei Amphoren wie Fig. 23,4 im 
Grabe gewesen (Inv. 3542, 3544, 44 cm hoch). Die Bemalung verläfst das Gebiet 
der rein ornamentalen Dekoration und führt die Tierfiguren ein". Die Form der 
Amphoren mit dem kurzen, absetzenden Halse und den steilen auf die Schulter 
herunter verlaufenden Henkeln ist neu; die alten Formen der weifs überzogenen 
Ware fehlen. 

Ungefärbt ist der Thon der grofsen pithosartigen Vorratsgefäfse (3538, 
60 cm hoch), der Amphora oben Fig. 23,4 ähnlich (3545, 35 cm hoch) oder mehr 
kugelförmigen Querschnitts, unserer Amphora XVI i ähnlich, mit oder ohne seitliche 
Henkel (Inv. 3539, 3540, 3546, 30,5 — 41,5 cm hoch), endlich eines kleinen henkellosen 
Topfes eiförmigen Querschnitts Inv. 3541 (11,7 cm hoch). 

Ji) Amphoren: Inv. 3499, 3500, 41,5 und 26 cm ''''') S. die Abbildung Notizie 1898 S. 442 Fig. 7 links, 

hoch, die henkellosen Töpfe Inv. 3504, 3505, Ähnlich sind die in der Notizie 1896 S. 272 

15,5 und 11,5 cm hoch, die einhenklige »Schale Fig. 7 und 8 publicierten. Die geometrische 

Inv. 3501, der zweihenklige Napf Inv. 3507, die Vorlage ist für die vierhenklige Amphora 

Villanova-Näpfe Inv. 3508 — 3513. Monum. Antichi IV S. 267 Fig. 127 deutlicher. 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliaho im Berliner Museum. iS'l 

Buccheroware. 
Während in den Fossagräbern nur gelegentlich Vasen aus schwarzgefarbtem 
und poliertem Thon auftreten", sind diese seit der Periode der Kammergräber die 
ständige Beigabe in etruskischen Gräbern und verdrängen den alten italischen 
Bucchero in schnellstem Tempo. Waren sie früher Produkte des Zufalls, der Laune 
oder des Experiments, nicht anders zu beurteilen wie die übrigen zahlreichen Farben- 
nuancen von Grau und hellstem Braun bis ins dunkelste Braun, so werden sie jetzt 
unter dem Einflüsse importierter östlicher Buccheroware absichtlich und ausschliefslich 
hergestellt. Die Geschichte des Bucchero sind uns die italischen Archäologen noch 
schuldig: die wichtige Aufgabe setzt eine ebenso gründliche und umfassende Kenntnis 
der Fundthatsachen wie des weitschichtigen Materials voraus. Die Resultate werden 
auch für die Geschichte der griechischen Kunst von Bedeutung sein, denn aus- 
schliefslicher wie der Impasto italico und viel getreuer wie dieser giebt der Bucchero 
griechische Geföfsformen wieder. Er beginnt mit der Nachahmung der Gefäfsformen 
der Gruppe der schwarzbunten Vasen. Gleich diese ersten Buccherogefäfse sind so 
meisterhaft in der keramischen Technik und so rein in der Formengebung, dafs man 
sie für griechisch halten mufs. Es ist der sog. bucchero sottile. Sein beliebtestes 
Ornament ist der punktierte offene oder geschlossene Fächer (ventaglio), und man 
wird an diesem Ornamente hoffentlich dereinst seine Heimat im Osten bestimmen 
können'*. Dafs sie keine andere ist, als die der schwarzbunten Gattung überhaupt, 
ist wahrscheinlich, und für diese giebt es meiner Überzeugung nach keine andere 
im östlichen Mittelmeerbecken, als die Aolis. 

Dieser Bucchero sottile fehlt in unseren Gräbern. Es kann sein, dafs 
dies durch das Alter unserer Kammergräber bedingt ist, die nach Mancinellis 
Beobachtung nicht zu den ältesten gehören. Möglicherweise ist auch der Zufall 
schuld daran. Was in unseren Gräbern sich findet, ist ausschliefslich bucchero 
grosso, einheimisches Fabrikat, durch die schweren Wandungen und die meist 
stumpfere Oberfläche vom sottile verschieden. Seine Formen sind rein griechisch. 
Barnabei hat beobachtet, dafs der Bucchero grosso stets als -»servizio per due«. 
auftritt. In unserem Grabe trifft dies annähernd zu, wenn wir zwei Sätze an- 
nehmen. Wir haben: 
Vier Kannen mit blattförmiger Mündung, Inv. 3534—3537, 21,5 — 23 cm hoch. 

Fig. 23,2 (3534), 
Drei niedrigere Kannen mit grader Mündung, Inv. 3531 — 3533, H — 15 cm hoch. 

Fig. 23,8 (3533). 
Vier Kantharoi, Inv. 3527—3530, 9,8—13,5 cm hoch, Durchmesser 10,5—15,1 cm. 

Fig. 23,1 (3527). 
Drei einhenklige Becher, Inv. 3514— 3516, 15— 16 cm hoch. Fig. 23,6 (3516), 
Zwei Miniaturbecher derselben Art, Inv. 3517, 3518; 5 und 5,5 cm hoch. 



") So XVI. 6. 10, XXV. 2. 4. 
''*) Eine schwarze Scherbe mit einem Fächerornament sah ich 1895 im Akropolismuseum. 



i84 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigllano im Berliner Museum. 



Acht Schalen mit absetzendem Rande, wagrechten Henkeln und hohem Fufse, 
Inv. 3519—3526, 5.5—7 cm hoch. Fig. 23,5 (3522). 

Griechische Vasen. 

An Stelle der geometrisch verzierten Ware der Fosse treten in den Camere 
Pitiglianos nur solche der schwarzbunten Gruppe auf, Kannen und eine Schaar der 
kleinen Salbgefafse protokorinthischer und korinthischer Form, die ich Nekropolen 
S. 93 zu den gröfseren Gefäfsen gestellt habe. 





Fig. 25. 




Fig. 24. 



Fig. 26. 



In unserem Grabe sind 3 Kannen mit kleeblattförmigem Ausgufs, Inv. 3547 bis 
3549, 25 Salbgefäfschen, Inv. 3550 (= Fig. 24) bis 3573, 3577 (= Fig. 25), 3 Schälchen 
wie oben XVI 17, Inv. 3574 — 3576, ein Näpfchen mit geknicktem Wandungsprofil 
Inv. 3578 (= Fig. 26) und ein Teller, Inv. 3579, gefunden worden. 

Die Kannen haben den für die Gruppe charakteristischen rundlichen, gern 
nach unten sich verbreiternden Körper und den kurzen gedrungenen, nach oben 
sich stark verjüngenden Hals. Die Dekoration besteht auf den dunkel gefirnifsten 
Teilen aus roten und weifsen Linien und gravierten Bogenfriesen, auf den hell 
gebliebenen auf der Schulter aus dem aufgelösten Flechtband (dem sog. »laufenden 
Hund«), Blattgruppen oder Schlangenlinien. 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 



185 



Die Salbgefäfse sind kugelförmig — mit Punktreihen oder mit korinthisch 
stilisierten Tieren — , schlauchförmig — ausschliefslich mit Punktreihen — , oder von 
der länglich kegelförmigen Art mit einem Wulst unterhalb der Mündung — 
mit Streifen und laufenden Tieren in Silhouette. Eine Lekythos protokorinthischer 
Form und ein schlauchförmiges Salbgefäfs mit grader auf einen Wulst aufsetzenden 
Mündung waren mit Streifen bemalt. 

Die Schälchen auf hohem Fufse, 6,3 — 6,9 cm hoch, sind innen gefirnifst, 
aufsen hell gelassen. 

Der Napf, 3,8 cm hoch, ist mit zwei Löwen und einem Wasservogel 
korinthischer Stilisierung bemalt. Beachtenswert ist, wie seine Konturführung an 
den Salbgefäfsen unserer Gruppe wiederkehrt ^\ 

Ein Teller von gleicher Form wie der unsere ist unten S. 189 abgebildet. 
Der unsrige, 24,5 cm im Durchmesser und 5,5 cm hoch, ist nur mit konzentrischen 
Kreisen und einem Punktstreifen zwischen zwei Linien verziert. 



Grab IIL 

Tomba a camera. 
Über die Gestalt und Anlage geben Fig. 27 und 28 Aufschlufs. Das Grab 
war unter einem Fossagrabe mit loculi in grofser Tiefe und mit offenbarer Rücksicht- 
nahme auf jenes ältere Grab angelegt. Die Grube an der Rückwand war für den 




Fig. 27. 




Fig. 28. 



Leichnam bestimmt. In der Vertiefung am Eingange" lagen die Schüssel mit Inschrift 
und die Kette aus ägyptischem Porcellan; der grofse Pithos stand in der Mitte des 
Grabes, die übrigen Beigaben an den Wänden. 

Aufser den Gefäfsen fanden sich ein Armband aus Bronzedraht und zwei 
Ringe aus Bronze (Mise. Inv. 8706 — 8708), eine Kette von ca. 180 winzigen 



^^) Notizie 1896 S. 275 Fig. 12. 
^^ Die Eintiefung — bei den Italienern corsia 
genannt — ist der Rest des eigentlichen Grab- 



bodens, den die immer breiter werdenden Bänke 
an den Seiten so weit haben zusammenschrumpfen 
lassen. 



l36 Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 

Scheibchen aus dem sog. ägyptischen Porcellan (8709), drei Augenperlen (8710), 
zwei Bernsteinringe (871 1), drei geriefte Perlen aus schwärzlichem Steine (8712 — 8715) 
und drei ähnliche Thonperlen (8616 — 8718). 
Folgendes sind die Vasenfunde: 

Ware altetruskischer Technik, 
An dunkelthonigen Gefäfsen finden sich: 

Zwei Amphoren wie oben in XXIII Fig. 23,7. Die eine (Inv. 3580, der Deckel fehlt; 
16,9 cm hoch) von tiefbrauner Farbe mit doppeltem Bogenfries auf der 
Schulter. Die andere (Inv. 3581, 16,5 cm hoch), tief rotbraun, drei Zickzack- 
linien übereinander auf der Schulter, hat die Eigentümlichkeit, dafs die 
Mündung vierblättrig gestaltet war. 

Drei Miniaturnäpfe etwa wie XXV, 10; Inv. 3587, 3598, 3599; 4,5, 4,7 und 
5,1 cm hoch. 

Zwölf Villanovanäpfe verschiedener Gröfse und verschiedenster Art, zum Teil wie 
in XXIII mit Fufs versehen, durchgehends mit geknicktem Wandungsprofil. 
Besonders grofs ist Inv. 3586 mit 17 cm Durchmesser, Miniaturausgaben sind 
Inv. 3607 und 3608 mit 7,4 cm Durchmesser. Grau und braun, in der alten 
Färbung, sind Inv. 3583 — 3586 und 3597. Schwarz sind Inv. 3589, 3591 — 3594, 
3607 und 3608. Stellt man die Näpfe nebeneinander, so erhält man eine 
Scala von unvollkommenem grauen Schwarz bis in tiefes Blau -Schwarz. 
3594, 3607 und 3608 sind vollendete Buccheroware. 

Ein Kantharos, dicker Wandung, von rostbrauner Oberfläche (Inv. 3588; 10,7 cm 
mit den Henkeln hoch) stimmt in der Form mit dem Buccherokantharos 
überein. 

Zwei einhenklige Kannen mit grader Mündung, 11,5 cm hoch (Inv. 3582, 3596) haben 
griechische Form, aber die unten breiten, oben zusammengedrückten Henkel 
erinnern noch an die Weise altetruskischer Henkelbildung. 

Ein Teller (Inv. 3590; 21 cm Durchmesser) von schwärzlich grauer Farbe ist den 
oben aus XXIII S. 182 beschriebenen ähnlich. 

Von der hellthonigen Ware sind besonders zu erwähnen: 

Ein 66 cm hoher henkelloser Pithos (Inv. 3626), zwei Pithoi 51 cm hoch mit steilen 
Henkeln auf der Schulter (Inv. 3661. 3662). 

Zwei Amphoren von der Form unserer Amphora XVI if., 30,5 und 31 cm hoch. 
Inv. 3624. 3625. Beide sind mit Henkeln versehen, und 3625 hat noch die 
Kante, die unterhalb der Mündung um das Gefäfs läuft, bewahrt. Auf 3624 
sind oberhalb des einen Henkels wie versuchsweise mit einem runden 
Stempel von i cm Durchmesser vier Medaillons in regelmäfsiger Anordnung 
eingeprefst, die ein Pferd mit Reiter zu zeigen scheinen. 

Ein Teller, flach, dickwandig, von 22,5 cm Durchmesser, mit breit herabgebogenem 
Rande; Inv. 3632. Die Aufsenseite ist weifs überzogen, und auf die runde 
Standfläche ist ein laufendes Rad, auf die Wandung ein schreitender Panther, 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 



187 




12 3 45 

Fig. 29. 

vor diesem die Inschrift ca^KAIwi eingraviert. Der Teller war also 
bestimmt, hängend aufbewahrt zu werden ^^ 

Die übrigen Gefäfse sind henkellose, bauchige Töpfe, mit umgebogener 
Mündung, dickwandig und schwer — Inv. 3627, 3628, 3631 — , ein Henkeltopf 
Inv. 3629 und ein Napf Inv. 3630, dem Villanovanapf noch eben kenntlich 
verwandt. 

Buccheroware. 

Zwei Oinochoen länglichen Körpers mit kleeblattförmigem Ausgufs; an den Henkel- 
ansätzen Scheibchen mit einem Gesicht en face in Relief. Von der Schulter 
fallen lange spitze in Relief gebildete Blätter auf den Körper, Inv. 3600, 
3601, 29,5 und 28,8 cm hoch. Fig. 29,3 (Inv. 3600). 

Zwei Kannen gedrungeneren Baues, mit Ausgufs. Inv. 3602 und 3603; 17 und 
15 cm hoch. 

Zwei Kannen mit grader Mündung. Inv. 3604 und 3605. 13,7 und 9 cm hoch. 

Sechs Kantharoi, Inv. 3609 — 3614. Die Höhe schwankt zwischen 10,5 und 16,1 cm. 

Sieben Becher gleicher Form ohne Henkel. Inv. 3615 — 3621; 13,3— 15 cm hoch. 
Fig. 29,2 {Inv. 3620). 

Zwei Becher gleicher Form mit hohem Fufse. Inv. 3622 — 3623; 14,5 und 14 cm 
hoch. Fig. 23,1 (Inv. 3622). 

Eine Schale korinthischer Form. Inv. 3606; 6,5 cm hoch. 

Dazu kommen die oben unter der altetruskischen Ware aufgezählten 

Näpfe, die wir ihrer Form und ihres Zusammenhanges auch in der Farbe wegen 

von den dunkelthonigen Näpfen nicht trennen wollten. 



") Erwähnt Notizie 1898 S. 445. 
Jahrbuch des archäologischen Instituts XV. 



1/ 



i88 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 




Fig. 30. 



Griechische Gefäfse. 

Vier schlauchförmige Kannen der schwarzbunten Gattung, wie sie Nekropolen 
S. 99 f. abgebildet sind. 

Zwei davon — Inv. 3641 (= Fig. 29,5) und 3642; 20,5 cm hoch — sind auf 
den hell gebliebenen Teilen, Schulter und Unterteil, mit Blattgruppen verziert, auf 
dem dunklen Körper mit einer doppelten Reihe gravierter Bogenfriese, die durch 
weifsrote Linien getrennt werden. 

Zwei andere — Inv. 3639 und 3640, 31 und 30,5 cm hoch — sind mit drei 
Tierstreifen verziert. Unter dem Henkel sitzt in jedem Streifen eine grofse Rosette, 
dann folgen auf 3629 im ersten: Schwan und Panther, im zweiten: Schwan, Eber 
und Panther; im dritten: Schwäne und grofse Rosetten. 3640 zeigt nur Schwäne 
und Rosetten in allen Streifen ^l Beide Kannen haben innerhalb der Mündung 
weifsrote Liniengruppen und tragen weifse Ornamente (Punktrosetten und Kreuze) 
auf Hals und Henkelscheibe. 

Zwei dickbauchige Oinochoen, Inv. 3637 (25 cm hoch) und 3638 (18,7 cm 
hoch). 3637 ist sehr zerstört; ihre Dekoration bestand aus Blättern auf der Schulter, 
gravierten Bogenfriesen und den üblichen weifsen und roten Streifen. 3638, die aus 
feinstem weifslichen Thon bestand", war nur mit bunten Streifen und Schlangen- 
linien auf den dunklen und mit Blattgruppen auf den hellen Teilen verziert. 

Drei schlauchförmige Alabastra, eines mit Punktstreifen Inv. 3658, zwei mit 
Punktstreifen und Silhouetten laufender Tiere, Inv. 3651 und 3652. 

Vier kugelförmige Aryballen, ein sehr fein gearbeiteter mit Streifen (Inv. 3655) 
einer von gewöhnlicher Technik mit Streifen (Inv. 3656) und zwei mit Tierfiguren 
(Inv. 3653. 3654). Die Figuren von 3654 zeigt Fig. 30. Ich habe sie abbilden lassen, 

^*) Der Schwan ist das bevorzugte Tier dieser schwarz-bunten italischen Vasen, mit dem Schwan wechselt 

stets die Rosette. 
79) Vgl. unten S. 189. 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 



189 



weil die grottesken Bildungen an die Tierstreifen der schwarzbunten Kannen 
Nekropolen S. 100 Fig. 51 ff. erinnern. 3653 zeigt eine Eule zwischen zwei Panthern, 
auf der Rückseite wieder eine Eule auf einem Aste. 

Eine protokorinthische Lekythos mit Streifen, Inv. 3659. 

Zwei tiefe Schalen Inv. 3643 (= Fig. 31) und 3644; 13,7 und 14,5 cm Durch- 
messer, von der archaischen griechischen Form mit tiefem, napfartigem Recipienten 
mit breitem Rande und wagrechten Henkeln, aber nicht mit dem konischen Fufse, 
sondern mit einem niedrigen Fufsringe. Der Rand ist durch Punktbänder oben und 




Fig. 32- 



Fig- 31- 



unten eingefafst und durch breite schwarze Vertikalstreifen gegliedert. Zwischen 
den Henkeln auf ausgespartem Felde zwei Schwäne um eine Rosette. Am Körper 
weifse und rote Streifen. 

Drei flache Teller Inv. 3645, 3646 und 3647, von 21,5—25 cm Durchmesser. 
Zwei davon sind nur mit konzentrischen Kreisen um den Mittelpunkt verziert, 
3647 (= Fig. 32) dagegen hat im Inneren einen breiten Tierstreifen am Rande 
— Schwäne, ein Steinbock und grofse Rosetten — und aufsen am Fufse Blatt- 
gruppen. 

Ein Näpfchen wie oben aus XXIII (Inv. 3578) beschrieben, 3,8 cm hoch mit 
sehr beschädigter Malerei. Inv. 3660. 

Zu den Produkten griechischer Keramik gehören auch sicher zwei Gefäfschen 
äufserst feinen Materials und bester Technik, ein ganz unbem altes henkelloses Töpfchen, 
bauchig, mit Fufsring und kurzer grader Mündung, Inv. 3636, 10,5 cm hoch, und ein 
Henkelkännchen, Inv. 3657, 17 cm hoch = Fig. 29,4 schlauchförmig, aber schlank, 
mit kurzer Mündung und hohem Henkel, Firnisstreifen um den Körper, am Halse 
Stabornament. Die Ornamentik des Kännchens verbindet beide mit den oben be- 
schriebenen griechischen Vasen, denn beide sind aus dem gleichen aufserordentlich 
feinen gelblich weifsen Thon gefertigt, den wir schon oben einmal bei der Oinochoe 
Inv. 3638 verAvendet fanden. Die Herstellung solches hellen Geschirres mufs eine 
SpeziaUtät der Fabrik der schwarzbunten Vasen . gewesen sein. A?^ haben aus 
unserem Grabe noch 4 Näpfchen auf hohem Fufse ähnlich wie oben Fig. 18,5, 
die aus hellem, freilich bei weitem nicht so feinem Thon gefertigt sind wie die 
beiden Gefäfse oben, nur im Inneren und an Fufs und Rand gefirnifst (Inv. 3648 
— 3650, 3595), und drei flache Schälchen mit breitem umgebogenem Rande, etwa 
wie der Teller mit der etruskischen Inschrift. (Inv. 3633 — 3635). Wenn das 

17* 



IQO Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 

Töpfchen und das Kännchen griechische Originalware ist, so könnte man Näpfe 
und Schälchen als lokale Nachahmung auffassen. Bei der technischen Ungleichheit 
auch der übrigen griechischen Ware halte ich es aber für wahrscheinlicher, dafs 
der Unterschied eben nur ein Qualitätsunterschied innerhalb einer griechischen 
Fabrik ist. 



Solange Glasperlen und Elfenbeinstückchen die einzigen Beziehungen waren, 
durch die Italiens älteste Eisenzeit mit dem Osten zusammenhing, solange konnte 
die Archäologie an der Keramik und Metallurgie der Pozzi vorbeigehen, die die 
italische Vorgeschichte ausschliefslich als ihr Material betrachtete. Die Scheidung 
war reinlich und für beide Teile bequem. Heute ist sie nicht mehr aufrecht 
zu halten. 

Im Grunde hat auch hier Schliemanns Spaten den Weg freigemacht. Seit 
Mykenae wissen wir, dafs der geometrische Dekorationsstil nicht als ursprüngHcher 
Besitz der primitiven Gräkoitaliker angesehen werden darf, sondern das Resultat 
einer langen Entwicklung ist, deren kunst- und kulturgeschichtliche Faktoren wir 
allmählich zu ahnen beginnen. Die reifste, vollendetste Frucht dieser Entwickelung 
auf ornamentalem Gebiete ist der Mäander. Wenn diesen die Ornamentik der ersten 
italischen Eisenzeit gleichfalls zu ihrem vornehmsten Besitz zählt, so kann sie ihn nur 
aus Griechenland entlehnt haben. Denn es ist unmöglich, dafs so verschiedene 
Wachstumsbedingungen dasselbe Gewächs zur selben Zeit hüben und drüben gezeitigt 
haben sollen. 

Eine weitere Abhängigkeit von griechischer Kunst hat der Goldfund spätest- 
mykenischer Zeit auf Ägina erwiesen, der für die charakteristischen Zierformen 
der altitalischen Metallurgie die Vorbilder zeigte^". Der Herausgeber des Fundes 
hat sofort die Übereinstimmung erkannt und die richtigen Schlüsse daraus gezogen. 
Es kommen hier hauptsächlich die Gruppen des Mannes mit zwei Vögeln und der 
wappenartig gruppierten Vierfüfsler und Affen in der runden Einfassung in Betracht, 
Motive, die in vielfacher Brechung, aber unzweifelhafter Derivation seit der ältesten 
Eisenzeit in Italien, nördlich wie südlich des Appennin auftreten, nicht nur in der 
Form, sondern auch in der Ausführung ä jour in Italien und auf Ägina gleich. 
Im Hinblick auf diese Thatsache lassen sich auch die auf den italischen Metall- 
arbeiten so häufigen aufgesetzten Figürchen von Reitern, Pferden, Kühen, Vögeln 
mit den Pferden und Vögeln auf den Dipylonvasen vergleichen. 

Es liegt auf der Hand, dafs, wo so ausgesprochene Entlehnungen aus dem 
griechischen Handwerk im Altitalischen nachweisbar sind, wir dessen Formenschatz 
schon in der ältesten Eisenzeit durchzuprüfen haben werden, um den lückenhaften 
Bestand der griechischen Funde der gleichen Periode aus ihm zu ergänzen. 

Der Weg, auf dem diese Einflüsse aus dem östHchen Mittelmeerbecken bis 
in den Norden Italiens gedrungen sind, ist kaum zweifelhaft. Es liegt heute nicht 



0) A. Evans, Journal of hellenic studies XIII 1895 S. 195 ff. 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. igi 

der geringste Grund vor, an den Landweg zu denken. Heibig, der ihn in Erwägung 
zog und seine Spuren in der Überlieferung nachzuweisen suchte^', stand zu sehr 
unter dem Eindrucke der Überlegenheit der ersten italischen Eisenzeit der Kultur 
der Terramare gegenüber. Andererseits unterschätzte er die aufserordentliche Auf- 
nahmefähigkeit des italischen Handwerks, die uns oben bei der Analyse der 
keramischen Formen öfters entgegengetreten ist. Früher Verkehr des griechischen 
Osten mit Italiens Küsten ist bezeugt. Und abgesehen davon: es mufs den ersten 
griechischen Siedelungen in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts ein langer 
Handelsverkehr vorausgegangen sein, dem wir nach der Analogie der kleinasiatischen 
Verhältnisse wohl eine recht lange Dauer zumessen dürfen. Er bringt keine irdene 
Vase nach Italien, die den Transport nicht gelohnt haben würde. Aber Metallgerät 
in Menge, und mit ihm eine Fülle von Anregungen für die Technik, Dekoration und 
Ornamentik, von denen auch die lokale Keramik profitiert, mit ihm vor allem auch 
die Kenntnis der Treibekunst, zu deren rascher Einbürgerung gewifs nicht nur der 
intensive Import, sondern auch angesiedelte fremde Schmiede beitrugen. Dazu 
kommt schliefslich, dafs für das Eisen und für die Situla der Weg vom Süden über 
den Appennin nach der Poebene von der italienischen Forschung wahrscheinlich 
gemacht worden ist*^ und ferner, dafs Formen in der Ornamentik, die in Etrurien 
verhältnismäfsig rein auftreten, in Norditalien sich umgestaltet vorfinden, während 
von einer Wanderung der Typen von Norden nach Süden sich bisher keine Spur 
nachweisen liefs. 

Von einer Veränderung in den Beziehungen Italiens zum Osten zeugt uns 
der Übergang von der Verbrennung zur Beerdigung der unverbrannten Leichen, 
fast gleichzeitig treten die ersten bemalten griechischen Vasen auf, sie, wie 
überhaupt die östlichen Formen, in stetig wachsender Fülle. Wie in der griechischen 
Kunstgeschichte der Unterschied zwischen den Funden aus der mykenischen und denen 
aus der geometrischen Epoche, so hat auch in Italien der weit geringere und weit 
weniger unvermittelte Unterschied zwischen der Kulturschicht der Brandgräber und 
der der Bestattungsgräber wie ein Magnet die ethnologische Frage an das archäo- 
logische Material herangezogen. Man hat sich gefragt, ob wir nicht die Etrusker 
für den neuen Grabgebrauch und für die Vermehrung der östlichen Formen ver- 
antwortlich zu machen haben, die doch das letzt gekommene unter den Völkern 
Italiens sind, und die gewisse Nachrichten in sehr enge Beziehungen zum Osten 
setzen. Zwar an eine Einwanderung, sei es vom Norden her, sei es zur See, im 
8. Jahrhundert zu denken, grade in der Zeit der Anfänge der griechischen Koloni- 
sation im Westen, hat man wie billig aufgegeben. Aber man hat Auswege gesucht. 

V. Duhn glaubt aus den Grabfunden nachweisen zu können, dafs die Ein- 
führung und Einbürgerung des neuen Brauches vom Thale der Marta aus vor sich 
gegangen sei*^ Dorthin seien die Etrusker, die seit ihrer Einwanderung irgendwo 
im Herzen des Landes zwischen den Italikern eingesprengt gesessen hätten, im 

^') Homerisches Epos^ S. 85 fg. ^-) Ghirardini, Monum. Antichi II S. 222 ff. 

'*^) Bonner Studien, R. Kekule gewidmet, S. 21 ff. 



IQ2 Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 

8. Jahrhundert erobernd vorgedrungen, und die Ausbreitung der neuen Bestattungs- 
art sei das Symptom der Ausbreitung der Etrusker und ihrer Macht. Die Archäo- 
logie hat gegen diese Lösung der Etruskerfrage keine Einwendungen zu machen. 
Sie hat nur daran ein Interesse, dafs die einheitliche Entwickelung des heimischen 
Handwerks und die Einheitlichkeit des fremden Imports anerkannt wird. Beides 
wird durch die v. Duhnsche Hypothese nicht berührt, denn die Etrusker, die Jahr- 
hunderte lang im Inneren gesessen haben, haben doch natürlich auf der Kulturstufe 
der ersten italischen Eisenzeit gelebt, und dafs nach ihrer Besitzergreifung der Küste 
die Träger des griechischen Handels gewechselt haben sollten, ist durch nichts 
begründet. 

Anders beantwortet Montelius in neuster Zeit die Etruskerfrage. In zwei, 
im englischen anthropologischen Institute gehaltenen Vorträgen »über die Tyrrhener 
in Griechenland und Italien« und »über die vorklassische Chronologie in Griechen- 
land und Italien«^* tritt er für die Nachricht des Hellanikos von der Einwanderung 
der Etrusker zur See ein, berechnet mit Heibig und v. Duhn nach der etruskischen 
Säkularrechnung die Zeit der Einwanderung auf das ii. vorchristliche Jahrhundert 
und sucht nun nachzuweisen, dafs die ersten Gräber vom Typus der Fosse und 
Camere eben nicht ins 8., sondern ins ii. Jahrhundert gehören. Für diese Datierung 
liefert ihm das Auftreten der Peschierafibel einerseits und der Perserschutt anderer- 
seits die festen Daten. Jene müsse in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts ge- 
setzt werden, weil sie in mykenischen Gräbern mit Bügelkannen des 3. Stiles vor- 
komme, und diese in Amenophis III. Zeit zu setzen seien. Von da bis zum Perser- 
brand sind es 9 Jahrhunderte. Grade 9 Perioden seien nun aber auch nach dem 
archäologischen Materiale in dem Zeiträume zwischen der Peschierafibel (Ameno- 
phis III.) und dem Perserbrande zu scheiden: y>Every one of these nine periods has 
ben proved to comprise a considerable time, probably ab out the same letigth for euch 
period, t/ms every period inust have laste d ab out a hundred years and correspond to 
the Century indicated in the table^ (S. 264). Die 9 »absolut« datierten Perioden sind 
aufser dreien der Bronzezeit (von 1400 — iioo) folgende — ich hoffe sie nach den 
charakteristischen Funden, wie Montelius sie auf seinen Tafeln anordnet ^^ richtig 
zu bezeichnen: 

4. Italische Keramik. Impasto italico mit dunklem, rotem und weifsem Überzüge. 

Erste Anfänge des Imports, iioo — 1000. 

5. ItaHsch-geometrische Vasen, Typen der tomba del guerriero. 1000—900. 

6. Geometrisch-protokorinthische Ware der feinen Art, Bucchero sottile, Edelmetall- 

arbeiten aus den Gräbern Regulini-Galassi, Bernardini etc. 900 — 800. 

7. Schwarzbunte Vasen, Bucchero, frühe korinthische Vasen. 800—700. 

8. Korinthische Vasen. Frangoisvase. 700 — 600, 

9. Schwarzfigurige Vasen. 600 — 500. 



^) Journal of the Anthropologie al Institute XXVI 1897 S. 254f. und 261 ff. 
8ä) a. a. O. T. XI ff. 



Boehlau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 103 

Montelius wird seine im Rahmen zweier kurzer Vorträge skizzenhaft um- 
rissene neue Chronologie demnächst ausführlicher begründen. Bis dahin steht billig 
eine Polemik zurück. Aber die Hoffnung mufs ausgesprochen werden, dafs er 
seinen Ansätzen und Schätzungen eine feste Basis aus den Fundthatsachen und der 
Überlieferung schafft. In den zeitlosen Räumen der nordeuropäischen Vorgeschichte, 
in denen Montelius mit Meisterhand ordnend geschaltet hat, ist die Methode der 
ungefähren Abschätzung wissenschaftlich berechtigt. Aber im eigensten Interesse 
der prähistorischen Forschung, deren Chronologie ausschliefslich auf den Antiken 
beruht, wollen wir von dieser alle Schätzungen fernhalten, für die in den Monumenten 
oder in der Überlieferung kein Anhalt vorhanden ist. Sowohl die Dauer und die 
Aufeinanderfolge der Monteliusschen Perioden bedarf des Beweises — ich erinnere 
nur an Periode 6, durch die die feine geometrisch-protokorinthische Ware um 
100 Jahre unter die italisch-geometrische gerückt wird — als auch die »absolute 
Chronologie«. Die Fibel vom Peschieratypus ist nicht einmal für Griechenland 
genau datiert, da das Alter der Gräber in der mykenischen Unterstadt nicht fest- 
steht. Wie kann man also ihr Auftreten in Italien als gleichwertiges Datum mit 
dem Perserschutt von der Akropolis benutzen, um zwischen beide die Monumenten- 
reihe zur Messung einzuspannen?*® Der äufserste uns erreichbare Termin auf dem 
Wege vom Auftreten der rotfigurigen Vasenmalerei nach aufwärts ist die Gründungs- 
zeit von Syrakus, durch die die Syrakusaner Nekropole datiert wird. Der Vergleich 
der dortigen ältesten Funde mit denen der Fossagräber macht es aber wahrscheinlich, 
dafs diese ebenfalls in das 8. Jahrhundert gehören. Dann fällt das Auftreten der 
bemalten Vasen in Italien mit der Ansiedelung der Griechen an den italischen und 
sicilischen Küsten zusammen. 

Die erreichte Grenze ist weit genug, besonders wenn wir bedenken, dafs 
wir damit für den Anfang der Herrschaft des geometrischen Stils in Griechenland 
bis ins 9. Jahrhundert hinaufkommen. Wohl liegen die mykenischen Gräber noch 
weit von da, und man mag die Vorstellung im Stillen pflegen, dafs die Ablösung 
des leer gewordenen und verrotteten mykenischen Stiles auf dem Festlande durch 
den geometrischen noch in das zweite Jahrtausend zurückreiche. Aber heute fehlt 
noch jede Möglichkeit, diesen Ansatz zu begründen, und es ist wohl zu bedenken, 
dafs die Kürze der Zeit, in der sich in immer rascherem Tempo und in immer 
mannigfacheren Erscheinungsformen die Entwicklung der Kunst vom ersten Auf- 
treten der geometrischen Stile bis zu dem der attischen rotfigurigen vollzieht, 
ebenso charakteristisch für die kulturellen Verhältnisse und aus ihnen heraus ver- 
ständlich ist, wie die lange Dauer und die Stabilität der mykenischen Kunst". 

Der Wechsel des Bestattungsbrauches vollzog sich in Etrurien etwa in der 
zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts und es liegt auf der Hand, dafs er unter dem 
Einflüsse der nunmehr in nächster Nähe wohnenden Griechen vor sich gegangen 



**) Vgl. Karo in Bullettino dt paletnologia iialiana gefunden bei Salomon Reinach, L' Anthropologie 

XXIV 1898 S. 144 ff., der ebenfalls lebhaft gegen 1897 S. 215. 

Montelius Ansätze eintritt. Diese haben Billigung *''') Nekropolen S. 141 f. 



]QA Boeblau, Die Grabfunde von Pitigliano im Berliner Museum. 

ist. Niemand würde an die Notwendigkeit einer anderen Erklärung denken, wenn 
die leidige Etruskerfrage nicht zur Unzeit mit den archäologischen Fragen verquickt 
worden wäre. Am allerwenigsten würde man ethnologische Veränderungen dafür 
herangezogen haben, wissen wir doch, dafs die Griechen wohl unter Einflüssen 
von Kleinasien her von der Beerdigung zur Verbrennung übergegangen sind. So 
wenig diese Bestattungsarten »vom Zufall oder vom individuellen Belieben« abhängig 
sind, so darf man doch auch ihre Festigkeit nicht überschätzen, unter dem Eindrucke 
vielleicht des Widerstandes, den die christliche Dogmatik einem Wechsel entgegen- 
gesetzt hat und grade in unseren Tagen wieder entgegensetzt. 

Anders würde der Übergang zur Bestattung zu beurteilen sein, wenn eine 
durchgreifende Veränderung auch in den Beigaben vor sich ginge. Aber das ist 
nicht der Fall. Montelius selbst scheint den Etruskern nur die neue Bestattungssitte 
zuzuschreiben. Lange sind die importierten Metallarbeiten dieselben. Vor allem 
aber setzt sich die alte Keramik fort in einheimischen Formen, in einheimischer 
Technik, in ihrem eigentümlichen Verhalten dem fremden Import gegenüber: grade 
die oben publicierten Grabfunde von Pitigliano gaben die beste Gelegenheit, dies 
zu beobachten. Nun geht es mit den alten Formen unter mächtiger Zunahme 
der neuen sichtlich bergab. Die Geschichte des italischen Handwerks im 8. und 
7. Jahrhundert ist ein typisches Beispiel für den Procefs der friedlichen Überwältigung 
einer starken einheimischen Kunstübung durch eine überlegene fremde, die anfangs 
aus der Ferne wirkt, dann aus nächster Nähe den Kampf fortsetzt. Wir können 
den Verlauf so deutlich beobachten, wie kaum anderswo, aber nirgends machen sich 
Störungen, wie sie der Einbruch eines fremden Volkes hätte zur Folge haben müssen, 
auch nur in den leisesten Symptomen bemerkbar. Der fremde Import nimmt zu, 
und mit ihm der Einflufs des Fremden: das ist alles — und das ist wahrlich 
begreiflich. 

Die Geschichte des griechischen Imports in Italien wird, wenn der griechische 
Boden uns nicht noch wider Erwarten reiche Funde schenken sollte, unsere voll- 
ständigste Quelle der Geschichte der nachmykenischen Metallurgie vom 9. bis zum 
6. Jahrhundert werden. Das sollte reizen, sich mehr, als es bisher der Fall ist, 
mit dieser Aufgabe zu beschäftigen. Freilich sind die italischen Dokumente nicht 
immer authentisch. Wir haben die eigentümlichen Schwierigkeiten ihrer Benutzung 
bei der oben versuchten Analyse der Gefäfse aus den Gräbern von Pitigliano zur 
Genüge kennen gelernt. Sie beruhen im Wesentlichen auf der Selbständigkeit und 
der bildungsfrohen Regsamkeit des italischen Handwerks, speziell der Keramik. 
Diese Eigenschaften veranlassen zahlreiche Kreuzungen des Fremden und des 
Einheimischen, die unentwirrbar scheinen, und die Verpflanzung des griechischen 
Handwerks auf den italischen Boden bedingt wieder Verbildungen, Entartungen der 
ursprünglichen Form, die sich der Beurteilung zu entziehen scheinen. Aber diese 
Schwierigkeiten gleichen sich durch die Reichhaltigkeit des Materials etwas aus, 
das fast immer das Wesentliche, Ursprüngliche einer Form von den Zufälligkeiten 
einer Verbildung oder Umbildung zu scheiden erlaubt. Aufserdem aber helfen die 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. igt 

Funde aus der italischen Bronzezeit und die vom griechischen Boden das italische 
von dem griechischen Eigentum zu sondern. So dürfen wir von der Lösung jener 
Aufgabe trotz aller Schwierigkeiten sichere Resultate erwarten, gesunde Bausteine 
zu einer Geschichte der griechischen Kunst. 

Kassel. J. Boehlau. 



G 



j\a^Ju^j<A^ 



\\ ö^-vs-^ 



DIE DARSTELLUNGEN DER INDER 

IN ANTIKEN KUNSTWERKEN. 

Zu dem gewaltigen Heere, das Xerxes zur Unterwerfung Griechenlands ver- 
sammelte, mufsten auch die ihm tributpflichtigen Inder ein Kontingent stellen. 
Herodot beschreibt uns ihre Kleidung und Bewaffnung. Sie trugen Baumwoll- 
gewänder und hatten Bögen aus Rohr nebst Pfeilen, ebenfalls aus Rohr gefertigt, 
mit eisernen Spitzen^; sie führten Reitpferde mit sich und Wagen, von Pferden oder 
Wildeseln gezogen ^ Nach dem Siege über den mächtigen Feind haben die Hellenen 
den Göttern, die ihnen gnädig Hülfe geleistet hatten, Weihgeschenke dargebracht 
und Tempel errichtet, aber diese wurden nicht gleich den assyrischen und ägyptischen 
Monumenten, die den Kriegsruhm der Herrscher verkünden sollten', mit realistischen 
Bildern all der Völkerschaften geschmückt, die im Kampfe bezwungen waren. 

Als der Athena Areia in Plataeae aus Mitteln der Perserbeute ein Tempel 
erbaut war und die bedeutendsten Maler der Zeit, Polygnot und Onasias, zu seiner 
Ausschmückung berufen wurden, wählten sie als Gegenstand ihrer Gemälde den 
Freiermord des Odysseus, den Kampf der Sieben gegen Theben*. Die beiden 
Bilder hatten nur eine symbolische Beziehung zur Schlacht bei Plataeae, die Welcker 
feinsinnig aufgedeckt hat*. »Vor Theben ging das ganze angreifende Heer unter, 
und Odysseus unterdrückte die Feinde im eigenen Hause, wie die Hellenen bei 
Plataeae die in das Heiligtum eingedrungenen und auf ihrem Boden frech sich fest- 
setzenden Perser. Den beiden Niederlagen solcher, die rechtmäfsigen Besitz gewalt- 
sam und übermütig an sich zu reifsen trachteten, wird der Untergang der Perser 
verglichen und Pallas ist's, welcher der Sieg überhaupt, auch diese neueste Thebais 
und Freiermord verdankt wird.« Der Tempel, der auf der Burg Athens von The- 

') Herodot VII 65 'IvSol Sl e?[i.aTa [aIv IvSeSuxdte; Mandrokles von Samos entsprochen haben, das 

dTio 5u^«>^ JteTrotT)[i.^va, rd^a 8i "/aXafjiivtt elj(0v des Dareios Übergang über den Bosporus auf 

xal diatob; xaXa[j.(vous • iizi hi atöirjpov ^^v. der vom Stifter erbauten Brücke darstellte. 

2) Herodot VII 86 'Ivool 0^ axeui^ (a^v iazadyaxo S. Herodot IV 88. 

TT) aixT^ xal h rtp irsCw, rjXayvov 61 x^Xt^tocj ■*) S. Robert, Die Marathonschlacht in der Poikile, 

xal apixata • üttö Se xotuiv ap|xaai ÖTTTJaav titTrot Halle 1895, p. 63 ff. 

xal ovoi aypiot. ^) Hall. Litt. Zeit. 1836 p. 205, abgedruckt bei 

^) Solchen Bildwerken wird das Weihgeschenk des Robert a. a. O. p. 65. 



196 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 



mistokles geplant ward, ist nicht über die Fundamente hinaus gediehen". Die einzige 
Darstellung der Schlacht von Plataeae, die wir besitzen, am Fries des nach 425 
erbauten Tempels der Athena Nike^, zeigt die Barbaren alle in der Tracht, welche 
die Kunst den Persern zu geben pflegt. Dasselbe ist der Fall auf den Vasenbildern, 
die Szenen des Kampfes zwischen Griechen und dem Nationalfeinde darstellen*. 

In den nächsten 150 Jahren, welche dem Einfall der Perser folgten, haben 
griechische Augen sicher selten Gelegenheit gehabt, Bewohner des äussersten Ostens 
zu sehen und deren Erscheinung war nicht derartig, dafs sie ebenso wie die Neger 
zu karikierenden Darstellungen lockte'. 

Im Jahre 327 unternahm Alexander seine kühne abenteuerliche Expedition 
nach Indien. Vielleicht würde er sich nach dem Vorbilde der Pharaonen und der 
babylonischen Herrscher ein Siegesdenkmal errichtet haben, wenn das Schicksal ihn 
seine Triumphe hätte länger überleben lassen. Wir wissen von keinem Bildwerk, 
das seinen indischen Feldzug verherrlichte, aber dieser gab doch indirekt der Kunst 
die erste Veranlassung zur Darstellung der Inder, denn er hatte die Sage vom 
indischen Feldzug des Dionysos erzeugt, die der hellenistischen Dichtung einen be- 
liebten Stoff lieferte und die bildenden Künstler zur Gestaltung anregen mufste. 
Ihnen war es jetzt auch ein Leichtes, naturgetreue Bilder der Inder zu geben, nach- 
dem der Alexanderzug die Kenntnis des fernen Landes erweitert und verbreitet, 
einen engeren Verkehr mit ihm angebahnt hatte. Schon in dem grofsen Fest- 
zug, den Ptolemaeus Philadelphus in Alexandrien veranstaltete, trug ein Wagen das 
Riesenbild des Dionysos auf einem Elephanten gelagert^". Die Figur eines Satyrs 
safs als Führer, als ,Cornak', auf dem Halse des Tieres und im Gefolge befanden 
sich andre Wagen mit Frauen, die als indische Gefangene kostümiert waren '\ 

Die uns erhaltenen Denkmäler, die sich auf den indischen Feldzug des 
Bacchus beziehen, stammen aus einer sehr viel späteren Zeit des Altertums. Es 



^) S. Furtwängler, Masterpieces cf Greek Sculpture 
p. 4i9ff. 

^) S. Furtwängler a. a. O. p. 442 ff. 

*) ^gl* "^'c ^'O" Hartwig, Griechische Meisterschalen 
p. 5136". zusammengestellten Werke, dazu aber 
Winter, Jahrb. d. archäol. Inst. VIII 1893 p. 154. 

9) Vgl. Bethe, Athenische Mitteilungen XV 1890 
p. 243 ff. 

10) Athenaeus V 200 c hCi 8e aXXrj; TSxpaxüxXou, 
\ TrsptEi^je TTjv i\ 'IvSüiv xciSooov Atovjaou, Aidvuaos 
^v 5(u5exa7nr)/_u; hi IXe^avxo; xaTaxEi'fxevos . . . 
irpo£xdi)7jTo V aÜTOJ ^Tti Tiu xpa/T^Xoi xoü sXe- 
cpavTo; aaT'jpiaxo? 7revTa-T]j(U£. 

1') Athenaeus V 201a ItttjxoXo'j&ouv dciTTjvai ücp' 
ryfAtovcuv dydfjievat. a'üxai 8' sl/ov axrjvd; ßapßaptxct;, 
i^ (UV lxd9r)vT0 yuvalxej 'Ivoal xotl etepai xexoa- 
ptTjfx^vat ü>; at'yjj.dXtoTOt. Gefangene indische 
Frauen sind vielleicht dargestellt auf einer 
Wirkerei aus Achmim, Forrer, Römische und 



byzantinische Seiden-Textilien (Strafsburg 1891) 
Taf. I. Das Mittelfeld der Wirkerei zeigt den 
sitzenden Dionysos zwischen einem Satyr, der 
von links mit geschultertem Pedum herbeikommt, 
und dem tanzenden Pan, der langgestielte Krotala 
in den Händen hält. Unterhalb der Gruppe ist 
rechts eine sitzende Frauengestalt, die auch ein 
Musikinstrument zu spielen scheint und deshalb 
wohl als Mänade zu bezeichnen ist. Sie wendet 
den Kopf zwei andern Frauenfiguren zu, deren 
eine am Boden gelagert ist, während die andre 
kniet; beiden sind die Hände auf dem Rücken 
zusammengebunden und daher müssen sie als 
Inderinnen angesehen werden. Ihr Aussehen ist 
nicht verschieden von der Mänade, gleich ihr 
tragen sie einen gegürteten Chiton und einen 
Reif in den Haaren. Vgl. was unten p. 216 über 
die Sarkophage der Gruppe II bemerkt ist. 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 



197 



giebt eine stattliche Zahl römischer Sarkophage aus dem 2. und 3. Jahrhundert 
unserer Zeitrechnung, die entweder Szenen aus dem Kampf des Gottes gegen die Inder 
vorführen oder seinen Triumph über die Feinde. Wie die dem Aufsatze angefügte 
Übersicht der Sarkophage zeigt, ist auf mehreren gar kein Versuch gemacht, die 
Inder irgendwie zu charakterisieren, sondern sie gleichen den Kriegern, wie wir sie 
in beliebigen heroischen Kampfdarstellungen finden. Auf anderen Sarkophagen 
sind die Inder verschiedenen Barbarentypen, Galliern und Äthiopen, angeähnelt. 




Fig. I. 

Aufser den Sarkophagen war bislang ein einziges antikes Bildwerk bekannt, 
das mit Sicherheit als Szene aus dem indischen Feldzug des Bacchus gedeutet war, 
ein Mosaik aus Tusculum (Fig. i)^'*. Am Ufer eines Flusses dringen ein Satyr und 



Das Mosaik, das früher im Museo Kircheriano 
war, befindet sich jetzt im Museo delle Tenne, 
dessen Direktion mir freundlichst gestattete, 
für die Publikation hier eine neue photographische 
Aufnahme machen zu lassen. Das Mosaik ward 
zuerst bekannt gemacht in den Picturae antiquae 
cryptarum . . . delineaiae a Petro Sancti Bartoli . . 
illustratae a Joh. Petro Bellorio et M. A. Causseo, 



Romae r/jo Appendix II Taf. XI. Die Heraus- 
geber sahen in dem Mosaik eine Prligelscene 
am Ende eines Gelages, die richtige Deutung 
fand Gherardo Ghirardini {Annali delV Inst. 1879 
p. 66 Tav. G). Die Versuche älterer Archäologen, 
etliche griechische Vasenbilder auf den indischen 
Feldzug des Bacchus zu beziehen, sind von 
Ghirardini mit Recht zurückgewiesen worden. 



198 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 





Fig. 2. 



Fig- 3- 



eine Mänade, beide mit einem Pedum bewaffnet '^ auf zwei Inder ein, von denen 
der eine bereits zu Boden gesunken ist. Das Mosaik ist eine späte geringwertige 
Arbeit und nach seiner Auffindung im vorigen Jahrhundert ist es offenbar stark 
restauriert worden. Alte und neue Teile lassen sich nicht genau sondern und das 
Monument ist daher für unsere Untersuchung nur mit Vorsicht zu gebrauchen, immer- 
hin aber werden einige Einzelheiten heranzuziehen sein zum Vergleich mit den 
Bildern der Inder, die im Folgenden nachgewiesen werden sollen. 

Die Stiftsbibliothek von St. Gallen besitzt zwei, leider stark beschädigte 
Elfenbeinplatten gleicher Gröfse (9 x15 cm, Fig. 2, 3), die einem Antiphonarium 
S. Gregorii zum Schmuck dienen'*. Dessen Vorderdeckel, eine kräftige Holztafel, 
ist ringsum besetzt mit schmalen Knochenstreifen, deren durchbrochene Ornamente 



'^ Das Pedum in der Hand des Satyrs ist deutlich, 
ob der hakenförmige Gegenstand in der Rechten 
der Mänade ebenfalls ein Pedum sein soll, ist 
nicht sicher. Vielleicht ist hier der vom Restau- 
rator mifsverstandene Rest eines Thyrsosstabes 
zu erkennen, der die geeignetste Waffe für eine 
Mänade wäre. Die Bewegung der Figur erweckt 



den Eindruck, als wenn sie mit dem Gegenstand 
in ihrer Rechten den am Boden liegenden Gegner 
stofsen wolle, und spricht dafür, dafs ihre ur- 
sprüngliche Waffe der Thyrsosstab war. 
'*) Cod. Nr. 359. Siehe G. Scherer, Verzeichnis 
der Handschriften der Stiftsbibliothek von 
St. Gallen, Halle 1875 P- »24. 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. igg 

das darunter liegende vergoldete Kupferblech durchschimmern lassen. Die Mittel- 
fläche des Deckels ist vertieft, um darin die beiden Elfenbeinplatten einzulassen. 
Die Bordüre ist gleichzeitig mit der Handschrift im 9, Jahrhundert entstanden, die 
Reliefs sind ein Erzeugnis der spätantiken Kunst, aus dem 3. Jahrhundert. Es ist 
wahrscheinlich, dafs sie ehemals zu einem Kästchen gehört haben, das noch mehrere 
gleichartige Platten besafs; jedenfalls haben die beiden erhaltenen Platten ursprüng- 
lich nicht, wie es jetzt an dem Buchdeckel der Fall ist, über einander gesessen", 
sondern nebeneinander in der Anordnung, die unsere Abbildung bietet. Ein hori- 
zontales Ornamentband mit Fischgrätenmuster teilt die Platten beide in zwei Felder, 
drei der Felder enthalten je ein Kämpferpaar, in dem vierten werden zwei Ge- 
fangene, denen die Hände auf den Rücken gebunden sind, von ihren Über\vindern 
abgeführt. Westwood '^ sah in den Reliefs Kampfszenen zwischen Kriegern und 
Amazonen, Rahn'^ erklärte den Inhalt der Bilder für völlig rätselhaft. Dafs die- 
selben Kampfszenen zwischen Indern und Mitgliedern des bacchischen Thiasos dar- 
stellen, läfst sich leicht darthun. 

»Mänaden und Satyrn bildeten das Heer, das Dionysos gegen die Inder 
ins Feld führte, Thyrsosstäbe dienten ihnen als Waffe. Den Indem schienen diese 
Feinde im höchsten Grade verächtlich, sie hielten es für schimpflich, ihnen ent- 
gegenzutreten, wehrlose Frauen und nackte Tänzer zu töten. Als Dionysos jedoch vor- 
rückte, Felder j Städte und Wälder mit Feuer zerstörend, zogen die Inder wohlge- 
rüstet aus zur Schlacht mitsamt ihren betürmten Elephanten. Da geschah das 
Unglaubliche. Kaum gaben im Heer des Dionysos die Tympana und Kymbala 
das Zeichen zum Angriff, als sich die stolzen Inder nebst ihren Elephanten zur 
schmachvollen Flucht wandten und nicht wagten, in Schufsweite zu bleiben, doch 
sie wurden eingeholt, überwältigt und zu Gefangenen gemacht.« So die Erzählung 
Lukians im Dionysos. 

Mänaden und Satyrn bilden auch auf unseren ReHefs die eine Partei der 
Kämpfenden, sie kommen in den beiden oberen Feldern von links heran, während sie in 
den unteren die Feinde von rechts nach links treiben. In der ersten Szene (Fig. 2) 
stürmt eine Mänade in gegürtetem Chiton gegen einen Feind, der sich mit dem 
Schilde deckt, sie sucht den Schild mit dem Thyrsos zur Seite zu stofsen und 
greift mit der anderen Hand an das Haupt des Gegners, unbekümmert um die er- 
hobene Lanze, die ihren unbeschützten Körper bedroht. Ist das gottbegeisterte 
Wesen für menschliche Waffen unverwundbar zu denken? Die nächste Szene spricht 
dafür. Hier ist der Angreifer ein nackter Satyr, dessen ganze Ausrüstung in einem 
kurzen Stabe besteht**. Sein Gegenüber hält in der Linken einen Bogen, erhebt 

•*) Das in Fig. 3 abgebildete Relief hat den oberen London 1876 p. 4 Nr. 14. 

Platz bekommen, ein Bild des ganzen Deckels '^ Geschichte der bildenden Künste in der Schweiz 
bietet ein Lichtdruck des Photographen C.Bischof p. Iiof. 

in St. Gallen, der für 2 Frs. käuflich ist. Ein '*) Im Original, auf das die Reliefs in St. Gallen 
Abgufs des Deckels befindet sich im South zurückgehen, hat voraussichtlich der Satyr statt 

Kensington Museum. des geraden Stabes einen gekrümmten, das Pedum, 

^*) FktiU tvorits in tfu Sffuth Kiensington Museum, gehabt wie sein Genosse im Mosaik (Fig. l). 



200 Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 

die Rechte und beugt den Kopf zurück, in dem Gesicht ist trotz des schlechten 
Erhaltungszustandes deutlich Erstaunen und Schrecken zu lesen. Die ganze Be- 
wegung des Mannes drückt sein Entsetzen darüber aus, dafs der abgeschossene Pfeil 
wirkungslos geblieben ist, am Körper seines Feindes abgeprallt ist. Hier wird an 
den Mänaden und Satyrn dasselbe Wunder von Bacchus gewirkt wie an den 
schwärmenden Begleiterinnen der Agaue, die von der thebanischen Landbevölkerung 
angegriffen werden. Von diesem Vorgang berichtet in des Euripides Bakchen der 
Bote dem Pentheus. Vers 758 ff. 

0" (Br^ßaiot) 0' öp7^? OTTO 

s?? ottX' £}(a)pouv cpepo[X£voi Bax)((ov uno. 

ouTTsp xo Ssivov ^v Osaji.' tosiv, ävaz. 

tot; }JL£V -yap ou}( Tßfxaaas Xo'C/mxov ßsXo?, 

xsTvai Se Oupaou? eSavteicjai j(^p«)V 

ixpaufjLaxtC^v xaTrevwxiCov cpu-;-^ 

yuvaixs? avopctc, oux avsu Oööiv xtvo?. 

Die Flucht der Inder analog der Flucht der Thebaner stellt das untere 
Feld der Elfenbeintafel dar, aber auch in dem oberen hat sich der Hund 
bereits zur Flucht gewandt. Er ist durch das Halsband als gezähmtes Tier 
charakterisiert und gehört zu der Rasse grofser Jagdhunde, die heute noch in 
Indien gezähmt und wild zu finden sind und den Windhunden ähnlich genannt werden '^ 
Sie sind sicher Abkömmlinge der im Altertum hochberühmten starken indischen 
Hunde, die sowohl in Indien selbst als auch im Auslande als Jagdhunde geschätzt 
und sogar auf Löwen gehetzt werden konnten""'". Hier hat das Tier zur Jagd auf 
die verachteten Feinde dienen sollen, aber es hat sich umgekehrt und wird durch 
einen Fufstritt des Satyrs fortgescheucht. Es ist ein feiner Zug der Komposition, 
dafs, während der Mensch noch Widerstand leisten will, der Hund schon die Flucht 
ergriffen hat, das Tier mit seinem scharfen Spürsinn merkt die Nähe der Gottheit 
eher als der Gebieter, wofür Bileams Esel das klassische Beispiel bildet. 

Die Mänade, die den flüchtenden Inder verfolgt, hat ihren Thyrsosstab, den 
sie als Waffe nicht mehr gebraucht, geschultert, um durch ihn nicht im Laufen be- 
hindert zu sein. Jetzt hat sie den Feind erreicht und legt die Rechte auf seinen 
Schildrand. Entsetzt blickt sich der Inder um, der das gezückte Schwert zwar in 
der Rechten hält, aber bereits weifs, dafs er seiner Gegnerin nichts damit anhaben 
kann und dafs er sich gefangen geben mufs. 

Besondere Beachtung verdient die Form des Schwertes, das einen ungemein 
langen Griff hat und eine kurze verhältnismäfsig breite Klinge. Herr Prof. Grün- 
wedel am Berliner Museum für Völkerkunde, der mir mit seiner ausgezeichneten 
Kenntnis indischer Altertümer über manche Einzelheit Ajufklärung gegeben hat, 

'^) Siehe die Abbildung und Beschreibung von W. '^'^) Ctesias Ind. cap. V: uept täv xuväv tü)v MvSt- 
H. Sykes in Transactions of the Royal Asiatic x&v, oxi {A^ytaxof efaiv, ui; xal X^ov-t ficty^eaSat. 

Society III p. 405 ff. Andere Zeugnisse sind angeführt von Baehr, 

Ctesiae Cnidii operum reliquiae p. 272!. 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 



20 1 



schreibt mir über das Schwert: »Wie vieles Altindische heute durch Neu- 
bildungen oder durch den Islam aus Indien weggefegt und nur durch 
Kolonisten verschleppt am Rande des altindischen Kulturkreises in Hinter- 
indien und dem indischen Archipel weiterlebt, so findet sich neben der 
altindischen Bügelharfe dieses Schwert in Birma noch vor, wo es bei 
religiösen Aufführungen, Prozessionen (nicht aber als wirkliche Waffe) 
eine Rolle spielt. Unser Museum besitzt ein solches (neues) Stück 
(Fig. 4)-'. Der einmal eingeführte Name ist THAN-YET, eine ungenaue 
Wiedergabe des birmanischen Wortes, welches in voller Orthographie 
SAN-LYAK geschrieben wird.« 

Unerklärlich ist mir der Gegenstand, der zwischen den Füfsen der 
Maenade am Boden liegt, halbkugelförmig mit einem hochragenden 
Streifen. Ist es eine der Kymbeln, die gedient haben, zum Kampfe 
anzufeuern? Einige Rillen, die in die Oberfläche eingeschnitten sind, 
geben dem Gegenstande eher das Aussehen eines Korbes. 

In dem letzten Felde ist die Fortführung zweier Inder dargestellt, 
die gefangen genommen und gefesselt worden sind. Den einen treibt 
eine Mänade vor sich her, der Führer des anderen Inders ist ein Mann 
von auffallendem Äufseren. Der weit geöffnete Mund, der Haarwulst 
über der Stirn legen die Vermutung nahe, dafs die Figur eine komische 
Maske trägt, auch das Kostüm erinnert an die Bühne, denn die ein- 
gebohrten Löcher längs des linken Beines zeigen an, dafs der Mann 
Beinkleider trägt. Ich weifs dies Mitglied des Thiasos nicht zu benennen. Die 
Figur kehrt wieder auf zwei anderen Bildwerken, die ebenfalls den Kampf des 
Bacchus gegen die Inder darstellen, nämlich auf zwei elfenbeinernen Pyxiden, deren 
eine dem k. k. Museum in Wien gehört*-, deren andere im Besitz des Freiherrn 
von Oppenheim in Köln ist*^. Obgleich die beiden Werke überaus wichtig sind für 
die Rekonstruktion des Originals, von dem auch die ReHefs in St. Gallen abhängen, 
mufs ich mir hier versagen, die Darstellungen der Pyxiden näher zu besprechen'*, 
da die Inder dort durch die grofse Ungeschicklichkeit der Verfertiger alles 
Charakteristische eingebüfst haben. Die Reliefs in St. Gallen dagegen haben für 
die Untersuchung über die antiken Typen der Inder grundlegende Bedeutung. 

Sämtliche Inder auf den beiden Platten tragen ein dünnes durchsichtiges 



Fig. 4. 



2') Vgl. die Verhandlungen der Berliner Gesellschaft 
für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte 
1896 p. 38, wo Hr. Fritz Noetling über die Er- 
werbung des Berliner Exemplars in Mandalay 
berichtet und weitere Beispiele des »Thanyet« 
abbildet. 

-"-') Abbildung der Pyxis und ihres aufgerollten 
Reliefs in Mitteilungen der Central-Comniission 
zur Erforschung der Baudenkmale. Neue Folge II 
1876 Taf, zu p. 43. 



2^) Von dieser Pyxis, die ehemals in der Sammlung 
Possenti war, ist eine Photographie veröflfentlicht 
im Caialogue d'objets d'art et de curiosite fonnant 
la coUection de feu M. le conite Girolamo Possenti 
de Fabriano (Vente. Jeudi ler Avril 1880 a 
Florence) Nr. 17. 

24) Eine Veröffentlichung der beiden Pyxiden wird 
in den Jahresheften des Österreich. Archiiol. 
Instituts erfolgen. 



202 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 



Gewand, das bis an die Knöchel herabreicht, doch durch die heftigen Bewegungen, 
die einige der Figuren machen, tritt bei ihnen das eine Bein nackt aus dem Gewände 
hervor. Die Anordnung des Gewandes in seinen oberen Teilen ist dank dem 
schlechten Erhaltungszustand des Reliefs nicht ohne weiteres klar, wir werden später 
darauf zurückkommen müssen. Aufser dem allen gemeinsamen Gewände hat der 
vordere der Gefangenen noch ein besonderes Kleidungsstück, das auf dem Rücken 
in der Form eines ausgezackten Dreiecks aufliegt. Da Herodot 
von den Äthiopen des Ostens berichtet*', dafs sie sich Kranich- 
bälge anstatt der Schilde vorhielten und Strabo von einem 
Stamme der afrikanischen Äthiopen ^^ erzählt, dafs sie Straufsen- 
bälge als Lager und als Kleidung verwendet hätten, wäre es 
bei der im Altertume gewöhnlichen Vermischung der Inder und 
Äthiopen nicht ausgeschlossen, dafs der Künstler hier auf dem 
Rücken des Gefangenen einen derartigen Vogelbalg gebildet 
hätte. Prof. Grünwedel suppliert mir indefs eine andere Er- 
klärung, indem er mich auf die mehr oder weniger gezackten 
und verzierten Halskragen indischer Bildwerke hinweist. Z. B. 
trägt auf dem Relief eines indoskythischen Königs, dessen 
Abgufs in Wien und Berlin existiert, einer der Diener (Fig. 5) 
einen derartigen Kragen. Solche Kragen bilden heute noch in 
Siam, Java und Tibet auf dem Theater einen integrierenden 
Teil des königlichen Schmuckes. Es ist daher möglich, dafs 
auf dem Elfenbeinrelief der damit ausgestattete Gefangene als 
indischer König hat charakterisiert werden sollen. 

Die Gesichter der Inder sind sämtlich unbärtig, bei 
den meisten können wir an den Wangen eine oder zwei kurze 
Locken beobachten und auf dem Haupt einen gleich zwei kurzen Hörnern auf- 
ragenden Schmuck. Nur die Gefangenen entbehren desselben, er scheint ihnen bei 
der Gefangennahme entrissen zu sein, sehen wir doch, wie die Mänade im oberen 
Felde der i. Tafel (Fig. 2) ihre Hand nach dem Kopf des Gegners ausstreckt. 

Mit Hilfe der aus den Reliefs in St. Gallen gewonnenen Charakteristika 
können wir nunmehr auch auf zwei anderen antiken Denkmälern Darstellungen der 
Inder konstatieren. Das eine derselben ist eine Silberschüssel des Kaiserl. Ottoman. 
Museums in Konstantinopel", dessen Verwaltung mir gütigst die unserer Abbildung 
(Fig. 6) zu Grunde liegende Photographie anfertigen liefs. Auch an dieser Stelle 
möchte ich ihr dafür meinen aufrichtigen Dank aussprechen, ebenso Herrn Dr. Wulff, 
derzeit in Konstantinopel, der mir die Photographie vermittelte und mir manche wert- 
volle Angaben über das Original machte. Es ward gefunden zu Lampsacus in einem 




Fig. 5- 



25^ VII 70 ol Ix T^c 'Aa^Tj? A{0(one; . . . TrpoßXVjfxaTa IXacpwv Ijfovxes . . . dit.7tiy O'vzai 5e -/ai ÜTroatopvuvxat 

81 dvT* daTTtStuv l;rot£ÜvTo yspctviuv hopdz. xct SspfAaTa tküt«. 

^^) XVI II p. 772 'TTC^pxstxat 8e toütüjv edvo; o-i ^^) Salomon Reinach, Catalogue du Musee Impirial 

{j.^YO Stpou&offdytuv, Trap' ofs opVEij eW iaIye^os a Constantinople p. 67 Nr. 621. 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 



203 



Keller zusammen mit mehreren silbernen Löffeln, die durch ihre Inschrift ATIOY 
r€u)PriOY bekunden, dafs die Silbersachen dem Schatz einer Kirche angehörten'^'. 
Von der Schale ward eine farbige aber sehr ungenaue Abbildung publiciert", es 




/ 



Fig. 6. 

wäre wünschenswert, dafs eine neue exakte angefertigt würde, da die Photographie 
die feinen Randornamente nicht wiederzugeben vermochte und da ein Hauptreiz 
dieser Schale in der Farbengebung liegt. 



■■'*) über Silbergerät mit profanen Darstellungen in 
Kirchenschätzen vgl. meine Zusammenstellungen 
im Jahrbuch der kunsthistor. Sammlungen des 
allerhöchsten Kaiserhauses XX 1899 p. 5 f. 
Jahrbuch des archäologischen Instituts XV. 



29) Gazette arcJüologique III 1877 Taf. 19, dazu 
p. 119, 215. Nach der Abbildung dort ist die 
noch ungenauere gefertigt, die Duruy seiner 
zweiten Auflage der Histoire des Romains III 

18 



204 Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 

Der äufsere Rand ist vergoldet und ebenso der erhöhte Rand, der das 
eigentliche Bildfeld umzieht, der Streifen zwischen beiden Rändern wird durch vier 
aufgelötete runde Goldplättchen in vier Teile zerlegt. Jeder Teil zeigt von den 
anderen abweichende Ornamente, die eingraviert und mit Niello gefüllt waren, aber 
sehr abgerieben sind. Wie Herr Dr. Wulff beobachtet hat und wie die Proben, die 
er mir gezeichnet hat, beweisen, haben die Ornamente Teppichstil und werden da- 
her von Bedeutung sein für die Erforschung byzantinischer Textilindustrie. Die 
aufgelöteten vier Goldplättchen, in deren jede ein Profilkopf eingraviert ist mit 
ringsum laufenden kleinen Strichen, sind ein billiger Ersatz für Goldmünzen, die 
man in die Ränder von Schalen einzulassen pflegte"". Vergoldet sind ferner alle 
Tiere mit Ausnahme des Perlhuhns, bei dem nur Kopf und Beine vergoldet sind. 
Der Körper ist mit schwarzer Emailmasse bedeckt, in die weifse Tüpfelchen ein- 
gelegt sind, wodurch eine sehr naturgetreue Wiedergabe des Vogels erzielt ist. 
Schwarz sind auch die nackten Teile der menschlichen Figuren. An den Armen 
der Hauptfigur ist die Emailmasse hier und dort, abgesprungen, so dafs man das 
darunter liegende Silberrelief sieht, dessen Oberfläche gerauht ist, damit das Email 
besser darauf haften konnte. Vergoldet sind wiederum die Gewänder, die Sandalen 
und Sandalenbänder, der Kopfschmuck und die Ringe, die bei allen Figuren die 
Arme umgeben, bei der Hauptfigur auch Hals und Ohren zieren. Vergoldet ist 
schiefslich ihr Sitz und ihr Bogen. Dies Attribut in der Hand einer weiblichen 
Figur veranlafste die Deutung als »asiatische Artemis«, welche alle Erklärer bisher 
festgehalten haben. 

Auch ohne die Indizien, die uns jetzt die Elfenbeinreliefs geben, hätte die 
richtige Erklärung der Schale gefunden werden müssen auf Grund der auf ihr dar- 
gestellten Tierwelt. Der Papagei ist der spezifisch indische VogeP'. Das Perlhuhn 
ist zwar eigentlich in Afrika zu Hause'^ aber die Alten verlegten seine Heimat oft 
in den Osten. Sophokles" erzählt in seinem Drama Meleager, dafs noch jenseits 
von Indien die in Perlhühner verwandelten Schwestern des Heros beständig den 
Tod des Bruders beweinen und dafs aus ihren Thränen der Bernstein entstehe. 
Diodor'* verbindet gerade Perlhühner und Papageien und giebt als ihre gemeinsame 

einverleibt hat. Odobescos Buch, Tresor de Cs'^at, ■'«al opvt&es ol J^iTtaxot. Andere Angaben 
Petrossa, das, wie mir S. Reinach freundlichst mit- griechischer Autoren über den Papagei sind zu- 
teilt, eine Publikation der Schale nach einer Photo- sammengestelltvonD'ArcyWentworth Thompson, 
graphie enthält, ist nicht zur Ausgabe gelangt. A glossary of Greek birds, Oxford 1895 p. 198 f. 

30) Das bekannteste Beispiel dieser Art der Ver- ^2) Hehn, Kulturpflanzen und Haustiere^ p. 352 fl'. 

zierung bietet die Goldschale aus Rennes, Vgl. Thompson a. a. O. p. ii4ff. Darstellungen 

Babelon, Le Cabinet des antiques a la bibliotheque von Perlhühnern kommen mehrfach vor auf 

Nationale Taf. VII; derselbe, Guide illustre au Stoffen, die koptischen Gräbern entstammen. 

Cabinet des viedailles p. 184. Vgl. die Silber- Vgl. Riegl, Die ägyptischen Textilfunde im 

schale aus Rumänien, Gazette archeologique XII k. k. österreichischen Museum, Wien 1889 

1897 Taf. VIII. Nr. 408, 419 Taf. V. 

3') »Psittacus Eois itnitatrix avis ab Tndis« heifst der ^3) Nauck, Fragmenta tragicorum Graec? p. 219. 

Papagei bei Ovid Amor. II 6, i. Vgl. Pausa- ^) II 53, 2 al 0£ ttjC Supi'a; ^a/aTtot (Ixrp^cpo'j^t) 

nias II 28, I Ttapa 6' 'Ivoiüv {lovuiv <i'X),ot te xofJ.(- duTraxouc "/al Tropff'jpt'tuva; xat [AEXeczypiootC- 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 205 

Heimat das äufserste Syrien an, es lag daher für den bildenden Künstler nahe, eben 
dieselben beiden Vögel zur Charakterisierung Indiens zu verwenden. Es verdient 
noch bemerkt zu werden, dafs ein anderes Mosaik des Thermenmuseums in Rom ^\ 
welches dem Inderkampf (Fig. i) in Bezug auf Gröfse, Technik und Ornament vöUig 
entspricht, wahrscheinlich also denselben Fufsboden schmückte^'', ebenfalls zwei Perl- 
hühner zeigt. 

Die Tiere zu beiden Seiten des Thrones sind durch die bandförmigen Füfse 
deutlich als Affen gekennzeichnet, die Entscheidung, welcher Rasse sie angehören, 
mufs ich Kundigeren überlassen". Als Haustiere tragen sie ein Halsband, wie auf 
anderen antiken Monumenten'^. In Indien gehörten auch Affen zu den Geschenken, 
welche die Könige erhielten", vor allem aber brachte man ihnen nach dem Bericht 
des Aelian^" »gebändigte Tiger und gezähmte Panther« dar. Eine getreue Illustration 
zu dieser Notiz bietet der untere Abschnitt der Silberschale: das von rechts herbei- 
geführte Tier mit dem gewölbten Kopf und den Flecken auf dem Fell, die durch 
eingepunzte Kreise angegeben sind, ist ein Panther, sein Gegenüber mit dem 
flacheren langgestreckten Kopf ist der Tiger, das spezifisch indische Raubtier*'. 

Wie die Tierwelt, so stimmt auch die Darstellung der Menschen aufs beste 
überein mit den Nachrichten der alten Autoren über Indien. Dafs die Bewohner 
des Landes schwarz seien, war die allgemeine Ansicht des Altertums", genauere 
Schriftsteller machen einen Unterschied zwischen den nördlichen und südlichen 
Indern. Jene seien in der Farbe den Ägyptern gleich, diese den Äthiopen, hätten 
aber nicht deren Gesichtsbildung, noch deren krauses, wolliges Haar, weil Indien 
feuchter sei als Aethiopien". Auf dem Mosaik (Fig. i), das die Inder dunkelbraun 
gefärbt zeigt, hat der eine eine Stumpfnase, die nebst den aufgeworfenen Lippen 
Kennzeichen der aethiopischen Rasse ist, der Kopftypus der Inder auf der Silber- 
schale ist nicht verschieden von dem der Idealfiguren gleichzeitiger Denkmäler. 

Die eingehendste Beschreibung der indischen Tracht finden wir bei Curtius 
(VIII. 9. 21) Corpora usque ad pedes carbaso velant, soleis pedes, capita linteis vin- 

^^) Auch dies Mosaik befand sich ehemals im Museo irtS^vcou? Xeu-/o'J? xat fAeXavtatou; aXXou; xai 

Kii-cheriano. Siehe de Kuggier , Catalogo del to'jto'j; TrtOigxou;. 

Museo Kircher. I p. 271 Nr. 12. *'') Daselbst: Ko(J.{Cou(Ji 8^ apa T(u acpetipo) ßadiXet 

^^) Ghirardini a. a. O. p. 70 vermutet, dafs die oi 'Ivoot rtypt; 7re-ü)X2u,ii^vou; xal Tiftado'Jj 

beiden Mosaiken aus den von Boscowich 1741 TtavOr^pa?. 

veranstalteten Ausgrabungen stammen, die eine *') Über Panther und Tiger vgl. Keller a. a. O. 

oberhalb des Kasinos der Villa Rufinella gelegene p. 129 — 153. 

antike Villa aufdeckten. *^) Herodot III 10 1 tö xpöip.« cpopeouat öftotov TtavxE; 

-^) Wir mUfsten an dieser Stelle den semnopithecus y.al TtapajrXiQaiov Af&fod'i. Weitere Zeugnisse über 

entellus erwarten, der im alten Indien wie im die schwarze Farbe der Inder bei Bernhardy, 

heutigen freundlich behandelt ward und selbst Dionysios Periegetes p. 817 ad vers. im. 

als heilig galt. Siehe O. Keller, Tiere des '*3) Strabo XV p. 690 ttüv 8' ävSpwnwv ol (a^v 

klassischen Altertums p. 9 ff. p.e5Tj[xßpivol xot? Af&fo-Wv efoiv 0[AOiot -mxä t)jv 

^*) Vgl, z. B. Archäologische Zeitung XXXIX 1881 /poiav, xoxd 0^ x/jv oil^iv xal tt)v xpi/tuaiv xots 

p. 251. dfXXot« — ohh\ -jap ouXoxptxoüat bia xt)v öypd- 

39) /ie/ian Bist. anim. XV 14 xouOjatv . . . xal xrjxa xoO d^po; — ol hi ßcJpeioi xoi? AtyuTtxfoi«. 

18* 



2o6 Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 

ciunt. Carbasus bezeichnet im allgemeinen ein feines Gewebe; da es hier im Gegen- 
satz zu dem Leinen steht**, ist es als Baumwollenstoff aufzufassen**. 

Über die Art, wie das Gewand angelegt ward, lernen wir aus Curtius' 
Schilderung nichts weiter, als dafs es den Körper bis auf die Füfse verhülle, ge- 
nauere Angaben hat Arrian aus dem Bericht des Nearchos, des Admirals Alexanders 
geschöpft*". Nach ihm trugen die Inder einen baumwollenen Chiton, der bis zur 
Mitte der Wade herabreichte, und ein Tuch, das über die Schultern geworfen wurde. 
Unter dem Chiton ist wahrscheinlich nichts anderes zu verstehen als das Lendentuch, 
das noch heute in Indien gebräuchliche dhoti, das um die Hüften geschlungen wird 
und die Beine bis auf die Knöchel nach Art einer Hose verhüllt*^ Nur mit dem 
Lendentuch bekleidet sah Nicolaus Damascenus in Daphne bei Antiochia die Diener 
des indischen Königs Porös, die Geschenke ihres Herrn an Augustus überbrachten*^; 
auch der Philosoph Zarmanochegas, der jene Gesandtschaft begleitet hatte und sich 
hernach in Athen verbrannte, hatte bei der Besteigung des Scheiterhaufens keine 
andre Bekleidung als das Lendentuch*A Während der moderne Hindu dazu ge- 
wöhnlich eine Jacke trägt, haben auf älteren indischen Kunstwerken die Männer nur 
ein schälartiges Tuch, das in mannigfachen Formen um den Oberkörper geworfen 
ist*', entsprechend dem von Arrian an zweiter Stelle genannten Gewandstück. Wie 
Grünwedel*' bemerkt, wird in den Beschreibungen festlicher Aufzüge, die die heiligen 
Texte enthalten, stets das Tschelukkhepa, das Wehen mit dem Kleide, d. h. Oberkleide, 
erwähnt. Diese Beschreibung pafst auch auf die kleinen Gestalten der Silberschale, wir 
sehen deutlich, wie das Untergewand um die Hüften geknotet ist, wie das Obergewand, 
das der eine über die linke, der andere über die rechte Schulter geworfen hat, im 
Rücken bogenförmig sich wölbt. Ebenso flattern in den oberen Feldern der Elfen- 
beinreliefs die Zipfel des Obergewandes frei nach hinten und auch bei diesen 
Figuren ist die Gürtung des Untergewandes nicht zu verkennen. Unklarheit herrscht 
dagegen bei der Hauptfigur der Silberschale und dem en face gestellten Inder des 
Elfenbeinreliefs (Fig. 3), beiderwärts ist weder die Gürtung des Untergewandes klar 
zum Ausdruck gebracht, noch ist das den Oberkörper bis auf die rechte Schulter 
verhüllende Gewand von dem Lendentuch deutlich geschieden. Auch bei dem 
kämpfenden Inder des Mosaiks (Fig. i) ist dies versäumt, sein Kostüm gleicht einer 
gegürteten Exomis, die ihres gezackten Randes wegen von dem letzten Herausgeber 

^^) Ebenso scheidet Strabo XV p. 719 zwischen ■*') Siehe Grünwedel, Buddhistische Kunst in Indien 2 
atvSdai und -/apirctaoi;. Siehe über diese Stelle (Handbücher der kgl. Museen zu Berlin). Berlin 

unten Anm. 53. 1900 p. 37. 

^^) Baumwolle wird allgemein von den alten Autoren *8) Strabo XV p. 719 t« h\ xofjiia&^VTa oöipa irpoa- 
als Stoff der indischen Kleidung bezeichnet. eveyxetv öxtco otvcixa? YU{xvoüs, Iv repiCtuf^aSi 

Siehe z. B. Herodot (oben Anm. i). Arrian, -/.axaTTETiaafxivou; (ipu)[j.aatv. 

Ind. XVI I 'EaSfjTt 5e 'IvSoi Xiv^tj j^plovrot <9) Strabo XV p. 720 äX^aSat y^H^'^öv Xte' dXrjXtpi- 
xaTOiTip X^yei N^otp/o;, Xt'vou toü dTO tcüv o^vSpetov. fx^vov Iv reptCwpaxi £7tl ttjv Tcupdv. 

*'') Ind. XVI 2 *EaTt Se xiDwv Xi'veo; auxoT; late ^*') Siehe z. B. die indische Königsfigur, Archäol. 
irX (jiäarjv ttjv xvVjiatjV, zk^i Se to [liv rept xocstv Zeit. XXXIII 1875 ^^^f* ^^• 

«ji)(j.oiat TrcpißißXrjfx^vov, xö 5e Tiepi xr^ot -/.ecpaXrJstv ^') Grünwedel a. a. O. 
eiXtypidvov. 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 207 

für ein Fell gehalten ward. Der gefallene Gefährte trägt auf der Brust nur einen 
schmalen schalartigen Streifen, und das Lendentuch, das aber sehr kurz ist, während 
es auf der Schale und den Elfenbeinreliefs in Übereinstimmung mit der Angabe des 
Curtius bis zu den Knöcheln reicht. 

Auf der Silberschale ist sowohl bei der Hauptfigur als auch bei dem Führer 
des Tigers eine Musterung des Gewandes angedeutet, dort sind sechsblättrige Blüten, 
hier sind Kreise eingraviert, nicht unähnlich den Flecken am Fell des Panthers. 
Die gefleckte Kleidung ward als eine Eigentümlichkeit der Inder betrachtet und die 
Griechen sahen darin eine Erinnerung an den Zug des Bacchus, dessen Begleiter 
gefleckte Felle getragen hätten *^ Strabo nennt die indischen Kleidungsstoff"e 
süavOsic. Wird das Wort durch »geblümt« übersetzt, so ist es die richtige Bezeichnung 
für einen Stoff", wie ihn die Hauptfigur der Silberschale trägt; Strabo selbst verstand 
das Wort anders, in der Bedeutung »buntfarbig«, die es ebenfalls haben kann. 
Daher schien ihm die Bezeichnung der indischen Gewänder als eüavOcT? im Gegen- 
satz zu stehen zur Angabe anderer Gewährsmänner, die das leuchtende Weifs der 
dortigen Kleidungsstoße rühmten*^. Wie noch im heutigen Indien waren sicher im 
Altertum die Gewandstoff'e weifs, aber mit bunten Farben, z. B. Rot und Gold^*, 
waren Blumen, Punkte und andere Muster eingewebt, aufgestickt oder aufgedruckt. 

Die Fufsbekleidungen der alten Inder wurden aus verschiedenen Stoff'en 
verfertigt: es werden uns Sandalen aus dem Bast der Byblosstaude" genannt und 
solche aus weifsem Leder mit reichem Schmuck und hohen Absätzen, um die 
Träger gröfser erscheinen zu lassen^*. Als der König Sopeithes vor Alexander 
erschien, um ihm seine Stadt zu übergeben, trug er goldene Sandalen mit Edel- 
steinen besetzt". Aus all diesen Notizen ersehen wir, dafs die Inder nicht nach 
Art vieler anderer Barbaren Schuhe trugen, die den ganzen Fufs verhüllten, sondern 
Sohlen, die untergebunden wurden, und mit solchen sind die drei Figuren der Silber- 
schale ausgestattet. 

Am Handgelenk und Oberarm tragen die drei Figuren Goldringe, deren die 
Schriftsteller Erwähnung thun", bei der grofsen Gestalt läfst sich erkennen, dafs 

5-') Arrian Ind. V 9 Atovicou . . . [^.VT)[xa 06 cpaüXov ^^) Philostrat Vita Apollon. II 20 elvat xotj fiexä 
TTj; aTpaxTjXaaiVji . . . xat £(j8fj; aÜToIai xaTCtaxizTo; xov 'Ivoov . . . ÜTroS^fxaxa ß'jßXou. 

loüaa, xaDctxep toü Aioviaou xolai ßaxyoKJiv. ^^) Arrian Ind. XVI 5 'Y;ro8rj[Aotxa oi Xeuxoü ospaaxoc 

^') Strabo XV p. 719 to; 0' efetv, 'Iv8ou; ^a&TJxi «pop^o-jot, Trepiaaüi; xal xaijxa ^jCtxTjijiva • xil xä 

Xeux^ jrp^adat xal atvSdat Xeuxaij xal xapTra'soi;, t^vea xüiv uTioSirjiAdxtov -otxfXa xal ü'^TjXdt xoü 

ÜTtevavxi'u); xot; eiTioüatv eiavS^atoxa aüxo'j; ä|X7i^- (A^C'^va? cpat'v£a9ai. 

yts^oii cpopi^[Aaxa. Die Notiz über die s-javOr); *^) Curtius IX i. 29 aureis soleis inseruerat gemmas. 
axoXrj der Inder hatte Strabo am Anfange des Vgl. die oben p. 205 angeführte Curtiusstelle. 

Buches p. 688 gebracht, es ist dieselbe Notiz, ^^) Curtius VIII 9. 21 brachia quoque et lacertos 
die Arrian an der Anm. 52 citierten Stelle auro colunt, quibus inter populäres aut nobilitas 

benutzt. Dort ist das Wort EÜavJ^rj; durch das aut opes eminent; IX i. 29 in der Beschreibung 

unzweideutige xaxaaxixxo; ersetzt. - des Sopeithes: lacerti quoque et brachia margaritis 

5*) Curtius IX I, 29 Vestis (des Königs Sopeithes) ornata erant. Vgl. Strabo XV p. 712 und die 

erat auro purpuraque distincta, quae etiam crura indischen Bildwerke: Arch. Zeit. XXXIII 1875 

velabat; 1X6, 12 //»i?a^ z/«/"« (einer Gesandtschaft) Taf. II, GrUnwedel a.a.O. p. 36, 127, 165. 

intexto auro purpuraque distinctae, cf. VIII. 9. 24. 



2o8 Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 

um das Handgelenk ein schlichter Reif liegt, um den Oberarm ein breiteres Band. 
Ihre Ohrringe stehen nicht ganz in Einklang mit der Schilderung Curtius', der Edel- 
steine als Ohrschmuck erwähnt*^, aber Arrian berichtet^", dafs die reichen Inder 
Ohrgehänge aus Elfenbein trugen und für dies Material ist die Ringform die natür- 
lichste. Der Silberarbeiter aber mufste einen Gegenstand aus Elfenbein durch Gold 
wiedergeben ebenso wie er die Sesselbeine aus diesem Stoffe herstellte, die offen- 
bar Elephantenzähne darstellen sollen. 

Halsschmuck der indischen Männer wird von antiken Schriftstellern nicht 
erwähnt, wohl aber hören wir von den Halsketten indischer Frauen. Als die jüngere 
Witwe des Ktesias, von der uns Diodor erzählt, sich nach indischer Sitte mit dem 
toten Gemahl verbrennen lassen wollte, hatte sie sich gleich wie zur Hochzeit reich 
geputzt, verteilte aber vor der Besteigung des Scheiterhaufens ihr Geschmeide unter 
ihre Angehörigen und Dienerinnen. Sie trug eine grofse Zahl von Halsbändern, 
deren eines stets etwas weiter war als das andere". Danach könnte es scheinen, 
als ob die weibliche Hauptfigur der Schale einen spezifisch weiblichen Schmuck- 
gegenstand hätte, aber indische Skulpturen, speziell Königsdarstellungen^^ zeigen 
uns, dafs Halsketten auch zum männlichen Schmuck gehörten. 

Von der besonderen Pflege, welche die alten Inder auf Haar und Bart ver- 
wandten, wissen die alten Autoren viel zu berichten. Könige erteilten Audienz, 
und sprachen Recht, während ihnen das Haar gekämmt nnd geschmückt wurde®'; 
man kann diesen Toiletteakt dem Lever am französischen Hofe vergleichen. Die 
Haarwäsche des Königs gar gab Veranlassung zu grofsen Festen, bei denen Ge- 
schenke ausgeteilt und feierliche Aufzüge veranstaltet wurden'^*. Auffallend ist, dafs 
die beiden Diener auf der Silberschale und ebenso die Inder der Elfenbeintafeln 
sämtlich bartlos sind, während von den Schriftstellern hervorgehoben wird, dafs die 
Inder den Bart wachsen liefsen" und ihn auch zu färben liebten®^ Es ist dies der 
einzige Punkt, wo die litterarischen Zeugnisse und die Kunstwerke nicht zusammen- 
gehen®^ die Haartracht dagegen ist ganz in Übereinstimmung mit der Beschreibung, 

^^ VIII 9. 21 lapilli ex auribus fendent; IX i. 30 tondent; nientum setnper intonsum est. Vgl. 

Pendebant ex auribus (Sophitis) insignes candore Anm. 68. 

et magnitudine lapillL Gold nennt Strabo XV ^^) Arrian Ind. XVI 4 Toui h\ utuYtovac Xe^et Ni- 

p. 712 als Ohrschmuck der alten Brahmanen. ^ip'/os o'^' ßctTTTOviai 'Ivoof, XpotTjv o4 Ott äXXrjv 

^0) Ind. XVI 3 Ivtutta 'Iv5oi cpopEouatv ^X^cpav-oj, xat ctXXrjv. 

oaot xapta eüSafjxovE;. ^^) Es ist dabei in Betracht zu ziehen, dafs die 

ß') Diodor XIX 34 ö ol xoa[i.o; r^v Tiepi [xsv xdi alten Autoren als allgemein indische Gewohn- 

/Etpa; oaxT'jXt'cav ttX^So; . . . Tiept oe tov Tpa)^TjXov heilen das berichten, was offenbar nur bei 

op[i.tov tiXtjÖos T(üv |jLev iXaxTo'vtuv, xtüv S' bt. xoü einzelnen Völkern des grofsen Reiches beobachtet 

xox dXt'Yov dei xa&' ür^p&eaiv fi.etCo'^tuv. war. Daher ist es möglich, dafs der Schöpfer 

^2) Vgl. die Anm. 58 genannten Bildwerke. der Kunstwerke, von denen die uns erhaltenen 

*^) Curtius VIII 9. 27 Regia adeuntibus patet, quum Inderdarstellungen abhängen, ein indisches Volk 

capillum pectit atque ornat. . gekannt hat, das die Sitte hatte, sich zu rasieren. 

^) Strabo XV p. 718 öxav oe ßaaiXeu; Xoüt] xtjv In der indischen Kunst sind, wie Prof. Grün- 

xpr/a, |i.eydXT)v sopXTjv dyouat xal [AgydXa ööJpa wedel mich belehrt, bärtige Figuren äufserst 

7:£(Ji.7:o'jai. selten, häufig ist bei Kriegern, Königen u. s. w. 

^) Curtius VIII 9.22 Capillum pectunt sa£pius quam der Schnurrbart. Der Vollbart (mit langem 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 



209 



die Strabo giebt®^: sie lassen das Haupthaar wachsen, flechten es und umwinden es 
mit Binden*^ Erst die Schale liefert ein anschauliches Bild von der beschriebenen 
Frisur; wir sehen das ganze Haar in kleine Flechten geteilt, vorn treten sie eben 
auf die Stirn vor und werden neben den Ohren staffeiförmig länger". Als Binde 
dient ein Tuch, das, turbanartig umgeschlungen, den oberen Teil des Kopfes ganz 
bedeckt und rings einen Wulst bildet. Auf den abgeriebenen Elfenbeinreliefs ist 
diese Kopfbedeckung nicht mehr erkennbar, wohl aber bei dem kämpfenden Inder 
des Mosaiks (Fig. i). An seinem Kopf bemerken wir rechts drei kleine Federn ent- 
sprechend dem kurzen Federbusch, der heute noch mit einer Edelsteinagraffe am 
Turban vornehmer Inder befestigt zu werden pflegt und auch früher daselbst in 
Mode war, wie einheimische Bildwerke bezeugen''. Schwer ist es, die Natur des 
doppelten Schmucks zu bestimmen, der auf der Schale und auf den Reliefs über 
den Schläfen der Inder zwei Hörnern gleich aufragt. Auch die Hauptfigur der 
Schale läfst uns hier im Stich. Es ist wahrscheinlich, dafs der Silberschmied, der 
seine Figur sicher nicht nach der Natur schuf, sondern nach Vorlagen arbeitete, 
dies Detail selbst nicht richtig verstanden hat. Ich mufs es den Indologen über- 
lassen, zu prüfen, ob aus indischen Denkmälern oder litterarischen Quellen zu eruieren 
ist, dafs ein indisches Volk, dessen Bekanntschaft die Alten gehabt haben können, 
einen derartigen Kopfschmuck getragen hat, über den griechische und römische 
Schriftsteller nichts berichten". 



geflochtenem Haar) ist immer Abzeichen brah- 
manischer Asketen. 

^8) XV p. 719 "/o|i.äv oe xat TrtoYWVotpo^etv Tcavta?, 
ävanXexouivo'JS Se (juxpoüadai xd; xdfjia;. 

*') Vgl. Arrian Ind. VII 9 xoti xojjiäv 'Ivoou; xijj öeuJ 
(Atoviau)) fjttxpTjCpop^eiv ; oben Anm. 46. 

^0) Dieselbe Anordnung der Haare zeigen auch 
antike Darstellungen der Libyer, Ägypter und 
Äthiopen. (Siehe unten Anm. 91; Graeven, 
Römische Quartalschrift XIII 1899 p. 119; Lucas 
in dieser Zeitschrift oben p. 38 ff.) Die von 
Lucas daselbst p. 13 Fig. 14 publizierte Figur, 
deren Haare in kurze gedrehte Locken angeordnet 
sind und die von ihm als Numidia gedeutet 
wird, stimmt in Tracht und Frisur auffallend 
Ubcrein mit den von mir in der Rom. Quartal- 
schrift publizierten Bildern der Bewohner der 
Kyrenaika. Noch bei einer zweiten der von 
Lucas publizierten Frauen hat die Haartracht 
eine gewisse Ähnlichkeit mit der der Inder. 
Die Fig. 9 pag. 10 dargestellte hat ein Diadem 
auf dem Kopfe, unter dem die kurzen gedrehten 
Locken hervorkommen. Die Tracht dieser Frau 
besteht aus einem um die Hüften geknoteten 
Lendentuche und einem über die linke Schulter 
geworfenen Schal, entspricht also genau dem 
indischen Kostüm. Lucas wollte des Kostüms 



wegen die Figur Ägyptus benennen. Von der 
Waffe, die diese Figur in der rechten Hand 
hielt, ist nur noch ein kleiner Rest erhalten. In 
Kopfhöhe sieht man neben der Figur auf dem 
Reliefgrunde eine geschlossene runde Öse mit 
dem Ansatz eines Stabes oder einer Stange. 
Ich vermute, dafs es der Rest eines langen 
Bogens ist, dessen Sehne in der Öse befestigt 
war und in einen Haken am anderen Ende des 
Bogens eingehängt werden mufste. Besteht 
diese Vermutung zu Recht, so ist es wahr- 
scheinlich, dafs die Marmorfigur, deren Tracht 
und Waffe den indischen Charakter trug, eben- 
falls eine India darstellen sollte. 

") Vgl. oben Anm. 58. 

^■'') Die Beantwortung der oben aufgestellten Frage 
ist bereits vor der Drucklegung meines Aufsatzes 
erfolgt in der Wiener Zeitschrift für die Kunde 
des Morgenlandes XIII 1899 p. 397 ff. Leopold 
von Schröder, der gelegentlich des Orientalisten- 
kongresses in Rom die von mir gesammelten 
Inderdarstellungen kennen lernte, macht a. a. O. 
aufmerksam auf einen Aufsatz von Charles de 
Ujfalvy, Memoire sur les Huns blancs, Ephthalites 
de l'Asie centrale, Hunas de l'Inde {Anthropologie 
Nr. 3, 4; 1898. Paris, Masson et Cie.). Darin 
wird einerseits berichtet, dafs die Frauen des 



2IO Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 

Nicht nur die Ausstattung der Figuren, auch ihre Gesten und ihre Handlung 
haben echt indisches Gepräge. Wir erwähnten oben, dafs die Hauptgeschenke für 
indische Könige gezähmte Panther und gebändigte Tiger waren, die wir auch hier 
der thronenden Figur vorgeführt sehen. Die Führer der Tiere richten dabei die 
Blicke aufwärts und erheben die freie Hand, so dafs deren Innenseite sichtbar wird; 
es ist das der sowohl im griechischen Kultus als auch in der frühchristlichen Kirche 
übliche Gestus des Betens. Von den Indern aber wird erzählt, dafs sie Könige und 
hochgestellte Personen nicht wie andere orientalische Völker durch Proskynese, 
sondern durch Anbetung verehrten^'. Ist die Hauptfigur, der diese Verehrung gilt, 
daher als Königin aufzufassen.? Von Herrscherinnen gleich einer Semiramis und 
Tomyris weifs die indische Geschichte nichts zu berichten, und sie wären bei den 
Anschauungen und Sitten des Landes undenkbar. Auch der Bogen ist kein der 
Königswürde angemessenes Attribut. Andrerseits würde eine Waffe in der Hand 
einer indischen Frau nicht befremdlich sein, denn die alten Könige Indiens hatten 
Dienerinnen, die sie auf der Jagd und im Felde begleiteten und die im Waffen- 
handwerk geübt waren'*. Aber für eine Person der dienenden Klasse würde weder 
der Thronsessel noch die Verehrung passen, die hier der Hauptfigur dargebracht 
wird. Zu bemerken ist ferner, dafs ihr Kostüm vielmehr das der indischen Männer 
als das der indischen Frauen ist, die auf den älteren indischen Denkmälern mit 
nacktem Oberkörper dargestellt zu werden pflegen, andere Kopftracht zeigen und 
selten der Fufsspangen entbehren' ^ Es bleibt nur die Erklärung übrig, dafs die 
Hauptfigur der Schale eine Personifikation Indiens ist, die mit Kostüm und Waffe 
der männlichen Landesbevölkerung ausgestattet ist gleich wie die ebenfalls weib- 
lichen Personifikationen verschiedener barbarischer Nationen, die auf den Sockel- 
reliefs der sog. Neptunsbasilika in Rom gebildet sind". 

Die »India« erhebt ihre rechte Hand in derselben Weise wie die Neben- 
figuren, der Gestus findet seine Erklärung durch den Vergleich mit einem Elfen- 
beindiptychon in Wien", auf dessen einer Tafel Constantinopel, auf dessen andrer 

Stammes der Ephthaliten, die in Polyandrie jene Länder kennen lernten, dort Männer sowohl 

lebten, so viel Hörner auf den Mützen zu als Frauen den eigenartigen Hörnerschmuck 

tragen pflegten, als sie Männer besafsen ; andrer getragen haben, der dann von den alten Künstlern 

seits werden von Ujfalvy mehrere Zeugnisse- als Charakteristikum indischer Tracht aufgegriffen 

dafür angeführt, dafs im Kafiristan noch heute worden sei. 

die Frauen Mützen tragen, die mit zwei aus ^^) Strabo XV p. 717 ävii toü TrpoaxuvsTv rpoaeyjfeaöat 

Holz gefertigten Hörnern von Fufseslänge verziert toI? ß«aiXeü3t -/.cd 7:äat Toi; ev ^^ouata xat b-:ttpo-/fi 

sind. Kafiristan ist am Südabhang des Hindu- vofxos. 

kusch gelegen, gehört also zu den nordwest- ^*) Strabo XV p. 710 xuvYjYETei (o ßastXeu;) 5' h 

liehen Grenzländern Indiens, die den von Westen [xev xot; reptcppciyfAaaiv öno ßi^fxaxo; xo^eütuv 

kommenden Hellenen die nächsten waren. Gerade (Trapea-cäat 8' IvorXot 860 7^ xpet; yuvaixe;) . . . at 

in den Hindukuschländern findet sich der sonst 6^ yuvalxE? . . . xat ouaxpaxe'iouatv, T^oxr^u^vai navxl 

in Indien fehlende Wein, der den Griechen den ottXiu. 

Anlafs gegeben zu haben scheint zur Erdichtung ^^) Siehe Grünwedel a. a. O. p. 37. 

des Bacchuszuges nach Indien. Diese Be- ^ß) Siehe Lucas oben p. i ff. 

obachtungen führten Leopold von Schröder zu '''') Gori, Thesaurus diptychorum II Taf. 3 und 9. 

der Vermutung, dafs zur Zeit, als die Griechen R. von Schneider, Album auserlesener Kunst- 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 211 

Tafel Roma dargestellt ist. Die letztere streckt auf einer vom Mantel bedeckten 
Linken einen Globus vor, der eine Victoria mit Kranz und Palme trägt. Die Ver- 
hüllung der Hand beweist, dafs der Globus nicht als Herrschaftssymbol der Roma 
aufzufassen ist, sondern dafs sie denselben ehrfurchtsvoll jemandem anbietet. Als 
Empfänger ist der Beschauer gedacht, der Empfänger des Diptychons selbst, das 
als Geschenk für einen Kaiser oder eine hochgestellte Person gearbeitet ist. Ein 
ähnliches Verhältnis ist bei der Silberschale vorauszusetzen, die Adoration Indias 
gilt dem Beschauer, dem dies Kunstwerk bestimmt war. Wir dürfen vermuten, dafs 
es ein in Constantinopel residierender Kaiser gewesen ist, aus dessen Schatz die 
Schale leicht in eine Kirche des benachbarten Lampsacus gelangen konnte. 
Dafs dies Monument erst nach Gründung Constantinopels entstanden ist, ergiebt die 
stilistische Würdigung. 

Ziemlich geschickt zeigt sich der Künstler in der Bildung der Tiere, sie 
erscheinen lebensvoll und nur einige leichte Versehen sind zu tadeln, wie die 
mangelnde Charakteristik der Affenköpfe, die allzu grofsen Füfse der Vögel, die 
Dickköpfigkeit des Papageien. Auch die kleinen menschlichen Gestalten sind wohl- 
geraten, bei der Hauptfigur verrät sich die Unzulänglichkeit. Es ist dem Künstler 
weder gelungen, das Sitzen richtig zum Ausdruck zu bringen, noch eine klare An- 
schauung von der Anordnung des Gewandes zu geben. Bei der Ausführung der 
nackten Teile müssen wir der Schwierigkeit der Emailtechnik Rechnung tragen, 
aber die plumpe Haltung des linken Arms z. B. zeugt von dem Verfall der Kunst. 
Dafs der Künstler noch solch getreue Bilder der Inder schaffen konnte, verdankt er 
der Güte der Vorlagen, seine Figuren gehen auf denselben Urtypus der Inder zurück 
wie die Reliefs in St. Gallen. Wahrscheinlich war unter den Vorbildern keine 
thronende Figur, wie der Silberschmied sie als Personifikation Indiens brauchte, und 
eben dadurch ist der Abstand dieser Figur von den übrigen zu erklären. 

Gleiche Bestimmung wie die Silberschale hatte das letzte der antiken Monu- 
mente, auf dem ich Inder nachzuweisen vermag, ein grofses Elfenbeindiptychon, 
dessen Hälften je aus fünf Platten zusammengesetzt waren. Die eine Hälfte ist 
verloren, und die andere, die sich erhalten hat und bis vor kurzem in der Bar- 
berinischen Bibliothek zu Rom war''*, hat auch ihr rechtes Seitenstück eingebüfst. 
Auf dem Mittelstück ist die Person des Kaisers, dem das Diptychon als Geschenk 
dargebracht werden sollte, selbst dargestellt, eine jugendlich bartlose Erscheinung". 
In kriegerischer Rüstung sprengt er nach rechts, seine Lanze auf den Boden stofsend, 

werke des allerhöchsten Kaiserhauses Taf. 49; antiquites II p. 271 Fig. 2459; Strzygowski, Der 

Duruy, Geschichte des röm, Kaiserreichs, über- Silberschild von Kertsch Taf. IV. 
setzt von Hertzberg V p. 214. ^*) Der erste Heransgeber des Reliefs, Gori, hatte 

^^) Das Diptychon ist jetzt in den Besitz des Louvre den Kaiser Constantius getauft, Garrucci (Sioria 

gelangt, eine neue exakte Publikation des ganzen deW arte cristiana VI p. 76) hat für ihn den 

Reliefs wird von Schlumberger für die Monuments Namen Justinian vorgeschlagen. Sein Vorschlag 

Eugene Piot vorbereitet. Ältere Abbildungen bei ward acceptiert von Stuhlfauth (Altchristliche 

Gori a. a. O. II Taf. i p. 168; Duruy a. a. O. Elfenbeinplastik p. 109 ffO- 
p. 331; Daremberg et Sagllo, Dictionnaire des 



212 Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 

unter dem Pferde liegt die Tellus, deren Hand dem Herrscher ehrfurchtsvoll den Fufs 
hält. Ein Barbar legt die Rechte an den Schaft der Lanze und erhebt die Linke 
mit flehender Geberde, gegenüber flattert eine Victoria auf einem Globus mit 
Palmenzweig in der Rechten auf den Kaiser zu. Sie gleicht vollkommen der 
Victoria in der Hand der erwähnten Roma und hielt gleich dieser in der abge- 
brochenen Linken einen Kranz, das kaiserliche Haupt damit zu schmücken. In 
merkwürdigem Gegensatz zu dieser heidnischen Allegorie steht der Oberteil des 
Diptychons, in dem zwei schwebende Engel eine Scheibe mit dem Brustbild Christi 
halten. Der Herrscher des Himmels, ebenfalls noch jugendlich bartlos dargestellt, 
ist umgeben von Sonne, Mond und Sternen, in der Linken hält er ein kreuzge- 
kröntes Szepter, die Rechte macht den sogenannten griechischen Segensgestus. 
Auf dem einzig erhaltenen Seitenteil sehen wir einen Mann in derselben Rüstung 




Fig. 7. 

wie der Kaiser sie trägt, sein Kurzbart deutet an, dafs wir nicht einen idealen Ver- 
treter des Heeres vor uns haben, sondern das Portrait eines Generals oder Feldherrn, 
der das Diptychon dedicierte. Er hält mit beiden Händen dem Kaiser eine Victoria 
auf einer Basis hin, während zu seinen Füfsen als weitere Gabe ein geldgefüllter Sack 
steht. Ein wesentlicher Unterschied zwischen diesem Manne und der Roma des 
Wiener Diptychons ist der, dafs ihre Hand, welche die Viktoria darbietet, ver- 
hüllt ist. Der General und ebenso die Barbaren des Unterteils bringen dem 
Kaiser ihre Gaben auf unbedeckten Händen (Fig. 7). Ich habe an andrer Stelle®" 
auf diese Thatsache hingewiesen, weil sie mir ein sicherer Beweis scheint, dafs unser 
Diptychon nicht erst, wie von verschiedenen Seiten behauptet wird, im sechsten 
Jahrhundert angefertigt ist. Als das Hofceremoniell so ausgebildet war wie in 
justianischer Zeit, wäre es ein grober Verstofs gewesen, auf einem Geschenk für 
den Kaiser Figuren zu bilden, die der geheiligten Person des Herrschers Gaben mit 
der blofsen Hand darbieten. Schwerlich darf man mit der Datierung unseres 
Diptychons unter die Grenze des vierten Jahrhunderts herabgehen; das verbietet 
auch die Lebendigkeit der Arbeit, die sich namentlich in dem uns hier näher an- 
gehenden Unterteil äufsert. 

8") Göttingische gelehrte Anzeigen 1897 p. 57. 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 213 

Die Mitte der Platte nimmt eine Viktoria ein, die von rechts heranschreitet 
als Führerin zweier Inder, denen zwei Angehörige eines anderen Volkes auf der 
entgegengesetzten Seite entsprechen. Die Viktoria trägt in der Linken ein Tropaeon, 
das Haupt hat sie emporgewandt und die Rechte erhoben, sei es, um den Barbaren 
den zu zeigen, dem ihre Geschenke gelten, sei es, um seine Aufmerksamkeit auf 
die Gaben zu lenken, die ihm gebracht werden. Sie bestehen in den Produkten 
der beiden Länder, deren Bewohner ihm nahen, und in den Tieren, die dort zu 
Hause sind. Auf 'der linken Seite ist es ein Löwe, der demütig den Kopf neigt. 
Die Bewegung pafst für das Tier, dessen weitgehende Dressur in den Amphitheatern 
oft bewundert wurde ^\ Trotziger, wilder tritt drüben der Tiger auf, dessen Natur 
die Zähmung nur bis zu einem gewissen Grade verträgt. Bedeutungsvoll ist die 
Bewegung des Elephanten, der den Kopf zurückbeugt und den Rüssel erhebt. In 
dieser Weise verehrten die Elephanten die aufgehende Sonne, wie man im Altertum 
glaubte ^*, und es wurde ihnen offenbar beigebracht, im Amphitheater dem Kaiser 
dieselbe Huldigung zu erweisen. Dies entnehmen wir einem Epigramm Martials*', der 
nach Schmeichlerart allerdings behauptet, der Elephant, der bei Schauspielen Domitians 
auftrat, habe dessen Göttlichkeit empfunden und ihn aus freien Stücken angebetet. 

Die Barbaren, denen der Löwe gesellt ist, tragen ebenso wie die Figur 
hinter dem Kaiser Schuhe und weite Beinkleider, einen gegürteten Chiton mit 
langen Aermeln und ein fliegendes Mäntelchen. Chiton und Beinkleider sind mit 
Stickerei verziert, als Kopfbedeckung dient ihnen eine Kappe in Form eines halben 
Eies. Das Kostüm scheint mir das einer der vorderasiatischen Völkerschaften zu 
sein** und dazu würden die Gaben dieser Leute aufs beste stimmen. Der grofse 
Ring, den der hintere hält, stellt Gold dar, das in dieser Form verschenkt und als 
Tribut dargebracht wurde**. In den Händen des vorderen sehen wir ein tiefes 
Gefäfs, dessen Inhalt eine kleine körnige Masse bildet. Wir haben darin Weihrauch 
zu erkennen, ein Hauptprodukt der vorderasiatischen Länder, in denen auch Löwen 
häufig vorkamen. Es ist wohl kein zufalliges Zusammentreffen, dafs die Barbaren 
hier dieselben Geschenke tragen, die die Magier aus dem Morgenlande dem Christ- 
kindlein verehrten. 

*') Siehe Friedländler, Sittengeschichte Roms 11^ (siehe römische Quartalschrift XIII 1899 p. i2o,\ 

p. 403. der Mantel und ihre Kopfbedeckung dagegen 

*^ Aelian Hist. Anim. VII 44 'iov 7]Xtov dvtajrovta haben ihre Analogieen in Darstellungen der 

Ttpoaxuvoüsiv iX^cpavTes, xä« rpoßodxiSa; iu8ü Meder und Perser. Diese beiden Zusammen- 

T^i; ixTivoj WS /etpa; (ivaxetvovTe;. hänge führen zu der Vermutung, dafs die Völker- 

83) Epigrammaton über XVII schuft, deren Vertreter das Diptychon zeigt, 

Quod pius et supplex elephas te, Caesar, adorat zwischen Ägypten und Centralasien, in Arabien, 

Hie modo qui tauro tum metuendus erat, gewohnt hat. 
Non facit hoc iussus nulloque docente magistro ^5) '£|j^^ got Y.i^iizi Kupi^vT) axefpavioaavxa ^fpuaijJ |a£v 

Crede mihi, nostrum sentit et ille deum. xtjv xecpaXrjv sagt Synesius zum Arkadius, weitere 

**) Die sichere Bestimmung der Barbaren ist mir Litteratur über diese Sitte ist gesammelt von 

noch nicht gelungen. Ihre weiten Beinkleider Krabinger in der Ausgabe jener Synesiusrede, 

sind, so viel ich weifs, bis jetzt nur bei den München 1825, p. 141. 
koptischen Bewohnern Ägyptens nachweisbar 



214 Gjraeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 

Von den Indern auf der gegenüberliegenden Seite, die von zwei spezifisch 
indischen Tieren begleitet sind, bringt der eine einen Elephantenzahn , der andre 
einen verzierten Stab, vermutlich von Ebenholz, das in Indien wächst ^^ Der 
Gegensatz zu dem Elfenbein legte die Wahl gerade dieses Landesprodukts 
nahe". Die Tracht der beiden Männer entspricht vollständig dem, was wir auf 
Grund der übrigen Monumente und der Schriftstellernotizen als indisches Kostüm 
erkannt haben. Ihre Füfse sind mit Sandalen bekleidet. Deutlich ist, dafs ihr 
Untergewand aus einem um die Hüften gebundenen Tuche besteht, dessen Musterung 
auch hier nicht vergessen ist. Bei dem einen ist der Stoff getüpfelt ähnlich wie 
bei dem Tigerführer auf der Silberschale, bei dem anderen ist der Stoff karriert. 
Das über den Arm geschlungene schälartige Obergewand zeigt nicht die karrierte 
Musterung, wodurch besonders klar wird, dafs Ober- und Untergewand nicht zu- 
sammenhängen. Bei dem vorderen Inder ist das Obergewand über die Schulter 
geworfen. Beide haben das Haupt verhüllt mit einem karrierten Turban, aus dem 
der zweiteiHge Schmuck aufragt. Die vorn herabhängenden Locken und ebenso die 
Armringe, die wir an den Gestalten der Silberschale beobachten konnten, sind vom 
Elfenbeinschnitzer nicht angegeben, die Handbewegung aber stimmt wieder mit den 
dortigen Figuren überein, nur ist des Tigerkopfes wegen die Rechte des zweiten 
Inders etwas tiefer gesenkt. Auch hier ist der Gestus jedenfalls gewählt, um aus- 
zudrücken, dafs die Inder nach der bei ihnen heimischen Sitte dem Kaiser ihre 
Verehrung bezeugen. Die Figuren zeigen also in allen Stücken, wie gut der Ver- 
fertiger des Diptychons noch verstanden hat, das fremde Volk, das er darstellen 
mufste, zu charakterisieren. 

Für den, der das Fortleben antiker Typen im Mittelalter beobachtet, ist es 
nicht ohne Interesse, die antiken Inderdarstellungen mit einer byzantinischen zu 
vergleichen, die sich in dem prächtigen vaticanischen Menologium findet, das für 
Kaiser Basilius IL Bulgaroktonos (976 — 1025) geschrieben und ausgemalt ward^^ 
Eine Miniatur desselben von der Hand des Nestor — die Maler der einzelnen 
Bilder haben in dieser Handschrift ihre Werke signiert — stellt das Martyrium des 
hl. Thomas dar, der nach der Legende*^ das Evangelium in Indien gepredigt hat 
und von den dortigen Eingeborenen erstochen worden ist (Fig. 8). Er nimmt die 
Mitte des Bildes ein, von jeder Seite rennt ein Inder mit eingelegter Lanze auf ihn 
ein, der von links kommende hat ihm die Spitze bereits in die Seite gestofsen; an 
derselben Stelle, die unserm Herrn von Longinus durchbohrt war und die von des 



^^) Siehe Blümner, Terminologie und Technologie 8i ißlvou xop(JiO'j; Stoj^tXfou;. 

der Gewerbe II 258. *^) Vaf. Graec. 1613. Siehe KondakofF, L' art 

*^) Unter den Geschenken, welche die Äthiopen byzantin II 103 ff. Die Miniaturen sind gröfsten- 

alle drei Jahre dem Perserkönig sandten, zählt teils publiciert: Menologium Graecorum iussit 

Herodot III 97 auf oiTjXoafa; (fdkayfxi Iß^vou . . . Basilii olim edituin . . . prodit studio et opera 

xat IX^cpavTo; öodvxa; fieydXo'j; ei^xoat. Eine Annibalis Card. Albani. Urbini 1727. 

Gruppe im Festzug des Ptolemaeus Philadelphus **") Siehe Lipsius, Apokryphe Apostelgeschichten I 

bildeten nach Athen. V p. 201 a Ai&wiies oiupo- 247 ff. 

cp(5pot, (UV ol [xev l'f cpov öSdvia; e^axoat'ou;, iTepoi 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 



215 



ungläubigen Thomas Fingern berührt ward, quillt diesem jetzt das Blut hervor. Die 
Inder haben schwarze Hautfarbe und tragen Goldringe am Oberarm und am Hand- 
gelenk, alles in Übereinstimmung mit der Silberschale. Bekleidet sind sie mit 
Halbstiefeln und mit einem gegürteten Chiton, der indes die eine Schulter freiläfst, 
wozu der kämpfende Inder des tuskulanischen Mosaiks eine genaue Parallele bietet. 




Fig. 8. 

Den Kopf haben die beiden Figuren der Miniatur mit dem Turban umwunden. 
Wir finden hier also eine Reihe von Merkmalen wieder, die in den antiken Dar- 
stellungen zur Charakteristik verwandt waren. 

Die Maler, die für Basilius das Menologium schmückten, haben, wo sie 
konnten, alte Typen wiedergegeben. Z. B. sind für die Illustrationen zum Leben 
Josuas^" dieselben Kompositionen benutzt, die uns schon im vatikanischen Josua- 
rotulus, einem Erzeugnis der frühchristlichen Zeit, begegnen. Ebenso scheint 
Nestors Thomasbild auf ein frühchristliches Original zurückzugehen, dessen Schöpfer 
die Muster für seine Darstellung der Inder in spätantiken profanen Bildwerken 
gesucht hat. 



**) Abbildung in der Publikation Albanis p. 5, nach 
Photographie im Jahrbuch der kunsthistorischen 



Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses XXI 
1900 p. loi. 



2i6 Graeven , Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 

RÖMISCHE SARKOPHAGE MIT INDERDARSTELLUNGEN. 

Eine Liste der bis zum Jahr 1886 bekannten Sarkophage, deren Reliefs sich auf den indischen 
Feldzug des Bacchus beziehen, hat Botho Graef aufgestellt: De Bacchi expeditione Indien monumentis ex- 
fressa, BeroUni i886 p. 12 fF. Seitdem ist nur ein Sarkophag hinzugekommen (13), der 1885 an der 
Via Salaria vor Rom entdeckt wurde. Die Zahlen der Liste Graefs sind den meinigen in Klammern 
zugefügt. 

I. Inder im Kampfe. 

1 (33) Sark. in Cortona: Archäol. Zeit. III 1845 Taf. 30; Müller -Wieseler, Denkm. d. a. 
Kunst II 38. 445. 

2 (34) Sark. des Capitolinischen Museums: Foggini, Museo Cap. IV 51; Graef a. a. O. Fig. 2. 

3 (35) Fragment im Louvre: Clarac 126, 108. 

4 (29b) Sark. im Vatican: Müller Wieseler a. a. O. 38. 444. 

Die kämpfenden Inder sind meistens völlig nackt, mehrere von ihnen tragen dagegen Hosen gleich 
den Galliern, und zu den Hosen gesellt sich in einigen Fällen eine Exomis. Der Kopf ist unbedeckt 
oder mit dem Helm versehen. Der König, der einmal (4) dargestellt ist, trägt einen Panzer und hat 
einen Streitwagen. 

II. Gefangene Inder vor dem thronenden Gotte. 

4 (29a) siehe oben. Dieser Sark. vereinigt zwei Szenen. 

5 (28) Sark. in Salerno: Gerhard, Antike Bildwerke 109. 2. 

6 (31) Fragment der Villa Albani: Zoega, Bassh-ilievi antichi di jRoina II 76. 

Die männlichen Gefangenen sind bekleidet mit Hosen und Exomis oder kurzärmeligem Chiton, 
dazu kommt bei einigen die Chlamys. Der unmittelbar vor dem Gotte knieende bärtige Inder, der viel- 
leicht als König aufzufassen ist, trägt auf einem Sark. (5) Ringe am Handgelenk. Derselbe Sark. zeigt 
einen jugendlichen Gefangenen mit gedrehten Locken, wie wir sie bei den Indern beobachtet haben, 
aber statt des Turbans hat der Jüngling einen Hut, der dem Petasos gleicht. Die gefangenen Weiber 
tragen einen ärmellosen Chiton und sind in nichts verschieden von griechischen Frauengestalten. Die 
kleinen Inderfiguren, die auf einer Bahre getragen werden (5,6) haben das allgemeine orientalische Bar- 
barenkostüm, Schuhe, enge Hosen, langärmeligen Chiton und Chlamys. 

7 (32) Fragment der Villa Albani : Zoega a. a. O. I 8. 

Zweifelhaft ist, ob dies Monument noch der II. Gruppe beizuzählen ist, oder den Darstellungen 
des Triumphzuges, da die Gestalt des thronenden Bacchus nicht erhalten ist. Das Fragment zeigt einen 
Wagen mit Beutestücken und mit einem gefesselten jugendlichen Inder, ein Leidensgenosse desselben 
sitzt rittlings auf dem Halse eines Elephanten. Beide haben dieselbe Tracht wie die Figuren auf der 
Bahre (5, 6). 

III. Inder im Triumphzug des Bacchus. 
A. Bacchus steht, gestützt von einem Satyr, auf einer Elephantenbiga. 

8 (2) Sark. der Villa Albani: Zoega a. a. O. I 7. 

9 (i8b) Fragment der Villa Borghese: Matz-Duhn, Antike Bildwerke in Rom 2283. 

Dem Wagen des Dionysos folgen auf Pferden zwei Männer, der eine nackt, der andere mit der 
Exomis bekleidet (8). Beider Köpfe sind ergänzt, doch sind Reste der gedrehten Locken an dem einen 
Kopfe antik (vgl. Matz-Duhn a. a. O. 2273). Vor dem Wagen reiten auf Kamelen, rittlings sitzend, 
zwei Frauen in langem Chiton mit Überschlag, dessen untrer Rand viereckige Zacken hat. Auch ihre 
Haare sind in gedrehten Locken angeordnet. 

10 (i) Sark. der Villa Medici: Graef a. a. O. Fig. i. 

11 (4) Fragment der Villa Albani: Zoega a. a. O. I 9. 

12 (3) Sark. im Vatican: Visconti, Museo Pio Clementino IV 23. 

Ein jugendlicher Inder, in Rückansicht dargestellt, dem die Hände auf dem Rücken gebunden 
sind, ist nackt bis auf die Chlamys, die um den Hals geschlungen ist und auf der Vorderseite des 
Körpers herabfällt. Eine indische Frau ist mit einem langen gegürteten Chiton bekleidet, der die rechte 
.Brust frei läfst. Der vaticanische Sark. (11) giebt ihr die gedrehten Locken und führt einen zweiten 
jugendlichen Gefangenen ein, der seitwärts auf einem Elephanten sitzt und das unter No. 5, 6 be- 
schriebene orientalische Kostüm hat. 



Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 



217 



B. Bacchus steht auf einem Wagen, den Löwinnen ziehen. 

13 Sark. der Via Salaria: Ecole frangaise de Rome, Melanges VIII 1888 Taf. 12. 

14 (5) Sark. in Lyon: Coraarmond, Alusee lapidaire de Lyon Taf. I. 

15 (6) Sark. der Cantina Borghese, jetzt in Clieveden: Gori, Inscript. antiquae Etruriae \\\ 29; 
Journal 0/ Hellenic studies XX 1900 Taf. VIII. 

16 (7) Sark. im Pal. Giustiniani: Galleria Giustiniana 11 122. 

17 (8) Sark. in Woburn Abbey: Woburn Abbey Marbles Taf. 6. 

18 (10) Sark. im Capitolinischen Museum: Foggini a. a. O. IV 63. 

19 (11) Fragment in Neapel, unpubliziert. 

20 (13) Sark. im Casino Rospigliosi: Matz-Duhn a. a. O. 2276. 
Den Mittelpunkt dieser Sark. 

bildet eine Gruppe von Gefangenen, die 
am besten durch das jüngst gefundene 
Exemplar (13) veranschaulicht wird 
(darnach Fig. 9). Im Vordergrund 
schreitet ein Elephant mit Beutestücken 
und hinter ihm ein noch gröfserer 
Elephant, auf beider Hals sitzt ein Satyr 
als Cornak mit der Akoga in der Hand. 
Der gröfsere Elephant trägt zwei Rücken 
an Rucken sitzende Gefangene mit den , 
gedrehten Locken und einem Turban 
darauf, aber mit dem gewöhnlichen 
orientalischen BarbarenkostUm. — Die 
Gruppe ist auf den übrigen Sark. desselben 
Typus mehr £>der weniger entstellt. Statt 
der zwei Elephanten erscheint nur ein 
einziger, der hie und da aufser den Ge- 
fangenen die Beutestücke tragen mufs 
(16. 17. 20); der Cornak fehlt diesen 
Sark. mit einer Ausnahme (16); die Zahl 
der Gefangenen wird oft auf einen 
reduziert und auch, wo die Zweizahl 
beibehalten ist, ist ihre Anordnung und 
Haltung umgemodelt, durchgehends aber 
haben die Gefangenen dasselbe Kostüm 
und die Haarlocken , jedoch keinen 
Turban. Die gedrehten Locken sind 
auch den entweder nackten oder mit 
einem Hemde bekleideten Knaben ge- 
geben, die auf dem Halse der Löwinnen 
sitzen, und einmal (16) findet sich ein 
Knabe mit gleicher Haartracht unter 
dem Rüssel des Elephanten. 

C. Bacchus steht ohne Stütze auf der Elephantenl^iga. 

21 (14) Sark. im Lateran: Man. deW Ist. VI 80. i. 

22. 23 (15. 16) Sark. der Villa Pamphili: Matz-Duhn a. a. O. 2274. 2297. 

24 (17) Sark. der Villa Ludovisi: Matz-Duhn a. a. O. 2296. 

Gefangene Inder ähnlich denen der Gruppe B hat nur einer dieser Sark. (22), aber statt auf 
dem Elephanten sitzen sie auf einem Kamel. Vielleicht stammte von einem ähnlichen Sark. das verlorene 
Fragment der Sammlung Mattei (i8c, Monuvtenta Matthaeiana III 48), zwei Männer auf einem Kamel 
darstellend. Die Figuren tragen, wenn die Zeichnung richtig ist, nur einen Schurz. Alle vier Sark. 




Fig. 9. 



2i8 Graeven, Die Darstellungen der Inder in antiken Kunstwerken. 

(21 — 24) zeigen als Cornaks auf den Elephanten, die den Wagen des Gottes ziehen, Knaben oder Jüng- 
linge mit den gedrehten Locken. Diese Figuren sind entweder mit einem Chiton bekleidet oder nur 
mit einer flatternden Chlamys ausgestattet. 

D. Bacchus steht auf einem Kentaurenwagen. 

25 (19) Sark. im Vatican: Visconti, Museo Chiaramonti Taf. 34. 

26 (20) Sark. in den Uffizien: Gori a. a. O. III 19. 

Die gefesselte Jünglingsfigur mit gedrehten Locken und der auf der Vorderseite des Körpers 
herabfallenden Chlamys wie auf 10. 11. 12 kehrt auf dem vaticanischen Sark. (25) wieder, der Florentiner 
(26) hat sie ohne die Chlamys dargestellt und eine zweite gleichgebildete Figur hinzugefügt. Eine 
Zuthat des vaticanischen Sark. ist eine Reihe von Elephanten und Kamelen im Hintergrunde, die kleine 
Gefangene tragen. Die kleinen Figuren sind arg verstümmelt, ihre Köpfe sind sämtlich abgebrochen, 
ihr Gewand ist abwechselnd eine Exomis oder ein ärmelloser Chiton. 

E. Bacchus sitzt oder liegt auf einem Pantherwagen. , 

27 (22) Sark. im Louvre: Clarac II 144. 

28. 29 (23. 24) Sark. der Villa Pamphili: Matz-Duhn a. a. O. 2278. 2302. 

Auf dem Pariser Sark. (24) reitet ein nacktes Knäblein mit gedrehten Locken auf einem Kamel 
dem Wagen des Gottes vorauf, die beiden anderen Sark. (28. 29) zeigen hinter dem Wagen einen klein 
gebildeten Elephanten mit zwei knabenhaften Gefangenen. Sie sitzen in Vorderansicht neben einander 
mit auf den Rücken gebundenen Händen. Einmal sind sie nackt, das andere Mal mit Chiton und 
Chlamys bekleidet, in beiden Fällen haben sie die gedrehten Locken. 

Die Inder der Sarkophage stimmen mit denen der oben zusammengestellten Monumente nur 
in wenigen Punkten überein. Übereinstimmend ist meistens nur die Anordnung der Haare in gedrehte 
kurze Locken, aber diese Frisur war den Indern nicht allein eigentümlich, sondern ihnen gemeinsam mit 
den Aethiopen und anderen nordafrikanischen Völkern. Einzig der Sarkophag von der Via- Salaria (13) 
fügt zu der Lockenfrisur auch die turbanähnliche Kopfbedeckung, die sich bisher auf antiken Denk- 
mälern nur bei Indern nachweisen läfst'-". Allerdings den hörnerartigen Schmuck, mit dem die Elfen- 
beinreliefs und die Silberschale die Kopf bedecknng ausstatten, hat der Sarkophag fortgelassen und das 
Kostüm seiner Inder ist total verschieden von demjenigen, das in Indien getragen wurde, das von den 
alten Autoren beschrieben ist und das uns durch die Elfenbeinreliefs und die Silberschale veranschaulicht 
wird. Die Tracht der Inder auf dem Sarkophage mufs den Darstellungen eines anderen asiatischen 
Volkes entlehnt sein. 

Wir werden also zu dem Schlufs gedrängt, dafs den römischen Sarkophagarlieitern für die 
Darstellung der Inder keine realistischen Bilder, die der Wirklichkeit und den Angaben der Schriftsteller 
entsprachen, vor Augen gestanden haben, so dafs sie danach arbeiten konnten. Es entsteht die Frage, 
ob die guten echten Indertypen, die uns nur durch sehr späte Monumente überliefert sind, erst nach der 
Entstehungszeit der Sarkophage geprägt worden sind oder ob zufällig derartige Darstellungen den 
römischen Steinmetzen unbekannt geblieben sind. Die Frage wird bei meiner Publikation der oben 
erwähnten beiden Pyxiden ihre Beantwortung finden. 

'") Die gleiche Kopfbedeckung findet sich noch des Sarkophags, ob aber die Bronzeköpfe auch 

bei den drei Köpfen, die den Sockel einer in Inder darstellen sollen, ist zweifelhaft. Ich 

Antiochia gefundenen Bronzegruppe zieren möchte glauben, dafs die Köpfe eine bestimmte 

(Jahrb. XIII 1898 p. 179). Der Hera:usgeber, Beziehung zu dem Bildwerk haben, das der 

Herr Prof. Förster, glaubt die Köpfe am besten Sockel trägt, und ihre Benennung hängt daher 

bezeichnen zu können »als Sarapis mit Isis- ab von der richtigen Deutung der Bronzegruppe, 

haartracht« (t). Sie entsprechen genau dem die noch zu finden ist. 
Kopfe des in Vorderansicht gebildeten Inders 

Hannover. Hans Graeven. 



VERZEICHNISS ^ 

DER MITGLIEDER 

DES 

KAISERLICH DEUTSCHEN 
ARCHÄOLOGISCHEN INSTITUTS 

DEZEMBER 1900' 



CENTRALDIREKTION 



Herr A. Conze, General-Sekretär 

„ 0. Hirschfeld 

„ R. Kekule von Stradonitz 

„ A. Kirclihoff 

„ Graf von und zu Lerchenfeld 

„ R. Schöne 

„ ü. von Wilamowitz-MöUendorff 

„ F. Hettner in Trier. 

„ G. Körte in Rostock. 

„ A. Michaelis in Strasshurg i. E. 

y, 0. Puchstein in Freiburg i. Br. 



in Berlin. 



SEKRETARIAT 



IN ROM 

Herr E. Petersen, Erster Sekretär. 
_ Ch, Hülsen, Zweiter Sekretär. 



IN ATHEN 

Herr W. Dörpfeld, Erster Sekretär 
Zweiter Sekretär fehlt zur Zeit. 



MITGLIEDER DES INSTITUTS 



EHREN-MITGLIEDER 

Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Friedrich, 
Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit Erzherzog Rainer. 
Seine Königliche Hoheit Prinz Rupprecht von Bayern. 
Seine Hoheit der Erbprinz von Sachsen-Meiningen. 
Seine Hoheit Prinz Friedrich Karl von Hessen. 
Seine Durchlaucht der Fürst Johann von und zu Liechtenstein. 
Seine Durchlaucht Fürst von Radolin, Paris. 
Herr R. von Keudell, Berlin. 
„ H. Lehmann, Halle a. S. 
y, Graf von und zu Lerchenfeld, Berlin. 
Donna Ersilia Caetani, contessa Lovatelli, RoTti. 
Herr Graf von Plessen-Cronstern, Athen. 
„ J. von Radowitz, Madrid. 
„ A. von Swenigorodskoi, Aachen. 



n 

ORDENTLICHE MITGLIEDER 



Herr F. Adler, Berlin. 

„ Conte A. Antonelli, Terracina. 

„ B. Arnold, München. 

„ E. Babelon, Paris. 

y, F. Barnabei, Rom. 

„ Barone G. Barracco, Rom. 

„ A. de Barthelemy, Paris. 

„ 0. Benndorf, Wien. 



Herr M. R. de Berlanga, Malaga. 

„ J. J. BernouUi, Basel. 

„ H. Blümner, Zürich. 

„ J. Boehlau, Cassel. 

„ L. Borchardt, Cairo. 

„ E. Bormann, Wien. 

„ R. Borrmann, Berlin. 

„ M. Botkin, St. Petersburg. 



— 5 — 



Herr E. Brizio, Bologna. 

„ A. Brückner, Berlin. 

„ F. Biicheler, Bonn. 

„ F. Bulic, Spalato. 

„ R, Cagnat, Paris. 

„ F. Calvert, Dardanellen. 

„ A. Castellani, Rom. 

„ G. Calderini, Rom. 

„ W. von Christ, München. 

„ March. B. Chigi, Siena. 

„ M. CoUignon, Paris. 

„ S. Colvin, London. 

„ A. Conze, Berlin. 

„ F. Cumont, Gent. 

„ H. Dessau, Berlin. 

„ H, Diels, Berlin. 

„ C. Dilthey, Göttingen. 

„ W. Dittenberger, Halle a. S. . 

„ W. Dörpfeld, Athen. 

„ A. von Domaszewski, Heidelberg. 

„ 0. Donner-von Richter, Frank- 
furt a. M. 

„ J. Dragatsis, Piräus. 

„ St. Dragumis, Athen. 

„ H. Dressel, Berlin. 

„ L. Duchesne, Rom. 

„ F. V. Duhn, Heidelberg. 

„ F. Ehrle, jRoTn. 

„ R. Engelmann, Berlin. 

„ A. Erman, Berlin. 

„ A. J. Evans, Oxford. 

„ E. Fabricius, Freiburg i. Br. 

„ J. Ficker, Strassburg i. E. 

„ A. Flasch, Erlangen. 

„ R. Förster, Breslau. 

„ P. Foucart, Paris. 

„ M. Fränkel, Berlin. 

y, L. Friedländer, Strassburg i. E. 

„ W. Fröhner, Paris. 

„ A, Furtwängler, München. 



Herr R. Gädechens, t/^na. 

„ G. F. Gamurrini, Arezzo. 

„ E. A. Gardner, London. 

„ P. Gardner, Oxford. 

„ G. Gatti, i?o?;?. 

„ G. Gherardini, Padua. 

„ W. W. Goodwin, Cambridge, 

Mass. 

„ H. Grimm, Berlin. 

„ W. Gurlitt, Graz. 

„ 0. Hamdy-Bey, Konstantinopel. 

„ J. Hampel, Budapest. 

„ A. Harnack, Berlin. 

„ W. von Hartel, Wien. 

„ B. Haussoullier, Paris. 

„ B. V. Head, London. 

„ R. Heberdey, Smyrna. 

„ J. L. Heiberg, Kopenhagen. 

„ W. Heibig, i?om. 

„ Th. von Heldreich, Athen. 

„ E. von Herzog. Tübingen. 

„ F. Hettner, TnVr. 

„ L. Heuzey, Paris. 

„ F. Hiller von Gärtringen, Berlin. 

„ 0. Hirschfeld, Berlin. 

„ A. Holwerda, Leiden. 

„ Th. Homolle, Athen. 

„ E. Hübner, Berlin. 

„ Ch. Hülsen, i?om. 

„ L. Jacobi, Homburg v. d. H. 

„ F. Imhoof-Blumer, Winterthur. 

„ C. Justi, Bonn. 

„ G. Kaibel, Göttingen. 

„ E. Kaiinka, Czernowitz. 

„ A. Kalkmann, Berlin. 

„ P. Kavvadias, Athen. 

„ R. Kekule von Stradonitz, Berlin. 

„ F. Kenner, Wien. 

y, G. von Kieseritzky, St. Peters- 
burg. 



Herr A. Kirclihoff, Berlin. 

„ W. Klein, Prag. 

„ U. Köhler, Berlin. 

„ F. Koepp, Münster i. W. 

„ G. Körte, Rostock. 

„ R. Koldewey, Berlin. 

„ A. Kondostavlos, Athen. 

„ W. Kubitschek, Wien. 

„ Sp. Lambros, Athen. 

„ R. A. Lanciani, Rom. 

„ Graf C. Lanckoronski, Wien. 

„ B. Latyschev, St. Petersburg. 

„ H. Lehner, Bonn. 

„ F. Leo, Göttingen. 

y, V. Leonardos, Athen. 

„ G. Löschcke, Bonn. 

„ E. Löwy, Rom. 

.„ 0. Lüders, Athen. 

„ G. Lumbroso, J?om. 

„ 0. Marucchi, Rom. 

„ G. Maspero, Paris. 

„ A. Mau, Rom. 

„ A. Meletopulos, Piräus. 

y, E. Meyer, iZ«Z/ö a. S. 

„ A. Michaelis, Strassbiirg i. E. 

„ L. A. Milani, Florenz. 

„ A. Milchhüfer, Kiel. 

„ A. Moramsen, Hamburg. 

„ Th. Mommsen, Berlin. 

„ 0. Montelius, Stockholm. 

„ J. H. Mordtmann, Salonik. 

„ R. Mowat, Paris. 

„ N. Müller, Berlin. 

„ E. Müntz, Paris. 

„ A. S. Miirray, London. 

„ K. Mylonas, Athen. 

„ G. Niemann, Wien. 

„ B. Niese, Marburg. 

„ IL Nissen, Bonn. 

y, Ch, E. Norton, Cambridge, Mass. 



Herr F. Ohlenschlager, München. 

„ J. Oppert, Paris. 

„ P. Orsi, Sgrakus. 

„ J, Pandasidis, Athen. 

„ E. Pais, Neapel. 

„ F. C. Penrose, London. 

y, E. Pernice, Berlin. 

„ G. Perrot, Paris. 

„ E. Petersen, i^owi. 

„ G. de Petra, Neapel. 

„ Flinders Petrie, London. 

„ D. Philios, Athen. 

„ L. Pigorini, i?o?«. 

„ W. Pleyte, Leiden. 

„ 0. Popp, München. 

„ E. Pottier,* Paris. 

„ A. Prachov, Kiew. 

„ 0. Puchstein, Freiburg i. Br. 

„ \V. M. Ramsay, Äberdeen. 

„ E. Reisch, Wien. 

„ R. Richardson, Athen. 

„ 0. Richter, Berlin. 

„ C. Robert, i/ctZfe a. Ä. 

„ H. von Rohden, Hagenau. 

„ E, de Ruggiero, i?o»i. 

„ A. Salinas, Palermo. 

„ R. von Schneider, ^^2^». 

„ R. Schöne, Berlin. 

„ Th. Schreiber, Leipzig. 

„ J. Schubring, Lübeck. 

„ K. Schuchhardt, Hannover. 

„ IL Schuermanns, Lüttich. 

„ C. Schumacher, Karlsruhe. 

„ L. von Schwabe, Tübingen. 

„ A. IL Smith, London. 

„ Cecil IL Smith, London. 

„ A. Sogliano, Neapel. 

„ W. Soldan, Darmstadt. 

y, V. Stais, Athen. 

„ F. Studniczka, Leipzig. 



7 — 



Herr L. von Sybel, Marburg i. H. 

„ G. Tocilesco, Bukarest. 

„ A. Trendelenburg, Berlin. 

„ G. Treu, Dresden. 

„ Ch. Tsundas, Athen. 

„ H. Usener, Bonn. 

„ L. Ussing, Kopenhagen. 

„ J. Valilen, Berlin. 

,, A. Heron de Villefosse, Paris. 

„ G. Vitelli, Florenz. 

„ Graf M. de Vogüe, Paris. 

„ C. Wachsmuth, Leipzig. 

„ E. Wagner, Karlsruhe. 

„ Graf H. Walderdorff, Regensburg. 

„ Ch. "Waldstein, Cambridge. 

„ G. Weber, Smgrna. 



Herr R. Weil, Berlin. 

„ C. Wescher, Paris. 

„ J. W. White, Cambridge, Mass. 

„ Th. Wiegand, Konstantinopel. 

„ F. Wickhoff, Wien. 

„ U. von Wilamowitz-Möllendorff, 

Berlin. 

„ A. Wilhelm, Athen. 

„ A. Wilmanns, Berlin. 

„ J. Wilpert, Rom. 

„ H. Winnefeld, Berlin. 

„ F. Winter, Innsbruck. 

„ G. Wissowa, Balle a. S. 

„ P. Wolters, PFw^'^iw^. 

„ C. Zangemeister, Heidelberg. 



m 



CORRESPONDIRENDE MITGLIEDER 





1. Belgien. 


Brüssel: 


Herr A.vanBranteghem. 




„ J. Vollgraff. 


Gent : 


„ A. van Ceuleneer. 




2. Bulgarien. 


Sofia: 


Herr W. Dobrusky. 




„ H. Skorpil. 


Varna : 


„ K. Skorpil. 



3. Dänemark. 

Kopenhagen: Herr Ch. Blinkenberg. 
„ C. Jacobsen. 
„ S. Müller. 

4. Deutschland. 
Berlin: Herr E. Assmann. 

„ C. Bardt. 
„ Ch. Beiger. 



Berlin: Herr C. Fredrich. 

„ B. Graf. 

„ F. von Luschan. 

„ L. Pallat. 

„ 0. Rubensohn. 

„ H. Schmidt. 

„ H. Schrader. 

„ L. Stern. 

„ R. Zahn. 

Bamberg: „ J. Führer. 

Bonn: „ C. Konen. 

„ H. Lehner. 

„ A. Philippson. 

„ H. L. Strack. 

„ A. Wiedemann. 

Braunschweig: „ P. J. Meier. 

Breslau: „ C. Masner. 

Calw: „ P. Weizsäcker, 



Cleve: Ilcri 


F. 


Sclineider. 


München: 


Herr 


F. von Reber. 


Deutz: 


n 


F. 


Wolff. 




55 


F. von Thiersch 


Dresden: 


r> 


P. 


Ilerrmann. 




•n 


H. L. Urlichs. 




n 


F. 


Hultsch. 


Oberlahnstein 


55 


R. Bodewig. 




•n 

n 


L. 
C. 


Otto. 
Wörmann. 


Oldenburg: 
Potsdam: 


55 

55 


H. Stein. 

R. Schillbach. 


Elberfeld: 
Frankfurta.M. 


• n 
n 


L. 
A. 
G. 


Martens. 

Hammeran. 

Wolff. 


Rostock: 

Schwerin: 

Stettin: 


55 
55 
55 


0. Kern. 

F. Schlie. 

G. Kawerau. 


Freiburg i.Br.: 

Gebweiler: 

Giessen: 




J. 
F. 
J. 
Br 


Ziehen. 
Baumgarten. 
Sclilumberger. 
Sauer. 


Strassburgi.E 
Stuttgart : 


•• 55 

55 
55 
55 


B. Keil. 
E. Schwartz. 
G. von Alten. 
J. Merz. 


Glüchstadt: 


n 


D. 


Detlef sen. 




55 


E. Paulus. 


Gotha : 


?5 


B. 


Pick. 




55 


G. Sixt. 


Göttingen: 
Greifswald: 


n 


C. 
W. 
A. 
A. 


Purgold. 
Meyer. 
Gercke. 
Körte. 


Tübingen: 
Wiesbaden: 
Wittenberg: 
Worms: 


55 
55 
55 
55 


K. Lange. 
E. Ritterling. 
H. Guhrauer. 
C. L. Koehl. 


Gr. Lichter- 


5? 


A. 


Preuner. 




55 


A. Weckerling. 


felde: 
Halber Stadt : 




R. 
H. 


Oehler. 
Röhl. 


5. 


Frankreich. 


Hannover: 


w 


H. 


Graeven. 


Paris: 


Herr 


H. Daumet. 


Jena: 


55 


H. 


Geizer. 




55 


P. Decharme. 




r> 


F. 


Noack. 




55 


S. Reinach. 


Karlsruhe: 


n 


H. 


Luckenbach. 


Algier: 


55 


St. Gsell. 


Kiel: 


r> 


A. 


Schone. 




55 


V. Waille. 


Königsberg i. F. 
Leipzig : 


• 51 
55 


0. 
E. 
F. 


Rossbach. 

Kroker. 

Marx. 


Bordeaux: 

Constantine: 

Embrun 


55 
55 


C. Jullian. 
A. Poulle. 


Liegnitz: 
Lübeck: 
Marburg i.H.: 


55 
55 

r> 

55 


A. 
P. 
C. 
E. 


Schneider. 

Wilski. 

Curtius. 

Maass. 


(Hautes Alpes) „ 
Clermont- 
Ferrand {Pug 
de Dome): „ 


J. Roman. 
A. Tardieu. 


Metz: 


55 


B. 


Keune. 


Lyon : 


» 


P. Dissard. 




55 


C. 


Wichmann. 




55 


M. Holleaux. 


München : 


55 


P. 


Arndt. 




55 


IT. Lechat. 




W 


E 


Bodensteiner. 


Moulins : 


55 


A. Bertrand. 




r> 


H. 


Bulle. 


Narbonne: 


55 


L. Berthomieu. 



— 9 — 



Nizza: Herr F. Brun. 

Poitiers: „ C. de la Croix. 

Saintes: „ L. Audiat. 

St. Maiient: „ E. Esperandieu. 

6. Griechenland. 

Athen: Herr D. Vikelas. 

„ Vyzantinos. 

„ M. Deffner. 

„ M. Dimitsas. 

„ E. Gillieron. 

„ K. Karapanos. 

„ P. Kastriotis. 

„ J. Kokidis. 

y, K. Kuruniotis. 

„ J. A. Londos. 

„ A. Philadelphevs. 

„ N. G. Politis. 

„ H. von Prott. 

„ A. Schiff. 

„ A. Skias. 

„ G. Sotiriadis. 

„ J. N. Svoronos. 

„ E, Ziller. 

C'halkis: „ A. Matsas. 

Delphi: „ A. Kondoleon. 

Mykonos: „ D. Stavropulos. 

Faros: „ J. Navpliotis. 

Syra: „ P. Serlendis. 

„ A. Vlastos. 

Thera: „ E. Vassiliu. 

Trikkala: „ M. Krispis. 

Tripolis: „ N. Stephanopulos. 

Volo: „ N. Georgiadis. 

„ D. Tsopotos. 

7. Grosshritannien. 
London: Herr J. Thacher Glarke. 

Sir J. Evans. 



London: Herr F. 

Cambridge: Sir R. 
Miss J. 
Manchester: Herr E. 
Newcastle- 
upon-Tyne: „ T. 
Oxford: „ F. 

Salisbury : » J- 

South- ßhield s : „ R. 
Sicanscombe: « G. 



M. Nichols. 
le Page Renouf . 
, C. Perry. 
C. Jebb. 

Harrison. 

L. Hicks. 

Hodgkin. 

Haverfield. 

Wordsworth. 

Blair. 

C. Renouard. 



8. Italien. 

Ro77i: Herr R. Amhrosi. 

„ W. Amelung. 

„ Fr. Azzurri. 

„ G. Boni. 

„ L. Borsari. 

„ G. Calderini. 

„ L. Cantarelli. 

„ Conte A. Cozza. 

„ D. Gius. Cozza- 

Luzi. 

„ D. Farabulini. 

„ A. Galli. 

„ G. B. Giovenale. 

„ P. des Granges. 

„ F. Halbherr. 

„ P. Hartwig. 

„ A. de Lorenzo. 

„ E. Piccolomini. 

„ L. Pollak. 

„ L. Savignoni. 

„ C. Stomaiuolo. 

„ G. Toraassetti. 

„ P. di Tucci. 

„ D. Vaglieri. 



— 10 — 



Alatri: 


Her 


r de Persiis. 


Isola delLiri: 


Herr G. Nicolucci. 


Albissola- 






Macer ata : 


•n 


Conte A. Silveri- 


Marina : 


Ti 


St. Grosso. 






Gentiloni. 


Anagni : 


r> 


E. Martinelli. 


Feltria: 


r> 


March. G. Antimi- 


Ancona: 


n 


C. Ciavarini. 






Clari. 


Appignano (bei 




j Marsala: 


7> 


S. Struppo. 


Macerata"): 


n 


Conte E.Tambroni- 


'•' Marzahotto : 


•n 


Conte Aria. 






Armaroli. 


! Messina: 


•n 


G. Tropea. 


Aquila: 


n 


N. Persichetti. 


Milano: 


•n 


S. Ricci. 


Arce: 


n 


F. Grossi. 




•n 


C. Ruga. 


Ascoli Piceno : 


» 


G. Gabrielli. 


Monopoli di 








n 


G. Paci. 


Valdarno: 


n 


J. Falclii. 


Bari: 


•n 


M. Mayer. 


Montenero di 








n 


G. Milella. 


Bisaccia: 


r> 


G. Caraba. 


Benevento: 


w 


A. Meomartini. 


Muro: 


•n 


L. MaggiuUi. 


Bergamo: 


r> 


G. Mantovani. 


Neapel: 


y> 


A. Bourguignon. 


Bologna: 


» 


L. Frati. 




V 


PrincipeF.Colonna- 




n 


A. Zannoui. 






Stigliano. 


Brescia: 


•n 


P. da Ponte. 




V 


D. de Guidobaldi. 




n 


P. Rizzini. 




•n 


C. Mancini. 


Brindisi: 


» 


G. Nervegna. 




n 


G. Patron i. 


Caqliari: 


7) 


F. Nissardi, 




» 


M. Spinelli, Prin- 


Caiazzo : 


r) 


G. Faraone. 






cipe di Scalea. 


Chieti: 


n 


R. Cavarocchi. 




5! 


P. Stettiner. 


Chiusi: 


ri 


P. Bonci-Casuccini. 


Narni: 


» 


March. G. Eroli. 


Este: 


n 


A. Prosdocimi. 


Nocera Umhra 


• 5? 


R. Carnevali, 


Florenz: 


r> 


D. Comparetti. 


Orvieto: 


» 


Conte E. Faina. 




•n 


F. Corazzini. 




» 


R. Mancini. 




V) 


G. Pellegrini. 


Osimo: 


» 


G. Cecconi. 




•n 


March. Ridolfi. 


Padua: 


n 


F. Cordenons. 


Forlt: 


7) 


G. Mazzatinti. 


Palermo: 


» 


L. Mauceri. 




n 


A. Santarelli. 


Palest rina: 


•n 


V. Cicerchia. 


Formia : 


r> 


A. Rubini. 


Parma: 


7> 


G. Mariotti. 


Fossombrone: 


n 


A. Vernarecci. 


Pavia: 


7) 


G. Canna. 


Genua : 


n 


G. Oberziner. 




n 


L. Mariani. 


Gesualdo: 


n 


F. Catone. 


Perugia: 


n 


G. Bellucci. 


S. Giovanni 








n 


Conte G. B. Rossi- 


Incarico: 


r> 


D. Santoro. 






Scotti. 


Girgenti: 


r> 


G. Picone. 


Pesaro: 


V) 


March. C. Antaldi. 


Grosseto : 


r> 


A. Barbini. 


Portici: 


55 


F. Salvatore Dino. 



11 — 



Reygio (Cala- 








Wien : 


Herr 


W. Wilberg. 


hria) : Herr 


G. 


Caminiti. 




55 


F. Zamboni. 




■n 


A 


de Lorenzo. 


Budapest: 


55 


V. Kuzsinsky. 


Savona: 


» 


V. 


Poggi. 


Cittavecchia: 


55 


S. Ljubic. 


Ruvo: 


■n 


A. 


Jatta. 


Czernowitz: 


55 


H. Dell. 


Sangiorgio a 










55 


W. Judeich. 


Liri: 


n 


G. 


Lucciola. 


Görz: 


55 


H. Majonica. 


Scafati: 


T» 


F. 


Morlicchio. 


Graz: 


n 


F. Pichler. 


Sezze: 


n 


F. 


Lombardini. 




55 


J. Strzygowski. 




» 


G. 


Porri. 


Klagenfurt: 


55 


K. V. Hauser. 


Siena : 


55 


F. 


Donati. 


Prag: 


55 


H. Swoboda. 




55 


L. 


Zdekauer. 


Ragusa : 


55 


G. Gelcich. 


Spoleto: 


55 


G. 


Sordini. 


Sarajevo: 


55 


C. Patsch. 


Spongano: 


55 


F. 


B. Castiglioni. 


Triest: 


55 


A. Puschi. 


Sulmona: 


55 


A. 


de Nino. 


Zara: 


55 


G. Alacevic. 


Tarent: 


55 


L. 


Viola. 




55 


L. Jelic. 


Terranova Fau 


- 












sania: 


55 


P. 


Tamponi. 








Turin: 


55 


E. 


Ferrero. 


11. 


Portugal. 


Trevico: 


55 


A. 


Calabrese. 


Lissabon: 


Herr A. Coelho. 


Umbertide: 


55 


A. 


Lupatelli. 




55 


J. L. de Vascon- 


Urbisaglia: 


55 


F. 


S. Palazzetti. 






cellos. 


Venafro: 


55 


S. 


Vitali. 


Braga : 


55 


J. J. da Silva 


Verona : 


55 


A. 


Spagnuolo. 






Pereira Caldas. 


Volter ra : 

9. 19 


55 

ied 


E. 
erl 


Solaini. 
j,nde. 


Guimaraens: 
Oporto: 


55 
55 


F. Martins Sar- 

mento. 

J. de Vasconcellos 



Haag: Herr J. Rutgers. 

Amsterdain: „ J. Six. 
Groningen : 



10. 



Wien: 



12. Russland. 



„ U. Boissevain. 


St. Peters- 






Österreich-Ungarn. 


burg: 


Herr 

55 


J. Jernstedt. 
N. Kondakoff. 


Herr S. Frankfurter. 




55 


R. Löper. 


„ M. Hörnes. 
„ P. Kretschmer. 




55 


A. Papadopulos 
Keramevs. 


„ E. Reinisch. 
„ A. Riegl. 
„ A. Schindler. 




55 
55 
55 


Pomialowsky. 
M. Rostowzew. 
A. Stschukareff. 


„ E. Szanto. 




5? 


T. Zielinsky. 



12 — 



Dorpat: 


Herr 


W. Malmberg. 


17. 


T 


ürkei. 


Helsingfors: 


fl 


B. Graser. 


Constan- 






Moskau: 


n 


Buslaieff. 


tinopel: 


Herr 


Halil-Edbem. 


Odessa : 


n 


A. Nikitsky. 




55 


A. Mordtmann. 


Warschau: 


rt 


N. Novossadsky. 


A'idin: 


55 


M. Pappa-Konstan- 
dinu. 


13. Schweden 


und Norwegen. 


Alexandrien: 


55 


G. Botti. 


üpsala: 


Herr 


S. Wide. 


Artake: 


55 


N. Limnios. 


Söderhamn: 


•n 


J. Centerwall. 


Beirut: 


55 


P. Schröder. 








Cairo : 


55 


F. von Bissing. 


14. 


Schweiz. 


Candia : 


55 


J. Chatzidakis. 


Basel: 


Hen 


E. Betbe. 


Chalki: 


55 


0. N. Askitis. 


St. Bernhard 


n 

■n 


H. Dragendorff. 
J. Wackernagel. 
H. Lugon. 


Chios: 

Kalymnos: 

Rhodos: 


55 
55 
55 


G. J. Solotas. 
W. R. Paton. 
A. Casilli. 


Lausanne: 


T) 


W. Cart. 




7) 


St. Saridakis. 








Samos: 


55 


Tb. Sopbulis. 


15 


Serbien. 




55 


A. Stergioglidis. 


Belgrad: 


Herr 


M. Waltrowitz. 




55 


E. Staraatiadis. 








Samothrake : 


55 


N. B. Pbardys. 


16 


Spanien. 


Smyrna : 


55 


A. Fontrier. 


Madrid: 


Herr 


R. P. Fidel Fita. 




55 


P. Gaudin. 




» 


J. R. Melida. 




55 


G. Sotiriu. 




T) 


Marques de Mon- 
salud. 


18 


. Tunis. 






I. F. Riaiio. 


CaHhago: 


Hen 


• A. L. Delattre. 




55 


E. Saavedra. 


Tunis: 


V 


P. Gauckler. 


Barcelona : 


55 


A. Elias de Möllns. 








Cadi^: 


55 


F. A. Vera. 


19. Vereinigte 


Staaten von Amerika 


Elche: 


55 


P. Ibarra y Riiiz. 


Berkeley: 


Herr 


B. J. Wheeler. 


Granada : 


55 


M. G. Moreno. 


Chicago : 


55 


W. G. Haie. 


Mahon: 


55 


S. D. G. Llabres. 


Meadville, 






Malaga: 


55 


G. Loring. 


Penns. : 


55 


G. F. Comfort. 


Medina Si- 






Amherst, Mass 


• • 55 


J. R. Sterrett. 


donia : 


55 


M. Pardo de Fi- 


Princeton, 










gueroa. 


N. J.: 


55 


A.L. Frotbingham 


Vittoria : 


55 


F. Baraibar, 


Washington: 


55 


van Marter. 



13 — 



Publikationen 
des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts. 

h. P. = herabgesetzter Preis (nur bis auf Weiteres gültig). 

A. Periodische Publikationen. 

1. *Monumenti inediti. 12 Bände. Rom 1829 — 1885. Supplemento Berlin 1891. 

Gr. Folio. Berlin, Georg Reimer. — Jeder Jahrgang bis 1860 M. 12, h. P. 
M. 6, von 1861 — 1885 M. 20, h. P. M. 10. Das Supplementheft M. 40, h. P. 
M. 20. Die ganze Serie M. 444. 

2. *Annali. 54 Bände. Rom 1829 — 1885. 8". Berlin, Georg Reimer. — Jeder 

Jahrgang bis 1860 M. 8, h. P. M. 4, von 1861 ab M. 15, h. P. M. 7,50. Die 
ganze Serie M. 303,50. 

3. *Bullettino. 55 Bände. Rom 1829—1885. 8». Berlin, Georg Reimer. — 

Jeder Jahrgang bis 1860 M. 4, h. P. M. 2, von 1861 ab M. 5, h. P. M. 2,50. 

Die ganze Serie M. 122,50. 
Annali, Bulletino und Monumenti 1854 u. 1855. — Je M. 24, h. P. M. 12. 
Annali und Monumenti 1856. — M. 24, h. P. M. 12. 

4. *Repertorio universale (Inhaltsverzeichnis zu 1, 2, 3). Berlin, Georg Reimer. 

— Band I, Rom 1834—1843. S«. M. 8, h. P. M. 4. Band II, Rom 1844— 
1853. 8«. M. 8, h. P. M. 4. Band 111, Rom 1854—1856. Folio. M. 2,40, 
b. P. M. 1,20. Band IV, Rom 1857—1863. 8o. M. 4,80, h. P. M. 2,40. 
BandV, Rom 1864—1873. 8°. M. 5,60, h. P. M. 2,80. Band VI, Rom 1874 

— 1885 und Supplement, Berlin 1891. 8«. M. 4,60, h. P. M. 2,30. 

5. *Memorie. Rom 1832. 8". Berlin, Georg Reimer. — M. 12, h. P. M. 6. 

6. *Nuove Memorie. Leipzig 1865. 8". Berlin, Georg Reimer. — M. 18, h. P.M. 9. 

7. Archäologische Zeitung. Berlin, Georg Reimer. 1843 — 1885. 43 Bände. 

4". — Jeder Jahrgang M. 12, soweit noch vorhanden. Die ganze Serie M. 600. 
Register dazu 1886. M. 12. 

8. Antike Denkmäler. Berlin, Georg Reimer. 1886 IT. Imp.-Folio. — Jedes 

Heft M. 40. Bisher erschienen Band 1, Heft 1—5. Band II, Heft 1—3. 

9. Jahrbuch und Anzeiger. Berlin, Georg Reimer. 1886 if. 8<*. — Jeder 

Jahrgang M. 16, Der Anzeiger von 1896 an allein M. 3; ab 1901 Jahrbuch 
M. 20, Anzeiger M. 4. 
10. Jahrbuch, Ergänzungshefte, Berlin, Georg Reimer. 

I, J. Strzygowski, Die Calenderbilder des Chronographen vom Jahre 354. 

1888. 80. M. 30. 
II, R. Bohn, Alterthümer von Aegae. 1889. 8». M. 24. 
III, H. Winnefeld, Die Villa des Hadrian. 1895. 8". M. 20. 



Einzelne Bände und Einzelserien nur nach Massgabe des Vorraths. 



— 14 — 

IV, C. Humann, C. Cichorius, W. Judeich, F. Winter, Alterthümer von 
Hierapolis. 1898. 8'>. M. 24. 

11. Mittheilungen. Römische Abtheilung (BuUettino, Sezione Romana). Rom, 

Loescher & Comp. 1886 ff. 8". — Jeder Jahrgang M. 12. 

12. Mittheilungen. Athenische Abtheilung. Athen, Karl Wilberg. 1876 ff. 80. 

— Jahrgang I— X M. 15. Jahrgang XI ff. M. 12. 

13. Ephemeris epigraphica, Corporis Inscriptionum Latinarum Supplementum, 

edita iussu Instituti Archaeologici Romani. 8 Bände. Berlin, Georg Reimer. 
1872 ff. — Band I, M. 6. Band II, M. 8. Band III, M. 10. Band IV, M. 16. 
Band V, M. 20,20. Band VI, M. 8. Band VII, M. 18. Band VIII, M. 25. 

B. Serien-Publikationen. 

14. I Rilievi delle Urne Etrusche. Band I von H. Brunn. Rom 1870. 4". 

Berlin, Georg Reimer. — M. 60, h. P. M. 40. — Band II, 1 von G. Körte. 
Berlin 1890, Georg Reimer. 4«. — M. 40, h. P. M. 30. — Band II, 2 von 
G. Körte. Berlin 1896. M. 40. 

15. E. Gerhard, Etruskisclie Spiegel. Band V, bearbeitet von G. Körte und 

A. Klügmann. Berlin, Georg Reimer. 1884—1897. 40. M. 144. 

16. R. Kekule, Die antiken Terrakotten. Berlin und Stuttgart, W. Spemann. 

Fol. Band I, Die Terrakotten von Pompeji, bearbeitet von II. von Roh den. 
1880. M. 60. — Band II, Die Terrakotten von Sicilien, bearbeitet von 
R. Keküle. 1884. M. 75. 

17. C. Robert, Die antiken Sarkophagreliefs. Band II, Mythologische Cyklen. 

Berlin, Grote. 1890. Fol. M. 225. — Band III, erste Abtheilung. 1897. 
Fol. M. 160. 

18. A. Furtwängler und G. Loeschcke, Mykenische Thongefässe. Berlin, 

1879. Georg Reimer. Fol. M. 40, h. P. M. 30. 

19. A. Furtwängler und G. Loeschcke, Mykenische Vasen, vorhellenische 

Thongefässe aus dem Gebiete des Mittelmeeres. Berlin, 1886. Georg Reimer. 
Fol. M. 115, h. P, M. 75. 

20. E. Curtius und J. A. Kaupert, Karten von Attika. Berlin, Dietrich 

Reimer. Gr. Fol. 1881 — 1895. -^ Heft I, mit Text von E. Curtius, G. von 
Alten und A. Milchhöfer, M. 12. Heft II, mit Text von A. Milchhöfer, 
M. 16. Heft III, M. 12. Heft IV, M. 10. Heft V, M. 8. Heft VI, mit Text 
zu Heft III— VI von A. Milchhöfer, M. 7. Heft VII, M. 6. Heft VIII, M. 13. 
Text zu Heft Vll— VIII von A. Milchhöfer, M. 2. Heft IX (Übersicht- xind 
Gesamtkarte von Attika) im Massstab 1 : 100000. Mit Text und Register. 
M. 17. 

0. Einzelwerke. 

21. Steffen, Karten von Mykenai. Berlin, Dietrich Reimer. 1884. 4". Text von 

Steffen und LoUing. — Mk. 12. 

22. R. Koldewey, Antike Baureste der Insel Lesbos. Mit 29 Tafeln und Text- 

abbildungen, 2 Karten von H. Kiepert. Berlin, Georg Reimer. 1890. Fol. 
M. 80, h. P. M. 40. 



— 15 — 

23. Das Kuppelgrab von Menidi. Athen, Wilberg. 1880. 4". — M. 8. 

24. G. B. de Rossi, Piante Iconografiche e Prospettiche di Roma anteriori al 

Secolo XVI. Roma 1879. 4°. Berlin, Georg Reimer. M. 32, h. P. M. 18. 

25. R. Schöne, Le Antichita del Museo Bocchi di Adria. Roma 1878. Berlin, 

Georg Reimer. 4". M. 24, h. P. M. 12. 

26. Kellermann, Yigilura Romanonim latercula duo Caelimontana. Roma 1835. 

4". Berlin, Georg Reimer. M. 6,40, h. P. M. 3,20. 

27. W. Henzen, Scavi nel bosco sacro dei Fratelli Arvali. Roma 1868. Fol. 

Berlin, Georg Reimer. M. 16, h. P. M, 8. 

28. IT. Jordan, De forraae Urbis Romae fragmento novo. Roma 1883. 4°. Berlin, 

Georg Reimer. M. 1,60, h. P. M. 1. 

29. A. Michaelis, Geschichte des Deutschen Archäologischen Instituts 1829 bis 

1879. Berlin 1879, Georg Reimer. 8". M. 6, h. P. M. 3. — Italienische 
Ausgabe M. 4,80, h. P. M. 2,40. 

30. J. Lessing und A. Mau, Wand- und Deckenschmuck eines römischen Hauses 

aus der Zeit des Augustus. Berlin 1891, Georg Reimer. Fol. M. 40, h. P. M. 25. 

31. Alexander Iwanoff, Darstellungen aus der heiligen Geschichte. 14 Liefe- 

rungen zu je 15 Blalt. Berlin, Georg Reimer. Fol. — Jede Liefemng 
M. 80, h. P. M. 20. (Lieferung 2 ist vergriffen.) 

32. Sergius Iwanoff, Architektonische Studien. lieft I. Aus Griechenland. Mit 

Text von R. Bohn. Folio und Quart. 1892. M. 96. — Heft II. Aus 
Pompeji. Mit Text von A. Mau. Folio und Quart. 1895 Dazu Nachtrag. 
Folio und Quart. 1898. M. 40. — Heft IIL Aus den Thermen des Cara- 
calla. Mit Text von Chr. Hülsen. Folio und Quart. 1898. M. 120. 

33. M. Botkin, Biographie A. Iwanoffs. Berlin, Georg Reimer. 1880. 4". 

M. 10, h. P. M. 5. 

34. A. Mau, Katalog der Bibliothek des Kaiserlich Deutschen Archäologischen 

Instituts in Rom. Band I. Rom, 1900. Loescher & Co. 8". M. 6. 

D. Schul-Wandtafeln. 

35. Grabstele der Hegeso. 

36. Sog. Alexander-Sarkophag aus Sidon. 

37. Augustus-Statue von Prima Porta. 

Deutsche und österreichische Unterrichtsanstalten, welche ihre Bestellungen 
an den Generalsekretär des Instituts (Berlin W. Corneliusstr. 2) richten, erhalten 
jede dieser Tafeln zum Preise von 5 Mark 80 Pfennigen (einschliesslich der Ver- 
packung, ausschliesslich des Porto) direkt von der Verlags-Anstalt Fr. Bruckmann 
AG.-München zugesandt, an welche dann auch der Preis direkt einzuzahlen ist. Bei 
Bestellung mehrerer Exemplare für dieselbe Adresse ermässigt sich der für Ver- 
packung berechnete Betrag. 



Archäologischer Anzeiger 

Beiblatt 

ZUM Jahrbuch des Archäologischen Instituts 

i9oo. L 



DIE NEUEN AUSGRABUNGEN AUF 
DEM FORUM ROMANUM. 

Die Ende 1898 begonnene Ausgrabungscampagne 
auf dem Forum Romanum, über deren vielver- 
sprechende Anfänge ich im Anzeiger 1899 S. I — 7 
berichtete, ist im Laufe des vergangenen Jahres von 
der Verwaltung mit höchst dankenswerter Energie 
und unter Aufwand bedeutender Mittel fortgesetzt 
worden. Die Arbeiten, unter der Leitung des Hrn. 
Boni, haben nicht nur zahlreiche zum Teil höchst 
interessante einzelne Monumente zu Tage gefördert, 
sondern auch das gesamte Aussehen des Forums 
stark verändert. An Stelle des schmalen Grabens 
mit der häfslichen steilen Böschungsmauer an der 
Nordseite präsentiert sich jetzt ein Platz von statt- 
licher Breite, dessen Eindruck durch die vollständige 
Freilegung der Westfront des Faustinentempels ge- 
hoben wird. Höchst bedeutende Funde für Topo- 
graphie und Epigraphik sind gemacht; dafs an 
plastischen Kunstwerken auf dem Forum wenig zu 
erwarten sei, hat sich auch diesmal bestätigt'. An 
Kundgebungen des Interesses und der Anerkennung, 
ja selbst an materieller Unterstützung seitens des 
Auslandes hat es der italienischen Verwaltung bei 
dem unternommenen Werke nicht gefehlt ; und auch 
uns soll die unerfreuliche an die neuen Funde sich 
knüpfende Polemik gegen die deutsche Forschung 
nicht hindern, die sachlichen Verdienste der Aus- 
grabungsverwaltung mit Dank anzuerkennen , und 
allen auf ernsthafte Förderung der Wissenschaft ge- 
richteten Bestrebungen derselben guten Fortgang 
zu wünschen. 

Ich habe, seit meinem vorigen Berichte im An- 

') Die in den Tagesblättern mehrmals gemeldeten 
Funde wertvoller Skulpturen, ja wohl »griechischer 
Originale« beruhten jedesmal auf Übertreibung. So- 
wohl der in der Basilica Aemilia gefundene weib- 
liche Torso (angebliche Juno), wie das Fragment 
einer Vestalin aus dem Atrium V. sind nach Erhaltung 
und Kunst geringwertig. 
Arcliäologisclier Anzeiger 1900. 



zeiger, zweimal in der Berliner philologischen 
Wochenschrift (n. 31. 32 vom 5. August und n. 
48. 49 vom 2. 9. Dezember) über die neuen Funde 
referiert, und verweise für Einzelnes, was hier mit 
Rücksicht auf den Raum nur kurz berührt werden 
kann, auf die dort gegebenen Ausführungen. 

An vier Stellen hauptsächlich ist im Jahre 1899 
in grofser Ausdehnung und mit Erfolg gegraben 
worden: auf dem alten Comitium (zwischen Severus- 
bogen und Kirche S. Adriano), auf dem Terrain der 
Basilica Aemilia (zwischen S. Adriano und S. Lorenzo 
in Miranda), in der Regia und dem Atrium Vestae, 
endlich auf der Sacra Via vom Tempel der Faustina 
bis zu dem der Venus und Roma. 

An der Grenze des Comitiums und des 
Forums, etwa 20 m. südlich vom Severusbogen, 
hatte man im Januar v. J. (Arch. Anz. 1889 S. 5) 
einen mit schwarzem Marmor gepflasterten Platz 
gefunden, welcher sogleich mit dem von Varro be- 
schriebenen niger lafis, der dem römischen Volks- 
glauben nach das Grab des Romulus bezeichnete, 
identificiert wurde. Ich hatte a. a. O. diese Gleich- 
setzung aus verschiedenen Gründen bekämpft, und 
betont, dafs man, um dem Problem auf den Grund 
zu kommen, die unter dem Pflaster liegenden Schichten 
untersuchen müsse. Die Verwaltung hat Ende Mai 
v.J. diese Untersuchung ausführen lassen und dadurch 
eine höchst interessante Gruppe von Denkmälern 
entdeckt, die an Alter nicht nur alles was auf dem 
Forum, sondern nahezu alles was in Rom überhaupt 
existiert, übertreffen. Zwei grofse parallele Postamente 
aus Tuffquadern (2,66 X ii32m), welche 1,003 m 
von einander entfernt sind, so dafs ein Rechteck 
2,66 X 3i64 m entsteht, bilden offenbar ein sacellum, 
welches aber schon im Altertum zerstört ist: nur 
eine Quaderschicht, ein höchst altertümlicher Ab- 
lauf, ist über den Plinthen in situ. Westlich von 
diesem Bau steht ein konischer Stumpf aus gelbem 
Tuff und daneben der untere Teil eines pyramidalen 
Cippus aus dunklerem Tuff, mit einer Bustrophedon- 

I 



Die neuen Ausgrabungen auf dem Forum Romanum. 



Inschrift in grofsen Buchstaben, die wir unbedenklich 
als die älteste aller erhaltenen römischen Stein- 
inschriften ansehen können. Da der Cippus in 6i cm 
Höhe abgehauen ist, besitzen wir kaum die Hälfte, 
vielleicht wenig über ein Drittel des Textes und 
die erhaltenen Teile bieten, neben einigen auf den 
ersten Blick verständlichen, aber unzusammen- 
hängenden Worten, so viele Rätsel, dafs wir, wenn 
nicht neue Funde weiter helfen, schwerlich zu einem 
sicheren Verständnis gelangen werden. Nur soviel 
scheint klar, dafs es sich um sacrale Bestimmungen 
über Funktionen des rex sacrorum handelt; es liegt 
nahe, an die Cerimonien des 24. März und 24. Mai 
(quando rex coviitiavit, fas) zu denken, doch läfst 
sich bestimmteres nicht ermitteln. Die bisherigen, 
weit auseinandergehenden Versuche zur Ergänzung 
zeigen hauptsächlich, wie sehr wir im Dunkeln sind. 
Ohne auf diese und die Inschrift überhaupt hier 
weiter einzugehen, beschränke ich mich auf einige 
kurze Worte über die topographische Bedeutung 
der ganzen Gruppe^. 

Das obere schwarze Pflaster mit dem von Varro 
erwähnten niger lapis zu identifizieren, halte ich 
nach wie vor für unmöglich, da die meisten der 
Arch. Anz. a. a. O. beigebrachten Gründe in Kraft 
bleiben. Zu erwägen aber ist nach den neuen 
Funden die Frage: könnte das untere sacellum das 



^) Zur Litteratur vgl. Berl. philol. Wochenschr. 
1899 n. 49 Sp. 1531. Seitdem sind hinzugekommen 
der Schlufs des Aufsatzes von E. Pais, Nuova Anto- 
logia 1900, 16. genn.; Fr. v. Duhn, Fundumstände und 
Fundort der ältesten lateinischen Steinschrift am 
Forum Romanum (N. Heidelb. Jahrb. 1899 S. 107 
— 120); G. Tropea, La steh arcaica del Foro Romano 
{Riv. di storia ant. 1899, 469 bis 509); Alex. Enmann, 
Die neuentdeckte archaische Inschrift des römischen 
Forums {Bull, de l'Acad. Imp. des sciences de St. Peters- 
bourg, V. Ser. Bd. II 1899 S.263— 274). M. Dieulafoy, 
Note sur les monuments archa'iques du Forum {Comptes 
rendus de l'Acad. des inscr. ser. IV vol. 27 S. 753— 
768, mit 3 Tf.); [de Cara] Della steh del Foro e 
de IIa sua iscrizione arcaica {Civilia cattolica qu. I192 
S. 385 — 398 mit einigen Photographien des Monu- 
ments bald nach der Ausgrabung). — Auch Herr 
L. Ceci hat die Reihe seiner Publikationen wieder 
um zwei vermehrt (// cippo antichissimo del Foro 
Romano y Riv. d'Italia, 1899 fasc. 10, 25 S. 8°; 
Nuovo contributo alla interpretazione dell' iscrizione 
antichissima del Foro Romano , Rendic. dell' Acc. dei 
Lincei, 17. die. 1899. 32 S. 8'^), in welcher er für 
die Richtigkeit seines saggio d' interpretazione plädirt. 
Die Einmütigkeit, mit welcher alle späteren Beur- 
teiler (Comparetti, Skutsch, Enmann, Otto, Pais) 
jenen Versuch abgelehnt haben, zeigt, dafs mein 
im Berl. philol. Wochenschr. 1899 Sp. 1005 aus- 
gesprochene Urteil nicht zu hart war. [Nicht mehr 
berücksichtigen konnte ich den während des Drucks 
dieses Berichtes erschienenen Aufsatz von Lanciani, 



republikanische von Varro beschriebene sein, an 
dessen Stelle nach der grofsen Regulirung des 
Forums und Comitiums durch Caesar und Augustus 
das 1,30 m höher liegende schwarze Marmorpflaster ^ 
getreten wäre? Wer diese Frage bejaht, mufs daraus 
folgern, dafs die Verstümmelung der Stelle nicht 
den Galliern von 390, sondern den Architekten des 
Augustus zur Last zu legen sei, denn Varro hat die 
beim lapis niger stehende beschriebene Stele, auf 
der Einige noch den Namen des Faustulus, andere 
den des Hostus Hostilius zu lesen glaubten, noch 
gesehen, und zwar nicht nur das erhaltene Bruch- 
stück, denn die Buchstabengruppe BO^TVV^ 
welche nach Detlefsens schöner Vermutung (De arte 
Romanorum antiquissima III p. I. 2) die doppelte 
Lesung Fostlus oder Hostius veranlafst hätte, findet 
sich auf diesem nicht. Eine so barbarische Behand- 
lung altehrwUrdiger Denkmäler wird man jedoch der 
augustischen Zeit nur ungern zutrauen: und zudem 
scheint der Ausgrabungsbefund der Hypothese, das 
Heiligtum sei erst in oder nach der Caesarischen 
Zeit zerstört und eingegraben worden, durchaus zu 
widersprechen. Nach den Berichten Boni's'' fanden 



La basilica Emilia (Bull. com. 1899 S. 169 — ^204 mit 
Tf. XIII — XV), ebensowenig den Text der wichtigen 
Monographie D. Comparetti's: Iscrizione arcaica del 
Foro Romana* (Firenze-Roma, Bencini, 1900. 24 S. 
fol.). Die letzterer Arbeit beigegebenen Pläne und 
Facsimiles jedoch, die die bisher existierenden an 
Treue erheblich übertreffen, konnten beistehend 
verkleinert wiederholt werden (s. Beilage). Weitere 
Erklärungsversuche haben von Comparetti's Facsimile 
auszugehen]. 

^) Dafs dieses keinesfalls über den Anfang des 
Principats hinaufdatirt werden darf, ergiebt sich 
daraus, dafs seine Orientierung mit der Curia Julia 
genau stimmt. — Hr. O. E. Schmidt freilich (N. 
Jahrb. für Philologie VI, 4 S. 48—54) hält es, unter 
Nichtbeachtung von Orientirung, Material und Tech- 
nik für einen Bau aus der Zeit kurz nach der Gallier- 
invasion, 390 V. Chr. Die untere Anlage erklärt er 
für den alten Sprechplatz: man vergegenwärtige sich 
die imposante Stellung des Königs oder Magistrats, 
der, eingezwängt zwischen die beiden nur i m von 
einander stehenden Postamente, zur Hälfte ve,rdeckt 
durch die grofsen liegenden Löwenbilder, zum 
Volke, das nur eine oder zwei Stufen tiefer auf 
dem Platze des Comitiums stand, reden solltet 
Ausfuhrlich widerlegt brauchen diese Verkehrtheiten 
nicht zu werden: ebenso wenig die weitgehenden 
Combinationen, die Dieulafoy an die von ihm ver- 
mutete Gestalt und Orientirung des schwarzen 
Pflasters knüpft (er hält die Diagonale desselben 
für den ' dectimanus maximtts' der Stadt), da sie 
auf einem gänzlich unsicheren Fundament beruhen. 

*) Notizie degli scavi, maggio S. 151 — 158. Die 
Promptheit, mit der diese vorläufige Publikation er- 
folgt ist, mufs mit gröfstem Dank anerkannt werden : 
trotzdem bleibt eine vollständigere und genauere 



Die neuen Ausgrabungen auf dem Forum Romanum. 



sich Sacellum, Säulenstumpf und Cippus eingebettet 
in eine Schicht von P'lufskies, dem Knochen von 
Opfertieren, Vasenscherben, kleine Idole und andere 
Weihgaben in grofser Zahl beigemischt waren, und 
die nach seiner Meinung von einem bei Exauguri- 
rung des Sacellums gebrachten Sühnopfer herrührt. 
Keinenfalls wird man diese Schicht, in der spätere 
schwarz- und rotfigurige Vasenscherben, Münzen 
und Arretiner Fragmente gänzlich fehlen, unter das 
vierte Jhdt. v. Chr. herabsetzen dürfen'', und wie 
will man die Kluft zwischen diesem und der augusti- 
schen Zeit, in die wie gesagt die Entstehung des 
schwarzen Pflasters frühestens zu setzen ist, über- 
brücken? — Ferner: nimmt man an, dafs der varro- 
nische lapis niger zwischen den beiden Postamenten 
seinen Platz gehabt habe, so mufs man ihm die für 
eine einzelne Platte ganz angemessene Gröfse von 
ca. I X 2 m geben. Wie sollte man, wenn bei Ge- 
legenheit der Neuordnung des Comitiums auch der 
schwarze Stein seinen Platz verlassen mufste, darauf 



Beschreibung der FundstUcke unerläfslich. Auch 
die wichtige Angabe, die Pais S. 12 aus Boni's hand- 
schriftlichem Bericht beibringt, es seien nelle terre dt 
riempimenio degli strati piu bassi Stücke von Giallo 
antico gefunden (sie fehlt in den Notizie), verdient 
verificiert zu werden. 

*) Ein weit höheres Alter sucht F. v. Duhn in 
dem oben citirten Aufsatz der Schicht zu vindizieren, 
indem er, unter Verwerfung der Ansicht Boni's, an- 
nimmt, dafs sie durch die Opferthätigkeit von 
Generationen allmählig entstanden sei: die Ent- 
stehung der Schicht setzt er demnach ins 6. oder 
den Anfang des 7. Jhdts., Cippus und Postamente 
noch erheblich älter, die Zerstörung bringt er, wenn 
auch zweifelnd, mit der Vertreibung der Könige zu- 
sammen. Aber abgesehen von der doch nicht so 
ohne weiteres zu eliminierenden Angabe über das 
Verschüttungsmaterial (breccia sabbiosa diponte Molle), 
spricht dagegen der Umstand, dafs gerade das älteste 
und vielleicht einzig sicher zu datierende Stück, die 
chalkidische Scherbe, im obersten Teile der Schicht 
gefunden ist. Mit der Chronologie der übrigen 
Stücke, der Kahnfibeln, Glasperlen u. dgl. steht es 
doch äufserst unsicher; was die plastischen Terra- 
kotten betrifft, so sind sie meist so roh, dafs eine 
genaue Zeitbestimmung versagt. Aber zusammen mit 
diesen groben Stücken sind in der Schicht auch andere 
della piit squisita fattura greco-etrusca gefunden {Not. 
p. 163): was doch hätte erwähnt werden sollen. Gegen 
v. Duhns Hypothese, dafs das varronische Romulus- 
grab identisch gewesen sei mit dem Volcanal, und 
dies wieder mit dem ältesten Verbrennungsplatze der 
palatinischen Gemeinde, habe ich dasselbe Bedenken 
wie Pais (Nuava Antologia 1900, 16 genn.) : zur Anlage 
eines Ustrinum hätte man kaum einen so ungeeigneten 
Platz aussuchen können, wie das tief gelegene 
sumpfige Forum. Ferner ist die Beziehung des 
Volcanus zu den Leichenfeuern keineswegs sicher, 
endlich lag das Volcanal nicht in Comitio , sondern 
supra Comitium (s. Jordan i, 2, 340). 



gekommen sein, an Stelle dieser gewifs allbekannten 
einfachen Platte ein achtmal so grofses Geviert mit 
schwarzem Marmor zu pflastern? — Dies Marmor- 
pflaster ferner macht, selbst abgerechnet die durch 
Verwitterung verursachten Beschädigungen der Ober- 
fläche, keineswegs den Eindruck eines Werkes der 
augustischen, sondern viel eher der späteren Kaiser- 
zeit: die Blöcke sind von ungleicher Gröfse, derFugen- 
schlufs wenig exakt. Endlich bleibt auch die Schwierig- 
keit bestehen, dafs in der ganzen Litteratur der 
ersten drei Jahrhunderte, wo doch andere Wahr- 
zeichen aus der Urzeit, ficus ruminalisy casa Romuli 
u. s. w. so häufig erwähnt werden, von dem er- 
neuerten Romulusgrabe niemand aus eigener An- 
schauung redet: die Grammatikernotizen gehen sämt- 
lich direkt oder indirekt auf Varro zurück, und 
Dionysius, der von dem Löwenbilde sagt Szeito, 
scheint direkt zu bezeugen, dafs er es nicht mehr 
sah. Sollte über ein historisch so bedeutsames 
Monument, das sich in oculatissimo urbis loco be- 
fand, unsere gesamte Überlieferung schweigen? — 
Mir scheint da nur der eine Ausweg zu bleiben, 
dafs nämlich eine sehr späte Epoche das Bedürfnis 
gefühlt hat, die Urzeit Roms auf der Grenze von 
Forum und Comitium aufs neue monumental zu ver- 
ewigen, und dafs man, sei es instinctiv, sei es in- 
folge wirklich vorhandener Kenntnis, das schwarze 
Pflaster annähernd über dem alten von Varro be- 
schriebenen sacellum anbrachte. Und man könnte 
mit solchen Verewigungs - Bestrebungen des be- 
ginnenden 4. Jhdts. einen ganz neuerdings gemachten 
Fund in Verbindung bringen. Bei Freilegung des 
Comitiums fand man, etwa halbwegs zwischen dem 
lapis niger und der Front von S. Adriano (bei a auf 
der umstehenden Planskizze), ein vielleicht noch an 
alter Stelle befindliches Piedestal mit der Weihung: 
Marti invicto patri \ et aelernae urbis suae \ condi- 
toribus 1 dominus noster \ Imp. Maxentius p. f. \ in- 
victus Aug.; und auf der rechten Seite das Datum: 
dedicata die XI kal. Maias \ per Furium Octavianum \ 
cur, aed. sacr. — also, in einem nicht näher be- 
stimmbaren Jahre, am 21. April, dem Gründungs- 
tage der Stadt ''. Und dafs Maxentius — dessen 



'") Die Basis war ursprünglich, wohl einem 
Kaiser, dediziert von den Quinquennalen und De- 
curionen der fabri tignuarii. Die Rückseite trägt 
noch das Datum vom l. August 154 n. Chr., die 
linke Nebenseite das Verzeichnis der Decurionen 
XXIV— LX (vgl. CIL. VI, 1060). Mithin hatte die 
neugefundene Basis ein Pendant in dem 1849 in 
der Basilica Julia gefundenen Fragment CIL. VI 
1220. 10300, dessen Hauptseite nach meiner Revision 
(CIL. VI 31394) lautet: censurae veteris \ pietaiisque 
singularis \ domino nostro \ [Imp]. Maxentio . . . ., und 



Die neuen Ausgrabungen auf dem Forum Romanum. 



Schwiegervater Maximian ja geradezu für einen Sohn 
des Romulus gehalten werden wollte — dem Stadt- 
gründer ein besonderes Interesse widmete, geht aus 
manchen Indizien hervor: die Häufigkeit der Zwillinge 
und der Wölfin auf seinen Münzreversen, der Name 
Romulus, den er seinem Sohne gab, die Bezeichnung 
falsus Romulus, die ein Zeitgenosse (Anon. panegyr. 
in Constantin. c. i8 p. 206 ed. Baehrens) ihm an- 
heftet. Man könnte sogar denken, dafs das Heroon 
für den jung verstorbenen Kaisersohn am einen 
Ende und das wiederhergestellte Romulusgrab am 
anderen Ende des Forums resp. der Sacra via einen 
inneren Zusammenhang hätten ^ 



constatiert worden. Zum antiken Eingange führte 
eine Freitreppe von 6 — 8 Stufen. Die Terrasse und 
das darüber liegende Terrain ist, nach Stiftung der 
Kirche, für einen Begräbnisplatz benützt, auch in 
die damals unter Terrain gekommenen Teile der 
Ziegelfassade sind zahlreiche loculi eingehauen , die 
zum Teil noch ihren Verschlufs aus Ziegel- und 
Marmorplatten bewahrten. Hr. Boni hat einen 
Tunnel in der Höhe des antiken Einganges in das 
Gebäude hineintreiben lassen, wobei Reste des Pavi- 
ments derCurie, aus grofsen Platten farbigen Marmors, 
das stellenweise roh mit beschriebenen Tafeln (Kaiser- 
inschriften, 4. Jhdt.) ausgeflickt war, sichtbar wurden : 




Fig. I. 



Die Strafse vor der Kirche S. Adriano ist ab- 
getragen und die ganze Front der Kirche freigelegt 
worden. Hierbei sind Reste des alten (diocletia- 
nischen) Eingangs, sowie der ca. 3 m höheren Thür 
der Kirche aus der Zeit Honorius I. (625 — 640) 



dessen rechte Nebenseite gleichfalls ein Verzeichnis 
von Decurionen der fabri tignuarii enthält. [Die 
Inschrift ist jetzt publiaiert von Gatti, Bull, com 1899 
p. 215 — 220.] 

') Ich habe diese Hypothese in einem Vortrage 
in der Sitzung des röm. Instituts am 23. Februar 
weiter auszuführen und zu begründen gesucht. 



jedoch hat aus technischen Gründen die Untersuchung 
nicht weit fortgesetzt werden können. — Unter den 
bei diesen Ausgrabungen gemachten Einzelfunden 
ist besonders zu nennen das Bruchstück eines Epistyls 
mit eleganten Buchstaben (den damasianischen ähn- 
lich) etwa des 4. Jhdt.: Ijmperanie d. n. . . . \ 
Ndjeratius Ju . , . . | curiam senatus .... Der 
Z. 2 genannte Beamte, wohl ein Stadtpraefect , ist 
unbekannt, das Cognomen kann Julianus, Justinus 
oder ähnlich ergänzt werden. — Als im 7. Jhdt. das 
Terrain stark aufgehöht wurde, baute man vor der 
rechten Seite der Front eine hohe Stützmauer unter 



Die neuen Ausgrabungen auf dem Forum Romanum. 



starker Verwendung älterer Materialien, namentlich 
grofser Marmorbasen mit Dedicationen an Kaiser 
des 4. Jhdt. (Valentinian, Theodosius u. a.). 

Ostlich von S. Adriano ist das grofse, bis zur 
Kirche S. Lorenzo in Miranda reichende Terrain frei- 
gelegt, auf dem sich die Basilica Aemilia erhob. 
Dafs die Erforschung dieser Seite des Forums, ein 
lang gehegter Wunsch der Topographen, endlich in 
Angriff genommen werden konnte, ist zum grofsen 
Teil einem englischen Altertumsfreunde, Mr. Phillips, 
zu danken, der die Häuserreihe am Nordrand an- 
kaufte und dann behufs Demolirung dem Ministerium 
zur Verfügung stellte. — Wenn die bei dieser Aus- 
grabung gemachten Funde nicht ganz den hoch- 
gespannten Erwartungen entsprechen, so liegt dies 
daran, dafs auch hier die Zerstörung bereits im 
frühen Mittelalter sehr tief gegangen ist. Von der 
grofsartigen Halle aus Marmorpfeilern mit vor- 
gelegten Halbsäulen und dorischen Gebälk, die der 
Langseite nach dem Forum zu vorgelegt war, das 
Pendant zur Porticus Julia bildend, und deren eine 
Ecke noch im 15. Jahrhundert erhalten war (Mon. 
dell'ht. 1884 Tf.XI; Rom. Mitth. 1889, 242) sind zwar 
fast in der ganzen Länge die Travertinfundamente 
der Pfeiler, aber nur geringe Reste des Hochbaus 
gefunden. Am besten erhalten ist die dem Faustina- 
Tempel zunächst liegende Ostecke (PI. i^), wo, wie es 
scheint, ein pavillonartiger Bauteil vorsprang, zu 
dem an der Westecke bei S. Adriano ohne Zweifel 
ein Pendant stand. Parallel zur Pfeilerreihe läuft, 
bereits in 15 m Entfernung, eine Mauer cc aus grofsen 
Tuffquadern (in der Construction den Tabernen an 
der Rückseite der Basilica Julia ähnlich, auch in 
der stellenweisen Verwendung von Travertin) und, 
senkrecht zu ihr, den äufseren Pfeilern entsprechende 
Quermauern gleichfalls aus Tuff. Der Grundrifs 
erinnert sehr an griechische Anlagen, z. B. die Stoa 
des Attalos. Im Rücken an die Tuffmauer ange- 
lehnt ist eine ziemlich späte Mauer aus Ziegelwerk 
dd mit Resten reichen Marmorbelags, welche einen 
bisher nur zum kleinen Teile aufgedeckten grofsen 
Raum mit buntem Marmorpaviment abschliefst. Die 
Fundamente für eine innere Säulenstellung (Axweite 
4,35 m) sind zu erkennen: ein grofser Säulenschaft aus 
Cipollino ist noch nahe seiner alten Stelle gefunden, 
ferner zahlreiche Fragmente von Schäften aus Afri- 
cano. — Reichte dieser Raum, in dem wir den Haupt- 
saal der ganzen Anlage vermuten dürfen, bis zur 
Südgrenze des Forum Transitorium, so hatte er eine 
Breite von er. 30 m (100 röm. Fufs), eine Länge 
von 80—90, also annähernd die Dimensionen des 
Mittelschiffes der Basilica Ulpia. 

Von der Aufsenarchitektur sind z. B. wiederum 



Blöcke des dorischen Gebälks mit Bukranien und 
Pateren, Stücke von Thüroberschwellen, die den von 
A. da Sangallo gezeichneten entsprechen u. a. ge- 
funden: auf mehreren Blöcken eines schönen, aber 
durch Feuer arg beschädigten Epistyls sind Reste 
der Worte Paulus und restituit (Buchstabenhöhe 
er. 20 cm) lesbar. Noch ein anderer Inschrift-Fund 
bestätigt, dafs man in der That die belligeri sublimis 
regia Pauli freizulegen im Begriff ist. In der zweiten 
Auflage des CIL. I hatte ich p. 341 ein von mir 
in den Magazinen der Diocletiansthermen copiertes 
Fragment ungewissen Fundortes publiziert, von 
welchem ich vermutete, es sei ein Rest eines Elogiums 
des Aemilius Paullus (für eins der Elogien vom 
Augustusforum sind die Buchstaben zu klein: 25 cm, 
hoch). Nun hat sich jetzt in der Halle ein zweites 
Fragment gefunden (publiziert Notizie, otiobre S. 386), 
welches nach Schriftcharakter und Umrahmung sicher 
demselben Steine angehört. Beide zusammen ergeben 
folgende Lesung: 



PRIORE CONSA|/a/« de liguribus .. 
RIS'TRIVMyp^avi^; alter consulatu 



de macedonibus et rege perse //»«M P H AV I T 

eodein (CONSVLA 

:LaNOS 



Die Ergänzung ist, wie man siebt, nur zum Teil 
möglich, doch die Beziehung auf Paullus durch die 
Zweizahl der Consulate wie der Triumphe gesichert. 
Z. 2 zu Anfang scheint . . . ris (die Lesung ist 
sicher) zum Cognomen eines ligurischen Stammes 
gehört zu haben; Z. 5 wird man an eine Notiz 
denken analog dem consul quartum severe animad- 
vertit in Veliternos im Elogium des Camillus (CIL. 
VI 1308 = I ed. 2 p. 191 n. VII), oder dem colonos 
adscripsit Cales im Elogium des Claudius Pulcher 
(CIL. VI 1283 = I ed. 2 p. 200 n. XXIII); doch finde 
ich nichts passendes. 

Diesen Zeugnissen gegenüber kann der ge- 
legentlich geäufserte Zweifel an der Benennung des 
Gebäudes, der sich auf den Fund einer anderen 
monumentalen Inschrift gründet, nicht in Betracht 
kommen. Man fand nämlich an der Südostseite 
derBasilika, dem Faustinentempel zunächst (s. Plan3), 
drei grofse, wohl durch ein Erdbeben gestürzte Platten 
(Höhe 1,47, Länge je 1,87), welche folgende Inschrift 
tragen ; 



Die neuen Ausgrabungen auf dem Forum Romanum. 



L-CAE 
PRIN 



SARI AVG« 
CIPI IVVENTVTI 

ESSET ANN-NA 
SENATV 



STI-F-DIVI-N 
S COSwDESIG 
T-XIIII"'AVG 

S 



Der Herausgeber Gatti (Bu//. comun. 1899 S. 141) 
hat an die bei Sueton, Aug. 29 genannte porticus 
Gai et Lucii gedacht, welche von der basilica Gai 
et Lud = b. Julia (Cass. Dio 56, 27. Mon. Ancyr. 4) 
zu unterscheiden und der von Eutrop und Cassiodor 
unter den Werken Domitians aufgezählten porticus 
divorum gleichzusetzen sei. Letzteres ist eine 
Conjectur Borsaris (Bull, comun. 1885 p. 87. 88), 
die schon deshalb haltlos ist, weil Gaius und Lucius 
nie divi waren. Wie die grofse, vielleicht nicht 
einmal an ihrer ursprünglichen Stelle gefundene, aber 
keinesfalls weit verschleppte Inschrift zur Basilica 
Aemilia in Beziehung steht, bleibt noch festzustellen. 
In und über den Resten der Basilica hat sich 
dann in ganz später Zeit ein Privathaus eingenistet, 
offenbar einem vornehmenManne derlangobardischen 
oder byzantinischen Epoche angehörig. Einige seiner 



Räume entsprechen den Tabernen der alten Basilica, 
für Zwischenwände hatten die Basilica selbst und 
andere benachbarte Gebäude Material liefern müssen. 
Mehrere Zimmer (PI. eee) haben wohlerhaltenes Pavi- 
ment aus Giallo antico, Serpentin und Porphyr in 
einfachen Mustern, ähnlich dem in der sog. Jovis 
coenaiio des Flavierpalastes oder einzelnen Stücken 
in sehr alten römischen Kirchen (unter dem Hoch- 
altar in S. Maria in Cosmedin; Capeila S. Zenone in 
S. Prassede: 7. — 8. Jhdt.). Besonders interessant ist, 
dafs zu diesem Bau als Schwelle einer Thür (f) ein 
grofser ursprünglich zur zweiten Tafel der Fasti 
Capitolini gehöriger Marmorblock verwendet worden 
ist. Seine Höhe beträgt 65 cm. Leider ist der weit- 
aus gröfste Teil bei der Verarbeitung zur Schwelle 
mehrere Centimeter tief abgearbeitet worden, so dafs 
nur auf der schmalen als Leiste stehen gebliebenen 
obersten Partie ^ noch je 6 Zeilen von zwei Columnen 
übrig geblieben sind, die linke die Eponymen des 
Jahres 380, die rechte die der Jahre 331. 330 v. Chr. 
enthaltend. Merkwürdigerweise hat die Tafel für 380 
nicht sechs Militärtribunen, wie Livius, auch nicht 
acht, wie Diodor, sondern neun. — In der zweiten 
Columne ist interessant die Angabe zum J. 331 über 



*) Das Stück ist in dem soeben erschienenen Oktoberhefte der Notizie degli scavi S. 384 von Gatti 
publiziert: ich gebe es nach meiner Abschrift: 



Linke Columne 



L-VALERIVS /. /. /. n. poplicola V 

P. L-F- • -/öÄ-TYS-POPLICOL-II 

SER-CORNELIVS-P-F-M-N-MALVGIN-IIII 

LICINVS-MENENIVS-L-F-T-N-LANATVS-II 

C-SVLPICIVS-M-F-Q-N- PETICVS 



/. aemilius tnam. f. mam. N • M A M E R CI N • VI 

C^-sergius FIDEN-COXO-III 

TI-PAPIRI«j CRASSVS TRMIL 

L. MVGILLANVS-II 



T-QVINCTIVS-T-F-L-N-CINCINNAT«j capitolin. dict. 

a. sempronius atratinus mag. equit. 



rei gerund, caussa 



Rechte Columne 



C-VALERIVS-L-F-L-N POTITVS 

CN-QVINCTIVS-T-FT-NCAPITOLIN 



QVI-POSTEA rAVDINVS-APPELL-«/ 
M-CLAVDIVSC-FCN-MARCELLVS 



DICT 
C-VALERIVS-L-F-L-N-POTITVS-POSTEA-QVAM-CC'S-ABIIT MAG-EQ^^^^'^'^^*^"^ 



L-PAPIRIVS-L-F-N 



CRASSVS II 



L-PLAVTIVS- 



L-F-L-N Venno 



Aus der Disposition der Namen i- J. 374/380 wird klar, wie das »Consulat« beim Chronographen von 354: 
Publicola V et Mamertino VI entstanden ist. — Z. Jahre 422/332 ergänzt Gatti a. a. O. : [cens. Q. Poblilius 
Q. f. Q_. n. Philo, Sp. Postumius . . . Albinus] qui postea Caudinus appell. [est] l.f. XXIIII. Aber der Beiname 
Caudinus ist so den Cornelii Lentuli eigen, dafs ich vielmehr annehmen möchte, es sei hier irgend eine 
sonst nicht bezeugte Magistratur des L. Cornelius Lentulus, Consul 327, der zuerst diesen Beinamen 
getragen zu haben scheint (Drumann 2, 526) genannt gewesen. 



Die neuen Ausgrabungen auf dem Forum Romanum. 



den ersten dictator clavi figendi causa, welche zur Be- 
richtigung des lävianischen Textes (8, i8) dienen 
kann. — Der Zeit eines Theodorich und Cassiodor, 
die ja für die Magistratsliste ebenso Interesse hatte 
wie für die Denkmäler an der Sacra via, werden wir 
einen solchen Vandalismus gewifs nicht zutrauen, 
sondern die Zerstörung der Regia ein oder zwei 
Jahrhunderte nach ihnen ansetzen. 

Zwischen dem Vesta- und dem Faustinatempel 
hatten Jordan l886 (s. Rom. Mitth. 1886 S. 99— III 
und Tf. V; VI. VII) und ich 1888 (s. Jahrb. des 
Instituts 1889 S. 228—253) Reste eines öffentlichen 
Gebäudes ausgegraben, in welchem mit Sicherheit 
die Regia, das Amtslokal des Pontifex Maximus 
erkannt wurde. Die ftir jene Untersuchungen ge- 

^B I\<^ia Comiti Calvini. 

' Costruiioni <U epoca ba$S3. 




zogenen Gräben hatten jedoch wieder zugeworfen 
werden müssen, auch hatten sich unsere damaligen 
Untersuchungen nur auf den Teil des Terrains er- 
strecken können, der nicht von den dort gelagerten 
Säulen und sonstigen Resten des Vestatempels ein- 
genommen war. Die nunmehr erfolgte Freilegung 
des ganzen Areals bis zu den tiefsten Schichten hat 
für die Architektur der Regia manches Neue gelehrt, 
freilich auch neue Rätsel aufgegeben. Da die offi- 



ziellen Berichte G. Bonis (Notizie degli scavi 1899 
S. 220—222) und G. Gattis (Bull, communale 1899 
S. 144—147) jeglicher Pläne entbehren, so wird 
nebenstehende Skizze (Fig, 2) wenigstens zur vor- 
läufigen Orientierung erwünscht sein. 

Aus den früheren Ausgrabungen war bekannt, 
dafs auf dem genannten Terrain zwei verschiedene 
Bauten übereinander liegen: ein republikanischer, aus 
Tuff und opus incertutn, und darüber der von Cn. 
Domitius Calvinus als Pontifex Maximus 7 18/36 v.Chr. 
errichtete aus soliden Marmorquadem, auf dessen 
Aufsenseite das Verzeichnis der eponymen Magistrate 
eingegraben war. Ich hatte vermutet, dafs das Ge- 
bäude hauptsächlich aus drei nebeneinander liegen- 
den Räumen bestanden habe, denen nördlich ein 
Hof mit bedecktem Vorraum vorgelagert gewesen sei. 

Die neuen Ausgrabungen bestätigen zunächst, 
dafs die NW.-Ecke des Gebäudes als offener Hof 
aufzufassen ist. Es sind daselbst, aufser Resten alter- 
tümlicher Ableitungskanäle aus Tuff (aaa) zweiBrunnen 
und eine mit überkragenden Tuffquadern eingedeckte 
Cisterne gefunden. Der Brunnen in der NW.-Ecke 
(^), 14,35 m tief, enthielt Stücke von Tuffsteinen mit 
Brandspuren, Gewichte aus Terracotta, und unbe- 
deutende Vasenscherben mit schwarzem Firnifs; der 
zweite {c) südlich davon (gleichfalls bereits auf F. O. 
Schulzes Plan, Jahrb. 1889 S. 241, angedeutet), keine 
Objecte von Interesse. Die Cisterne, von beistehend 



1,20 \ 



\ 



3.02 



dargestelltem Durchschnitt, hat Wände aus Tuff- 
quadern und einen Boden aus opus signinum. Im 
Innern fand man, aufser Scherben von mittelalter- 
lichen Vasen, von Amphoren (darunter zwei mit auf- 
gemalten Inschriften aus der Kaiserzeit), von Arre- 
tiner u. a. Gefäfsen, achtundsechzig Schreibgriffel 
aus Knochen, und Reste einer Schreibtafel (0,102 
X o,T45) aus Eichenholz; endlich, und das ist das inter- 
essanteste Stück, neun Fragmente eines Puteais aus 
Kalkstein (Dm. 0,31 m) von dessen Inschrift, in 
zierlichen voraugustischen Buchstaben nur das Wort 
REGIA übrig geblieben war. — Ferner wurde 
constatiert, dafs eine (gleichfalls bereits von Schulze 
gezeichnete) Lage von vier Tuffblöcken, am Westrand 
des Raumes (bei e), Spuren eines kreisrunden Auf- 
satzes zeigte, zu der höchst wahrscheinlich ein in 



Die neuen Ausgrabungen auf dem Forum Romanum. 



der Nähe gefundenes cylindrisches Bruchstück aus 
Peperin mit den, noch Spuren rother Farbe tragenden 
Buchstaben A-COVRI gehörte. Der südlich an- 
stofsende Raum dagegen hatte ein Paviment aus 
Tufifplatten , in dessen Mitte sich eine runde Sub- 
struction aus grauem Tuff (/J, von 2,53 m Dm. findet, 
deren Erklärung bisher problematisch bleibt: dafs 
sie dem sacrarium Mortis, dem Aufbewahrungsort 
der heiligen Lanzen zuzuschreiben sei, ist nur eine 
vage Vermutung. 

Da bedeutende Stücke von der Marmor- 
architektur des Baus des Calvinus auch jetzt nicht 
gefunden sind, so kommt man über die Jahrb. 
a. a. O. gegebene hypothetische Rekonstruktion nicht 
wesentlich hinaus: zwei scheinbar neue Daten, 
welche der offizielle Bericht hervorhebt, erweisen 
sich bei näherer Betrachtung als nicht stichhaltig, 
nämlich erstens, dafs an der Ostseite des Gebäudes 
die Eingangsthür mit zwei Marmorstufen davor 
constatirt sei, und zweitens, dafs an der Nordseite, 
gegenüber dem Faustinentempel gefunden seien 
i gradini formanti crepidini sulla via sacra, pei quali 
si saliva a un portico a colonne di cipollino, con basi 
di granito rosso. An beiden Stellen handelt es sich 



in die Fundamente einer späten Mauer verbaut, die 
zweite Hälfte einer CIL. VI, 900, Anm. und Jahrb. 
d. Inst. 1889 S. 231 gedruckten, 1546 zusammen 
mit den Fasti Capitolini ausgegrabene Inschrift ge- 
funden. Vereint bilden beide Teile ein 3,50 m langes 
Epistyl mit der einzeiligen Inschrift: 

'■« HONOREM DOMVS AVGVSTAEKALA'DÜRES 
l'ONTIFICVM ET FLAMINVM 

Dies Epistyl wird den Eingang der einer Taberne ähn- 
lichen schola dieser Amtsdiener bedeckt haben (vgl. 
Berl. philol. Wochenschr. Sp. 1533; Rom. Mitth. 
1899 Hft. 3. 4,). Aber dieser schola einen be- 
stimmten Platz anzuweisen sind wir nicht im Stande; 
der Not. a. a. O. so bezeichnete Raum mit gutem 
schwarz-weifsem Mosaikpflaster kann es schwerlich 
gewesen sein. 

Unter den Entdeckungen im Atrium Vestae 
nehmen besonderes Interesse in Anspruch die im 
SUdtract, nach der Nova Via und dem Palatin zu, 
gemachten. Der Südtract besteht (s. den Plan von 
F. O. Schulze bei Jordan, T. d. Vesta Tf. i) aus 
vier Gruppen von Zimmern: zunächst (i — 3) Wirt- 
schaftsräume, Mühle und s. w.; dann (4. 5) ein 
gröfseres und ein kleineres Zimmer, hinter dem eine 



hl 



nicht um Reste der Regia, sondern des mittelalter- 
lichen Hauses, das sich vielleicht im 7. oder 8. Jhdt. 
über den Trümmern derselben erhoben hatte. Über 
die CipoUinsäulen mit den plumpen Granitbasen 
vgl. Jahrb. S. 243. Die Schwelle der von Boni als 
porta d'in%resso erklärten Thür (g) war längst bekannt 
und auf den beiden Plänen Schulzes (Mitth. 1886 
Tf. V und Jahrb. 1889 S. 241) verzeichnet, aber von 
uns als Communication zwischen zwei Innenräumen 
aufgefafst: was ich auch jetzt noch für richtig halte. 
Die antike Thür ist im Mittelalter in ganz roher 
Weise durch teilweises Abhacken der einen Quader 
verbreitert, und sind ihr bei dieser Gelegenheit 
zwei Treppenstufen vorgelegt worden: diese be- 
stehen zum gröfsten Teile aus einer hakenförmig 
zugeschnittenen Marmorquader, der rechts ein 
TufTblock angefügt ist — dafs das nicht die scala 
d'accesso della Regia sein kann, wird dem Beschauer 
ohne weiteres klar. — 

Neu dagegen ist der Nachweis eines mit der 
Regia in Verbindung stehenden Amtslokals (schola) 
der kalatores pontificum et flaminum in der Nähe der 
Regia. An der SW.-Ecke des Gebäudes (bei h) ist. 



jr^2^ 



Treppe (6) im r. Winkel zum Oberstock führt, dann 
(7) ein isolirter gröfserer Saal, in dem die sechs- 
eckige Basis der Flavia Publicia (bull, comun. 1884 
p. 5 n. 699) noch an ihrer alten Stelle befindlich 
ist; ferner (8 — 10) drei kleinere Zimmer mit ge- 
meinsamem Corridor davor, endlich (11) ein gröfseres 
nahezu quadratisches, welches beinahe die W.-Ecke 
des Säulenhofes erreicht. Der Saal 7 hatte, wie 
längst kenntlich, ursprünglich eine gröfsere Tiefe 
nach der Nova Via zu, und ein tiefer liegendes 
Paviment: dann hat man, um ihn vor Feuchtigkeit 
zu schützen, eine Parallelmauer in 1,5 m Abstand 
zur Rückwand gezogen, und den Boden um er. 75 cm 
erhöht. Dieser Umbau, bei dem der Raum statt 
seiner früheren Stuckdekoration einen Wandbelag 
von Marmor (Rosso antioo u. s. w.) erhielt, dürfte, 
wie die Basis der Flavia Publicia zeigt, vor Mitte 
des dritten Jhdts., aber auch schwerlich viel früher, 
erfolgt sein. Man hat nunmehr in den anstofsenden 
Räumen die aus Calcestruzzo bestehenden Auf- 
füllungen weggeräumt, und dabei in mehreren (n. 5. 
10 und dem Corridor vor 8 — 10), ansehnliche Reste 
schöner Mosaikfufsböden aus opus sectile gefunden, die 



Die neuen Ausgrabungen auf dem Forum Romanum. 



dem ursprünglichen Bau etwa der Antoninenzeit an- 
geiiören: namentlich in n. lo ist noch fast der 
ganze Fufsboden, Quadrate und Dreiecke aus Giallo 
antico, Pavonazzetto, Porta santa u. a., erhalten. In 
der hinteren Ecke des Raumes lo fand man eine ver- 
mauerte Thlir, deren Ziegelpfosten noch eine hübsche 
Malerei, Vögel auf weifsem Grunde, zeigten. Diese 
Thür führte in einen Corridor (12), dessen Fortsetzung 
bisher noch nicht aufgedeckt werden konnte. In dem 
Corridor wurden, vor einem kleinen Abzugskanal aus 
Ziegeln, fast 400 Goldmünzen aus der späten Kaiser- 
zeit gefunden, die dort, wie es scheint in einem Stücke 
Stoflf, von dem aber keine Reste gefunden sind, ver- 
borgen waren. Sie verteilen sich wie folgt (genaues 
Verzeichnis Not. d. scavi S. 327 — 330): 

Constantius II (335—361) l (Cohen 108) 
Valentinian III (425—455) 7 ( » 19) 

Marcianus (450—457) 8 (Sabatier 4) 

Leo I (457—474) 24 (Sabatier 4) 

Livius Severus (461-465) 2 ( , 8) 

Anthemius (467—472) 345 (Cohen 6. 9. 12) 

Euphemia Anthemii 10 (Cohen i) 

397 

Die Deponirung des Schatzes mufs demnach um 
470 erfolgt sein: das Atrium Vestae, aus dem die 
Priesterinnen seit ca. 80 Jahren vertrieben waren, 
mag damals von kaiserlichen Hofbeamten ein- 
genommen gewesen sein, wie fünfhundert Jahre 
später von solchen der Päpste: der in der Nord- 
westecke des Atriums 1883 gefundene Schatz von 
830 angelsächsischen Münzen ist bekannt genug. 

In den Räumen, welche in der Südostecke des 
Atriums, zwischen ' Tablinum' und Sacra via liegen, 
sind unter dem Paviment Reste älterer Bauten ge- 
funden, u. a. ein viereckiger, aus Aschen- und Opfer- 
resten gebauter, stucküberzogener Altar mit Abflufs- 
rinne darum (vgl. Reisch bei Pauly-Wissowa I 1668). 
Die Orientierung scheint mit der der älteren Bauten 
nördlich des Atriums (sog. 'alte Regia"*) zu stimmen. 

Weitere Ausgrabungen sind im Zuge der 
Sacra via vom Faustinentempel bis zur Höhe der 
Velia hin ausgeführt worden, und haben gezeigt, 
dafs auch hier die bisherigen Untersuchungen gar 
nicht bis auf das Niveau der frühen Kaiserzeit 
durchgedrungen waren. Nachdem das bisher als 
Sacra via geltende mittelalterliche Pflaster nunmehr 
beseitigt ist, erkennt man darunter, in etwa 2 m 
Tiefe, zwei Bauschichten: der ältere clivus sacer, 
der etwa vor der Mitte der Constantinsbasilica 
rechts (südlich) abbiegt, um nach der Velia beim 
Titusbogen anzusteigen, ist umgeben von Privat- 
bauten aus Quadern und Ziegelwerk: diese werden 
durchschnitten von zwei grofsen Substruktionen aus 



Gufswerk, in der Linie der die hadrianischc sacra 
via begleitenden Pfeilerhalle. Jordan hat (Topogr. 
I, 2, 280 fr. 429) richtig hervorgehoben, dafs die 
heilige Strafse unter Hadrian, gelegentlich des Baus 
des Tempels der Venus und Roma, neu regulirt 
und in einer geraden, der Axe des Doppeltempels 
parallelen Linie geführt worden ist: die ältere Bau- 
schicht macht ganz den Eindruck, als ob sie dem 
Ende der Republik oder der frühen Kaiserzeit an- 
gehöre. Genaueres wird erst die Vollendung der 
Ausgrabungen lehren : nur soviel mag schon jetzt 
bemerkt werden, dafs die von Lanciani, Forma Urbis 
Romae Bl. 30 reconstruirte/^rAVwj margaritaria, deren 
Vorhandensein an dieser Stelle Jordan (Top. 1,2 S. 288 
Anm, 118) mit Recht bestritten hatte, sich als völlig 
imaginär herausstellt. — Ein convexes, reich ge- 
schmücktes Epistyl mit Bronzebuchstaben mit dem 
Inschriftrest (Buchstaben ehemals mit Bronze aus- 

/toninvs 

IMP-II 
;STITVIT 

gefüllt) kann auf Marcus oder, wahrscheinlicher, auf 
Pius ergänzt werden: welchem Gebäude es angehörte, 
bleibt ungewifs. 

Bei so reichen Erfolgen kann es wohl in den 
Kauf genommen werden, wenn eine Ausgrabung, auf 
die grofse Hoffnungen gesetzt wurden, ohne Resultat 
geblieben ist, nämlich die hinter S. Cosma e Damiano, 
wo zwar das wohlerhaltene kostbare Marmorpflaster 
des Platzes um den Friedenstempel, aber nicht der 
geringste Splitter mehr von der Forma Urbis Romae 
zu Tage gekommen ist. — Entschädigt werden wir 
hoffentlich durch eine weitere grofse Ausgrabung 
an der Südseite, wo in den letzten Wochen die 
Demolirung der Kirche S. Maria Liberatrice be- 
gonnen und vollendet ist. 

Zum Schlüsse möge es gestattet sein, noch einen 
Wunsch für die Zukunft auszusprechen. Die Funde 
aus den Forumsausgrabungen der 70 er Jahre haben, 
nach mancherlei Wechsel, ein Unterkommen in den 
Diokletiansthermen gefunden. Was in den (übrigens 
vorzüglich geordneten) Magazinen ist, verschwindet 
leicht unter der Masse des Übrigen, namentlich da, wie 
ein oben (S. 5) angeführtes Beispiel zeigt, bei manchen 
vor der Einlieferung ins Museum die Provenienz 
in Vergessenheit geraten war. Auch die in dem- 
selben Museum ausgestellten hervorragenden Stücke, 
wie die aus dem Atrium Vestae, erwecken dort 
keineswegs das Interesse, welches sie an Ort und 
Stelle haben würden. Die reichen jetzt gemachten 
Funde sollten daher den Anlafs geben zur Schaffung 



lO 



Römisch -germanische Forschung. 



einer speciellen Sammlung zur Geschichte des 
Forums, die wo möglich in unmittelbarer Nähe 
desselben ihre Aufstellung hätte. In derselben 
hätten Platz zu finden erstens alle auf dem Forum 
ausgegrabenen Skulptur-, Architektur- und In- 
schriftenreste, deren Verbleib am Platze unthunlich 
scheint. Es stände Nichts im Wege, auch die dem 
römischen Boden entführten Denkmäler des Forums, 
so weit sie in italienischen Staatsmuseen sind, wieder 
zurückzuführen'^: von den nicht zu erlangenden, 
z. B. den in die vaticanischen, lateranischen, kapi- 
tolinischen Sammlungen gekommenen, sollten genaue 
Copien beschafft werden. Im Anschlufs an die 
Sammlung der Originale wäre dann eine Sammlung 
von ergänzten Abgüssen der wichtigsten Architektur- 
stücke anzulegen. Bekannt ist, dafs auf diesem 
Gebiete französische Architekten — Valadier für den 
Vespasians- und den Concordia-Tempel, Dutert für 
den Castortempel — vortreffliches geleistet haben. 
Jetzt könnte derVestatempel nach Äuers Forschungen, 
die Aufsenarchitektur der Regia mit Hülfe von Ab- 
güssen der capitolinischen Fasten (die Originale 
bleiben, trotz ihrer falschen Zusammensetzung, gewifs 
am besten an den Stellen, die sie seit dreihundert 
Jahren inne haben) in Modellen in Naturgröfse 
reproduziert werden, und diese Nachbildungen, bei 
denen natürlich für bequeme Zugänglichkeit aller 
einzelnen Teile zu sorgen wäre, könnten für den 
Fachmann wie für den Freund des Alterthums 
nützlicher sein, als teilweiser Wiederaufbau der 
Monumente an Ort und Stelle (s. Anz. 1899 S. 7). 
— Eine dritte Abteilung der Sammlung hätten die 
Abbildungen des Forums und seiner einzelnen 
Monumente auszumachen: römische Reliefs, Münzen, 
architektonische Studienblätter und Veduten aus der 
Renaissance bis zur Neuzeit, in Originalen oder in 
guten Nachbildungen müfsten vereinigt werden, 
auch hier das beste und künstlerisch wertvollste 
öffentlich ausgestellt, das minder bedeutende zu 
Studienzwecken magaziniert. Vieles hiervon wäre 
für die italienische Verwaltung kosten- und mühelos 
zu erlangen, wie die schönen jetzt der Regia Calco- 
grqfia gehörigen Stiche Piranesis, oder Copien der 



') Ich denke an Fälle, wie die mit der Farnesi- 
schen Erbschaft ins Museum von Neapel gelangten 
Ausgrabungen von 1547: dadurch sind z. B. von 
dem grofsen Siegesmonument des Honorius (Rom. 
Mitth. 1895 S. 52 ff.) einige Stücke auf dem Forum, 
das gröfste aber in Neapel. Was Mommsen ge- 
legentlich eines anderen Monuments klagt (Eph. 
epigr, IV p. i): hoc voluerunt sive fatorum iniquitas 
sive caeca hominum sludia, ut eiusdem praeclari »lonu- 
menti lacerae reliquiae expositae sint in duobus viuseis 
publicis ambobtis et ambobits Italis gilt auch hier. 



Handzeichnungen in den Uffizien; was die in 
fremden Sammlungen befindlichen betrifft, wie die 
wichtigen Heemskerckschen Blätter im Berliner 
Kupferstichkabinet, so würden gewifs die be- 
treffenden Verwaltungen einem derartigen Unter- 
nehmen sich entgegenkommend verhalten. Endlich 
sollte ein Gesamtmodell in genügend grofsem Mafs- 
stabe das restaurirte Forum der Kaiserzeit darstellen. 
Durch alle diese Veranstaltungen liefse sich ein 
Ganzes schaffen, das sowohl dem Freunde des 
Altertums zur Orientirung, wie dem Fachmanne für 
spezielle Studien von hohem Werte wäre. 

Nicht einmal besonders grofse Mittel erforderte 
die Verwirklichung dieses Planes, namentlich da ge- 
eignete Räumlichkeiten in dem bereits dem Staate ge- 
hörigen Kloster von S. Francesca Romana mit der an- 
stofsenden Cella des Venus- und Roma tempels wohl zu 
gewinnen wären. Ich habe also, obwohl ich keine 
grofse Hoffnung hege, dafs meine Anregung einer 
Raccolta storica del Foro Romano bei den derzeitigen 
Leitern des italienischen Ministeriums auf fruchtbaren 
Boden fallen wird, doch nicht unterlassen wollen, 
diesen Gedanken, für den ich privatim bereits vielfach 
eingetreten bin, hier auch öffentlich auszusprechen. 

Rom, Januar 1900. Ch. Huelsen. 

RÖMISCH- GERMANISCHE 
FORSCHUNG. 

Wir haben bereits im Anzeiger v. J. S. 207 f. 

der Betheiligung des Instituts an der vorjährigen 

Versammlung des Gesammtvereins der deutschen 

Geschichts- und Alterthumsvereine in Strafsburg 

Erwähnung gethan. Nachdem der Bericht über die 

dortigen Verhandlungen im Correspondenzblatte 

jener Vereine 1900 S. iff. erschienen ist, bringen 

wir hier mit Genehmigung der Redaktion des Cor- 

respondenzblattes und des Herrn Prof. Wolff dessen, 

das Institut nahe angehenden Vortrag und die daran 

geknüpfte Verhandlung zum Wiederabdrucke. 

Die Aufgaben der westdeutschen 

Geschichtsvereine nach der Auflösung der 

Reichs -Limeskommission. 

Von Prof. Dr. Wolff. 

Nachdem der Vortragende in einigen Sätzen 
das Verhältnifs der westdeutschen Geschichtsvereine 
zur Limes-Forschung vor und nach der Bildung der 
Reichs-Limeskommission charakterisirt und beson- 
ders hervorgehoben hatte, dafs dieselben, obgleich 
sie als solche bei den Arbeiten der letzteren nicht 
hinzugezogen worden seien, diese durch rückhalt- 
lose Überlassung der in ihren Archiven und Museen 
vorhandenen handschriftlichen und graphischen 
Materialien und Fundstücke, sowie auf andere Weise 



Römisch- germanische Forschung. 



II 



thatkräftigst unterstützt haben, wies er auf die Kehr- 
seite dieses Verhältnisses hin, die darin besteht, 
dafs die Vereine, über deren Gebiet sich die Ar- 
beiten der Kommission erstreckt haben — und das 
sind naturgemäfs gerade diejenigen, bei welchen 
seither die römisch-germanische Alterthumsforschung 
im Vordergrunde des Interesses stand — , diesem 
Theile ihrer Thätigkeit gegenüber in den letzten 
Jahren sich eine gewisse Resignation auferlegt haben. 
'Das Bewufstsein', so fuhr der Redner fort, 'dafs 
die Aufgaben, die sie früher als ein officium nobile 
ansahen, vom Reiche übernommen seien, hat auf 
manche dieser Vereine die Wirkung ausgeübt, welche 
der erstarrte Absolutismus auf die private und 
kommunale Thätigkeit in Preufsen vor Jena gehabt 
hat. Was man anfangs als eine Zurücksetzung em- 
pfunden hatte, gewöhnte man sich bald als eine 
Erleichterung anzusehen. Hatte man früher oft Noth 
gehabt, das nöthige Geld für Lokalforschungen 
aufzubringen, so standen jetzt Überschüsse für 
Publikationen, Registraturen und dergl. zur Ver- 
fügung. Man wies die Überbringer von Nachrichten 
über zufällige Funde an die betreffenden Strecken- 
kommissare; das Publikum aber gewöhnte sich all- 
mählich daran, seine Mittheilungen an diese selbst 
über Dinge zu richten, die nicht zu den Aufgaben der 
Reichs-Limeskommission in Beziehung standen. W^o 
nun der Streckenkommissar dem Verein, in dessen 
traditionellem Forschungsgebiete die Fundstellen 
lagen, angehörte oder nahe stand, da war ein Inein- 
andergreifen der beiderseitigen Thätigkeiten leicht 
zu erzielen. Wo aber jene Voraussetzung nicht zu- 
traf, da ist gar manche Mittheilung nicht weiter 
gegeben oder infolge der vorher erwähnten und 
erklärten Erlahmung des Interesses und Verant- 
wortungsgefühles nicht benutzt worden. Wer aber 
weifs, wie viele der wissenschaftlich werthvollsten 
Entdeckungen nicht den planmäfsig auf Grund eines 
bestimmten Programmes veranstalteten Ausgrabungen, 
sondern den infolge zufälliger Funde und gelegent- 
licher Mittheilungen unternommenenNachforschungen 
verdankt werden, der wird mir beistimmen, wenn 
ich sage: Eine der ersten Aufgaben für die 
Leiter derjenigen Geschichts vereine, welche 
diese Seite ihrer Thätigkeit in dem Dezennium der 
Reichs-Limes-Grabungen vernachlässigt haben, wird 
es sein, etwa abgerissene Fäden zwischen 
dem Vereine und den landeskundigen Be- 
wohnern ihres Forschungsgebietes wieder 
anzuknüpfen, den Nachrichtendienst, der 
bisher im Interesse der Limeskommission 
thätig war, wieder in direkte Beziehung 
zum natürlichen und geschichtlichen Zen- 



trum jenes Gebietes zu bringen. Dafs aber 
eine Mahnung in dieser Hinsicht auch für manche 
Vereine nicht unzeitgemäfs ist, welche sich durch 
die Thätigkeit der Kommission in der gedachten 
Richtung nicht berührt glauben, davon habe ich 
mich in den letzten Jahren nur zu oft zu überzeugen 
Gelegenheit gehabt. 

Nun könnte man wohl sagen: Was schadet es 
denn, wenn diese ganze Ausgrabungsthätigkeit ein- 
mal einige Zeit ruht oder in erheblich langsamerem 
Tempo betrieben wird als in den letzten Jahren! 
Nun, meine Herren, das Letztere wird ohnehin 
sicherlich der Fall sein, und das ist auch ganz gut. 
Ein Stillstand aber wäre auch auf diesem Gebiete 
Rückschritt, und zwar aus mehr als einem Grunde. 
Zunächst leben wir auch bezüglich der Bodenver- 
änderungen in den Feldmarken unserer Dörfer fin 
de siecle. Der Fanatismus, mit welchem besonders 
in einigen unserer westdeutschen Staaten die Ver- 
koppelungsgeometer das Prinzip der geraden Linien 
durchführen und jede, auch die unschädlichste Un- 
ebenheit des Bodens zu beseitigen suchen, wird es 
sicherlich in den ersten Jahrzehnten des neuen 
Jahrhunderts dahin gebracht haben, dafs eine Feld- 
flur aus der Vogelperspektive den Eindruck eines 
regelrecht paginirten Schemas für statistische Ta- 
bellen macht. Alte Feldwege, Raine, Ackergrenzen 
und alle die anderen Runen, welche eine mehr- 
tausendjährige Geschichte in den Boden geschrieben 
hat, sind in vielen Gemarkungen schon heute bis 
auf die letzte Spur verschwunden. Dieselben Ar- 
beiten aber fördern häufig gelegentlich römische, 
prähistorische und historische Kleindenkmäler zu 
Tage, deren rechtzeitige Beachtung schon wieder- 
holt zu kulturhistorisch wichtigen Entdeckungen 
geführt hat. Hier gilt es achtzugeben oder 
vertrauenswürdige Männer an Ort und 
Stelle zu gewinnen, die in jedem Falle 
sofort Mittheilungen an die zuständige 
Stelle gelangen lassen. Diese Stelle ist 
aber oder sollte wenigstens der Vorstand des 
betreffenden Geschichtsvereins sein. Denn 
wie wenig der staatlich organisirte Denkmalschutz, 
wo er überhaupt besteht, in dieser Richtung seinen 
Zweck erfüllt, wie wenig er ihn ohne Zusammen- 
arbeiten mit den Vereinen zu erfüllen vermag, das 
habe ich vor Kurzem in der Zeitschrift »Denkmal- 
pflege« nachzuweisen gesucht. Noch mehr versagt 
derselbe, wenn bei Privatarbeiten zufällige Funde 
gemacht werden, und auch das geschieht gerade 
in unseren Tagen häufiger, als man glaubt. Die 
tiefgründige Bestellung der Felder, zumal, wenn der 
Dampfpflug in Thätigkeit ist, hat schon gar manches 



12 



Römisch - germanische Forschung. 



Grab und die Fundamente mancher Villa rusiica 
blofsgelegt, über die der alte Ackerpflug viele Jahr- 
hunderte lang hinweggegangen ist, ohne dafs sein 
Führer von ihrer Existenz eine Ahnung hatte. In 
allen solchen Fällen ist sofortige Aufnahme und, 
wenn irgend möglich, weitere Untersuchung der 
Fundstelle nicht ein Sport für Liebhaber, sondern 
eine wissenschaftliche Aufgabe, der sich kein Ver- 
ein entziehen kann, der es ernst mit seiner Pflicht 
nimmt. Aber auch zu systematischen Aus- 
grabungen haben unsere rechtsrheinischen 
Vereine nach dem Aufhören der Reichsgrabungen, 
und zum Teil infolge der letzteren, Veranlassung 
und moralische Verpflichtung. Zwar die 
eigentliche Grenze des römischen Reiches, das ur- 
sprünglich einzige Objekt dieser Arbeiten, wird mit 
Ausnahme einiger weniger Punkte so vollständig 
als wünschenswerth und jedenfalls weit über die 
anfänglich gehegte Erwartung hinaus erforscht sein. 
Was hier gelegentlich noch gefunden werden sollte, 
wird sich leicht in den gewonnenen Rahmen ein- 
fügen lassen. Die Vereine werden ihre Schuldig- 
keit gethan haben, wenn sie solche Funde recht- 
zeitig beachten und feststellen und die gefundenen 
Gegenstände erwerben und aufbewahren. Aber 
die Ausdehnung der Untersuchungen auf 
das Hinterland zwischen Grenze und 
Rhein, bezw. Donau, hat zu Ergebnissen 
geführt, die an historischem Interesse die 
Resultate der Limesforschung im engeren 
Sinne des Wortes weit übertreffen. Unsere 
Auffassung der Geschichte der Okkupation des 
rechtsrheinischen Germaniens, ebenso wie die der 
Besiedelung und Kultur des Dekumatenlandes ist 
auf eine ganz neue Grundlage gestellt worden. 
Aber auf dieser Grundlage gilt es weiter 
zu bauen. Da bietet sich der Vereinsthätigkeit 
eine grofse und dankbare Aufgabe. Nicht darauf 
kommt es an, hier und da einmal eine Ausgrabung 
zu veranstalten, sondern durch zusammen- 
hängende Lokal forschung auf Grund des 
Studiums der Flurkarten und der Ur- 
kunden, sowie der gesammten, besonders 
der neuesten Speziallitteratur mit er- 
gänzenden Nachgrabungen brauchbare 
Bausteine zusammenzutragen und zurecht- 
zuhauen für eine künftige Urgeschichte 
und Kulturgeschichte unseres Volkes. Wo 
da anzusetzen ist, das werden die Veröffentlichungen 
der Reichs-Limeskommission klar erkennen lassen; 
für die nächste Umgebung der Grenzbefestigungen, 
die Lagerdörfer, lassen sie es zum Theil schon 
jetzt erkennen. Die Karten, auf welchen demnächst 



die Ergebnisse der Strafsenforschung dargestellt 
werden, 'dürften die alte Ansicht, als hätten die Römer 
durch die mühselige und kostspielige Anlage der 
Grenzwehren einen im Wesentlichen werthlosen 
Landstrich in ihr Reich einbezogen, nur aus mili- 
tärischen Gründen, um die zu besetzende Grenze 
zu verkürzen, definitiv beseitigen. Schon läfst sich 
auf weiteren Strecken, die bisher infolge ungenügen- 
der Erforschung für die Zeit der römischen Okku- 
pation als vollkommen öde galten, die Art der Be- 
siedelung durch regelmäfsig vertheilte Kolonengüter 
erkennen. Der Versuch, den Meitzen auf einem 
besonders sorgfältig untersuchten Terrainabschnitt, 
der Umgebung von Friedberg, bereits anstellen 
konnte , läfst sich jetzt auf anderen Gebieten kon- 
trolliren und ergänzen. Die Lücken, welche einer 
Verallgemeinerung dieser und ähnlicher Forschungen 
entgegenstehen, lassen sich deutlicher erkennen; 
damit aber ist auch die Möglichkeit ihrer Aus- 
füllung durch eifrige Lokalforschung, doch immer 
im bewufsten Hinblick auf die grofsen allgemeinen 
Ziele, gegeben. Dieser Aufgabe dürfen sich unsere 
Vereine nicht entziehen, wenn sie sich nicht — 
wenigstens auf diesem Gebiete — ihrer Vergangen- 
heit unwürdig zeigen wollen. Sie müssen sie so- 
fort aufnehmen, wenn sie sich nicht viele und 
wirksame Förderungsmittel entgehen lassen wollen. 
Überall in dem in den Jahren der Reichsarbeiten 
so eifrig durchforschten Gebiete ist die Bevölkerung 
mehr als je für die Sache interessirt; die bisherigen 
Streckenkommissare, auch wo sie nicht dem Verein 
als Mitglieder angehören, sind in der Lage, ihre 
persönlichen Beziehungen und ihre Lokalkenntnifs 
den Vereinsmitgliedern nutzbar zu machen. Sie 

I selbst freilich werden zum weitaus gröfsten Theil 
limesmüde und froh sein, nach den 7 dürren Jahren 
der Reichsforschung — es sind ihrer bereits 8 ge- 
worden — ihre wissenschaftliche Thätigkeit wieder 
mehr nach eigener Neigung zu regeln oder sich 
von den überstandenen Strapazen zu erholen. Aber 
sie werden gern bereit sein, der jüngeren Generation 
der Lokalforscher, die hoffentlich nun auf den Plan 
tritt, die zahlreichen Anknüpfungspunkte für weitere 
Nachforschungen, die sie gewonnen, ohne dafs das 
Programm der Reichsarbeiten ihnen gestattete, sie 
weiter zu verfolgen, persönlich oder brieflich mit- 
zutheilen. Es wäre bedauerlich, wenn das reiche 
Material von Anschauung und Erfahrung, welches 
sich in den SkizzenbUchern und mehr noch in den 

; Köpfen der Streckenkommissare angesammelt hat, 

1 und welches im Limeswerke erklärlicherweise nur 
zum Theil verwerthet werden kann, mit ihnen 

; unterginge. Sie selbst aber können es in der 



Römisch -germanische Forschung. 



13 



nächsten Zeit schon deswegen nicht in der wün- 
schenswerthen Weise verwerthen, weil ihre Zeit durch 
ihre Betheiligung an der Bearbeitung des Limes- 
werkes noch auf Jahre hinaus in Anspruch ge- 
nommen sein wird. Es ist auch gar nicht einmal 
wUnschenswerth, dafs diese Lokalforschung, wie es 
die Ziele und die Organisation der Reichs-Limes- 
kommission dauernd im letzten Jahrzehnt nöthig 
machten, auf eine relativ kleine Anzahl von Männern 
beschränkt bleibe. Damit will ich keineswegs ge- 
sagt haben, dafs man für die P'ortsetzung dieser 
Arbeiten nicht auch im Sinne einer einheitlicheren 
Zusammenfassung derselben recht viel aus den bei 
der Reichs-Limeskommission gemachten Erfahrungen 
lernen könnte, und dafs unsere Vereine sich den 
auf dieses Ziel gerichteten Bestrebungen gegenüber 
ablehnend verhalten sollten. 

Vor einigen Monaten verbreiteten sich zuerst 
ganz allgemeine Gerüchte, dann immer bestimmter 
auftretend, die Nachricht, dafs man mit Rücksicht 
auf die günstigen Ergebnisse der Reichs -Limes- 
forschung die Absicht hege, ein Zentralinstitut 
für die Belebung, Organisation und Leitung 
der römisch-germanischen Forschung in 
Westdeutschland zu gründen. Es ist dies 
ein Gedanke, der seit Jahren wiederholt aufgetaucht 
ist und der der Sympathie aller wahren und ver- 
ständigen Freunde unserer vaterländischen Alter- 
thumsforschung sicher sein darf, wenn man — 
dies ist aber die conditio sine qua non — den 
traditionellen Trägern dieser Forschung, 
den westdeutschen Geschichtsvereinen, die 
Stellung anweist, die sie nach ihrer Ver- 
gangenheit und ihren Leistungen auf 
diesem Gebiete verlangen dürfen. Dafs man 
die Vereine als solche bei den auszuführenden Ar- 
beiten nicht übergehen wird, das liegt ja in der 
Natur der Sache, und in dieser Hinsicht liegen auch 
bereits bestimmte Meinungsäufserungen seitens der 
Begründer jenes Zentralinstituts vor, welches in 
engster Verbindung mit dem Kaiserlichen archäo- 
logischen Institute stehen wird. Aber um die Art 
der Betheiligung handelt es sich, und hier 
scheint mir der Zeitpunkt für die Vereine gekommen, 
aus eigener Initiative ihre Wünsche geltend zu 
machen, bevor endgültige Beschlüsse in dieser 
Richtung gefafst sind. 

Man wird nicht daran denken können, den 
Vereinsvorständen einfach für ihr Forschungsgebiet 
die Rolle der Streckenkommissare der Reichs- 
Limeskommission zu übertragen, welche ein alljähr- 
lich auf Grund des Gesammtprogramms vom Aus- 
schufs genehmigtes Arbeitspensum zu erledigen 



hatten. Denn fortan wird es sich in erster 
Linie darum handeln, die wissenschaft- 
liche Thätigkeit auf dem Gebiete der rö- 
misch-germanischen Alterthumsforschung 
vor der früheren Zersplitterung zu be- 
wahren und in stetiger Verbindung mit 
den grofsen, allgemeinen Fragen der 
Wissenschaft zu erhalten. 

Das schliefst nicht aus, dafs auch in Zukunft 
bestimmte wissenschaftliche Probleme, deren Lösung 
in einer relativ kurzen Zeit erwünscht und nur 
durch die gleichzeitige Aufnahme der Arbeit auf 
einem ausgedehnten Gebiete zu ermöglichen ist, 
in der bei den Arbeiten der Reichs-Limeskommission 
bewährt gefundenen Art direkt von der Zentral- 
instanz unternommen und geleitet werden. Das 
erste Objekt dieser Art dürfte der Versuch einer 
endgültigen Lösung der Frage nach den Schau- 
plätzen der römisch-germanischen Kämpfe um den 
Anfang unserer Zeitrechnung sein, insbesondere 
nach der Örtlichkeit der Varusschlacht, eine Auf- 
gabe, der sich die zersplitterte Thätigkeit der histo- 
rischen Vereine und einzelner Forscher nicht ge- 
wachsen gezeigt hat, nicht durch ihre Schuld, 
sondern weil dieselbe nur durch eine von einheit- 
lichen, den lokalen Einflüssen entrückten Gesichts- 
punkten aus unternommene, unter einheitlicher 
Leitung stehende und durch reichliche Mittel unter- 
stützte Untersuchung zu lösen ist. 

Aber die weitaus zahlreichsten Arbeiten, 
die so zu sagen laufenden Geschäfte der römisch- 
germanischen Alterthumsforschung sind nicht von 
einem Zentralpunkte aus zu bestimmen, 
sondern von Fall zu Fall zu vereinbaren; 
sie sind in ihrer zeitlichen Folge von hunderterlei 
Fragen der Möglichkeit und Zweckmäfsigkeit per- 
sönlicher und sachlicher Art abhängig, welche nur 
die in steter Verbindung mit dem Arbeitsfelde 
stehenden Personen, eben die arbeitenden Mit- 
glieder der Lokalvereine, zu beurtheilen ver- 
mögen. Dazu kommt die materielle Frage. Sie 
alle werden mit Freude die Nachricht entgegen- 
genommen haben, dafs die fragliche Sektion des 
archäologischen Instituts für ihre Arbeiten jährlich 
eine Summe von 20000 Mark aus Reichsmitteln er- 
halten soll. Wie mir von sachkundiger Seite mit- 
getheilt wurde, ist es die Absicht, einen Theil dieses 
Geldes zur Unterstützung historischer Vereine bei 
solchen nothwendigen Unternehmungen, für welche 
deren verfügbare Mittel nicht ausreichen, zu ver- 
wenden. Für den weitaus gröfsten Theil der 
Arbeiten aber wird man auf die Geldmittel 
der Vereine angewiesen sein. Nun ist es 



14 



Römisch - germanische Forschung. 



aber ein nicht nur auf politischem Gebiete geltender 
Grundsatz, dafs, wer das Geld giebt, auch über 
dessen Verwendung mit zu beschliefsen hat. Aus 
diesem Grunde dürfen die westdeutschen Vereine 
die Forderung stellen, dafs sie in der zu grün- 
den den Kommission durch eine Anzahl von 
ihnen gewählter, nicht von der Regierung er- 
nannter Mitglieder vertreten sind, welche 
nicht nur berathende, sondern auch beschliefsende 
Stimmen haben. Wie im Einzelnen sich das Ver- 
hältnifs zwischen der Zentralleitung und den Ver- 
einen zu gestalten hat, darüber schon heute zu 
sprechen, wäre verfrüht: es wird sich für beide 
Theile befriedigend und für die Sache erspriefslich 
gestalten, wenn man von beiden Seiten mit 
gegenseitiger Achtung und ohne Mifs- 
trauen in die Verhandlungen eintritt, wenn 
die Vertreter des archäologischen Instituts, welche 
zur Organisation der Lokalforschung berufen werden, 
anzuerkennen bereit sind, was unsere Vereine, auch 
schon vor dem Eintreten des Staates und der aka- 
demischen Kreise, auf diesem Gebiete geleistet 
haben, und wenn andererseits die Vertreter der 
Vereine sich bewufst sind, welche Anregung und 
Förderung eben diese Forschung durch die spät, 
aber nicht zu spät eingetretene Betheiligung jener 
Kreise an ihren Arbeiten schon erfahren hat und 
bei fortdauernder Betheiligung noch erwarten darf. 
Das Zusammenarbeiten der sach- und ortskundigen 
Vereinsmitglieder mit den archäologisch gebildeten 
Kommissaren des Instituts im Gelände und am 
grünen Tische dürfte für beide Theile eine Quelle 
der Anregung und Belehrung werden. 

Ich komme nun noch auf einen Punkt, den 
dunklen Punkt bei so mancher Ausgrabung: ich 
meine die Frage nach dem Verbleib der bei 
den zukünftigen Lokalforschungen etwa 
zu Tage geförderten Fundstücke. Es ist 
eine bekannte Thatsache, dafs die Leiter unserer 
Geschichtsvereine, wenn sie die Reichs-Limeskom- 
mission in der selbstlosesten Weise mit Rath und 
That unterstützten, eine stille Hoffnung in der Tiefe 
ihrer Herzen hegten, dafs nämlich nach Vollendung 
der Arbeiten die gefundenen Gegenstände dauernd 
den betreffenden Lokalmuseen würden überliefert 
werden, um das Bild der römisch -germanischen 
Kultur für einen bestimmten, engbegrenzten Bezirk, 
welches jene Sammlungen schon heute bieten, zu 
vervollständigen. Von Anfang an aber machte sich 
auch eine andere Strömung geltend, die darauf 
hinauslief, durch Gründung eines Reichs -Limes- 
museums gewissermafsen ein Gesammtbild der in 
den Grenzgebieten zur .Zeit der Römerherrschaft 



blühenden Kultur zu geben und zugleich der Thätig- 
keit der Reichs -Limeskommission ein dauerndes 
Denkmal zu setzen. Es ist bekannt, dafs diese An- 
sicht den Sieg davongetragen hat. Ob dies er- 
wünscht ist oder nicht, diese Frage heute an dieser 
Stelle zu erörtern, ist um so zweckloser, da von 
einem rechtlichen Ansprüche der Vereine und ihrer 
Sammlungen an die ausschliefslich mit Mitteln des 
Reiches zu Tage geförderten Gegenstände keine 
Rede sein kann, nachdem die Staaten, auf deren 
Territorien sie gefunden sind, sich ihrer Rechte werden 
begeben haben. Etwas ganz Anderes aber wäre 
es, wenn man, über das bei der Gründung des 
Reichs-Limesmuseums ins Auge gefafste Ziel hinaus- 
gehend, nach einer Zentralisierung aller im 
Gebiete des Limes vor und nach der 
Thätigkeit der Reichs-Limeskommission 
gewonnenen Funde streben wollte. In 
einem Berichte über die Julisitzung der Gesellschaft 
für Anthropologie in Berlin lese ich folgenden Satz: 
»Geh. Rath Virchow warnte zum Schlufs vor Be- 
strebungen, wie sie von Seiten der römisch-germa- 
nischen Alterthumsforschung ausgehen und dahin 
zielen, die römischen Funde auf deutschem Boden 
einer vom Reiche zu schaffenden Zentralstelle zuzu- 
führen. Die Alterthumsforschung, die bisher eine 
freie und unabhängige wissenschaftliche Thätigkeit 
dargestellt hat, angeregt durch die grofsen Gesell- 
schaften für ihre Förderung, und die wirklich zur 
Arbeit und zu Ergebnissen solcher Arbeit überall 
geführt hat, würde durch solche Zentralisirung, die 
jeden Fund an ein Reichsamt abzuliefern verpflichten 
würde, in ihrem Fortgange nicht unbedeutend ge- 
hemmt und geschädigt werden.« 

Jedes Wort des berühmten Anthropologen können 
wir unterschreiben, nur das eine nicht, dafs diese 
mörderischen Bestrebungen von der römisch -ger- 
manischen Alterthumsforschung ausgehen. Ich 
glaube nicht, dafs unter uns sich Viele 
finden werden, die einer Centralisirung 
in der angedeuteten Ausdehnung das Wort 
reden möchten. Wir Alle wissen, dafs die un- 
läugbaren Fortschritte, welche die römisch -ger- 
manische Alterthumswissenschaft in den letzten 
Jahrzehnten gemacht hat, nicht am wenigsten dem 
Umstände verdankt werden, dafs in derselben Periode 
unsere Vereins-, Lokal- und Provinzial- 
museen durch die liebevolle Sorgfalt, mit welcher 
hier auch die kleinsten und unscheinbarsten Fund- 
stUcke aufbewahrt und, mit genauen Fundnotizen 
versehen, in ihrer topographischen Zusammen- 
gehörigkeit aufgestellt werden, ein kultur- 
geschichtliches Anschauungsmaterial ge- 



Kömisch - germanische Forschung. 



15 



boten haben, wie es die grofsen Central- 
museen, die ganz andere Ziele verfolgen, 
nach dieser Seite gar nicht zu bieten ver- 
mögen. 

Und dann noch ein anderer Punkt: Diese 
Vereins- und Lokalmuseen sind die Lieb- 
lingskinder unserer westdeutschen Vereine. 
Manche der letzteren sind ausdrücklich zur Gründung 
und Vermehrung einer solchen Sammlung gebildet 
worden. Zahlreiche Mitglieder werden erst durch 
die Freude an diesem materiellen Besitz für das 
Vereinsleben gewonnen. Sie erhalten durch sie die 
Anregung zu geschichtlichem Denken, welches sie 
dann ihrerseits in weiteren Kreisen verbreiten bis 
hinaus unter die Bevölkerung des Landes, mit deren 
Hülfe sie sich selbstthätig an der Lokalforschung 
betheiligen. Aber auch diejenigen exoterischen 
Mitglieder, deren Antheilnahme am Vereinsleben 
sich auf die Freude an den Sammlungen und die 
Zahlung der ^Mitgliederbeiträge beschränkt, helfen 
eben durch die letzteren die Wissenschaft fördern. 
Woher sollten denn die produktiven Kräfte in den Ver- 
einen, die recht oft zu den wirthschaftlich Schwachen 
gehören, die Mittel für ihre Lokaluntersuchungen 
und für die Veröfifentlichung derselben in den buch- 
händlerisch meist wenig einträglichen Zeitschriften 
nehmen?! Der Staat giebt sie ihnen nicht. Jede 
Verminderung der Mitgliederzahl, wie sie die Ver- 
kümmerung der Vereinsmuseen zweifellos zur Folge 
haben würde, ist eine Schädigung unserer vater- 
ländischen Alterthumswissenschaft, welche übel- 
berathene Vorkämpfer einer falschen Centralisation 
dadurch zu fördern wähnen. 

Sie ist auch eine Beeinträchtigung des letzten 
und wichtigsten Zieles, welches unsere deutschen 
Geschichtsvereine verfolgen, der Verbreitung des 
Interesses an der vaterländischen Geschichte und 
des historischen Denkens überhaupt in weiten 
Kreisen unseres Volkes. Dieses aber ist wiederum 
eines der wirksamsten Mittel zur Bekämpfung ge- 
wisser krankhafter Strömungen unserer Zeit, die 
ihre Nahrung wesentlich aus der Entwöhnung von 
einer geschichtlichen Auffassung aller Lebensverhält- 
nisse schöpfen. Eine Verkümmerung unserer 
Geschichtsvereine wäre daher auch vom 
nationalen Gesichtspunkte aus in hohem 
Grade bedauerlich. Dem Gesammtverein und 
seinem Vorstande aber liegt es ob, die Augen offen 
zu halten und jedem dahingehenden Versuche 
energisch nnd rechtzeitig entgegenzutreten, recht- 
zeitig, ehe die Vertreter einer falschen Centralisirung 
an mafsgebender Stelle Gehör gefunden haben und 
dadurch Entscheidungen herbeigeführt sind, die 



später rückgängig zu machen schwer oder gar un- 
möglich sein würde.' 

Der Redner bemerkte zum Schlufs, dafs, als er 
einen Vortrag mit dem im Programm veröffentlichten 
Titel ankündigte, er die Absicht gehegt habe, in 
sachlich eingehender Weise eine Reihe von Fragen 
zu erörtern, welche auch nach dem Abschlufs der 
Reichsarbeiten ihrer Lösung noch harrten, ja zum 
Theil erst in Folge derselben gestellt worden seien. 
Inzwischen haben sich die Nachrichten über die 
beabsichtigte Gründung einer Sektion des archäo- 
logischen Instituts für römisch -germanische Alter- 
thumforschung verbreitet. Die in weiteren Kreisen 
herrschende Unklarheit über die Ziele und die dem- 
nächstige Organisation dieses Instituts habe ihn ver- 
anlafst, seine beiden Resolutionen einzubringen. In 
Folge dessen habe er, um die Aufmerksamkeit der 
Versammlung nicht allzulange in Anspruch zu 
nehmen, auf einen das Thema erschöpfenden Vor- 
trag verzichten und sich darauf beschränken müssen, 
seine Anträge zu begründen. 'Meine Herren', so 
schlofs er, 'ein wesentlicher Zweck meiner Aus- 
führungen ist in einer für mich unerwarteten Weise 
schon jetzt dadurch erreicht, dafs der General- 
sekretär des Kaiserlichen Archäologischen Instituts, 
Herr Professor Dr. Conze, unseren Verhandlungen 
beiwohnt. Von ihm in erster Linie hängt ja die 
Erfüllung unserer Wünsche ab, und besonders der 
auf die Ausführung der beiden Hauptresolutionen 
bezügliche dritte Antrag würde, wenn Sie ihn an- 
nehmen sollten, den Centralausschufs zunächst an 
seine Adresse weisen. Dem Ausschufs ist die Arbeit 
wesentlich dadurch erleichtert, dafs der Herr General- 
sekretär die Resolution sammt den Begründungen 
bereits hier persönlich angehört hat.' 



Im Anschlüsse an den Vortrag des Herrn Pro- 
fessor Wolff sprach der Generalsekretär des Kaiser- 
lichen Archäologischen Instituts, Professor Conze, 
zunächst und vor Allem seine Freude darüber aus, 
dafs er sich auch Namens des Instituts, mit dem 
gehörten Vortrage völlig einverstanden erklären und 
den beiden beantragten Resolutionen rückhaltlos 
zustimmen könne. 

Was die erste Resolution angehe, so habe die 
Centraldirektion des Instituts auch ihrerseits bereits 
beantragt, es möge ihr die Befugnifs ertheilt werden, 
zu Mitgliedern in die zu bildende römisch-germanische 
Kommission des Instituts mehrere dazu besonders 
geeignete Angehörige der Alterthumsvereine in Vor- 
schlag zu bringen. Er sähe in den Vereinen die im 
Boden der einzelnen Gebiete festgewurzelten, leben- 
digen Forschungsorgane. Wie das Institut denken 



i6 



Römisch -germanische Forschung. 



würde, mit ihnen Hand in Hand zu gehen, habe es 
bei einem der ersten Schritte, die es nach der Seite 
der römisch - germanischen Forschung habe thun 
dürfen , gezeigt — , indem es dem Münsterschen 
Alterthumsvereine für seine an der Lippe begonnenen 
Untersuchungen zur Seite getreten sei und dabei 
auch auf ein geeignet erscheinendes Zusammen- 
wirken von Forschern einander benachbarter und 
so zur Sache berufener Provinzen hingewirkt habe. 
Das Institut würde beabsichtigen, so immer und 
überall auf den südwestdeutschen Gebieten mit Geld- 
mitteln und Einsicht, so weit man eben über Beides 
verfuge, da, wo es willkommen wäre, bereit zu sein, 
ohne dabei sonst Etwas selbst zu beanspruchen. 

Und die zweite Resolution betreffend, erklärte 
Herr Conze, dafs der hier aufgestellte Grundsatz 
der Decentralisation der Funde ihm persönlich von 
seiner Thätigkeit in Österreich unter Rudolf Eitel- 
berger v. Edelberg's leitendem Einflüsse her 
geläufig, auch sonst jetzt von Seiten der Archäologie 
praktisch vertreten würde. Er berief sich beispiels- 
weise auf die jüngst von Herrn Hiller v. Gaert- 
r in gen auf Thera und vom Institute auf Faros, 
von ihm selbst im vorigen Jahre in Pergaraon be- 
günstigten Schöpfungen von Lokalmuseen. Wenn 
er das für die Funde von Originalen prinzipiell für 
richtig halte, so sei allerdings das Institut in einer 
Beziehung für die Centralisation, nämlich der wissen- 
schaftlichen Apparate, wie sie nach Linden- 
schmit's glücklicher Idee in dem römisch-ger- 
manischen Centralmuseum zu Mainz verkörpert sei. 
Die Centraldirektion des Instituts sei bei der vor- 
gesetzten Behörde dafür eingetreten, dafs diese aus 
lokaler Initiative hervorgegangene Stiftung zur Voll- 
endung gebracht werde, indem man die beiden 
Stellen eines Direktors der römisch -germanischen 
Instituts-Kommission und eines ersten, wissenschaft- 
lichen Direktors des Mainzers Museums in einer 
Person vereinige. Die Zweckmäfsigkeit dieses Vor-. 
Schlags suchte der Vortragende darzulegen und 
gegen die Einwendungen namentlich des Herrn 
Vorsitzenden der Sektion zu vertheidigen, der eine 
zu grofse Centralisation der Forschung befürchtete. 
Dieser Befürchtung trat auch Professor Michaelis 
entgegen. Von anderer Seite (Professor Giemen) 
fand der Gedanke einer Vereinigung der Direktion 
der römisch-germanischen Instituts-Kommission mit 
der Leitung des Centralmuseums in Mainz freudige 
Zustimmung. 

An der Besprechung betheiligten sich ferner 
die Herren v. Hammerstein, Riese, Mehlis und 
Anthes. Der Vorsitzende, Professor Henning, 



konnte in seinem Schlufswort die Besorgnisse nur 
bestätigen, von denen zur Zeit weite Kreise der 
Alterthumsforschung erfafst sind. Wir stehen, be- 
merkte er, einer unklaren Situation gegenüber, und 
Keiner weifs, was kommen wird. Nicht alle Stimmen 
lauten so entgegenkommend, wie die eben ver- 
nommene des Herrn Gonze. Die Vereine und 
Lokalverbände, welche unsere heimische Alterthums- 
forschung auf ihre jetzige Höhe gebracht, die auch 
weiter ihr eigentlicher JLebensnerv bleiben müssen, 
haben gewifs alle Ursache, sich ihrerseits zu melden, 
wenn sich ohne ihre Mitwirkung und gewissermafsen 
über ihnen eine Instanz entwickelt, die, mit Reichs- 
autorität und Reichsmitteln ausgestattet, natur- 
gemäfs einen sehr bestimmenden Einflufs gewinnen 
mufs. Es sind der ganzen Lage der Dinge nach 
nicht nur die Gefahren einer zu einseitigen Bevor- 
zugung des römischen Elements, wo doch alle 
anderen Perioden unserer heimischen Archäologie 
nothwendig mit zum Ganzen gehören, nicht nur 
die Gefahren einer zu weitgehenden Abhängigkeit 
und Centralisation, sondern auch die stets sich er- 
neuernden persönlichen Fragen, welche Schwie- 
rigkeiten bereiten können. Möge es gelingen, die 
alten und die neuen Mitarbeiter gleich freudig am 
Werke zu erhalten. Was wir besitzen und gleich- 
mäfsig fortbilden möchten, ist ein in langen Dezennien 
historisch Gewordenes, das nicht nur in der um- 
fassenden Vielseitigkeit des Betriebes, sondern auch 
hinsichtlich der erreichten Resultate eine der werth- 
vollsten Errungenschaften der unzünftigen Forschung 
unseres Jahrhunderts bleibt. Er empfahl die An- 
nahme der Wolflf'schen Resolutionen, die auch ein- 
stimmig in folgender Fassung erfolgte: 

1. Die Generalversammlung des Gesammtvereins 
der Deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine 
spricht die Erwartung aus, dafs bei der endgiltigen 
Organisation der Reichskommission für römisch- 
germanische Alterthumsforschung die Geschichts- 
vereine unter voller Wahrung ihrer Selbständigkeit 
durch eine Anzahl von ihnen selbst gewählter Mit- 
glieder vertreten sein werden. 

2. Die Generalversammlung erklärt es für 
wünschenswerth, dafs auch bei den mit Unter- 
stützung der Reichskommission unternommenen 
Nachforschungen, bezw. Ausgrabungen, die zu Tage 
geförderten Fundstücke — einschliefslich der auf 
fiskalischen, kirchlichen und Gemeinde-Grundstücken 
erhobenen — prinzipiell den Provinzial- und Lokal- 
museen überwiesen werden, in deren Forschungs- 
gebiete sie gefunden sind. 

3. Die Generalversammlung beauftragt den 
geschäftsführenden Vorstand damit, die für die 



Römisch-germanische Forschung. 



17 



Durchführung dieser Beschlüsse nöthigen Schritte 
zu thun. 

Die Ausfuhrungen des Herrn Professor WolfF 
setzen, wie er erklärt, voraus die Gründung eines Cen- 
tralinstituts für die römisch-germanische Forschung 
in Westdeutschland, wofür vielmehr Südwestdeutsch- 
land zu setzen wäre, und fordert, ganz im Einklänge 
mit den Institutsabsichten, eine angemessene Be- 
theiligung der Vereine bei einer solchen Einrichtung. 
Es handelt sich um den Plan einer römisch -ger- 
manischen Kommission des archäologischen Instituts, 
welcher einstweilen noch der Entscheidung der 
Reichsbehörden wartet, dessen Grundzüge in einer 
Besprechung der einschlägigen Fragen von dem 
Mitgliede unserer Centraldirektion, Herrn Michaelis, 
in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 1 1 vom 
15. Januar 1900 mitgetheilt sind. 

Von dem, was auf der Strafsburger Versamm- 
lung von dem Generalsekretär des Instituts hierzu 
geäufsert wurde, fehlt in dem hier nach dem Cor- 
respondenzblatte wiederabgedruckten Protokolle 
Eines, aus dem das Institut niemals ein Hehl 
machen wird, dafs die Grundzüge der Organisation 
einer solchen Kommission, so wie sie jetzt zur Er- 
wägung stehen, nicht vom Institute ausgehen, dessen 
Centraldirektion sich nur, wenn eine Organisation 
in dieser Gestalt an entscheidender Stelle einmal 
gewollt werde, mit einigen dazu gemachten Änderungs- 
vorschlägen, damit einverstanden erklärt hat. 

Zunächst bleibt abzuwarten, in welcher Gestalt 
die Arbeitsstelle für römisch-germanische Forschung 
beim Institute ins Leben treten wird. Davon, wenn 
auch nicht davon allein, hängt ganz wesentlich auch 
die Entscheidung ab über die Verbindung einer 
solchen Arbeitsstelle mit dem römisch-germanischen 
Centralmuseum in Mainz, wie sie das Institut even- 
tuell für zweckmäfsig halten würde. Daran wird man 
aber, wie auch diese Entscheidungen fallen, meines 
Erachtens als an einer jedem Unbefangenen, aber 
Sachkundigen einleuchtenden Forderung festzuhalten 
haben, dafs das Reich für eine möglichst genügende 
Organisation des Mainzer wissenschaftlichen Appa- 
rats der römisch-germanischen Forschung mit seinen 
Mitteln nicht eintreten sollte, ohne die Reichsanstalt, 
in deren Gebiete diese Forschungen liegen, eben das 
archäologische Institut, irgendwie an der Leitung des 
Centralmuseums zu betheiligen. Es sollte wenigstens 
überhaupt nur irgend eine, nicht blofs zufällig 
persönliche Berührung zwischen den beiden, zu- 
sammengehörige Aufgaben verfolgenden Anstalten, 
dem Museum und dem Institute, hergestellt werden. 
Der einigermafsen zufällige Umstand, dafs das In- 
Arcb&ologiicher Anzeiger 1900. 



stitut dem Auswärtigen Amte, die Sorge für das 
Mainzer Museum dem Reichsamte des Inneren unter- 
stehen, darf dem nicht endgültig im Wege sein. 

Ich kehre noch einmal zu den Strafsburger 
Verhandlungen zurück. Dort hat der Vorsitzende 
der Sektion, Herr Henning, ziemlich unbestimmte 
Befürchtungen gegenüber ebensowenig deutlich be- 
zeichneten Absichten vorgebracht. Den, wie es 
scheint, gleichen Befürchtungen hat Herr Virchow 
in einer Ansprache auf der Lindauer Anthropologen- 
versammlung einen deutlicheren Ausdruck gegeben 
(Correspondenzblatt der deutschen Gesellschaft für 
Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte 1899, 
S. 123 f.). Wenn der Redner hier die Karikatur 
einer angeblich beabsichtigten. Alles centralisirenden 
Reichsanstalt entwirft, an welche in dieser Art 
wohl niemand denkt, so trifft jedesfalls nichts von 
seinen Ausführungen in irgend einer Weise das 
Institut und seine Stellung zur Sache. 

Wie das Institut vorgehen möchte, dafür hat 
sich bereits in Strafsburg der Generalsekretär auf 
die ersten Schritte berufen, welche auf eine, nach 
den zweckmäfsiger Weise bestimmt abgegrenzten 
Arbeiten der Limes-Kommission nächstgerücktc Auf- 
gabe hinzielen, auf die Erforschung des Schauplatzes 
der römisch -germanischen Kämpfe in Nordwest- 
Deutschland, eine Aufgabe, die auch Herr WolfF 
in seinem Vortrage als von einer Centralstelle aus 
zu fördern bezeichnet. Dabei hat sich gezeigt, 
wie das Institut gerade mit den Vereinen Hand in 
Hand gehen will, da helfend, wo man die Hülfe 
will, die man ja nirgends aufzudrängen beabsichtigt. 
Der Münster'sche Alterthumsverein, speziell die 
Alterthumskommission für Westfalen, hatte aus 
eigener Initiative für die in Rede stehenden schwie- 
rigen Untersuchungen das in Bewegung gesetzt, 
was man heute gern die Wissenschaft des Spatens 
nennt, das, was wir als eigentliche archäologische 
Forschung ansehen. Diesem Vorgehen begegnete 
das Institut, als es sein Auge auf die Erforschung 
der Lippe-Linie wandte. Wir haben von der da- 
mals veranstalteten Rekognoszirungsreise im An- 
zeiger 1899, S. 153 Nachricht gegeben. Wie von 
selbst schlössen sich die Bestrebungen zusammen. 
Ein fiir die Spuren der Vorzeit in seiner Heimath 
lebhaft und thätig sich interessirender Nichtfachmann 
hatte werthvoUe Hinweise auf bestimmte Punkte 
gegeben, wo eben der Spaten einzusetzen hätte. 
Forscherkräfte aus den östlichen und westlichen 
Nachbarprovinzen vereinten sich mit den west- 
fälischen, das Institut betheiligte sich mit den für diese 
Zwecke ihm bewilligten Mitteln und mit dem, was 
es sonst bieten konnte. Über das hinaus, was nach 



Archäologische Gesellschaft. 1900. Februar. 



den vorausgegangenen Untersuchungen schon an- 
zunehmen war, zeigte die mit verstärkten Kräften 
einsetzende Ausgrabung bald noch augenfälliger, 
dafs man an einem richtigen, wichtigen Punkte an- 
gesetzt hatte, der eine feste Basis für die so viel- 
fach absonderlich schwierigen weiteren Schritte zur 
Lokalisierung der historischen Vorgänge in jenen 
Gegenden zu bieten verspricht. 

Wie aber ein solches Zusammengehen nicht 
tötend, was Herr Virchow mit Recht abwenden 
möchte, sondern vielmehr belebend auf die Lokal- 
forschung wirkt, auf die unzünftige Forschung, die 
Herr Henning gefährdet glaubt, hat sich in der 
hocherfreulichen Thatsache gezeigt, dafs im Bereiche 
des Ausgrabungsplatzes, in Haltern, durch das ganze 
Vorgehen ermuthigt, rasch ein jugendkräftiger Ver- 
ein mit einer für die Gröfse der Stadt ganz erheb- 
lichen Zahl Beiträge spendender Mitglieder sich neu 
gebildet hat. Zweckmäfsiger Weise lehnt er sich 
als eine Filiale an den in einem wissenschaftlichen 
Mittelpunkte altbegrUndeten MUnster'schen Verein 
an, und mit dessen Genehmigung und mit ein- 
sichtiger Zustimmung der Provinzialverwaltung hat 
er die gemachten Funde in eigene sorgfältige Ver- 
wahrung genommen. Die unmittelbare Leitung der 
Untersuchungen liegt bei dem Allen in den Händen 
des Münster'schen Vereins, dem das Institut unter- 
stützend zur Seite steht und in dessen Schriften, 
den »Mittheilungen der Alterthumskommission für 
Westfalen«, auch die Veröflentlichung der Ergeb- 
nisse erfolgt, so weit nicht im Einvernehmen eine 
Mittheilung auch einmal an anderer Stelle stattfindet. 

Facta loquuntuf'. In solcher Weise wie in diesem 
Falle möchte ich, wenn ich schliefsHch eine per- 
sönliche, aber nicht alleinstehende Ansicht aus- 
sprechen darf, das Institut zunächst von Fall zu 
Fall weiter wirken sehen. Erst den Erfahrungen 
längerer Jahre möchte es dann vorbehalten bleiben 
zu entscheiden, in welcher Gestalt eine festere 
Organisation der römisch - germanischen, die so- 
genannten prähistorischen in ihrem Bereiche ein- 
schliefsenden Studien sich empfehlen wird, und wie 
weit dabei etwa Anforderungen der Erforschung 
angrenzender altgermanischer Perioden auch zu 
berücksichtigen sein werden '. 

Conze. 



') Vergl. C. Schuchhardt's auf der Bremer 
Philologenversammlung gehaltenen Vortrag über 
»Römisch -germanische Forschung in Nordwest- 
Deutschland«, in den Neuen Jahrbüchern für das 
klassische Alterthum u. s. w. 1900. I. Abth. S. 90 
— 116. 



SITZUNGSBERICHTE 

DER ARCHÄOLOG. GESELLSCHAFT 

ZU BERLIN. 

1900. 

FEBRUAR. 
Die Januarsitzung hatte wegen der Nähe 
des Neujahrstages ausfallen müssen. Gleichsam zum 
Ersatz dafür waren die Mitglieder von dem Vor- 
stande der ethnologischen Gesellschaft freundlichst 
eingeladen worden, am 13. Januar im Hörsaale des 
Museums für Völkerkunde den Bericht mit anzuhören, 
den die Herren Lehmann und Belck über ihre 
Forschungsreise in Armenien erstatteten, eine Ein- 
ladung, der viele mit bestem Danke gefolgt waren. 
Es wurde Rechnungsablage und Vorstandswahl in 
dieser Sitzung vorgenommen; es wurde auf Antrag 
des Herrn Di eis der vorjährige, aus den Herren 
R. Schöne, Conze, Kekule von Stradonitz 
und Trendelenburg bestehende Vorstand wieder- 
gewählt. Herr Conze legte mit einigen seine An- 
sicht über das Buch andeutenden Bemerkungen vor: 
Edmond Courbaud, Le Bas-Relief Rofnain a represen- 
tations hutoriques (Paris, 1899. 8"). Zustimmend 
äufserte er sich namentlich über eine Hauptabsicht 
des Werkes, die neueren Ansichten gegenüber fest- 
gehaltene Zurückführung der römischen Leistungen 
auf dem bezeichneten Gebiete auf hellenistischen 
Vorgang. Ferner legte derselbe drei Arbeiten über 
Pergamon vor, zuerst mit warmer Anerkennung 
J. L. Ussing, Pergamos, seine Geschichte und Monu- 
mente (nach der dänischen Ausgabe neu bearbeitet, 
Berlin und Stuttgart, 1899. Grofs 4"); sodann für 
unsere Schulen bestimmt: Karl Hachtmann, Perga- 
mon, eine Pflanzstätte hellenistischer Kunst (Güters- 
loh, 1900. 8"); ferner den aus den Athenischen 
Mittheilungen des Instituts in Sonderausgabe er- 
schienenen vierten vorläufigen Bericht über die 
Arbeiten zu Pergamon (1886 — 1898) von Conze und 
Schuchhardt. Sodann zeigte er die umstehend ver- 
kleinert wiederholte Photographie eines Marmorreliefs 
hellenistischer Zeit. Etwa 0,70 m hoch, stellt es auf 
schlichter, hochoblonger Platte eine weibliche Figur 
dar, in Unter- und Übergewand und mit Sandalen, mit 
hinten umbunden herabfallendem Haar. Sie schreitet 
nach rechts hin und spielt mit dem Plektron in der 
rechten und mit den Fingern der linken Hand die 
Kithara, welche an einem mit langer Schleife ge- 
bundenen Bande an ihrer Linken befestigt ist. Das 
Relief wurde gefunden unweit der Strafse von Pan- 
derma nach Balikessir, zwischen den Dörfern Jaja- 
kiöi und Jagdschi-kiöi. Mitteilung der Nachricht 
und der Photographie wird dem ottomanischen 



Archäologische Gesellschaft. 1900. Februar. 



19 



Ingenieur-Offizier Herrn Zeki-Bey, z. Z. in Panderma, 
verdankt. Endlich legte Herr Conze auch noch die 
Photographien eines böotischen, kürzlich aus dem 
Kunsthandel für die Königlichen Museen erworbenen 
Grabreliefs bester Zeit vor mit der Darstellung der 
Verstorbenen, welche in der linken Hand ein kleines 
Idol hoch hebt, so vermutlich als Priesterin gekenn- 
zeichnet ist. Ein Attribut, welches sie in der rechten 
Hand hielt, ist verloren gegangen. Auf dem Epistyl 
steht der Name Polyxena. 




Herr Oehler sprach im Anschlüsse an die 
Aufsätze von H. Nissen und C. Koenen über Cäsars 
Rheinbrücken und die von Koenen zwischen Urmitz 
und VVeifsenturm entdeckte römische Festung. Er 
hielt es für sehr wahrscheinlich, dafs wir in dieser 
Festung die magnae munitiones Cäsars {de b, g, VI 
29, 3) zu sehen haben ; als sicher könne dies aber 
erst dann gelten, wenn durch Grabungen auf dem 
Reiler Felde der Standort des vierstöckigen Turmes 
ermittelt würde, den Caesar hier in extretno ponte er- 
richten liefs; auch genügten die bisherigen un- 
bestimmten Nachrichten über die an der »Closs Gass« 
zu Tage geförderten Reste von Langholz keines- 



wegs, um aus ihnen unzweifelhaft die Existenz einer 
römischen Brücke an dieser Stelle darzuthun. Man 
müsse also die Ergebnisse weiterer Untersuchungen 
im Rhein und auf seinen Ufern abwarten. 

Herr Pernice trug vor über eine von Murray 
im letzten Heft des Journal of Hellenic Studies ab- 
gebildete geometrische Vase mit der Darstellung 
eines Schiffes. Dieses Schiff, das von dem Heraus- 
geber als Diere aufgefafst wird, erklärte der Vor- 
tragende als einreihiges Schiff, an dessen beiden 
Bordseiten die Ruderer untergebracht waren. Er 
führte im Anschlufs daran aus, dafs es in der Zeit 
der geometrischen Vasenmalerei überhaupt keine 
anderen Schiffe gegeben hätte. Die Darstellung 
wurde von dem Vortragenden als Frauenraub auf- 
gefafst und die Möglichkeit einer mythologischen 
Deutung nicht ganz in Abrede gestellt. An diese 
Darlegungen schlofs sich eine lebhafte Aussprache, in 
der die Herren von Wilamo witz-Moellendorff, 
Brückner, Kekule von Stradonitz und 
Trendelenburg die formale Erklärung des Bildes 
durch den Redner — die Frage nach dem materiellen 
Inhalt der Darstellung, ob mythisch oder typisch, 
wurde nur gestreift — als überzeugend anerkannten, 
während Herr Afsmann, dessen Ausführungen Herr 
Oehler in einem Punkte ergänzte, lebhafte Bedenken 
dagegen geltend machte. 

Zum Schlufs berichtete Herr O. Rubensohn 
über seine auf Anregung des Deutschen Archäo- 
logischen Instituts unternommenen Ausgrabungen 
auf Paros. Nach einem kurzen Überblick über die 
Geschichte von Paros im Altertum und die Er- 
forschung der Insel seit Cyriacus von Ancona führte 
der Redner an der Hand von Karten, Einzelplänen 
und Photographien die verschiedenen Ausgrabungen, 
die sich auf zwei Campagnen in den Jahren 1898 
und 1899 verteilen, dem Gang der Arbeiten ent- 
sprechend vor. 

Die Untersuchungen auf der 9(5Xo{ (so genannt, 
weil man vor Zeiten bei Tiefgrabungen auf einen 
alten Kanal gestofsen war) des Herrn Varuchas, dem 
Grundstück, auf dem im Jahre 1897 die Fortsetzung 
der parischen Marmorchronik gefunden worden ist, 
haben zur Auffindung weiterer Bruchstücke der be- 
rühmten Urkunde nicht geführt, ebensowenig wie 
eine zweite Schürfung, die im Jahre 1899 Freiherr 
Hiller von Gaertringen unternahm. Es konnte aber 
festgestellt werden, dafs der aufgefundene Stein der 
Urkunde nicht etwa an seinem ursprünglichen Auf- 
stellungsort gefunden worden ist, sondern verbaut 
war in römische oder byzantinische Bauten, von 
denen sich der Boden des Grundstückes erfüllt 
zeigte. In den aufgedeckten, meist spät römischen 



20 



Archäologische Gesellschaft. 1900. Februar. 



Häusern wurden mehrere interessante Inschriftsteine 
gefunden, von denen der Redner einen — eine 
Polizeiverordnung über Reinhaltung der Strafsen — 
näher besprach. 

Eine Untersuchung der Stadtmauer der alten 
TcoXts deckte den Mauerzug auf der Ostseite voll- 
ständig, auf der Nord- und Südseite auf gröfsere 
Strecken hin auf oder legte ihn doch sicher fest; 
dagegen ist nach dem Meere zu die Mauer voll- 
ständig verschwunden. Über die Zeit der Mauer 
kann sicheres nicht ermittelt werden, da die Technik, 
durchaus abhängig von dem Material — Thon- 
schiefer — , einen Schlufs auf die Entstehungszeit 
nicht gestattet. Ob die Mauer bis in die Zeit des 
Miltiades zurückreicht, mufs daher in der Schwebe 
bleiben. 

Von gröfserem Umfang waren die Arbeiten im 
Heiligtum des Asklepios, das Cyriacus von Ancona 
noch verhältnismäfsig wohl erhalten sah, das aber 
seitdem einer fast völligen Zerstörung anheim ge- 
fallen ist. Es wurden auf der westlich der modernen 
Stadt nahe dem Meer gelegenen Terrasse, die das 
Heiligtum trug, noch die Fundamente von gröfseren 
baulichen Anlagen aus zwei verschiedenen Perioden 
aufgedeckt. Von der älteren Anlage, deren Grün- 
dung, wie verschiedene Einzelfunde — Bustrophedon- 
Inschrift, Fragment einer Basis mit Künstlerinschrift 
des Mikkiades u. a. — ergeben, spätestens in den 
Anfang des 6. Jahrhunderts zu setzen ist, sind nur 
einige Mauerzüge und das alte Quellenbassin noch 
vorhanden. Die spätere Anlage, die an die Stelle 
der älteren getreten ist, besteht aus einem Hallen- 
bau, der einen viereckigen Hof einschliefst, in 
dessen Mitte ein grofser Altar liegt. Rückwärts 
hinter dem Hallenbau, genau in der Mitte der 
ganzen Anlage, hart an der die Terrasse ab- 
schliefsenden Felswand befindet sich das neue 
Quellenbassin. Aus den Funden ergiebt sich, dafs 
ursprünglich im Heiligtum Apollon verehrt worden 
ist. Eine Schürfung auf der grofsen Terrasse, die 
oberhalb der Asklepieionterrasse sich ausdehnt, 
lehrte, dafs hier oben über dem Asklepieion das 
Pythion von Paros gelegen hat. Der eigentliche 
Kultus hat wohl immer an dieser oberen Terrasse 
gehaftet. Der Hallenbau auf der unteren war, wie 
es scheint, ausscbliefslich der Aufnahme und Be- 
herbergung der Kranken geweiht. 

Ein ähnlicher Kultzusammenhang, wie zwischen 
Apollon und Asklepios hier im Westen der Stadt, 
hat wahrscheinlich zwischen Aphrodite und Eileithyia 
auf dem Kunadosberg östlich der Stadt bestanden. 
Auf der Höhe dieses Berges wurde ein heiliger 
Bezirk mit einem Felsaltar in der Mitte aufgedeckt. 



der mit grofser Wahrscheinlichkeit der Aphrodite 
zugesprochen werden kann, während am Südabhang 
des Berges, etwa 40 m unter dem Plateau des 
Aphroditeheiligtums, ein Temenos der Eileithyia 
gefunden wurde, dessen Anlage — Quelle mit Höhlen- 
heiligtum — trotz der grofsen Zerstörung noch 
nachgewiesen werden konnte und dessen Kultus 
durch ungemein zahlreiche Einzelfunde — Inschriften, 
Skulpturen, Terrakotten, Vasenscherben — anschau- 
lich gemacht wird. 

Die Arbeiten auf der von modernen Bauten er- 
füllten Akropolis der Stadt Paros galten in erster 
Linie der Untersuchung eines grofsen hellenischen 
Tempels, dessen Fundamente z.T. blofsgelegt wurden 
— sie sind von erstaunlicher Stärke und Höhe — , 
dessen Aufbau aber bis auf einen ganz geringen 
Rest von den fränkischen und venetianischen Usur- 
patoren abgetragen und in die Mauer des venetiani- 
schen Schlosses verbaut worden ist. Einzelne 
wichtige Bauglieder des Tempels haben sich so ver- 
baut nachweisen und untersuchen lassen ; aus ihnen 
ergiebt sich, dafs der Tempel, ein templum in antis 
oder ein Prostylos, ein ionischer Bau des 6. Jahr- 
hunderts war. 

Neben der Nordseite des Tempels wurden auf 
etwa 2 m tieferem Niveau Mauern prähistorischer 
Häuser aufgedeckt, zwischen denen zahlreiche Funde 
an ganzen Vasen, Vasenscherben und Steinwerkzeugen 
gemacht wurden. Unter den Vasen bilden die Haupt- 
masse monochrome Ware und mattfarbige Inselgefäfse, 
wie sie ähnlich in Melos, Aegina und Thera zum 
Vorschein gekommen sind, daneben wenig Mykeni- 
sches und viel Geometrisches. 

Die Forschungen nach dem berühmtesten Heilig- 
tum von Paros, dem Demeterheiligtum, das nach 
Herodot aufserhalb der Stadt auf einem Hügel ge- 
legen hat, haben, so weit dieses selbst in Betracht 
kommt, zu einem völlig negativen Resultat geführt, 
indem sie nur bewiesen haben, dafs alle früheren 
Ansetzungen falsch waren. Dagegen haben diese 
Untersuchungen doch ein positives Ergebnis gehabt, 
insofern sie die Veranlassung zur Aufdeckung des 
Delion von Paros geworden sind, das auf einem 
nördlich der modernen Stadt jenseits des Hafens 
gelegenen Berge von mäfsiger Höhe aufgedeckt 
worden ist. Es bestand ursprünglich nur aus einem 
von Mauern umhegten heiligen Bezirk mit einem 
oder mehreren Altären, vor allem einem in der Mitte 
des Bezirks gelegenen Felsaltar. In einer späteren 
Epoche ist dann in den Bezirk hinein — in die 
N.-W.-Ecke — ein kleines templum in antis gebaut 
worden, vor dessen westlicher Front aufserhalb des 
li. Bezirks und nur von aufsen durch Treppen zu- 



Archäologische Gesellschaft. 1900. März. 



21 



gänglich eine Terrasse bis zur Höhe der Euthynteria 
des Tempels aufgeführt wurde — die heilige Warte, 
wie sie für das Delion in Marathon bezeugt ist 
{Schol. Soph. Oed. Col. 1047). Zahlreiche Funde im 
Innern des Tempels führen zu der Überzeugung hin, 
dafs der Tempel dem Kult der Artemis oder Leto 
oder beider zusammen geweiht war. Dem Kult des 
Apollon wird der Felsaltar gedient haben. Von den 
Einzelfunden wurde insbesondere der zahlreichen 
Vasen und Terrakotten gedacht, die im Tempel zu 
Tage traten. 

Der Bericht über die Untersuchungen der Grab- 
denkmäler von Faros und besonders über die Aus- 
grabungen in der Nekropolis im Osten der Stadt, 
die durch Unterstützung von Seiten des Herrn Hiller 
von Gaertringen ermöglicht wurde, soll in der näch- 
sten Sitzung erstattet werden. 

MÄRZ. 

In Vertretung des Vorsitzenden eröffnete Herr 
Kekule von Stradonitz die Sitzung mit der 
Mitteilung, dafs die Herren Prof. Dr. Sieglin, 
Privatdozent Dr. P. M. Mayer und Dr. Helm als 
ordentliche Mitglieder aufgenommen worden seien, 
und mit Vorlage der neuen Schriften, unter anderen 
seines vorläufigen Berichtes über die von den König- 
lichen Museen begonnenen Ausgrabungen in Milet 
(Sitz. -Her. der K. preufs. Akad. d. W. 1900 
IX). Herr Wem icke bemerkte, er werde von 
Herrn Hübner aufmerksam gemacht, dafs die Auf- 
ösung, welche er in der November-Sitzung (vgl. 
Arch. Anz. 1899 S. 199) der Inschrift des Mosaiks 
von Elche gegeben habe, schwerlich richtig sei. 
INH-PRAEDI 
SVIVASCVM 

TVISOMNB 

MVLTISAN 

NIS 
sei nicht zu lesen in h(oc) praedi(o) s(ahus) vivas 
usw., sondern vielmehr in h(is) praedi(i) \ s vivas 
cum I tuis omnib(us) \ niultis an \ nis. Nach einem 
kurzen Hinweise des Herrn Oehler auf die neuen 
Entdeckungen, die in Karthago und an seiner Küste 
durch die Herren Gauckler und Hautz gemacht 
worden sind, sprach Herr Adler über das Mauso- 
leum von Halikarnafs, indem er seinen so eben in 
der Zeitschr. f. Bauwesen 1900 Heft i, sowie in 
einer erweiterten Sonderausgabe veröff"entlichten 
Wiederherstellungsversuch durch Photographien und 
Illustrationen eingehend erläuterte. Es wies dabei 
nach, dafs unter Benutzung der Ausgrabungsresultate 
des Mr. Newton (von 1856 — 57) auf Grund der littera- 



rischen Überlieferung und sachgemäfsen Verwertung 
gleichzeitiger [und späterer Baudenkmäler es jetzt 
möglich sei, zeichnerisch eine angenäherte Vor- 
stellung von der ursprünglichen Erscheinung des 
vielgepriesenen Werkes zu geben. Was diesem den 
hohen Ruhm verschaff"! hat, sehr bald — etwa ein 
Jahrhundert nach seiner Vollendung — in die Liste 
der sieben Weltwunder aufgenommen zu werden, 
war nicht nur seine auffallende Gröfse, sondern 
auch seine Originalität, die auf dem völlig un- 
griechischen Gedanken der dauernden Vergötterung 
nach dem Tode beruhte. Daher wird wohl das 
neue Bauprogramm von dem Bauherrn Mausolus, 
der seinem Vater Hecatomnus bereits göttliche Ehren 
in Mylasa hatte erweisen lassen, selbst herrühren. 
Unten die oberirdische Königsgruft und über ihr 
das tempelartig mit einer Säulenhalle umgebene 
Heroon, welches statt des sonst üblichen Marmor- 
daches eine Pyramide von 24 Stufen mit der Qua- 
driga und den Standbildern des unsterblich ge- 
wordenen Herrscherpaares Mausolus und Artemisia 
erhielt. Ein solcher Bau wäre in Griechenland un- 
möglich gewesen, er konnte nur in einem Grenz- 
gebiete des Perserreiches wie Kleinasien zu stände 
kommen, wo des Herrschers W^ille oberstes Gesetz 
war und selbst dann nur unter ganz besonders 
günstigen Verhältnissen von Personen und Dingen. 
Dies war hier der Fall. Der Ruhmestrieb des 
Fürsten, der soeben seine Residenz aus dem Binnen- 
lande an die Küste verlegt und dort das neue 
Halikarnafs nach einem einheitlichen, ebenso zweck- 
mäfsig wie künstlerisch geordneten Plane hatte auf- 
bauen lassen, wobei kein Tempel, sondern sein 
Grabmal der weitgesehene Mittelpunkt der Stadt 
werden sollte, war der treibende Faktor. Mit ihm 
verbanden sich seine einflufsreiche politische Stellung, 
seine weitreichenden Verbindungen und sein grofser 
Reichtum, der ihm gestattete, nicht nur die besten 
griechischen Künstler, Architekten wie Bildhauer 
zu berufen, sondern den geplanten Bau durchweg 
aus dem kostbarsten Materiale (parischem Marmor), 
in der gediegensten Struktur und Technik und mit 
einer Fülle von Bildwerken (Jagd- und Kampf- 
gruppen, Stand- und Sitzbilder, Reliefs und Tiere) 
ausgestattet, durchführen zu lassen. 

Die feststehende Thatsache, dafs dieser ebenso 
kühne wie eigenartige Schöpfungsbau in einem von 
häufigen Erdbeben heimgesuchten Lande anderthalb 
Jahrtausende gestanden hat — und dabei die letzten 
sieben Jahrhunderte hindurch sicher ohne jede 
Baupflege — ist das glänzendste Zeugnis für seine 
Monumentalität gewesen, welches die Geschichte 
geben konnte. Er ist erst in der Mitte oder in 



22 



Archäologische Gesellschaft. 1900. März. 



der zweiten Hälfte des XII. Jahrhunderts durch ein 
Erdbeben zum Sturze gekommen. Auch Mausolus' 
Wunsch ist erfüllt worden, denn unzählige Herrscher- 
gräber tragen seinen Namen, der schwerlich je aus- 
sterben wird. 

Die besondere Bedeutung des Mausoleums für 
die gesammte Baugeschichte liegt darin, dafs hier 
zum ersten Male der in bescheidenen Keimen schon 
vorhanden gewesene Stock werkbau (die Hyperoa 
in den Tempeln und die Gynäkeien in den Wohn- 
häusern) in grofsem und echt künstlerischem Sinne 
monumental verkörpert worden ist. 

Wie der Redner zur Begründung seines Restau- 
rationsversuches auf kleinere aber wichtige Vorbilder 
— das Löwengrab zu Knidos und das sog. Perikleion 
zu Xanthus — hingewiesen hatte , so schlofs er 
seine Ausführung mit der Analyse der besten von 
sehr vielen noch erhaltenen Ableitungen des 
Mausoleums, nämlich des marmornen Grabdenkmales 
eines Unbekannten aus dem II. Jahrh. n. Chr. in 
dem unfern von Halikarnafs belegenen Mylasa, 
welches, auch dreigeschossig gestaltet, aus Grab- 
kammer, offenem Heroon und zehnstufiger Stufen- 
pyramide besteht und zweifellos das Hauptmotiv, 
die Dreitheilung des Originales wiedergiebt. 

Mit dem Danke für den anziehenden und be- 
lehrenden Vortrag sprach Herr Trendelenburg 
zugleich sein Bedauern darüber aus, dafs auch 
diesem neuesten Versuche, das berühmte Bauwerk 
wiederherzustellen, nur das bisher veröffentlichte 
unzureichende Material zu Grunde gelegt werden 
konnte, also auch ihm gegenüber die Bedenken 
bestehen bleiben, die gegen die früheren Versuche 
geäufsert worden sind (Sitzungsbericht 9 S. 7 ff.). 
Diese Bedenken richten sich vor allem gegen den 
für die Gesammthöhe des Bauwerks (nach Plinius 
140') viel zu kolossalen, von Plinius ganz aufser 
Acht gelassenen Unterbau, der auch in der neuen 
Rekonstruktion die schwindelnde Höhe von mehr 
als 50' erreicht. Wenn,wieHerr AdlermitRechtvoraus- 
setzt, der Säulenbau nicht ein blofses Dekorationsstück, 
wie bei kleineren Grabanlagen, sondern der Raum für 
den Grabkultus ist, so fordert dieser für die den Kultus 
ausübenden Mitglieder des Königshauses unabweis- 
lich einen bequemen, einladenden Zugang. Das 
aber kann eine im Innern des Unterbauwürfels an- 
gebrachte Treppe von 100 und mehr Stufen niemals 
gewesen sein. Und wenn die Grabprozession den 
atemraubenden Treppenaufgang zurückgelegt hat, 
befindet sie sich in dem nunmehr erreichten Säulen- 
umgange in einer Höhe, die bei einem Fehltritte 
auch schwindelfreien Personen gefährlich werden 
mufs. Denn senkrecht kann aus einer Höhe von 



50' in die Tiefe hinabstürzen, wer sich dem Aufsen- 
rande des schmalen Pteron unvorsichtig nähert. 
Endlich können die Darstellungen auf den noch 
nicht einen Meter hohen Friesplatten des Grab- 
tempels, die auch bei dem neuen Wiederherstellungs- 
versuch nur von ebener Erde zu betrachten sind, 
dem unten stehenden Beschauer aus ihrer Höhe von 
fast 90' unter keinen Umständen so klar erkennbar 
sein, dafs er die verschiedenen Meister, aus deren 
Händen die Reliefs hervorgegangen waren, zu unter- 
scheiden im Stande wäre (hodieque certant manus. 
Plin.) Gerade dieser Bilderschmuck aber hatte nach 
dem ausdrücklichen Zeugnis des Vitruv und Plinius 
dem Mausoleum seine Einreihung unter die sieben 
Weltwunder verschafft. Daher wird nur die Re- 
konstruktion als überzeugend gelten können, die 
eine bequeme Besichtigung der Bildwerke vorsieht. 
Dem vierten Jahrhundert ging die Kolossalität noch 
nicht in dem Mafse über die Schönheit, wie der 
Alexander- und Diadochenzeit, und keine unserer 
Quellen weifs die übermäfsige Höhe des Mausoleums 
zu rühmen. Wenn daher kein Wiederherstellungs- 
versuch ohne eine Änderung der im Bambergensis 
überlieferten Zahlen des Plinius auskommen kann — 
auch der neue macht keine Ausnahme — , so sollte 
erwogen werden, ob nicht in der bisher für un- 
antastbar gehaltenen Höhenangabe des Plinius der 
Fehler steckt, zumal Hygin die Höhe des Mausoleums 
in ungefährer Übereinstimmung mit derplinianischen 
Höhe des Pteron und der Pyramide"~nur auf 80' 
beziffert. Vor allem aber sollten endlich einmal 
sämmtliche erreichbare . Reste des Mausoleums er- 
schöpfend untersucht, genau aufgenommen und all- 
gemein zugänglich gemacht werden. Diesem 
Wunsche schlössen sich mehrere Mitglieder der 
Versammlung ausdrücklich an, indem sie im Gegen- 
satz zu dem Redner, der die Durchführung einer 
solchen Untersuchung von Seiten der Archäologischen 
Gesellschaft anregte, die Hoffnung aussprachen, 
dafs die englischen Fachgenossen, denen die erste 
gründliche Aufnahme des Mausoleums zu verdanken 
sei, auch diese Ergänzungsuntersuchung gern über- 
nehmen würden. 

Hieraufsprach Herr O. Rubensohn über seine 
Ausgrabungen in der Nekropole von Paros. Nach 
einem kurzen Überblick über die Reste der Gräber 
und Grabmonumente aus der ältesten und archaischen 
Zeit und die wenigen Denkmäler, die uns aus dem 
5. Jahrhundert erhalten sind, wurde auf die ße- 
stattungsweise der hellenistischen Zeit näher ein- 
gegangen, für deren Erkenntnis die Ausgrabungen 
neues Material ergeben haben, welche Dank der 
Unterstützung durch Herrn v. Hiller nördlich der 



Archäologische Gesellschaft. 1900. März. 



23 



alten Stadt in der dicht neben d6r Hauptkirche von 
Paroikia, der Hekatontapyliani, gelegenen Nekropole 
vorgenommen werden konnten. Hier waren vor 
Jahren die von Loewy Archaeolog.-Epigraph. 
Mitteilungen aus Österreich XI, Tafel Vllff. 
veröffentlichten Sarkophage gefunden worden, deren 
bildnerischen Schmuck nicht eine einheitliche Dar- 
stellung, sondern eine Mehrzahl von einzelnen Grab- 
reliefs bildet. Diese Reliefs sind römisch, die Sar- 
kophage dagegen, wie besonders die in Form eines 
Giebeldachs gestalteten Deckel beweisen, helle- 
nistisch. Die Reliefs sind bei einer zweiten Benutzung 
der Sarkophage auf dieselben gesetzt worden. Die 
Ausgrabungen haben ergeben, dafs die Sarkophage 
ursprünglich auf 2 — 3 m hohen Unterbauten frei in 
der Luft aufgestellt waren. Diese Unterbauten be- 
standen aus einem Kern aus Füllwerk (Erde und 
Steinen), der auf drei Seiten von einem auf drei 
Stufen ruhenden Quaderbau aus Marmor umhüllt war, 
während die vierte Seite roh durch eine Bruchstein- 
mauer abgeschlossen wurde. Drei solche Unterbauten 
sind dicht nebeneinander aufgedeckt worden, von 
denen einer (I) freilich bis auf die unterste Stufe 
zerstört ist; ein zweiter (II) konnte mit Hülfe der 
in antiker Zeit verbauten , von uns wieder auf- 
gefundenen Marmorquadern bis zu einem gewissen 
Grade wieder hergestellt werden. Die Herrichtung 
der Sarkophage, die ebenso wie die Unterbauten 
für die Ansicht von drei Seiten aus gearbeitet sind, — 
besonders die Behandlung ihrer Bodenfläche — beweist 
die sichere Zusammengehörigkeit von Sarkophagen 
und Unterbauten. Oben auf den Deckeln der 
Sarkophage finden sich plinthenartige Aufsätze mit 
mehreren quadratischen Einarbeitungen, die, wie 
schon Rofs bei gleichartig gearbeiteten Sarkophag- 
deckeln auf Rheneia erkannte, zur Aufnahme der 
Büsten der Verstorbenen bestimmt waren. Hin und 
wieder wurden diese Büsten auch in eine besonders 
gearbeitete Basis eingelassen, die dann auf den 
Aufsatz des Sarkophagdeckels gesetzt wurde. Zwei 
solche Basen sind gefunden worden, deren eine mit 
prächtigem Akanthusschmuck versehen in Form 
eines grofsen Antenkapitells gehalten ist. 

Von besonderem Interesse ist die Geschichte 
dieser hellenistischen Nekropolis, die uns einen 
Beitrag liefert zu dem Capitel von der Wieder- 
benutzung antiker Grabanlagen im Altertum und dem 
konservativen Haften an einer einmal zur Bestattung 
erwählten Stätte. Von den Grabbauten ist Grab- 
bau I z. T. abgebrochen worden, als Grabbau II 
errichtet wurde, der dritte Bau ist, wenn nicht alles 
trügt, aus den Steinen des Grabbaus I hergestellt. 

Die erste Wiederbenutzung des Grabbaus II 



— von dem wir im folgenden ausschliefslich 
sprechen — hatte statt, als man die Reliefs auf 
den zu ihm gehörigen Sarkophag setzte. Man hat 
damals jedenfalls die Büsten entfernt; ob man den 
Sarkophag an seinem Aufstellungsort belassen hat, 
ist unsicher, aber wenig wahrscheinlich. Jedenfalls 
hat man den Sarkophag beseitigt, als man nach 
Jahr und Tag zur dritten Benutzung des Grabbaus 
als Grabanlage schritt. Man hat damals den Kern 
des Unterbaus ausgeschachtet und in die so ent- 
standene, von der Marmorwand des Unterbaus auf 
drei Seiten rechtwinklig umschlossene Nische einen 
neuen Sarkophag senkrecht zu der Längsrichtung 
des Baues hineingesetzt. Die Nische hat man dann 
auf der offenen Hinterseite des alten Unterbaues 
durch schlechte Mauern aus Bruchsteinen geschlossen, 
so dafs diese zusammen mit den Marmorwänden 
des ehemaligen Unterbaus jetzt eine Art Peribolos- 
mauer um den von ihnen eingehegten Sarkophag 
bildeten. Die Inschriften und Reliefs für die in 
ihm Beigesetzten wurden auf der Aufsenseite dieser 
Marmormauer angebracht; wir zählen hier im 
Ganzen 6 verschiedene Reliefs und Inschriften, 
die uns also schon in verhältnismäfsig spät-römische 
Zeit führen. Neben dem Sarkophag, der geöffnet 
und geplündert vorgefunden wurde, fanden sich 
innerhalb des »Peribolos« einige gröfsere Thon- 
gefäfse — ein ca. i m hoher Pithos mit breiter 
Mündung und durchlöchertem Deckel und eine 
Spitzamphora — und ein Bleigefäfs mit Thon- 
deckel, die sämtlich als Bestattungsurnen gedient 
hatten ; in dem Pithos lagen neben den Knochen- 
resten eines kleinen Kindes sehr fein gearbeitete 
Beigaben aus Gold (Medaillon, Ohrringe, Finger- 
ring). In der gleichen Zeit, in der die beschriebene 
Umgestaltung des Unterbaus stattfand, ist auch die 
Basis, die einst die Büsten der im ursprünglichen 
Bau Bestatteten trug, wieder verwendet worden. 
Man hat sie einfach herumgedreht, auf die ganz 
roh belassene ehemalige Unterseite einen Kranz 
eingemeifselt, in den eine der geläufigen parischen 
Grabesinschriften — 1^ ßouXrj xai 6 8^(aoc atetpovot 
'E-tctvaxxa flpoxXou X9^^^ orecpavu) — geschrieben 
wurde. So hat man dann den Stein als Grabstele 
auf einem Grabe verwertet, das in der Nähe an- 
gelegt sein mufs. Wieder verstrich eine geraume 
Zeit, und nun ereilte den Grabbau sein letztes 
Geschick. Die Marmorwände des Peribolos wurden 
zum gröfseren Teil abgetragen und die schönen 
Quadern dazu verwandt, zwei dicht neben dem 
Grabbau angelegte Gräber einzufassen; in das eine 
dieser Gräber wanderte auch die zur Grabstele 
umgewandelte ehemalige Basis. Hier haben wir 



24 



Archäologen -Tag in New-Haven. 



dann bei unseren Grabungen das Material unbe- 
schädigt vorgefunden und konnten zurReconstruction 
des ursprünglichen Baues schreiten '. 

In diesen, wie wir sehen, ganz späten Gräbern und 
in einer Anzahl gleichzeitiger in der unmittelbaren 
Umgebung des ehemaligen Grabbaus angelegten 
Gräber fanden wir nun bei der Ölifnung z. T. 
recht ansehnliche Beigaben aus Gold, insbesondere 
reichliche Reste von goldenen Kränzen, die aus 
dünnen lanzettlichen Goldblättern hergestellt waren. 
Die zahlreichen parischen Inschriften, die wie die 
oben angeführte uns Verleihung von goldenen 
Kränzen an Verstorbene durch Rat und Volk 
melden, enthalten also nicht nur leere Phrasen, 
sondern beziehen sich auf wirklich vollzogene That- 
sachen. Merkwürdiger Weise fanden wir die meisten 
Goldblätter — 240 an der Zahl, von etwa drei 
Kränzen — in einem Grab, das nachweislich drei- 
mal hintereinander zur Bestattung von Toten be- 
nutzt worden war, und zwar gehörten die goldenen 
Kränze sicher den zuerst im Grabe Bestatteten. 
Man hat also bei den späteren Beisetzungen diese 
entweder nicht gesehen oder sich trotz des wenig 
rücksichtslosen Verhaltens gegenüber den Gebeinen 
der Verstorbenen doch vor eigentlichem Grabesraub 
gescheut. 

Im Anschlufs an den Vortrag des Herrn Ruben- 
sohn legte Frhr. Hiller von Gaertringen eine 
Inschrift aus Faros vor, welche einen Auszug aus 
dem Werke des bisher unbekannten parischen 
Grammatikers Demeas über den Dichter Archi- 
lochos darstellt, leider aber in spätrömischer Zeit 
durch Wiederverwendung bei einem Grabmonument 
zum gröfsten Teil unkenntlich gemacht oder ganz- 
vernichtet ist. Eine vorläufige Veröffentlichung ist 
für das nächste Heft der Athenischen Mittei- 
lungen in Aussicht genommen: die hoffentlich 
endgültige Herausgabe soll in dem Faros gewidmeten 
Fascikel der Inscriptiones graecae instilartim erfolgen. 



ARCHÄOLOGEN-TAG IN 
NEW-HAVEN. 

Zum ersten Mal in den 21 Jahren seines Be- 
stehens hat das Archaeological Institute of 
America eine allgemeine Tagung abgehalten. Etwa 
100 seiner Mitglieder, aus allen Teilen des Landes, 
hatten sich vom 27 — 29. December 1899 in den 
Räumen des Kunst-Museums der Yale University 
zusammengefunden. 



1) Eine zeichnerische Reconstruction des Grab- 
baus mit dem Sarkophag und den Büsten wurde 
der Versammlung zur Begutachtung vorgelegt. 



Am 27. December, 3 Uhr Nachmittags wurde 
die Sitzung eröffnet. Vorträge folgten einander in 
rascher Abwechslung, bis um 6 Uhr eine Vertagung 
zum Mittagessen stattfand. Der Abend war der 
Ansprache des Ehrenpräsidenten, Prof. C. E. Norton 
von Harvard gewidmet. In seiner ebenso formvoll- 
endeten wie inhaltreichen Rede führte Herr Norton 
aus, wie bis zum Erstehen des Instituts die Ver- 
einigten Staaten sich auf dem Gebiet der klassischen 
Altertumsforschung bei dem Mangel an Material 
notwendig receptiv verhalten mufsten gegenüber den 
Leistungen der alten Welt. Erst mit der »Wissen- 
schaft des Spatens« fand die junge Nation Gelegen- 
heit ihre Dankesschuld einigermafsen abzutragen, 
und die Ausgrabungen in Assos, Argos und Korinth 
hätten bewiesen, dafs Amerika sich nicht unrühmlich 
den altern Geschwistern zur Seite stellen könne. 
Seien doch die jährlichen Aufwendungen in Griechen- 
land und Italien, obgleich sämtlich aus Privatmitteln 
bestritten, jetzt schon denen der alten Kulturstaaten 
zusammengenommen, gleich, ja überlegen. Mit einem 
Hinweis auf den belebenden Einflufs der Archäologie 
auf die klassischen Studien, und einem Appell für 
weitere Unterstützung, besonders im Hinblick auf 
die wünschenswerte Errichtung einer Schule in 
Jerusalem, schlofs die Rede, der aufrichtiger und 
lang anhaltender Beifall folgte. Ein Empfang, und 
für die Ausdauernden eine »Ex -Kneipe« im Gra- 
duate-Club, schlössen sich der Ansprache an. In 
drei weiteren Sitzungen am Donnerstag, den 28., — 
die letzte schlofs um 11 Uhr Abends — und einer 
Schlufs- Sitzung am 29. wurde das reichhaltige 
Programm abgewickelt, zu dessen Erfolg der aus- 
gedehnte Gebrauch des Stereoptikons nicht wenig 
beitrug. 

Die Tagung verlief so zufriedenstellend, dafs 
allseitig der Wunsch nach jährlicher Wiederholung 
laut wurde, den der geschäftsführende Ausschufs 
hoffentlich verwirklichen wird. 

Ich füge eine Liste der gehaltenen Vorträge bei: 

1. W. C. Lawton, Die Entstehung des Dramas. 

2. A. Fossum, Das Theater in Sikyon (nach eignen 

Messungen). 

3. F. W. Kelsey, Die Bühneneingänge am kleinen 

Theater in Pompeji. 

4. E.Capps, Das Datum der didaskalischen Inschrift 

C. I. A. II 972. 

5. J. M. Paton, Der Alkestismythus in Literatur und 

Kunst. 

6. F. Carter, Kleinigkeiten in Homerischer Archäo- 

logie [zur Terminologie der Schiffsausrüstung], 

7. E. F. Andrew, Die Inschrift vom Ost-Architrav 

des Parthenon. 



Erwerbungen der Antikensammlungen in Deutschland I. 



25 



13 

14, 

16. 

17- 
18. 

19. 
20. 
21. 



23- 

24. 

25- 

26. 
27. 
28. 

29. 
30. 
31. 

32. 

33- 



T. W. Hermance, Der geometrische Stil in 
Griechenland [Versuch einer Einreihung]. 

Fräul. F. Tuckerman, Wilde Blumen Griechen- 
lands. 

Frau S. Y. Stevenson, Museums -Politik [befür- 
wortet Vereinigung von Museen zwecks gemein- 
samen Ankaufs und Austausches]. 

Haynes, Bericht tiber die Ausgrabungen der 
Babylonischen Expedition der University of 
Pennsylvania 1899. 

R. B. Richardson, Die amerikanischen Grabungen 
in Korinth 1899 [das Quellenhaus Glauke]. 

G. H. Chau, Terrakotten vom Heraion in 
Argos. 

J. C. Hoppin, Der Tod des Argos, rotfigurige 
Hydria. 

Fräul. M. L. Nichols, Geometrische Vasen von 
Korinth. 

S. O. Dickerman, Archaische Inschrift von 
Kleonai [wichtige Vorschriften über Reinigung 
von Blutschuld]. 

W. N. Bates, Die Beleuchtung des »Theseion« 
[vermittels indirecter Reflection]. 

H. W. Haynes, Fortschritt in amerikanischer 
Altertumskunde. 

G. F. Wright, Die >^Mounds<.< im Staat Ohio. 

J. W. Putnam, Pueblos im Chaco-Cahon. 

J. R. S. Sterrett, Troglodyten in Kleinasien 
[Felswohnungen in Kappadokien]. 

C. H. Young, Experimente in griechischer 
Schneiderkunst [Chiton, Chlaina, Chlamys 
und Himation am lebenden Modell]. 

T. Peck, Die neuen Ausgrabungen auf dem 
Forum [mit unveröffentlichten Photographien]. 

W. W. Goodwin, Der -^pw; tatpo; [Identification 
der von Lukian erwähnten Darstellung mit 
einer Statue in Athen]. 

A. Marquand, Zwei Fenster im Dom von Florenz 
[Donatello und Ghiberti]. 

W. H. Ward , Weibliche Gottheiten in Früh- 
Babylonischer Kunst. 

J. R. Wheeler, Bemerkungen zum sog. Capuziner- 
Plan von Athen. 

A. L. Frothingham, Zwei Römische Bauten auf 
dem Triumphbogen von Benevent [die fortß 
triumphalis und das templum Martis\. 

W. H. Goodyear, Messungen am Dom zu Pisa. 

C. L. Brownson, Plato's Stellung zur Kunst. 

G. B. Hussey, Bemerkungen zu Plato [^uiov = 
Gemälde]. 

M. L. Earle, Die supplementären Buchstaben im 
griechischen Alphabet. 

Wm. Ruskin, Die Reform des Kunstkenners. 



34. E. von Mach, Hermes Diskobolos? [gegen 

G. Habich]. 

35. Fräul. Kalopathakis, Die Neraiden im heutigen 

Griechenland. 

Ernst Riefs. 



ERWERBUNGEN 
DER ANTIKENSAMMLUNGEN IN 

DEUTSCHLAND. 
I. Die Westdeutschen Altertums- 
sammlungen. 

REGENSBURG.i Museum zu St. Ulrich (Stein- 
metz). Bei der Neukanalisierung des Stadtgebietes 
wurden in den letzten Jahren bemerkenswerte 
archäologische Resultate erzielt. Die ungeheuren 
Massen von angeschwemmtem Morast im Südwesten 
und Osten des röm. Kastells lassen unter Beachtung 
noch bestehender Wasserläufe auf eine vollständige 
Wasserumgürtung der Römerfestung schliefsen. Auf 
dem Arnulfplatz wurden bei Gelegenheit der Kanali- 
sation mehrere Inschriften gefunden (vgl. Graf 
v. Walderdorff, Verhandig. des Lehrer-Vereins von 
Oberpfalz und Regensburg 51 = Wd. Korr. XVIII, 
No. 107), von denen eine von gröfserer Bedeutung 
ist: Volk(ano) sacr(um). Aur(elius) Artissius 
aedil(is) territor(ii) contr(arii) et K(astrorum) 
R(eginorum) de suo fecit. v. s. l. m. Posita (ante 
dient) X K(alendas) S(eptembres) Orfito co(n)s(ule) 
= 172 oder 178. Wichtig ist die Erwähnung des 
territorium contrarium , des Gebietes am linken 
Donauufer, von dessen Occupation in römischer 
Zeit sonst keinerlei Spuren bis jetzt zum Vorschein 
gekommen sind. — Eine zweite Inschrift befindet 
sich auf einer Platte von 45 auf 33 cm und lautet: 
In h(onorem) d(omus) d(ivinae) Marti et Victoriae 
templum restituit Sullanius Albucius vet(eranus) ex 
cornuel(ario) tribuni. V. s. l. l. m. D(e) d(icatum 
ante diem) tertium K(alendas) Jul(ias) Gentiano et 

J) Der nachfolgende Bericht gründet sich im wesent- 
lichen auf die museographischen Mitteilungen, welche 
die Museumsvorstände in derWestdeutschen Zeitschrift 
XVIII S. 370 — 421 gegeben haben. Die Namen der 
Berichterstatter für die einzelnen Sammlungen sind 
unserem Bericht in Klammern beigefügt. Der Zeit- 
raum, über welchen berichtet ist, ist bei den einzelnen 
Sammlungen verschieden; teils ist es das Kalenderjahr 
1898, teils das Rechnungsjahr 1898/99, teils ist auch 
noch die Zeit bis zum Herbst 1899 einbezogen. 
Die Sammlung von Regensburg, die sich in diesem 
Jahre einer sehr schönen Bereicherung erfreut, haben 
wir in den Bericht miteinbezogen in der Hoffnung, 
dafs er sich allmählich zu einer Überschau über die 
West- und Süddeutschen Altertumssammlungen aus- 
wächst. 



26 



Erwerbungen der Antikensammlungen in Deutschland. 



Basso eo(n)s(ulibus) = 2ii n. Chr. Auf der fröhlichen 
TUrkengasse wurde ein zweiseitig sculpierter Stein, 
der von einem grofsen römischen Grabmonumente 
herrührt, aufgefunden; auf der einen Schmalseite 
ist ein nackter Mann dargestellt im Begriff, sich das 
Schwert in die Brust zu stofsen, neben ihm steht 
ein Knabe, der, wie es scheint, den Mann an seinem 
Vorhaben zu hindern einen schwachen Versuch 
macht; vermutlich ist der Selbstmord des Ajax dar- 
gestellt, wenn diese Darstellung auch von den bis- 
her bekannten abweicht (vgl. Steinmetz, Regens- 
burger Verhandlungen 51). 

METZ, Museum der Stadt (Kenne). In Nieder- 
jeutz bei Diedenhofen wurde ein Depotfund der 
Bronzezeit gemacht, bestehend aus 23 Bronze- 
gegenständen in einem Thongefäfs: i Lanzenspitze, 
2 Sicheln, i Angel, 9 offene Arm- und Beinbänder, 

1 durchlochte Platte von einem Pferdegeschirr, 

2 gerippte Röhren u.dgl. Die Gegenstände haben 
mehrfache Übereinstimmung mit denen der Funde 
von Wallerfangen und Frouard. — Aus einem 
Hügelgrab von der Gemarkung Schalbach bei Lix- 
heim stammen drei offene Armbänder, welche sich 
nach dem Abschlufsstollen zu verjüngen, und ein 
Spiralband. 

Unter den römischen Funden sind hervor- 
zuheben: Gräberfunde aus dem Gemeindewalde von 
Albersweiler. Aus einer ländlichen Bauanlage bei 
Lörchingen bronzene und eiserne Gegenstände, 
ebenso aus einem Gehöfte zu Neufmoulins bei 
Heming und aus der Villa zu St. Ulrich, von der 
jetzt im Lothring. Jahrb. X S. 171 — 194 eine ein- 
gehende Besprechung von Wichmann vorliegt. 
— Aus einer römischen Ziegelei zu Niederjeutz 
eine Anzahl verschiedenartiger Ziegel, darunter 
solche mit dem Stempel Pariator, [Flojrentinus, 
[VJirisimi und Adjutex. Unmittelbar bei Metz 
wurden in den Kiesgruben bei Sablon, vermutlich 
in einer alten Schuttabladestelle, Bruchstücke von 
Thongefäfsen, besonders von Sigillata, gefunden. In 
Metz selbst kamen beim Neubau der Kirche S. Segolena 
von einem römischen Prachtbau Kapitale und Säulen- 
schäfte, darunter eine mächtige gedoppelte Säulen- 
trommel, zum Vorschein, ferner das Bruchstück der 
Marmorstatue eines gepanzerten Mannes, vermutlich 
eines Kaisers* die Brustseite des Panzers ist mit 
dem Medusenhaupt und daneben mit Löwenköpfen 
geschmückt; letztere tragen Ringe in der Schnauze, 
aus denen ein Tuch in Falten herabhängt. 

STUTTGART, Kgl. Staatssammlung(Sixt). Eine 
reiche Ausbeute von Gegenständen der Bronze- 
zeit: Nadeln, Fibeln, Armringe, Dolche und Lanzen- 
spitzen lieferten 6 Grabhügel bei Wilsingen und 



II Grabhügel auf der Heid bei Grofsengstlingen. 
Im Neckar bei Wangen wurde ein Bronzeschwert 
gefunden. Eine grofse Anzahl von Gefäfsen der 
Hallstattzeit sowie ein Schwert und ein Messer 
lieferten 5 Hügel bei Marbach (O. A. Münsingen). 

Ganz besonderes Interesse bietet ein unmittel- 
bar hinter dem Cannstatter Kastell mitten im Gräber- 
feld aufgefundener Tempel, in welchem folgende 
dem Museum überwiesene Steinsculpturen gefunden 
sind: i. eine Herecura, sitzend dargestellt mit 
Früchtekorb und Dedikationsinschrift; 2. dgl. ; 
3. dgl. ohne Inschrift; 4. stehend dargestellt, eine 
kleine Nebenfigur zur Seite; 5. dgl. stehend dar-- 
gestellt mit dem Apfel; 6. dgl. mit Kalathos, stehend 
dargestellt als Relief; 7. Kopf einer mutmafslichen 
Herecura; 8. Kopf des Dispater mit Kalathos; 
9. Mercurius Psychopompos Reliefplatte; 10. ein 
trauernder Attis ; 1 1. dgl. ; 1 2. die Hand einer Statue. 
Dazu kommen noch drei in der Nähe des Gebäudes 
gefundene Sculpturen; 13. der Vordertheil eines 
Löwen; 14. der Rumpfeines Löwen; 15. ein Pinien- 
zapfen. Diese hochinteressanten Sculpturen, die 
wegen ihres Fundortes in einem Sacellum mitten 
im Gräberfeld eine ganz besondere Wichtigkeit er- 
halten, werden demnächst in dem Werke von Haug 
und Sixt, Die römischen Inschriften und Bildwerke 
Württembergs, eingehend behandelt werden. — 
Aufserdem wurden an Steindenkmälern erworben 
ein Relief (Hercules und Alkestisi') aus Rottenburg, 
ein Grabrelief (zwei weibliche Gestalten) aus Hoch- 
mauren bei Rottweil und zwei Statuetten von Stieren 
aus Nürtingen. — Mehrere Funde der Völker- 
wanderungszeit, unter denen ein Paar goldene Ohr- 
ringe aus Unterböbingen hervorzuheben sind. 

KARLSRUHE, Grofsh. Sammlung für Altertümer 
und Völkerkunde (E. Wagner). Begünstigt durch 
den niedrigen Wasserstand des Bodensees nahm 
Prof. Schumacher eine genaue Untersuchung über 
die Anlage wichtigerer Pfahlbauten bei Bodmann 
und Uhldingen vor (vgl. Veröffentlichungen der bad. 
Sammlung II S. 27). In dem Graburnenfeld bei 
Huttenheim wurden aufs Neue Thongefäfse der 
Bronzezeit gefunden. Von Grabhügeln der 
früheren und späteren Hallstattzeit wurden unter- 
sucht ein Hügel in den Burstwiesen bei Buchheim 
mit Gefäfs- und Bronzefunden und ebenda im 
Langezugwald eine Gruppe von 13 Grabhügeln mit 
vielen, zum Theil farbig verzierten Thongefäfsen, 
ferner einige weitere Hügel der grofsen Gruppe im 
Dörnigwald bei Weingarten, welche Thongefäfse 
sowie Stücke aus Bronze und Lignit ergaben. 

Bei Gelegenheit der Strafsenforschung wurden 
von Prof. Schumacher eine grofse Anzahl römischer 



I, Die westdeutschen Altertumssammlungen. 



27 



Ansiedlungen entdeckt, ebenso in der Umgegend 
von Karlsruhe weitere römische Baureste durch Hrn. 
Bonnet. 

Auf dem Gebiete der Dampfziegelei Durlach 
stiefs man auf eine Grabplatte eines loojährigen 
Veteranen, von 170 cm Höhe, 73 cm Breite und 
23 cm Dicke mit der Inschrift D[is] manibus F(lavio) 
Sterio veUrano anorum c F(lavius Veheviens f(ilius) 
et he(res) posuit. Unter der Inschrift zwei Tauben 
und zwischen ihnen ein doppelhenkliger Becher. 
Das Grabdenkmal wird, wie das ausgeschriebene 
dis manibus, das Nomen Flavhts, und die Form und 
Ornamentation zeigen, der Wende vom i. zum 
2. Jahrh. angehören. 

Grabfelder der Völkerwanderungszeit 
wurden entdeckt und theilweise ausgebeutet bei 
Eichtersheim, Neckarmühlbach und Bodmann. 

PFORZHEIM, Städtische Alterthumssammlung 
(Bissinger). Die in diesem Jahre begründete 
Sammlung erhielt den Wd. Korr. XVIII, 46 ab- 
gebildeten Grabstein, der auf der Vorderseite die 
Brustbilder eines Mannes und einer Frau, auf den 
Schmalseiten je ein nacktes mit einem Schleier 
tanzendes Mädchen zeigt. 

MANNHEIM, Vereinigte Sammlungen des 
Grofsh. Antiquarium und des Alterthumsvereins 
(Baumann). Im Auftrage des Vereins hat Prof. 
Schumacher systematische Ausgrabungen in und bei 
Ladenburg vorgenommen. Es wurde für den süd- 
lich der heutigen Stadt gelegenen Theil der römischen 
Stadt der Umfang, die Art der ältesten Besiedlung, 
sowie die sie umschliefsende Stadtmauer nebst 
Graben auf der Ost-, Süd- und West -(Neckar-) 
Seite festgestellt. Auch eine ausgedehnte gallische 
Ansiedlung i Kilom. nördlich von Ladenburg wurde 
nachgewiesen. 

Auf dem merovingischen Gräberfeld am Nord- 
ausgang von Schwetzingen wurden wieder 10 bis 
12 Gräber aufgedeckt, die unter anderem einen 
Angon ergaben. 

ASCHAFFENBURG, Städtisches Museum (Con- 
rady). Wir erwähnen hier den umfangreichsten 
Fund von Beneficiariersteinen, der bis jetzt gemacht 
wurde. Es kamen in den J. 1898 und 1899 un- 
mittelbar neben dem Kastell Hochstadt beim Neu- 
bau einer Fabrik sieben vollständig erhaltene arae 
und fünfundzwanzig, vermuthlich zu neunzehn ver- 
schiedenen arae gehörige Bruchstücke zum Vor- 
schein; die besser erhaltenen Stücke kamen als 
Geschenk des Herrn Kommerzienrath Dessauer auf 
die Saalburg. Von den vollständigen Altären 
wurde je einer im J. 166 und 182, zwei im 
J. 167 geweiht, auf den Bruchstucken .finden 



sich Datierungen für die Jahre 181, 182, 186, 191, 
199, 201. 

DARMSTADT, Grofsherzogl. Museum (J. A. 
Müller). Einige röm. Funde aus einer röm. Villa 
am Hemsberge bei Bensheim Mehrere fränkische 
Alterthümer. 

HANAU, Museum des Geschichtsvereins (Wink- 
ler). Vorrömische Urne mit drei darin befindlichen 
Thonschalen aus Grofsauheim. Ein in Marköbel 
an der Windecker Chaussee durch Prof. Wolff auf- 
gedecktes Gräberfeld lieferte viele Thongeräte. 
In Grofskrotzenburg fanden sich zahlreiche ge- 
stempelte Terrasigillatafragmente und Stempel der 
22. Legion und 4. Vindeliciercohorte und eine 
römische Thonurne, umlegt mit zahlreichen Eisen- 
geräthen : Hammer, Hacke, 2 Äxte, i Hackmesser, 
2 Löffel, I Kette, Nägel und ein Kesselaufhänger 
aus gedrehten Stab- und Kettengliedern mit Hänge- 
und Klammerhaken. 

FRANKFÜRT a. M., Historisches Museum. In 
Heddernheim wurde unter einem röm. Privathaus ein 
früheres, durch Brand zerstörtes gefunden; es hatte 
einen mit Holzwerk verkleideten Keller, in dem sich 
Münzen von Claudius bis Hadrian und ältere Sigillata- 
ware fanden. Ähnliche Resultate ergaben Grabungen 
von Prof.Wolff: mehrere dicht nebeneinander liegende 
Häuser, die zur römischen Strafse im rechten Winkel 
standen; in einem fand sich wiederum ein mit Holz 
gefütterter Keller, in welchem auch die in den 
Lehm geschnittenen, ehedem mit Brettern bedeckten 
Treppenstufen noch ganz erhalten waren. Ein 
anderer, bis zu einer Länge von 7 m aufgedeckter 
Keller war dagegen ausgemauert, weifs beworfen 
und mit rothen Quaderfugen bemalt. 

HOMBURG V. d. H., Saalburg-Museum (Jacobi). 
Auf der Saalburg wurde eine Thonnische, vielleicht 
für ein Götterbild, aus gutem röthlichem Thon von 
1,26 m Höhe und 70 cm Breite ausgegraben. Auf 
den Rändern der Vorderseite befinden sich neben 
der Nische ornamentirte Streifen und Kreise. 

WIESBADEN, Museum (Ritterling). Aus der 
neolithischen Begräbnifsstätte bei Dehrn an der 
Lahn Gefäfsscherben und ein halbmondförmiges, an 
beiden Enden zum Anhängen durchbohrtes Schmuck- 
stück aus Kieselstein. Ein grofses tadellos erhaltenes 
Steinbeil aus Jade.it aus Niederzeugheim. Reich 
verziertes Thongefäfs aus der Jahnstr. in Wiesbaden. 
Margellen wurden in der gleichen Gegend mehrfach 
angetroffen, reich mit Scherben versehen, die die 
Bogenbandverzierung in grofser Mannigfaltigkeit 
aufweisen. 

Die 1898 und 1899 innerhalb des Stadtgebietes 
von Wiesbaden mehrfach vorgenommenen Grund- 



28 



Erwerbungen der Antikensammlungen in Deutschland. 



arbeiten ergaben wieder manche Anhaltspunkte für 
die Ausdehnung und die Dichtigkeit der Besiedelung 
dieser Gegend zur Römerzeit und lieferten eine 
hübsche Anzahl von Sigillaten, theilweise mit Stem- 
peln, Ziegelstempeln und Münzen. 

Eine sehr werthvolle Bereicherung empfing das 
Museum durch die Überweisung einer Sammlung 
von 800, mit Ausnahme einiger keltischer, durch- 
gehends römischer Münzen, die in den 30 er und 
40 er Jahren zusammengebracht wurde und meist 
Fundstücke aus Wiesbaden und dessen nächster 
Umgebung enthält. 

Aus dem Reihengräberfeld an der Kirche 
zu Niederwalluf kamen eine stattliche Zahl von Fund- 
stücken : Thongefäfse, Bronzebeschläge, Schnallen und 
Nieten, Scramasaxe, Lanzenspitzen, Thonperlen, ein 
gerippter Glasbecher, ein Denar des Septimius und 
ein Kleinerz des Valens. 

SPEYER, Museum (Grünenwald). Leistenkelter 
von Altdorf. Aus einer Kiesgrube bei Germersheim 

1 Radnadel, 2 Armcylinderspiralen aus Bronzedraht, 

2 Beinringe. 

Einige schon länger bekannte Steindenkmäler 
wurden dem Museum zugeführt: Denksteine von 
Hördt (Brambach 18 14), Viergötteraltar von Franken- 
holz, die Inschrift Brambach 1699. — Neu entdeckt 
steinerner Eber aus Rothselberg, Merkur mit Bacchus- 
knaben vom Reichenbrunner Berg bei .St. Ingbert, 
Grabstein von Kirchheim a. d. Eck; Mercuraltärchen, 
steinerne Gewandfigur und ein Köpfchen mit phry- 
gischer Mütze von Rockenhausen. 

Zahlreiche Kleinfunde von verschiedenen Stellen. 

WORMS, Paulus -Museum (Koehl und Wecker- 
ling). Bei Mölsheim wurde ein neolithischer Wohn- 
platz entdeckt und theilweise untersucht. Er enthielt 
zahlreiche Wohngruben, darunter eine von einer 
merkwürdigen, bisher noch nicht beobachteten Art. 
Sie hat die Form einer Ellipse von 9 m Länge und 
5,5 m gr. Breite und 1,50 m Tiefe. In sie münden 
35 cm über der Sohle 13 Gräben von etwa einem 
halben Meter Breite ein, von welchen sechs auf 
jeder Seite und einer am vordem Ende sich befinden; 
am hinteren Ende ist die Feuerung, davon eine aus 
demLöfs herausgearbeitete Bank. Zahlreiche Scherben 
der Bogenbandkeramik, Stücke von Handmühlsteinen 
und Thierknochen wurden darin gefunden. — Aus 
Wallertheim drei kleine Gefäfse der »jüngeren 
Winkelbandkeramik«. Von einem Skelett in Worms 
zwei Spiralarmringe mit je drei Windungen. Aus 
Osthofen und Ludwigshöhe mehrere schöne Früh- 
latene-Bronzefunde. 

Eine römische Grabplatte eines Reiters, gef. in 
Worms. Oben der Reiter in der gebräuchlichen 



Darstellung über einen Gefallenen wegsetzend, dar- 
unter die Inschrift Leubius Glaupi f(ilius) eq(ues) 
missicius ala Sebosiana an(norum) LXXV h(ic) s(itus) 
e(st). Gratus f(ilius) itiiles ex t(estamento) f(ecit) 
(vgl. Wd. Korr. XVIII 82). Aus Kornsand bei 
Oppenheim verschiedene früh -römische Bronzen 
(Schellchen, Fibeln und Knöpfe), sowie tiefblaue 
Melonenperlen. 

Fränkische Gräber wurden bei Pfiffligheim 
und Harxheim untersucht. In Pfiffligheim wurde 
eine silbertauschirte Eisenfibel gefunden, an welcher 
mittels einer langen Bronzekette eine Bulla aus 
Bronze mit Scharnier und Verschlufshaken befestigt 
war. Von derselben Stelle stammte ein aus Speck- 
stein auf der Drehbank gearbeitetes Eimerchen mit 
Eisenreifen und Henkel. 

MAINZ, Sammlung des Vereins zur Erforschung 
der rhein. Geschichte und Altertümer (Lindenschmit). 
Aus dem Rheinbett zwischen Laubenheim und 
Weisenau, nicht fern vom diesseitigen Ufer stammen 
ein durchlochtes Steinbeil, ein Schuhleistenkeil, ein 
Feuersteinmesser, ein längliches an den Enden je 
dreimal durchbohrtes Steinplättchen. Wahrscheinlich 
rühren diese Geräthe wie viele andere an gleicher 
Stelle schon früher gefundene aus Gräbern, die 
der Strom bei verändertem Lauf bedeckt hat. 

Bronzezeit und ältere Hallstattzeit: 23 länglich 
viereckige Bronzeplättchen von einem Gürtel- oder 
Halsschmuck herrührend aus Dexheim. 2 Kupfer- 
dolche, 6 Dolche bez. .Schwerter, 5 Lanzen- 
bez. Pfeilspitzen; i Messer, 14 Kelte verschiedener 
Zeitperioden, 14 Sicheln, 2 grofse Fischangeln, 
I Radnadel aus Bronze, mehrere Nadeln, mehrere 
Armringe, Pferdetrense, Barren sämmtlich aus 
Bronze und sämmtlich aus dem Rheine bei Mainz. 
Die grofsen Massen von Fundstücken, die an 
bestimmten Stellen des Strombettes jahraus jahrein 
• gefunden werden, fordern eine Erklärung, wie 
sie in den Strom gekommen sind. Lindenschmit 
hält es für wahrscheinlich, dafs an jenem Orte 
Ansiedlungen nach Art der Pfahlbauten bestanden 
hätten. 

Ein Grabhügelfund mit 22 Thongefäfsen der 
entwickelten Hallstattzeit aus der Umgegend von 
Giefsen. Mehrere interessante Tenefibeln, ein 
Gürtelhaken und ein dünner verzierter Armreif, 
wiederum aus dem Rhein. Ein Grabfund aus Nier- 
stein, enthaltend ein Schwert mit Scheideresten, 
Bruchstücken einer grofsen Lanze, Lanzenfufs, 
Theile eines bandförmigen Schildbuckels, mehrere 
eiserne Geräthe, Bruchstücke einer sogen. Mittel- 
latenefibel. 

Die Abtheilung der römischen Steinsculp- 



I. Die westdeutschen Altertumssaminlungen. 



29 



turen enthielt einen grofsen, sehr werthvoUen 
Zuwachs dadurch, dafs an der Stelle des ehe- 
maligen Gauthorwalles, westlich vom ehemaligen 
Gauthor, eine breite Mauer auf eine Länge von 
36 m unter Aufsicht des Alterthumsvereins unter- 
sucht und ausgebeutet wurde. Das Fundament dieser 
Mauer, welches eine Dicke von 2,90 — 3 m aufwies» 
war nämlich in der Weise hergestellt, dafs man an 
beiden Seiten der Fundamentgrube Quader und 
Bruchstücke ohne Mörtelverbindung dicht anein- 
andergereiht und den Raum zwischen beiden Reihen 
mit Schutt, Ziegelbruchstücken und kleineren Steinen 
gefüllt hatte. Die untersuchenden Herren halten 
die Mauer für mittelalterlich. Die Art der Ver- 
wendung der Blöcke erinnert sehr an die römischen 
Mauern von Neumagen und vieler spät- römischer 
Mauern französischer Städte, obgleich meines Wissens 
bei diesen die Quader entweder die ganze Mauer- 
breite einnehmen, oder zwischen den Quaderreihen 
sich festes Mörtelmauerwerk befindet. Dafs die 
Mainzer Mauer östlich vom Gauthor über römische 
Häuser wegläuft, spricht nicht gegen ihren spät- 
römischen Ursprung. Mit der Errichtung spät- 
römischer Stadtumfassungen ist in der Regel eine 
Verkleinerung der bebauten Fläche verbunden, das 
zeigen viele französische Städte, auch Jünkerath 
bietet hierfür ein Beispiel. 

Aus den hier aufgefundenen Steinblöcken seien 
folgende erwähnt: i. Grofse Inschrift I(ovi) o(ptimo) 
m(aximo) Conservatori ar[cus cum .... .]s, quas 
Dativius Victor dec(urio) civit(atis) Taun[ensiutn 
vicanis] Moguntiacensibus promisit. Victor [ii Probus P 
et Frimi>]us ßli et heredes consumma[verunt] (vgl. 
Zangemeister bei Körber, Wd. Korr. XVII S. 203). 
Von zwei monumentalen Bogen rühren in der That 
zehn, an gleicher Fundstelle gehobene Bautheile her. 
Sieben Wölbsteine des einen Bogens sind vom 
selben Material und zeigen zwei Reihen Sculpturen 
übereinander, von denen mit Sicherheit im unteren 
die Zeichen des Thierkreises zu erkennen sind. 
Voll einem zweiten Bogen aus röthlichem Sandstein 
zeigt der Schlufsstein nebeneinandersitzend Juppiter 
und Juno. Juppiter, unterwärts mit einem Himation 
bedeckt, setzt den rechten Fufs auf die Weltkugel, 
die zu seiner Rechten sitzende Juno hält die Fackel 
in der Linken. 

Zwei Blöcke gehören zu einem grofsen Grab- 
monument, die Pilaster sind reich mit Weinranken 
geziert, die Hauptfläche zeigte Scenen aus dem 
täglichen Leben, eine Frau mit einer Kanne (viel- 
leicht eine Toilcttenscene) und eine Figur in Sagum 
mit einem Hahn, vermuthlich eine Abgabendar- 
bringung (beides auf einem und demselben Bild 



scheint dargestellt zu sein bei Wiltheim, Lucili- 
burgensia 235). 

Ein ganz besonderes Interesse nehmen eine 
Reihe Blöcke ein, die zweifellos von der Säulen- 
stellung eines atriumartigen Hofes herrühren und 
von Domaszewski gewifs mit Recht auf den grofsen 
Hof des Praetoriums bezogen werden (vgl. auch 
Körber, Wd. Ztschr. XVII S. 205). Das Praetorium 
des Mainzer Lagers ist unter Vespasian durch die 
legio I adjutrix oder XIIII Gemina, oder von beiden 
erbaut worden (vgl. Ritterling, Wd. Z. XII S. 114), 
damit stimmt vollkommen der harte ungeschickte 
Stil der betreffenden Sculpturen; die Darstellungen 
sind sehr charakteristisch für den Hauptraum eines 
Lagers. Folgende Stücke kommen in Betracht: 
I. Zwei Blöcke, welche nicht unmittelbar überein- 
ander gehören, von einem 80 cm breiten Eckpfeiler; 
auf der einen Seite ist eine auf einer Kugel stehende, 
einen Kranz emporhaltende Victoria dargestellt, auf 
der anderen Seite vermuthlich Minerva (auf einem 
von einem zweiten Pfeiler herrührenden Blocke, 
welcher schon länger im Museum ist, ist Mars mit 
einem Tropaeum und ein Genius mit Füllhorn dar- 
gestellt). 

Offenbar nahmen die Pfeiler die vier Ecken 
der Säulenstellung ein, zwischen ihnen befanden 
sich Säulen; sie standen auf hohen Sockeln. 
Mehrere dieser Sockel mit der darüber befindlichen 
Säulenbasis sind erhalten. Zwei dieser Sockel 
zeigen je zwei Soldaten: der eine einen Legionär 
mit Scutum, Pilum und in der Brustgegend am 
Pilum befestigten Helm und einen Adlerträger nach 
rechts marschierend, der andere zwei Legionare im 
Kampf mit einem nicht dargestellten Feind; der 
vordere mit grofsem Scutum am Arm in Ausfall- 
stellung im Begriff, mit dem Gladius vorzustofsen, 
der hintere, mit einem Pilum bewaffnet, steht ruhig 
und deckt mit seinem Scutum die linke Schulter 
des Vordermannes. Die Helme sind mit Delphinen 
geziert, vermuthlich das Zeichen der prima ad- 
jutrix. Diese Soldatendarstellungen geben eine 
ganze Anzahl Aufschlüsse für militärische Tracht 
und Bewaffnung; der Stil, die Haarbehandlung, die 
Bartlosigkeit, die Augenbildung stimmen mit der 
Soldatenkunst des ausgehenden i. Jahrh. 

Die Säulensockel zeigen seitliche Falzen und 
in diese waren reliefierte Platten eingeschoben, 
welche eine Balustrade bildeten. Auf einer ist die 
hochinteressante Darstellung einer trauernden Bar- 
barin zu sehen; sie ist bekleidet mit eng anliegenden 
Hosen (so nach Loeschcke) und eng anliegendem 
Obergewand, welche beide gleichmäfsig mit einem 
Rhombenmuster versehen sind und wohl zusammen- 



30 



Erwerbungen der Antikensammlungen in Deutschland. 



hingen. Um ihren Kopf und Oberkörper ist in ge- 
fälligen Falten ein Schleier geschlungen. 

Ausgrabungen östlich vom Gauthor zeigten, dafs 
hier die Stadtmauer schon ausgerissen war, führten 
aber unter ihrem ehemaligen Zuge zur Entdeckung 
römischer Häuser. 

Bei Ausschachtungen auf der Emmeransgasse 
No. 8, die vom Alterthumsverein beaufsichtigt 
wurden, traf man 6 — 7 m unter dem Pflaster der 
heutigen Strafse auf dem zusammengeprefsten Gras 
einer ehemaligen Bruchwiese auf eine Fundschicht 
von I— i'/a m Stärke, die eine Anzahl hochinter- 
essanter Alterthümer barg: vier römische Schreib- 
täfelchen aus Nadelholz mit Resten des Wachsüber- 
zuges und der eingeritzten Schrift, zwei eiserne 
Dolche, Wangenklappe eines eisernen Helmes, viele 
eiserne Geräthe. Die zahlreich aufgefundenen 
Scherben rühren fast ausschliefslich von Gefäfsen 
aus Terra sigillata her, die dem i. und 2. Jahrh., 
zum Theil aber auch einer späteren Zeit angehören. 
Diese letzteren fanden sich über der eigentlichen 
Fundschicht im Schutte. — An der betreffenden 
Stelle stand ein Haus, dessen Pfahlwerk noch nach- 
gewiesen werden konnte. — Auf der gleichen 
Strafse No. 2 stiefs man auf dieselbe Fundschicht 
und gleichfalls auf Pfähle. Die Funde waren sehr 
zahlreich: Reste von ledernen Schuhen und San- 
dalen, Lederfutter der Wangenklappe eines Helmes, 
Lederfetzen mit eingeschlagenem Stempel SARI 
FAVST, Dolchscheide, länglicher Schildbuckel, 
Scheibenfibel, Schwertknauf und Schwertgriff, 
Bruchstück einer Millefiori-Schale u. dgl. 

Beim Bau einer Ziegelei auf der römischen B.e- 
gräbnifsstätte an der Hechtsheimerstrafse stiefs man 
auf fünf Brand- und sieben Skelett-Gräber, deren Auf- 
deckung überwacht wurde. Unter den Fundstücken 
sind zu erwähnen eine der bekannten Salbflaschen 
mit Darstellung eines Genius und der Buchstaben 
GF 

HI und ein Becher aus rosafarbigem Glas 
mit der eingeritzten Inschrift Simplici zeses. 

Auch an der Mombacherstrafse und bei der 
Erweiterung des christlichen Friedhofes auf dem 
westlichen Höhenrand des Zahlbacher Thaies wurden 
Gräber gefunden. 

Unter den Einzelfunden seien erwähnt: zwei 
Tintenfäfschen aus Bronze, gef. im Rhein, zwei 
Beschlagstücke aus Bronze, entsprechend den im 
vorigen Bericht 6. 20 abgebildeten, wieder im Rhein 
gef., verschiedene reich verzierte Hängezierstücke. 
Silberne Armbrustfibel mit reicher Niellirung; auf 
der einen Seite des Bügels trägt sie den mit 
Schwefelsilber eingelegten Namen Deomar, auf der 



anderen Seite den Spruch utere felix, gef. im Rhein. 
Bronzering, angeblich aus Bretzenheim, mit der 
Inschrift Io[vi]na Jißnerv(a)e d(edit). Bruchstück 
eines Schuppenpanzers, wie es von gleicher Gröfse 
wohl nirgends vorhanden ist, gef. im Rhein. 
Langschwert aus Eisen mit Resten des Elfenbein- 
griffs; die mit einem Mundstück aus Bronzeblech 
versehene Holzscheide ist zum Theil erhalten. 
Bronzekessel mit Eisenhenkel, gef. im Rhein. Ein 
Töpferrädchen, gef. im Rhein. 

Unter den vielen der Sammlung zugekommenen 
keramischen Erzeugnissen nehmen die erste Stelle 
ein: dreifsig nur wenig beschädigte Sigillata- 
gefäfse des i. und 2. Jahrh., welche aus Abfall- 
gruben bei Weisenau stammen. 

Von Steinmonumenten seien noch erwähnt: 
Steinkugel von 44 cm Dm., auf deren oberer Hälfte 
steht: L, Otacilius Fabriciu[s xvirj stlitib(us) judi- 
c(andts), trib(unus) niil(ituni) leg(wnis) x . . [guae- 
sior], trib(unus) pleb(is), praetor, leg(ahis) C(aesaris) 
A(ugusti) ^ . ., gef. an der Breidenbecherstrafse. 
Grabstein L(ticius) Antonius L(uci) /(ilius) Vol- 

(tinia) Semli[s?] [mil?] leg(ionis) XIIII 

Geni(inae). 

Auch die fränkische Abtheilung wurde durch 
einige bessere Stücke bereichert: zwei silberne, 
stark vergoldete, mit Niello verzierte Spangenfibeln, 
mit Granaten besetzte Rundfibeln und zwei Gold- 
münzen von Justinian und Anastasius mit Ösen zum 
Aufhängen aus einem Frauengrab in Niederselters. 
Vier goldene Riemenbeschläge, angeblich aus Trebur. 
Zwei goldene Ohrringe mit Glaseinlagen und Fili- 
granverzierungen aus der Umgegend von Saar- 
brücken. 

KREUZNACH, Sammlung des histor. Vereins 
(Kohl). Glas- und Thongefäfse römischer Zeit aus 
dem Gebiete der Stadt. 

BIRKENFELD, Sammlung von AlterthUmern 
im Gymnasium (Back). Ein Hügelgrab im Walde 
Brand südlich von Burg Birkenfeld ergab ein eisernes 
Frühlatene- Schwert und zahlreiche Thongefäfse. — 
Bei der Untersuchung eines römischen Landhauses 
bei Oberhosenbach fand man unter anderem den 
rechten Oberarm einer überlebensgrofsen Figur in 
Stein. 

TRIER, Provinzialmuseum (Hettner). Bei 
Wintersdorf an der Sauer wurden 27 Grabhügel 
untersucht; obgleich die meisten schon in früherer 
Zeit durchwühlt waren, gelang es doch, eine ganze 
Reihe interessante Gefäfse und andere Gegenstände 
noch zu finden. Besonders bemerkenswert sind eine 
Anzahl ganz dünnwandiger, mit feinen eingeritzten 
Zickzack- und Schlangenlinien gezierten Schalen 



I. Die westdeutschen Altertumssammlungen. 



31 



der allerfrühesten Hallstattzeit. Andere Ge- 
fäfse gehören der jüngeren Hallstatt — und der La 
Teneperiode an. — In Hüttigweiler wurden sieben 
Gräber aus der Zeit vor und um Christi Geburt 
untersucht ; theils tragen sie noch durchaus keltischen 
Charakter, wie die eleganten Thonbecher, gut ab- 
gedrehten Schalen und ein im Feuer gewundenes 
La Teneschwert zeigen, theils enthalten sie dagegen 
Militärfibeln und »frührömische« Becher. Sämmt- 
liche Gräber standen auf der Sohle von etwa i m 
tief in die Erde eingegrabenen Gruben, die mit 
grofsen Sandsteinen seitlich eingefafst und gedeckt 
waren. 

In Trier wurde der schön ornamentierte Mosaik- 
boden (abgeb. Bonner Jahrb. 103 S. 234), welcher 
schon im vorigen Jahre auf dem Schaab'schen 
Grundstücke entdeckt worden ist, ausgehoben und 
im Museumsvestibul eingelassen. — Ein zweites 
Mosaik, welches einen Gelehrten oder Dichter in 
einem weiten Mantel gehüllt sitzend darstellt, wurde 
auf der Johannisstrafse gefunden und in das Museum 
gebracht. 

Bei Ehrang wurden frührömische Gräber mit 
einer interessanten Art früher Sigillataimitation be- 
obachtet; sie waren auch deshalb von Interesse, 
weil sie unmittelbar neben der Römerstrafse Trier- 
Quint- Andernach lagen und für deren frühe Ent- 
stehung zeugen. 

Bei Rech (Kr. Merzig) kam ein Grabfund der 
Bronzezeit zum Vorschein, der aus einem Messer, 
einer Haarnadel mit kugelförmigem Knopf, einem 
Armreif mit paralleler Strichverzierung und mehreren 
Topfscherben besteht. 

Die wichtige im J. 1891 in Bitburg gefundene 
Bauinschrift (vgl. Wd. Korr. X, 49), welche der Er- 
richtung eines /ara[bu?]r eines Reisestationshauses 
durch die juniores vici im J. 245 Erwähnung thut, 
gelang es endlich zu erwerben. — In Mathias kam 
wieder einer der in unserer Gegend besonders häufigen 
halbkreisförmigen Grabdeckel zum Vorschein, die 
zusammen mit ihrem viereckigen Unterbau ein Haus 
imitieren; die Inschrift zeigt ein Gemisch keltischer 
und römischer Namen D(is) M(anibus) Catnulissius 
Aprilis et Crispinia lusta parentes Aprilio lustino 
filio de(functo) et s(ibi) v(n)i) f(ecertint). Von den 
kleineren Funden seien erwähnt: Bronzebeschlag in 
Form eines Minervakopfes 3. oder 4. Jahrb., gef. 
in Trier; Contorniat mit Darstellung des Homer, 
das Revers ist zerstört, scheint aber dem von Cohen 
Nr. 62 zu gleichen, gef. in Trier. Messergriff aus 
Elfenbein mit der Darstellung eines Satyrn, der 
auf einer Syrinx bläst, gef. in Dalheim; Messergriff 
aus Knochen mit der Darstellung eines Knäbchens, 



welches im Motiv des Dornausziehens sein linkes 
Bein heraufgenomraen hat. 

BONN, Provinzialmuseum (Nissen). Im 
Neufser Lager wurden 1,8 Hektar der südlichen 
Hälfte untersucht. Einige Gräber gewährten von 
Neuem einen Anhalt für die Zeit, wo nach Zer- 
störung des grofsen Lagers in dessen Mitte das 
kleine Alenlager erbaut wurde. Abgesehen von der 
Kaserne eines Manipel, die dem üblichen Schema 
entspricht, enthielt der durchforschte Raum fünf 
gröfsere Baulichkeiten. Darunter läfst sich der 
grofse Bau südlich vom Praetorium wegen seiner 
prächtigen Ausstattung als das Wohnhaus des 
kommandierenden Legaten betrachten. Westlich 
davon liegt das Lazareth (vaktudinarmm), wie sich 
sowohl aus den hier gefundenen Instrumenten und 
Gegenständen als aus der Anordnung der Zimmer 
ergiebt. — Unter anderem fanden sich zahlreiche 
Dachziegelstücke mit Stempeln der 16. und 6. Legion; 
die ersteren lagen vielfach in Brandschichten mit 
Scherben der Zeit um 70 n. Chr., als das Lager 
zerstört wurde; die Ziegel der 6. Legion lagen über 
diesen Schichten. 

Eine sehr wichtige Entdeckung wurde im Neu- 
wieder Becken auf dem linken Rheinufer zwischen 
Urmitz und Weifsenthurm gemacht (vgl. Nissen 
und Koenen, Bonn. Jahrb. 104). Hier liegen etwa 
12 m über dem Rhein in dessen unmittelbarsten 
Nähe zwei grofse Befestigungen. Die gröfsere hat 
die Form eines flachen Bogens, ihre gröfste Aus- 
dehnung am Ufer entlang beträgt 1275 m, ihre 
gröfste Tiefe 841 m. Ihre Umwallung bestand aus 
mächtigen Palissaden, vermutlich aus einem dahinter- 
liegenden Erdwall und zwei vor den Palissaden 
hinziehenden flachen Wallgräben, die sich im Bim- 
sand überall sehr deutlich abheben. Bis jetzt 
wurden schon 21 Unterbrechungen der Gräben, wo 
sich Eingänge befunden haben müssen, festgestellt. 
Genau in der Mitte der Nordfront sind nach über- 
einstimmenden Angaben der Ortseinwohner im 
Rhein bei Baggerarbeiten im J. 1896 viele lange 
Pfähle gefunden worden , in denen Koenen die 
Caesarische Brücke vom J. 53 sieht. — Im nord- 
östlichen Theil der grofsen Befestigung liegt ein 
Kastell, welches sich durch einen Spitzgraben 
kennzeichnet, es bildet ein Rechteck mit abgerundeten 
Ecken; seine Breite beträgt 276 m. Der Burggraben 
des Kastells schneidet die zwei Sohlgräben der 
grofsen Befestigung und an dieser Stelle ist deut- 
lich zu erkennen, dafs das kleine Kastell später 
entstanden ist als das grofse. In dem kleinen 
Kastell wurden viele Scherben aus der ersten Hälfte 
des I. Jahrh. gefunden und in unmittelbarer Nähe 



32 



Käufliche Gipsabgüsse. 



desselben eine gröfsere Anzahl Brandgräber derselben 
Zeit. — Hieraus ziehen Koenen und Nissen folgende 
Schlüsse: Das Kastell gehöre zu dem von Drusus 
angelegten Festungsgürtel. Die grofse Befestigung 
sei das Lager der die zweite Rheinbrücke Caesars 
erbauenden Legionen. Gegen die sehr ansprechende 
Combination erregte gleich anfangs das vollkommene 
Fehlen frührömischer Gefäfse innerhalb der grofsen 
Befestigung Bedenken, während die praehistorischen 
in grofser Zahl herumlagen. Neuerdings hat Lehner 
in den wiedereingefüllten Gräben der grofsen Be- 
festigung Wohngruben einer nach seiner Ansicht 
frühen praehistorischen Zeit gefunden, weshalb er 
die ganze Befestigung in die neolithische oder Bronze- 
zeit datiert. 

Unter den Einzelfunden ragt hervor eine 
interessante Inschrift aus Beuel, die Nissen, Bonner 
Jahrb. 103 S. 110 folgendermafsen veröffentlicht: 
I(ovi) o(piimo) m(aximo). [niarti] propugnatori 
[s(acrum). Vicijoriae Saluti imp(eratoris) [Sevejri 
Alexandri Aug(usti) n(ostri) [et Mjameae Aug(ustae) 
matri eins [et e]xercitus M. Aureli S[ever]i Alexandri 
pH felicis [invjicti Augusti totius[qu]e do?nus divini 
eius [le]g(io) I M(inervia) [p(id] /(idelis) Severiana 
Ale[xand]r[ia]na cum auxiliis [pujgna r[e]bus 
per actis [c]umqu[e] T[it]io Rußnlo] lc(larissimo)] 
v(iro) leg(ato) [IJegionis eiti[sde]m ag[ent]e sub 
Fla[vio Tit]ian[o l(egato) A(ugusti) p(ro) p(raetore) 
c]o(n)s(iilari) n(ostro) po[n]endaiii. [curjavit. VI 
Kat[end(as) n]o[vembres] imp(eratore) Al[exandro 
et Diane] co(n)s(ulibus) = 22g. Aufserdem wurden 
die schon länger bekannten Monumente: Votivdenk- 
mal an Juppiter von C. Lucius Maternus mit Relief 
aus Merkenich und Altar der Matronae Gabiae aus 
Kirchheim erworben. Neu entdeckt und erworben 
wurden ein Kalksteintorso einer Venus und ein 
schlafender Amor, beide in Bonn. 

Von Kleinalterthümern seien erwähnt: zwei 
goldene Ohrringe, gef. in Bonn. Bronzestatuette 
einer Venus, 25 cm. h. aus Mayen; z;wei vergoldete 
getriebene Bronzebeschläge mit Darstellung von 
Amoretten aus Köln. Gemme mit einer stehenden 
und einer hockenden Figur aus Urmitz. 

KÖLN, Museum Wallraf-Richartz (Poppel- 
reuter). Dem Museum wurden die Massenaus- 
grabungen römischer Gräber von der rechten Seite 
der Luxeinburger Strafse und die Funde von den 
Grabungen am Kastell Alteburg zugeführt, unter 
den letzteren ragte hervor eine schwach bemalte 
komische Maske in Terracotta. An Einzelerwerbungen 
sind zu nennen: Votiv aus Jurakalk, gef. in der 
Altstadt: I(avi) o(ptimo) m(aximo) et Genio loci 
Sex(tus) Insius Rufus b(ene)/(iciarius) co(n)s(ularis) 



V. s. l. m. Votiv aus Jurakalk, gef. in der Alt- 
stadt: I(ovi) o(ptimo) m(aximo) et Serapi et Genio 
loci L(ucius) Caesius Florentinus b(ene)f(iciarius) 
co(n)s(ularis) pro se et suis v. s. l. m. imp(eratore) 
Coinm(odo) II et V[er]o II co(n)s(ulibus) = lyg. 
Ein Grabstein aus Sandstein, gef. in der Neustadt: 
D(is) m(ambus) Messor(ius) Gemellin(us) Ursae 
ßl(iae) obitaefec(it), vix(it) an(num unum) m(enses) 
VI et Ogulniae Poppae — Statue eines sitzenden 
Mercur, Jurakalk mit einer Weihinschrift, anscheinend 
von einem Soldaten der leg. I, M. — Fragmente 
einer Thonform mit der Darstellung des Parisurtheils. 
Marmorirter Sigillatateller. Ein bronzener silber- 
plattirter Handspiegel. Amor auf Delphin in Bern- 
stein. — Imperator oder Juppiter, 25 cm h. Bronze- 
statuette, gef. in Köln, sehr gutes Stück. 

Auf der Auktion Forst wurden erworben der 
Landmann (Bonner Jahrb. 89) , die Tritonmaske, 
ein vorzüglich modellirter Stier, kölnischen Fund- 
ortes; an Schmucksachen mehrere goldene Ohr- 
gehänge italischer Herkunft, der silberne durch- 
brochene Gürtelbeschlag (Bonner Jahrb. 99 Taf. I. 6), 
der silberne durchbrochene Ring (ebenda 7), ferner 
ein gravirter Silberlöffel, ein silbertauschirtes eisernes 
Besteck einer Arztes, gef. in Köln, zwei Trinkbecher 
mit Inschriften, ein Borbotinebecher mit Darstellung 
eines Bärenjägers u. a. 

XANTEN, Niederrheinischer Alterthumsverein 
(Steiner). Ziegelstempel der Leg. IM, Rundstempel 
L. X. g. p. f. Tutus f. Sigillatastempel. 

Hettner. 



KÄUFLICHE GIPSABGÜSSE. 

Dem soeben erschienenen III. Nachtrag zum 
Verkaufsverzeichnis der Berliner Museumsformerei 
entnehmen wir diejenigen Angaben, welche sich auf 
antike Bildwerke beziehen •. 

I. ÄGYPTISCHE UND VORDERASIATISCHE 

BILDWERKE. 

A. Ägyptische Altertümer. 

ad I. Rundsculpturen. Mk. 

8. Bündelsäule aus dem Grabe des Mentu- 
nacht. Sandstein. Berl. Mus., Äg. Inv. 
1629. H. 0,71. Br. 0,19 3 

9. Kalksteinsphinx aus dem Serapeum. Berl. 
Mus., Äg. Inv. 7777. H. 0,68. Br. 1,21 40 

10. Statue des Meten (oder »Amten«). Granit. 

') Die voranstehenden Nummern sind die Ver- 
kaufsnummern der Formerei. Die Mafse in Metern. 
Soweit die Originale sich in Berlin befinden, können 
die Abgüsse nach diesen bemalt geliefert werden. 



Käufliche Gipsabgüsse. 



33 



Mk. 
Berl. Mus., Ag.Inv.iio6. Abg. Lepsius, 

Denkm. II 120, H. 0,48 7 

521. Kopf eines römischen Kaisers in römisch- 
ägyptischem Stil. Granit. Berl. Mus., 

Äg. Inv. 14079. H. 0,40 7,50 

ad 2. Reliefs. 

923. Figur eines Mannes Namens Chui (4. 
Dyn.). Kalkstein. Berl. Mus., Äg. Inv. 
8800. H. 1,26. Br. 0,62 10 

924. Bildhauermodell, Männerkopf in Halb- 
relief, ptolemäisch. Granit. Berl. Mus., 

Äg. Inv. 8473. H. 0,19. Br. 0,14 . . . 1,50 

925. Siegesdenkmal Usertesen's III aus Semne 
in Nubien, vom Jahre 16. Sandstein. 
Berl. Mus., Äg. Inv.1157. Abg. Lepsius, 
Denkm. II 136h. H. 1,56. Br. 0,86 . . 15 

926. Grenzstein, ebendaher, vom Jahre 8 des- 
selben Königs. Roter Granit. Berl. Mus., 
Äg. Inv. 14753. -^bg. Lepsius, Denkm. II 
I36i. H. 0,89. Br. 0,81 . 8 

B. Vorderasiatische Altertümer, 
ad 2. Reliefs. 

921. Unterteil eines assyrischen Reliefs: der 
König auf der Löwenjagd. Alabaster. 
Berl. Mus., V. A. 964. H. 0,30. Br. 1,83 10 

922. Vorderteil eines assyrischen Reliefs: der 
Königauf der Wildochsenjagd. Alabaster. 
Berl. Mus., V. A. 962. H. 0,81. Br. 0,69 8 

II. GRIECHISCHE UND RÖMISCHE 

BILDWERKE. 

A. Originale in Berlin. 

ad I. Sculpturen mit Ausschlufs der Pergame- 
nischen Funde. 

lOi (Sc. No. 1459). Weibliche Gewandfigur. 
Marmor. Abg. Kekule, Weibl. Gewand- 
statue aus der Werkstatt der Parthenon- 
giebelfiguren Tf. I — 4. H. 1,78 ... 160 

III (Sc. No. i8a). Aphrodite. Marmortorso. 
Abg. Jahrb. d. K. Preufs. Kunstsamml. 
1898. Beilage zu No. 3 der Amtl. Be- 
richte Taf. i. H. 0,70 12 

245 (Sc No. 83). Demeter. Marmorstatue. 
Äbg. 57. Berl.Winckelmanns-Progr. 1897 
Taf. I — 5. H. 2,32 200 

246 (Sc. No. 173). Hekate. Idol. Marmor. 

H. 0,51 15 

685 (Sc. No. 1503). Kopf eines Negers. H. 

0,44 10 

1382 (Sc. No. 1457). Kalathiskos-Tänzcrin, at- 
Archäologischer Anzeiger 1900. 



Mk. 



tische Arbeit des 5. Jahrh. Abg. Arch. 
Anzeiger 1893 S. 76. H. 0,81. Br. 0,56 

1343 (Sc. No. 1456). Desgleichen. Arch. Anz. 
1893 S. 77. H. 0,45. Br. 0,54 .... 

1345 (Sc. No. 1473). Grofses attisches Grab- 
relief aus Venedig. Marmor. Abg. An- 
tike Denkm. II Taf. 36. H. 1,80. Br. 1,08 

ad 2. Funde von Pergamon'^. 

2138. Basis einer ionischen Säule vom grofsen 
Altar. H. 0,25. Br. 0,52 

2135."! Balustradenreliefs aus dem Athenaheilig- 
2136. tum. Abg. Altertümer von Pergamon 
2137.I1I Taf. 43 (H. 0,87. Br. 2,05). 44,1 
2142. (0,87X2,05). 45,2(0,87X2,08). 46,3 
2143.J (o,88X 0,86). 45,1 (o,86X 2,04). 

2139. Kopf eines Diadochen. Abg. Klein, Pra- 
xitel. Studien S. 51 Fig. 4. H. 0,49 , . 

ad 3. Gegenstände aus dem Antiquarium. 
144. Gladiator. BronzefigUrchen (Inv. 8583). 

H. 0,09 

182. Jüngling. Bronzefigur aus Unteritalicn 

(Inv. 8577). H. 0,12 

231. Jüngling. Bronzestatuette aus Elis (Inv. 

8571). H. 0,13 

247. Altetruskische Bronzestatuette (Inv. 8201). 

Arch. Anzeiger 1892 S. no, 2. H. 0,17 . 

1679. Bronzeschiffchen aus Sardinien (Inv. 
8232). Arch. Anzeiger 1893 S. 97f. H. 
0,28. Br. 0,10 

1703. Griechische Bronzekanne aus Sidon (Inv. 
8056). Jahrbuch des Inst. 1888 S. 250. 

H. 0,34 

248 — 251. Vier Marmor-Idole von den griechi- 
schen Inseln (Inv. 8426 — 8429). H. 0,22. 
0,19. 0,18. 0,23 je 

1649. Steinbüchse aus Amorgos mit reicher 
Verzierung (Inv. 8102). Arch. Anzeiger 
1890 S. 93. H. 0,10. Br. 0,12 .... 

1680. Marmorgefäfs, gefunden in einem Grabe 
auf Syra (Inv. 8267). Arch. Anzeiger 1893 
S. 102. H. 0,18. Br. 0,16 

1681. Büchse aus Schiefer, gefunden in einem 
Grabe auf Syra (Inv. 8267). Arch. An- 
zeiger 1893 S. 102. H. 0,07. Br. 0,07 

B. Sculpturen, von denen sich nur 
die Formen in Berlin befinden, 
ad. 2., Bildwerke, die nicht bei Friederichs- 

Wolters verzeichnet sind. 
1954. Unvollendeter bärtiger Marmorkopf. 



75 



12 
50 
50 
50 
25 
50 



1,25 

2 

2,50 

2,50 

2 50 



2,50 



1,50 



-) Vgl. Beschreibung der pergamenischen Bild- 
werke. 10. Aufl. Berlin. 1898. 



34 



Institutsnachrichten. 



696. 
697. 

698. 

1398. 
1399- 

1400. 
1401. 



Mk. 
Karlsruhe, Grofsh, Samml. H. 0,14. 

Br. 0,08 0,75 

Archaischer Frauenkopf, gefunden 1899 
unterhalb der Agora von Thera. Marmor. 

Thera, Museum. H. 0,45 8 

BärtigerKopf der Antoninenzeit, vielleicht 
M. Aurelius als Caesar, gefunden 1896 
in der Basilike Stoa von Thera. Marmor. 
Thera, Museum. Abg. Hiller v. Gaert- 
ringen, Thera I Tf, 19. H. 0,53 ... 12 
Jünglingskopf derAntoninenzeit, vielleicht 
der spätere Kaiser Verus als Caesar, ge- 
funden 1896 ebenda. Marmor, Thera, 
Museum. Abg. Hiller v. Gaertringen, 

Thera I Tf. 20. H. 0,55 12 

Profilkopf des Artemidoros von Perge. 
H.o,42;Br.o,40. Abg.Arch.Anz.1899S.191 2,50 
Adler des Zeus Olympios, geweiht von 
Artemidoros. H. 0,68. Br. 0,68. Abg. 

ebd. S. 192 5 

Delphin des Poseidon Pelagios, ebenso. 

H 0,50. Br. 1,36 6 

Löwe des ApoUon Stephanephoros, 

ebenso. H. 0,94. Br. 2,00 15 

Nr. 1398- 1401 Felsreliefs, ausgegraben 
1899 in Thera, Messavuno. 



INSTITUTSNACHRICHTEN. 

Bei der im Jahre 1895 erfolgten Statuten- 
änderung des Instituts ist an Stelle der lebens- 
länglichen Mitgliedschaft in der Centraldirektion 
eine fünfjährige Amtsdauer getreten, und zwar 
mit der Bestimmung, dafs, mit Ausnahme der 
statutengeraäfs von der k. preufsischen Akademie 
der Wissenschaften zu Berlin gewählten Mitglieder, 
eine sofortige Wiederwahl des Ausscheidenden nicht 
zulässig sein solle. 

Ein dieser Festsetzung entsprechender Wechsel 
hat jetzt zum ersten Male stattgefunden, indem am 
14. März an die Stelle des nach fünfjähriger Dauer 
seiner Mitgliedschaft aus der Centraldirektion aus- 
tretenden Herrn Loeschcke-Bonn nach der in der 
vorjährigen Gesammtsitzung der Centraldirektion 
erfolgten Wahl Herr Hettner-Trier getreten ist. 

In der jährlichen ordentlichen Gesamtsitzung 
der Centraldirektion am 2. bis 6. April d. J. wurde 
an Stelle des Herrn Zangemeister-Heidelberg, welcher 
nach Ablauf der Fünfjahrperiode statutengemäfs aus- 
scheidet, Herr Puchstein-Freiburg zum Mitgliede der 
Centraldirektion gewählt. Herr Diels sah sich durch 
wachsende Inanspruchnahme in wissenschaftlichen 



und Amtsgeschäften veranlafst, seine Stelle als Mit- 
glied der Centraldirektion niederzulegen. 

Im Dezember v. J. waren fünfundzwanzig Jahre 
seit der Eröffnung der athenischen Abtheilung des 
Kaiserlichen Archäologischen Instituts verflossen. 
Die Anstalt war in Miethwohnung untergebracht, 
zuletzt in einem von Heinrich Schliemann eigens 
für diesen Zweck erbauten Hause an der Phidias- 
strafse in Athen, in sehr passender centraler Lage 
der Stadt. Im vorigen Jahre ging dieses Haus 
durch Kauf in das Eigenthum des Deutschen Reichs 
über; zugleich waren im Etat die Mittel zum 
Anbau eines dem gewachsenen Bedürfnisse ent- 
sprechenden, gröfseren Bibliothek- und Sitzungssaals 
bewilligt. Dieser Anbau hat soeben beendet werden 
können; er ist hinreichend grofs, um etwa 250 
Personen bequem Platz zu bieten und an den 
Wänden die Anbringung von Gestellen für den 
unter Leitung des zweiten Sekretars, Herrn Professor 
Dr. W'olters, ansehnlich vermehrten Zuwachs der 
Bibliothek zu gestatten. 

Am Montag, den 12. März, wurde der neue 
Saal durch eine feierliche Sitzung eröffnet, welche 
zugleich zu einer Erinnerungsfeier für das fünf- 
undzwanzigjährige Bestehen der athenischen Anstalt 
in einer für das Institut äufserst anerkennenden 
Weise sich gestaltete. 

Während sonst die Sitzungen in den Nach- 
mittagsstunden stattzufinden pflegen, war auf Aller- 
höchsten Wunsch Seiner Majestät des Königs von 
Griechenland die Morgenstunde um 11 Uhr ge- 
wählt worden. Leider wurden beide Majestäten 
durch Erkrankung in letzter Stunde am Besuche 
der Sitzung verhindert, wie der Hofmarschall der 
Versammlung mit Bedauern mittheilte. Vom Hofe 
erschienen Ihre Königlichen Hoheiten der Kron- 
prinz, die Frau Kronprinzessin und der Prinz 
Nikolaos. Es erschienen ferner die sämmtlichen 
griechischen Minister, und der Metropolit, die Ge- 
sandten von Deutschland, Frankreich, Grofsbritannien, 
den Niederlanden, Österreich - Ungarn, Rumänien, 
Rufsland und Serbien, der deutsche General-Konsul, 
der General-Ephoros und die Ephoren der Alter- 
thümer im Königreich, viele Professoren der atheni- 
schen Universität, die Direktoren und Mitglieder 
der übrigen ausländischen archäologischen Schulen, 
die Vorstände mehrerer wissenschaftlichen Vereine, 
sowie die meisten Mitglieder der deutschen Kolonie, 
namentlich alle Angehörigen des Instituts und sonst 
anwesende deutsche Archäologen. 

Der erste Sekretär, Herr Professor Dr. Dörpfeld, 
begrUfste die Versammlung und sprach über die 
Geschichte der Anstalt, gedachte der früheren Leiter, 



Zu den Institutsschriften. Bibliographie. 



35 



besonders des langjährigen Sekretars, Herrn Pro- 
fessor Köhler, und gab eine Übersicht der Arbeiten 
während der verflossenen 25 Jahre. Er schlofs mit 
dem lebhaften Ausdrucke der Freude über das 
schöne, harmonische Verhältnifs zwischen allen 
griechischen und fremden, in Athen zusammen- 
wirkenden Archäologen und über die grofsherzige 
Liberalität, mit welcher die griechischen Behörden 
und Fachgenossen den ausländischen Mitarbeitern 
die Benutzung der Museen und die Vornahme jeder 
Art von Untersuchung, namentlich auch der Aus- 
grabungen, unausgesetzt gestattet haben. 

Dem entsprach die folgende, von dem General- 
Ephoros Herrn Kavvadias in griechischer Sprache 
mit Überreichung einer Adresse gehaltene Be- 
grüfsungsrede und der Glückwunsch, welchen der 
Direktor der französischen Schule, Herr Homolle, 
im Namen aller ausländischen Institute in Athen 
darbrachte, und in dem er in vollendeter Form 
das herzliche Verhältnifs zwischen den Archäologen 
der verschiedenen Länder feierte. 

Zum Schlüsse verkündete der erste Sekretär die 
von Seiner Majestät dem Kaiser und König ver- 
liehenen Ordensauszeichnungen, mit denen die 
Ephoren Stai's, Tsundas, Philios u. A. bedacht 
worden sind, sowie die Ernennung des Kaiserlich 
deutschen Gesandten, Grafen von Plessen-Cronstern, 
zum Ehrenmitgliede des Instituts, verlas auch die 
Adresse, welche die Centraldirektion des Instituts an 
Herrn Kavvadias, gerichtet hatte. 

Nach der feierlichen Eröffnungssitzung fand die 
erste der regelmäfsigen wissenschaftlichen Sitzungen 
am Abend des 14. März statt. Unter den an- 
wesenden etwa 70 Besuchern waren auch die Ge- 
sandten Deutschlands, Rufslands und Serbiens. Zu 
dem Vortrage über die von dem Institut veran- 
stalteten Untersuchungen auf der Insel Paros, zu 
welchem sich die Herren Dörpfeld, Wolters und 
Zahn vereinigt hatten, wurde das Skioptikon mit 
neu angeschafftem Beleuchtungsapparat verwandt. 

Zu Anfang der Sitzung wurden noch Glück- 
wunschtelegramme mitgetheilt, welche von der 
Centraldirektion des Instituts, der Generalverwaltung 
der K. Museen in Berlin, der Berliner archäologischen 
Gesellschaft und Privatpersonen nach Schlufs der 
Festsitzung eingegangen waren. 

ZU DEN INSTITUTSSCHRIFTEN. 

Auf S. 185 des Anzeigers 1899 ist bei der Be- 
rechnung der der Cisterne zufliefsenden Regenmenge 
gesagt worden, es ergäbe sich »ein Quantum von 
200 Kubikmetern oder ebensoviel Hl. Wasser«. 



Herr Hiller von Gaertringen bittet den Leser, dies 
dahin zu berichtigen, dafs statt »ebensoviel« gesetzt 
wird »zehnmal so viel«. 

Die Redaction. 



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J. C. B. Mohr, 1899. X, 116 S. 8« (9 Abb.). 

Vuillier (G.) Plaisirs et Jeux, depuis les origines. 
Paris, Rothschild, 1900. 362 S. fol. (viele Abb.). 

Walderdorff (H. Graf von) Neuaufgefundene 
römische Inschriften in Regensburg. 

Wellauer (A.) Etüde sur la fete de Panathenees 
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Wernicke (K.) s. Denkmäler. 

Wieland (F.) Ein Ausflug ins altchristliche Afrika. 
Zwanglose Skizzen. Stuttgart, J. Roth, 1899. 
195 S. gr. 80 (Abb.). 

Wie sei er (F.) s. Denkmäler. 

Wi n c k 1 e r (H.) Altorientalische Forschungen. 2. Reihe 
Bd. II, 3. Heft (XIII der ganzen Folge). Leipzig, 
E, Pfeiffer, 1900. III, 80 S. [S. 321—400] 
gr. 80. 



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Statuettes (anon. Rec). S. 66yf. 

No. 1442. E. A. W. Budge, Egyptian ideas 
of the future life (anon. Rec). S. 7 40 f. 
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No. 1449. A. Mau, Potnpei, iransl. by F. W. 
Kelsey (anon. Rec). S. 122/. 

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de la decouverte de Babylone. S. 222 f. — 
A. Blanchet, Notes d' archeologie romaine (anon. 
Rec). S. 22J. — A. Blanchet et F. de Villenoisy, 
Guide pratique de V antiqtiaire ; E. Babelon, Les 
camees antiques de la Bibliotheque Nationale; 

E. Babelon, Venus a sa toilette (anon. Rec). 
S. 22J. — Ol. Normand, Une salle eginetique 
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de Mercure trouvee ä Givry. S. 373 — 376 (Tf, 
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No. 5. S. Reinach, Nouvelles decouvertes 
cgeenne?. S. 513 — 521 (12 Abb.). 
Antiquar! an, The American, and Oriental 
Journal. Vol. XXI (1899). 

No. 6. W. C. Winslow, Egyptological notes. 
S. 378 — 383. — J. Offord, The dragon on 
the Babylonian cylinders. S. 388 f. — J. N. 
Fradenburgh, Assyriological Notes. S. 402 f. 
Vol. XXII (1900). 
No. 1. W. C. Winslow, Notable Papyri. 
S. 50 f. — Egyptological notes. S. 51. — 
//. A. Guerber, Myths of Greece and Rome (anon. 
Rec). S. 6s f. 
Antiquary, The. N. S. Vol. XXXV (1899). 

No. 120. F. Haverfield, Quarterly notes on 
Roman Britain. S. 364 f. 

No. 121. F. Haverfield, Quarterly notes on 
Roman Britain. S. 6—8. — C. Raven, The 
British section of Antonine's Itinerary. S. 15 — 
19 (4 Abb.). — A British School at Rome. 
S. 26—28. 

No. 122. The Antonine Wall report (anon. 

Rec). S. 6s/. 

Anzeiger, Archäologischer, s. Jahrbuch des 

Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts. 

Anzeiger für schweizerische Altertumskunde. N. 

F. I (1899). 

Nr. 3. R. Ulrich, Das Gräberfeld von 
Cerinasca-Arbedo. S. 109— 119 (Tf. VII— IX). 
— E. Dunant, Chapiteau romain d'Avenches. 
S. 119— 122 (i Abb.). — A. Gessner, Die 
»Römerstrafse« bei Rohr, Ct. Aargau. S. 122 — 
125 (2 Abb.) — Kleinere Nachrichten aus den 
Kantonen [u. a. Römisches aus Baden, Basel, Aven- 
ches, Poliet, Dübendorf, Dietjkon]. S. X55— 164. 



Archaeologia or Miscellaneous Tracts relating to 
Antiquity. Second series, vol. LVI (1899). 

Part 2. W. H. St. J. Hope and G. E. Fox, 
Excavations on the site of the Roman city of 
Silchester, Hants, in 1898. S. 229 — 250 (Tf. 
XI- XVI, 4 Abb.) — F. G. H. Price, Notes 
upon some predynastic and early dynastic anti- 
quities from Egypt, in the writer's collection. 
S. 337 — 350 (9 Abb). — Roman colonnade un- 
covered in Bailgate, Lincoln. S. 371 (Tf. XIX). 
Archiv für Anthropologie. 26. Band (1899/1900). 

Heft 3. L. Stieda, Aus der russischen 
Litteratur (Archäologie, Anthropologie und 
Ethnographie). II. S. 769—894. 

Correspondenzbl a^t der deutschen Gesell- 
schaft für Anthropologre; Ethnologie und Ur- 
geschichte. XXX. Jahrg. (1899). Nr. 8. y. 
Marcuse, Diätetik im Alter thum (B.) S. 6s . 

Nr. 9. M. Hoernes, Die Anfänge der bildenden 
Kunst (anon. Rec). S. 8s f. (s Abb.). — Eidam, Aus- 
grabungen bei Gunzenhausen [Limes]. S. 103 f. 
Archiv für Religionswissenschaft. 3. Band (1900). 

Heft I. C. Fr. Lehmann, Religionsgeschicht- 
liches aus Kaukasien und Armenien. S. 1-17. 

— F. Frhr. Hiller v. Gaertringen, Über eine jüngst 
auf Rhodos gefundene Bleirolle (G. Knaack). 
S. g4f. 

Archivio della Societä Romana di storia patria. 
Anno XXII (1899). ' 

Fase. III. IV. G. Tomassetti, Dclla campagna 
romana (Via Portuense). S. 449 — 488. 
Athenaeum, The (1899). 

No. 3762. R. Lanciani, Notes from Rome. 
S. 766. 

No. 3763. H. F. P., The British School at 
Rome. S. 808. 

No. 3764. R. Lanciani, Notes from Rome. 
S. 841 f. 

No. 3766. Th. Hodgkin, Italy and für in- 
vaders (anon. Rec). S. 88s f — H. B. Walters, 
Catalogue of bronzes (anon. Rec). S. gosf 
(1900). 

No. 3767. Anon. Rec. von: J. L. Myres 
and M. Ohnefalsch - Richter, A. Catalogue of the 
Cyprus Museum; S. Reinach, Repertoire des vases 
peints.I; C.Robert, Kentaurenkampf und Tragödien- 
scene. S. 24f. 

No. 3768. E. A. W.Budge, Egyptian religion; 
Egyptian magic [anon. Rec]. S. 4of. — 
F. H[averfield], Romain Britain in 1899. S. 56. 

— R. Lanciani, Notes from Rome. S. 56 f. 
No. 3769. G. F. Hill, A handbook of Greek 

and Roman coins (anon. Rec). S. 8jf, 



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Bibliographie. 



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Papyri. II (anon. Rec). S. 140/. — A. van 
Millingen, Byzantine Constantinople (anon. Rec). 
S. fji/. — R. Lanciani, Notes from Rome 

S. 153 f. 
Atti della Societa di Archeologia e Belle Arti per 
la provincia di Torino. Vol. VII. 

Fase. 2. Atti della Societä 1897. S. 64 — 68. 

— Assandria e Vacchetta, Nuove esplorazioni 
neir area di Augusta Bagiennorum (Anfiteatro 

— tempio — chiesa cristiana). S. 69 — 77. — 
Assandria, Nuove iscrizioni romane del Pie- 
monte. III. (Bastia — Cortemilia — Gorzegno 

— Scaktta Uzzone). S. 78 — 85. — Ferrero, 
Iscrizione romana di Tortona. S. 86. — Ferrero, 
Iscrizione romana di Orbassano. S. 87 f. (Tf. III). 

— Chiapusso, Intorno alla distruzione di un 
arco antico in Susa. S. 89 — 108. — Atti della 
Societä (1898). S. 109—124. — Scati, Pavi- 
mento romano con iscrizione scoperto ad Acqui. 
S. 138 f. (Tf, IV). — De Jordanis, Notizia di 
iscrizioni romane scoperte in Jvrea. S. 140 f. 

— Ferrero, Armille di bronzo scoperte a Mont- 
alto Bora. S. 147 f. (Tf. V.). — Atti della 
Societa (1899). S. 144. 

Bessarione. Anno III (1899). 

N. 41. 42. Appunti c notizie. Saggio di 
antica monetazione. La 'mensa sanctorum' 
suUe tombe. Segno della croce in Egitto. S. 615 
-618. 
Biblia (1899). 

November. Archaeological notes. S. 510—520 
[Fortsetzung December S. 537- 546. Januar 1900 

s. 571 f.]- 

Blätter für das Gymnasial-Schulwesen hrsg. vom 
bayer. Gymnasiallehrerverein. 36. Band (1900). 
Heft I. II. M. Schneidewin, Die antike Hu- 
manität (A. Dyroff). S. ji — j6. — O. Froehde, 
Beiträge zur Technik der alten attischen Komödie 
(E. Bodensteiner). S. loj. — K. Hachtmann, 
Olympia und seine Festspiele (Stählin). S. ij2 — IJ4. 

— F. Koepp, Alexander der Große; fK Drumann, 
Geschichte Roms I (J. Melber). S. 134 — ijy. — 
R. Engelmann, Pompeji (IV. Wunderer). S. iS7f. 

Boletin de la Real Academia de la Historia. Tomo 
XXXV (1899). 

Cuaderno VI. F. Fita, Mausoleo de los Ser- 
torios in Valencia del Cid. Läpida romana 
inedita del primer siglo. S. 545—547. 
Tomo XXXVI (1900). 
Cuaderno I. El Marques de Monsalud, Nuevas 
inscripciones romanas de Extremadura. S. 5 
• — 13. — F. d. P. de Salazar, Memoria sobre los 



sitios que occuparon las ciudades romanas 
Libia y Segasamunclo. S. 40—57. 
Bote für allgemeine Geschichte (St. Petersburg). 
Erster Jahrgang (1900). [Russisch]. 

Nr. I. Th. Zielinski, Der erste Weltunter- 
gang (Mitte des i. Jahrh. v. Chr.). S. i — 41. 
Builder, The. Vol. LXXVII (1899). 

PartV. Annual meeting of the British School at 
Athens. S. 407f. — Egyptian porcelain. S. 458. 

— The Egypt Exploration Fund. S. 459 f. — 
Roman pavement, Dorchester. S. 484 f. (i Abb.). 

— A. S. Murray, Excavations in Cyprus 1896. 
S. 485 f. [dazu Myers, A. H. Smith, R. E. Smith, 
H. Stannus]. 

Part VI. The Temple of Karnac. S. 503. — 
The Medici Torso and Parthenon Pediment. S. 503. 

— Archaeological Tours of the German Insti- 
tute. S. 503 f. — A British School at Rome. 
S. 504. 552. — The last Roman pavement, S. 602. 

— Silchester. S. 603 (2 Abb.). 

Volume LXXVIII (1900). 
Part I. A. E. Henderson, St. Sophia, Con- 
stantinople. S. 2—5 (2 Tff., 2 Abb.). — J. E. 
Harrison, Example of Athenian grave-reliefs) 
S. 14 — 16 (i Tf.). — A. van Millingen, Byzan- 
tine Constantinople (anon. Rec). S. 64. 

Bulletin de TAcademie Royale de Belgique. 
Classe des Lettres (1899). 

No. II. F. Garofalo, Intorno Sibari c Turio 
qualche memoria (J. Bohl). S. 'jio—'jis. 

Bulletin archeologique du Comite des travaux 
historiques et scientifiques. Annee 1899. 

I re livraison. S. Reinach, Fouilles de Boul- 
bon (Bouches-du-Rhöne). S. XXVIII. — H. de 
Villefosse, Inscriptions de Beyrouth. S. XXXIII 
— XXXVIII. — L. Bousrez, Les aqueducs ro- 
mains en Touraine. vS. XLVf. — L. Joulin, 
Fouilles de Martres-Tolosanes. S. LVIIf. — H. 
de Villefosse, Inscription romaine de Frejus. 
S. Clf. — H. de Villefosse, Sur l'inscription 
de Lucteius ä Cahors. S. CIL — H. de Villefosse, 
Mosaiques romaines trouvees ä Sainte-Colombe. 
^. Cllf. 

E. Babelon, Notice biographique sur M. A. 
Chabouillet. 8. 3 — 23. — R. Cagnat, Trois 
inscriptions de Tunisie. S. 133 — 136. — P. Blan- 
chet, Rapport sommaire sur une mission accom- 
plie au Haut-Sahara. S. 137 — 145 (i Abb.). — 
A.-L. Delattre, Inscriptions chretiennes trouvees 
ä Carthago. S. 146 — 159. — P. Gauckler, 
Decouvertes recentes en Tunisie. S. 160 — 173 
(Tf. VII). — Ch. Denis, Inscriptions de lampes 
decouvertes ä l'Henchir- El- Hammann -Zouakra 



Bibliographie. 



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(Tunisie). S. 174—178. — H. de Villefosse, In- 
scriptions romaines de Lambese et des environs 
de Tebessa. S. 179 — 184. — P. Toussaint, Rap- 
port archeologique sur la regioii de Mal<tar. 
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Bulletin critique. 21 e annee (1900). 

No. 4. A. Blanchet, Les medaillons romains 
en bronze (lettre ä M. de Barthelemy). S. 73 

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Bulletin des Russischen Archäologischen Institutes 
in Constantinopel. Band IV (1899). 

Heft I. Miljukov, Die christlichen Alter- 
tümer in West-Makedonien. S. 21 — 151. — 
Pharmakowski, Die Lesche der Knidier in 
Delphi. S. 152—185. 

Heft 2. Pargoire, Hieria. S. 9 — 78. — 
Begleri, Eine Grenzinschrift aus dem 5. Jahrh. 
n. Chr. in Konstantinopel. S. 105 — 108. 

Bulletin monumental. Septieme serie, tome qua- 
trieme (1899). 

No. 2. G. Musset, Le tresor de la Bouillasse 
(Charente-Inferieure) [römische Münzen]. S. 158 
— 162. — Comte de Marsy, Le Mercure de la 
Sablonniere. S. 163—165 (2 Tff.). — L. Le Clert, 
Musie de Troyes, bronzes, catalogue descriftif (Comte 
de Marsy), S. 183—188. 

Bulletin de la Societe archeologique, scientifique 
et litteraire de Beziers (Herault). III e serie 
tome II, vol. XVIII de la collection (1898). 

2 6 livraison. L. Noguier, Monuments in- 
scrits et non inscrits de l'epoque chretienne du 
Musee lapidaire. S. 223—275. 

Bulletin et Memoires de la Societe archeologique 
et historique de la Charente (Angouleme). 
VIe Serie, tome VIII (1898 [erschien 1899]). 
A. Favraud, Le villa gallo- r omaine de La 
Braconne (Charente). S. XXXI f. — T. Maurin, 
Les thermes gallo -romains de Fouqueure (Cha- 
rente). S. LXVI-LXIX (i Plan). 

Bullettino di arcbeologia e storia dalmata. Anno 
XXII (1899). 

N. II. 12 (novembre — dicembre). Bulic, 
Iscrizioni inedite [ad Novas — Salona — Pitun- 
tium]. S. 201 — 211. — Tonkovic, Chiesa an- 
tica cristiana sotto la maceria DikovaCa a Zmi- 
jkvci della parocchia di Podbabje d'Imotski. 
S. 212—218 (Tf. VIII— X). — Bulic, Cemetero 
antico christiano nelle vicinanze dell' antica 
Salona. S. 218—222 (Tf. XI— XVI). — Bulic, 
Nuovo attentato al palazzo di Diocleziano a 
Spalato. S. 230 — 234. — Ritrovamenti risguar- 
danti il palazzo di Diocleziano a Spalato. S. 235. 
Ritrovamenti antichi a Gomilica (Castel Abba- 



dessa). S. 236. — Ritrovamenti antichi suU' 
isola di Solta (Solentia). S. 236. — Ritrova- 
menti risguardanti la topografia dell' antica 
Salona. S. 244. — Elenco degli oggetti d'arte 
acquistati nel 1899 dal rauseo in Spalato. S. 245. 

Bullettino della commissione archeologica comu- 
nale di Roma. Anno XXVII (1899). 

Fase. 3. 4. Lanciani, Le escavazioni del 
Foro. I. La basilica Emilia. S. 169 — 204 (Tf. 
XIII— XV). — Gatti, Monumenti epigrafici 
rinvenuti nel Foro Romano. S. 205 — 247. — 
Luini, La cloaca del Vico Jugario. S. 248 — 250. 
— Gatti, Notizie di recenti trovamenti di anti- 
chitä in Roma e nel suburbio. S. 251 — 269. — 
Marucchi, Di un nuovo cippo del pomerio ur- 
bano. S. 270—279. — Tomassetti, Notizie epi- 
grafiche. S. 280—293. — Wuensch, Sopra un 
scarabeo con iscrizione greca. S. 294 — 299. — 
Atti della Commissione. S. 300—307. — Libri 
e pubblicazioni periodiche ricevute dalla Com- 
missione archeologica nell' anno 1899. S. 308 
— 310. — Elenco degli oggetti di arte antica 
scoperti per cura della Commissione archeologica 
comunale dal i. gennaio a tutto il 31 dicembre 
1899 e conservati nel Campidoglio o nei ma- 
gazzini coraunali. S. 311 — 314. 

Bullettino di paletnologia italiana. Anno XXV 
(1899). 

N. 10 — 12. Dal Piaz, Contribuzioni alla 
paletnologia del Bellunese. S. 205 — 217. — 
Colini, II sepolcreto di Remedello e il periodo 
eneolitico in Italia. S. 2i8 — 295. — Colini, 
Materiali neolitici ed eneolitici del Lazio e della 
Toscana. S. 296-311 (Tf. XII-XIV). — No- 
tizie diverse [u. A. : Terramaricoli nel comune 
di S. Agata Bolognese — Spada di bronzo ad 
antenne di Terni. — CoUezioni paletnologiche 
della provincia di Roma. — Terramaricoli in 
Terra d'Otranto. — Ascia paleolitica di Alcamo 
(Trapani)]. S. 312 — 318. 

Centralblatt für Anthropologie, Ethnologie und 
Urgeschichte. V. Jahrg. (1900). 

Heft i. J. Boehlau und F. v. Gilsa, Neo- 
lithische Denkmäler aus Hessen ( IValUr). S. 33/. 

Centralblatt, Literarisches (1899). 

No. 48. C. Nicoldides, Macedonien (G. Weigand). 
Sp. 164s/. — F- Stolle, Wo schlug Caesar den 
Ariovist? (A. R.). Sp. 1646/. — B. P. Grenfell 
and A. S, Hunt, The Oxyrhynchos Papyri. // 
(^F. B.). Sp. ibsj—ibbo. 

No. 49. W. Bender, Mythologie und Meta- 
physik (IV. K.). Sp. 1701. — B. Sauer, Das 
sogenannte Theseion (C. R[obert]). Sp. rjiy—rjzi. 



42 



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Inseln (anon. Rec). Sp. 40 f. — W. Larfeld, 
Handbuch der griechischen Epigraphik (Bl.). 
Sp. 4g f. 

Nr. 3. F. Delitzsch, Die Entstehung des ältesten 
Schriftsystems (C. F. L[ehmann] ). Sp. i^if. 

No. 5. R. Robert, Über die Fest des Thuky- 
dides (anon. Rec.) Sp. sjö. 

No. 6. R. Böger, Die Rhein -Elbestrafse des 
Tiberius (anon. Rec). Sp. 280/. — A. Blanchet 
et F. de Villenoisy , Guide pratique de l'antiquaire 
(T. S[chreiber]). Sp. 281. — A. Springer, Hand- 
buch der Kunstgeschichte. I. Das Altertum, bearb. 
von Ad. Michaelis (T. S[chreiber]). Sp. 281/. 

No. 7. F. Koepp, Alexander der Große 
(B[elo]ch). Sp. S02. — A. Arendt, Syrakus im 
zweiten punischen Kriege I. (li). Sp. 302/. 

No. 8. H. Winckler, Altorientalische Forschungen. 
2. Reihe I. H (H Zimmern). Sp. 348/. — 
A. Bauer, Die Forschungen zur griechischen Ge- 
schichte 1888 — i8g8 (anon. Rec). Sp. 34g- -331. 

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types. S. 322 — 343 (i Abb.). — B. Pick, Die 
antiken Münzen Nordgriechenlands I i (B. V. 
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Civiltä cattolica (La). Ser. XVII, vol. IX (1900). 
qu. II 89 (6. genn.). [de Cara]. I dialettti 
italici e glTtali della storia. Le iscrizioni. 

S- 41-53- 

qu. 1192 (17. febbr.). [de Cara] Della stele 
del Foro e della sua iscrizione arcaica. S. 385 
— 398. — [Grisar] Archeologia: 119. La 'Bocca 
della Veritä' in Roma, sua origine e significato. 
120. Le leggende della 'Bocca della Veritä'. 
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en Turquie d'Asie. S. 578. — HomoUe, Deux 
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bronze decouverte ä Carthage. S. 583 f. (i Tf. 
[gravirte Darstellung, pun. Inschrift]. — S. Reinach, 
Le heros Scirus. S. 587 f. — L. Joulin, Les 
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Martres-Tolosanes. S. 596 — 604. — Clermont- 
Ganneau, Observations sur les nouvelles inscrip- 
tions puniques. S. 612—614. — Hamdy-Bey, 
Lettre sur les ruines d'Arslan-Tash. S. 617 

— 619 (i Tf.). 

'EcpT^fxeptS dp)(ccioXoyixir]. flepfoSo; rptTr^ 1899. 

Teü^o; T^xapTOV. 'A. 2x15;, 'EriYpccfal 'EXeu- 
öTvo;. Sp. 177 — 222. — K. Ko'jpr)uvtu)T7]s, Tdcpoi 
-/a|iap«)TOi 'EpETptcts. Sp. 221 — 234 (Tf. n. 12, 
3 Abb.). — K. Ko'jpouvKuxr);, öuataT-i^pia. Sp. 
233 — 238 (2 Abb.). — 'A. 2xt5?, 'AflTjvaixal 
eTriypcfcpal iizX ßpa/ou. Sp, 237 — 240 (2. Abb.). 

Ertesito, Archaeologiai [Archäologischer Anzeiger]. 

N. F. Band XIX (1899). Budapest [ungarisch]. 

Heft I. J. H., Bruchstück eines vas diatretum 

aus dem Fejerer Comitat. S. 16 — 18 (i Abb.). 

— G. Csallany, Über das römische Grabfeld in 
der Umgebung von Öcsöd und Szent Andras. 
S. 41—46 (Tf. I— III, 2 Abb.). 

Heft 2. K. Kärpati, Alterthümer aus Savaria. 
S. 130—138 (10 Abb.). 

Heft 3. G. Tegläs, Die topographischen 
Beziehungen und Erläuterung des Namens von 
Centum putei. S. 214 — 225 (2 Abb.). — J. Teglas, 
Über die Felsenschlucht bei Torda und die 
Werkstätte des Steinmetzes von Potaissa. S. 280 

— 283. — E. Gohl, Römische Gefäfse in Ska- 
badka. S. 290—296 (9 Abb.). — G. Finäly, 
Antike Bronzestatuetten im Erdelyi Muzeum 
[SiebenbUrgisches Museum]. S. 296 — 306 (5 Abb.). 

Heft 4. A. Söter, Die Ausgrabungen in Bruck- 

Ujfalü. S. 341—351 (II Abb.). 

Evkönyve, A hunyadmegyei törtenelmi es rege- 

szeti tarsulat tizedik (1899). ' Deva [ungarisch], 

Heft I. G. G, Kuun, Denkrede auf Carl 

Torma, S, I — 40. 



Bibliographie. 



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szeti es termcszettudomanyi egylet tizedik (1899). 
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Gazette des Beaux-Arts. ß«? periode, tome vingt- 
troisieme (1900). 

512 c livraison. Ch. Saunier, Les conquetes 

artistiques de la revolution et de l'empire'et les 

reprises des allies en 18 15 (70 article). S. 156 

— 162 (2 Abb.). 

Giornale arcadico. Nuova Serie, anno III (1900). 

N. 26 (febbr.) M. Belli, Magia e pregiudizi 
in P. Ovidib Nasone. S. 129—137. 
Globus. Bd. LXXVI (1899). 

Nr. 22. y. Heier li, Die archäologische Karte 
des Kantons Aargau (anon. Kec). S. SS^- 

Nr. 23. W. Deecke, Die pleistocänen Land- 
seen des Appenins. S. 366 — 369 (5 Abb.). — 
Die Mauern von Konstantinopel. S. 369-371 
(3 Abb.). 

Bd. LXXVII (1900). 

Nr. 3. F. V. Vincenz, Ein Besuch auf der 
Insel Telos. S. 46-48 (2 Abb.). 

Nr. 6. H. S., Ein Winterausflug von Neapel 
zum Monte Vergine. S. 92 — 96 (6 Abb.). 
Gymnasium, Das humanistische. 10. Jahrg. (1899). 

Heft III/IV. F. Bölte, Das klassische Alter- 
tum und die höhere Schule. S. 161— 173. 
Hermes. 35. Band (1900). 

Heft I. B. Niese, Beiträge zur Geschichte 
und Chronologie des Hellenismus. S. 53—72. 
— R. Reitzenstein, Die Hochzeit des Peleus und 
der Thetis. S. 73—105. — C. Robert, Die 
Ordnung der olympischen Spiele und die Sieger 
der 75.-83. Olympiade. S. 141 — 195 (Beilage). 
Jahrbuch des Kaiserlich Deutschen Archäologischen 
Instituts. XV. Band (1900). 

Heft I. H. Lucas, Die Reliefs der Neptuns- 
basilica in Rom. S. i — 42 (28 Abb.). — W. Passovp, 
Zum Parthenonfriese. S. 42 — 49 (4 Abb). — 
S. Wide, Geometrische Vasen aus Griechenland. 
(Schlufs). S. 49—58 (19 Abb.). 

Archäologischer Anzeiger Nr. i. Ch. Hülsen, 
Die neuen Ausgrabungen auf dem Forum Ro- 
manum. S. i— 10 (2 Abb., Beilage). — A. Conze, 
Römisch-germanische Forschung. S. 10 — 18. — 
Sitzungsberichte der Archäologischen Gesellschaft 
zu Berlin. 1900. Februar (i Abb.). März. 
S. l8 — 24. — - Archäologentag in New-Haven 
(E. Riess). S. 24 f. — Erwerbungen der An- 
tikensammlungen in Deutschland. I. Die v?est- 
deutschen Altertumssammlungen (F. Hettner). 



S.25 — 32.— Käufliche GipsabgUsse. S.32 —34. — 
Institutsnachrichten S. 34 f. — Zu den Instituts- 
schriften. S. 35. — Bibliographie S. 35 — 55. 
Jahrbücher, Bonner (1899). 

Heft 104. H. Nissen und C. Koenen, Caesars 
Rheinfestung. S. 1—55 (Tf. I— TX, i Abb.). — 
E. Krüger, Ein Beitrag zu den Juppiter-Säulen. 
S. 56-61 (Tf. X). — H. Lehner, Juppiter mit 
dem Giganten. S. 62 —64 (i Abb.). — C. Schulteis, 
Alte Befestigungen von Münstereifel. S. 65 f. 
(Tf. XL XII). — F. Münzer, Die Quelle des 
Tacitus für die Germanenkriege (mit Anhang: 
Die procuratorische Laufbahn des älteren Plinius). 
S. 67 — III. - G. Mestwerdt, Sigillata-Stempel 
und -Formen der städtischen Altertumssammlung 
in Kleve. S. 112— 116. — W. Bösken, Alter- 
tumsfunde bei Alpen (Kreis Mors). S. 117 — 126 
(2 Abb.). — J. B. Nordhofif, Zur Chronologie 
der westfälischen Megalithgräber. S. 127 — 135. 

— H. Boschheidgen, Asciburgium. S. 136 — 163 
(Tf. XIII, 23 Abb.). — H. Lehner, Ausgrabungs- 
und Fundberichte vom i. April bis 15. August 
1899. S. 164 — 174 (7 Abb.). — JR. Cagnat, 
Cours d'epigraphie latine, j». ed. (E. Diehl). S. 17J 

— t8o. — y. B. Nordhoff, Römerstrafsen und das 
Delbrückerland (A. Tille). S. iSj. — Dragen- 
dorff, Grabfund auf einem römischen Friedhofe 
in Reims. S. 186—188. — W. Fusbahn, 
Bertrich, römische Badeanlagen. S. 188. — 
C. Schulteis, Rüngsdorf, römische Funde. S. 192. 

— C. Brockelmann, Ephesia grammata. S. 192 f. 
Jahrbücher, Neue, für das klassische Altertum, 

Geschichte und deutsche Litteratur, und für 
Pädagogik. 2. Jahrg. (1899). 

Heft 8. I. Abt. U. v. Wilamowitz-Moellen- 
dorff, Der Landmann des Menandros. S. 513 
— 531. — 0. Ribbeck, Reden und Vorträge 
(y. Ilberg). S. 595—597' — H- Abt. J. Teufer, 
Über klassische Studienreisen. S. 416—428. 

Heft 9. I. Abt. F. Studniczka, Das öster- 
reichische archäologische Institut und seine Zeit- 
schrift. S. 601 — 611. 

Heft 10. I. Abt. E. Kaiinka, Die neueren 
Forschungen in Kleinasien. S. 665 — 685 (5 Abb.), 

— F. Cauer, Die Stellung der arbeitenden 
Klassen in Hellas und Rom. S. 686 — 702. — 
A. Kalkmann, Die Quellen der Kunstgeschichte des 
Plinius (H. L. Urlichs). S. 717/. — II. Abt. 
G. Schultz, Bemerkungen zum Anschauungs- 
unterricht auf dem Gymnasium. S. 549—558- 

Dritter Jahrg. (1900). 
Heft I. Erste Abteilung: B. Sauer, das so- 
genannte Theseion und sein plastischer Schmuck 



44 



Bibliographie. 



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Die gegenwärtige Krisis in der Auffassung der 
älteren römischen Geschichte. S. 38 — 54(2 Abb.). 

— y. Burckhardt , Griechische Kulturgeschichte 
(Fr. Koepp). S. 76— So. 

Jahrbücher, Neue Heidelberger. Jahrg. IX (1899). 
Heft I. F. V. Duhn, Fundumstände und 
Fundort der ältesten lateinischen Steininschrift 
am Forum Romanum. S. 107 — 120. 
Jahrbücher, Preufsische. 99. Band (1900). 

Heft II. A. Döring, Xenophanes. S. 282 

— 299. 

Jahre'sbericht über die Fortschritte der classischen 
Altertumswissenschaft. 27. Jahrg. (1899), Bd. loi 
—103. 

Bd. 103 Heft 7. 8. E. Schulze, Lucian Müller 
(Nekrolog). S. 81 — 86. — W. Schmid, Erwin 
Rohde (Nekrolog). S. 87—114. 
Independent, The (1900). 

January 18. Hittite discoveries in Babylon. 

Journal, The Archaeological. Vol. LVI (1899). 

No. 223. W. G. C. Maxwell, The Roman 

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Novembre. £. Courbaud, Le basrelief romain 
(G. Perrot) III. S. 633—671 (4 Abb.) IV: De- 
cembre S. 747 — 764; V (Schluß): 1900 Jan vier 
S. 26 — 44. 
Journal, The, of Hellenic Studies. Vol. XIX 
(1899). 

Part II. J. A. R. Munro, Some observations 
on the Persian wars. I. The campaign of Mara- 
thon. S. 185 — 197. — A. S. Murray, A new 
vase of the Dipylon class. S. 198 — 201. (Tf. VIII). 

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A. The Erinyes, B. The Omphalos. S. 205 — 251 
(12 Abb.). — P. Gardner, The scenery of the 
Greek stage. S. 252 — 264. — L. Savignoni, 
On representatlons of Helios and of Selene. 
S. 252-272 (Tf. IX. X, 3 Abb.). - P. Perdrizet, 
Venatio Alexandri. S. 273 — 279 (Tf. XI). — 
J. G. C. Anderson, Exploration in Galatia eis 
Halym. S. 280-318 (21 Abb.). — D. G. Ho- 
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311 B. C. S. 330 — 340. — E. A. G[ardner], 
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G. Teglas, Über die Topographie des west- 
lichen Strafsenzuges aus dem dreifachen dacischen 
Strafsenzuge der Tabula Peutingeriana von Uj- 
Palänka bis Zsuppa, d. i. bis Tibiscum bei dem 
Zusammenflusse der Bisztra und Temes, sowie 
über die strategische und volkswirtschaftliche 
Bedeutung der Stationen. S. 86 — 117 (10 Abb.). 
Korrespondenzblatt des Gesammtvereins der 
deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine. 
48. Jahrgang (1900). 

No. I. G. Wolfif, Die Aufgaben der west- 
deutschen Geschichtsvereine nach der Auflösung 
der Reichs-Limeskommission (dazu Conze). S. i 

— 5. — E. Anthes, Über die Mauertechnik an 
den Steinbauten des römischen Odenwaldlimes 
hessischen Theils. S. 8 — 11 (3 Abb.). — Mehlis, 
Über vorgeschichtliche Befestigungen in den 
Nordvogesen und im Hartgebirge. S. 11 — 16 
(4 Abb.). — Riese, Über Terra sigillata aus 
Rom. S. 16 f. — Koehl, Über die neolithische 
Keramik Südwestdeutschlands. S. 17—25 (10 
Abb.). 

Korrespondenzblatt, Neues, für die Gelehrten- 
und Realschulen Württembergs. Siebenter Jahr- 
gang (1900). 

Heft I. Oslander, Am Rhein vor 1500 
Jahren. S. 16—26. — H. Peter, die geschicht- 
liche Litteratur über die römische Kaiserzeit 
(Treuber). S. S4/. 

Korrespondenzblatt der Westdeutschen Zeit- 
schrift für Geschichte und Kunst. Jahrgang XVIII 

(1899). 

Nr. IG. Neue Funde: (98) Strafsburg [rö- 
mische Grabsteine]. Sp. I77. — (99) Hügel- 
gräber in Hessen. Sp. 177 — 179. — (100) Mainz 
[römischer Soldatengrabstein] (Körber). Sp. 179. 

— Chronik: (wj) Fundberichte aus Schwaben 
(H[eitne]r). Sp. 180— 182. — Miscellanea: (103) 
Eine britannische Inschrift von Agricola (F. 
Haverfield). Sp. 185. 

Nr. II, Neue Funde: (107) Regensburg, 
römische Inschriften. Sp. 193 — 197. — (108) 
Über die Saalburg-Ausgrabungen. Sp. 197 f. — 
(109) Grabungen im Coblenzer Stadtwalde 
(Bodewig). Sp. 198 f. — (no) Urmitz, zwei 
Erdschanzen (H[ettne]r). Sp. 199 — 202. — 
Chronik: (///) R. Forrer, Die Heidenmauer von 
St. Odilien {anon. Rec). Sp. 202 — 203. — Mis- 
cellen: (119) Zur Mainzer Inschrift Brambach n. 
1089 (A. V. Domaszewski). Sp. 2i8f. — (120) 
Zur Inschrift aus Niederbieber Limesblatt S. 827 
(A. V. Domaszewski). Sp. 219. — Vereins- 
nachrichten; (121) Frankfurt a. M., Über Ge- 



Bibliographie. 



45 



fäfse aus Terra sigillata aus Rom (A. Riese). 
Sp. 220. 

Nr. 12. Neue Funde: (124) Regensburg, 
Römisches (Steinmetz). Sp. 225—228. — (125) 
Strafsburg, Altchristliche Funde. Sp. 228 — 230. 

— (126) Neustadt a, H., Schatzfund an der Lim- 
burg. Sp. 230. — (127) Mainz, Inschrift (Körber). 
Sp. 230 — 232. — Chronik: (12S) Cichorius, 
Auxiliarcohorten (anon. Rec). Sp. 232. — (.12 g) 
E. Anihes, Das Castell Gro/s-Gerau (anon. Rec). 

Sp. 232f. 

Kunstchronik. Jahrgang XI. (1899/1900). 

Nr. 9. Ausgrabungen und Funde: Baden bei 
Wien [römisches Mithraeum] (R. Bock). Sp. 140. 
Nr. 14. Ein in Tunis entdecktes Mosaik- 
pflaster (§). Sp. 219. 

Nr. 15. VV. Amelung, Ausgrabungen auf dem 
Forum Romanum. Sp. 225 — 229. 
Listy filologicke. Jahrgang XXVI (1899). 

Lieferung VI. L. Niederle, Die angeblichen 
Slaven an der Markussäule in Rom. S. 401 
-405. 
Litter atur Zeitung, Deutsche. XX. Jahrgang 

(1895). 

Nr. 48. Ch. yohnston, The epistolary liier a- 
ture of the Assyrians and Babylonians (C. Bezold). 
Sp. 182J f. — A. Rehm, Eratosthenis Caiasteris- 
morum Fraginenta Vaticana (E. Bethe). Sp. 182 g. 

— y. Lange, Darstellung des Menschen in der 
älteren griechischen Kunst, übers, v. M. Mann, 
hrsg. V. C. y0rgensen und A. Furtwängler 
(A. Kalkmann). Sp. 1843 — 18^0. 

Nr. 50/51. Festschrift für 0. Benndorf (G. 
Körte). Sp. ig2'/ — igjf. 

XXI. Jahrgang (1900). 

Nr. I. F. LI. Griffith, Hieratic Papyri fr om 
Kahun and Gurob (A. Er man). Sp. 36-38. — 
E. Aust, Die Religion der Römer (H. Usener). 
Sp. 38—40. 

Nr. 2. iV. R. Smith, Die Religion der Semiten, 
übers, v. R. Stube. IL (F. Gieseb recht). Sp. 1J3 
— iJJ. — Clermont-Ganneau, Album d'antiquites 
orientales (M. Lidzbarski). Sp. lööf. 

Nr. 4. Vitruvii de architectura libri, ed. 
V. Rose (y. Nielsen). Sp. 2g4f. 

Nr. 7. y. L. Myres and M. Ohnefalsch- 
Richter, A Catalogue of the Cyprus Museum (H. 
Dragendorff). Sp. 482—484. — Alb. Müller, 
Untersuchungen zu den Bühnenalter thümern (anon. 
Rec). Sp. 484. — R. Kobert, Über die Pest des 
Thukydides (E. Hahn). Sp. joöf. 
. Nr. 8. E. Petersen, Trojans dakische Kriege 
(F. Koepp). Sp. S54f' 



Nr. 9. H. Bertsch, Meeresriesen, Erdgeister 
und Lichtgötter in Griechenland (H. Küentzle). 
Sp. öogf. — G. Dittenberger, Sylloge L, 2. Aufl. 
(anon. Rec). Sp. 611. 

Magazine, The Wiltshire Archaeological and 
Natural History. Vol. XXX (1899). 

No. XCn. E. H. Goddard, On a remark- 
able vessel found at Latton [römisch-britisch]. 
S. 303f. (I Tf.). 

Melanges d'Archeologie et d'Histoire (^cole fran- 
gaise de Rome). XIX e annee (1899). 

Fase. V. P. Perdrizet, Le cimetiere chretien 
de Thessalonique. S. 541 — 548 (ii Abb.). 

Memoiren der Kais. Russischen Archaeologischen 
Gesellschaft. Bd. XI (1899) [Russisch]. 

A. Spizyn, Kurgane mit rot gefärbten Ske- 
letten. S. 1-81. — A. Spizyn, Übersicht 
einiger Gouvernements und Gebiete von Rufs- 
land in archäologischer Hinsicht. S. i — 126 
[archäologische Fundstatistik der Gouvernements 
Smolensk, Orel, Kaluga, Tula, Moskau, Wladi- 
mir, Jaroslawl, Kostroma, Rjäsan, Kursk, Kiew, 
Podolien, Wolhynien, Minsk, Grodno, Wilna]. 

— A. Spizyn, Kleine Bemerkungen. 
Memoires de l'Academie de Vaucluse. Tome XVII 

(1898). 

2 6 livraison. A. Sagnier, Etüde sur les epees 
de bronze du Musee-Calvet (Avignon). S. 105 

— 124 (I Tf). 

Tome XVIII (1899). 

le livraison. A. Sagnier, Numismatique 
appliquee ä la topographie et a l'histoire des 
villes antiques du departements du Vaucluse. 
IX. Machovilla. S. I — 13. — L, Rochetin, 
Le camp de Cesar de Laudun. S. 15 — 56. 
Memoires de la Societe d'agriculture, commerce, 
Sciences et arts de la Marne [Chalons-sur-Marne]. 
2 6 Serie, tome ler (1898— 1899). 

2 6 partie. Horguelin, Compte rendu des 
travaux numismatiques publies ä diverses epoques 
dans les Memoires annuels de la Societe d'agri- 
culture, commerce, sciences et arts de la Marne. 
S. 71-93- 
Memoires de la Societe d'emulation du Doubs 
[Besannen]. 76 serie, 36 volume (1898) [er- 
schienen 1899]. 

A. Vaissier, La decoration de l'archivolte et 
des pieds-droits de Porte-Noire [röm. Triumph- 
bogen]. S. VII f. — A. Vaissier, Note sur une 
recente fouille archeologique faite ä Cham- 
bournay-lez-Bellevaux [röm. Aedicula]. S. XV. 

— A. Vaissier, Complement d'un essai d'inter- 
pretation des sculptures de Porte-Noire. S. XXXf. 



46 



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L. Maxe-Werly, Ltudes sur les differents 
pagi qui formerent le comte de Barrois. 2 « partie: 
Pagus Odornensis. 30 partie: Pagus Bedensis. 
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Memoires de la Societe nationale d'agriculture, 
sciences et arts d'Angers (Ancienne Academie 
d'Angers). 5^ serie, tome le"" (1898). 

Du Brossay, Note sur les tresors de la 
deuxieme moitie du III e siecle trouves dans 
rOuest de la France. S. 43 — 58. 

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für Erforschung und Erhaltung der Kunst- 
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Heft I. Riedl, Baureste der 'Claudia Celeja\ S. 
32 — 37 (i Tf., 12 Abb.). — Notizen: u. a. Heiden- 
turm in Hundsheim .S. 46; röm. Votivstein aus 
Krain S. 49; Bronzeschwerter aus Galizien 
S. 50 f. (4 Abb.). 

Mittheilungen der Anthropologischen Gesellschaft 
in Wien. XXIX. (N. F. XIX.) Band (1899). 

Heft VI. Ä Forrer, Die Heidenmauer von 
St. Odilien (M. Much). S. 2jg/. — F. Mil- 
leker, Die archäologischen Funde von Südungarn 
(K Fuchs). S. 264. 

Mitteilungen der Vorderasiatischen Gesellschaft. 

4. Jahrg. (1899). 

Heft 3. C. Niebuhr, Einflüsse orientalischer 
Politik auf Griechenland im 6. und 5. Jahr- 
hundert. 52 S. 
Mittheilungen des Kaiserlich Deutschen Archäo- 
logischen Institus. Athenische Abtheilung. 
Band XXIV (1899}. 

Heft 4. F. Studniczka, Über die Bruch- 
stücke einer frühkorinthischen Vase aus Aegina. 

5. 361—378 (4 Abb.). — Chr. Blinkenberg, 
Epidaurische Weihgeschenke IV. S. 379 — 397 
(35 Abb.). — A. Koerte , Kleinasiatische Bei- 
träge V. Inschriften aus Bithynien. S. 398—450 
(Tf. XI. XII). — A. Brueckner, Strafverzeichnis 
aus Ilion. S. 451-454. — St. A. Dragoumes, 
"Epfiatov. S. 455— 457 (i Abb.) — Th. Wiegand, 
Dystos. S. 458—467 (Tf. V. VI, 5 Abb.) — 
G. Kieseritzky, Der Apollo Stroganoff. S. 468 
— 484. — M. Fränkel, Zu den Inschriften von 
Pergamon. S. 485 f. — F. v. Bissing, Das 
Alter der Holzbüchse aus Kahun. S. 486. — 
Funde S. 487. 

Römische Abtheilung. Bd. XIV (1899). 

Heft 3. 4. Ad. Michaelis, Pompeiana. S. 193 

—212 (7 Abb.). — H. Lucas, Ein Friesrelief 

des Tabulariums. S. 213—221 (i Abb.) — E. 



Petersen, Hadrians Steuererlafs. S. 222 — 229 
(Tf. VIII). — L. Stieda, Über alt-italische Weih- 
geschenke. S. 230 — 243 (3 Abb.). — E. Petersen, 
Moderne Kaisergemmen. S. 244 — 250. — Ch. 
Huelsen, Miscellanea epigrafica. S. 251 — 263. 

— E. Petersen, Vitellius. S. 264-268 (Tf. IX, 

I Abb.). — E. Groag, Die Adoption Hadrians. 
S. 269-279 (i Abb.) — E. Petersen, Funde 
und Forschung. S. 280—302 (2 Abb.). — 
Sitzungen und Ernennungen. S. 303. 

Mittheilungen, Wissenschaftliche, aus Bosnien 
und der Hercegovina. Band VI (1899). 

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Th. DragiCevic, Neolithische Fundstätte auf den 
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— F. Fiala, Untersuchung prähistorischer Grab- 
hügel auf dem Glasinac. S. 8—32 (59 Abb.). 

— F. Fiala, Untersuchung prähistorischer Grab- 
hügel in Südbosnien. S. 33—61 (Tf. I, 75 Abb.). 

— F. Fiala, Das Flachgräberfeld und die prä- 
historische Ansiedelung in Sanskimost. S. 62 

— 128 (Tf. II — V, 202 Abb.). — F. Fiala, 
Ausgrabungen am Debelo brdo bei Sarajevo. 
S. 129—138 (47 Abb.), — F. Fiala, Prähisto- 
rische Bronzen aus Bosnien und der Hercego- 
vina. S. 139—147 (Tf. VI, 24 Abb.). — 
F. Fiala, Griechische Bronzehelme in Bosnien 
und der Hercegovina. S. 148— 153 (Tf. VII— IX, 

II Abb.). — C. Patsch, Archäologisch -epigra- 
phische Untersuchungen zur Geschichte der 
römischen Provinz Dalmatien. III. S. 154 — 273 
(Tf. X— XV, 80 Abb.)..— F. Fiala, Archäo- 
logische Miscellen. S. 274—283 (20 Abb.). — 
B. Notizen: P. Kaer, Ein Bronze-Depotfund aus 

' Dalmatien. S. 518 — 523 (18 Abb.). — T. 
DragiCevic, Neue Bronze- und Kupferfunde. 
S. 523 — 525 (7 Abb.). — V. Celestin, [Rom.] 
Goldmünzenfund in Essegg. S. 525 f. (3 Abb.). — 
W. Radimsky, Reste einer römischen Ziegelei 
und eines Brennofens in Sarajevo. S. 527 — 529 
(3 Abb.). — E. VorleCek, Römische Alterthümer 
in Branjevo. S. 529^531 (6 Abb.) — T. 
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Skorpil, Zwei metrische Inschriften aus dem 
alten Pantikapaion. S, 406 — 409. — J. V. 
Präsek, Neueste Beiträge zur athenischen Topo- 
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Iz istorij Afin 22g — ji gody do R. Chr. (J. V. 
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Torma. S. i — 13. 
Notizie degli Scavi di Antichitä (1899). 

Luglio. Regione XI (Transpadana). i. Aosta. 
Scoperte di antichitä romane avvenute nel letto 
del fiume Buthier (A. d'Andrade). S. 245 — 248. 

— Regione X (Venetia). 2. Bussolengo. 
Iscrizione funebre latina riconosciuta nelle costru- 
zioni deJIa chiesa di S. Salvatore (P. Sgulmero). 
S. 248. — Regione VI (Umbria). 3. Fano. 
Antichitä varie provenienti da scavi eseguiti 
presso ed entro la cittä. S. 249 — 259 (7 Abb.). 

— 4. Fossombrone. S. 259 — 261. — 5. S. Ippo- 
lito. (E. Brizio). S. 261 f. — Regione V 
(Picenum). 6. Isola del Gran Sasso. Iscrizione 
latina ricordante un milite pretoriano, scoperta 
nella chiesa di S. Valentino (F. Barnabei). 
S. 262 f. — Regione VII (Etruria). 7. Perugia. 
Urne etrusche inscritte e figurate, tornate a luce 
presso la cittä (A. Lupattelli). S. 263—265. — 
Roma. 8. Nuove scoperte (G. Gatti). S. 264 - 
271. — Regione I (Latium et Campania). Latium. 



9. Terracina. Tombe di gente povera, rinvenute 
in contrada Mola Canneto. S. 272. — Campania. 

10. Ponipei. Relazione degli scavi fatti durante 
il mese di luglio 1899 (A. Sogliano). S. 272 f. — 
Regione IV (Samnium et Sabina). Paeligni. 11. 
Sulmona. Lapide con iscrizione peligna scoperta 
presso il casino Bellotti lungo il Tratturo verso 
Raiano (A. de Nino). S. 274 f. (i Abb.). — 
Regione II (Apulia). 12. Luceria. Di un pavi- 
mento a musaico (A. Sogliano). S. 275 f. — 
Sicilia. 13. Scordia. 14. Agnone. 15. Lentini. 
Valsavoia (P. Orsi). S. 276 — 279. 

Agosto. Regione IX (Liguria). i. Moncalvo. 
Tombe di etä barbarica, scoperte nel Campo di 
s. Stefano (Ä. d'Andrade). S. 281—283. — 
Regione VII (Etruria). 2. Marsciano. Tomba 
ad umazione, contenente oggetti litici ed armi di 
rame, scoperta nella localitä dettaPoggio Aquilone 
(E. Brizio). S. 283—289 (6 Abb.). — Roma. 
3. Nuove scoperte (G. Gatti). S. 289 — 293. — 
Regione I. Latiumet Campania. Campania. 4. 
Pompei. Relazione degli scavi fatti durante il 
mese di agosto 1899 (A. Sogliano). S. 294-297 
(2 Abb.). — 5. Boäcotrecase. Fabbriche antichc 
scoperte in contrada »Setari« (A. Sogliano). S. 297 
— 299 (i Abb.). — Regione IV (Samnium et 
Sabina). Paeligni. 6. Vittorito (A. de Nino). 
S. 299. — Regione II (Apulia). Peucetia. 7. 
Canosa. Grande oinochoe di fabbrica locale, 
proveniente dalla necropoli canosina (G. Patroni). 
S. 300—302 (2 Abb.). — Calabria. 8. Taranto. 
Nuove scoperte di antichitä nell' area dell' antica 
cittä e nella necropoli (G. Patroni). S. 302—305. 

— Sicilia. 9. Palermo. Iscrizione edile aräba; 
iscrizione sepolcrale araba (B. Lagumina). S. 305 

— 308 (4 Abb.). — 10, Sciacca. Iscrizione 
sepolcrale araba (B. Lagumina). S. 308 f. 
(2 Abb.). 

Settembre. Regione XI (Transpadana). I. 
Torino. Tomba scoperta dentro l'abitato 
(E, Ferrero). S. 311. — Regione VIII (Cispa- 
dana). 2. Carpi. Scavi nella Terramara di 
Savana (J. Dali' Osso). S. 312 — 325. — Roma. 
3. Nuove scoperte (G. Gatti). S. 325 — 338 
(7 Abb.). — Regione I (Latium et Campania). 
Latium. 4. Velletri. Scoperta di un' antica via 
romana (O. Nardini). S. 338 f. — «Campania. 
5. Pompei. Relazione degli scavi fatti durante 
il mese di settembre 1899 (A. Sogliano). S. 339 

— 358 (16 Abb.) — Regione IV (Samnium et 
Sabina). Vestini. 6. Paganica. Scoperte di 
antichitä in contrada Fontanelle (N. Persichetti). 
S. 358f. — Frentani. 7. Borello. Tomba arcaica 



48 



Bibliographie. 



con bronzi di corredo funebre (A. de Nino). 
S- 359- — 8. Lama dei Peligni. Antichitä nel 
tenimento del comune (A. de Nino). S. 360 — 
362. — Sicilia. IX. Carini. Scoperta di catacombe 
romane (A. Saunas). S. 362 — 367 (2 Abb.). 

Ottobre. Regione XI (Transpadana). I. 
Caluso. Tomba barbarica (E. Ferrero). S. 369 f. 

— Regione VI (Umbria). 2. Fabriano. Sepolcri 
preistorici scoperti presso la nuova stazione 
ferro viaria di Fabriano (E. Brizio). S. 370—381 
(7 Abb.). — Regione V (Picenum). 3. Teramo. 
Epigrafe onoraria imperiale (F.Barnabei). S. 382 f. 

— Regione VII (Etruria). 4. Anguillara-Sabazia. 
Cippo sepolcrale. — Roma. 5. Nuove scoperte 
(G. Gatti). S. 384—387. — Regione I (Latium 
et Canipania). Latium. 6. Castel Gandolfo. 
Nuovo titolo di un milite della legione partica 
severiana (M. Salustri). S. 388. — Campania. 
7. Pompei. Relazione degli scavi fatti nel mese 
di ottobre 1899 (A. Sogliano). S. 388-392 
(i Abb.). — 8, Scafati. Avanzi di antica villa 
deir agro pompeiano (A. Sogliano). S. 392 — 398 
(8 Abb.) — Regione IV (Samnium et Sabina). 
Paeligni. 9. Pentima. Tomba della necropoli 
corfiniese con iscrizione ricordante una sacer- 
dotessa di Cerere (A. de Nino). S. 399 f. — 
Regione II (Apulia). Calabria. 10. Taranto. 
Ripostiglio di monete tarantine d'argento (E. 
Gabriel). S. 400 — 402. — Sicilia. 11. Ragusa. 
Nuove esplorazioni nella necropoli di Hybla 
Heraea (P. Orsi). S. 402-418 (14 Abb.).' 

O versigt over detKongeligeDanskeVidenskabernes 
Selskabs Forhandlinger (1899). 

Nr. 5. J. L. Ussing, Afsluttende Bemserk- 
ninger om det grieske Theater og Vitruvs 
Forhold dertil. S. 467 — 484 [mit franz. Resume 

s. 485-489]- 

Philologus. Bd. LVIII (N. F. XII) (1899). 

Heft 4. P. Hartwig, Eine Aretinische Ge- 
fäfsform mit Scenen aus der Phaethonsage. 
S. 481 — 497 (i Tf.). — H. Vysoky, Epigra- 
phische Kleinigkeiten, i. Zum Tragiker Arche- 
stratos. 2. Zu den dodonäischen Orakelinschriften. 
S. 498—502. — W. Kolbe, De Atheniensium re 
navali quaestiones selectae. S. 503 — 552. — 
E. Lange, Noch einmal der Anfang des pelo- 
ponnesischen Krieges. S. 553 — 557. — W. Soltau, 
Ein chronologisches Fragment der Oxyrhynchos- 
Papyri. S. 558—576. — W. Drexler, Alte Be- 
schwörungsformeln. S. 594— 616. — G. Knaack, 
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The XXII nd Egyptian dynasty. S. 2 80 f. — 
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Johns , Notes on Assyriology. S. 284 f. — 
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scription of Amenemheb. 2. The Persea-tree of 
ancient Egypt. 3. A stone vase of Ptahmas, 
high priest at Memphis. 4. A statue of User, 
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and measures. S. 308. — F. W. Read, A 
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vom Jahre 1698 über die Katakomben von San 
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[Rec. von P.Gusman, Pompei]). S.4g7—sog (3 Abb.). 

No. 34. E. Babelon, La Collection Pauvert 
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(2. article). S. i — 14 (31 Abb.). — A. Blanchet, 
Les tresors de monnaies romaines et les invasions 
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des Dr. A. Musil (Clermont-Ganneau). S. 3S3f. 

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Schmidt (P. Tannery). S. 408—411. 

No. 48. A. Bauer, Die Forschungen zur 
griechischen Geschichte 1S8S — j8g8 (A. Hauvette). 
S. 42 y f. — F. Ferrere, La Situation religieuse 
de l'Afrique r omaine (P. Lejay). S. 428 — 430. 
— Authority and Archacology (M. Dohl). S. 43of. 

No. 49. G. de Sanciis, Storia della republica 
Ateniense (A. Hauvette). S. 447. — £. Petersen, 
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No. 5. H. Vopel, Die altchristlichen Gold- 
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No, 6. C. Lamarre, Etüde sur les peuples 
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Revue epigraphique [Vienne] (1899). 

No. 95. (1312) Epitaphe. S. 51. — (1313) 
Epitaphe chretienne. S. 51. — (1314) Epitaphe 
d'une femme pourvue d'un prenom. S. 52. — 
(1315) Epitaphe. S. 52. — (1316— 1322) Dieux 
de la Gaule celtique (suite) : Matrae, Matres, 
Matrona, Matronae, Menmandutiae, Minmantiae, 
Minurae, Mercurius Moccus. S. 52 — 58. — 
O. Hirschfeld, Les Eduens et les Arvernes sous 
la domination romaine [Übersetzung]. S. 58 
- 64., 
Revue des etudes anciennes. Tome I (1899). 

No. 4. P. Perdrizet, Sostrate de Cnide, archi- 
tecte du Phare. S. 261 — 273. — A. Fontrier, 
Notes sur la geographie ancienne de ITonie. 
IV. Sossandra - Monoekos, S. 273 — 280. — 
P. Perdrizet, Dedicace arcadienne arChaique. 
S. 281 (I Abb.). — C. Jullian, Notes gallo- 
romaines. IV. Lucain historien ; les prelimi- 
naires du siege de Marseille. S. 301 — 317. — 
P. Paris, Aiguiere de bronze du Musee de 
Madrid. S. 318-320 (Tf. IV). — E. Hübner, 
Nouvelle inscription metrique du VIII« siecle, 
trouvee a Oviedo. S. 321—324 (i Abb.). — 
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S. 327. — y. R. Melida, Viaje a Grecia y 
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iemples paiens (A. Audollent). S. joj — joj. — 
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Paniagua, Les sanctuaires de Karnak et de Loc- 
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2« livraison. Pauly-Wissowa, Realencyclopädie 
III I (F. qumont]). S. lojf. — C. Haigan, 
Essai sur l' Administration des provinces senato- 
riales sous Icmpire r omain (E. Remy). S. mg 

—US- 

30 livraison. M. Laurent, La deesse de la 
Victoire [Kec. von F. Studniczka, Die Siegesgöttin] 
S. 162 — 166. 

46 livraison. L. Halkin, Les esclaves publics 
chez les Romains (F. C[umont]). S. söj. 

5«? livraison. F. P. Garofalo, Encore un mot 
sur la question du passage des Alpes par Hanni- 
bal. S. 297 — 309. — 0. Gilbert, Griechische 
Götter lehre (J. Bidez). S. Jiöf. — B. Sauer, 
Das sog. Theseion (F. CfumontJJ. S, 317/. 
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etranger. 230 annee (1899). 

No. 6. E. Cuq, Sur une nouvelle methode 

d'interpretation des documentsjuridiques apropos 

de l'inscription d'Henchir Mettich. S. 622 — 652. 

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L'atelier monetaire de Rome pendant la periode 
constantinienne (306 — 337). Suite et fin. S. 461 
— 499 (Tf. X). — F. de Mely, Les deniers de 
Judas dans la tradition du moyen age [rhodische 
Münzen des 4. Jahrh. v. Chr.]. S. 500 — 509 
(3 Abb.). — Die antiken Münzen Nordgriechen- 
lands I. Bd , bearb. von B. Pick (E. Babelon). 
S. S44—S34- — A. Blanchet et F. de Villenoisy, 
Guide pratique de lantiquaire (H. de la Tour). 
S. 5SÖ—S38. — W. Wroth, Catalogue 0/ ihe 
Greek coins 0/ Galatia, Cappadocia, and Syria 
(A. Blfanchet]). S. SSgf. — E. Babelon, Les 
monnaies de Medaba (A. Bl[anchet]). S. 360. — 
G. Amardel, Les monnaies iberiques attribuees a 
Narbonne (A. Bl[anchet]). S. j6f. — G. Amardel, 



Les monnaies d'Anastase, de Justin et de Justinien 
frappees h Narbonne (A. Bl[anchet]). S. 361/. 

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Heft I. A. Frank, Bei den griechischen 
Inseln I. S. 45 — 58. 

Revue de philologie. Annee et tome XXIII (1899). 
4C livraison, B. Ilaussoullier, Notes d'epi- 
graphie milesienne. S. 313 — 320. — J. Levy, 
IhXaayof. S. 332 f. — A. Bouche- Leder cq, 
L' Astrologie grecque (C E. R.) S. 342. — 
L. Borsari, Topografia di Roma antica (A. Au- 
dollent). S 346. 

Annee et tome XXIV (1900), 
IC livraison. L. Malavialle, Le littoral de 
rinde d'apres Pomponius Mela. S. 19 — 30. — 
T. W. Beasley, Fragment d'une liste de vain- 
queurs aux jeux olympiques (papyrus d'Oxyrhyn- 
chus). S. 61 — 65. — B. Haussoullier, Note sur 
le papyrus CCXVIII d'Oxyrhynchus. S. 65 — 67. 
R. Brown, Researches into the origin 0/ the primi- 
tive constellations of the Greeks Phoenicians and 
Babylonians (P. Tannery). S. 68/. — E. Pais, 
Storia di Roma I i (Ph. Fabia). S. 76 f. — 
A. Dieterich, Pulcinella (Ph. FfabiaJ). S. 77. — 
IV. Dennison, The epigraphic sources of ihe wri- 
tings of C. Suetonius Tranquillus (B. Haussoullier). 
S. 84. 

Rivista italiana di Numismatica; Vol. XII (1899). 

Fase. 4. J. N. Svoronos, Tesseres en bronze 

du theätre Dionysiaque de Lycourgos et de 

l'assemblee Cleisthenienne des Atheniens. S. 461 

-510. 

Rivista di storia antica. Anno IV (1899). 

Fase. 4. C. Maroni, A proposito di alcuni 
prefetti del pretorio. S. 333—338. - C. Maroni, 
Uno sguardo ai fasti dei prefetti al pretorio. 
S. 338—350- — G. Rizzo, Le tavole finanziarii 
di Tauromenio. S. 350—379. — P. Cesareo, 
L'evoluzione storica del carattere d'Ulisse. S. 383 
— 412. — G. Porzio, Concetti greci nelle reforme 
dei fratelli Gracchi. S. 412—443. — V. Strazzulla, 
Nuovi studi su alcuni elementi pagani nelle cata- 
combe e nella epigrafia cristiana. S. 443-456. 
— L. Holzapfel, Ancora sull' etä di Valerio 
Anziate. S. 456 — 466. — G. Tropea, La stele 

arcaica del Foro Romano. S. 470 — 510. 

E. Pais, L'ottantoduesimo anniversario di 
T. Mommsen. S. 510-523. — G. Rizzo, Una 
nuova iscrizione finanziaria scoperta in Taor- 
mina. S. 523—530. 

Rundschau, Neue Philologische (1899;. 

Nr. 23. E. Guignet ei E Garnier, La cera- 
mique andenne ei moderne (— r.). S. J4j. 



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Monete greche (O. Hey). S. 564/. 

Nr. 25. K. Schütz, Die Schlacht bei Cannä 
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Griechische Tragödien (K. Weißmann) S. 602 

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(0. Wackermann). S. 60 g. — E. Meyer, Die 
Sklaverei im Altertum (R. Hansen). S, 60 gf. — 
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mordung (F. W[eizsäcker]). S. 613 f. 

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Nr. I. G. Civitelli, I nuovi fragmenti d'epi- 
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(0. Schultheß). S. 8-12. — 0. Waser, Charon, 
Charun, Charos (P. Weizsäcker), S. 12/. — 
y. Koch, Römische Geschichte (0. Wackermann). 
S. ^ f. — F. Stein, Die Völkerstämme der Ger- 
manen nach römischer Darstellung (E. Wolff). 
S. 14— rr- 

Nr. 2. y. Krall, Grundri/s der altorien- 
talischen Geschichte. I. (A. Wiedemann). S 31 — 34. 

— K. Klement, Arion (P. W[eizsäcker]). S. 36 f. 

— Chr. Hülsen, Bilder aus der Geschichte des Ka- 
pitals (H. Rüter). S. 37/. 

Nr. 3. B. Niese, Geschichte der griechischen 
und makedonischen Staaten seit der Schlacht bei 
Chaeronea (H. Swoboda). S. 38 — 60. — S. Dill, 
Roman society in the last Century of the western 
empire (y. yung). S. öof. 

Nr. 4. H. d Arbois de yubainville, La civili- 
sation des Celles et celle de l'epopee homerique 
(H. Kluge). S. 82/. — E. Ardaillon, Les mines 
du Laurion dans lantiquite (0. Wackermann). 
S. 83 — 86, — G, Tropea, Giasone il tago de IIa 
Tessaglia (P. Wfeizsäcker]). S. 86-88. 
Sapiski Istoriko-filologiöeskago fakulteta Impera- 
torskago S. Petersburgskago Universiteta [Memoi- 
ren der histor.-philol. Fakultät der St. Peters- 
burger Universität]. Band XLVI( 1898) [Russisch]. 

Enthält: B. Turaev, Gott Thot. Versuch einer 
Untersuchung im Bereich der altägyptischen 
Cultur. VIII, 182 S. 8». 
Sapiski [Memoiren] der KaiserlichenOdessaer Ge- 
sellschaft für Geschichte und Altertumskunde. 
Band XXII (1899) [Russisch]. 

Abt. I (Untersuchungen). E. v. Stern, Die 



Bedeutung der keramischen Funde in Süd-Rufs- 
land für die Cultur- und Handelsgeschichte der 
Colonien am Schwarzen Meere. S. i— 21. — 
E. V. Stern, Die antike glasirte Thonware aus 
Süd-Rufsland. S. 22-57 (2 Tff.). — Säorpil, 
Die im Jahre 1899 für das Museum im Melek- 
tschesmener Kurgan erworbenen Grabsteine. S. 
58 — 65. loi — 108 [20 Grabsteine]. — Shebelew, 
Denkmäler klassischer Sculptur im Odessaer 
Museum. S. 66 - 72 (5 Abb.). — E. v. Stern, 
Zwei attische Vasen strengen rotfigurigen Stiles 
im Odessaer Museum [a. Schale aus Kertsch, 
J. Menelaos und Helena mit Namensbeischrift, 
Stil Araasis II; b. Pelike aus Olbia, Flöten- 
bläseragon]. S. 73 — 100 (l Tf.). 

Abt. III (Miscellen). Latyschew, Epigraphische 
Miscelle [prophylaktische Inschrift eines Zeug- 
streifens in einem Amulet von Kertsch]. 

Abt. IV (Nekrologe). E. v. Stern, D. Jurge- 
witsch. S. 1-22. — A. Markewitsch, Der Alter- 
tumssammler J. Surutschan in Kischinew. 

Abt. V (Sitzungsberichte). Sitzung 312. J. 
Linnitschenko , Archäologische Untersuchungen 
im Sommer 1898 im Gouvernement Kiew. S. 10 
— 16; K. Seorpil, Inschriften aus Bulgarien. 
S. 16 — 22. — Sitzung 313. Berthier-de 
Lagarde, Die Ergebnisse der archäologischen 
Gpabungen in der Krim im Jahre 1898. S. 26 f. 

— Sitzung 315. W. Söorpil, Bosporanischer 
Grabstein mit Darstellung eines Schiffes. S. 42 

— 44(1 Abb.); E. V. Stern, Unedirte Inschriften 
des Odessaer Museums. S. 44—49. — Sitzung 
317. W. SCorpil, Drei christliche Grabinschriften 
aus Kertsch [die eine, vom Jahre 304 n. Gh., 
das älteste christliche Denkmal aus der Krim]; 
E. v. Stern, Die neuesten Ausgrabungsresultate 
im Chersonesos — die Mauer des IV. Jahr- 
hunderts. S. 62 — 64. — Sitzung 318. E. v. 
Stern, Neue epigraphische Funde [Bürgerliste 
von Olbia, neue Henkelinschriften]. S. 82 — 92. 

— Sitzung 319. E. V. Stern, Die Ausgrabungs- 
resultate im Sommer 1899. S- loi — 124. — 
Sitzung 320. W. Söorpil, Eine neue bospo- 
ranische Grabschrift; E. v. Stern, Zwei neuge- 
fundene Thiasosinschriften aus Kertsch. S. 126 
— 132. — Sitzung 331. E. v. Stern, Festrede 
aus Anlafs des 60jährigen Jubiläums der Gesell- 
schaft. 

Sitzungsberichte der Königlich Preufsischen 

Akademie der Wissenschaften zu Berlin (1900). 

V. VI. L. Borchardt, Bericht über einen 

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des peuples. II (J. V. Prdsek). Sp. 151g - 1523. 
— Ch. Hülsen, Neues vom Forum Romanum 
(Schlufs). Sp. 1531 — 1535- 

No. 50. Heronis Alexandrini opera ed. 
W. Schmidt (AT Tittel). Sp. 1539-1544. — 
A. Müller, Untersuchungen zu den Bühnenalter- 
ti'imern (A. Körte). Sp. 1550 — 1553. — J.-B. 
Aiispotilet, La vie parlementaire a Käme (L. Holz- 
apfel). Sp. 1553 - 155S. 

No. 51. A. Philippson, Thessalien und Epirus 
(E. Oberhummer). Sp. 1578 1584. — P. Aucler, 
Les villes antiques. Carthage (R. Oehler). Sp. 1584 
—1587. — A. Hock und L. Pertsch, P. W. Forch- 
hammer (Chr. Beiger). Sp. 1587—15^1. — Ar- 
chäologische Gesellschaft zu Berlin. November- 
sitzung. I. Sp. 1595 -1597 [Schlufs in No. 52 
Sp. 1628—1630]. — Zwei neue Kuppelgräber 
in Thessalien. Sp. 1597 f. 
20. Jahrgang (1900). 

No. I. Vitruvius ed. V. Rose (H. Degering). 
Sp. 8-16. — A. Scrinzi, Iscrizioni p-eche di Rodi 
(F. Hiller v. Gaertringen). Sp. 16 — 22. — 0. v. 
Sarwey und F. Hettner , Der obergermanisch- 
räiische Limes des Römerreiches VII, VIII 
(G. Wolff). Sp. 22 — 24. — F. Papageorgiu, 
Inschrift von Mitilini. Sp. 29. 

No. 2. // Meuß, Tyche bei den attischen 
Tragikern (Wecklein). Sp. 41/. — y. Kubik, 



Realerklärun^ und Anschauungsunterricht bei der 
Lektüre des Horaz (L. Gurlitt). Sp. 42—44. 

No. 3. A. Wilms, Die Schlacht im Teuto- 
burger Walde (G. Wolff). Sp. 81 84. Archäo- 
logische Gesellschaft zu Berlin, Winckelmanns- 
fest 1899. Sp. 92. — Der Tempel zu Thermon. 
Die Ausgrabungen in Ephesus. Sp. 93 f. — 
S. Maria Liberatrice zu Rom. Sp. 94. 

No. 4. M. Paulcke, De tabula Iliaca quae- 
stiones Stesichoreae (R. Peppmüller). Sp. 97 

— 105. — y. L. Myres and Ohnefalsch - Richter, 
A catalogue of the Cyprus Museum (S. Wide). 
Sp. 114 — 116. 

No. 5. W. J. Woodhouse, Aetolia (E. Ober- 
hummer). Sp. 142—148. — R. Peppmüller, Zu 
den rhodischen Inschriften. Sp. 158. 

No. 6. M. Schanz, Geschichte der römischen 
Litter atur. II 1 (R. Helm). Sp. 169-173. — 
Gust. Ad. Müller, Der Tempel zu Tivoli bei Rom 
und das altchristliche Privathaus auf dem Monte 
Celio (E. Schulze). Sp. 175—177. — H Thiersch, 
' Tyrrhenische Amphoren (G. Karo). Sp. 177 — 181. 

— E. Fairon, La ratio castrensis ou tintendance 
du palais imperial (E. Kornemann). Sp. 18 if. 

— Alb. Müller, Szenisches zu Euripides' Kres- 
phontes. Sp. 187 — 189. 

No. 7. y. V. PräSek, Forschungen zur Ge- 
schichte des Altertums. II (F. Hommel). Sp. 204. 

— L. Ballet, Les constitutions oligarchiques 
d'Athenes sous la revolution de 412 — 410 (Holm). 
Sp. 20 g. — Monuments et Memoires, Fondation 
Piot. Tome V. VI (A. Furtwängler). Sp. 20g 
— 212. — C. Mehlis, Archäologische Unter- 
suchungen im Mittelrheinlande. Sp. 219—222. 

No. 8. y. Hirschberg, Geschichte der Augen- 
heilkunde im Altertum; y. Hirschberg, Die Augen- 
heilkunde des Aetius (y. Ilberg). Sp. 225 - 235. 

— A. Arendt, Syrakus im zweiten punischen 
Kriege I. (Holm). Sp. 240f — C. Nicolaides, 
MakedoTiien (Holm). Sp. 241. — E. Schmidt, 
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Italienische Herbsttage (H. Belling). Sp. 133. 

No. 6. Fr. Reber und A. Bayersdorfer^ 
Klassischer Sculpturenschatz. II 4 — IV 3 (W. 
Amelung). Sp. 143—149. — H. Meufs, Tyche 
bei den attischen Tragikern (H. Steuding). Sp. 130. 

— L. Borsari, Topografia di Roma antica 
(H. Belling). Sp. 13 if — E. Sehmsdorf Die 
Germanen in den Balkanländern (F. Dahn). 
Sp. 132 — T33. - Ein neuer Deutungsversuch 
der archaischen Inschrift des Forum Romanum. 
Sp. 167 f. 

No. 7. C. Justi, Winckelmann. 2. Aufl. 
(P. Herrmann). Sp. rj4 — 779. 

No. 8. A. Erman und F. Krebs, Aus den 
Papyrus der königlichen Museen (C. Wessely). 
Sp. 201—204. — O. Kern, Inscriptiones Thessa- 
licae (0. Schulthefs). Sp. 204f. — A. Holm, 
W. Deecke, W. Soltau, Kulturgeschichte des klassi- 
schen Altertums (H. Belling). S. 203 — 208. 
Zeitschrift für Bauwesen. Jahrgang L (1900). 

Heft I — III. F. Adler, Das Mausoleum zu 
Halikernafs. Sp. i — 20 (Tf. i — 5). 
Zeitschrift, Byzantinische. 9. Band (1900). 

Heft I. Th. Reinach, Un intrus byzantin 
dans le Pantheon hellenique: le faux dieu Kyro- 
palates. S. 52 — 62 (i Abb.). 
Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 
N. F. Bd. XV (1900). 

Heft I F. Stolle, Wo schlug Caesar den 
Ariovist? (W. W.) S. rj2. — W. Koch, Kaiser 
Julian (W. W.)7 S. 173. 
Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Ge- 
sellschaft. 53. Band (1899). 

Heft III. P. Jensen, Die Inschrift I von 
Jerabis. S. 441 — 470. 
Zeitschrift für das Gymnasialwesen. LIV. Jahrg. 
(1900). 

Januar. E. Wagner und G. v. Kobilinski, 
Leitfaden der griechischen und römischen Alter- 
tümer. 2. Aufl. (G. Sachse). S. 26. — A. Bauer, 
Die Forschungen zur griechischen Geschichte 1888 
— 1898 (E. Schmidt). S. 32 — 40. 
Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien. 
50. Jahrg. (1899). 

Heft 10. J. A. Bernhard, Schriftquellen zur 
antiken Kunstgeschichte (E. Kaiinka). S. 89'jf. 

— A. Furtwängler und H. L. Urlichs, Denk- 
mäler griechischer und römischer Sculptur, Hand- 
ausgabe (E. Löwy). S. 901- 903. — K. Hackt- 
mann, Olympia (J. Simon). S. goj — 903. 

Heft II. W. Heibig, Führer n (J. Jüthner). 
S. looi — 1003. — R, v. Scala, Die Staatsver- 



Bibliographie. 



55 



träge des Alter thums (H. Swoboda). S. looj — 
looy. 

Historische. 84. (N. F. 48.) Bd. 



Zeitschrift, 
(1900). 

Heft I. 
Literatur. 

Heft 2. 
(y. Kaerst). 



J. Beloch, Der Verfall der antiken 
S. 1-38. 

G. Busolt, Griechische Geschichte. III i 
S. 267 - syo. — G. Billeter, Ge- 



schichte des Zinsfußes im griechisch-römischen 
Alter thum (R. Pöhlmann). S. 270/. — C. Hu- 
mann, C. Cichorius, W. Judeich, F. Winter, Alter- 
tümer von Hierapolis (0. Kern). S. 2Ti-2'js. 

— Cohausen, Die Befestigungsweisen der Vorzeit 
und des Mittelalters, hrsg. v. M. Jahns (M.Baltzer). 
S. 27s - 276. 

Zeitschrift für bildende Künste. N. F. XI. Jahrg. 
(1900). 

Heft 4. J. Vogel, Nochmals die Bildnisse 
Winckelmann's. S. 92 f. (i Abb.). 
Zeitschrift für Numismatik. XXII. Band (1899). 
Heft 1—3. R. Weil, Pisa. S. i — 19 (4 Abb.). 

— H. Dressel, Numismatische Analekten : i. Der 
Augusteische Vestatempel. 2. Der Aventin auf 
einen Medaillon des Pius. 3. €PU)C auf Münzen 
des Constantinischen Zeitalters. S. 20 — 39 (Tf. I. 
II, 3 Abb.). — E. A. StUckelberg, Die Münz- 
funde von Vindonissa. S. 40—46 (12 Abb.). — 
H. Dessau, Die Familie der Kaiserin Sulpicia 
Dryantilla. S. 199 — 205. — H. Dressel, Pirro 
Ligorio als Münzfälscher. S. 206 f. — y. Brun- 
smid, Die Inschriften und Münzen der griechischen 
Küste Dalmatiens ; G. Macdonald, Catalogue ofGreek 
coins in the Hunterian collection I; W. Wroth, Ca- 
talogue of the Greek coins of Galatia, Cappadocia, 
and Syria; S. Ambrosoli, Monete greche (H. Dressel). 
S. 208—210. — R. Weil, Anatole Chabouillet. 
S. 225. — R. Weil, Jan Pieter Six. S. 226—228. 

— Sitzungsberichte der Numismatischen Gesell- 
schaft zu Berlin. 1899. S. i — 32. 

Zeitschrift für ägyptische Sprache und Alter- 
thumskunde. Band XXXVII (1899). 

Heft I. H. Schäfer, Vorläufiger Bericht über 



die Ausgrabungen bei Abusir im Winter 1898/99. 
S. 1—9 (Tf. I. II, 4 Abb.). — L. Borchardt, 
Ein altägyptisches astronomisches Instrument. 
S. 10—17 (2 Abb.). — F. G. Hilton Price, 
Two objects from prehistoric tombs. S. 47 
(i Abb.). — E. Naville, Un dernier mot sur la 
succession de Thoutmes. S. 49 — 55 (i Abb.). 

— F. V. Oefele, Zur Erklärung des Veterinär- 
papyrus von Kahun. S. 55 — 60. — G. Reisner, 
The dated cannopic jars of the GizehMuseum. 
S. 61 — 72 (II Abb.). — H. Schäfer, Die Wieder- 
einrichtung einer Ärzteschule in Sais unter König 
Darius I. S. 72 — 74. — F. W. v. Bissing, Eine 
altägyptische Mädchentracht S. 75—78 (5 Abb.). 

— V. Bissing, Zu Herodot II 112. S. 79 f. — 
L. Borchardt, Pflastersteine. S. 8of. — v. Bissing, 
Zu Teil el Yahudiyeh (Egypt. Expl. F. Taf. VIII). 
S. 86 f. 

Zeitschrift, Wiener, für die Kunde des Morgen- 
landes. XIII. Bd. (1899). 

Heft 2. 3. A. Billerbeck, Das Sandschak Sulei- 
niania zur babylonischen und assyrischen Zeit 
{ W. Tomaschek). S. 2gi — 29^. 
Zeitung, Münchener Allgemeine. Beilage (1S99). 

Heft 48. J. Marcuse, Hydrotherapie und 
Diätetik im Alterthum. 

Heft 49. Ausgrabungen in Aegypten. 

Heft 51. U. Wilcken, Ägyptische Studien 
und Verwandtes von Georg Ebers. 

(1900) Heft 2. P. Hartwig, Das Museum im 
Palazzo dei Papi zu Orvieto. 

Heft 3. Pfahlbauten im Fuldathale. — Ad. 
Michaelis, Römisch-germanische Forschung. 

Heft 4. C. Koppe, Die neue topographische 
Landesaufnahme Württembergs. 

Heftö. Bronzetheile eines römischen »Triumph- 
wagens« bei Philippopel gefunden, im dortigen 
Museum. 

Heft 7. Mehlis, Die »Heidenmauer« auf detn 
St. Odilienberge im Elsafs (Rec. der gleichnamigen 
Schrift von Forrer). 



Archäologischer Anzeiger 



Beiblatt 

ZUM Jahrbuch des Archäologischen Instituts 
i9oo. 2. 



JAHRESBERICHT ÜBER 

DIE THÄTIGKEIT des KAISERLICH 

DEUTSCHEN ARCHÄOLOGISCHEN 

INSTITUTS 

erstattet in der Gesammtsitzung der k. Akademie 

der Wissenschaften am 31. Mai 1900. 
(Abgedruckt aus den Sitzungsberichten der Akademie.) 

Zu Anfang des Rechnungsjahres 1899, über 
welches zu berichten ist, fand die jährliche ordent- 
liche Gesammtsitzung der Centraldirection vom 
17. bis 21. April statt. Es nahmen alle Mitglieder 
bis auf Hrn. Michaelis, der durch Unwohlsein ver- 
hindert war, Theil. Am 15. Juli fand aufserdem 
eine aufserordentliche Gesammtsitzung statt, zu der 
sich auch alle aufserhalb Berlins wohnenden Mit- 
glieder einfanden, während die HH. Graf Lerchen- 
feld und Kirchhoff an der Thettnahme verhindert 
waren. 

Neu in die Centraldirection aufgenommen wurde 
Hr. von Wilamowitz-Moellendorff, welchen, einem 
Wunsche der Centraldirection entsprechend, die 
philosophisch - historische Classe der Königlich 
Preufsischen Akademie der Wissenschaften gemäfs 
§ 2, 3 des Statuts zum zwölften Mitgliede er- 
wählte. 

Im März d. J. trat sodann zum ersten Male 
die Bestimmung der Statutenänderung vom 4. März 
1895 in Wirkung, indem Hr. Loeschcke-Bonn nach 
Ablauf seiner fünfjährigen Amtsdauer aus der 
Centraldirection ausschied. An seine Stelle trat 
Hr. Hettner-Trier. 

Den erweiterten Beziehungen des Instituts 
entsprechend wurde eine gröfsere Anzahl von Mit- 
gliedern theils in der Gesammtsitzung, theils zum 
Winckelmanns-Tage erwählt. In die Reihe der 
Ehrenmitglieder wurden gewählt: S. K. H. Prinz 
Rupprecht von Bayern, S. H. Prinz Friedrich Carl 
von Hessen und Graf von Plessen-Cronstern. Zu 
ordentlichen Mitgliedern wurden ernannt die HH. 
Archäologischer Anzeiger 1900. 



Böhlau-Cassel, Cumont-Gent, Ehrle-Rom, Heberdey- 
Smyrna, Kaibel-Göttingen, Kalinka-Konstantinopel, 
Lehner-Bonn, Eduard Meyer-Halle, Niese-Marburg, 
Reichel -Athen, Weber-Smyrna, Wiegand-Konstan- 
tinopel, Wilpert-Rom; zu correspondirenden Mit- 
gliedern die HH. Afsmann-Berlin, Bodewig-Ober- 
lahnstein, Bulle-München, Gaudin-Smyrna, Herrmann- 
Dresden, Keune-Metz, Koehl-Worms, Koenen-Bonn, 
Kuruniotis-Athen, Masner-Breslau, Oberziner-Genua, 
Oehler - Grofslichterfelde, Philadelpheus - Athen, 
Philippson-Bonn, von Prott- Athen, Riegl-Wien, 
Hubert Schmidt-Berlin, Schrader-Berlin.Stauropullos- 
Mykonos, Vasiliu-Thera, Weckerling-Worms, Wich- 
mann-Metz, Wheeler-Berkeley, Californien. 

Durch den Tod wurden uns genommen: 
Heinrich Kiepert (f 21. April 1899), der bis kurz 
vor seinem Hingange als Mitglied der Central- 
direction wirkte, ferner die ordentlichen Mitglieder 
Allmer-Lyon (f 27. November 1899), Chabouillet- 
Paris (f 5. Januar 1899), Dobbert-Berlin (f 30. Sep- 
tember 1899), Steph. Kumanudis-Athen (f 31. Mai 
1899), J. P. Six- Amsterdam (f 17. Juli 1899) und 
die correspondirenden Mitglieder Äthan. Kumanudis- 
Athen (f 2. Dezember 1899), Emm. Manolakakis- 
Karpathos (f März 1900), Rivi-Sestino (f 19. No- 
vember 1899), Sittl-Würzburg (f 9. Mai 1899), 
Visco-Piedimonte d'Alife (f 3. August 1899) und 
Wiese-Potsdam (f 25. Februar 1900). 

Das Auswärtige Amt bestätigte die Wahlen der 
Centraldirection für die Reisestipendien des Jahres 
1 899/1 900. Es erhielten je ein Stipendium für 
classische Archäologie die HH. Delbrück, Krüger 
und Watzinger, je ein Halbjahrsstipendium die HH. 
Ballheimer und Gaede, das Stipendium für christliche 
Archäologie Hr. Vopel. 

Bei der Herausgabe der Berliner Publicationen 
stand dem Generalsecretar fortgesetzt Hr. Wernicke 
zur Seite. »Jahrbuch« und »Anzeiger« vollendeten 
den Jahrgang, die Bibliographie im Anzeiger wurde 
auch von ausländischen Freunden der Sache auf 

5 



58 



Jahresbericht des Kaiserlich Deutschen archäologischen Instituts. 



das Dankenswertheste unterstützt. Die Vollendung 
des Registers zu den ersten zehn Bänden hat sich 
leider noch hinausgeschoben. 

Die Herausgabe eines vierten Heftes der 
»Antiken Denkmäler«, in welchem unter Anderem 
die vollständigen Pläne der Dörpfeld'schen Aus- 
grabungen im Westen der Akropolis von Athen 
erscheinen sollen, kann erst im jetzt laufenden 
Jahre erreicht werden. 

Eine dritte Schul-Wandtafel, die Statue des 
Augustus von Prima-Porta darstellend, erschien und 
wurde auf der Versammlung der Philologen und 
Schulmänner in Bremen zuerst gezeigt. 

Zu Reisen war der Generalsecretar innerhalb 
Deutschlands zu wiederholten Malen veranlafst. Er 
besuchte Nürnberg, um an der Versammlung der 
bayerischen Gymnasiallehrer Theil zu nehmen, weil 
dort die Institutscurse in Italien zur Sprache ge- 
bracht wurden, von dort aus München, um mit 
Hrn. Ohlenschlager über dessen archäologische 
Karte von Bayern Rücksprache zu nehmen. Sie 
führte zur Vereinbarung, nach welcher dieser lange 
vorbereiteten Arbeit durch die Unterstützung des 
Instituts die Vollendung gesichert ist. Die Vor- 
arbeiten haben im verflossenen Jahre begonnen. 
Der Generalsecretar nahm ferner im October v. J. 
an der Gesammtsitzung des Verbandes der deutschen 
Alterthumsvereine in Strafsburg Theil, wo mit er- 
freulicher Übereinstimmung die Betheiligung so der 
Vereine wie des Instituts an der römisch-germanischen 
Forschung zur Sprache kam. Um dieser selben 
Interessen willen besuchte der Generalsecretar Mainz, 
Darmstadt, Trier, und war drei Mal in Westfalen 
an der Lippe. Das erste Mal bereiste er den 
ganzen Lauf dieses Flusses gemeinsam mit den HH. 
Koepp, Loeschcke, Philippi, Ritterling, Schuchhardt, 
die beiden anderen Male war er in Haltern, in 
dessen nächster Nähe, sowie bei Dolberg, imter 
wechselnder Betheiligung der eben genannten Herren 
die von der Alterthums-Commission für Westfalen 
unternommenen Ausgrabungen mit Unterstützung 
des Instituts fortgesetzt wurden. In den Sitzungs- 
berichten der Königlich Preufsischen Akademie der 
Wissenschaften vom 5. April d. J. hat Hr. Schuch- 
hardt über die Ergebnisse der Untersuchungen bei 
Haltern, welche im laufenden Jahre bereits weiter- 
geführt sind, Bericht erstattet. 

Hrn. Soldan wurden die Mittel zur Ausgrabungs- 
untersuchung einer prähistorischen Ansiedlung bei 
Neuhäusel (Regierungsbezirk Wiesbaden) zur Ver- 
fügung gestellt. 

Mit den hiermit berührten Bestrebungen zu 
beginnen war das Institut in den Stand gesetzt 



durch eine im Reichs-Etat des vergangenen Jahres 
ihm zum ersten Male gewordene Bewilligung von 
Mitteln zur stärkeren Betheiligung an der römisch- 
germanischen Forschung. Die Entscheidung über 
die an jene Bewilligung geknüpften organisatorischen 
Fragen steht noch aus. 

Unter den sogenannten Serien-Publicationen ist 
deren älteste, die der »Antiken-Sarkophage«, unter 
Leitung des Hrn. Robert auch im letzten Jahre 
rüstig gefördert worden. Die Tafeln für Band III, 2 
sind fertiggestellt; auch ist die Abfassung des Textes 
so weit gediehen, dafs im Sommer dieses Jahres 
mit dem Drucke begonnen werden kann. Dem 
Unternehmen haben die HH. Benndorf, Bulic, 
Chanasse, Hampel, Hülsen, Milani, Petersen, Heron 
de Villefosse und Wolters dankenswertheste Unter- 
stützung gewährt. 

Bei der unter Leitung des Hrn. Kekule von 
Stradonitz stehenden Sammlung der »Antiken Terra- 
cotten« ist die Arbeit fortdauernd auf die Vollendung 
des Typenkatalogs und der Campana-Reliefs ge- 
richtet gewesen. Von dem Typenkataloge hat Hr. 
Winter den ganzen ersten Band, auch bereits 
mehrere Bogen des zweiten Bandes, in Drucklegung 
fertig gebracht, so dafs das Erscheinen des Werkes 
im laufenden Jahre gesichert erscheint. Die Druck- 
legung der von Hrn. von Rohden geführten Samm- 
lung der Campana-Reliefs wird unter Mitwirkung 
des Hrn. Winnefeld vorbereitet. 

Für die »Etruskischen Urnen« sind unter Leitung 
des Hrn. G. Körte die Tafeln des dritten Bandes 
im Drucke nahezu vollendet; der Textdruck ist im 
laufenden Jahre zu erwarten. Auch dem Supplement- 
bande zu Gerhard's »Etruskischen Spiegeln« hat Hr. 
Körte weiter seine Aufmerksamkeit gewidmet. 

Die von Hrn. Loeschcke zu erwartende Her- 
ausgabe der »Chalkidischen Vasen« hat gegen 
drängendere Aufgaben des Herausgebers noch 
zurückstehen müssen. 

Die Sammlung der »Römischen Militärreliefs« 
hat Hr. von Domaszewski, namentlich für Italien, 
noch nicht ganz zu Ende führen können. Das 
übrige Material ist, dank namentlich der Unter- 
stützung des Österreichischen archäologischen In- 
stituts, ziemlich vollständig beschafft worden. 

Die Herausgabe des »Aldrovandi« zu fördern 
ist Hr. Schreiber leider durch Krankheit verhindert 
gewesen. 

Die Sammlung photographischer Aufnahmen 
»antiker Elfenbeinarbeiten« durch Hrn. Graeven 
ist auch im vergangenen Jahre vom Institute unter- 
stützt worden; die gewonnenen Photographien sind 
dem römischen Secretariate zum Einzelverkauf über- 



Jahresbericht des Kaiserlich Deutschen archäologischen Instituts. 



59 



wiesen, während eine Herausgabe in geschlossenen 
Reihen ebenfalls vorbereitet wird. 

Das Institut hat fortgefahren die Arbeit an den 
im Auftrage der Kaiserlichen Akademie der Wissen- 
schaften zu Wien erscheinenden »Attischen Grab- 
reliefs«, namentlich unter Betheiligung des atheni- 
schen Secretariats, besonders des Hrn. Wolters, zu 
fördern. Doch ist im vergangenen Jahre kein Heft 
erschienen; Heft ii befindet sich aber im letzten 
Stadium der Drucklegung und Heft 12 ist im 
Manuscripte vorgeschritten. 

Das Material zu der Herausgabe der »SUd- 
russisch-griechischen Grabreliefs« durch Hrn. von 
Kieseritzky ist ansehnlich vermehrt worden durch 
die schon im vorigen Jahresberichte als bevorstehend 
erwähnte Darreichung von 108 photographischen 
Negativen aus dem Besitze der Kaiserlich russischen 
archäologischen Commission und durch eine gröfsere 
Zahl von Aufnahmen aus Kertsch, welche ebenfalls 
der genannten Commission verdankt werden, endlich 
auch durch Neuaufnahmen in der Kaiserlichen 
Ermitage befindlicher Exemplare. Weiterer Zu- 
wachs der beständig sich mehrenden Masse dieser 
Denkmäler soll jetzt nicht mehr abgewartet werden. 

Druck eines neuen Bandes der »Ephemeris 
epigraphica« ist im vergangenen Jahre noch nicht 
in Angriff genommen. 

Das römische Secretariat hat den 14. Band 
seiner Mittheilungen erscheinen lassen; auch haben 
die Sitzungen in gewohnter Weise stattgefunden, 
unter starkem Zuwachse namentlich auch deutscher 
Theilnehmer. An die Vorträge des ersten Secretars, 
Hrn. Petersen, in den Museen und über altitalische 
Kunst schlössen sich Studienausflüge nach Conca, 
der Hadriansvilla und Ostia, nach Cervetri und 
Corneto. Der zweite Secretar, Hr. Hülsen, hielt 
seine epigraphischen Vorträge in den Capitolinischen 
Museen, die topographischen theils vor den Denk- 
mälern, theils im Institute, wobei das durch die 
neuen Entdeckungen auf dem Forum gesteigerte 
Interesse zu einer längeren Dauer der Vorträge als 
sonst Veranlassung gab. Hrn. Mau' s pompejanischer 
Cursus hat vom 2. bis 12. Juli stattgefunden. Der 
erste Secretar unternahm im Juli eine Erkundigungs- 
reise durch einen grofsen Theil Italiens, der zweite 
Secretar betheiligte sich im April und Mai an den 
Institutsreisen in Griechenland. Auch haben die 
Herren Secretare und Hr. Mau im Herbste wieder 
der Führung der zur Anschauung antiker Kunst in 
Italien versammelten Gymnasiallehrer aus dem Reiche 
sich gewidmet. Unter den Theilnehmern waren 
vertreten Preufsen mit fünf, Bayern und Sachsen 



mit je zwei, und mit je einem Theilnehmer Württem- 
berg, Baden, Hessen, Sachsen-W^eimar, Oldenburg, 
Braunschweig, Sachsen-Altenburg, Anhalt, Schaum- 
burg-Lippe, Hamburg und Elsafs-Lothringen. 

Der »Katalog der Vaticanischen Sculpturen« 
ist mit dem ersten Hrn. Secretar von Hrn. Amelung 
für Museo Pio-Clementino und Chiaramonti mit 
Braccio nuovo und Giardino della pigna bis zum 
Beginne der Druckfertigkeit des Manuscripts und 
mit photographischen Aufnahmen im Museo Pio- 
Clementino weitergeführt. 

Die Bibliothek der römischen Zweiganstalt 
vermehrte sich um 437 Nummern, darunter fast ein 
Drittel Gelegenheitsschriften, welche durch Schenkung 
seitens der deutschen und schwedischen Universitäten 
und den Programmtausch der deutschen höheren 
Schulen eingingen. Geschenke wurden namentlich 
verdankt der Centraldirection der Monumenta Ger- 
maniae historica, der Königlichen Akademie der 
Wissenschaften, der Königlichen Bibliothek, den 
Königlichen Museen und der archäologischen Gesell- 
schaft zu Berlin, den Akademien der Wissenschaften 
zu Wien, München und Bukarest, der Königlichen 
Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig, dem 
Königlich italienischen Unterrichtsministerium, der 
Königlichen Akademie in Neapel, dem französischen 
Ministerium für öffentlichen Unterricht, der archäo- 
logischen Gesellschaft in Athen, den HH. Delattre, 
Diels, Herman Grimm, Cecil Smith und noch anderen 
Freunden der Anstalt, 

Von dem Realkataloge der römischen Instituts- 
Bibliothek von Hrn. Mau wurde der I. Band aus- 
gegeben. 

Der athenischen Abtheilung des Instituts wurde 
von Seiten des Reichs die Gunst des Ankaufs des 
bisher miethweise benutzten Hauses und der Anbau 
eines den wachsenden Bedürfnissen entsprechenden 
Bibliotheks- und zugleich Sitzungssaales zu Theil. 
Dieser Anbau wurde zu Anfang März d. J. im 
Wesentlichen beendet, so dafs die erste Sitzung in 
dem neuen Saale am 12. März stattfinden konnte, 
in welcher zugleich unter einer das Institut ehrenden 
Theilnahme von griechischer und von anderen aus- 
ländischen Seiten des 25jährigen Bestehens der 
athenischen Anstalt gedacht wurde. 

Während die sonst üblichen Sitzungen des 
Baues wegen bis zur Eröffnung im März ausfallen 
mufsten, hielten die Secretare, die HH. Dörpfeld 
und Wolters, ihre Wintervorträge in gewohnter 
Weise, und zwar Beide in doppelter Form für die 
zahlreichen Theilnehmer und für einen engeren 
Kreis von Fachmännern. 

5* 



6o 



Archäologische Funde im Jahre i{ 



Für die übrige wissenschaftliche Thätigkeit und 
namentlich für die in Folge des Neubaues durch 
Neuaufstellung der Bücher stark gesteigerten 
Bibliotheksgeschäfte des zweiten Herrn Secretars 
stand dem Secretariate Hr. von Prott zur Seite. 

Im April und Mai wurden unter Führung des 
ersten Herrn Secretars die Studienreisen in den 
Peloponnes, auf die Inseln und nach Troja unter 
starker Betheiligung auch nichtdeutscher Gelehrter 
und Liebhaber unternommen. Sonst besuchte der 
erste Herr Secretar die Ausgrabungen der Americaner 
in Korinth und die unter Leitung des Hrn. Ruben- 
sohn vom Institute auf Faros unternommenen 
Untersuchungen, welche der zweite Herr Secretar 
ebenfalls besuchte, der auch nach Thera ging und 
einen Theil der eben erwähnten Inselreise mit- 
machte. 

Aufser auf Faros hat das Institut kleine 
Grabungen in Megara, wo das Brunnenhaus des 
Theagenes aufgefunden und unter Leitung der HH. 
Delbrück und Vollmöller aufgedeckt wurde, in die 
Hand genommen, hat sonst bei den Ausgrabungen 
des Hrn. Hiller von Gärtringen auf Thera nach 
Kräften sich nützlich gemacht, auch Hrn. Weber in 
Smyrna zu einer Studienreise in Kleinasien, wo das 
Institut immer weniger den dort wartenden grofsen 
Aufgaben sich wird entziehen können, in den Stand 
gesetzt. 

Die von deutschen Gönnern ermöglichten Aus- 
grabungen des Hrn. Dörpfeld im Westen der 
Akropolis zu Athen sind beendet, nur noch einige 
Ergänzungsarbeiten fanden statt. Die Fublication 
in den »Antiken Denkmälern« des Instituts wird, 
wie bereits erwähnt, vorbereitet. 

Der anderen grofsen Arbeit der athenischen 
Abtheilung, der Herausgabe der auf der Akropolis 
zu Athen gefundenen Vasenüberreste, hat neben 
dem zweiten Secretar in dankenswerther Weise Hr. 
Zahn sich gewidmet. 

Von den »Mittheilungen« der athenischen Ab- 
theilung ist der 24. Band erschienen. Durch Neu- 
druck älterer vergriffener Bände dieser Zeitschrift 
ist der Auflagevorrath wieder vervollständigt worden. 

Für die Herausgabe der Funde im boeotischen 
Kabirion sind Manuscript und Tafelvorlagen so weit 
gebracht, dafs mit Druck und Reproduction jetzt 
begonnen werden kann. 

Dafs der Bibliothekverwaltung durch den Saal- 
bau sehr vermehrte Arbeit geschaffen wurde, ist 
bereits erwähnt; dennoch ist es möglich gewesen, 
die Bücher immer zugänglich zu halten. Gröfsere 
Geschenke verdankte die Bibliothek der Königlichen 
Akademie der Wissenschaften zu Berlin, den 



deutschen Universitäten, dem grofsherzoglichen 
Museum in Karlsruhe, der Archäologischen Gesell- 
schaft in Berlin, dem französischen Unterrichts- 
ministerium, den Trustees des Britischen Museums 
und des Hunterian Coin Catalogue Fund, so wie den 
HH. Conze, Hiller von Gärtringen, Hülsen, Sauer 
und Schiff. Die Institutsbibliothek in Rom gab 
eine Anzahl von Dubletten ab. 

Die Neugestaltung des Institutshauses ist auch 
der ansehnlich vermehrten Sammlung photographi- 
scher Negative zu Statten gekommen, die in einem 
Räume auf der Terrasse des Instituts neu geordnet 
werden konnten. 

Die von A. Fostolakas dem Institut vermachte 
reiche Sammlung von Münzabdrücken ist durch 
Hrn. von Heldreich's Hülfe neu geordnet und mit 
der schon vorhandenen älteren Sammlung ver- 
schmolzen worden. 

Gern schliefsen wir auch dieses Mal unseren 
Bericht mit dem Danke an den Verwaltungsrath der 
Dampfschiffahrts-Gesellschaft des Österreichischen 
Lloyd, welcher dem Institute auch im vergangenen 
Jahre durch Erleichterung der Reisen seine Förderung 
hat zu Theil werden lassen. 



ARCHÄOLOGISCHE FUNDE 
IM JAHRE 1899. 

Wenn wir uns hauptsächlich auf die im Zu- 
sammenhange eigentlicher Untersuchungen ge- 
machten Funde beschränken, so haben wir in 
Kleinasien die Ergebnisse der Ausgrabungen der 
k. Museen zu Berlin in Milet zu nennen, über 
welche Kekule von Stradonitz in den Sitzungs- 
berichten der Berliner Akademie (1900, S. I04ff.) 
berichtet hat. Unter Wiegand's Leitung, unter 
Beistand von Wilski und Fredrich, ist in den 
letzten Monaten des Jahres gearbeitet, mit Beginn 
im Süden, wo von dem durch eine Trajans- 
Inschrift gebotenen festen Funkte eines Thorbaues 
aus stadteinwärts die von Didyma hereinführende 
Strafse und die von der Strafse durchschnittene 
Stadtmauer aus hellenistischer Zeit weithin verfolgt, 
im Innern der Stadt aber namentlich ein theater- 
förmiger Bau mit einem Vorhofe aufgedeckt, auch 
bereits erhebliche Inschriftfunde gemacht wurden. 

Die österreichischen Ausgrabungen zu Ephesos 
(Anzeiger der Wiener Akademie 1900, n. V = Jahres- 
hefte des österreichischen archäol. Instituts III I, Bei- 
blatt Sp. 83 ff.) führten die Aufdeckung des grofsen 
Theaters im wesentlichen zum Abschlüsse. Von be- 
sonderem Belange für die nunmehr in den Grundzügen 
zu verfolgende Baugeschichte ist die Auffindung des 



Archäologische Funde im Jahre 1899. 



61 



ältesten Orchestra-Canals, wodurch die Überein- 
stimmung der ältesten Anlage mit dem durch Dörp- 
feld festgestellten Grundschema des griechischen 
Theaters erwiesen wird. Beim sog. Prytaneion 
wurde ein spätrömisches Gebäude von oblongem 
Grundrisse freigelegt, dessen Bestimmung indefs in- 
folge weitgehender Zerstörung nicht zu erkennen ist. 
Die Aufdeckung eines frUhhellenistischen dreiteiligen 
Prachtthores am grofsen Hafenbecken beweist, dafs 
dessen Anlage nicht, wie man bisher annahm, in 
römische, sondern bereits in hellenistische Zeit 
zurückgeht. Zahlreiche Relieffragmente mit der Dar- 
stellung einer Barbarenschlacht kamen beim Triumph- 
bogen unweit des Theaters zu Tage. Von Inschrift- 
funden ist erwähnenswert der apokryphe Briefwechsel 
zwischen Christus und Abgaros von Edessa. 

Über Untersuchungen im Königreiche Grie- 
chenland entnehmen wir den Fundberichten in 
den athenischen Mitteilungen des Instituts und den 
Angaben des Sekretariats das Folgende: 

In Athen ist die Freilegung der Attalos-Stoa 
vervollständigt. Am Vorgebirge Sunion hat ein 
Inschriftfund den Tempel als dem Poseidon, und 
nicht, wie stets angenommen, der Athena gehörig 
erwiesen. In Megara ist durch das deutsche archäo- 
logische Institut das Brunnenhaus des Theagenes 
aufgefunden worden. In Korinth hat die Ameri- 
kanische Schule in Fortsetzung ihrer Ausgrabungen 
den bekannten Tempel ganz freigelegt und in dessen 
Nähe eine Brunnenanlage, die mit der Glauke 
identificirt wird; aufserdem sind die Fundamente 
der Marktpropylaeen aufgedeckt. In Troizen hat 
Legrand seine Ausgrabungen wieder aufgenommen, 
in Thermon Sotiriadis seine erfolgreiche Auf- 
deckung des Apollon-Tempels auf dessen Umgebung 
ausgedehnt, wobei ein neues Gebäude, wieder mit 
Architekturteilen von bemaltem Thon, darunter auch 
Mefopenplatten mit mythischen Darstellungen, ge- 
funden wurde. In Delphi ist im Verfolge der 
Ausgrabungen der französischen Schule der Bau der 
Kastalia, so weit erhalten, völlig klargelegt. In 
Thessalien hat Tsundas Kuppelgräber mit linear 
verzierten Vasen und anderen Beigaben geöffnet, 
auch Edmonds von der englischen Schule in Athen 
einen Tumulus, den Pilaf-tepe durchgraben, in 
dem als vom Todtenopfer herrührend ein Widder- 
Skelett und in dem eigentlichen Grabe zur 
Aschenurne hergerichtet ein Silbergefäfs gefunden 
wurde. 

Auf den Inseln hat Kavvadias auf Kephallonia 
in Gräbern »mykenische« Thongefäfse ausgegraben, 
auf Paros hat das deutsche Institut durch Ruben- 
sohn und auf Thera Hiller von Gärtringen seine 



Ausgrabungen fortgesetzt. Über die an beiden 
Stellen gemachten Funde ist in der Berliner archäo- 
logischen Gesellschaft ausführlicher berichtet (An- 
zeiger 1899, S. 181 ff. und 1900, S. 22ff.). 

Die für die mykenische Epoche hervorragend 
wichtigen Entdeckungen der englischen Gelehrten 
in Knossos fallen erst in das laufende Jahr; wir 
hoffen bald besonders über sie zu berichten. 

Französische Untersuchungen in Bulgarien 
haben bei Öffnung mehrer Tumuli u. A. einen 
antiken Bronzewagen ans Licht gebracht. 

Über Funde unseres Bereiches im vergangenen 
Jahre haben wir aus Ägypten, wo das Fayum 
wieder Schätze gespendet hat, hinreichende Nach- 
richt dieses Mal nicht zu geben. 

In Italien haben die allgemeine Aufmerksam- 
keit am meisten erregt die von der italienischen 
Regierung energisch fortgeführten Ausgrabungen in 
Rom auf dem Forum; darüber hat Hülsen im 
Anzeiger (oben S. i ff.) eingehend berichtet. Neue 
Bruchstücke des römischen Stadtplans sind im 
Bullettino comunale 1899, Taf. I. II herausgegeben, 
sonst aus Rom namentlich Grabmäler vor Porta 
Salara aufgedeckt. Über diese, wie über andere 
italische Funde sind die Einzelheiten den Notizie 
degli scavi zu entnehmen. Wohl eine Fülle von 
Funden, aber ganz hervorragend fördernde Ent- 
deckungen hat das Jahr, wie uns vom Sekretariate 
in Rom bemerkt wird, nicht gebracht. Über Funde 
ältester Perioden hat auch Petersen in den römischen 
Mitteilungen des Instituts 1899, S. 280 ff. berichtet. 

In Latium sind von mannichfachem Interesse 
die Aufdeckungen und Funde von Piperno 
(Privernum), über welche Giovenale und Mariani in 
den Notizie S. 88 ff. das Einzelne bringen. 

In Turin ist das Theater der Augusta Tauri- 
norum bei Gelegenheit eines Neubaus entdeckt. 

Als ältest andauernde Untersuchung hat die von 
Pompeji ihren Fortgang genommen. Die sakralen 
Gebäude der Stadt sind um eines vermehrt, einen 
Tempel korinthischen Stiles, westlich von der 
Basilica gelegen. Zur Zeit der VerschUttung befand 
er sich im Umbau. Nur das Fundament, auch das 
nicht unberührt, und verstreute Bauglieder haben 
sich vorgefunden. Über diesen wie andere pom- 
pejanische Funde berichtet Sogliano in den Notizie 
1899, namentlich auch über die Aufdeckung mit 
Malereien versehener Häuser (S. 339 ff.), ferner über 
die Ausgrabung von Villen unweit Pompeji bei 
Scafati, welche verschiedene Klein - Bronzen und 
Silberfigürchen geliefert hat (S. 392 ff.) und bei 
Bosco-Reale, wo ansehnliche Malereien gefunden sein 
sollen, über die noch nähere Nachricht fehlt. 



62 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



Sonst hat namentlich Sizilien, besonders dank 
der Thätigkeit Orsi's, mancherlei Absonderliches 
geboten. Die genaue Lage von El o res ist fest- 
gestellt und sein räthselhaftes Thurmmonument 
untersucht, eingehend auch die Anlagen ver- 
schiedener Perioden auf dem Plemmyrion bei Syrakus 
{Notizie S. 26 ff.). Über das Jahr 1899 zurück liegen 
Orsi's Untersuchungen der Felsgrotten bei Buscemi, 
Akrai gegenüber, mit spätgriechischen Inschriften, 
welche einen Kultus räv riai§(üv y.at xä; 'Av«33a; 
bezeugen, worüber die Notizie 1899, S. 452 den 
Bericht bringen, wie S. 402 ff. über die Funde in 
der Nekropolis von Hybla Heraca bei der Station 
Ragusa, welche im Jahre 1898 gemacht wurden. 

In Spanien wurde bei Los Villares in der 
Provinz Leon eine Hylasdarstellung in Mosaik ge- 
funden, abgebildet im Boletin de la R. Academia de 
la Historia 1900. 

Nördlich der Alpen hat sich an die deutsche 
Untersuchung des Limes romanus, über deren letzte 
Schritte wir weiterhin (S. 79 ff.) eigenen Bericht 
bringen, die verwandte Untersuchung in Österreich 
angeschlossen, deren Ergebnisse im ersten Hefte 
des »Römischen Limes in Österreich«, herausgegeben 
von der kaiserl, Akademie der Wiss. zu Wien, 
bekannt geworden sind. Sonst hat in Österjeich 
die fortgesetzte Untersuchung des Lagers von 
Carnuntum namentlich gelohnt durch die Auf- 
deckung der Überreste eines Waffendepots unddurch 
Inschriftfunde, die Reste der Bauinschrift des Lagers 
vom Jahre 375 und die Bauinschrift eines Amphi- 
theaters. Verschiedene Entdeckungen auf dem 
Boden Wien 's geben Bereicherungen der geplanten 
grofsen Fundkarte von Vindobona, im Einzelnen 
ist ein Götter-Votivstein besonders reich sowohl an 
Inschrift, wie an bildlicher Darstellung. In Pettau 
ist besonders die Aufdeckung eines Mithraeums, 
schon aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts n. Chr., 
erwähnenswerth. Andere Funde, über welche wir 
Herrn Zingerle Mittheilungen verdanken, in Nieder- 
österreich, in Grado, in Pola, in Dalmatien 
besonders in Salona geben Zeugnifs von weitver- 
zweigter archäologischer Thätigkeit. Aus Deutsch- 
land mag, als in die vaterländische Geschichte 
eingreifend, der Nachweis einer grofsen befestigten 
römischen Ansiedlung der ersten Kaiserzeit bei 
Haltern an der Lippe auch hier vorläufige Er- 
wähnung finden. W^as davon im vergangenen 
Jahre ans Licht gefördert war, ist von Schuch- 
hardt nach den Arbeiten der vom archäologischen 
Institute unterstützten westfälischen Altertums- 
Commission in Münster dargelegt (Sitzungsberichte 
der k. Ak. der Wiss. zu Beilin 1900, S. 303ff.). 



Als ein besonders reiches Fundgebiet hat sich 
fortgesetzt durch die Bemühungen der französischen 
Fachgenossen das römische Africa erwiesen. Wir 
freuen uns, darüber im Folgenden einen auf eigener 
Anschauung beruhenden Bericht bringen zu können. 



ARCHÄOLOGISCHE NEUIGKEITEN 
AUS NORD AFRIKA'. 

Fortlaufende Berichte über die nordafrikanischen 
Altertümer erscheinen in dem vom Unterrichts- 
ministerium herausgegebenen und im Bulletin arche- 
ologique du Comite des Travaux historiques et scieniifiques 
vereinigten monatlichen Extraits des Proces-verbaux 
(über die Sitzungen des genannten Comites). Zu 
Anfang jedes Jahres giebt Gauckler einen Rapport 
sur la marche du Service (des Antiquites et Beaux-Arts 
de la Tunisie) heraus und fafst Gsell in seiner in den 
Melanges d' archeologie et d'histoire erscheinenden 
Chronique Africaine die gesammten aus Algerien und 
Tunesien bekannt gewordenen archäologischen Funde 
und Forschungen zusammen. Für die rechtzeitige 
Mitteilung ihrer Berichte bin ich den beiden Herren 
auch diesmal zu Dank verpflichtet. Über einen grofsen 
Teil der archäologischen Entdeckungen findet man 
Nachrichten in den Coniptes-rendus der Academie des 
Inscr.etB.-L., der nicht allein über die auf ihre Kosten 
gemachten Grabungen von den Beauftragten (so von 
Delattre über Karthago), sondern auch über andere 
Entdeckungen von ihren Mitgliedern auf Grund ihnen 
eingesandter Mitteilungen berichtet wird. Für Algerien 
ist ferner von besonderer Wichtigkeit das Recueil 
des Notices et Metnoires de la Societe arch. de Con- 
stantine. Gelegentlich bringen auch die Memoires de 
la Societe nat. des Antiquaires de France Mitteilungen 
über nordafrikanische Funde. 

Ich bin diesmal im Stande, über einen Teil 
der Funde und Ausgrabungen der letzten Jahre, be- 
sonders über die Thätigkeit des tunesischen Service 
des Antiquites, aus eigener Anschauung zu berichten, 
da ich im Oktober und November eine zweite 
Reise durch Algier und Tunis gemacht habe. 
Durch Gaucklers Freundlichkeit war ich in der 
Lage, die ihm unterstellten Sammlungen und den 
archäologischen Apparat — besonders auch die 
sehr reichhaltige Sammlung von Aufnahmen tune- 
sischer Altertümer — mit der denkbar gröfsten 
Freiheit zu benutzen; durch seine Vermittlung fand 
ich bei den Behörden das freundlichste Entgegen- 
kommen. — Wer die folgenden Ausführungen mit 
der Karte vergleichen will, wird sich mit Nutzen 



') S. Archäol. Anzeiger \i 
S. 66-76. 



S. 112 — 120; i! 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



63 



der im Maafsstab 1:800000 gezeichneten Carte de la 
Tunisie (1889) — 2 Blätter — und Carte de l' Algerie 
(1876) — 6 Blätter — bedienen. 
I. Tunis. 
Karthago. Die Frage nach der Lage der 
Häfen des alten Karthago ist, wie man aus 
Oehlers Referat (Arch. Anz. 1899 S. 193 f.) über 
die von de Roquefeuil vorgenommenen Unter- 
suchungen ersehen kann, nicht durch positive 
Resultate gefördert worden, jedoch wird neuer- 
dings (Bull. arch. du Comite: Extrait des proces- 
verbaux Nov. 1899/. IX) berichtet, dafs eine neue 
Untersuchung südlich der Kramspitze gegenüber dem 
Casino »deutliche« (tres-visibles) Spuren eines durch 
einen Molo geschützten Hafens ergeben habe. Bisher 
hat man bekanntlich nördlich und südlich von 
jenem Punkt nur am Ufer entlang ziehende Quai- 
mauern, die mit dem Hafen nichts zu thun haben, 
gefunden. — Über die im Gebiet von Karthago 
noch deutlich kenntliche römische Flurteilung 
(Centuriation) habe ich auf Grund der französischen 
Karten (i : 50000) genauere Angaben machen können 
(Die röm. Flurteilung p. 36 f.: Abh. d. Ges. d. Wiss. 
zu Göttingen 1898). Ähnliche Spuren der römischen 
Centuriation lassen sich übrigens nach einem der 
zuletzt publizirten Blätter (Sidi-bu-Ali) des Atlas 
archeologique auch im tunesischen Süden feststellen. 
Auf dem Boden des alten Karthago wird seit 
einiger Zeit auch von Gauckler gegraben. Das 
Ausgrabefeld (Dermesch) liegt in unmittelbarer 
Nachbarschaft der von Delattre ausgegrabenen alt- 
punischen Nekropole von Du im es. Ein von Süden 
nach Norden parallel zum Meer auf den Bordsch- 
Dschedidhügel (am Meer) zu geführter breiter 
Graben durchschnitt ein ungemein ergiebiges 
Terrain. In der obersten Schicht fand man eine 
fünfschiffige byzantinische Basilika, an die ein sechs- 
eckiges Baptisterium, ein Atrium, eine Märtyrer- 
kapelle, Kleiderräume und Sakristeien angebaut 
sind. Eine zweite Schicht enthielt ein römisches 
Gebäude, welches, nach dem Stil der beiden hier 
gefundenen Mosaikbilder zu urteilen, aus dem 
4. Jahrhundert stammen dürfte. Das eine Mosaik 
stellt eine Seelandschaft mit fischenden und sich 
am Strande ergehenden Personen und — im unteren 
Teil des Bildes — Seegottheiten mit Seetieren dar. 
Eine Abbildung des zweiten Bildes, der Darstellung 
einer Jagd auf Löwen und Panther, findet man in 
meinem vorjährigen Bericht (Arch. Anz. 1899 p. 67). 
Als man die beiden Mosaikbilder wegräumte, er- 
gab sich, dafs sie eine ältere völlig zugeschüttete 
Anlage verdeckten. Es ist ein rechteckiger Saal, 
der von einer späteren Mauer ohne Öffnung durch- 



schnitten und in eine vordere zugängliche und hintere 
zugemauerte Partie geteilt wird. Die Aufgrabung 
dieses zugemauerten Teils ergab einen interessanten 
Fund. Unter dem mit allerhand Brocken aus 
christlicher Zeit gefüllten Schutt fand man eine 
ganze Sammlung von Statuetten griechisch-römischer 
und orientalischer (Mithras, Men etc.) Gottheiten, 
eine Inschrift: lovi Hamvtoni Barbara Silvano sacer- 
dotes (folgen die Namen), einen marmornen Stierkopf 
mit der Aufschrift S(aturno) A(ugusto) S(acrum) — 
es folgt der Name eines sacer(dos) Martis — , einige 
zwanzig Steinkugeln — offenbar heilige Steine — und 
endlich im äufsersten Winkel des vermauerten Gelasses 
4 völlig erhaltene c. 1 Meter hohe Marmorstatuetten 
spätgriechischer (2.— i. Jahrh. v. Chr.?) Arbeit. Drei 
von ihnen bilden eine Gruppe, von der sich die 
vierte durch schlechtere Arbeit und geringere Höhe 
abhebt. Eine der drei Figuren scheint eine Demeter, 
die zweite eine Köre, die dritte eine Kanephore — 
die rechte, erhobene Hand mufs einen nicht er- 
haltenen Gegenstand gehalten haben — zu sein. 
Alle drei Figuren sind von feiner Arbeit und aus 
vorzüglichem Marmor, dessen schöne Farbe ge- 
fällig durch — zum Teil erhaltene — Bemalung ge- 
hoben wird. 

Der Fund ist nicht allein wegen dieser recht 
wertvollen Stücke, sondern vor allem an und für 
sich von Bedeutung. Das mit allem möglichen heid- 
nischen Kult-Apparat angefüllte, sorgfältig ver- 
mauerte und mit einem Mosaikboden zugedeckte Ge- 
mach ist wohl eher für ein von Verehrern der alten 
Götter angelegtes Versteck als für eine Rumpelkammer 
zu halten, in die christliche Eiferer heidnische Kult- 
bilder verbannt hätten — denn dann würde man 
die Statuen zerschlagen und nicht so sorgfältig 
verborgen haben. Auch der Stil der über diese 
Kammer gelegten Mosaikböden weist uns ins 
4. Jahrhundert: man darf also wohl diese Ent- 
deckung als ein sehr merkwürdiges Zeugnis aus 
den letzten Tagen des Heidentums bezeichnen und 
wird sich über den historischen Fund, welchen 
dieses Götterversteck darstellt, mehr freuen als über 
die endlosen Reihen der punischen Gräber. Über 
den Fund wird berichtet von Gauckler im Bull, du 
Comite März 1899 p. Vif. (vgl. Gsell, Chronique 
p. 117). Gsell erinnert (a. a. O.) daran, dafs man 
vor 20 Jahren auch in Tebessa in einem sorg- 
fältig vermauerten Gelasse eine Sammlung von 
Götterbildern und Votivstelen — aber in zerstörtem 
Zustande — gefunden hat (vgl. Recueil de Constaniine 
1878 p. 455). 

Unter jenem aus dem 4. Jahrhundert stammenden 
Gebäude liegen punische Gräber der ältesten 



64 



Archäologisclie Neuigkeiten aus Nordafrika, 



Zeit, wie sie Delattre bereits früher in dieser Gegend 
gefunden hat. Auf die verschiedenen in dieser 
Nekropole gefundenen zum Teil sehr kostbaren 
Gegenstände einzugehen, würde zu weit führen; 
man fändet sie in Gaucklers Berichten {Proch-verbaux : 
März 1899 p. XI, Februar 1900 p, VIII, März 1900 
p. 7) verzeichnet. Es sind zwei Arten von Gräbern 
zu unterscheiden: teils sind die Toten in niedrigen 
Gruben beigesetzt, teils finden sich ihre Reste in 
einer Grabkammer, zu der man mittels eines oft 
sehr — bis zu 20 Meter — tiefen Schachtes gelangt. 
Merkwürdigerweise enthalten gerade die am tiefsten 
gelegenen Gräber oft nur geringe Beigaben: als ob 
man den Toten mehr durch ein sorgfältig verstecktes 
Grab als durch reiche Mitgift habe ehren wollen. 
Mehrere Grabkammern sind mit einem aus zwei 
senkrechten und zwei schräg auf dieselben auf- 
gesetzten, also einen Giebel bildenden Monolithen 
ausgestattet. Die Ausgrabestelle gewährt mit dem 
Durch- und Übereinander der verschiedenen Kultur- 
schichten ein seltsames Bild: unmittelbar unter dem 
Niveau der byzantinischen Basilika liegt ein 
punisches Grab und zwischen die Grabschächte hat 
sich hie und da eine römische Cisterne der flaschen- 
ähnlichen Form (citerne a bouteille) gedrängt, deren 
Wand unmittelbar an eine punische Grabkammer 
stöfst. — Ein Unicum ist die von Gauckler gefundene 
punische tabula devoiionis, das erste Zeugnis für die 
Existenz des bisher nur aus dem griechischen und 
römischen Altertum — für Afrika aus Karthago und 
Sussa — bekannten Aberglaubens in phönizischer 
Sphäre. Noch ein in den punischen Gräbern 
beobachtetes Detail verdient Erwähnung. Man 
findet sowohl in den karthagischen als in den bei 
Mahedia (s. unten) aufgedeckten Gräbern häufig mit 
Mennig bemalte Knochen. Toutain hat mit dieser 
Thatsache Herodots Bericht (4, 191 u. 194 -), dafs 
sich die Anwohner des — in der Gegend von 
Mahedia anzusetzenden — Tritonflusses rot bemalt 
hätten, combiniren wollen, wogegen Gsell {Chronique 
p. 85) mit Recht einwendet, dafs doch Herodot von 
der Bemalung der Körper, nicht des Totengebeins 
rede. 

Der Pere Delattre berichtet C. R. de l'Academie 
1899 p. 93 f.: 308 f.; 552 f. über seine auf Kosten 
der Akademie veranstalteten Ausgrabungen auf dem 
zwischen Bordsch-Dschedid und dem S. Monica- 
Hügel gelegenen Gräberfeld aus dem 3. — 2. Jahrh. 
v.Chr. Der Bericht giebt die von October 1898 — Juni 
1899 erzielten Resultate. Die Gräber finden sich hier 



^) t6 Se -po? '£5repr); toü Tpixtuvo; -OTafAOÜ 
A'ja£(uv evovTat apoxfjpe; fjorj AtßuES . . xolat o'jvofxa 
XEETat Moc^ue;. . . . xö oe aöüaa ypi'ovxai [xtXxii). 



wie in der Nekropole von Duimes (8. — 7. Jahrh.v.Chr.) 
in Grabkammern, die auf dem Grunde eines 8 — 16 
— einmal sogar 22 — Meter tiefen Schachtes an- 
gelegt sind. Die in dieser etwa aus dem letzten 
Jahrhundert Karthagos stammenden Nekropole an- 
gewandte Bestattungsart ist Beisetzung der unver- 
brannten Leiche in Steinsärgen, von denen einer 
2,60 Meter lang und je i Meter hoch und breit ist, 
so dafs seine Überführung in die 6 Meter tief ge- 
legene Grabkammer mittels eines engen (1:2 Meter) 
Schachtes ein technisches Kunststück genannt werden 
darf. Seltsamerweise entspricht einer so künstlichen 
Bestattungsweise auch hier (s. oben über Dermesch) 
keineswegs immer der Wert der dem Toten mit- 
gegebenen Gegenstände. Immerhin haben die Aus- 
grabungen manches interessante, uns über die 
karthagische Kultur des 3. — 2. Jahrh. v. Chr. be- 
lehrende Fundstück ergeben. Es fällt auf, dafs 
neben Gegenständen, die ihr Stil deutlich in die 
letzten Zeiten des punischen Karthago weist — 
wie die Thonschale mit der a. a. O. p. 96 abge- 
bildeten Malerei und der punische Porträtkopf 
(?• 553) — archaische Arbeiten — so die Terrakotte 
einer Flötenspielerin (p. 312) und eine Elfenbein- 
arbeit mit etruskischer Inschrift (p. 104) — gefunden 
wurden. Zu diesen altertümlichen Beigaben gehören 
die eigenartigen kleinen Bronzeäxte (hacheiies) 
mit eingravirter Zeichnung, die unzweifelhaft das 
meiste Interesse verdienen (abgebildet p. 306 und 
582). Eine am oberen Ende angebrachte Öse 
kennzeichnet diese Äxtchen als Votivgegenstände. 
Auf dem einen der beiden bisher mitgeteilten 
Exemplare — man hat ihrer über 50 gefunden — 
ist ein ägyptischer König mit der weifsen Krone 
von Oberägypten (s. Erraan , Ägypten p. 95) und 
dem charakteristischen Lendenschurz (schenti) dar- 
gestellt. Man hat bemerkt (p. 367), dafs der Stil 
der Zeichnung nicht altägyptisch sondern ägyptisirend 
ist. Wir haben es also wohl mit punischen Nach- 
bildungen ägyptischer Kunstwerke zu thun. Be- 
stätigt wird diese Folgerung durch die gleich zu 
besprechende punische Aufschrift eines dieser 
Äxtchen. Die Rückseite enthält die Zeichnung eines 
Palmenbaumes. Auf dem zweiten Exemplar (p. 582) 
ist ein kauernder Stier und über ihm ein Vogel, 
der eine Schlange packt, eingravirt; hinzu kommt 
eine Inschrift in punischen Buchstaben, die nach 
Berger archaische Formen haben (p. 583). Diese 
gravirten Beilschneiden verjüngen sich sämtlich zu 
einem als Vogelhals stilisirten Stift, der bei den 
wirklichen Äxten zur Einlassung in den hölzernen 
Stil diente und natürlich nicht wie bei den kleinen 
Nachbildungen verziert war. Man kann auf die 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



65 



Bilder der anderen Beile, welche man jetzt von der 
Oxydationsschicht befreit, gespannt sein. Allmählich 
werden die sich aus den karthagischen Grabfunden 
ergebenden historischen Folgerungen immer klarer. 
Die Menge der in den ältesten Gräbern (Duimes: 
Delattre undDermesch: Gauckler) gefundenen ägypti- 
schen Gegenstände (Skarabäen und Amulette jeder 
Art) weist auf den Verkehr, welchen Karthago in 
seiner Frühzeit mit Ägypten unterhielt, hin, die 
altertümlichen griechischen Terrakotten von B. 
Dschedid bestätigen, dafs die Beziehungen der 
Karthager zu Sizilien älter sind, als man früher 
annahm, während jener bemalte Thonteller unter- 
italischer Fabrik aus der Epoche des regsten Aus- 
tausches, der Zeit des i. punischen Krieges, stammen 
mag. — Über die auch in Karthago vorkommenden, 
die Stelle des unterirdischen Grabes bezeichnenden 
Cippen ist unten (S. 70), wo ich die Nekropole 
von Thapsus bespreche, gehandelt. — Sonst ist 
noch von punischen Funden der Stelen von Mila 
zu gedenken (s. S. 76). — Oberhalb der punischen 
Nekropole stellte Delattre die Reste eines den 
Cereres geweihten römischen Tempels fest {Mim. de 
la soc. des Antiqu. 1897). Die hier gefundenen 
Skulpturen — Kopf der Ceres, Statue einer Hora, 
Fragmente der zum Wagen der Ceres gehörigen 
Schlangen — sind von Gsell {Chronique p. 116) 
behandelt. 

Über die Natur und Herkunft der am Meeres- 
ufer in der Gegend des Hügels von Bordsch-Dschedid 
gefundenen goldenen Partikelchen haben Delattre 
{Bulletin du Comite 1898 p. 160 f.) und Gauckler 
{^Bull. April 1899 p. Xf.) Klarheit gebracht. Mit 
dem »goldhaltigen Sand« (sable aurifere) ist 
es nichts, vielmehr sind jene Goldteilchen -Bruch- 
stücke von Schmucksachen, die aus den im Bordsch- 
Dschedidhügel befindlichen und von der stürmischen 
See zerstörten Gräbern stammen. 

Ein drittes karthagisches Gräberfeld hat P. 
Delattre bereits vor einigen Jahren in der Nähe 
des Amphitheaters bei der Bir-es-Sitün genannten 
Localität ausgegraben; A\t Revue Archeologique bringt 
seinen Bericht (1898 p. 82 f.; 1899 p. 240 f.). Allem 
Anschein nach — besonders wegen der Inschriften 
— gehören die ältesten Gräber von Bir-es-Sitün 
der ersten Zeit des römischen Karthago (seit Cäsar) 
an. Beim Grabgerät will Delattre vielfach Be- 
rührungen mit den aus dem letzten Jahrhundert 
des punischen Karthago stammenden Funden von 
Bordsch-Dschedid, finden; er meint deshalb, dafs 
diese römischen Gräber zum Teil noch aus der Zeit 
unmittelbar nach der Zerstörung Karthagos stammen, 
aber hier hat der Eifer, eine Continuität der Funde 



herzustellen, zu weit geführt: wir wissen doch genau, 
dafs Karthago — abgesehen von der kurzlebigen 
gracchanischen Colonie — von 146 bis auf Cäsar 
jedenfalls von Römern nicht bewohnt gewesen ist. 
Wenn in Bir-es-Sitün ähnliche Objecte wie in B. 
Dschedid gefunden wurden, so haben wir es eben 
auch in Bir-Sitün zum Teil mit punischen Gräbern 
zu thun. Besonders hätte von einer mit römischer 
Fabrikmarke versehenen Lampe, auf der eine Palme 
und die »Tanit« genannte dreieckförmige Figur 
dargestellt ist, nicht gesagt werden dürfen: -»on ne 
peut desirer une piece plus concluante«. (p. 6 des 
Sep.-Abdr.), denn dergleichen punische Reminis- 
zenzen passen nicht nur in die »Übergangszeit«, 
sondern mochten noch angewandt werden, als das 
punische Karthago längst vergessen war; bestand 
doch der Kult der Tanit ringsum im Lande fort. 

Über diesen älteren, wohl bis in augusteische 
Zeit hinaufreichenden Gräbern liegt eine jüngere 
Nekropole. Ihre Gräber bestehen aus gemauerten 
Cippen, in welche eine Aschenurne eingelassen ist; 
eine thönerne — auch wohl bleierne — Röhre 
ermöglichte die Einführung von Libationen, diente 
aber auch, wie die massenhaft in diesen Gräbern 
vorkommenden Fluchtafeln zeigen, als »Briefkasten 
des Hades«. Delattre hat ihrer bei seinen ver- 
schiedenen Ausgrabungen bereits gegen 150 ge- 
funden (p. 24). Publizirt ist davon bisher nur 
wenig ^ Dieselbe Gräberform hat man auch in 
Hadrumetum festgestellt {Bull, du Comite 1898 
P- 353) "od auch hier fanden sich durch die Röhren 
in die Graburne gelangte Defixionen. 

I^ u gg ^ r '^'fi^Sg'^)- Auf diesem nächst Karthago 
wichtigsten Ruinenplatz des tunesischen Gebietes 
haben die Herren Pradere (conservateur du Bardo) 
und Homo (von der Ecole de Rome) an dem merk- 
würdigen Tempel der Caelestis und beim Capitol 
gegraben {Proces -Verbaux ]n\i 1899 p. VIII f.). Beim 
Capitol fand man die grofse jetzt schon recht be- 
kannte Sufeteninschrift aus dem Jahre 48 n. Chr. — 
eine der ältesten und wichtigsten afrikanischen In- 
schriften (abgedruckt p. IX). 

Im Recueil de Constantine 1899 p. 226 f. be- 
handelt Dr. Carton die von ihm zum Teil freigelegten 



■') Eine griechische aus dem Friedhof der 
officiales stammende Defixion teilt Pere Molinier in 
den Mim. de la Soc. nat. des Antiquair es 1899 mit. 
ImRhein.Museum (1900 p. 2321.) bespricht R.Wünsch 
mit den andern in letzter Zeit bekannt gewordenen 
Fluchtafeln auch die afrikanischen. Es wäre zu 
wünschen, dafs man ihm, dem besten Kenner dieser 
eigenartigen Denkmäler antiker Superstition, die 
Veröffentlichung des reichhaltigen afrikanischen 
Materials übertrüge. 



66 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



Ruinen eines grofsen von den Arabern Dar-el-Acheb 
genannten Gebäudes, welches im Mittelpunkt der 
Stadt und gegenüber dem Capitol, also an vor- 
nehmster Stelle, liegt und deshalb wie wegen seines 
monumentalen Charakters sicherlich ein öffentliches 
Bauwerk war. Man hat an die Thermen gedacht. 
Wenn der von C. am Eingang seines Aufsatzes 
lebhaft vorgetragene Wunsch, dafs man doch endlich 
einmal Thugga systematisch ausgraben und mit dem 
seine imposanten Reste immer mehr beschädigenden 
Augiasstall des arabisches Dorfes aufräumen möge, 
erfüllt wird, wird man auch wohl über die Be- 
stimmung des Dar-el-Acheb zur Klarheit gelangen. 



tUmer anregen sollen. Die Unterbringung dieser 
Sammlung in einer alten, sehr geschickt für den 
neuen Zweck umgestalteten Fischhalle macht dem 
praktischen Blick Gaucklers alle Ehre. Das Museum 
enthält schon jetzt manches hervorragende Stück 
besonders an Mosaikbildern. Wie der cortege de 
Neptune das Prunkstück des Bardo darstellt, so ist 
die eine der beiden im letzten Bericht S. 69 er- 
wähnten Mosaiken die Zierde dieses neuen Museums. 
Der andere Mosaikboden befindet sich im Bardo. 
Die beiden schönen Bilder stammen aus einer bei 
El-Alia (südlich von Mahedia) am Meer gelegenen 
und von Pradere ausgegrabenen römischen Villa und 




Fig. I. 



Man darf hoffen, dafs ein Besuch, den Gauckler 
mit Pradere im letzten Herbst der Stadt machte, 
den eifrigen Hüter der tunesischen Altertümer von 
der Notwendigkeit eines energischen Vorgehens 
überzeugt hat. Möchten dann die zu einer Frei- 
legung nötigen Mittel nicht fehlen. Wenn Frank- 
reich, um Delphi ausgraben zu können, ein ganzes 
griechisches Dorf mit bedeutenden Kosten verlegt 
hat, so dürfte es nicht zögern, in Tunesien für eine 
verhältnismäfsig unbedeutende Summe einen elenden 
Duar anzukaufen, um die besterhaltene Stadtruine der 
Regentschaft in einen würdigen Zustand zu versetzen. 
In Gaucklers Gesellschaft konnte ich einen 
Teil des tunesischen Südens bereisen. In Sussa, 
dem alten Hadrumetum, ist das neue Museum ein- 
gerichtet worden, die erste einer Reihe von Lokal- 
sammlungen, welche den Bardo entlasten und an 
Ort und Stelle das Interesse für die lokalen Alter- 



zierten die beiden in den Seitenflügeln belegenen 
Haupträume. Durch Gaucklers Freundlichkeit bin 
ich in der Lage, von diesen wertvollen Gemälden 
die wichtigsten Partien in j^hotographischer Repro- 
duktion zu veröffentlichen. Ich möchte nicht verfehlen, 
ausdrücklich auf dieses neue Zeugnis für die von der 
Direktion der tunesischen Altertümer fremden Ge- 
lehrten gegenüber geübte Liberalität hinzuweisen. 
Die offizielle, Gauckler von der Academie des Inscr. 
et B.-L. übertragene Publikation wird in den Melanges 
Piot erscheinen. Einen vorläufigen Bericht über 
den wichtigen Fund hat Gauckler vor einiger Zeit 
der Academie vorgelegt (C. R. de l'Acad. 1898 p. 828). 
Beide Bilder stellen eine durch allerhand Menschen 
und Tiere belebte und mit verschiedenen Gebäuden 
ausgestattete Nillandschaft — charakterisirt durch 
Krokodile, Nilpferde, Lotosblumen etc. — dar. 
Auf dem in Figur i reproduzirten Mosarkbild von 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



^1 



Sussa sieht man Schiffe, 
schwimmende Menschen und 
Wassertiere neben Szenen auf 
festem Lande, also eine offen- 
bar im Nildelta zu suchende 
Sumpflandschaft. Links be- 
mühen sich zwei Personen, 
einem Krokodil seine Beute, 
ein Pferd, zu entreifscn (vgl. 
Heibig, Camp. Wandgemälde 
N. 1568), während rechts ein 
anderes Krokodil mitdem Speer 
bekämpft wird. Unten steht 
ein mit einer Axt bewaffneter 
Mann einem Nilpferd gegen- 
über. Die anderen Personen 
befinden sich — teils zu 
Wasser, in Bööten, teils zu 
Lande — im Kampf mit 
Kranichen. Fast alle Figuren 
sind bis auf einen Lenden- 
schurz unbekleidet. Ihre 
Rüstung besteht in einem 
spitzen Helm und runden Me- 
tallschild ; Angriffswaffen sind 
Keule, Speer und Axt. Die 
Vegetation ist durch allerhand 
Wasserpflanzen, besonders 

Lotosblumen, in sehr leben- 
diger Weise bezeichnet. Das 
in Sussa befindliche Mosaik- 
gemälde zeichnet sich durch 
besonders schöne Farben- 
gebung aus; ich hebe das 
Colorit der Pflanzen und die 
Zeichnung der Wassertiere 
hervor. Dafs wir es auch bei 
dem zweiten im Bardo befind- 
lichen Bild — Figur 2 und 3 
— mit einer Nillandschaft zu 
thun haben, zeigen die sich 
hier wie auf dem anderen Mo- 
saik findenden kegelförmigen 
Rohrhütten mit umgebogener 
Spitze, deren Form lebhaft an 
die phrygischen Mützen er- 
innert. Auf diesem Bild haben 
wir nicht wie auf dem ersten 
Szenen des Kampfes zwischen 
den im Nildelta hausenden 
Menschen und Tieren, sondern 
Genrebilder friedlicher Thätig- 
keit vor uns. Wir sehen auf 




68 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 




Fig.'S- 



Figur 2 Fischer ein Netz einziehen, Wasserträger, 
Maultiertreiber, Ochsen, die mit dem Stab angetrieben 
werden, und als architektonisches Beiwerk Säulenhallen 
und Tempelchen nach pompejanischer Art. Figur 3 
bietet das Bild einer Trinkszene und einer von Ziegen 
belebten Berglandschaft, die lebhaft an die auf der 
Citadelle von Sussa befindlichen Mosaiken (s. Collec- 
tions du musee Alaoui p. 21 u. 25) erinnert, neben 
einer Strandpartie mit allerhand Seetieren. Das im 
oberen Teile des Bildes dargestellte Gebäude zeigt 
den noch heute in Afrika existirenden Typus des 
römischen Landhauses mit seinen um einen vier- 
eckigen Hof ruppirten Gebäuden. 

Auf eine eingehendere Behandlung dieser Nil- 
bilder — besonders auf eine Vergleichung mit 
verwandten Darstellungen (Mosaik von Palestrina; 
Heibig a. a. O. p. 393) — glaube ich, da die fran- 
zösische Publikation bevorsteht, verzichten zu sollen. 

Aufser dem Nilbild enthält das Museum von 
Sussa noch ein Prachtstück römischer Mosaikkunst: 
ein in Sussa gefundenes (s. Marche de Service 1899) 
Paviment, auf dem jugendliche Satyrn und 
Bacchantinnen in mannigfaltigen Gruppen, wie sie 
die Zudringlichkeit auf der einen und das Sträuben 
auf der anderen Seite ergiebt, dargestellt sind, ein 
köstliches Stück, welches nicht allein im Gegen- 
stand sondern auch in der Ausführung an die be- 



rühmten pompejanischen Bilder derselben Art (Heibig 
a. a. O. p. 118 f.) erinnert. Eine farbige Reproduktion 
dieses Bildes, die dringend erwünscht wäre, darf viel- 
leicht von den Mitteln und dem Interesse, welches die 
Academie des Inscripüons den tunesischen Funden zu- 
wendet, erhofft werden. Ein drittes Mosaik bietet ein 
Stillleben von Früchten (oben) und Fischen (unten); 
die vorzüglich feine Zeichnung und Farbengebung 
ermöglichen durchweg eine Identifikation der abge- 
bildeten Gegenstände. So wufste ein Fischer, der 
das Museum besuchte, jeden einzelnen Fisch zu 
benennen und konnte sein Vorkommen in den 
afrikanischen Gewässern bezeugen. Die Kritik der 
afrikanischen Mosaikbilder — man vergleiche das 
unten über das Bild der Gazellenjagd gesagte S. 71 
— lehrt immer deutlicher, dafs in ihnen viel mehr 
als in den anderen provinzialen Mosaiken eine selb- 
ständige, auf genaue Darstellung des afrikanischen Lo- 
kals hinzielende Kunstübung anzuerkennen ist. Man 
erkennt nirgendwo besser als bei einem Gang durch 
das Trierer Museum mit seinen köstlichen Genre- 
bildern aus dem alten Gallien und angesichts der 
tunesischen Mosaiken, dafs die Kultur der römischen 
Provinzen nicht allein die überkommenen Typen 
verbreitet, sondern auch sehr viel Eigenartiges ge- 
schaffen hat. — Der bereits im vorigen Berichte 
(Arch. Anz. 1899 p. 71) erwähnte Bronzekopf 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



69 



schien mir allerdings eine griechische Arbeit zu 
sein; leider ist aber dieses bisher in Afrika ganz 
vereinzelt dastehende Werk so schlecht erhalten, 
dafs es kaum noch als ein Ganzes wirkt. 

Beachtung verdient ein jetzt in der salle 
d'honneur der Citadellc von Sussa befindliches aus 
einem Grab stammendes Stuckrelief, welches S. 
Reinach im Bull, du Comiti 1898 p. 353 (mit Tafel) 
publizirt hat. Dargestellt ist ein junger Mann, der 
in der Linken eine zur Aufbewahrung von Schreib- 
gerät dienende Capsula hält, während links eine 
Minerva, rechts eine — durch eine Papierrolle 
charakterisirte — Muse ihn bei der Hand fafst und 
zu mahnen scheint. Reinach vergleicht das von 
Matz-Duhn, Bildw. in Rom N. 3123 besprochene 
Relief. Von der römischen Stadt ist sonst in Sussa 
ebensowenig zu sehen wie an den anderen Plätzen, 
wo eine arabische Stadt auf die antike gefolgt ist, 
aber unter Sussa ist noch, wie die gelegentlichen 
Funde zeigen, ein guter Rest der alten Stadt er- 
halten und die Gründung des hadrumetinischen 
Museums verbürgt nicht allein eine Sammlung der 
in der ehemals und auch heute noch so reichen 
Umgebung — dem Sahel — zu Tage geförderten 
Funde, sondern vor allem eine intensive Erforschung 
des Stadtgebietes selbst. — Von Sussa gelangt man 
zu Wagen in 7 Stunden nach El-Dschem, dessen 
Amphitheater schon in einer Entfernung von 20 km 
sichtbar und recht eigentlich das Wahrzeichen der 
alten Landschaft Byzacene ist. Nachdem man die 
Olivenwälder von Sussa hinter sich gelassen hat, 
findet man erst wieder bei El-Dschem einigen, 
auch hier in der Kultur der Ölbäume bestehenden 
Anbau. Ehedem mufs dieser ganze Landstrich ein 
einziger Olivenhain gewesen sein, und die immer 
mehr vordringenden und recht gut fortkommenden 
französischen Farmen zeigen, dafs es hier zur Er- 
weckung des alten Reichtums nur der Arbeit und 
des Kapitals bedarf — zweier Kräfte, welche sich 
freilich trotz der regen Bemühungen des französischen 
Generalresidenten* bisher nur spärlich auf dem 
afrikanischen Neuland versucht haben. Das afri- 
kanische Colosseum steckt zwar noch 4 Meter tief 
in der Erde, macht aber auch jetzt schon den Ein- 
druck, als ob es in der That dem römischen wenig 
an Umfang und — - was' wichtig ist — an Höhe 
nachstehe. Gauckler hat dafür gesorgt, dafs dies 
gröfste Denkmal der alten Provinz besser als bis- 



*) Herr Millet hat im letzten Herbst Frankreich 
bereist und durch eine Reihe von Reden — in 
denen er sich auch als Kenner des römischen Afrika 
auswies — eifrig für die Colonisation der Regent- 
schaft geworben. 



her vor den Arabern des Dorfes El-Dschem ge- 
schützt ist — das Amphitheater bildete mit seinen 
dicken Mauern und kühlen Gallerien bisher die 
Sommerresidenz der Dorfbewohner. In den Cactus- 
pflanzungen des Dorfes sah ich ein kolossales 
2Y2 Meter hohes Säulenkapitäl und einen marmornen 
Pferdetorso. Sonst ist vom alten Thysdrus noch 
wenig zu sehen. Wenn auch die Existenz eines 
Amphitheaters von solchen Dimensionen und jenes 
imposante Säulenfragment noch nicht beweisen, dafs 
hier einst eine grofse Stadt gestanden hat, so mag 
man doch nicht an eine Stadt glauben, die solcher 
Prachtbauten ganz unwürdig gewesen wäre. Aus 
den Inschriften läfst sich für diese Frage wenig 
entnehmen; es werden ihrer viele gefunden, aber 
die Araber machen aus ihnen einen Handelsartikel 
und zerschlagen sie deshalb in möglichst viele 
Stücke. Man versucht sie jetzt zu überzeugen, dafs 
nur gröfsere Inschriften gut bezahlt werden; viel- 
leicht thut das einige Wirkung. — Von El-Dschem 
aus besuchten wir die beiden von Herrn Noväk, 
einem Farmer, in der Nähe von Mahedia bei El- 
Alia entdeckten römischen Villen. Die eine dicht 
am Meer gelegene hat jene oben besprochenen 
Mosaikbilder ergeben; die zweite, weiter landein- 
wärts gefundene, wird demnächst ganz freigelegt 
werden. Wir sahen an den bereits ausgegrabenen 
Stellen mehrere Räume, deren Wände teils mit 
Mosaik teils mit Malerei — Figurenbilder zwischen 
Marmorimitation — geschmückt sind (vgl. Marche 
du Service en 1899); die Bilder scheinen zwar von 
geringem Kunstwert zu sein, dürften aber bei der 
Seltenheit solcher Funde verdienen, freigelegt und 
nach Sussa überführt zu werden. Auch in der 
zweiten Villa findet man eine Menge von bemalten 
Stuckfragmenten, und Gauckler versicherte mich, dafs 
man auch sonst oft Wandmalereien — freilich stets 
zerstörte — finde; ich bin deshalb geneigt, meine 
Ansicht (Das röm. Afrika S. 63), dafs in Afrika das 
Mosaikbild die Freskomalerei verdrängt habe, ein- 
zuschränken. Malereien auf Stuck sind in der That 
so sehr der Zerstörung ausgesetzt, dafs sie heute 
fast ganz vernichtet, aber doch einst einigermafsen 
häufig gewesen sein können. Die Villa, welche wohl 
eher verlassen als zerstört wurde und die dann der 
Flugsand bedeckt und vor gewaltsamer Zerstörung 
beschützt hat, verspricht bei ihrer guten Erhaltung 
eine recht interessante Ausgrabung. Ein Gemach 
hatte sogar noch seine gewölbte und reich bemalte 
Decke; leider stürzte dieselbe während der Aus- 
grabung ein. Von der zweiten Villa sind nur noch 
die Grundmauern erhalten, aber mit seiner Lage 
auf der das Meer beherrschenden Düne und der 



70 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



vornehmen Ausstattung mit Mosaiken (s. oben) und 
Wandmalereien besten Stils ist dies Schlofs am Meer 
auch noch in seinen Ruinen ein hervorragendes 
Zeugnis für die Freude der Römer an schön ge- 
legenen und prächtig ausgestatteten Landsitzen. 
Die Front der Villa war von zwei Türmen flankirt 
— ganz wie es heute die Farmen der Gegend zu 
sein pflegen (s. unten S. 73) ; eine vorgebaute 
Loggia eröffnete einen freien Ausblick auf die See. 
Von Mahedia — einem sehr malerisch auf einer 
Landzunge gelegenen arabischen Städtchen — aus 
besuchten wir Thapsus. Das römische Thapsus ist 
heute ein weites Trümmerfeld. Hervorzuheben sind 
die gewaltigen, aus wohl 25 einzelnen Wasser- 
kammern bestehenden Cisternen ; sonst ist wenig zu 
erkennen, aber von künftigen Grabungen viel zu 
erhoffen. Von der punischcn Stadt sind nur noch die 
in die Düne gebetteten Gräber übrig. Ähnliche 
in Lage und Anlage genau mit der von Thapsus 
übereinstimmende Nekropolen findet man auch 
weiter südlich: bei El-Alia, Mahedia und Sallakta, 
dem alten Syllectum, und nördlich: bei Lemta 
(Leptis minor) und Monastir (Ruspina), Wie ehe- 
dem die ganze Küste der Byzacene mit phönizischen 
Faktoreien besetzt war, so stecken in den Strand 
und Binnenland scheidenden Dünen, hinter denen 
sich die Emporien verbargen, ungezählte Gräber. 
Sie gehören meist dem 3. — 2. Jahrhundert v. Chr. 
an und enthalten dasselbe Gerät wie die karthagische 
Nekropole von Bordsch-Dschedid (s. S. 64). Die 
Grabkammer befindet sich auf dem Grunde eines 
2 — 3 Meter tiefen, in den lockeren Tuff gearbeiteten 
Schachtes, in den man mit Hülfe einer Treppe 
hinabsteigt — ganz wie in den anderen punischen 
Nekropolen. Die Gräber waren an der Oberfläche 
durch eine rechteckige, in eine kleine Pyramide 
endende Stele (0,80 m hoch) bezeichnet, deren 
mehrere gefunden worden sind. Sie befinden sich 
ebenso wie die anderen Funde in der Sammlung 
der Herren Epinat und Noväk zu Mahedia, denen 
die Entdeckung dieser Nekropole verdankt wird. 
Dieselben Cippen hat man in Karthago (s. otren) 
und im sardischen Tharros gefunden. Gauckler 
{Bull, du Comite 1899 p. XVI) nimmt wohl mit Recht 
an, dafs die gewaltigen über dem eigentlichen, 
unterirdischen Grab aufgeführten Mausoleen mit 
pyramidenförmigem Abschlufs — Medragen, Grab 
der Christin — nichts anderes als eine gigantische 
Vergröfserung dieser kleinen, genau dieselbe archi- 
tektonische Form darstellenden Cippen sind. Ver- 
gleichen möchte ich, dafs sich die Form der 
arabischen Grabkapelle (Kubba) ganz ebenso aus 
dem einfachen Grab, bei dem das Kopfende durch 



eine kleine Kuppel bezeichnet ist, ableiten läfst. 
So sah ich in Kairuan bei der Moschee des Barbiers 
eine Menge solcher Kuppelgräber von verschiedenen 
Dimensionen, die aber alle wie eine unendlich ver- 
kleinerte Copie der benachbarten Moschee aussahen. 
Das logische Verhältnis ist natürlich umgekehrt: 
aus dem einfachen Grab entwickelt sich durch be- 
liebige Vergröfserung des einmal feststehenden 
Typus die Grabkapelle und weiter die Moschee. 
Ebenso ist der Hof der Moschee (haram) nichts 
anderes als eine Vergröfserung der aus rohen Steinen 
geschichteten rechteckigen Einfriedigung, welche oft 
die primitiven arabischen Heiligengräber umgiebt (s. 
meine Besprechung von Cartons Aufsatz: La sepulture 
a enceinte de la Tunisie in Berl. Phil. Wochenschrift 
1898 p. 753). Dieses durch die Jahrtausende 
hin zu verfolgende Festhalten an denselben archi- 
tektonischen Elementen einer-, und das Bestreben, 
unter Beibehaltung derselben Grundformen doch 
auch allen Bedürfnissen gerecht zu werden anderer- 
seits, dürfte ein besonders concretes Zeugnis für die 
orientalische Beharrlichkeit, aber auch für orien- 
talisches Anpassungsvermögen sein. — InMoknine 
besichtigten wir die dort gefertigten eigenartigen 
Juwelierarbeiten. Man findet unter ihnen Gegen- 
stände, die ebenso gut aus einem punischen Grab 
stammen könnten. Es ist Gaucklers Verdienst, zu- 
erst auf diesen merkwürdigen und auch historisch 
sehr interessanten Kunstzweig aufmerksam gemacht 
zu haben. Ähnliche Beobachtungen kann man auch 
bei anderen Erzeugnissen des arabischen Kunst- 
gewerbes machen. So erinnert die für die Teppiche 
und Decken von Sfax (im tunesischen Süden) und 
die Töpfereien von Nabeul charakteristische geo- 
metrische Zeichnung der Figuren von Menschen 
und Tieren lebhaft an archaische Vasenmalerei und 
es dürfte nicht ausgeschlossen sein, dafs in dieser 
Technik noch heute Erzeugnisse des griechischen 
Handwerks, die von Kyrene oder den Inseln aus 
an die tunesische Küste gelangten, nachgebildet 
werden. 

Einen kurzen Bericht über die von ihm in der 
Nekropole des alten Thenae gemachten Funde 
giebt der Vicomte de l'Espinasse-Langeac im Bull, 
du Comite 1898 p. 192 f. Es wird bei dieser Ge- 
legenheit auf die Menge von Ruinen, welche man 
zwischen Sfax und Gafsa findet, zugleich aber auch 
auf den Vandalismus der mit dem Bauder Klein- 
bahn Sfax — Gafsa beschäftigten Unternehmer hin- 
gewiesen. Man darf hoffen, dafs Gauckler diese 
Herren im Auge hält und dafür sorgt, dafs die 
Anlage der Bahnlinie nicht zum Schaden sondern 
zum Nutzen des ihm anvertrauten Ressorts um- 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



71 



schlägt. Der Bau einer Strafse oder gar einer 
Bahn bietet in einem mit Ruintn übersäten Lande, 
wie es das römische Afrika ist, eine selten günstige 
Gelegenheit zur gründlichen Erforschung der neu- 
erschlossenen Gegend. Ich habe auf meiner letzten 
Reise mehrfach die neuangelegtcn tunesischen Bahn- 
linien gröfsere Strecken lang begangen und von Kilo- 
meter zu Kilometer Ruinen angetroffen. 

Bei der Gründung einer französischen Farm in 
dem Fas-er-Ria genannten oberen Milianathal — 
noch heute einer der fruchtbarsten Gegenden 
Tunesiens — sind die Ruinen einer römischen 
Stadt: Aradi, deren Name die arabische Benennung 
der Localität: Bu-Arada erhalten hat, entdeckt 
worden (s. Gaucklers Bericht im ßull. du Comife i8gg 
p. 160 f.). Auf einem Stadtthor der einfachen, älteren 
Form stand eine den Commodus erwähnende In- 
schrift; ein anderer Text (p. 163) nennt neben 
punischen Namen die sufetes. Solcher Sufetenin- 
schriften sind im Milianathal bereits mehrere gefunden 
worden; aus derselben Gegend stammt auch die be- 
rühmte 2 Sufeten und einen Q. Marcius Protomacus 
nennende Trilingue (s. Proces-verbaux Jan. 1899 p.X); 
die Kultur des Milianathales war offenbar schon in 
vorrömischer Zeit eine recht intensive. 

Ein Landschaftsbild des tunesischen Südens zur 
Römerzeit bietet ein Mosaik, das man in einem der 
vielen Hügel, welche die Steppe zwischen Sfax und 
Gafsa bedecken und die Reste römischer Farmen 
bergen (s. oben), gefunden hat (s. Gauckler im Bull, du 
Comite 1899 p. 166 f.). In einer mit Oliven, Cypressen, 
Wein und Granaten (?) '" bepflanzten Gegend sind 
berittene Jäger auf der Gazellenjagd dargestellt. 
Der Verfasser hebt besonders die naturgetreue 
Zeichnung der Pflanzen hervor. Die Weinreben 
sind wie auf dem Mosaik von Thabraka (Musee Alaoui, 
planches: pl. III) in kreisförmigen mit Reifen um- 
spannten Gruppen gepflanzt, ein für die Kenntnis 
des römischen Weinbaues recht wichtiges Detail. 
Die Mosaik von Oglet-Ata hat historischen Wert, 
denn sie zeigt, dafs die tunesische Steppe zur 
Römerzeit mit Fruchtbäumen bepflanzt war; wer 
den Naturalismus afrikanischer Mosaikbilder kennt, 
weifs, dafs man die dargestellten Pflanzungen duich- 
aus nicht als • rein dekoratives Element auffassen 
darf. Die Gazellenjäger sind unbewaff"net; es handelt 
sich also um eine Hetzjagd: dies ist noch heute 
die in der Steppe gebräuchliche Art der Gazellen- 



^) Gauckler sagt orangers, aber Pomeranzen 
sind erst durch die Araber nach Afrika gekommen 
(s. Hehn, Kulturpflanzen'' p. 364). Das farbige 
Original kann allein Aufklärung bringen ; die Ab- 
bildung ist nicht hinreichend deutlich. 



jagd. Das Mosaikbild ist mithin ein neues Beispiel 
für die vielen Beziehungen, welche das heutige 
Afrika mit dem alten verbinden. 

Über die bei der topographischen Auf- 
nahme der Gegend zwischen El Kef und der 
algerischen Grenze (Blatt öwar^a/^.- 1897) gewonnenen 
archäologischen Ergebnisse berichtet der Haupt- 
mann Toussaint im Bull, du Comite 1898 p. 196. 
Es wurden festgestellt mehrere römische Strafsenzüge 
und eine Menge gröfserer und kleinerer Ansiedlungen, 
die allerdings aufser Inschriften kaum bemerkens- 
werte Fundstücke ergeben haben. Wir befinden 
uns hier in einer wenig kultivirten Berglandschaft, 
in der naturgemäfs gröfsere Ortschaften fehlen; 
statt ihrer findet man isolirte Farmen, kleine Flecken 
und zahlreiche Castelle. Die wichtigste Ruine dürfte 
Hr. Gergur sein, wo sich nach Ausweis einer be- 
kannten Inschrift die aus cives Romain et Numidae 
bestehende y>commune mixte« Masculula befand. Die 
neu gefundenen Inschriften nennen denn auch eine 
Menge Personen mit punischen Namen in römischer 
Form {Namgede Balatonis filia etc.). 

Derselbe Offizier hat bei der topographischen 
Aufnahme der Gegend von Maktar (Mactaris) den 
Ruinen dieser im Herz des heutigen Tunesien und 
im Quellgebiet der beiden wichtigen Flüsse: Ued 
Siliana und Ued Miliana (oder, wie sein Oberlauf 
heifst: Ued Kebir) gelegenen Gegend sein Interesse 
zugewandt. Im Bull, du Comite (i8gg p. l85f.) führt 
er die von ihm besuchten Ruinenplätze auf, deren 
Menge allein schon von der ehemaligen Kultur dieser 
Gegend Zeugnis ablegt. Hinzu kommen zahlreiche 
auf Stadtthoren, Mausoleen etc. angetroffene In- 
schriften. Die Gegend hat ein besonderes historisches 
Interesse, weilaufdem zwischen Siliana und Ued Kebir 
liegenden Plateau die Schlacht bei Zama geschlagen 
zu sein scheint. Während man früher für die An- 
Setzung des Schlachtfeldes gar keinen lokalen Anhalt 
hatte,ist seit einiger Zeit der Name Zama urschriftlich 
fixirt, aber gleich an zwei verschiedenen Orten: 
wir haben die Wahl zwischen dem bei Dschama 
(C. L-L. VIII p. 1571) gelegenen westlichen und dem 
bei Sidi Amor Dschedidi festgestellten (C. I. L. VIII 
p. 1240) östlichen Zama. Die Topographie der 
Schlucht (Sallust, /ug. $T.Zamam . . oppidum incatnpo 
situm) scheint besser zu dem östlichen Zama, bei 
dem J. Schmidt, als zu dem westlichen, bei dem 
Mommsen das Schlachtfeld suchte, zu passen, denn 
nur dort giebt es die von Sallust erwähnte Ebene 
und seine auf afrikanische Topographie bezüg- 
lichen Angaben haben sich als durchaus correct 
erwiesen (s. J. Schmidt im Rhein. Mus. Band 44 
und 45). 



72 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



Über die auf den isolirten Berghohen — Kefs 
und Kaiaas nennen sie die Araber — der Gegend 
zwischen El - Kef und Thala so häufigen mega- 
lithischen Gräber (Dolmen) berichtet Toussaint 
im Bull, du Comite iS<)i p. 3i4f. Diese uralte Gräber- 
form scheint bei den Berbern noch in arabischer Zeit 
gebräuchlich gewesen zu sein, denn man hat in einem 
der Gräber eine arabische Münze gefunden. Auch 
hier würde sich also ergeben, dafs die Kultur der 
Berbern eine ungemein stabile gewesen ist. Ist doch 
auch das libysche Alphabet noch heute in Gebrauch. 

Der Leutnant Hilaire hat in den 3p km süd- 
lich von El-Kef gelegenen Hr. R'gass genannten 
Ruinen eines antiken Bergstädtchens 14 Stelen 
gefunden, deren Bildwerke ihre Zugehörigkeit zum 
punischen Kult beweisen und mit denen der Saturn- 
stelen manche Ähnlichkeit haben (s. Bull, du Comite 
1898 p. 177 f.). Es liefsen sich vier Arten von 
Stelen unterscheiden. Den ältesten Typus stellen 
rohe Steine dar, die in die Klasse der megalithischen 
Denkmäler gehören (menJiirs); dann folgen roh- 
behauene Stelen mit pyramidenförmigem Aufsatz: 
das ist die charakteristische Form der punischen 
Votivstele, dann Steine dieser Form mit alt- 
punischen und schliefslich solche mit neupunischen 
Bildwerken (Opfertieren und Symbolen der punischen 
Götter). Die Stelen stammen, wie sich aus ihrem 
Material ergiebt, aus dem benachbarten Thala, 
welches ein wichtiger punischer Kultort gewesen 
zu sein scheint. Wir ersehen aus diesem be- 
scheidenen Sanctuarium aufs neue, dafs sich be- 
sonders in den Bergen der alte Glaube bis spät in 
die Kaiserzeit hinein erhalten hat. 

In der Nähe von Maktar hat man ein römisches 
Nymphäum ausgegraben und bald wird die zu- 
gehörige auf einem Architrav stehende Inschrift aus 
byzantinischer Zeit von neuem den wiederbelebten 
Quell preisen: 

Intus aquae dukes vivoque sedilia saxo Nympharum 
(Vergil, Aen. i, i67f.) — qucu Florenti fundata labore 
sunt de donis dei. {Proces-verbaux: April 1899 p. VIII). 
Dafs die Vergilverse gerade dem die Didotragödie 
enthaltenden Teil der Aeneis angehören, mag, da diese 
Partie die Afrikaner mehr als das übrige Gedicht 
interessirte, nicht ohne Bedeutung sein. 

Im Jahrgang 1899 der Nouvelles Archives des 
Missions scientifiques et litteraires berichtet P. Blanchet 
über eine von ihm April bis August 1895 ausge- 
führte Bereisung des tunesischen Südens 
{Mission archeologique dans le centre et le sud de la 
Tunisie par P. Blanchet: p. 103 — 153). Der zurück- 
gelegte Weg beträgt nicht weniger als 2800 Kilo- 
meter (S. 151). Das vornehmste Ergebnis von all- 



gemeinerem Interesse ist die Feststellung von vier 
Ansiedlungszonen (s. p. 152 f.). Die erste Zone 
ist das Gebiet der Städte; sie reicht vom Meer etwa 
40 Kilometer ins Innere und umfafst als Typus der 
städtischen Centren dieser Gegend Thysdrus, die 
durch das gewaltige Amphitheater berühmte Kapitale 
der tunesischen Steppe (s. oben). Die zweite 
Zone der römischen Colonisation im Süden wird 
bezeichnet durch kleinere Siedlungscentren : Dörfer. 
Während die erste Zone, das Littoral, noch heute 
mit den herrlichen Olivenwäldern von Sussa, den 
kleinen aber lebhaften Emporien Monastir, Mahedia, 
Sfax, Gabes und dem von ihnen aus in die Steppe 
vorgedrungenen Anbau als Kulturland gelten kann, 
gehört in der zweiten Zone — Gegend der Sebcha 
(Salzsee) Scherita und S. Bu Tsedi — die Boden- 
kultur der Vergangenheit an : zahlreiche Reste von 
Olivenpflanzungen und Ruinen von Dörfern zeugen 
für die ehemalige Kultur dieser »province perdue«. 
Erheblich weniger intensiv war schon in römischer 
Zeit die Colonisation der dritten Zone, des 
heutigen Gebiets der kühnen Reiter des Stammes 
der Suassi. Hier waren nicht mehr Dörfer oder gar 
Städte der Stützpunkt der römischen Occupation, 
vielmehr lehren die Reste isolirter Farmen — 
Bordsch und Kasr nennt man heute solche in der 
wilden Steppe liegende und wie kleine Castelle be- 
festigte Ansiedlungen — , dafs hier auch in römischer 
Zeit nur der kühne Unternehmungsgeist einzelner 
Colonisten der römischen Kultur eine Stätte bereitet 
hatte. Wir sind hier im Bereich der aus den In- 
schriften wohlbekannten saltus , der grofsen guts- 
herrlichen Territorien. 

Die vierte, äufserste Zone mufs damals wie 
heute das Reich der Nomaden — heute des Stammes 
Slass — gewesen sein. Blanchet hat in dieser 
Gegend fast gar keine Ansiedlungen, wohl aber 
Gräberfelder, bei denen sich stets gröfsere Cisternen 
und andere Anlagen zum Aufsammeln der Nieder- 
schläge finden, festgestellt. Wie soll man diese 
merkwürdige Vereinigung von Wohnstätten für die 
Toten mit Trinkplätzen für die Lebenden, bei denen 
sich aber gar keine Ansiedlung irgend welcher Art 
befindet, verstehen? Wenn Blanchet richtig be- 
schreibt, bleibt freilich keine andere Möglichkeit 
übrig, als diese seltsamen Ruinenplätze aus dem 
Nomadentum derer, die sie hinterliefsen , zu er- 
klären: auch den Nomaden fesselte etwas an die 
Scholle: sein Grab, und es begreift sich, dafs man 
für die, welche die Gräberfelder besuchten, um ihre 
Toten beizusetzen, durch Anlegung von Cisternen 
sorgte. Aufp. 125 f. beschreibt Blanchet ein charakte- 
ristisches Beispiel dieser Ruinenklasse, das Gräber- 



Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



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feld von Hausch Taascha. Über eine Fläche von 
4 Hektaren hin findet man eine Menge jener koffer- 
förmigen Grabsteine {cupulae, s. S. 78), welche die 
afrikanischen Friedhöfe charakterisiren und 
Schöpfungen der panischen Sepulcralkunst sind, 
aber inmitten dieser einheimischen Gräber erheben 
sich 12 Mausoleen römischen Stils: viereckige meist 
in zwei Abteilungen gegliederte GrabtUrme mit 
Nischen zur Aufnahme von Statuen und römischer 
Ornamentirung. Soll man die auch den Berbern 
zuschreiben ? Unmöglich ist es nicht, dafs vornehme, 
in etwa romanisirte Berbern für sich und ihre Toten 
Gräber nach römischer Art erbaut haben und, was 
sehr merkwürdig ist, einige (s. Fig. 12 und 13) 
jener Mausoleen haben auf viereckigem Unterbau 
nicht die übliche Pyramide, sondern das Kuppel- 
dach, die Kubba, der arabischen Gräber. Eine 
solche Verbindung orientalischer — von den 
Phöniziern eingeführter — und römischer Archi- 
tekturelemente dürfte freilich ganz gut zu einem in 
den obern Schichten einigermafsen romanisirten 
Stamm passen. Jedenfalls verdient dieser neue 
Grabtypus das gröfste Interesse: er ist ein neues 
Beispiel für die antike Herkunft mancher als arabisch 
geltender Bauformen. Inschriften hat Blanchet auf 
diesen »nomadischen« Gräberfeldern nicht gefunden: 
auch dies spricht für die Annehmbarkeit seiner 
These. 

Ferner verdienen Beachtung die beiden ein Thal 
sperrenden Mauern von Henschir-Ued-Skiffa (p. 141) 
und Ksar-Benia (p. 147), in denen Blanchet nicht, 
wie man erwarten sollte, Thalsperren, sondern richtige 
ein Defile schliefsende Befestigungen sehen will, welche 
den Nomaden der Wüste den Eintritt in das Gebiet 
der Hochebene und damit in die römische Provinz 
wehren sollten. Wir hätten es nach ihm mit dem 
afrikanischen Limes zu thun, der hier nicht 
aus einer fortlaufenden Befestigung, sondern aus 
mehreren an den wichtigsten Defiles angelegten 
Sperren — auf eine solche Zerstückelung des 
afrikanischen Limes weisen auch die verschiedenen 
Namen: limes Montensis, limes Talalatensis etc. hin 

— bestanden hätte (s. p. 155). In der That sehen 
die von B. im Mittelpunkt der Mauern auf der Thal- 
sohle gefundenen kleinen Umwallungen eher wie 
ein zur Überwachung des Defiles angelegtes Castell 

— also ein afrikanisches Limescastell — als wie 
die Behausung des Wächters einer Thalsperre — 
die man auch nicht am tiefsten Punkt der Thalsperre 
angebracht haben würde — aus. . 

Aufserdem hat B. mehrere jener befestigten 
Farmen, wie man sie besonders im Süden des 
römischen Afrika antrifft, gefunden. Auf p. 144 ist 
Archäologischer Anzeiger läOO. 



der Plan eines solchen »Bordsch« abgebildet: der- 
selbe besteht wie die Villa von Udna aus einem 
centralen Hof und einer Reihe von denselben 
umgebenden gewölbten Zimmern. In der Mitte 
der Ostfagade stand ein Turm. Die — schon oben 
(S. 70) berührte — Ähnlichkeit einer solchen be- 
festigten Villa mit dem heutigen Bordsch ist frappant: 
ich hatte auf meiner Reise, heute in einem französi- 
schen Bordsch übernachtend, morgen die Ruinen 
einer dieser Villen aufnehmend, öfter Gelegen- 
heit, sie zu constatiren. Wichtiger noch als diese 
Übereinstimmung der baulichen Typen ist die Er- 
fahrung, dafs der Zug der Strafsen, die Auswahl 
der strategischen Punkte eine durchgehende Conti- 
nuität aufweist und B. hat ganz recht, wenn er 
(S. 93 der unten citirteti, seinen Bericht ergänzenden 
Abhandlung) sagt: en viatiere darcheologie africaine 
l'anachronisme est une methode. — Eine wichtige 
Ergänzung zu diesem vom Limes der procon- 
sularischen Provinz handelnden Teil seines Reise- 
berichtes hat B. im 32. Band des Recueil de Constantlne 
(p. 71 — 96 : sur quelques pointsfortifies de lafrontiere 
Sahar ienne) gegeben. Vor allem findet man hier 
eine Karte jener afrikanischen Limesgegend, auf der 
die drei befestigten Defiles: Kalaat Benia, Ksar 
Benia (und Hr. Skiffa) und Tlalat deutlich hervortreten. 
Es sei bei dieser Gelegenheit auf zwei demselben 
Gegenstand gewidmete Aufsätze von Toutain ver- 
wiesen, von denen der erste {Melanges de l'Ecole de 
Rome 1898, 201 f.) die römischen Wege im tunesi- 
schen Süden und in Tripolis, der zweite (^Melanges 
1899, 63 f.) die römische Colonisationin der algerischen 
Sahara behandelt. 

Aus dem 4. Heft der Enquete sur les installations 
hydrauliques roni. en Tunisie (Tunis 1899) hebe ich 
die von Gauckler gegebene Übersicht über die 
Fortschritte dieser auf Veranlassung des General- 
residenten Millet veranstalteten Untersuchung und 
die beiden Berichte des Ingenieurs Drappier — 
jetzt Sekretär des Service des Antiquites — hervor. 
Recht beachtenswert ist Gaucklers Protest gegen 
eine in La Blancheres Schrift L'amenageinent de l'eau 
et l'installation rurale dans l'Afrique ancienne zum 
Ausdruck kommende Überschätzung der römischen 
Wasserwerke. La Blanchere folgerte aus der Menge 
und Bedeutung gewisser in der von ihm untersuchten 
Enfidalandschaft (Littoral südlich von Hammamet) 
vorhandenen Anlagen zur Sammlung und Verteilung 
der Niederschläge, die Römer hätten überall im 
selben Mafsstabe gearbeitet. G. stellt fest, dafs die 
im Enfida besonders jähen wolkenbruchartigen 
Niederschläge besondere Mafsregeln nötig machten, 
während man sich sonst mit der Anlage von kleinen 



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Archäologische Neuigkeiten aus Nordafrika. 



Cisternen und primitiven Sperren habe begnügen 
können. Die besonnene Kritik zeigt, dafs der Leiter 
der Enquete feststellen will, wie es gewesen ist und 
sich von einer Überschätzung der römischen 
Leistungen und der nachgerade zu sehr beliebten 
Gepflogenheit, die Arbeiten der Römer der französi- 
schen Colonisation als unerreichbares Riesenwerk 
entgegenzustellen, fern hält. — Drappier hatte die 
Aufgabe, die in dem weniger bekannten Innern 
des Landes vorhandenen römischen Wasserwerke 
aufzunehmen. Der erste Bericht (hydraulique urbaine) 
macht uns mit den hydraulischen Anlagen einiger am 
und südlich vom Medscherda liegenden Städte 
bekannt. Ich erwähne die grofsen Cisternen von 
Teburba (Ihuburbo Maius), die von einem 13 Kil. 
langen Aquäduct gespeist wurden (p. 132), den Plan 
der bei dem Berberndorf Schauasch gelegenen 
Ruinen des römischen Sua, welches durch zwei in 
der Stadt selbst gelegene und zwei entferntere, 
aber durch eine Leitung mit dem städtischen 
Reservoir verbundene Quellen reichlich mit Wasser 
versorgt wurde (p. 132), ferner die an den Abhängen 
des Dschebel Mrabba zum Stauen der Niederschläge 
angebrachten Mauern (p. 138), sowie den Plan von 
Medei'na (Althiburus), auf dem 12 zum Teil mit 
Kanälen zur Berieselung der Felder versehene 
Quellen verzeichnet sind, und Feriana (^Theleple) 
mit drei i — 2 Kil. langen Leitungen. Jede Seite der 
Enquete zeigt, welche Sorgfalt die Römer auf die 
Wasserverhältnisse verwendet haben und welche Auf- 
gaben der modernen Colonisation dieses alten Kultur- 
gebietes bevorstehen, dessen heutiger Zustand nur 
den mit einem Existenzminimum zufriedenen Arabern 
einen Unterhalt bietet. Als hydraulique rurale sind 
Berieselungsanlagen und alles, was in den kleineren 
Ansiedlungen: Dörfern und Farmen zur Aufsammlung 
des Wassers diente, bezeichnet. Ich habe auf meiner 
letzten Reise selbst Gelegenheit gehabt, mich von 
der Häufigkeit römischer Wasserwerke in heute ganz 
verödeten Gegenden zu überzeugen. Was immer 
an Brunnen und Quellen nutzbar ist, war es schon 
in römischer Zeit und es ist nur der Dauerhaftigkeit 
der römischen Arbeiten zuzuschreiben, dafs über- 
haupt noch so viele Quellen und Brunnen nutzbar 
sind: die Araber legen auf Instandhaltung solcher 
Anlagen nicht den mindesten Wert; es genügt ihnen, 
wenn die halbverschütteten Quellen und Brunnen 
überhaupt noch spärliches Wasser Hefern. — In 
den von Offizieren für die Enquete gelieferten 
Berichten über die römischen Wasseranlagen im 
äufsersten Süden finden sich Beispiele einer aus 
einem Ued — durch Ableitung des Wassers — 
gespeisten Cisterne (p. 193) und einer am Fufse eines 



Berges angelegten Mauer, durch welche das in der 
Regenzeit zu Thal fliefsende Wasser zugleich gestaut 
und in ein seitwärts gelegenes Bassin geleitet wurde 
(p. 194). 

In Bir-b